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'Die Spinnen' und ihr Mediennetzwerk - Eine vergleichende Analyse von Film und Hörspiel

Seminararbeit 2005 23 Seiten

Medien / Kommunikation - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Zur Einführung
1.1 Ziele und Absichten dieser Arbeit
1.2 Die Person Fritz Lang und seine Kunst

2. „Die Spinnen“ – Eine Zusammenfassung
2.1 Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte
2.2 Inhaltlicher Überblick
2.3 Themen und Motive

3. „Der goldene See“ in seiner medialen Vielfalt
3.1 Der Roman und seine Bildsprache
3.2 Der Film
3.2.1 Das Medium Film in den 20er Jahren
3.2.2 Die filmische Umsetzung der Romanvorlage
3.2.3 Möglichkeiten des bewegten Bildes
3.3 Das Hörspiel
3.3.1 Hintergrundinformationen
3.3.2 Mediale Eigenarten
3.3.3 Warum sich „Die Spinnen“ zur Vertonung eignen: Versuch einer Begründung

4. Abschließende Betrachtung

5. Quellen

1. Zur Einführung

1.1 Ziele und Absichten dieser Arbeit

Im Vergleich zur Verbreitung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg und seine Erfindung des Drucks mit beweglichen Lettern im Jahr 1440, beschreibt der Film mit der ersten öffentlichen Filmvorführung vom 22. März 1895 durch die Gebrüder Lumière noch ein recht junges Medium. Aus diesem Grund ist es auch nicht verwunderlich, dass sich unter den Klassikern in der Literatur zahlreiche Werke wiederfinden, die einer späteren Verfilmung als Grundlage dienen. Doch auch im Fundus der neueren literarischen Schöpfungen ist das Phänomen der Literaturverfilmung zu finden. Diese Umwandlung einer Geschichte von einem Medium in ein anderes beschränkt sich jedoch nicht nur auf Literatur und Film, sondern breitet sich mit der zunehmenden Technisierung unseres Medienzeitalters auf andere Medien aus. Neben der Literaturverfilmung, bei der die mit gedanklich strukturierten Bildern aufgeladene Schrift nun mit filmisch erzeugten Bildern in einen realen Raum übertragen wird, findet sich auch der umgekehrte Prozess wieder. So wird bei der Umwandlung einer Filmvorlage in ein Hörspiel auf reale Bilder verzichtet und stattdessen wieder mehr Gewicht auf Sinne gelegt, die dem Sehsinn untergeordnet sind, so z.B. die imaginäre Vorstellungskraft und das Gehör.

In dieser Arbeit soll es mir darum gehen, den Prozess der Medien-Übertragung bzw.

-Umwandlung am Beispiel des ersten Teils der „Spinnen“ von Fritz Lang näher zu durchleuchten. Dabei werde ich als Grundlage die Struktur des Romans heranziehen, möchte mich jedoch im Weiteren auf den Vergleich zwischen Film und Hörspiel beschränken, da beide über ähnliche (technische) Voraussetzungen verfügen und dennoch grundsätzliche Unterschiede aufweisen, wodurch sich eine vergleichende Analyse für mich sehr interessant gestaltet. Um eine Gegenüberstellung der Verfilmung und Vertonung des „goldenen Sees“ zu ermöglichen, werde ich zuerst grundlegende medienspezifische Eigenschaften von Film und Hörspiel aufzeigen, bevor ich auf Details eingehen werde. Zunächst sollen jedoch die folgenden biografischen Angaben zum Roman- und Filmautor Fritz Lang dabei helfen, anhand der Einbettung seiner Lebensgeschichte in einen historischen Rahmen, die Bedingungen der Entstehung seines Werkes und dessen inhaltliche Kernthematik besser erläutern zu können.

1.2 Die Person Fritz Lang und seine Kunst

Der Künstler Lang wurde am 5. Dezember 1890 als Friedrich Christian Anton Lang in Wien geboren.[1] Auf Wunsch seines Vaters begann er 1905 ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule, wechselte 1908 jedoch an die Akademie der Graphischen Künste, da ihn die Arbeit des Kunstmalers faszinierte. Seine Liebe zu exotischen Ländern trieb ihn zwischen 1911/1912 zu einer Weltreise an, die ihm zahlreiche kulturelle Eindrücke bescherte und von der er viele Reisesouvenirs mitbrachte, die in seinem späteren Schaffen eine tragende Rolle spielen sollten. So gibt Lang später auf die Frage nach dem Grund der Entstehung seiner „Spinnen“ an: „Ich hatte einfach Lust, Abenteuerfilme zu drehen. Damals war ich jung und liebte alles, was exotisch war. Außerdem wollte ich meine Reisesouvenirs verwenden.“[2] Als der erste Weltkrieg ausbrach, kämpfte auch Lang an der Front, bis er 1917 verletzt wurde. Nach seiner Verwundung begann er sich intensiv mit dem Thema Tod auseinander zu setzen und er schrieb seine ersten Kurzgeschichten und Filmsujets wie „Totentanz“ oder „Pest in Florenz“. Dank seiner Bekanntschaft zu den Filmproduzenten Joe May und Erich Pommer bekam er schließlich die Möglichkeit, seine ersten Drehbücher „Hochzeit im Exzentrik Club“ und „Hilde Warren und der Tod“ zu verfilmen. Die erste eigene Regie unter der Produktion von Pommer folgte schließlich 1919 mit „Halbblut“, anschließend kam der Zweiteiler „Die Spinnen“, der zu den ältesten noch erhaltenen Filmen von Fritz Lang zählt. Als der zweite Weltkrieg sich ankündigte, hatte sich Lang in Deutschland bereits seinen Namen als Filmemacher gesichert. Als Lang schließlich von Goebbels mit der Leitung der deutschen Filmindustrie beauftragt wurde, sah er sich mit seiner politisch liberalen Haltung und seiner halbjüdischen Herkunft konfrontiert, sodass er 1933 zuerst nach Paris, später nach Hollywood auswanderte, wo er beruflich schnell Fuß fasste. Obwohl Lang in den Jahren zwischen 1919 und 1960 insgesamt 43 Filme inszenierte und berufliche Erfolge zu verzeichnen hatte,[3] umgab den Künstler eine eher „dunkelgraue bis tiefschwarze“[4] Weltanschauung, was sich auch im fehlenden Happy End seiner Filme widerspiegelte. Die durch den Nationalsozialismus ausgelöste Beschäftigung mit den Gefahren des Machtmissbrauchs und der Frage nach der unausweichlichen Erfüllung eines vorherbestimmten Schicksals zog ihn Zeit seines Lebens in ihren Bann und wurde zur Kernthematik vieler seiner Werke.

2. „Die Spinnen“ – Eine Zusammenfassung

2.1 Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte

Bereits in jungen Jahren bemerkte der stark visuell orientierte Fritz Lang, dass er seiner Begabung zur bildlichen Gestaltung besser in der Filmwelt als in der Welt der malerisch-bildenden Künste Ausdruck verleihen kann. Fasziniert von Abenteuerfilmen wie Denolas „Rocambole“ fühlte auch er sich dazu berufen, einen Abenteuerzyklus zu verfilmen.[5] Bevor er jedoch anfing, diesen Plan durch „Die Spinnen“ im Jahr 1919 zu verwirklichen, entschied er sich, seinen Film durch einen selbstgeschriebenen Fortsetzungsroman in einer Zeitung zu begleiten. Lang hatte durch das Verfassen einiger Drehbücher und Kurzgeschichten bereits Schreib-Erfahrung sammeln können, außerdem hatte er eine Vorliebe für Kolportageromane und sein „Spinnen“-Roman deutet auf zahlreiche literarische Einflüsse hin, wie z.B. auf die vor dem Krieg erschienen „Lord Lister“-Heftchen, die „Fu Manchu“-Bände und die Erzählungen von Karl May und Jules Verne.[6] Mit seinem Filmprojekt knüpfte Fritz Lang an die französische „Cinéma Bibliothèque“ und die „Les grands romans au cinéma“ an und so wird im Stil dieser „neuen, international angelegten Decla-Abenteuer-Klasse“ am 22. Februar 1919 in der Lichtbild-Bühne angekündigt, dass die Romanform den Film in einer „Decla-Film-Roman-Serie“ ausführlich wiedergibt.[7] Der ursprüngliche Plan sah folgendermaßen aus: Bis zur Premiere der geplanten vier Filmteile sollte der Film zu Werbezwecken in einer Art Filmresumé in der Lichtbild-Bühne abgedruckt werden; zusätzlich war geplant, dass jeder Teil vor der Filmvorführung als Fortsetzungsroman im Film-Kurier erscheint.[8] Da der erste Teil „Der goldene See“ zwar sehr erfolgreich war und gute Kritiken bekam, der zweite Teil „Das Brillantenschiff“ jedoch kaum mehr das Geld für die Produktion einspielte und Lang bereits mit anderen Filmprojekten betraut war, entschied man sich, die geplanten vier Teile auf zwei zu reduzieren – was zu vielen Differenzen zwischen Romanvorlage und Verfilmung führen sollte, worauf ich in 3.1 noch eingehen werde. Viele Jahre nach der Verfilmung der „Spinnen“ wurden diese als Hörspiel wiederentdeckt. Zwar lässt sich nicht behaupten, dass dieses neue Hörspiel dazu in der Lage war, den langsam immer mehr an Bedeutung verlierenden Rundfunk zu neuem Leben zu erwecken, dennoch muss es für die Vertonung dieses frühen Werks einen Grund gegeben haben. Ich hoffe, darauf in weiteren Verlauf der Arbeit eine mögliche Antwort zu finden.

2.2 Inhaltlicher Überblick

Um für den geplanten Medien-Vergleich eine geeignete Grundlage zu schaffen, werde ich zunächst einen inhaltlichen Überblick über die Handlung des ersten Teils der „Spinnen“ geben. Mit Blick auf den eingeschränkten Rahmen dieser Arbeit ist es mir nicht möglich, jede einzelne Szene mit der jeweiligen Umsetzung aus Literatur, Film und Hörspiel miteinander zu vergleichen. Deshalb möchte ich mich im Wesentlichen wie bereits angedeutet, auf den Film und das Hörspiel von „Der goldene See“ beschränken. Dazu halte ich es aber für wichtig, die dem Roman zugrunde liegende Handlung, die auch die Basis zu den weiteren Bearbeitungen bildet, kurz zusammenzufassen.

Die Handlung des ersten Spinnen-Teils lässt sich wie folgt zusammenfassen: Der Forscher Fred Johnson wird von den Nachkommen der Inkas auf einer einsamen Insel festgehalten, da er einen geheimen Schatz ausfindig gemacht hat. Kurz bevor er von einem Eingeborenen getötet wird, gelingt es ihm noch, eine Flaschenpost mit der Information über den kostbaren Schatz und einer Beschreibung der Insel ins Meer zu werfen. Bei der Teilnahme an einem Bootrennen findet der Amerikaner Kay Hoog die Nachricht im Meer. Von dem Schatz erfährt jedoch auch der Geheimbund der Spinnen – eine kriminelle Organisation, die von der skrupellosen und millionenschweren Chinesin Lio Sha angeführt wird. Beide machen sich getrennt auf die Suche nach dem Inka-Schatz und es beginnt eine abenteuerliche Verfolgungsjagd bis in die unterirdischen Höhlen der Inkastätte. An einem See stößt Hoog auf die Sonnenpriesterin Naela; er rettet ihr Leben und die beiden verlieben sich ineinander. Als Lio Sha von den Inkas entführt wird, um ihrem Gott als Opfer dargebracht zu werden, fliehen Kay Hoog und Naela auf dem Wasser in einer Rettungskapsel. Lio Sha wird von den übrigen Spinnen befreit und es entfacht ein Kampf zwischen den Inkas und der geheimen Spinnen-Organisation, bei dem auf beiden Seiten viele umkommen. Lio Sha jedoch entkommt und sucht einige Zeit später Kay Hoog und dessen Frau Naela auf. Lio Sha verlangt von Hoog ein wertvolles Dokument zurück, das er ihr während der Schatzsuche entwendet hat. Außerdem gesteht sie ihm ihre Liebe. Hoog jedoch wehrt sowohl ihre Forderung, als auch ihren Annäherungsversuch ab. Daraufhin findet er einige Zeit später seine von den Spinnen ermordete Frau Naela leblos im Garten vor.

[...]


[1] Bei der Angabe der folgenden Eckdaten stütze ich mich, wenn nicht anders vermerkt, auf: Dürrenmatt, Dieter: Fritz Lang. Leben und Werk. Museum des Films: Basel 1982, S. 199.

[2] Sturm, Georges: Die Circe, der Pfau und das Halbblut. Die Filme von Fritz Lang 1916-1921. Wissenschaftlicher Verlag: Trier 2001, S. 138.

[3] Vgl. Dürrenmatt, Dieter: Fritz Lang, a.a.O., S. 89.

[4] Zitiert aus: Heinzelmeier, Adolf: Fritz Lang. Verlagsunion Pabel-Moewig: Raststatt 1990, S. 7.

[5] Vgl. Dürrenmatt, Dieter: Fritz Lang, a.a.O., S. 8.

[6] Vgl. Sturm, Georges: Die Circe, der Pfau und das Halbblut, a.a.O., S. 140f.

[7] Ebenda, S. 29f.

[8] Vgl. Ebenda, S. 131.

Details

Seiten
23
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638485791
ISBN (Buch)
9783638708876
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v53019
Institution / Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,3
Schlagworte
Spinnen Mediennetzwerk Eine Analyse Film Hörspiel

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