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Die Entwicklung regionaler Branchencluster im Raum Jena: Ihre Identifikation und Analyse anhand zweier Beispiele

Diplomarbeit 2005 99 Seiten

VWL - Fallstudien, Länderstudien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Formelverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Untersuchungsgegenstand
1.2 Aufbau und Ziel der Arbeit
1.3 Definition des Clusterbegriffs

2 Theoretische Clusteransätze
2.1 Porters „Diamant“
2.1.1 Faktorbedingungen
2.1.2 Nachfragebedingungen
2.1.3 Cluster aus verwandten und unterstützenden Branchen
2.1.4 Unternehmensstrategie, Struktur und Wettbewerb
2.1.5 Zufallsereignisse
2.1.6 Staat
2.1.7 Fazit des “Diamant-Konzeptes”
2.2 Überwindung der kritischen Masse nach Brenner
2.2.1 Akkumulation von Humankapital
2.2.2 Informationsflüsse durch informelle Kontakte
2.2.3 Gegenseitige Abhängigkeit zwischen Firmen
2.2.4 Kooperationen zwischen Firmen und die Wirkung von Netz-werken
2.2.5 Regionale Verfügbarkeit von Risikokapital
2.2.6 Einstellung in der Bevölkerung
2.2.7 Politische Unterstützung für eine Branche
2.2.8 Fazit des Konzeptes
2.3 Gegenüberstellung der Ansätze Porters und Brenners
2.4 Einflussmöglichkeiten der politischen Entscheider auf die Bildung von Netzwerken und Clusterformationen

3 Instrumente zur Identifizierung und Analyse von regionalen Branchenclustern
3.1 Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes
3.2 Quantitative Analyse-Verfahren
3.2.1 Absolute Konzentration
3.2.2 Relative Konzentration
3.2.2.1 Der Standortquotient
3.2.2.2 Der Lokalisationsquotient
3.2.2.3 Der Gini-Koeffizient und das Lorenzkurvenmaß
3.2.2.4 Clusterchart nach Michael E. Porter
3.2.2.5 Das „Norwegische Verfahren“
3.2.3 Dynamische Analyse-Verfahren
3.2.3.1 Strukturkomponenten-Analyse
3.2.3.2 Portfolio-Analyse
3.3 Qualitative Analyse-Verfahren
3.3.1 Empirisch belegte qualitative Kriterien
3.4 Überwindung der kritischen Masse

4 Historische Entwicklung der beiden untersuchten Branchen
4.1 Entstehung und Entwicklung der optischen Industrie in Jena
4.2 Entstehung und Entwicklung der keramischen Industrie im Saale-Holzland-Kreis

5 Analyse der vermuteten Branchencluster im Raum Jena
5.1 Datengenerierung
5.2 Analyse des WZ 334 (Herstellung von optischen und fotografischen Geräten)
5.2.1 Ermittlung der absoluten und relativen Konzentration
5.2.1.1 Ermittlung der absoluten Konzentration
5.2.1.2 Ermittlung der relativen Konzentration
5.2.1.2.1 Ermittlung des Standortquotienten
5.2.1.2.2 Ermittlung des Lokalisationsquotienten
5.2.1.2.3 Ermittlung des Gini-Koeffizienten
5.2.1.3 Analyse anhand des „Norwegischen Verfahrens“
5.2.2 Dynamische Analyse
5.2.2.1 Strukturkomponenten-Analyse
5.2.2.2 Portfolio-Analyse
5.2.3 Weitere Strukturdaten im Überblick
5.3 Analyse des WZ 262 (Herstellung von keramischen Erzeugnissen)
5.3.1 Ermittlung der absoluten und relativen Konzentration
5.3.1.1 Ermittlung der absoluten Konzentration
5.3.1.2 Ermittlung der relativen Konzentration
5.3.1.2.1 Ermittlung des Standortquotienten
5.3.1.2.2 Ermittlung des Lokalisationsquotienten
5.3.1.2.3 Ermittlung des Gini-Koeffizienten
5.3.1.3 Analyse anhand des „Norwegischen Verfahrens“
5.3.2 Dynamische Analyse
5.3.2.1 Strukturkomponenten-Analyse
5.3.2.2 Portfolio-Analyse
5.3.3 Weitere Strukturdaten im Überblick
5.4 Zusammenfassung der empirischen Ergebnisse

6 Kritische Würdigung

Anhang

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

Ehrenwörtliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Integriertes Netzwerkcluster

Abbildung 2: Der „Diamant“ nach M. E. Porter

Abbildung 3: Kritische Masse und stabile Zustände

Abbildung 4: Regionale Mechanismen positiver Rückkopplung

Abbildung 5: Das „fanimat“-Netzwerk

Abbildung 6: Lorenz-Kurve

Abbildung 7: Regionales Portfolio-Modell

Abbildung 8: Verteilung der relativen Zahl der Firmen / Beschäftigten

Abbildung 9: Portfolio-Matrix ausgewählter Branchen der Stadt Jena

Abbildung 10: Portfolio-Matrix ausgewählter Branchen des SHK

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Branchen mit statistisch nachgewiesener regionaler Häufung auf Landkreisniveau im deutschen produzierenden Gewerbe

Tabelle 2: Gegenüberstellung der Theorien von M. E. Porter und T. Brenner

Tabelle 3: Gliederung der Wirtschaftszweigsystematik

Tabelle 4: Werte für die Darstellung der Lorenzkurve

Tabelle 5: Werte für die Berechnung des Gini-Koeffizienten

Formelverzeichnis

Formel 1: Berechnung des Standortquotienten

Formel 2: Berechnung des Lokalisationsquotienten

Formel 3: Berechnung des Gini-Koeffizienten

Formel 4: Berechnung des Gini-Koeffizienten anhand eines Beispiels

Formel 5: Standortquotient des WZ 334 anhand der Beschäftigtenzahlen

Formel 6: Lokalisationsquotient des WZ 334 anhand der Anzahl der Betriebe

Formel 7: Gini-Koeffizient des WZ 334 anhand der Anzahl der Betriebe

Formel 8: Standortquotient des WZ 262 anhand der Beschäftigtenzahlen

Formel 9: Lokalisationsquotient des WZ 262 anhand der Anzahl der Betriebe

Formel 10: Gini-Koeffizient des WZ 262 anhand der Anzahl der Betriebe

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Untersuchungsgegenstand

In den letzten Jahren rückte eine Thematik immer mehr in den Fokus des wirtschaftswissenschaftlichen Interesses: die Unterstützung zur Bildung und Weiterentwicklung von regionalen Branchenclustern.

Trotz zunehmender Globalisierung hat sich gezeigt, dass das lokale Umfeld für Unternehmen weiterhin von großer Bedeutung ist. Nach der Theorie sollten offene globale Märkte und die höhere Geschwindigkeit von Transport und Kommunikation die Bedeutung des Standortes verringern (Porter 1999, S.51). Das Gegenteil ist der Fall, denn erst durch die Einbindung in ein starkes regionales Netzwerk können Unternehmen weltweit wettbewerbsfähig bleiben (vgl. Schiele 2003, S.16).

Die Clusteridee geht in ihren Anfängen auf Alfred Marshall zurück, der mit dem Begriff der „localized industries“ einen positiven Zusammenhang zwischen der Dichte ökonomischer Aktivitäten und deren Leistungsfähigkeit postulierte. Er sah die Gründe für Agglomeration in der Konzentration von Arbeitskräften an einem Ort, an dem sich auf die jeweilige Industrie spezialisierte Dienstleister ansiedeln, sowie aufgrund der räumlichen Nähe bessere Informationsflüsse vorherrschen und somit technologische „Spillovers“ verstärkt vorliegen (vgl. Marshall 1961, S.271ff.).

Der wohl bedeutendste und im Hinblick auf die Cluster-Thematik am häufigsten zitierte Wissenschaftler, ist der Harvard-Ökonom Michael E. Porter. In seinen ersten Arbeiten über räumliche Häufungen und die Bedeutung des Standortes setzte er auf nationaler Ebene an (Porter 1993). Erst in späteren Arbeiten nahm er auch verstärkt Bezug auf die regionale Ebene (Porter 1998 [a]). Die Schwerpunkte der ersten Studien lagen auf solchen Branchen, in denen die Industrie einzelner Länder eine ganz herausragende Weltmarktposition einnimmt – wie beispielsweise die japanische Motorrad- oder Kameraindustrie. Er kam zu dem Ergebnis, dass sich Unternehmen dann international durchsetzen, wenn es im selben Land mehrere direkte Wettbewerber gibt, die auf eine differenziert gegliederte Zuliefererindustrie zurückgreifen können. Weiterhin sollten wichtige Kunden im Heimatland angesiedelt sein. Ebenfalls unabdingbar ist eine gute Infrastruktur von Hochschulen, Verbänden und Beratungsdienstleistern, welche die Unternehmen unterstützen. Anhand dieser Erkenntnisse lässt sich schlussfolgern, dass global erfolgreiche Firmen in ein starkes Team eingebunden sein sollten – und dieses Team ist nicht international, sondern national und im Idealfall regional verankert (Schiele 2003, S.16).

Neben Michael E. Porter beschäftigen sich eine Vielzahl weiterer Wissenschaftler, aus den verschiedensten Bereichen (Innovationsökonomik, Wirtschaftsgeographie, Volkswirtschaft, Soziologie), mit der Erforschung von Clusterformationen. Zu nennen sind hier die im Max-Planck-Institut Jena beschäftigten Wirtschaftswissenschaftler Thomas Brenner und Dirk Fornahl. Der Fokus ihrer Arbeit liegt vor allem auf denlokalenundregionalenGegebenheiten und Voraussetzungen regionaler Branchencluster. In ihren wissenschaftlichen Studien kommen sie zu dem Ergebnis, dass sich für die Hälfte aller Industriebranchen in Deutschland regionale Häufungen statistisch nachweisen lassen (Brenner 2003, S.84). Eine Auswahl betroffener Branchen ist in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt.

Tabelle 1: Branchen mit statistisch nachgewiesener regionaler Häufung auf Landkreis-niveau im deutschen produzierenden Gewerbe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Brenner 2003, Brenner / Fornahl 2002

Bei der lokalen Betrachtung spielen besonders die Interaktionen zwischen den regional angesiedelten Firmen innerhalb einer Branche, sowie Kontakte zu Bildungs- und Forschungseinrichtungen und den politischen Entscheidern eine wichtige Rolle (vgl. Brenner / Fornahl, 2001, S.621). Aus diesem Grund soll im zweiten Kapitel u.a. auf die Einflussnahme staatlicher Institutionen bei der Unterstützung regionaler Branchencluster eingegangen werden.

Viele Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass branchenspezifische Cluster mit ihren positiven Auswirkungen auf Produktivität und Innovationstätigkeit als erstrebenswerte Ziele der Regionalentwicklung hervorzuheben sind (vgl. Brenner / Fornahl 2003, S.133). Durch die Förderung solcher Konstellationen, können die Potentiale und Chancen einzelner Regionen optimal genutzt werden, was im Endeffekt auch zu einer positiven gesamtwirtschaftlichen Entwicklung der jeweiligen Staatswirtschaft führen kann. Vor allem in den letzten zehn Jahren hat die Zahl solcher Arbeiten und Fallstudien stark zugenommen.

Aufgrund des zunehmenden Interesses an der Clusterforschung beschäftigt sich diese Diplomarbeit im Kern mit der Fragestellung, ob es sich bei den Branchen der Glas- und Porzellanindustrie sowie der optischen und fotographischen Industrie in der Stadt Jena und im Saale-Holzland-Kreis (SHK) um Clusterformationen handelt. Wichtig bei der Clustersuche ist, dass möglichst alle Betriebe, Branchenzweige und Institutionen, denen eine bedeutende Rolle in der Wertschöpfungskette zukommt, in die Analyse mit aufgenommen werden (Krätke / Scheuplein 1999, S.24). Problematisch hierbei ist vor allem die Identifikation aller relevanten Glieder der Wertschöpfungskette. Es gibt viele verschiedene Instrumente, die zur Identifikation und Analyse von Clustern herangezogen werden können. Für den empirischen Teil dieser Arbeit sollen aus der Vielzahl an Möglichkeiten die sinnvollsten und aussagekräftigsten Methoden und Verfahren ausgewählt werden.

Als statistische Datengrundlage und Bezugsrahmen der vorliegenden Untersuchung wird die Gliederung der Branchen nach der „Klassifikation der Wirtschaftszweige“, wie sie in den jährlichen Berichten des „Thüringer Landesamtes für Statistik“ (TLS) vorgenommen wird, zugrunde gelegt. Bei der Auswertung der Industriedaten ergeben sich durch die Umstellung der amtlichen Statistik Schwierigkeiten, welche eine längerfristige Zusammenstellung von Daten beeinträchtigen. Dies ist für die vorliegende Arbeit insofern bedeutsam, da im Zuge der europaweiten Angleichung der amtlichen Statistik im Jahre 1995 die in Deutschland geltende „Systematik der Wirtschaftszweige“ (seit der Ausgabe 1979) durch die neu eingeführte „Klassifikation der Wirtschaftszweige“ (seit der Ausgabe 1993) abgelöst wurde. Durch diese Umstellung sind vergleichende Analysen des Datenmaterials erst ab dem Jahr 1995 möglich (vgl. Gersmeyer 2004, S.98).

Mit dem ermittelten Zahlenmaterial lassen sich Kennziffern wie der Lokalisationsquotient, der Gini-Koeffizient sowie Portfolio-Modelle bestimmen. Weiterhin werden auch Angaben benötigt, welche die Stärke und die Intensität des Netzwerkes, d.h. den Grad der formellen und informellen Kontakte zwischen den Akteuren nachweisen. Hierbei sind gemeinsame Forschungsprojekte, gemeinsame Ausbildungsprogramme und weitere Kooperationen verschiedenster Art zwischen den ansässigen Unternehmen und den Forschungs- sowie Bildungseinrichtungen von besonderer Bedeutung.

Des Weiteren soll auch auf Möglichkeiten des Staates bzw. öffentlicher Einrichtungen zur Unterstützung solcher regionalen Branchencluster eingegangen werden. Hier sind Initiativen auf Bundesebene, wie das „InnoRegio-Programm“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) oder die Plattform „JenArea21“ auf regionaler Ebene zu nennen.

Auch wird auf die historische Entwicklung der beiden untersuchten Branchen, unter anderem anhand ausgewählter bedeutender Unternehmen, eingegangen. In diesem Kontext stellt sich auch die Frage, inwieweit die bereits 300 Jahre bei Keramik (in Europa) und 150 Jahre bei der optischen Industrie zurückliegende Entstehungsphase, den heutigen Stand der Branchen beeinflusst hat.

1.2 Aufbau und Ziel der Arbeit

Nach der Einleitung, in welcher der Untersuchungsgegenstand erläutert und wichtige Definitionen aufgeführt sind, werden im folgenden Kapitel zwei verschiedene Theorien der bereits angesprochenen Wissenschaftler Porter und Brenner gegenübergestellt und verglichen. Die Inhalte und Schlussfolgerungen dieses Abschnitts sollen zum einen aufzeigen, wie vielschichtig die theoretischen Grundlagen sind und zum anderen sollen sie das Vorgehen im weiteren Verlauf der Arbeit begründen. Ebenfalls wird an dieser Stelle aufgezeigt, mit welchen Maßnahmen regionale und bundespolitische Akteure versuchen, die Bildung von Clustern zu unterstützen.

In Kapitel 3 werden Analyseverfahren vorgestellt, anhand derer das Vorliegen von regionalen Branchenclustern überprüft werden kann. Hier wurden Analyseverfahren ausgewählt, die auch in anderen Fallstudien, welche sich mit dieser Thematik beschäftigen, zum Einsatz gekommen sind.

Im Anschluss daran wird auf die historische Entstehung und Entwicklung der untersuchten Branchen in der Region eingegangen. Hier soll unter anderem aufgezeigt werden, inwieweit bereits zu Zeiten der Planwirtschaft eine Konzentration von Unternehmen verwandter Wirtschaftszweige durch die politischen Entscheider vorgenommen wurde. Ein weiterer Punkt ist die Entwicklung der Branchen bzw. der wichtigsten Unternehmen nach der Wiedervereinigung Deutschlands.

In Kapitel 5 soll mittels ausgewählter Verfahren und des vorliegenden Zahlenmaterials überprüft werden, inwieweit in der Region Jena Clusterformationen bzw. Clustervermutungen in den Bereichen optische und keramische Industrie vorliegen. Die Zusammenfassung und Auswertung der empirischen Ergebnisse schließen das Kapitel ab.

Den Abschluss dieser Arbeit bildet eine kritische Würdigung der getroffenen Aussagen und Ausführungen und zeigt auf, welche Initiativen nötig sind, um die Identifikation von Clusterformationen zu erleichtern und zu beschleunigen.

1.3 Definition des Clusterbegriffs

Ursprünglich entstammt der Clusterbegriff dem naturwissenschaftlichen Bereich. In der Kernphysik beschreibt er eine büschel- oder traubenförmig angeordnete Menge von Einzelteilen, z.B. Moleküle, die als einheitliches Ganzes anzusehen sind (Textor 1985, S.54). In jüngerer Zeit wird der Begriff vornehmlich auf ökonomische Konfigurationen unterschiedlichster Art angewandt (Bruch-Krumbein / Hochmuth 2000, S.24). Speziell für den wirtschaftswissenschaftlichen Bereich wurde der Begriff „Branchencluster" kreiert.

Es gibt mehrere differierende Definitionen von Wissenschaftlern aus verschiedenen Bereichen. Auch werden aufgrund der Aktualität der Thematik noch immer neue Definitionen hervorgebracht. Am treffendsten und umfassendsten ist die von Michael E. Porter, der sagt: „Ein Cluster ist eine geografische Konzentration von miteinander verbundenen Unternehmen und Institutionen in einem bestimmten Wirtschaftszweig. Er umfasst eine Reihe vernetzter Branchen und weitere für den Wettbewerb relevante Organisationseinheiten. Cluster erstrecken sich oft über die Vertriebskanäle abwärts bis zu den Kunden sowie seitlich zu den Herstellern komplementärer Produkte und zu Unternehmen in Branchen, die ähnliche Fertigkeiten und Techniken oder gemeinsame Inputs haben. Schließlich umfassen viele Agglomerationen auch Behörden und andere Organisationen – etwa Hochschulen, normsetzende Instanzen, Denkfabriken, Berufsausbildungs-stätten und Unternehmerverbände, die besondere Aus- und Fortbildung, Informationen, Forschung und technische Unterstützung zur Verfügung stellen“ (Porter 1999, S.52). Ebenfalls sehr ausführlich formuliert Thomas Brenner (Brenner / Fornahl 2001, S.622) mit folgenden Worten seine Definition eines regionalen Branchenclusters: „Von lokalen industriellen Clustern sprechen wir, falls eine räumliche Konzentration branchenspezifischer Aktivitäten vorliegt, die durch lokale Wechselwirkungen zwischen den Firmen und ihrem Umfeld verursacht wird. Diese Wechselwirkungen müssen dabei derart sein, dass es zu einer positiven Rückkopplung kommt. Ein typisches Beispiel für eine solche Rückkopplung stellt die Entwicklung branchenspezifischer Fähigkeiten in einer Region dar. Gibt es in einer Region viele Arbeitsplätze in einer Branche, so werden viele Arbeitnehmer in den entsprechenden Arbeitsfeldern und Technologien ausgebildet. Dies macht die Region für weitere Firmen der Branche attraktiv. So kommt es zu einer positiven Rückkopplung zwischen Firmen und den berufsspezifischen Fähigkeiten der Bevölkerung in der Region“.

Cluster können die unterschiedlichsten Formen und Ausprägungen aufweisen. Im Idealfall hat es die Form wie in Abb. 1 dargestellt. Eine große Anzahl von Unternehmen einer Branche, sowie weitere Institutionen interagieren auf regionaler oder lokaler Ebene miteinander.

Abbildung 1: Integriertes Netzwerkcluster

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Krätke / Scheuplein 2001, S.59

Ein integriertes Netzwerkcluster zeichnet sich durch starke Netzwerkverflechtungen zwischen den im Cluster angesiedelten Einrichtungen aus. Weiterhin bestehen intensive Kontakte zu Unternehmen und Institutionen außerhalb des Clusters. Dieser Kontakt ist sehr wichtig, denn dadurch können neue Ideen und Verfahrensweisen in den Cluster aufgenommen werden.

2 Theoretische Clusteransätze

In diesem Kapitel sollen zwei aufschlussreiche Theorien vorgestellt werden, die eine räumliche Konzentration von Unternehmen zum Inhalt haben. Da ist zum einen das „Diamant-Konzept“ von Michael E. Porter und zum anderen die Theorie von Thomas Brenner, dessen Forschungen sich hauptsächlich auf die „Überwindung der kritischen Masse“ stützen.

Die Wahl fiel auf Michael. E. Porter, da es sich bei seinen Arbeiten und Studien um sehr häufig und kontrovers zitierte Literatur handelt. Thomas Brenner wurde ausgewählt, da seine Arbeiten viele neue Erkenntnisse enthalten und er durch seine Forschungen im Max-Planck-Institut Jena eine besondere Beziehung zu der untersuchten Region hat.

2.1 Porters „Diamant“

In der 1998er Auflage seines Werkes „The Competitive Advantage of Nations“ schreibt Porter über das von ihm als „Diamanten“ bezeichnete Cluster-Modell. Mit diesem Modell hat Porter versucht ein integratives und ausführliches Konzept der internationalen Wettbewerbsfähigkeit von Branchen vorzulegen, das mannigfache Aussagen und Erklärungsmuster zu einem komplexen Gesamtgebilde – dem „Diamant“ – zusammenführt. Anhand dieses Modells soll geklärt werden, unter welchen Voraussetzungen Unternehmen in ihren jeweiligen Branchen Produktivitätsfortschritte erzielen können und welche zentralen Determinanten dafür erforderlich sind.

Um das Ziel der internationalen Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen, sind nationale Rahmenbedingungen unabdingbar. Diese Rahmenbedingungen formen Porters „Diamanten“. Sie setzen sich aus vier weit gefassten Determinanten und zwei ergänzenden Elementen zusammen (siehe Abb. 2).

Abbildung 2: Der „Diamant“ nach M. E. Porter

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Porter 1998, S.127

Innerhalb des Gefüges aus nationalen Rahmenbedingungen entstehen die so genannten Cluster (vgl. Porter 1998, S.131). Ganz allgemein ist darunter eine Gruppe von geographisch konzentrierten Branchen und Unternehmen zu verstehen, die in engen wirtschaftlichen Beziehungen zueinander stehen. Derartige Cluster stellen für Porter den eigentlichen Kern des nationalen Wettbewerbsvorteils dar (ebd., S.152).

Nachfolgend werden die Determinanten des „Diamanten“ näher erläutert.

2.1.1 Faktorbedingungen

Als erste Determinante werden von Porter die nationalen Faktorbedingungen aufgegriffen. Hierbei handelt es sich um den Bestand an Produktionsfaktoren des jeweiligen Landes. Der Schwerpunkt liegt allerdings nicht auf den natürlichen Faktorbeständen wie beispielsweise den Bodenschätzen, sondern auf der aktiven und permanenten Fortentwicklung der Faktorbasis durch z.B. großzügige Investitionen in den Bildungssektor (vgl. ebd., S.74). Um langfristig Wettbewerbsvorteile erzielen zu können, sollte ein Land bemüht sein, die nationale Faktorbasis kontinuierlich zu verbessern und qualitativ aufzuwerten (ebd., S.80).

Die nationalen Faktorbedingungen umfassen die Gesamtheit aller Produktionsfaktoren in einem Land, die den Branchen und Unternehmen als Input für die Leistungserstellung zur Verfügung stehen. Dazu gehören z.B. das Humanvermögen, die Infrastruktur sowie Wissens- und Kapitalressourcen (vgl. Gersmeyer 2004, S.42).

Allerdings sorgen auch hohe Faktorkosten sowie Nichtverfügbarkeit oder eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten der Produktionsfaktoren dafür, dass Innovationen vorangetrieben werden und somit nationale Wettbewerbsvorteile entstehen (vgl. Manschwetus 1995, S.139). Einer der wesentlichen Analyseansätze Porters besagt, dass Zwang sowie Druck zur Anpassung und nicht ein Überfluss der unterschiedlichsten Produktionsfaktoren, der Weg zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit ist.

2.1.2 Nachfragebedingungen

In Porters Modell spielt vor allem die Inlandsnachfrage eine sehr große Rolle. Hier sind das Qualitätsbedürfnis und die dynamische Entwicklung ausschlaggebend für den Wettbewerbserfolg. Auch hat die Zusammensetzung der Inlandsnachfrage neben der Marktgröße, dem Marktwachstum und den Möglichkeiten, die nationalen Präferenzen auf ausländische Märkte zu übertragen, einen hohen Stellenwert. Die Wirtschaftskraft einer Region hängt nicht zuletzt auch davon ab, inwieweit es ihr gelingt, Einkommen im Güteraustausch mit anderen Regionen zu erzielen. Aus diesem Grund ist auch der Export so bedeutend (Zimmermann 2004, S.6).

Die Inlandsnachfrage hat immer dann eine positive Wirkung auf die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes, wenn die Käufer besonders anspruchsvoll sind, denn hohe Ansprüche der Kunden veranlassen die Unternehmen dazu, ihr Angebot ständig zu verbessern und innovativ tätig zu werden (Gersmeyer 2004, S.48). Wenn es den Unternehmen und Branchen gelingt, die nationalen Präferenzen in Produkte und Dienstleistungen umzusetzen, die auch im Ausland Absatz finden, so sind sie dem Ziel, einen langfristigen Wettbewerbsvorteil zu erlangen, deutlich näher gerückt.

2.1.3 Cluster aus verwandten und unterstützenden Branchen

Die dritte Determinante des nationalen Wettbewerbsvorteils beschreibt die Existenz von verwandten und unterstützenden Branchen in einem Land, d.h. die Bildung so genannter Cluster aus international wettbewerbsfähigen Wirtschaftszweigen (Porter 1998, S.100ff.). Ein solches Cluster umfasst unter anderem die Unternehmen einer Branche, die Zulieferer, Unternehmen aus verwandten Branchen sowie Absatzkanäle und Kunden. Konstituierendes Merkmal ist aber immer die regionale Verdichtung dieser Elemente (vgl. Gersmeyer 2004, S.49).

Porter geht also davon aus, das bei solchen Produktionsclustern, positive externe Effekte bzw. Agglomerationsvorteile durch Kooperationsbeziehungen zwischen den beteiligten Unternehmen und Institutionen auftreten. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Bildung von Netzwerken, in denen Transaktionsbeziehungen jenseits hierarchischer Strukturen geschaffen werden. Diese ermöglichen die Entstehung dynamischer Effizienzvorteile, z.B. auf der Grundlage eines intensiven wechselseitigen Know-how-Transfers, eines schnellen Informationsflusses zwischen den Partnern, gemeinsamer Finanzierungs- sowie Forschungs- und Ausbildungsprogramme oder einer Einbindung spezialisierter Zulieferer und Arbeitskräfte (Gersmeyer 2004, S.50).

Besonders vorteilhaft wirkt sich im Zusammenhang mit dem Netzwerkgedanken die räumliche Dimension aus. Durch die Einbettung der ökonomischen Akteure in lokale Netzwerke oder regionale Milieus werden die positiven Effekte und eine Partizipation an den Vorteilen gefördert. Nicht selten erfordert eine vollständige Internationalisierung der Erträge sogar die Präsenz der Partner am gleichen Ort (Institut für Weltwirtschaft 1998, S.14). Die geografische Nachbarschaft der kooperierenden Akteure, beispielsweise innerhalb einer einzelnen Stadt oder einer bestimmten Region, erleichtert den wechselseitigen Austauschprozess und trägt entscheidend dazu bei, dass sich die kumulativ verstärkenden Feedbacks und Spillover-Effekte zwischen den Akteuren entfalten können (Fernau 1997, S.106).

Zusammenfassend ist festzustellen, dass das Ausmaß und die Intensität der Verbindungen zwischen den Akteuren ausschlaggebend für den Erfolg des Clusters und somit auch für die Region sind. Durch neue Entwicklungen und Erfindungen im Produkt- und Verfahrensbereich, durch Innovationen und die dadurch erlangten Produktivitätssteigerungen können die beteiligten Branchen und Unternehmen wechselseitig voneinander profitieren und sich essentielle Vorteile gegenüber der übrigen Konkurrenz verschaffen.

2.1.4 Unternehmensstrategie, Struktur und Wettbewerb

Mit dieser Determinante spricht Porter (1998, S.107) die vorherrschenden Markt- und Unternehmensstrukturen sowie die Organisations- und Managementstile in den einzelnen Ländern an. Diese Faktoren variieren von Land zu Land erheblich. Zusammen mit den kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten bilden sie das wirtschaftliche Umfeld, in dem wettbewerbsfähige Industrien entstehen.

Hier stehen unter anderem die innovativen Tätigkeiten der einzelnen Unternehmen im Vordergrund. Denn auf der Basis neuer, elementarer Erfindungen können sich Wirtschaftssysteme weiterentwickeln und Produktivitätssteigerungen erreicht werden. Weiterhin ist es entscheidend, mit welcher Intensität der Wettbewerb in einem Land geführt wird. Erst der Konkurrenzdruck durch starke inländische Mitwettbewerber löst bei den Unternehmen den Anreiz aus, Kosten einzusparen, die Qualität und den Service zu verbessern sowie die Leistungsfähigkeit in allen Bereichen zu erhöhen.

Die Vermutung, dass der Wettbewerb mit ausländischer Konkurrenz den inländischen Wettbewerb ersetzen könnte, trifft nicht zu. Oft werden an dieser Stelle Ausreden der Unternehmer wie: „unfairer Wettbewerb“ oder „ungleiche Rahmenbedingungen“ vorgeschoben, falls es den inländischen Unternehmen nicht möglich ist, der ausländischen Konkurrenz etwas entgegen zu setzen. Im Wettbewerb mit inländischen Konkurrenten haben diese Entschuldigungen keine Geltung und somit lastet auf allen Firmen ein deutlich größerer Druck zum Aufholen eines eventuellen Rückstandes (vgl. van der Linde 1992, S.40). Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Konkurrenz außerhalb der nationalen Grenzen nicht von Bedeutung ist, sondern nur, dass es für die Unternehmen wichtig ist, sich im nationalen Wettbewerb durchzusetzen.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich die internationalen Unterschiede bei den Zielen, Strategien und Organisationsstrukturen sowie die Art der inländischen Konkurrenz auf die Entstehung von Wettbewerbsvorteilen auswirken. Es ist jedoch kaum möglich, eine vollständige Aufzählung aller in Frage kommenden Faktoren vorzunehmen. Von der Ausgestaltung der kulturellen Maßstäbe über die nationale Managementphilosophie bis hin zu dem Erziehungs- und Bildungssystem eines Landes sind viele Aspekte von Bedeutung (vgl. Porter 1998, S.109).

Allerdings kommt innerhalb der verschiedenen Einflussfaktoren dem Wettbewerb zwischen den nationalen Unternehmen eine besondere Funktion zu. Durch Rivalität und den dadurch ausgelösten Druck werden die Unternehmen zu mehr Innovationen und Produktivitätssteigerungen veranlasst. Eine hohe Wettbewerbsintensität hilft auf diese Weise Verbesserungen und Neuerungen voranzutreiben und liefert einen wesentlichen Antrieb für die Weiterentwicklung und die Aufwertung aller vier Determinanten des „Diamanten“ (vgl. Gersmeyer 2004, S.59).

2.1.5 Zufallsereignisse

Nach Porter (1998, S.124) sind Zufallsereignisse oft verantwortlich für die Entstehung wettbewerbsfähiger Industrien. Unter Zufällen sind solche Ereignisse zu verstehen, die nicht über die vier Hauptdeterminanten beschrieben werden können. Beispiele dafür sind zufällige Entdeckungen, technologische Brüche, Naturkatastrophen oder auch Kriege.

Der große Nutzen dieser Zufallsereignisse liegt u.a. darin, dass Wirtschaftsstrukturen aufgebrochen und plötzliche Veränderungen herbeigeführt werden. Die damit einhergehenden Brüche und Diskontinuitäten führen zu Verschiebungen in den relativen Wettbewerbspositionen der Unternehmen und können traditionelle Branchenstrukturen grundlegend verändern (Gersmeyer 2004, S.60).

2.1.6 Staat

Laut Porter (1998, S.126 ff.) beeinflusst der Staat den Wettbewerbserfolg eines Landes bzw. einer Region nur indirekt. So wirkt sich z.B. die Bildungspolitik oder das Angebot an öffentlichen Gütern (Infrastruktur) auf die nationalen Faktorbedingungen aus. Die Inlandsnachfrage wird durch das öffentliche Beschaffungswesen geprägt, während sich Marktzutrittsbeschränkungen oder staatliche Regulierungen auf die Entwicklung verwandter und unterstützender Branchen auswirken können.

Die Aufgabe des Staates ist es somit, gute ökonomische Rahmenbedingungen zu schaffen und für ein günstiges Umfeld zu sorgen, so dass wirtschaftliche Dynamik und eine möglichst hohe Wohlfahrt gewährleistet werden. Ein Hauptaugenmerk der Regierung sollte deshalb der Aufbau von Branchenclustern sein, da diese den Export steigern, einen Magnet für Investitionen darstellen und den direkten Dialog zwischen Unternehmen, Regierungen und Institutionen erlauben (Steiner 2003, S.79). So könnten sich die politischen Entscheider auch in der Hinsicht engagieren, dass sie Kooperationen zwischen den verschiedensten Akteuren fördern, insbesondere:

- zwischen Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes und darauf orientierten Dienstleistern,
- zwischen der regionalen Wirtschaft und Einrichtungen der Wissenschaft,
- zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften,
- zwischen verschiedenen Akteuren in Bezug auf (regionalen Anforderungen angemessene) Maßnahmen zur Qualifikationsförderung,
- zwischen verschiedensten Organisationen und Einzelpersonen auf gesellschaftlicher Ebene (vgl. Hellmer / Krumbein 1997, S.36).

Porters Aussage: „Government´s real role in national competitive advantage is in influencing the four determinants“ (Porter 1998, S.126) zeigt, welche Rolle seiner Ansicht nach dem Staat zukommt.

2.1.7 Fazit des “Diamant-Konzeptes”

In Ländern, in denen ein funktionsfähiger Diamant vorliegt und sich somit die Elemente positiv verstärken, ist die Chance auf einen langfristigen Wettbewerbsvorteil vorhanden (Porter 1998, S.131ff.).

In Borner und Weder (1995, S.14) ist anhand eines Szenarios ausführlich beschrieben, wie ein „Diamant“ entsteht und in welcher Folge die einzelnen Schritte ablaufen: Den Ausgangspunkt bilden z.B. anspruchsvolle inländische Konsumenten, die innovative und hochwertige Produkte nachfragen. Um dem Bedarf nachzukommen, investieren die Unternehmen in Forschung, Technologie, Infrastruktur und Humankapital, was den Prozess der Faktorbildung in Gang setzt. Die Herausbildung besonderer Faktorbedingungen erhöht die Standortattraktivität und zieht neue Unternehmen aus vorgelagerten, nachgelagerten und verwandten Wirtschaftszweigen an. Die zunehmende Dichte von Branchen und Unternehmen derselben bzw. verwandter Branchen begünstigt die Bildung von Clustern, erhöht die Innovationskraft und steigert den Bedarf an (Vor-)Produkten sowie an lokalen Dienstleistungen. Durch steigende Reallöhne wird eine weitere Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern stimuliert; neue Anbieter wandern zu. Dieser Prozess setzt sich fort.

Cluster beeinflussen den Wettbewerb also auf dreierlei Weise. Erstens erhöhen sie die Produktivität der Unternehmen, die in der Region angesiedelt sind. Zweitens bestimmen sie die Richtung und das Tempo von Innovationen und drittens stellen sie einen Anreiz für die Gründung neuer Unternehmen dar, die ihrerseits den Cluster ausdehnen und stärken (vgl. Porter 1999, S.55).

Die Aufzählung der hier beschriebenen Wirkungszusammenhänge ist nicht vollständig und könnte noch weiter fortgesetzt werden (eingehende Darstellung in Porter 1998, S.132 ff.). Allerdings veranschaulichen bereits diese Ausführungen den Umfang und die Komplexität des „Diamant-Systems“ und seine Funktionsweise.

Produktivität entsteht nicht auf der Ebene von Volkswirtschaften, sondern immer in einzelnen Unternehmen und Branchen. Mit dem „Diamanten“ wird zu erklären versucht, unter welchen Bedingungen Unternehmen in den jeweiligen Branchen Produktionsfortschritte erzielen und welches die zentralen Determinanten hierfür sind.

2.2 Überwindung der kritischen Masse nach Brenner

Auf der Theorie der Überwindung der kritischen Masse bauen viele Untersuchungen und Studien von Thomas Brenner und seinen wissenschaftlichen Mitarbeitern im Max-Planck-Institut auf. Sie gleicht in vielen Punkten Porters „Diamanten-Theorie“, geht allerdings ausschließlich auf die regionalen und lokalen Aspekte von Branchenclustern ein.

Unter der kritischen Masse ist der jeweilige Zustand eines lokalen Systems, also die wirtschaftliche Situation einer bestimmten Region, zu verstehen.

[...]

Details

Seiten
99
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638487795
Dateigröße
833 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v53281
Institution / Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena – Fachbereich Betriebswirtschaft
Note
1,7
Schlagworte
Entwicklung Branchencluster Raum Jena Ihre Identifikation Analyse Beispiele

Autor

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Titel: Die Entwicklung regionaler Branchencluster im Raum Jena: Ihre Identifikation und Analyse anhand zweier Beispiele