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Soziale Beziehungen durch das Internet

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 13 Seiten

Medien / Kommunikation - Interpersonale Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Möglichkeiten und Eigenheiten der Internet-Kommunikation

3. Definition des Begriffs „Soziale Beziehung“

4. Entstehung von persönlichen Beziehungen

5. Soziale Beziehungen durch das Internet

6. Beziehungsentwicklung im Netz

7. Funktionen von romantischen Beziehungen im Netz
7.1. Eskapismus
7.2. Kompensation
7.3. Exploration

8. Veränderung von realen Beziehungen durch die Internetaktivität eines Partners

8. Zusammenfassung

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Internet hat sich mittlerweile zu einem alltäglichen Medium entwickelt, das sowohl im Beruf, als auch privat einen immer größeren Stellenwert erreicht. Es ist weit mehr als eine riesige Bibliothek. Neben dem Bezug von Dokumenten oder Programmen ermöglichen verschiedene Dienste den Aufbau von Beziehungen. Als technisches Netzwerk verbindet das Internet zunächst mehrere Computer miteinander. Gleichzeitig ist es aber auch ein soziales Netzwerk, das Menschen miteinander verbindet.

In dieser Arbeit werden soziale Beziehungen, die sich über das Internet entwickeln, in ihrer Entstehung, Weiterentwicklung und auch Konflikthaltigkeit beschrieben.

Als Erklärung muß dazu noch gesagt werden, daß im folgendenden das Leben außerhalb des Internets als reales Leben bezeichnet wird und Beziehungen, die außerhalb des Internets bestehen als reale Beziehungen.

2. Möglichkeiten und Eigenheiten der Internet-Kommunikation

Die kommunikativen Möglichkeiten des Internet können einerseits dazu beitragen, daß bereits bestehende Beziehungen über große Distanzen hinweg aufrecht erhalten und vertieft werden. Entfernte Verwandte oder Freunde tauschen per Email Nachrichten aus ihrem Umfeld aus. Andererseits können sich z.B. in Chats neue Beziehungen zwischen Menschen entwickeln, die sich zuvor nicht gekannt haben.

Allerdings unterscheidet sich die Kommunikation über das Internet zu der direkten Kommunikation. Erstens sind die Ausdrucksmöglichkeiten bei dieser Kommunikation beschränkt. Verbale Äußerungen, wie Tonlage und Räuspern und visuelle Aussagen, wie Körperhaltung und Gestik entfallen. Außerdem treten die Teilnehmer meist anonym oder unter einem Pseudonym auf. Als dritten Punkt unterscheidet man, daß es in vielen Systemen möglich ist, nacheinander oder sogar gleichzeitig unter verschiedenen Namen aufzutreten. Dadurch erscheint die Identität als eine multiple und wandelbare Form der Selbstdarstellung. Dies ermöglicht allerdings auch Diskussionen und die Entstehung von Gemeinschaften, wie es sonst nur möglich ist, wenn alle Kommunikationspartner zur gleichen Zeit am gleichen Ort sind. Viertens ist es in die Chat- Diensten vergleichsweise einfach einzutreten, man benötigt bloß einen Computer und einen Zugang zum Internet.

Weiterhin beeinflussen größere Entfernungen die Art der Kommunikation nicht. Während niemand auf die Idee kommen würde, häufig lange Telefonate nach z.B. Australien zu führen, spielt der Aufenthaltsort des Partners im Internet keine Rolle und bei Briefen erschwert die entfernungsabhängige Laufzeit eine direkten Gedankenaustausch.

Aus diesen Punkten ergeben sich oft strukturelle Defizite. Denn bei ausschließlich auf Text basierten Gesprächen kommt es oft zu Mißverständnissen. Außerdem scheint die Anonymität des Auftritts die Hemmschwelle deutlich zu senken und durch einen einfachen Tastendruck kann der Kontakt sofort abgebrochen werden.

Andererseits bietet diese Form der Kommunikation auch Vorteile. Durch die Beschränkung auf den Text werden kreative Sprachspiele ermöglicht, wobei sich auch eine eigene Sprache entwickelt. So sind sogar schon Chat- Lexika zu finden, in denen die Abkürzungen und sogenannte „Emoticons“ erklärt werden .

Tabelle 1: Chat- Lexikon

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der einfache Zugang zu den Kommunikationsdiensten ermöglicht breite Teilnahmemöglichkeiten, u.a. auch für Menschen mit Sprachhemmungen oder- fehlern oder mit körperlichen Besonderheiten. Die Anonymität bietet ein geschütztes Umfeld, um sich unbekannten Personen gegenüber zu öffnen. Außerdem können solche Identitäts- und Rollenspiele sehr lustig und unterhaltsam sein. Oft jedoch führt diese Kommunikation zu einer Banalisierung der Kommunikation, wobei sich viele Chats bloß auf Oberflächlichkeiten beschränken. Dagegen gibt es aber auch ernste Gespräche, in denen sich die Teilnehmer über ihre Probleme, Freuden und Sorgen austauschen und sich gegenseitig Ratschläge geben. Dadurch ergibt sich die Frage, wie diese Onlinebeziehungen entstehen, sich entwickeln und in der Realität existieren können.

3. Definition des Begriffs „Soziale Beziehung“

Nach Döring (2003) besteht zwischen zwei Personen eine soziale Beziehung, wenn sie wiederholt miteinander Kontakt haben, also mehrfach zeitversetzt kommunizieren oder zeitgleich interagieren. Um im weiteren auf die Entwicklung sozialer Beziehungen im Internet eingehen zu können, müssen erst einmal die sozialen Beziehungen genauer betrachtet werden.

Soziale Beziehungen lassen sich in verschiedene Beziehungstypen untergliedern, je nach ihren Funktionen, ihren subjektiven Bedeutungen und der jeweiligen Rolle der Beziehungspartner. Zunächst unterscheidet man formale und persönliche Beziehungen. Dabei unterscheidet man jeweils auf der Ebene der subjektiven Bedeutung zwischen schwachen und starken Bindungen. In Bezug auf die Rolle der Beziehungspartner wird unterschieden in z.B. Kollegen/Bekannten-, Freundschafts- oder Eltern-Kind-Beziehungen.

Unter formalen Beziehungen versteht man unter anderem Dienstleistungs-, Verwaltungs- und Arbeitsbeziehungen. Sie werden auf der Sachebene angesiedelt und werden neutral gestaltet, um somit gesellschaftliche Aufgaben zu erfüllen.

Persönliche Beziehungen werden in Beziehungsklassen unterteilt, wie u.a. Eltern-Kind-Beziehungen, Freundschafts-Beziehungen oder Nachbarschafts-Beziehungen. Persönliche Beziehungen sind für das subjektive Wohlbefinden, die Persönlichkeitsentwicklung und für die Gesundheit unverzichtbar. Gerade bei starken, engen Beziehungen sind eine starke Emotionalität und Intimität vorhanden. Sie weisen einen Verpflichtungscharakter auf und zeichnen sich durch gemeinsame Interessen und Aktivitäten, einen hohen Zeitaufwand und ein dauerhaftes und stabiles Engagement aus. Personen, mit denen man eine enge Beziehung eingeht, sind meist in soziodemographischer Hinsicht ähnlich oder werden nach Ähnlichkeit ausgewählt. Nach Kelley et al. (1983) sind Beziehungen desto enger,

- je häufiger sich die beiden Bezugspersonen beeinflussen
- je stärker der Einfluß jeweils ist
- je unterschiedlicher die betroffenen Aktivitäten sind
- je länger diese wechselseitige Abgängigkeit bestanden hat.

Dabei spielen die Häufigkeit, Vielfalt und die Stärke eine wichtige Rolle. Die Häufigkeit wird bestimmt durch die Minuten pro Tag, die mit der Bezugsperson alleine verbracht werden. Die Vielfalt drückt die Zahl der unterschiedlichen Aktivitäten mit der Bezugsperson aus und die Stärke steht für die Stärke der Beeinflussung durch die Bezugsperson in den Aktivitäten, Entscheidungen und Plänen.

Schwache, lockere Beziehungen dagegen sind weniger emotional und intim und gemeinsame Interessen und Aktivitäten sind nicht vorhanden.

Die Gesamtheit der sozialen Beziehungen, die eine Person mit anderen Menschen unterhält, sowie deren Beziehungen untereinander bezeichnet man als soziales Netzwerk ( Döring, 2003). Eine stark ausgeprägte Integration besteht, wenn das soziale Netzwerk groß und dicht ist und die Beziehung durch z. B häufige Telefonate, Briefe, Treffen gepflegt wird. Ist das soziale Netzwerk sehr klein und locker und die Kommunikations- und Kontaktfrequenz sehr niedrig, spricht man von sozialer Isolation. Allerdings kann auch ein großes soziales Netzwerk keinen Schutz vor Isolation bieten. Denn es ist weniger die Quantität, sondern die Qualität der sozialen Beziehungen, die für eine soziale Integration sorgt.

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Details

Seiten
13
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638487801
ISBN (Buch)
9783638773287
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v53283
Institution / Hochschule
Universität Rostock
Note
1,0
Schlagworte
Soziale Beziehungen Internet Computer Kommunikation

Autor

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Titel: Soziale Beziehungen durch das Internet