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Rassismus in den britischen Printmedien

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 41 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Westeuropa

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 TYPEN VON RASSISMEN
2.1 WHITECENTRISM
2.2 EUROZENTRISMUS
2.3 KULTURALISMUS
2.4 VERANDERUNG
2.5 XENOPHOBIE
2.5.1Islamophobie
2.5.2 Germanophobie
2.5.3 Francophobie.

3 AUFTRETEN UND CHARAKTERISTIKA VON RASSISMUS IN DER BRITISCHEN PRESSE
3.1 NEGATIVE ASPEKTE
3.1.1 Hauptthemen der Berichterstattung
3.1.1.1 Kriminalitätssyndrom
3.1.1.2 Aktualitätssyndrom
3.1.1.3 Negativsyndrom
3.1.2 Gefahrensemantik
3.1.3 Quellen
3.1.4 Repräsentation von ethnischen Minderheiten
3.1.4. (Nicht-) Beachtung von minderheitsrelevanten Themen
3.1.4.2. Ethnische Minderheiten bei den Medienangestellten
3.2 POSITIVE ASPEKTE
3.3 UNTERSCHIEDE ZWISCHEN TABLOIDS UND BROADSHEETS

4 FALLBEISPIELE
4.1 IMMIGRANTEN UND ASYLSUCHENDE
4.1.1 Gesundheit.
4.1.2 Kriminalität
4.1.3 Kosten
4.2 RROMA
4.3 ANDERE NATIONEN
4.4 ANDERE ETHNISCHE MINDERHEITEN

5 FAZIT

6 LITERATUR

1 Einleitung

Nach dem Wahlerfolg der Labour Party 1997 titelte der Observer in seiner Hauptbericht-erstattung: "GOODBYE XENOPHOBIA!" (zitiert nach Law 2002: 36). Die Zeitung wähnte mit dem Regierungswechsel ebenso einen Richtungswechsel weg von einer allgemeinen Fremdenfeindlichkeit eingeläutet wie der Kolumnist Brian McNair, der in Bezug auf die Berichterstattung der Printmedien mutmaßte: "Racism is dying. Racists are increasingly isolated, finding no endorsement of their views from the media" (zitiert nach Law 2002: 43).

Nur drei Jahre später jedoch kritisierte die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) die britischen Printmedien mit dem folgenden Kommentar: "Particular concern is expressed at the consistent inflammatory attacks on asylum seekers and migrants coming to the UK, which have appeared in local but also in some national mainstream newspapers" (zitiert nach ICAR 2004: 80).

Sind in den britischen Printmedien nun also rassistische und fremdenfeindliche Tendenzen festzustellen oder lassen sie sich in McNairs Sinne weitestgehend als rassismusfreien Raum interpretieren? Mit anderen Worten: Lassen sich die Printmedien tatsächlich als "Great Anti- Racist Show" bezeichnen oder erfolgt mit ihrer Hilfe eher, wie von Kritikern behauptet, eine Perpetuierung von real existierenden Vorurteilen und Stereotypen oder, im Extremfall, sogar überhaupt erst die Schaffung dieser Vorurteile?

In der vorliegenden Arbeit werde ich versuchen, mich dieser Fragestellungen von verschiedenen Seiten aus zu nähern. In einem einleitenden theoretischen Teil werde ich daher zuerst die verschiedenen Typen von Rassismen definieren und erläutern. Dabei möchte ich mich nicht auf einen traditionellen Rassismusbegriff stützen, der auf eine Definition des biologischen Rassismus angelegt ist, sondern vielmehr mit einer modernen Definition arbeiten, die auch die neu entstandenen Formen des rassistischen Denkens mit einschließt.

In einem zweiten Teil werde ich mich dann mit dem generellen Auftreten und den Charakteristika der Rassismen in den Printmedien auseinandersetzen. Hierbei werde ich zuerst die negativen Aspekte der Berichterstattung behandeln, um dann auf die Merkmale von "Best Practice"- Beispielen zu sprechen zu kommen. Des Weiteren möchte ich mich in diesem Kapitel mit den Unterschieden zwischen der Berichterstattung der sensationalistischen Tabloids und den seriöseren Broadsheets befassen. Im Gegensatz zum vierten Kapitel, in dem ich verschiedene Fallbeispiele analysieren werde, liegt der Schwerpunkt des dritten Kapitels dabei vor allem auf den generellen Merkmalen der Berichterstattung, wie sie dann auch anhand der Beispiele in Kapitel 4 nachzuvollziehen sein werden.

In einem abschließenden fünften Kapitel werde ich schließlich ein Fazit der Arbeit ziehen, indem ich die wichtigsten Punkte der Argumentation noch einmal resümieren und zusammenfassend bewerten werde.

Die Untersuchung und Analyse von rassistischen Einstellungen ist ein weites Feld, über das ich in dieser Arbeit leider nur in Ausschnitten berichten kann. Ich bitte deshalb um Verständnis dafür, dass ich sowohl in der Beschreibung der verschiedenen Rassismustypen als auch in den ausgewählten Fallbeispielen lediglich einen kleinen Querschnitt der behandelnswürdigen Themen und Aspekte geben kann. Dabei habe ich die aus meiner Sicht wichtigsten Felder herausgearbeitet. Abweichende Meinungen über die Prominenz und Interpretation dieser Stellen sind also durchaus möglich.

2 Typen von Rassismen

Es gibt zahlreiche Definitionen des Rassismusbegriffs, die sich in mehr oder weniger starkem Maße unterscheiden. Allen Definitionen ist gemein, dass sie abwertende Denkmuster und daraus resultierende Verhaltensweisen gegenüber einer Gruppe von Menschen voraussetzen, die als fremd oder fremdartig eingestuft wird. Traditionell erfordert die Rassismusdefinition eine Unterteilung der Menschheit aufgrund von (imaginären) biologischen Unterschieden. So entsteht eine Hierarchie der "Rassen", an deren Spitze die eigene "Rasse" steht. Menschen anderer (angeblich biologischer) Herkunft werden als minderwertig eingestuft. Albert Memmi definiert Rassismus 1987 somit als "verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver biologischer Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers . . . , mit der eine Aggression gerechtfertigt werden soll" (Memmi 1992: 151). Bei dieser Definition stehen ganz eindeutig die biologische Differenzierung sowie der Gewaltaspekt im Vordergrund.

Traditioneller Rassismus, bei dem explizit auf eine biologische Unterscheidung hingewiesen wird, nimmt in modernen Gesellschaften jedoch zunehmend ab. Im gleichen Maße steigen menschengruppenfeindliche Tendenzen an, die sich nicht auf die Unterteilung der Menschheit in Rassen berufen, sondern vielmehr auf eine Unterscheidung verschiedener Menschengruppen aufgrund ihrer Kultur verweisen. Ein moderner Rassismusbegriff muss somit auch diese Komponente umfassen.

Modernere Definitionen von Rassismus legen folglich geringeren Wert auf den (pseudo-) biologischen Aspekt des Rassismusbegriffs. In seinem 2005 erschienen Artikel "Wir und sie: Was Menschen zu `Fremden´ macht" weist Mark Terkessidis darauf hin, dass sich Rassismus weder um imaginäre biologische Unterschiede formieren muss, noch dass ihm notwendigerweise eine explizit aggressive oder feindliche Absicht vorausgeht:

"Wenn man über Rassismus spricht, dann geht es um eine Spaltung -- und zwar eine illegitime Spaltung -- innerhalb einer Bevölkerung. Es geht nicht um `Feindlichkeit´ gegenüber `Fremden´, sondern um die Prozesse, in denen Menschen überhaupt erst zu Fremden gemacht werden" (Terkessidis 2005: 23).

Weiterhin erläutert er, dass eine Konzentration der Rassismusdefinition auf die extremistische Ausformung des Rassismus, also die eigentliche aggressive Handlung, dazu führt, "dass Rassismus als eine Art `Betriebsunfall´ im normalen Funktionieren des Rechtsstaates gedeutet wird" (Terkessidis 2005: 24). Somit können alltägliche fremdenfeindliche Handlungen nicht als Rassismus gedeutet werden.

Ich sehe beide Definitionen in diesem Rahmen als verkürzt an: Weder ist Rassismus nur auf die biologische Unterteilung der Menschheit und auf tatsächlich aggressives Verhalten beschränkt, noch geht es dabei lediglich um eine Spaltung innerhalb einer bestimmten Bevölkerung. Aus diesen Gründen möchte ich mich für eine Definition von Rassismus aussprechen, die sowohl den Alltagsrassismus als auch den eher globalen Rassismus (wie zum Beispiel Antisemitismus) mit einschließt. Im Hinblick auf die vorliegende Untersuchung möchte ich mich somit Ian Law anschließen, der Rassismus folgendermaßen definiert: "Racism refers to those situations where ideas of stock or biological difference are given social significance and symbolically mobilised" (Law 2002: 10). Rassistisches Denken umfasst folglich alle Einstellungen, in denen verschiedene Gruppen von Menschen aufgrund ihrer angeblichen biologischen oder kulturellen Herkunft unterschieden werden. Im Hinblick auf diese Unterscheidung entsteht eine Hierarchie von Rassen oder Kulturen, die zu aggressivem Verhalten gegenüber den als minderwertig angesehen Gruppen führen kann.

In der Definition unterschieden werden muss des weiteren zwischen implizitem und explizitem Rassismus. In Bezug auf die mediale Berichterstattung meint expliziter Rassismus die "offene und bevorzugte Berichterstattung über Argumente und Positionen oder über Wortführer, die eine offene rassistische Politik oder Sichtweise verbreiten" (Hall 1982: 525). Implizierter Rassismus ist folgerichtig definiert als "jene scheinbar naturalisierten Repräsentationen von Ereignissen im Zusammenhang mit Rasse - ob in Form von `Tatsachen´ oder `Fiktion´ -, in die rassistische Prämissen und Behauptungen als ein Satz unhinterfragter Vorannahmen eingehen" (Hall 1982: 525). Rassismus muss dem Produzenten beziehungsweise Träger also keinesfalls bewusst sein: "Tatsächlich aber hängt ein ideologischer Diskurs nicht von den bewussten Intentionen derjenigen ab, die innerhalb dieses Diskurses Aussagen formulieren" (Hall 1982: 526).

Im Folgenden werde ich die im Hinblick auf die vorliegende Arbeit wichtigsten Formen des Rassismus kurz vorstellen. Ich möchte mit dieser Analyse natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Rassismus zeigt sich immer wieder in neuen und unterschiedlichen Formen und ob der Kürze dieser Untersuchung ist es nur möglich, einen kurzen Überblick zu geben.

2.1 Whitecentrism

Der Whitecentrism ist eine Unterform des Rassismus, die sich über den Vergleich mit anderen "Kulturen" manifestiert. Hierbei werden alle kulturellen und sozialen Gegebenheiten einer als fremd angesehenen Gruppe oder Kultur mit einer imaginären "weißen Norm" verglichen: "Treatment, presentation and representation use a homogenous white yardstick, which in seeking to subvert whiteness reestablishes white `normality´" (Law 2002: 26). Bei diesem Vergleich wird die jeweils andere Kultur negativ beurteilt und folglich als minderwertig eingestuft.

"Whiteness", d.h. das konstruierte Gefüge weißer (meist westlicher) Normen, wird als Normalität angesehen, von der alle nicht- weißen Kulturen abweichen. Die Perzeption von Mitgliedern dieser weißen Kultur erfolgt durch deren Darstellung als individuell, verschiedenartig und komplex. Nicht- weiße Menschen und Kulturen hingegen besitzen gemäß diesem Konstrukt immer gleiche (und im gleichen Maße immer negative) Charaktereigenschaften.

Im Zusammenhang mit diesem Konzept ist zu beachten, dass die postulierte "Whiteness" keine soziale Realität ist. "Weiße" Normen sind eine "kulturell konstruierte Kategorie" (Dyer 1994: 65), die weder genau definierbar sind noch einer historischen oder gesellschaftlichen Untersuchung standhalten.

2.2 Eurozentrismus

Der Eurozentrismus ist eine Ausprägung des Ethnozentrismus, der gekennzeichnet ist durch "the tendency to look at the world primarily from the perspective of one's own culture" (Wikipeda 2005b: 1). Ethnozentrismus findet sich in fast allen Kulturen wieder, besonders ausgeprägt ist er jedoch bei Mitgliedern von Großmächten und Imperien. Law bezeichnet ihn auch als "kolonialen Rassismus" (Law 2002: 29).

Ähnlich wie der Whitecentrism, der andere Kulturen im Vergleich mit weißen Normen abwertet, benutzt der Eurozentrismus imaginäre europäische soziale, ökonomische und kulturelle Normen, um andere Normen negativ zu attributieren. Diese imaginären europäischen Normen konzentrieren sich dabei primär um die kulturelle Tradition Nordwesteuropas. Eurozentrismus ist somit "the practice, conscious or otherwise, of placing emphasis on European (and, generally, Western) concerns, culture and values at the expense of those of other cultures" (Wikipeda 2005a: 2).

Kennzeichnend für den Eurozentrismus ist die Konstruktion einer linearen historischen Verbindung zwischen dem antiken Griechenland über Rom bis zum heutigen Europa (und oftmals Nordamerika). Geschichte wird als Aufeinanderfolge von Weltmächten und Imperien interpretiert. Kulturelle Errungenschaften werden den Gesellschaften Europas (vor allem Westeuropas) zugeschrieben: "In all cases, Europe, alone and unaided, is seen as the `motor´ for progressive historical change: it invents democracy, class society, feudalism, capitalism, the industrial revolution" (Shohat/Stam 1994: 2).

Dem "Westen" wird ein ihm innewohnender Fortschritt zur Demokratisierung zugeschrieben. Außereuropäische demokratische Traditionen werden nicht anerkannt. Anti- demokratischen Maßnahmen europäischer Mächte außerhalb Europas wird ebenso wenig Relevanz zugeschrieben wie den nicht- demokratischen Praktiken und Ereignissen innerhalb Europas und Nordamerikas in der jüngeren Vergangenheit (zum Beispiel Sklavenhandel, Imperialismus, Kolonialismus). Ein Zusammenhang zwischen diesen Ereignissen und dem momentanen Reichtum und der Macht Europas und Nordamerikas wird vehement bestritten. Die Leistungen anderer Kulturen werden generell gering geschätzt:

"Eurocentrism appropriates the cultural and material production of non- Europeans while denying both their achievements and its own appropriation, thus consolidating its sense of self and glorifying its own cultural anthropology" (Shohat/ Stam 1994: 3).

Zusammenfassend lässt sich der Eurozentrismus durch seine Tendenz charakterisieren, die Geschichte sowie die aktuelle Politik Europas und Nordamerikas weiß zu waschen. Im Laufe dieses Prozesses werden angeblich europäische Normen konstruiert und definiert, die zum Vergleich mit und zur negativen Attribution nicht- europäischer Kulturen benutzt werden: "In sum, Eurocentrism sanitizes Western history while patronizing the non- West; it thinks of itself in terms of its noblest achievements - science, progress, humanism- but of the non- West in terms of its deficiencies, real or imagined" (Shohat/ Stam 1994: 3).

2.3 Kulturalismus

Kulturalismus (oder Kultureller Rassismus) ist eine Spielart des "modernen" Rassismus. Im Gegensatz zum traditionellen Rassismus stehen beim kulturellen Rassismus nicht die angeblichen biologischen Unterschiede zwischen den "Rassen" im Vordergrund. Stattdessen wird die Existenz unterschiedlicher Kulturen postuliert, zwischen denen eine tief greifende und unaufhebbare Differenz existiert; die ethnischen Anteile des Kulturbegriffes werden überbetont. Der Begriff der "Rasse" wird ersetzt durch den Begriff der "Kultur":

Menschen, die anderer Herkunft sind, als die Mehrheit angehören, werden als grundsätzlich nicht-zugehörig klassifiziert. Der Kulturalistische Rassismus erklärt abweichende kulturelle oder ethnische Herkunft zu einem „nicht zu entfernenden Fleck“ (Taguieff, 1991, 245). Kultur wird behandelt, als sei sie erblich, wie die Haar- oder Hautfarbe" (Morgenstern: 2).

Dabei wird jedoch wie beim traditionellen Rassismus von einer unüberbrückbaren Distanz zwischen diesen verschiedenen Gruppen ausgegangen. Der kulturelle Rassismus wird somit auch als "Rassismus ohne Rassen" bezeichnet.

Die jeweils andere Kultur wird grundsätzlich negativ konotiert und oftmals als Gefahr für die eigene Kultur definiert:

"Menschen, die aus nicht-europäischen, nicht-westlichen Regionen dieser Welt kommen, unterstellt man grundsätzlich, primitiven, archaischen und rückschrittlichen Kulturen zu entstammen. Als Asylsuchende oder Bürgerkriegsflüchtlinge gelten sie nicht nur als unnötige wirtschaftliche Belastung für das deutsche Gemeinwesen. Öffentlich wird ihre Anwesenheit als Risiko für die bestehende Ordnung und die innere Sicherheit dargestellt" (Morgenstern: 2)

Kulturalismus ist prinzipiell durch vier prägende Merkmale gekennzeichnet. Erstens wird von der Annahme ausgegangen, dass sich die Kultur eines Menschen aus seiner ethnischen Herkunft, also nicht durch seine Sozialisation in einer bestimmten Kultur ergibt (ethnische Formulierung). Zweitens wird davon ausgegangen, dass Menschen, die aus einer bestimmten Kultur stammen, jeweils gleiche (zumeist negative) Charaktereigenschaften aufweisen (Homogenität). Die Mitglieder einer anderen Kultur werden in einem dritten Schritt auf eben diese der Kultur zugeschriebenen Charaktereigenschaften beschränkt (Reduzierbarkeit). Das vierte Kennzeichnen des Kulturalismus ist eine allen Kulturen zugeschrieben Starrheit. Hierbei wird davon ausgegangen, dass Kulturen prinzipiell nicht oder nur über eine längere Zeit hinweg minimal veränderbar sind. Die prägenden Merkmale einer Kultur bleiben in jedem Fall bestehen.

Die Gefahr des Kulturalismus besteht vor allem darin, dass kulturalistische Vorteile nicht so leicht aufzudecken sind wie traditionell rassistische. Außerdem ist der kulturalistische Rassismus gesellschaftlich in sehr viel stärkerem Maße akzeptiert. Robert Ferguson bewertet dies wie folgt: "It is through the discourse of cultural difference that prejudices of racial thinking are given a more acceptable gloss" (Ferguson 1998: 140). Prominentestes Beispiel für den Kulturalismus aus dem Bereich der Wissenschaft ist wohl Samuel Huntingtons Theorie des "Clash of Civilizations", die selten im Hinblick auf ihre kulturalistischen Tendenzen untersucht wird.

2.4 Veranderung

Unter Veranderung (englisch: Othering) versteht man den "Gebrauch von und die Distanzierung zu anderen Gruppen, um seine eigene Normalität zu bestätigen". Die englische Übersetzung stammt von Julia Reuter, die sich in ihrem Buch Ordnung des Anderen: Zum Problem des Eigenen in der Soziologie des Fremden intensiv mit dem Konzept der Veranderung auseinandersetzt.

Im Konzept der Veranderung ist der Versuch impliziert, das soziale Image der eigenen Person beziehungsweise der gesellschaftlichen Gruppe, der man angehört, aufzuwerten, indem man andere Gruppen negativ bewertet. Veranderung ist somit definierbar als "basis for a self-affirmation that depends upon the denigration of the other group" (zitiert nach Reuter 2002: 49).

In einem ersten Schritt wird eine Gruppe als von der sozialen Norm abweichend eingestuft. Dies kann in manchen Fällen zutreffen, oftmals erfolgt jedoch nur eine oberflächliche Differenzierung, die nicht den gesellschaftlichen Tatsachen entspricht. So wird zum Beispiel bei Mitgliedern von ethnischen Minderheiten, die sich nur noch in ihrem Äußeren von der Mehrheitskultur unterscheidet, von einem abweichenden Normensystem ausgegangen. à Voraussetzung: Zentrismus bzw. Kulturalismus Als zweiter Schritt erfolgt dann eine Abwertung der "fremden" Kultur im Vergleich zur eigenen. Die unterstellte Andersartigkeit impliziert somit auch immer eine Minderwertigkeit im Vergleich zur Mehrheitskultur. Die Konstruktion der Minderwertigkeit selbst ist in diesem Zusammenhang relativ fragil. Veranderung birgt somit die Gefahr in sich, dass das eigene Image und Selbstbild bei einer eventuellen Umkehr des Machtgleichgewichts zwischen eigener und "fremder" Kultur Schaden davon trägt (vgl. Reuter 2002: 125).

Das Konzept der Veranderung weist starke Ähnlichkeit mit anderen Formen des Rassismus, vor allem mit dem Kulturalismus, auf. In der Forschung wird zum Teil davon ausgegangen, dass Veranderung die Grundlage für jedwede Form des Rassismus bildet. Demnach wäre die Veranderung eine zwingend notwendige Vorstufe zum Rassismus, ohne welche rassistische Tendenzen nicht möglich sind.

2.5 Xenophobie

Im deutschen Sprachgebrauch wird der Begriff "Xenophobie" oftmals mit Rassismus im Allgemeinen gleichgesetzt. Dies ist jedoch nicht zutreffend; Xenophobie ist eine Unterform des Rassismus. Wie andere Formen des Rassismus auch werden xenophobe, also fremdenfeindliche, Einstellungen im Laufe der Sozialisation erworben. Die Xenophobie ist somit keine Phobie im medizinischen Sinne. Vielmehr bezeichnet der Begriff ein "Set" von fremdenfeindlichen, beziehungsweise das Fremde fürchtenden Einstellungen. Xenophobe Einstellungen entstehen oft im Zuge von kriegerischen Auseinandersetzungen mit anderen Nationen oder Gruppen.

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Details

Seiten
41
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638487788
ISBN (Buch)
9783638688208
Dateigröße
621 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v53279
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Politikwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Rassismus Printmedien Politik Gesellschaft Vereinigten Königreich

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Titel: Rassismus in den britischen Printmedien