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Definitionen von Sport - interdisziplinär gesehen

Seminararbeit 2003 11 Seiten

Gesundheit - Sport - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1.Einleitung

2. Ein Beobachter kann nicht sehen, was er nicht sehen kann

3. Die Problematik einer Definition des Sports

4. Der Sport im Austausch mit seiner Umwelt

5. Die Sportwissenschaft und ihr Gegenstandsbereich

Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

„Definition (von lateinisch definire: abgrenzen), im allgemeinen Sprachgebrauch die konkrete Bestimmung des Definiendums, des zu Definierenden, durch Angabe der es wesentlich kennzeichnenden Merkmale (Definiens).“1

Definitionen sind Aussagen, mit deren Hilfe ein Ausdruck in Text, Sprache und Kontext genau bestimmt werden soll. Sie sollen Begriffe mit einem solchen Maß an Genauigkeit bestimmen, dass sie für wissenschaftliches Argumentieren verwendbar („operabel“) werden. Zugleich sollen sie die Begriffe so fassen, dass ähnliche Gegenstände, für die gleiche Regeln gelten, unter denselben Begriff fallen.

Somit sind Definitionen ein unverzichtbarer Bestandteil von Kommunikation und insbesondere wissenschaftlicher Methode. Indem sie die verwendeten Begriffe festlegen, schaffen sie eine notwendige Voraussetzung, die Basis, für folgerichtiges und nachprüfbares Argumentieren und Beweisen. Folglich muss erst einmal ein einheitliches Bild darüber geschaffen werden, was unter einem Begriff verstanden wird, damit effektiv über diesen Begriff und seine Wechselwirkungen im System diskutiert werden kann.

2. Ein Beobachter kann nicht sehen, was er nicht sehen kann

Ein allgemeines Problem insbesondere bei Definitionen sollte allerdings stets beachtet werden. Es ist das Problem des „blinden Flecks“ eines Beobachters, das BETTE in seinem Buch „Systemtheorie und Sport“ aufführt. BETTE schreibt hierzu:

„Keine Beobachtung kommt ohne die Selbstbezüglichkeit desjenigen zustande, der als Beobachter auftritt und die Welt mit Hilfe spezifischer Unterscheidungen markiert und teilt. Die Wirklichkeit ist immer die Wirklichkeit eines Beobachters und nicht etwa eine Größe, die in einem Akt einzig richtiger Interpretation wert- und beobachterneutral wiedergegeben werden könnte.“2

Der Beobachter (Autor) ist immer in seiner Beobachtung enthalten, da er aus einem bestimmten Blickwinkel und mit einem prägenden Vorverständnis eine Sache untersucht. Unter diesem Gesichtspunkt sollten alle Aussagen von Personen und diesbezüglich Definitionen von Sport kritisch betrachtet werden.

3. Die Problematik einer Definition des Sport

Alle Menschen haben eine spezifische Vorstellung davon, was Sport ist, aber wahrscheinlich wird jeder von ihnen ein etwas anderes Verständnis von Sport haben. Diese Tatsache zeigt auch ein von OPASCHOWSKI 1987 im Verlauf einer Studie erstelltes Diagramm, welches im Anhang

abgebildet ist. OPASCHOWSKI befragte 2000 Probanden, ob es sich bei verschiedenen Betätigungen ihrer Meinung nach um Sport handle. Die Antworten variierten, wie in dem Diagramm sehr schön visualisiert, sehr stark.3Für verschiedene Menschen hat der Sport sehr verschiedene Bedeutungen und Inhalte.

Die Problematik einer bisher unzureichenden und allgemein anerkannten Definition von Sport hat verschiedenste Ursachen. Im Laufe seiner Entwicklung, vor allem in den letzten Jahrzehnten, hat der Sport an Farbigkeit und Vielfalt zugenommen. Allerdings ist er auch vieldeutiger geworden, und dies löst Irritationen und Spannungen aus.4Die Probleme, die sich auftun, wenn man auch nur auf nationaler Ebene bestimmen will, was unter Sport verstanden wird, sind immens.5 Die Welt des Sports ist heute so vielfältig geworden, dass es schwer fällt, auch nur annähernd den Überblick zu behalten, geschweige denn neue Sportarten auch nur kennen zu lernen und vielleicht sogar zu erlernen. Hauptgrund ist schlicht der gesellschaftliche Wandel im Laufe der Zeit. Alleinstehende, Erwachsene mit den spezifischen Sorgen und Belastungen der heutigen Arbeitswelt, Vorruheständler, ältere, oft einsame Menschen bestimmen in zunehmendem Maße unsere Bevölkerungsstruktur. Viele von ihnen suchen im Sport aktive Lebenshilfe, Ausgleich zur Arbeitswelt, emotionale und soziale Bindung, kurzum eine Befriedigung ihrer individuellen Bedürfnisse. Das traditionelle Sportkonzept verliert zunehmend an Bedeutung. Gesucht werden weniger Leistungsoptimierung und Wettkampf, dafür mehr Gesundheit, körperliche Fitness und Unversehrtheit. „Spaß haben“ bestimmt immer mehr die Interessen am Sport.6 So kann man den heutigen Sport inzwischen aufgliedern in höchst unterschiedliche Erscheinungsformen. Wir unterscheiden mittlerweile zwischen vielen Sportmodellen und mittels verschiedenster Kriterien in beispielsweise organisierten und nicht-organisierten Sport, kommerziellen und nicht-kommerziellen, in Spitzensport und Profisport, Breiten- und Freizeitsport, wettkampfgebunden oder ungebunden, Mediensport, Alltagssport und viele mehr. Aber auch die bestehenden Gliederungen werden immer wieder aufs neue umlagert von einer Fülle neuer Erscheinungsformen die sich nicht immer eindeutig zuordnen lassen, wie z.B. Capoeira, Bioning, Aikido, Hapkido, Wushu und viele mehr. „In unserer Gesellschaft ist der einzelne zunehmend bestrebt, seinen Lebensstil individuell zu gestalten und damit von anderen abzuheben.“7

Und mit den Bedürfnissen der Menschen entwickelt sich auch der Sport immer weiter. Selbst ein und dieselbe Sportart wird in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen betrieben, ganz nach Intention, Motivation und Bedürfnissen des Ausführenden. Es scheint, dass nicht mehr alles, was sich Sport nennt, im Sinne des traditionellen Verständnisses von Sport Sport ist.

4. Der Sport im Austausch mit seiner Umwelt

Weiterhin unterliegt der Sport als gesellschaftliches Teilsystem vielen Einflussnahmen, u.a. durch Wirtschaft, Politik, Medien und vielen anderen Bereichen mit denen das System Sport im Austausch steht.

„Es kommt zu einer zunehmenden Verflechtung des Sports mit anderen Daseinsbereichen. Dabei ist zu befürchten, dass die Inanspruchnahme des Sports von außen für ökonomische, politische, therapeutische Interessen und durch technische Entwicklungen ihn weitreichend und von der Sportorganisation schwerer beeinflussbar verändert.“8

Insbesondere die Medien prägen das Bild des Sports in der Öffentlichkeit. Die Maxime „schneller, höher, weiter“ wird heroisiert und zu einem Leitbild des Sports erhoben und zwar jeden Sportes.[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] So betreiben auch manche Senioren noch ihren Gesundheitssport, als würden sie einen Wettkampf bestreiten, wobei der Gesundheitssport doch eher ein Gegenbild des Leistungssport liefern sollte.

So ist auch die Kampagne des DSB „Sport tut Deutschland gut“ kritisch zu betrachten. Der Slogan ist sehr unscharf formuliert.

Intention dessen dürfte sein, dass sich möglichst viele Menschen angesprochen fühlen und ihre Bedürfnisbefriedigung in Vereinen suchen. Allerdings verschwimmt dabei das Bild des Sports immer mehr. „Sport tut gut“ wird schnell gleichgesetzt mit Sport ist gesund, was so pauschal nicht gesagt werden kann. Durch die sportlichen Aktivitäten großer, unangeleiteter Menschenmassen sind eher neue Gefahren entstanden. Die wesentlichste von ihnen ist zweifellos die Unfall- und Verletzungsgefahr. Ihre Hauptursache ist eine ungenügende Beherrschung des jeweiligen Sports, bzw. des Sportgerätes, bei gleichzeitiger Überschätzung der eigenen körperlichen Fähigkeiten. Und gerade der Freizeitsportler, der sich nach der Arbeit seine Sportschuhe greift und im Sinne seiner Gesundheit Joggen geht, ist hier gefährdet. Schon beim einfachen Dauerlauf liegt die Laufgeschwindigkeit in den meisten Fällen zu hoch und kann bei dauerhafter Ausführung zu körperlichen Schäden führen. „Aber der Öffentlichkeit wird deutlich gemacht, wie gut der Sport ist, egal in welcher Form, und dieses Image lässt sich besser vermarkten“.9

Es kann aber auch nicht gesagt werden kann: „Sport ist ungesund“. Diese pauschalen Formulierungen begründen sich auf zwei völlig verschiedenen Verständnissen bzw. Definitionen von Sport und laufen daher aneinander vorbei.

Hier müsste eigentlich öffentliche Aufklärungsarbeit geleistet werden, um eine klare Abgrenzung zwischen Gesundheitssport und wettkampforientiertem Sport zu schaffen und die gesundheitliche Wirkung wie in diesem Beispiel des Joggens gezielt zu fördern und nicht aufgrund von Pauschalaussagen genau das Gegenteil zu bewirken.

5. Die Sportwissenschaft und ihr Gegenstandsbereich - der Sport

Die immensen Schwierigkeiten bei der Erfassung des Sports zeigen sich auch in der Sportwissenschaft. Im Vergleich zu traditionellen Wissenschaften (wie z.B. Medizin oder Physik) gibt es in der Sportwissenschaft noch keine allgemein akzeptierte Übereinkunft über ihren Gegenstandsbereich, den Sport. Es existieren in etwa so viele verschiedene Definitionen wie sich Autoren zu diesem Thema geäußert haben.

Grob strukturiert ergeben sich vier Formen des Umgangs mit einer Definition des Sports. Oft wird zu Beginn eines wissenschaftlichen Beitrags über den Sport vom Autor eine prägnante Definition gegeben, was er unter Sport versteht und auf diese bezogen argumentiert.

Ein Beispiel hierfür bringt der Sportphysiologe Prof. ULMER:

„Sport: Körperliche Aktivität zwecks individueller Bedürfnisbefriedigung nach entsprechenden Regeln oder Konventionen und nicht zum Broterwerb (Ausnahme: Berufssport).“10

Zu klären wäre bei dieser Definition allerdings noch, was körperliche Aktivität ist und vor allem, ab wann diese vorliegt und wann nicht mehr.

Andere Autoren wie z.B. der Sportsoziologe HEINEMANN versuchen, den Sport durch konstitutive Merkmale zu fassen, indem dem Sport Eigenschaften wie körperliche Bewegung, Leistungsprinzip, sportartentypisches Regelwerk und Unproduktivität zugewiesen werden.

HEINEMANN entwickelte daraus verschiedene

Sportmodelle, kommt jedoch zu dem Schluss, dass so für jedes Sportmodell eine eigenständige Soziologie des Sports entwickelt werden müsste.11 Der Sportphilosoph Prof. HÄGELE charakterisiert das Wesen des Sports in einem Drei-Ebenen- Modell mit einem inneren Horizont, einem äußeren Horizont und einem nicht-sportlichen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Drei-Ebenen-Modell nach Hägele. 1982,

[...]


1VIERECKE, A.: Definition, In: Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional. Redmond 2003

2 BETTE, K.-H.: Systemtheorie und Sport. Frankfurt am Main 1999, S.47 3

3vgl. OPASCHOWSKI, H.: Sport in der Freizeit. Hamburg 1987, S. 40

4vgl. GRUPE, O.: Von der Verantwortung der Person und der Verpflichtung der Organisation In: Gieseler, K.: Menschen im Sport 2000. Schorndorf 1988, S. 63

5vgl. HEINEMANN, K.: Einführung in die Soziologie des Sports. Schorndorf 1998, S.33

6vgl. HEINEMANN, K.: Sind Einheit und Selbstbestimmung des Sports in Gefahr? In: Gieseler, K. (Hrsg.): Menschen im Sport 2000. Schorndorf 1988, S. 71

7HEINEMANN, K.: Sind Einheit und Selbstbestimmung des Sports in Gefahr? In: GIESELER, K. (Hrsg.): Menschen im Sport 2000. Schorndorf 1988, S. 71

8ebd., S.79

9HEINEMANN, K.: Sind Einheit und Selbstbestimmung des Sports in Gefahr? In: Gieseler, K. (Hrsg): Menschen im Sport 2000. Schorndorf 1988, S. 78

10 ULMER, H.-V.: Mitteilung im Seminar Sport und Gesund

11 vgl. HEINEMANN, K.: Einführung in die Soziologie des Spo

Details

Seiten
11
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638485623
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v52997
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Sportwissenschaftliches Institut
Note
2
Schlagworte
Definitionen Sport Seminar Gesundheit

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