Lade Inhalt...

Die Beziehungen zwischen der Stadt und der Garnison Braunschweig 1815-1866

Magisterarbeit 2003 78 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das braunschweigische Militär
2.1. Die Geschichte des braunschweigischen Militärs nach 1815
2.1.1. Das braunschweigische Militär bis 1806
2.1.2. Vom Söldnerheer zur Konskriptionsarmee
2.1.3. Das braunschweigische Heer nach 1815
2.2. Die Garnison in Braunschweig
2.3. Die Zustände in der Garnison
2.3.1. Mannschaften
2.3.2. Unteroffiziere
2.3.3. Offiziere

3. Die Beziehungen zwischen Stadt und Garnison
3.1. Die Garnison als wirtschaftlicher Motor
3.2. Die Garnison als wirtschaftlicher Konkurrent
3.3. Die Garnison als Ordnungsmacht
3.3.1. Tor- und Schildwachen
3.3.2. Patrouillen und Einsätze gegen Aufruhr und Unruhe
3.4. Die Garnison als Störfaktor
3.4.1. Übergriffe von Zivilisten gegen Soldaten
3.4.2. Übergriffe von Soldaten gegen Zivilisten
3.4.3. Sonstige Probleme mit dem Militärbetrieb in der Stadt
3.5. Die Garnison als Konkurrent zu den städtischen Behörden
3.5.1. Konflikte zwischen Stadtgerichten und Militärgerichten
3.5.2. Konflikte des Militärs mit der Polizeidirektion und anderen Behörden

4. Resümee

ANHANG - Abbildungsverzeichnis

Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Im Jahr 2003 schließt die Bundeswehr in Braunschweig die letzte Kaserne1, damit geht eine lange Tradition der Stadt Braunschweig als Garnisonsstandort zu Ende. Die Kasernenbauten des 20. Jahrhunderts in der Braunschweiger Peripherie sind noch zu sehen und werden anderweitig genutzt, doch die Kasernengebäude des 19. Jahrhunderts sind, abgesehen von der ehemaligen Husarenkaserne am Altewiekring, die heute von der Polizei genutzt wird, nicht mehr vorhanden. An die anderen erinnern nur noch Straßennamen.

Die aktuelle Entwicklung nehme ich zum Anlass, mich genauer mit einem Abschnitt der Braunschweiger Garnisonsgeschichte zu beschäftigen, man könnte sagen, mit einem für Braunschweig lange Zeit wirtschaftlich und gesellschaftlich bestimmenden Aspekt. Dabei ist es Ziel meiner Untersuchung, der noch gänzlich unerforschten Frage nachzugehen, wie sehr die Stationierung von Truppen in Braunschweig das Leben der Bewohner und die Entwicklung der Stadt geprägt haben.

Folglich lautet die Fragestellung dieser Arbeit, in welchem Verhältnis die Garnison, mit ihren Soldaten, Offizieren, Kasernen und Behörden, und das zivile Leben in der Stadt, mit ihren Bewohnern und Behörden, standen, welche Berührungs- und Konfliktpunkte es gab. Hat die Garnison, also das Militär überhaupt einen merkbaren Einfluss auf das Leben in der Stadt gehabt? Zur Klärung dieser Frage gehört zum einen die Untersuchung der sozialen Beziehungen der Menschen untereinander. Wie war das Verhältnis zwischen der Zivilbevölkerung und den in Braunschweig kasernierten Soldaten, die zum Teil selbst Bewohner der Stadt waren, zum weitaus größten Teil aber aus den anderen Städten des Herzogtums oder sogar vom Lande kamen? Waren die Soldaten eher ein Störfaktor oder geschätzte und beliebte Mitbürger? Wurden sie als Garanten für Sicherheit und Ordnung oder als weiterer Auswuchs der omnipräsenten Obrigkeit gesehen?

Zum anderen ist auch das Verhältnis der Behörden, der zivilen und der militärischen, zueinander interessant. Gab es hier Reibungen oder arbeiteten Stadtverwaltung und Garnisonskommandantur Hand in Hand?

Schließlich gehören auch die wirtschaftlichen Kontakte zwischen zivilen und militärischen Partnern zu den von mir untersuchten Beziehungen, sowohl auf kommunal-staatlicher, als auch auf privater Ebene. Wie bedeutend waren die in Braunschweig stationierten Soldaten als Konsumenten und welche Rolle spielte das Militär als Arbeit- und Auftraggeber? Wie versorgte sich die Garnison, in wie weit wurde dafür auf zivile Ressourcen zurückgegriffen? Hatte das Militär eigene Handwerker, eigene Materialquellen oder griff man auf zivile Unternehmen zurück? Gab es vielleicht sogar Kaufleute und Handwerker, die sich auf Geschäfte mit dem Militär spezialisierten und sich dadurch in eine Abhängigkeit begaben?

Zur Geschichte der Garnison in Braunschweig, vor allem aus sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Gesichtspunkten, gibt es bis jetzt überhaupt keine Untersuchungen. Es gibt lediglich kurze Überblicksaufsätze über die Kasernen in der Stadt2.

In den letzten zehn Jahren sind mehrere Monographien und Aufsätze, vor allem aus dem süddeutschen Raum, erschienen, die sich mit einzelnen Garnisonsstandorten auseinandersetzen3. Ansonsten findet man nur kurze, vor allem stadtgeschichtliche Übersichten über verschiedene Garnisonsstandorte4, die allerdings keinerlei sozialgeschichtliche Untersuchungen enthalten, sondern sich meist nur auf Bau- oder Truppengeschichte beschränken. Deswegen war mir ein direkter Vergleich der sozialen Situation in Braunschweig, jedenfalls mit norddeutschen Garnisonsstädten, nicht ohne weiteres möglich. Der von mir untersuchte Zeitrahmen erstreckt sich von 1815 bis 1866, also die Zeit des Deutschen Bundes. Dabei werde ich allerdings die Revolutionen von 1830 und 1848 und die Beteiligung des braunschweigischen Militärs und die Auswirkungen auf die Garnison in Braunschweig ausklammern, da dieses ein Thema für eine eigene Arbeit darstellen würde.

Ebenso werden die militärischen Auseinandersetzungen, in die die braunschweigischen Truppen verwickelt waren - 1848/49 in Schleswig-Holstein und 1866 in Österreich - in dieser Arbeit keine Rolle spielen, da sie wenig direkte Auswirkungen auf das Zusammenleben der Militärs und Zivilisten in der Stadt hatten.

Für diese Arbeit habe ich hauptsächlich Quellen aus den Akten der Militärverwaltung im Niedersächsischen Staatsarchiv in Wolfenbüttel herangezogen, das sind die Garnisonskommandantur und das Kriegskollegium, sowie die des Staatsministeriums als verantwortliche Behörde. Die im Stadtarchiv Braunschweig vorhandenen Akten der Stadtverwaltung lieferten hingegen kaum brauchbare Erkenntnisse zu meiner Thematik.

So habe ich während meiner Recherchen kaum Äußerungen der Braunschweiger Stadtverwaltung bezüglich der Garnison und überhaupt keine überlieferten Äußerungen von Braunschweiger Bürgern bezüglich ihres Verhältnisses zum Militär gefunden.

Ich werde im ersten Teil meiner Arbeit zunächst einmal ein paar grundlegende Worte zu Aufbau und Stärke des braunschweigischen Militärs und zu den Verhältnissen in der Garnison Braunschweig sagen. Im zweiten Teil werde ich zuerst auf die wirtschaftlichen, dann auf die sozialen Beziehungen zwischen Militär und Stadt eingehen und schließlich möchte ich einen Blick auf die Beziehungen zwischen den militärischen und zivilen Behörden in der Stadt werfen.

2. Das braunschweigische Militär

Zunächst einmal gebe ich einen kurzen Überblick über die Geschichte des braunschweigischen Militärs nach dem Ende der napoleonischen Besatzung5 und dem Wiederentstehen des Herzogtums Braunschweig 1815 bis zum Ende des Deutschen Bundes 1866 im Rahmen der Bedeutung für den Garnisonsstandort Braunschweig.

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurden einige Werke verfasst, die sich eingehend mit der Truppen- und Operationsgeschichte der einzelnen Verbände beschäftigen6. Weiterhin gibt es einige modernere, aber vor allem uniformkundliche Werke7, und schließlich einen neueren Aufsatz8, der sich mit Organisation und Aufbau des braunschweigischen Militärs von 1815-1866 auseinandersetzt.

Ich gehe in diesem kurzen Abriss hauptsächlich auf die für die Stadt Braunschweig relevanten Informationen ein, wie zum Beispiel Truppenstärken und Organisation. In dem von mir untersuchten Zeitraum gibt es zwei Kriege, an denen braunschweigisches Militär teilgenommen hat, 1848/49 der Feldzug in Schleswig-Holstein und 1866 der deutsch-österreichische Krieg. In beiden Feldzügen spielten braunschweigische Truppen allerdings keine große Rolle9, im Krieg 1866 kamen sie nicht einmal zum Kampfeinsatz. Aus diesem Grund finden diese beiden Einsätze auch in meiner Arbeit keine Berücksichtigung, da ihre Auswirkungen auf das Leben in der Garnison selbst minimal sind, bzw. sich aus den Quellen nicht nachvollziehen lassen. Zudem bildet der Krieg gegen Österreich das zeitliche Ende des von mir untersuchten Zeitraums.

2.1. Die Geschichte des braunschweigischen Militärs nach 1815

2.1.1. Das braunschweigische Militär bis 1806

Zum ersten Mal wurde die Stadt Braunschweig, neben Wolfenbüttel die einzige befestigte Stadt im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel, 1671 eine fürstliche Garnison10, nachdem sie von den Herzögen belagert, besiegt und unterworfen worden war11. Das stehende Heer, das in den Städten Braunschweig und Wolfenbüttel einquartiert war12, hatte im Laufe der Jahre eine sehr unterschiedliche Stärke, war aber immer mehrere Infanterieregimenter und einige Reiterregimenter stark13, so dass selbst in Friedenszeiten immer einige tausend braunschweigische Soldaten unter Waffen standen14.

Auch zu Beginn des 18. Jahrhunderts unterhielt das Herzogtum Braunschweig- Wolfenbüttel ein für die Größe des Landes sehr zahlreiches Militär, vor allem gestützt auf Subsidienverträge mit England und dem Kaiser15. Im Jahre 1762 befanden sich 16.000 Mann16 in braunschweigischen Diensten17. Doch nach dem Siebenjährigen Krieg waren die Finanzprobleme so groß geworden, dass man begann, das Heer wieder zu verkleinern. Es gab zwar, im Zusammenhang mit dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, für den Braunschweig über 5000 Soldaten lieferte und im Gegenzug 5 ¼ Millionen Taler einnahm, nochmals eine Truppenvermehrung, die aber für das Land selber keine Auswirkungen hatte, da dort selber nur wenige Truppen verblieben. Als im Jahre 1783 die letzten braunschweigischen Truppen aus Amerika zurück- kehrten, verminderte Herzog Carl Wilhelm Ferdinand das Heer erheblich. Um seinen Verpflichtungen dem Reich gegenüber nachzukommen, stellte der Herzog lieber fremde Truppen in seinen Sold, als eigene Truppen auszuheben18.

1806, im Krieg Preußens gegen Frankreich, war Braunschweig in der Hoffnung neutral geblieben, Napoleon würde es verschonen. Trotzdem wurde das Herzogtum Braunschweig von französischen Truppen besetzt, aufgelöst und ging als Departement Oker im Königreich Westfalen auf. Das alte braunschweigische Militär hörte damit auf zu existieren.

Die Stammzelle des Militärs nach 1815 stellte die von Herzog Friedrich Wilhelm 1809 in Böhmen aufgestellte „Schwarze Schar“ dar, die schließlich unter britischem Oberbefehl in Spanien und Belgien kämpfte19.

Nach der Niederlage Napoleons und dem Wiederentstehen des Herzogtums Braunschweig bestand das braunschweigische Militär 1815 aus den aus Belgien heimgekehrten Truppen des bei Quatre Bras gefallenen Herzogs Friedrich Wilhelm, mit einer Stärke von über 7000 Mann20.

2.1.2. Vom Söldnerheer zur Konskriptionsarmee

In der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert hatte eine Entwicklung stattgefunden, der auch das braunschweigische Militär stark verändern sollte. Aus vielen Berufsarmeen waren Wehrpflichtigenarmeen geworden. In vielen Ländern, so auch in Braunschweig, hatte sich das Konskriptionssystem21 durch- gesetzt.

In Braunschweig wurde die Militärpflicht und Rekrutierung durch das Kantonreglement von 182122 geregelt, nachdem es seit 1814 durch eine provisorische Verordnung reguliert worden war. Nach dieser Verordnung war jeder Landesbewohner im Alter zwischen 20 und 25 Jahren dienstpflichtig, d.h. er musste sich für eine eventuelle Verwendung im Militär bereithalten. Das bedeutete aber nicht, vor allem bei geburtenstarken Jahrgängen, dass jeder Dienstpflichtige auch wirklich im Militär Dienst tun musste. Es wurde im Gegenteil sogar nur etwa 1/5 der Dienstpflichtigen eines jeden Jahrgangs ausgehoben23.

Daneben gab es einige Möglichkeiten, seinen Verpflichtungen zu entgehen: Zum einen durch den Lostausch, d.h. man konnte mit einem anderen Dienstpflichtigen die Losnummer24 tauschen, zum anderen konnte man einen Stellvertreter25 schicken. Beide Alternativen mussten jedoch erkauft werden und waren somit nur eine Möglichkeit für betuchtere Menschen.

Von der Dienstpflicht ganz ausgenommen waren zum einen körperlich26 oder geistig untaugliche sowie wehrunwürdige Männer27, zum anderen die Mitglieder des Herrschaftshauses und der standesherrlichen Familien. Aber auch wirtschaftliche Gründe, wie der Besitz von Grund oder das Betreiben eines Gewerbes sowie die Erlangung eines öffentlichen Amtes konnten auf Antrag zur vollständigen Befreiung von der Dienstpflicht führen. Die im Kantonreglement aufgeführten Ausnahmen von der Dienstpflicht umfassen eine ganze Reihe von Fällen, so dass man sagen kann, dass hier sehr stark Rücksicht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse und Bedürfnisse der Landesbewohner genommen wurde. Dadurch kann man aber keinesfalls von Wehrgerechtigkeit sprechen28.

2.1.3. Das braunschweigische Heer nach 1815

Im neuen braunschweigischen Militär hatte traditionsgemäß der Herzog den Oberbefehl über das gesamte Heer inne. Unter seinem direkten Kommando stand der Kommandeur des aktiven Korps29, bzw. ab 1848 der Brigade- kommandeur. Der Garnisonsdienst oblag den Garnisons- oder Stadt- kommandanten30.

Die oberste Militärverwaltung stellte die 1816 geschaffene Militär Administrations-Kommission dar, ab 1826 Herzogliches Kriegs-Collegium genannt, deren Aufgaben von rein militärischen Angelegenheiten getrennt war31. Ihr unterstanden die Kriegskasse, die Kasernenverwaltung und weitere Kommissionen und Verwaltungen für Verpflegung, Fourage32, Montierung33, das Militärhospital sowie das Zeughaus.

Im für diese Untersuchung relevanten Zeitraum ist es schwierig, zu jedem Zeitpunkt konkrete Zahlen für die Stärke der Garnison in Braunschweig zu geben, da diese sich durch Schwankungen in der Truppenzahl, sowie durch viele Beurlaubungen häufig veränderte.

Die neue vormundschaftliche Regierung34 verfolgte von Anfang an einen rigorosen Sparkurs, von dem auch das Militär betroffen war. So beschloss das Geheimraths-Collegium35, das die Regierungsgeschäfte für die vormund- schaftliche Regierung Georgs führte, fast direkt nach der Demobilisierung des braunschweigischen Truppenkorps 1816 eine außerordentliche Truppen- verringerung. Insgesamt bestand danach das braunschweigische Militär noch aus nominell ca. 1800 Mann36, doch tatsächlich waren es weit weniger, da 60% der Soldaten beurlaubt wurden, so dass statt der Sollstärke von 400 Mann lediglich 160 Mann in jedem der vier Infanteriebataillone37 wirklich unter Waffen standen. So konnte von einer starken militärischen Präsenz in Braunschweig, wie etwa im 17. und 18. Jahrhundert, zu dieser Zeit keine Rede sein. Die Husaren wurden sogar als berittene Polizeitruppe, sogenannte Polizeihusaren, eingesetzt und auf die Städte und Landstädte im ganzen Herzogtum verteilt38.

Durch den 1815 gegründeten Deutschen Bund und dessen 1821 verabschiedete Bundeskriegsverfassung war das Herzogtum Braunschweig, wie alle Mitgliedsstaaten, verpflichtet, ein Prozent der Bevölkerung als Truppenkontingent für die gemeinsamen Bundestruppen zur Verfügung zu stellen39. Bei einer für das Jahr 1819 für das Herzogtum Braunschweig errechneten Bevölkerung von 209.60040 Personen, ergab sich daraus eine Zahl von 2096 dem Deutschen Bund zur Verfügung zu stellenden Soldaten. 1/7 davon musste die in der Unterhaltung kostenintensive Kavallerie bilden41, weiterhin waren pro 1000 Mann zwei Geschütze mit Bedienpersonal vorgeschrieben42. Aus diesen Verpflichtungen ergab sich, da auch weiterhin ein Sparkurs eingehalten werden musste, auch die faktische zahlenmäßige Obergrenze des braunschweigischen Truppenkorps, das zusammen mit den königlich-hannoverschen Truppen die 1. Division des X. Bundes-Armee-Corps43 bildete. Auch blieb man weiterhin bei dem Brauch, die meiste Zeit des Jahres große Teile der Militärpflichtigen zu beurlauben, um die Kosten auf ein Minimum zu reduzieren. Laut Bundeskriegsverfassung war es den Mitgliedsstaaten erlaubt, 5/6 der Mannschaftsdienstgrade bei der Infanterie, 2/3 bei der Artillerie und 1/3 bei der Kavallerie zu beurlauben44. Daher lag die effektive Friedensstärke der braunschweigischen Truppen zu Beginn der 1820er Jahre bei etwa 520 Mann45.

In der Regierungszeit des als prunksüchtig bekannten Herzogs Carl II. (1823- 1830) fanden mehrere Truppenvermehrungen statt. Durch die Neubildung eines Jägerbataillons, aus dem später das Leibbataillon werden sollte, und durch die Verstärkung der Infanterieregimenter erhöhte sich allein der Personalbestand der Infanterie auf über 2500 Mann46. Dazu kamen noch die etwa 300 Mann starke Kavallerie, die bis 1825 nur aus wenigen Polizeihusaren bestanden hatte, von Carl II. aber zum Garde-Husarenregiment ausgebaut wurde, und schließlich die Artillerie mit etwa 150 Mann. Von den insgesamt über 4000 diensttuenden Soldaten blieben aber weiterhin große Teile der Mannschaftsdienstgrade für elf Monate im Jahr beurlaubt.

1830, nach der Vertreibung Carls II., übernahm Herzog Wilhelm die Regierung. Er reduzierte die Truppen wieder auf das von der Bundeskriegsverfassung festgeschriebene Minimum, behielt aber im Großen und Ganzen die Strukturen seines Bruders und Vorgängers bei, um nicht allzu viele Offiziere entlassen zu müssen47.

Am 15.Juli 1848 wurde durch einen Beschluss der Nationalversammlung festgelegt, dass jedes Mitglied des Deutschen Bundes nunmehr zwei Prozent seiner Bevölkerungszahl als Kontingent zu stellen hätte. Das bedeutete, dass sich die Stärke des Kontingentes des Herzogtums Braunschweig auf 5.380

Mann erhöhte48. Da die Hälfte der Truppen aber aus der Landwehr gebildet werden konnte, deren Mitglieder in Friedenszeiten beurlaubt blieben, wurde das bestehende aktive Korps auf nur 2.690 Mann verstärkt49.

Von 1849 bis 1854 bestand zwischen dem Herzogtum Braunschweig und dem Königreich Preußen eine Militärkonvention, da ein Beschluss der Nationalversammlung vom 9.November 1848 vorsah, dass kleinere Staaten ihre militärische Selbstständigkeit aufgeben sollten. Das nun ‚Brigade’ genannte braunschweigische Truppenkorps wurde unter den Oberbefehl der 7.Preußischen Division in Magdeburg gestellt. Die größte Neuerung, neben der Einführung des preußischen Dienstreglements und der Angleichung der Maße und Kaliber, stellte die allgemeine Wehrpflicht, die keinen Lostausch und keine Stellvertretung mehr zuließ, sowie die Einführung des Einjährig-Freiwilligen50 dar. Jedoch war die Zahl der Freiwilligen stets gering und spielte für die Zusammensetzung der Mannschaften keine große Rolle.

Neu war außerdem, dass die Militärpflichtigen nun erst nach einer zweijährigen Dienstzeit, und nicht bereits nach einigen Monaten, beurlaubt werden konnten, was zu einer besseren Ausbildung führte. Die Militärkonvention war jedoch politisch umstritten, vor allem Hannover und Österreich kritisierten, dass sie im Widerspruch zu den Bestimmungen der Bundeskriegsverfassung stünde51. So endete sie am 16.September 1854, zumal Braunschweig auch nie die Absicht oder den Wunsch gehabt hatte, seine militärische Autonomie aufzugeben. Man kehrte zum alten System der Konskription mit Lostausch und Stellvertretung sowie der kürzeren Ausbildungszeit zurück52.

Die 1855 revidierte Kriegsverfassung des Deutschen Bundes sah vor, dass jedes Mitglied ein Kontingent von 1 1/6 seiner Bevölkerung zu stellen habe53. Damit sank zwar die Zahl der geforderten Soldaten auf 244554, doch faktisch griff man auf die tatsächliche Truppenstärke aus der Zeit der Konvention mit Preußen zurück. Bis zum Ende des von mir untersuchten Zeitraums sollte von nun an keine größere Änderung in der Personalstärke mehr stattfinden. Im gesamten Untersuchungszeitraum lag der Militärhaushalt in Braunschweig immer bei 17 bis 19% des Gesamthaushaltes55. Damit lag das Land im deutschen Mittelfeld, Preußen gab 1850 über 37%, Anhalt-Köthen weniger als 7% für ihr Militär aus56.

2.2. Die Garnison in Braunschweig

Im Jahr 1831 hatte die Stadt Braunschweig eine Einwohnerzahl von 34.58957. Das Herzogtum besaß nach der Bundeskriegsverfassung pflichtgemäß 2096 Kombattanten, von denen der weitaus größte Teil in Braunschweig einquartiert war. Nur Teile der Husaren waren in Wolfenbüttel untergebracht58 und ab 1848 wurde das Infanterie-Leibbattaillon mit 682 Mann59 nach Blankenburg verlegt. So waren doch immer nominell mindestens 1500 Soldaten in Braunschweig beherbergt, was einen Anteil von etwa 4,5% an der Gesamtbevölkerung der Stadt Braunschweig ausmachte60. Faktisch waren es durch die ständige Beurlaubung der meisten Mannschaftsdienstgrade wesentlich weniger. Diese außerhalb der sogenannten Exerzierzeiten in Braunschweig im Dienst befindlichen Soldaten waren in Braunschweig allerdings seit 1830 ausschließlich in Kasernen61 und nicht, wie lange Zeit üblich, in Bürger- quartieren62 untergebracht. So traten Konflikte zwischen Soldaten und Bürgern, bei denen erstere hätten einquartiert werden müssen, in dem von mir untersuchten Zeitraum nicht auf63. Lediglich auf Manövern und bei Schießübungen der Artillerie außerhalb der Stadt64 mussten die Soldaten in Bürgerquartieren untergebracht werden, was manchmal zu Problemen führte, aber nicht im Rahmen dieser Arbeit bearbeitet wurde.

Das erste Kasernengebäude in Braunschweig war die sogenannte Ägidien- kaserne, die Carl I. nach der Verlegung der herzoglichen Residenz von Wolfenbüttel nach Braunschweig, im Jahre 1756 auf dem Platz des ehemaligen Klosterhofes des Ägidienklosters erbauen ließ65. Bis zum Abriss der Kaserne im Jahre 1843 war hier vor allem das Leibbataillon untergebracht66. Die Augusttorkaserne war das 1806 umgebaute Augusttor, das nach dem Abtragen der Befestigungsanlagen seine ursprüngliche Funktion einbüßte und nach der Nutzung durch die französischen und westfälischen Truppen, ab 1815 die braunschweigische Artillerie aufnahm, die bis zu ihrer Verlegung nach Wolfenbüttel im Jahre 1869 dort kaserniert blieb. Danach nahm die Augusttorkaserne im Gegenzug einige Abteilungen der aus Wolfenbüttel hierher verlegten Husaren auf; 1894 wurde auch sie abgerissen67.

Die Infanterie fand seit 1808 in der sogenannten Burgkaserne ihre Unterkunft, zuerst ein westfälisches Infanterieregiment, dann ab 1816 das braunschweigische Infanterieregiment. Ab 1843, als das Infanterieregiment in die neue Infanteriekaserne verlegt wurde, kam das Leibregiment aus der Ägidienkaserne für fünf Jahre in die Burg, bis es 1848 nach Blankenburg verlegt wurde. Danach wurde die Burg nur noch als Reservekaserne und Magazin68 genutzt. Schließlich wurde 1872 die Burg geräumt, 1873 brannte sie aus und wurde abgerissen. An ihrer Stelle baute der Stadtbaurat Ludwig Winter 1887- 1906 die uns heute bekannte historisierende Rekonstruktion der Burg Dankwarderode.

Die Magnitorkaserne, auch Kavalleriekaserne genannt, nahm ab 1825 Teile des Husarenregiments auf, das zuvor in der Ägidienkaserne gelegen hatte. Das zu diesem Zweck benutzte Gebäude war ursprünglich das Lustschloss des Grafen von Dehn und wurde 1855-59 in einen Kasernenbau umgebaut69. In den 1830er Jahren erkannte man die Notwendigkeit zum Neubau eines großen Kasernengebäudes, nachdem sowohl die Burg- als auch die Ägidienkaserne baufällig geworden waren70.

Die Neue Infanteriekaserne am Fallersleber Tore wurde 1840-43 fertiggestellt. Dort wurde das Infanterieregiment aus der Burgkaserne stationiert. Damit lagen bis auf die Neue Infanteriekaserne, die sich direkt vor dem Fallersleber Tor, also immer noch in direkter Nähe zur Stadt befand, alle Anlagen im alten Stadtkern, innerhalb des Okerumflutgrabens und der um 1800 geschleiften Befestigungsanlagen. Somit gehörten die Kasernenbauten und die darin lebenden und davor exzerzierenden71 Soldaten zum alltäglichen Stadtbild. Es ist festzustellen, dass die Kapazitäten der Braunschweiger Kasernen vor dem Neubau der Infanteriekaserne am Fallersleber Tor vor allem in den Exerzierzeiten, in denen die Garnison durch die Einberufung der das restliche Jahr über beurlaubten Soldaten auf ihren Sollbestand anwuchs, stark überbelegt waren. So wurde berichtet, dass in den Exerzierzeiten im Frühjahr72 die Rekruten auf dem zugigen Dachboden der Burg untergebracht wurden, wo es zu dieser Jahreszeit noch sehr kalt war73. Zur Exerzierzeit im September wurden auf dem großen Exerzierplatz74, später an der Buchhorst in der Nähe des Grünen Jägers, Zeltlager errichtet, um die nun doppelt so vielen Soldaten aufnehmen zu können75.

Auch wenn die Militärverwaltung versuchte, die Lebensumstände in den Kasernen für die Soldaten erträglich zu gestalten, blieb ihr kaum etwas anderes übrig, als sich mit den Umständen abzufinden und die Bausubstanz der Gebäude nur durch kurzfristige Reparaturen notdürftig zu erhalten. Erst mit dem Bau der neuen Infanteriekaserne verbesserten sich die Umstände.

2.3. Die Zustände in der Garnison

Bevor ich auf die Beziehungen zwischen Zivilisten und Soldaten eingehen möchte, gehe ich im Folgenden auf die Lebensumstände der Soldaten in der Garnison Braunschweig ein. Ich behandle dabei Mannschaften, Unteroffiziere und Offiziere getrennt.

2.3.1. Mannschaften

Die große Mehrheit der Soldaten bestand aus einfachen Soldaten und Gefreiten. Ein einfacher Soldat bekam im Jahre 185876 am Tag zwei Silbergroschen77 Sold, das sind etwa zwei Taler im Monat, im Vergleich dazu verdiente ein ungelernter Arbeiter durchschnittlich 2,69 Taler Wochenlohn78, das sind 10 Taler, 25 Groschen und 6 Pfennige Monatslohn. Ein Soldat in den Mannschaftsdienstgraden verdiente also nur den Bruchteil eines ungelernten Arbeiters. Zu berücksichtigen ist aber, dass der Soldat vom Militär verpflegt, eingekleidet und kaserniert wurde. Auch musste er, im Gegensatz zu den meisten Arbeitern, von seinem Lohn keine Familie ernähren, dem Dienst- pflichtigen war es nämlich verboten zu heiraten.

In den Fällen, in dem es dem Soldaten doch erlaubt wurde, nämlich wenn er durch die Heirath eine gehörig nachgewiesene Verbesserung seiner Lage oder der seiner Familie erlangen würde 79, wurde er meist sogar nachträglich ganz vom Militärdienst befreit. Er konnte also seinen schmalen Sold ganz sparen, bzw. für eigene Vergnügungen, z.B. Bier80 ausgeben. Die beurlaubten Soldaten, und das waren für elf Monate im Jahr immerhin bis zu 5/6 der Mannschaften, bekamen für die Zeit ihrer Beurlaubung zwar keinen Sold, sie konnten und sollten in dieser Zeit in ihren Heimatorten81 aber ihrem gelernten Beruf nachgehen.

Die Verpflegung der einfachen Soldaten umfasste täglich eine Brotportion von 1½ Pfund Brot, dazu ein Frühstück aus Bouillon, Kaffee oder Mehlsuppe, ein Mittagessen mit ½ Pfund Fleisch und 1¼ Quartier82 Gemüse und entsprach so den auch in anderen Garnisonen üblichen Mengen83. In Ausnahmefällen konnte dem Soldaten anstelle der Ausgabe des Essens auch sein Verpflegungsgeld ausgezahlt werden84.

Die Unterbringung der Soldaten, die in dem von mir untersuchten Zeitraum fast ausschließlich in Kasernen geschah, war lange Zeit schlecht. Im Allgemeinen waren die Mannschaftsdienstgrade in sogenannten zweischläfrigen Bettstellen 85 , in Doppelbetten, untergebracht, während Unteroffiziere Einzelbetten zugewiesen bekamen. Immerhin standen jedem Mann vier Betttücher, zwei Handtücher und zwei wollene Decken zu86, so dass die Hygiene in den Kasernen durch das Wechseln der Wäsche gewährleistet war.

Bis 1843 waren die Zustände in den Kasernen als katastrophal87 zu bezeich- nen. Die Burgkaserne wurde seit 1820 in verschiedensten Berichten immer wieder als baufällig bezeichnet88, seit 1832 wurde sogar der Einsturz befürchtet und Reparaturen nur als Flickwerk betrachtet89. Die Kasernen wurden allesamt als sehr zugig beschrieben. Besonders bemängelt wurde die dumpfige Luft in den häufig überbelegten Zimmern und Sälen, vor allem bei niedrigen Decken, wie in der Burgkaserne, wo die Soldaten zusätzlich die Luftzirkulation verhinderten, indem sie die Fenster mit Decken abdichteten, um im Winter nicht zu frieren.

Die Sanitäranlagen der Burgkaserne lagen allesamt nicht im Gebäude selbst und die Latrinen stanken nach Auskunft verschiedener Berichte bestialisch. Es wurde weiter berichtet, dass die Treppe aus dem obersten Stockwerk so schmal und dunkel war, dass die 200-300 Mann, die sie bei einem Feuer hätten benutzen müssen, große Probleme mit ihrer Benutzung gehabt hätten. Und schließlich drang bei starkem Regen so viel Wasser in die oberen Stockwerke der Ägidienkaserne ein, dass sie nicht zu gebrauchen waren90.

Nach Überzeugung der Militärverwaltung sollten im Idealfall jedem Soldaten 3,67 m² bis 4 m²91 Wohnfläche zustehen92, bei Deckenhöhen von 2,57 m sogar 5,46 m². Besser seien wegen der schlechteren Luftzirkulation bei niedrigen Decken sogar 7,33 m² bis 8,15 m². Das war jedoch nicht zu gewährleisten. Bei Vollbelegung musste sich ein Soldat einen 103 m² großen Raum mit 48 Mann teilen. Ihm blieb so ein Wohn- und Schlafraum von 2,15 m²93. Seine Ausrüstung musste er auf einem 85 bis 115 cm langen Brett an der Wand unterbringen94.

In der neuen Infanteriekaserne, deren Bau erst 1837 beschlossen wurde, verbesserten sich die Zustände, es gab dort sogar getrennte Schlaf- und Wohnräume für die Soldaten. Als aber 1841 das erste Bataillon einzog, ergaben sich schon bald wieder Platzprobleme: So beschwerten sich Unteroffiziere darüber, dass sie während des Umbaus ihrer Stube, in einem Raum untergebracht wurden, in denen die Betten dreistöckig standen95. Auch die Kasernenverwaltung empfand das als unangemessen. Ob das allerdings für den Soldaten schlechthin oder nur für Unteroffiziere, die ja Einzelbetten zugewiesen bekamen, so gesehen wurde, bleibt offen.

Ein Angehöriger des Militärs konnte auf eine ganze Reihe sozialer Einrichtungen zurückgreifen, die dem Zivilisten nicht zur Verfügung standen. So zum Beispiel das Militärhospital, in dem sich Militärangehörige, aber auch deren Familienmitglieder96 versorgen lassen konnten.

[...]


1 Nach der freundlichen Auskunft von Herrn Friedrich Spörhase vom Bundesministerium für Verteidigung führt die Bundeswehr das Ressortkonzept Stationierung vom 16. Februar 2001 in Braunschweig bis Ende 2003 aus. Dann werden die letzten beiden Kasernen in Braunschweig, die Roselies- und die Heinrich- der-Löwe-Kaserne, geschlossen und das Verteidigungsbezirkskommando 24 nach Hannover verlegt. Allein das Kreiswehrersatzamt verbleibt weiter in Braunschweig.

2 Dellingshausen, Christoph Freiherr v.: Geschichte der Truppenunterkünfte in der Garnison Braunschweig seit 1671. In: Drei Jahrhunderte Garnison Braunschweig. Chronik der Panzergrenadierbrigade 2. Braunschweig 1979. S.27-51; Hodemacher, Jürgen: Festungswerke und Kasernen der Stadt Braunschweig. In: Ortenburg, Georg, Braunschweigisches Militär. Cremlingen 1987. S.101-109; Garzmann, Manfred: Zur Geschichte der Garnison Braunschweig. In: Spies, Gerd (Hg.): Brunswiek 1031 - Braunschweig 1981. Braunschweig 1981, S.181-204.

3 Bruder, Thomas: Nürnberg als bayerische Garnison von 1806 bis 1914. Nürnberg 1992; Hettinger, Ulrich: Passau als Garnisonstadt im 19.Jahrhundert. Augsburg 1994; Lemke, Bernd: Die Ulmer Garnison und ihre Bedeutung für das städtische Leben. In: Specker, Hans Eugen (Hg.): Ulm im 19. Jahrhundert. Aspekte aus dem Leben der Stadt. Ulm 1990, S.586-641; Schmidt, Wolfgang: Eine Stadt und ihr Militär. Regensburg als bayerische Garnisonstadt im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Regensburg 1993; Witting, Gernot: Zivil-militärische Beziehungen im Spannungsfeld von Residenz und entstehendem großstädtischen Industriezentrum: Die Berliner Garnison als Faktor der inneren Sicherheit 1815-1871. In: Sicken, Bernhard (Hg.): Stadt und Militär 1815-1945: wirtschaftliche Impulse, infrastrukturelle Beziehungen, sicherheitspolitische Aspekte. Paderborn 1998. S.214-242

4 Lübeck und sein Militär. Lübeck 2000; Danner, Fritz: Beiträge zur Geschichte der Stader Garnison. Stade 1987; Gilly de Montaut, Wilhelm: Festung und Garnison Oldenburg. Oldenburg 1980.

5 Im Oktober 1806 wurde das Herzogtum Braunschweig per Proklamation Napoleon Bonapartes für Frankreich in Besitz genommen, 1807 ging es im Königreich Westfalen auf und im November 1813 nahm es Herzog Friedrich Wilhelm wieder in Besitz. Einen Überblick über Braunschweig unter französischer Besatzung und im Königreich Westfalen bietet: Puhle, Dorothea: Das Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel im Königreich Westphalen und seine Restitution 1806 - 1815. Braunschweig, 1989.

6 Kortzfleisch, Gustav v.: Geschichte des Herzoglich Braunschweigischen Infanterie- Regimentes und seiner Stammtruppen 1809-1902. Braunschweig 1903; Orth, Ernst: Geschichte der braunschweigischen Batterie in den Jahren 1809 und 1813-1913. Wolfenbüttel 1913; Schlieffen-Wioska, Hermann v. / Mackensen v. Astfeld: Rudolph, Hundert Jahre Braunschweigische Husaren. Braunschweig 1909; Elster, Otto: Numquam retrorsum. Rückblick auf die Geschichte der braunschweigischen Truppen. Braunschweig 1884.

7 Pivka, Otto v.: The Black Brunswickers, Oxford 1973; Ortenburg, Georg, Braunschweigisches Militär. Cremlingen 1987.

8 Burmester, Ralph: Die Streitkräfte des Herzogtums Braunschweig. Aufbau und Organisation in der Zeit des Deutschen Bundes 1815-1866. In: Braunschweigisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Bd.81 (2000), S.117-150.

9 Im Feldzug in Schleswig-Holstein nahm ein Braunschweiger Bataillon lediglich an einem Gefecht bei Düppel teil. Ortenburg, S.74.

10 Ortenburg, Braunschweigisches Militär, S.16 u. S.101; Römer, Christof: Das Zeitalter des Hochabsolutismus (1635-1735). In: Schildt, Gerhard u. Jarck, HorstRüdiger (Hg.): Die Braunschweigische Landesgeschichte. Jahrtausendrückblick einer Region. Braunschweig 2001, S.549.

11 Zu den Ereignissen: Querfurth, Hans Jürgen: Die Unterwerfung der Stadt Braunschweig im Jahre 1671 (Brg.Werkstücke 16). Braunschweig 1953.

12 Daneben existierten allerdings noch als Landespolizei eingesetzte Dragonerkommandos und Landmiliz in den kleineren Landstädten, sowie einige Schlosswachen in Blankenburg.

13 Für ein Infanterieregiment des 17. Jahrhunderts kann man mindestens 1000 Soldaten rechnen, für ein Reiterregiment zu 10 Schwadronen etwa 750. Siehe auch Ortenburg, Braunschweigisches Militär, S.13ff. und Ortenburg, Georg: Waffen der Kabinettkriege 1650-1792. Bonn 1986, S.137

14 Direkt nach der Unterwerfung im Jahre 1671 befanden sich etwa 3000 Mann Besatzung in der damals lediglich 11.000 Einwohner starken Stadt. Querfurth, Die Unterwerfung der Stadt Braunschweig, S.66 u. S.264.

15 Ortenburg, Braunschweigisches Militär, S.23f.

16 Im Vergleich dazu hatte das Herzogtum Braunschweig im Jahr 1793 191.713 Einwohner, die Stadt Braunschweig 30.301 Einwohner. Schildt, Gerhard: Das Wachstum der Braunschweiger Bevölkerung im 19.Jahrhundert. In: Spies, Gerd (Hg.): Brunswiek 1031 - Braunschweig 1981. Braunschweig 1981, S.205-222. S.205.

17 Ortenburg, Braunschweigisches Militär, S.32.

18 Ortenburg, Braunschweigisches Militär, S.39.

19 Zu der Truppen- und Operationsgeschichte der Schwarzen Schar und der braunschweigischen Regimenter im englischen Dienst: Siehe Kortzfleisch, SchlieffenWioska, Elster und Pivka.

20 Am 28.8.1815 erhielten 7149 Mann des braunschweigischen Truppenkorps vom englischen König einen jährlichen Zuschuß. Kortzfleisch, S.119.

21 Zur Wehrpflicht in Deutschland siehe: Petter, Wolfgang: Deutscher Bund und deutsche Mittelstaaten. In: Handbuch zur deutschen Militärgeschichte. IV,2: Militärgeschichte im 19. Jahrhundert 1814-1890. München 1976, S.226-301. S.262ff.

22 Gesetz- und Verordnungssammlung für die Herzoglich-Braunschweigischen Lande (GVS). Braunschweig 1821, S.167-201.

23 Von den durchschnittlich in jedem Jahr gemusterten 2500 Mann wurden nur etwas über 500 Rekruten ausgehoben. Burmester, S.141ff.

24 Zu Beginn der Rekrutierung wurde jedem Dienstpflichtigen durch Losverfahren eine Rangnummer in der Dienstpflichtigenliste zugewiesen, die dann der Reihe nach einberufen wurden. Bei höheren Losnummern bestand eine gute Chance, nicht eingezogen zu werden.

25 Der Stellvertreter musste diensttauglich sein, seine Dienstpflicht bereits abgeleistet haben und durfte, genau wie die Dienstpflichtigen, nicht vorbestraft sein. Für den Fall, dass der Stellvertreter nicht die volle Dienstzeit ableisten konnte, musste schließlich der Dienstpflichtige wieder seiner Pflicht nachkommen. Kantonreglement §76 u. §78 . GVS 1821, S.187

26 Dazu zählte auch die Körpergröße, die 5 Fuß 1 Zoll rheinisch (ca. 1,45 m) nicht unterschreiten durfte. Jacobi, S.152.

27 Darunter verstand man Verbrecher mit einer Vorstrafe von mehr als einem Jahr Gefängnis oder zwei Jahren Zwangsarbeit. Jacobi, S.150.

28 Von den etwa 2500 gemusterten Männern im Jahr wurden etwa 1500 aus genannten Gründen ganz vom Dienst befreit. Burmester, S.142.

29 Das aktive Korps bestand, im Gegensatz zur Reserve, aus den tatsächlich unter Waffen stehenden Soldaten.

30 Es existierte je ein Stadtkommandant für Braunschweig und Wolfenbüttel, wobei der Wolfenbütteler Stadtkommandant dem Braunschweiger untergeben war.

31 Jacobi, S.146f.

32 Fourage ist die Verpflegung der Pferde mit Hafer, Heu und Stroh.

33 Unter Montierung versteht man die Versorgung der Soldaten mit Uniformen und Bekleidung.

34 Der 1804 geborenen Thronfolger Carl II. war 1815, beim Tod seines Vater Friedrich Wilhelm auf dem Schlachtfeld von Quatre Bras, noch nicht volljährig, so übernahm - testamentarisch als Vormund für seine Söhne eingesetzt - Georg, der Prinzregent von Großbritannien und spätere Georg IV. von Großbritannien und Hannover, die vormundschaftliche Regierung bis 1823.

35 Das Geheimraths-Collegium bestand aus Graf von der Schulenburg-Wolfsburg, der nach seinem Tod von Graf v. Alvensleben ersetzt wurde, v. Schmidt-Phiseldeck und v. Schleinitz. Kortzfleisch, S.126.

36 Vier Bataillone Infanterie à 400 Mann, 100 Mann Husaren und 100 Mann Artillerie. Kortzfleisch, S.127ff.

37 Auch wenn sich die Zusammensetzungen im Laufe des 19. Jahrhunderts öfter veränderten, kann man grob feststellen: Ein Regiment bestand in der Regel aus zwei Bataillonen, ein Bataillon aus vier Kompanien zu je 100-250 Soldaten.

38 In den meisten Städten waren maximal fünf Husaren stationiert. Schlieffen-Wioska, S.167f.

39 Nähere Bestimmungen der Kriegsverfassung des Deutschen Bundes, §1. Angelow, Jürgen: Von Wien nach Königgrätz. Die Sicherheitspolitik des Deutschen Bundes im europäischen Gleichgewicht (1815-1866). München 1996. S.292

40 Nach Burmester, S.125.

41 Nähere Bestimmungen der Kriegsverfassung des Deutschen Bundes §11. Angelow, S.294

42 Nähere Bestimmungen der Kriegsverfassung des Deutschen Bundes, §12. Angelow, S.294

43 Die Bundestruppen waren in zehn Armeekorps eingeteilt, das I.-III. Armeekorps wurde von Österreich, das IV.-VI. von Preußen, das VII. von Bayern gestellt. Die übrigen Armeekorps, das VII.-X., waren gemischte Korps und wurden jeweils von mehreren Bundesstaaten gestellt. Eckert, Heinrich Ambros u. Monten, Dietrich: Das deutsche Bundesheer. Dortmund 1981. Bd.1, S.14.

44 Nähere Bestimmungen der Kriegsverfassung des Deutschen Bundes § 31. Angelow, S.297

45 Burmester, S.127.

46 Ein Garde-Grenadier-Bataillon à 620 Mann, ein Jäger- oder Leib-Bataillon à 620 Mann und ein Infanterieregiment à 1247 Mann = 2647 Mann. Kortzfleisch, S.154.

47 Vor allem die Reduzierung der Anzahl der Kompanien pro Bataillon, hätte einige Offiziersposten überflüssig gemacht. Burmester, S.137f.

48 Nach Burmester, S.144.

49 Ebd.

50 Diese Soldaten mussten vorschriftsm äß ige Vorkenntnisse besitzen und selbst für ihre Kleidung und Verpflegung, bei der Kavallerie auch für ihr Pferd, aufkommen. Sie mussten dafür aber nur ein Jahr dienen, im Gegensatz zu den Dienstpflichtigen, die drei Jahre dienen mussten. Gesetz über die Verpflichtung zum Kriegsdienste §6, GVS 1851, S.133.

51 Burmester, S.145f.

52 Ortenburg, Braunschweigisches Militär, S.74.

53 Revidierte Bestimmungen der Bundeskriegsverfassung nach der Revision von fünf Abschnitten der Näheren Bestimmungen im Jahre 1855, §1.

54 Nach der Matrikel von 1842. Burmester, S.147.

55 Nach Burmester, S.133ff.

56 Angelow, S.85.

57 Nach Schildt, Wachstum, S.205.

58 Maximal 2/3 der knapp 300 Husaren waren in wechselnder Stärke bis 1869 in Wolfenbüttel kaserniert.

59 Burmester, S.147.

60 Im Vergleich dazu lag der Anteil der Militärpersonen in Berlin im Jahre 1849 bei 5,7%(Witting, S.216), in Nürnberg 1834 bei 6,6% (Bruder, S.537), Regensburg 1837 bei 11%(Schmidt, S.182), in Stade im Königreich Hannover kamen 1845 auf 5638 Einwohner sogar über 1800 Soldaten (Danner, S.124).

61 Burmester, S.150.

62 Mit der Unterwerfung der Stadt im Jahre 1671 bestand das Problem, etwa 3000 Soldaten in der Stadt unterzubringen. Da sowohl der Herzog als auch die Bürgerschaft und der Rat die Kosten für den Bau einer Zitadelle scheuten, wurden die über 3000 Mann mit Frauen und Kindern bei Bürgern einquartiert, was schließlich zu vielerlei Klagen führte. Querfurth, S.264ff.

63 Der Bau der ersten Kaserne in Braunschweig, das Provianthaus des ehemaligen Ägidienklosters, im Jahr 1756 wurde durch eben solche Konflikte veranlasst. Zuvor wurde sich über das rohe und unsittliche Betragen der Soldaten beschwert. Dellingshausen, S.29.

64 Schießplatz bei Königslutter und Schießplatz Essehof. NdsStAWf 26 Neu Gr.2 Nr.22.

65 Ortenburg, Braunschweigisches Militär, S.102. Der ehemalige Kasernenhof bildet heute den Lessingplatz, auf dessen Mitte sich das Lessingdenkmal befindet.

66 Dellingshausen, S.29ff.

67 Der Portikus der Augusttorkaserne steht seit 1896 als klassizistische Zierde im Bürgerpark.

68 Dellingshausen, S.31.

69 Lemke-Kokkelink, Monika: Kasernen. In: Biegel, Gerd u. Klein, Angela (Hg.): Carl Theodor Ottmer. 1800-1843. Braunschweiger Hofbaumeister - Europäischer Architekt. Braunschweig 2000, S.232f.

70 NdsStAWf 12 Neu Präs Nr.5166.

71 Der sogenannte „kleine Exerzierplatz“ lag am Bültenweg auf dem Gelände der ehemaligen Pädagogischen Hochschule.

72 Die neuen Rekruten wurden gewöhnlich Ende April eingezogen, die sogenannte „große Exerzierzeit“ fand nach der Erntezeit im September statt. Kortzfleisch, S.190.

73 NdsStAWf 12 Neu Präs 5 Nr.5166.

74 Der große Exerzierplatz lag am Nussberg auf der heutigen Sportanlage Franzsches Feld.

75 Kortzfleisch, S.190.

76 Nach Jacobi, S.156f.

77 1 Taler = 30 Silbergroschen, 1 Silbergroschen = 10 Pfennige.

78

Schildt, Gerhard: Tagelöhner, Gesellen, Arbeiter. Sozialgeschichte der

vorindustriellen und industriellen Arbeiter in Braunschweig 1830-1880, Stuttgart 1986. S.383.

79 Cantonreglement §107, GVS 1821, S.195.

80 Leider ließ sich aus den Quellen nicht ermitteln, wie viel ein Krug Bier kostete. Für seinen täglichen Sold von zwei Silbergroschen hätte sich ein Soldat aber immerhin zwei Pfund Käse kaufen können. Braunschweigische Anzeigen 14.Mai 1845. Stadtarchiv Braunschweig Z1.

81 In der Zeit ihrer Beurlaubung war die Freizügigkeit der Soldaten stark eingeschränkt, ohne Genehmigung durften sie die Landesgrenzen nicht überschreiten.

82 Ein Quartier ist per definitionem der Raum, den zwei Pfund destilliertes Wasser bei 15°Reaumur (=18,75°C) einnehmen, also ungefähr ein Liter.

83 Ähnliche Rationen lassen sich auch in anderen Garnisonstädten feststellen, so bekam ein Soldat 1875 in Nürnberg am Tag 1½ Pfund Brot, 150g. Fleisch und 1,5kg Kartoffeln oder anderes Gemüse. Bruder, S.431.

84 Jacobi, S.158.

85 NdsStAWf 26 Neu Gr.1 Fb.1 Nr.585.

86 NdsStAWf 26 Neu Gr.2 Nr.9.

87 Das scheint für die erste Hälfte des 19.Jahrhuderts typisch zu sein. Auch in vielen anderen Garnisonstädten, wie Lübeck, Regensburg, Ulm und Nürnberg wurde der schlechte bis miserable Zustand der Kasernengebäude bemängelt.

88 NdsStAWf 12 Neu Präs Fb.8 Nr.4.

89 NdsStAWf 12 Neu Präs Fb.5 Nr.5167.

90 NdsStAWf 12 Neu Präs 5 Nr.5166 Bd.1.

91 45 - 50 Quadratfuß. Der Werkfuß lag bei 28,54 cm. Der Einfachheit halber sind die Maße alle auf das metrische System umgerechnet.

92 NdsStAWf 12 Neu Präs 5 Nr.5166 Bd.1.

93 Von noch beengteren Verhältnissen wird in Nürnberg und Augsburg berichtet, dort blieben dem einzelnen Soldaten in den Spitzenzeiten lediglich 1,71 m² bzw. 1,25 m². Bruder, S.413.

94 NdsStAWf 12 Neu Präs 5 Nr.5166 Bd.1.

95 NdsStAWf 12 Neu Präs 5 Nr.5166 Bd.2.

96 Die Bestimmungen freier Cur und Medicin für Militair Personen niederen Grades im Quartier und in Militair Hospitalen vom 17.November 1832. NdsStAWf 25E Neu Fb.1 Nr.1.

Details

Seiten
78
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638487825
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v53285
Institution / Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig – Historisches Seminar
Note
2,0
Schlagworte
Beziehungen Stadt Garnison Braunschweig

Autor

Zurück

Titel: Die Beziehungen zwischen der Stadt und der Garnison Braunschweig 1815-1866