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Mestizo: Musik Macht Politik

von Thomas Friedrich (Autor) Elisa Träger (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 37 Seiten

Musikwissenschaft

Leseprobe

INHALT

1. Einleitung

2. Die Zapatisten in Mexiko
2.1. Hintergrund
2.1.1. Emiliano Zapata und
die Mexikanische Revolution
2.1.2. Leben in Chiapas
2.2. Aufstand der EZLN
2.3. Weiterer Verlauf und heutige Situation
2.4. Weltweite Auswirkungen der Bewegung

3. Internationale Solidarität
3.1. Gruppe B.A.S.T.A.
3.2. Musikalische Unterstützung
3.3. Lucha Amada

4. Die Mestizo-Szene

5. Mano Negra und Manu Chao

6. Amparanoia
6.1. Von Amparo Sánchez zu Amparanoia
6.2. Engagement für die EZLN
6.3. Textbetrachtung

7. Panteón Rococó
7.1. Die Gründungs- und Anfangsphase
7.2. Der internationale Erfolg
7.3. Textbetrachtung

8. Marcos und Musik
8.1. An “die Musiker der ganzen Welt”
8.2. Radio Insurgente

9. Schlussbetrachtung

Quellenangaben

1. Einleitung

Die folgende Hausarbeit thematisiert zwei verschiedene gesellschaftliche Bereiche: zum einen die Politik und zum anderen die Musik, wobei besondere Betonung auf die Überschneidung und die gegenseitige Beeinflussung dieser auf den ersten Blick eher separaten Bereiche gelegt wird. Darstellen werden wir diesen engen Zusammenhang von Politik und Musik anhand eines aktuellen Phänomens: der Entstehung des Musikgenres Mestizo, das im weiteren Verlauf der Arbeit noch näher beschrieben wird.

Speziell an eben jenem Genre ist, dass es erstens nicht explizit definierbar ist, da es sich aus Einflüssen aus den verschiedensten Musikstilen zusammensetzt und zweitens, dass dadurch eine Art kontinentübergreifende Solidaritätsbewegung verdeutlicht wird, ein Kampf gegen soziale und politische Repression und für gerechtere und bessere Lebensbedingungen.

Zu Beginn der Hausarbeit werden wir den politischen Hintergrund dieser neuen Entwicklung aufzeigen, die Bewegung, die den Anlass für die Entstehung von Mestizo gegeben hat, auf die sich die meisten Mestizo-Musiker beziehen und die nun wiederum die Musik als Medium benutzt, um ihre Botschaften zu verbreiten, die Zapatistische Armee der nationalen Befreiung (EZLN). In diesem Kapitel wird neben dem geschichtlichen Bezug und den Ursachen der Bewegung der Aufstand der EZLN 1994 in Mexiko dargestellt, sowie der weitere Verlauf und die weltweiten Auswirkungen (Punkt 2).

Diese Auswirkungen schließen direkt an den dritten Punkt an, der sich mit der internationalen Solidarität gegenüber den Zapatisten beschäftigt. Neben der bereits erwähnten musikalischen Unterstützung, werden hier zwei sympathisierende Gruppen vorgestellt, die sich in Deutschland formiert haben, um sich entweder direkt durch gezielte Projekte und Öffentlichkeitsarbeit (Gruppe B.A.S.T.A.) oder eher indirekt durch die Organisation von Konzerten, Filmvorführungen, etc. (Lucha Amada) für die Rebellenbewegung in Mexiko zu engagieren.

Punkt 4 behandelt dann explizit das wechselseitige Verhältnis zwischen der musikalischen Mestizo-Szene auf der einen Seite und der zapatistischen Widerstandsbewegung auf der anderen Seite und schafft zugleich einen Überblick darüber, was mit dem Begriff Mestizo eigentlich gemeint ist.

Im folgenden Teil der Hausarbeit stellen unterschiedliche Musiker vor, deren Musik zum Genre des Mestizo gerechnet werden kann: zunächst die 1988 gegründete franko-spanische Großformation Mano Negra, die schon damals durch die Fusion unterschiedlichster Musikstile nicht recht zu katalogisieren war und Manu Chao, der bereits Mano Negra ins Leben gerufen hatte, nun seit 1998 sehr erfolgreiche Soloprojekte durchführt und durch den der Begriff Mestizo, ohne dass er dies beabsichtigte, neu geprägt wurde (Punkt 5); außerdem Amparanoia, die momentan aufstrebende ebenfalls spanische Band der wohl bedeutendsten Frau in der Mestizo-Szene Amparo Sánchez (Punkt 6); sowie die elfköpfige mexikanische Band Panteón Rococó, die sich ähnlich wie Manu Chao und Amparanoia seit geraumer Zeit immer größerer Berühmtheit erfreut (Punkt 7).

Der abschließende Punkt beschäftigt sich mit dem inoffiziellen charismatischen Anführer

der Zapatisten, Subcomandante Marcos, und dem 2003 von ihm entworfenen

Radioprogramm Radio Insurgente, mit dem es nun möglich ist, deutlich breitere

Bevölkerungsschichten zu erreichen, um so neben Musik und Unterhaltungssendungen

neueste Informationen und Pläne vermitteln zu können (Punkt 8).

2. Die Zapatisten in Mexiko

2.1. Hintergrund

2.1.1. Emiliano Zapata und die Mexikanische Revolution

Emiliano Zapata, geboren am 8. August 1879 in dem Dorf Anenecuilco in Morelos, einem der kleinsten Bundesstaaten Mexikos südlich von Mexiko-Stadt, ist der Namenspatron der heutigen Zapatisten. Doch sie verbindet nicht nur der Name, sondern auch eine gemeinsame Ideologie. Während die Zapatisten seit 1994 für „Democracia, Libertad y Justicia“ (Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit) kämpfen (siehe Punkte 2.2. – 2.4.), waren Zapatas Ziele von 1910 bis 1919 in der Mexikanischen Revolution „Tierra y Libertad“ (Land und Freiheit). Ebenso wie die Zapatisten des letzten Jahrzehnts setzte sich Emiliano Zapata für die Rechte der ländlichen Bevölkerung ein, insbesondere für eine gerechtere Landverteilung (www.mexiko-lindo.de 2005).

Bereits als junger Erwachsener hatte er mit der Verteidigung von Land gegen die Aneignungspläne von Großgrundbesitzern begonnen. In dieser Zeit wurde er auch politisch aktiv und knüpfte einige Kontakte, die ihm während der späteren Revolution dienlich waren. Schon damals wuchs auf diese Weise seine Anerkennung in der Bevölkerung und so wurde er 1909 zum Präsidenten des Gemeinderats in Anenecuilco ernannt (Stephen 2002: 36).

1910 schloss er sich Francisco Madero an, der im gleichen Jahr die Mexikanische Revolution ausgerufen hatte mit dem erklärten Ziel, das Regime des Diktators Porfirio Díaz zu stürzen. Bereits ein Jahr später ging jener nach Friedensverhandlungen ins Exil und im November 1911 wurde Madero zum Präsidenten ernannt. Zu dieser Zeit war Emiliano Zapata bereits oberster Chef der revolutionären Bewegung im Süden des Landes, die sich in erster Linie aus Indígenas und landlosen Bauern (campesinos) zusammensetzte, während an der Spitze der Revolution im Norden Francisco (Pancho) Villa stand. Speziell durch die starke Unterstützung von Seiten der Bevölkerung war es schon in der Anfangsphase möglich, einen erfolgreichen Guerillakrieg zu führen. Ähnlich wie die späteren Zapatisten unter Subcomandante Marcos in Chiapas (siehe Punkte 2.2. und 2.3.) marschierten auch schon Zapata und seine Anhänger im Mai 1911 in die lokale Hauptstadt des Bundesstaates Morelos, Cuernavaca, um für die Freiheit zu kämpfen (de.wikipedia.org 2005).

Im Februar 1913 wurde Francisco Madero ermordet und der konservative General Victoriano Huerta ergriff die Macht, was zur Folge hatte, dass der Zapatismus immer mehr Anhänger fand und der Krieg andauerte (Stephen 2002: 38). Die verschiedenen Revolutionsgruppen unter Emiliano Zapata, Pancho Villa, Venustiano Carranza, dem obersten Befehlshaber der Konstitutionalistischen Armee, und General Alvaro Obregón kämpften fortan gegen Huertas Diktatur bis ein Großteil des Landes unter ihrer Kontrolle war und Huerta im Juli 1914 abdankte. Ende des selben Jahres schlossen sich Villas und Zapatas Truppen zusammen und zogen in die Regierungshauptstadt Mexiko-Stadt ein, die sie vorübergehend okkupierten. Zapatas Befreiungsarmee des Südens war zu dieser Zeit bereits auf 25.000 Mann angewachsen. Bald darauf kam es allerdings zu Streitigkeiten zwischen den Revolutionsführern, so dass Carranza dies nutzen konnte, um die militärische Obermacht zu erlangen und sich auf diese Weise im Oktober 1915 mit Hilfe Obregóns zum Präsidenten zu ernennen.

Auf Anweisung Carranzas wurde Zapata am 10. April 1919 bei Chinameca in einen Hinterhalt gelockt und von den Regierungstruppen erschossen, „[...] silencing an agrarian radical on his way to becoming a national saint“ (Stephen 2002: 38). Sein Tod wird allerdings in zahlreichen Mythen und Legenden angezweifelt, es ist von Wiedergeburt die Rede, davon, dass er eines Tages zurück kommen wird, um die Revolution zu Ende zu führen. Vermutlich resultiert daraus auch der Ausspruch „ίZapata lives!“ (www.mexiko-lindo.de 2005).

Ein Jahr nach Zapatas Tod gelang es Alvaro Obregóns Anhängern durch die Unterstützung einiger zapatistischer Führer, Carranzas Regime zu stürzen, indem sie ihn ermordeten, was dazu führte, dass Obregón im September 1920 offiziell auf die Präsidentschaft von 1920 bis 1924 vereidigt wurde (deu.anarchopedia.org 2005).

Auch wenn Emiliano Zapatas Tod als Tatsache verstanden wird und die Mythen und Legenden tatsächlich nur als Mythen und Legenden betrachtet werden, lebt er durch die Tradition der heutigen Zapatisten weiter, allein schon dadurch, dass Marcos Subcomandante genannt wird, da Zapata früher als Comandante bezeichnet wurde und er als symbolischer Anführer der derzeitigen zapatistischen Bewegung gilt (de.wikipedia.org 2005).

2.1.2. Leben in Chiapas

Die heutigen Zapatisten, in der Gründungsphase der Guerilla-Gruppe nur aus sechs Mitgliedern bestehend und anfangs klassisch marxistisch und maoistisch geprägt, formierten sich seit dem 17. November 1983 in der Selva Lacandona, einem Urwaldgebiet in Chiapas, mit 75.634 km² einem der größten (Rang 8) und zugleich ärmsten Bundesstaaten in Mexiko (www.gfbv.de 2005).

In dieser Region, im äußersten Süden des Landes, angrenzend an Guatemala, herrscht ein „Alltag, der von Elend geprägt ist, von ökonomischer, sozialer und politischer Ausgrenzung“ (Topitas, 1994: 10); über 70 Prozent der Kinder sind von Unterernährung betroffen und 45 Prozent der Gesamtbevölkerung besitzt keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Zusätzlich sind annähernd die Hälfte aller Wohnungen, die der Anzahl der Bewohner nicht gerecht werden, weder an das Stromnetz angeschlossen noch an ein Abwassersystem (www.matices.de 2005: b). Die meisten der fast vier Millionen Einwohner, darunter etwa eine Millionen Indígenas, die hauptsächlich Nachfahren verschiedener Maya-Völker sind, haben mit struktureller Gewalt, Rassismus und Ausbeutungsmethoden zu kämpfen.

Ein entscheidendes Beispiel hierfür ist das ejido- System, in dem die Landverteilung geregelt wurde. Bei ejido handelt es sich um Staatsland, welches landlose Bauern kollektiv und unbefristet nutzen konnten, es war unverkäuflich. Dieses ejido -System wurde 1920 nach der damaligen Mexikanischen Revolution, geführt von Emiliano Zapata und Pancho Villa (siehe Punkt 2.1.1.), unter den Schutz der Verfassung gestellt (Topitas 1994: 11). Diese Landreformen, ebenso wie allgemeine Schulbildung und ein funktionierendes Gesundheitswesen, konnten in Chiapas allerdings nie richtig verwirklicht werden. Große Teile des bebaubaren Landes befanden sich in den Händen weniger Großgrundbesitzer, die außerdem auch die politische Macht innehatten.

1988 trat Carlos Salina de Gortari aus der Partei PRI (Partido Revolucionario Institucional – Partei der Institutionalisierten Revolution) nach einem Wahlbetrug die Präsidentschaft an und entließ einige Reformen, darunter eine den Artikel 27 des Land Reform Acts betreffend. Diese Reform gestattete nun die Privatisierung von Gemeindeland, wodurch es agroindustriellen Betrieben ermöglicht wurde, Land für die Exportproduktion zu gewinnen. Das ejido -System, wenn in Mexikos südlichster Grenzprovinz auch nur marginal vorhanden, wurde auf diese Art und Weise zerstört und zahlreichen Bauern- und Indígenafamilien, speziell aus der Selva Lacandona, wurde so die Lebensgrundlage vollständig entzogen (Topitas 1994: 11).

Salina startete zwar ein „nationales Solidaritätsprogramm“, durch das sich eine Gemeinde ein Entwicklungsprojekt aussuchen konnte, dass ihre Bedürfnisse unterstützen würde, aber es gelangten fast keine Solidaritätsförderungen in den Süden von Chiapas, da fast ausschließlich Gemeinden, die der PRI -Partei nahe standen, unterstützt wurden. Die Opposition gegen die PRI -Regierung wuchs, es kam immer häufiger zu Aufständen, die durch verstärkte militärische Repression niedergeschlagen wurden (Nash 2001: 106-109).

2.2. Aufstand der EZLN

Während dieser zehn durch Unterdrückung und Ausbeutung geprägten Jahre gelang es den Zapatisten, einige Unterstützer für sich gewinnen. Die Mestizos und Indígenas schlossen sich zusammen unter der Bezeichnung Zapatistische Armee der nationalen Befreiung, kurz EZLN (Ejército Zapatista de Liberación Nacional) (Topitas 1994: 21-24).

„The breakaway in the Lacandón rain forest that led to the Zapatista movement was, from the local perspective, a revolt of communities left without rights, resources, or basic services in established townships within which the new territories opened up for colonization had been incorporated” (Nash 2001: 110).

Wichtig hier ist, dass die EZLN nicht die Bevölkerung politisierte und mobilisierte, sondern dass sie die Rolle eines Katalysators für bereits bestehende soziale Bewegungen darstellte. Zu Beginn der 1990er Jahre entstanden beispielsweise bereits die Unabhängige Nationale Campesino Allianz Emiliano Zapata (ANCIEZ) sowie die Koordination der Indianischen Organisationen, die XI´NICH (www.gfbv.de 2005).

Am 1. Januar 1994, zeitgleich mit dem für Kleinbauern vernichtenden Inkrafttreten der Nordamerikanischen Freihandelszone (NAFTA), besetzten 2.000 bewaffnete Männer und Frauen der EZLN, angeführt von dem sich nicht als Anführer verstehenden Subcomandante Marcos (siehe Punkt 8.), mit dem Kampfruf „Ya Basta!“ („Es reicht!“) und auch dem Kommentar an Urlauber „[...] Perdonen las molestias pero eso es una revolución.“ („Entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten, aber dies ist eine Revolution.“) (www.matices.de 2005) das regionale und touristische Zentrum San Cristóbal de las Casas und sechs andere Bezirkshauptorte von Chiapas und verlasen dort Deklarationen aus der Selva Lacandona (Nash 2001: 122).

Die EZLN stellt strukturell eine Bauernmiliz dar. Sie setzt sich zusammen aus einem relativ kleinen Kern der insurgentes, also der Aufständischen, den milicianos (Milizionären) - das sind bei Bedarf mobilisierbare Kleinbauern, die deutlich den größten Teil der Zapatisten darstellen - und aus den bases de apoya, den Sympathisanten in der Bevölkerung (de.wikipedia.org 2005).

„Sie, die solange ohne Gesicht und ohne Stimme in ihrem Land waren, verkünde[te]n an jenem 1. Januar 1994 laut und deutlich, was sie fordern“ (www.free.de 2005):

In einem Elf-Punkte-Programm forderten die Zapatisten eine Verbesserung der Lebensbedingungen, speziell Land für die Bauern, Hilfe für die Landwirtschaft, Schutz vor wirtschaftlicher Ausbeutung und Unterstützung in anderen notwendigen Bereichen wie Wohnen, Gesundheit, Erziehung und Kommunikation; außerdem verlangten sie kommunale Autonomie mit dem Recht auf offizielle Verwendung der eigenen Sprache und wahre Demokratie, zu erreichen durch den Rücktritt der Salinas-Regierung, der Durchführung von sauberen Wahlen und der Einrichtung einer Übergangsregierung. Bedeutsam ist, dass ihr Ziel nicht wie in vielen anderen Revolutionen die Machteroberung ist, sondern das Erreichen von Demokratie (Nash 2001: 135; Topitas 1994: 13f.).

Am 2. Januar 1994 ordnete Salina einen massiven Angriff der Armee an, was ein Massaker an der Zivilbevölkerung, Folterungen, Massenexekutionen und illegale Verhaftungen zur Folge hatte. Nach zwölf Tagen und etwa 160 Todesopfern wurde ein Waffenstillstand von beiden Parteien unterzeichnet und der offizielle Bürgerkrieg für beendet erklärt (Ehringfeld 2004: 8; Topitas 1994: 65).

2.3. Weiterer Verlauf und heutige Situation

Nach den kurzen Feuergefechten in der ersten Hälfte des Januars 1994 hat die EZLN keine militärische Gewalt mehr ausgeübt, sondern sich stattdessen vor allem dem Kampf mit Worten und dem Aufbau autonomer Strukturen gewidmet. Waffen wurden in diesem „Krieg niederer Intensität“ (low intensity warfare) nur noch zur Verteidigung der von ihnen kontrollierten Gebiete angewandt. Bis heute werden allerdings einige Regionen in Chiapas von mexikanischem Militär besetzt, das bereits häufiger gegen den Waffenstillstand verstoßen hat. Im Februar 1995 drangen 60.000 Soldaten in die Selva Lacandona ein, überfielen und zerstörten Gemeinden. Hilfsorganisationen wurde verboten, das Krisengebiet zu betreten. Im Dezember 1997 griffen Paramilitärs der Regierung das Flüchtlingslager in Acteal an und töteten 45 Indígenas, darunter 18 Kinder (Nash 2001: 137, 193f.; www.npla.de 2005: b). Von 1994 bis 1998 wurden 1.500 Menschen getötet:

„Assassinations of indigenous people by paramilitary forces, some hired by ranchers and large landowners and others organized by PRI opponents of the Zapatistas, have taken the lives of over 1,500 people since the armed uprising of January 1, 1994” (Nash 2001: 24).

Trotz mehrerer Verhandlungen und Gespräche zwischen den Zapatisten und der mexikanischen Regierung, konnten die zentralen Forderungen der EZLN, nämlich Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit, noch nicht erfüllt werden. 1996 wurden zwar die Abkommen von San Andrés beschlossen, die erstmals soziale Reformen und Autonomie für die Indígenas vorsahen, diese waren aber nach der Verabschiedung ganze fünf Jahre später so stark verändert, dass sowohl die EZLN als auch indigene Organisationen das Gesetz ablehnten. Während dieser Zeit brachen die Zapatisten jegliche Gespräche mit der Regierung ab und konzentrierten sich stattdessen auf die Gründung von autonomen Gemeinden in Chiapas (www.chiapas.ch 2005).

Elf Jahre nach dem Aufstand hat sich weder die wirtschaftliche Situation deutlich gebessert, noch ist die Autonomie für die 56 indigenen Gruppen Mexikos erreicht. Auch andere lebensnotwendige Maßnahmen wie die Verbesserung von Unterkünften oder der Gesundheitsversorgung stehen noch aus. Migration von breiten Bevölkerungsteilen ist die Folge.

[...]

Details

Seiten
37
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638487634
Dateigröße
904 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v53259
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Musikwissenschaftliches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Mestizo Musik Macht Politik World Music

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