Lade Inhalt...

Die erste Exkommunikation Friedrichs II. in der Publizistik

Seminararbeit 2005 17 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Historischer Hintergrund

3. Quellenvergleich: Die Exkommunikationsenzyklika Gregors IX. im Vergleich
mit Friedrichs Rundbrief
3.1 Allgemeine Merkmale
3.2 Die historische Argumentationsweise Gregors und die Reaktion Friedrichs
3.3 Die Vorwürfe im unmittelbaren Zusammenhang mit den Ereignissen 1225-1227

4. Ergebnisse

Verwendete Literatur

1. Einleitung

Politische Konflikte und deren Darstellung in der Öffentlichkeit geben nicht erst seit Beginn der Neuzeit Anlaß zu publizistischen Auseinandersetzungen zwischen den opponierenden Parteien. Auch im Mittelalter hatten politische Akteure guten Grund, gegenseitige Anschuldigungen der Öffentlichkeit bekanntzugeben und die Empfänger durch mehr oder minder polemische Schreibe beeinflussen zu wollen. Schließlich waren gerade die Großen des Mittelalters in ihrer Herrschaftsausübung auf die Unterstützung anderer angewiesen. Die Machtverhältnisse basierten seit dem Hochmittelalter auf weitverzweigten Bündnissen des quid pro quo und auch der Gehorsam der Fürsten gegenüber einem Herrscher war nicht ohne weiteres selbstverständlich. Das Werben um Gefolgsleute erforderte aber nicht nur die Vergabe von Privilegien, sondern sicher auch die Fähigkeit, in einem politischen Konflikt seinen jeweiligen Standpunkt mit rhetorischen Finessen darzustellen.

Die erste Exkommunikation Friedrichs II. von 1227 ist ein anschauliches Beispiel für einen solchen Konflikt: Die Enzyklika Gregors IX. vom 10.10.1227[1], in der er die Exkommunikation des Stauferkaisers öffentlich rechtfertigt, und die Antwort des Kaisers, ein Rundbrief an die Könige Europas und die Großen im Reich[2] vom 6.12. desselben Jahres[3], illustrieren die Art und Weise, wie zu jener Zeit ein politisches Ereignis publizistisch dargestellt werden konnte. Auch zeigt der Brief des Kaisers, welche sprachlichen und argumentativen Mittel aufgeboten werden konnten, um auf die Vorwürfe des Papstes zu reagieren.

In meiner Hausarbeit will ich mich auf diesen Aspekt konzentrieren, und der Frage nachgehen, auf welche Weise Gregor gegen den Kaiser argumentiert und welche Möglichkeiten dieser nutzt, um sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen. Ich werde dabei insbesondere versuchen, die jeweiligen Argumentationslinien bzw. -strategien zu beleuchten. Dabei werde ich mich auf die beiden oben genannten Quellen beschränken.

Im Hauptteil meiner Arbeit – dem Quellenvergleich – werde ich mich mit drei Hauptaspekten beschäftigen: Zuerst werde ich die allgemeinen stilistischen Eigenschaften beider Dokumente charakterisieren, dann werde ich auf die historische Argumentation des Papstes eingehen, Argumente also, mit denen auf den Konflikt zwischen Kirche und Kaiser hingewiesen wird, der sich anscheinend schon seit langem abzeichnete. Dabei wird auch zu klären sein, was diese Argumente unmittelbar mit dem Bann Friedrichs II. zu tun haben. Außerdem gehe ich auf die Reaktion des Kaisers ein. Anschließend – in Kapitel 3.3 – werde die „nicht-historischen“ Vorwürfe Gregors mit Friedrichs Reaktion vergleichen, die Gründe also, die auf jeden Fall in unmittelbaren Zusammenhang mit der Exkommunikation gebracht werden. Zum Schluß werde ich meine Ergebnisse in bezug auf deren Bedeutung für die politische Publizistik des 13. Jahrhunderts zusammenfassen.

2. Historischer Hintergrund

Die Exkommunikation Friedrichs II. im September 1227 markiert die vorläufige Eskalation eines Konfliktes, der sich schon seit einigen Jahren langsam angebahnt hatte: Bei seiner Krönung zum deutschen König in Aachen im Jahre 1215 konnte sich Friedrich gegenüber seinem Widersacher, dem welfischen Gegenkönig Otto IV., bei seinen Anhängern einen Vorteil sichern[4], da er nach der Zeremonie das Kreuz genommen und seine Absicht geäußert hatte, zum Kreuzzug nach Outremer aufzubrechen. Das Papsttum, das sich seit Urban II. als erster Anwalt für Kreuzzugsunternehmen verstand, nahm zunächst wenig Notiz davon. Erst als 1218 ein glücklicher Ausgang des fünften Kreuzzugs unter Führung des päpstlichen Legaten Pelagius ernsthaft gefährdet war, wandte sich Papst Honorius III. an Friedrich, um ihn zur Unterstützung zu bitten. Zwischen 1218 und 1227 kam ein Eingreifen des Staufers und – nachdem das lateinische Heer beim Sturm auf Kairo vernichtend geschlagen worden war[5] – ein eigener Kreuzzug unter kaiserlicher Führung allerdings nie zustande. Bis 1225 hatte der Kaiser seinen Aufbruch, der jeweils zu einem festgesetzten Zeitpunkt geplant war, fünfmal verschoben, sei es, weil er noch Zeit gebraucht hatte, um die staufische Herrschaft in regnum und imperium zu sichern oder weil die Rekrutierung Kreuzzugswilliger Schwierigkeiten gemacht hatte. Honorius nahm die Hinderungsgründe Friedrichs mit wachsendem Unmut entgegen und sah es schließlich als ultima ratio an, den Kaiser unter Androhung des Kirchenbanns zum Kreuzzug zu verpflichten. Dies geschah am 25. Juli 1225 in San Germano bei einem beiderseitigen Treffen. Dort wurde festgesetzt, daß Friedrich nun bis August 1227 Richtung Syrien aufbrechen sollte und der Kaiser verpflichtete sich, die dafür benötigten Gelder aufzubringen und bis dahin 1000 Ritter im Heiligen Land zu stationieren.[6] Als der Kaiser schließlich auch den neu vereinbarten Termin nicht einhalten konnte, da am Abfahrtshafen eine Seuche ausgebrochen war, an der er auch selbst erkrankt war, griff Gregor IX. – der Nachfolger Honorius’ – zum äußersten Mittel, das ihm zur Verfügung stand und sprach über Friedrich den Bann aus. Da er mit diesem Schritt den Kaiser schwächte, erschwerte der Papst das Gelingen des Kreuzzuges – Gregor war offensichtlich mehr von der Sorge über die zunehmende staufische Vorherrschaft in Italien bestimmt, als um die Wiedereroberung Jerusalems.[7]

Die Enzyklika mit den Gründen der Exkommunikation, zu der Friedrich im Dezember 1227 öffentlich Stellung nehmen sollte, schrieb der Papst an alle Bischöfe am 10. Oktober, nur wenige Tage nach dem Ausspruch der Bannsentenz.[8]

[...]


[1] MGH Epistolae saec. XIII e registis pontificorum Romanorum selectae, hg. v. C. Rodenberg, Bd. 1, Berolini 1883, S. 281 Nr. 361.

[2] Vgl. Stürner, Wolfgang, Friedrich II. Bd. 2. Der Kaiser 1220-1250, Darmstadt 2000, S. 136.

[3] MGH Constitutiones et acta publica imperatorum et regum (1198-1272), hg. v. L. Weiland, Bd. 2, Hannover 1896, S. 148 Nr. 116.

[4] Vgl. Hiestand, Rudolf, Friedrich II. und der Kreuzzug, in: Friedrich II. Tagung des Deutschen Historischen Instituts in Rom im Gedenkjahr 1994, hg. v. Arnold Esch u. Norbert Kamp (Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom 85), Tübingen 1996, S. 132.

[5] Vgl. Van Cleve, Thomas Curtis, The Crusade of Frederick II, in: A History of the Crusades, Bd. 2, hg. v. Kenneth M. Setton, Philadelphia 1962, S. 436.

[6] Vgl. Stürner, Friedrich II. 2, S. 95.

[7] Vgl. Eickels, Klaus van, Friedrich II. (1212-1250). Mit Heinrich (VII.) (1222-1235), in: Die deutschen Herrscher des Mittelalters, hg. v. B. Schneidmüller u. St. Weinfurter, München 2003, S. 303.

[8] Wenn ich von Friedrich und Gregor als den Autoren der behandelten Dokumente spreche, berücksichtige ich dabei, daß es sich dabei höchstwahrscheinlich nicht um von Kaiser und Papst persönlich formulierte Schriftstücke handelt, sondern daß diese von den jeweiligen Kanzleien ausgearbeitet wurden.

Details

Seiten
17
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638487962
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v53302
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,0
Schlagworte
Exkommunikation Friedrichs Publizistik

Autor

Zurück

Titel: Die erste Exkommunikation Friedrichs II. in der Publizistik