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Zürichdeutsche Phraseologismen und ihre Bekanntheit in verschiedenen Altersstufen: Eine qualitative Untersuchung

Seminararbeit 2005 15 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Der Phraseologismus
2.2 Die Festigkeit des Phraseologismus

3. Empirischer Teil
3.1 Versuchsanordnung
3.2 Die vier Phraseologismen in einzelner Auswertung
3.3 Die vier Phraseologismen in gesamter Auswertung

4. Schlussteil

5. Anhang: Fragebogen zu den Phraseologismen

6. Bibliographie.

1. Einleitung

Beinahe täglich benützen wir Phraseologismen, indem wir uns Guten Appetit wünschen oder mit Guten Morgen begrüssen, und fast in jedem Text und in jeder Konversation stossen wir auf Phraseologismen. Diese Ausdrücke sind mental gespeichert und können wie ein Wort abgerufen und produziert werden. Doch sind diese Phraseologismen bei jeder Person gleich stark verankert? Sind weniger alltägliche Phraseologismen bei jüngeren und älteren Personen gleich gut bekannt? Kennen jüngere Personen bestehende Redewendungen tendenziell weniger gut als ältere Personen?

Im ersten Teil dieser Untersuchung wird anhand von Harald Burgers wissenschaftlicher Abhandlung über Phraseologismen der Begriff der Phraseologie umschrieben, um dann ausführlicher auf die Festigkeit von Phraseologismen einzugehen. Im zweiten empirischen Teil wird eine qualitative Erhebung an vier Personen aus verschiedenen Altersgruppen durchgeführt (Alter zwischen 19 und 52 Jahren), wobei jeweils zwei Personen der gleichen Generation angehören. Anhand dieser Testpersonen soll untersucht werden können, ob sich von einer Generation zur anderen bereits Unterschiede in der Kenntnis derselben Phraseologismen feststellen lassen. Die vier zürichdeutschen Sprecher werden nach vier zürichdeutschen Ausdrücken befragt, die aus der 3.Auflage des aktuellen Zürichdeutschen Wörterbuch von Albert Weber ausgewählt wurden. Die Antworten der vier Testpersonen auf die Fragen nach der Kenntnis und der Bedeutung der vier Redewendungen werden zuerst einzeln ausgewertet, um abschliessend eine zusammenfassende Auswertung vorzunehmen und mögliche Tendenzen zu erkennen.

2. Theoretischer Hintergrund

2.1 Der Phraseologismus

Phraseologismen haben im Wesentlichen zwei Eigenschaften: Die Polylexikalität auf der einen Seite, d.h. sie bestehen aus mehr als einem Wort, und die Festigkeit auf der anderen Seite, d.h. wir speichern sie genau in einer Kombination von Wörtern (Burger 2003:.11). Von Phraseologie im engeren Sinne sprechen wir, wenn ein Ausdruck ein Idiom ist, wobei die Komponenten eine durch die syntaktischen und semantischen Regularitäten der Verknüpfung nicht voll erklärbare Einheit bilden (Burger 2003:15).

Phraseologismen unterscheiden sich in ihrer Länge, in ihrer syntaktischen Funktion und in ihrer inneren Struktur. Einige Ausdrücke verhalten sich morphosyntaktisch wie beliebige Verbindungen von Wörtern, andere sind nicht veränderbar. Einen weiteren Unterschied findet man in der Verständlichkeit der Phraseologismen: Einige kann man durch die Komponenten erschliessen, während andere nur teilweise oder gar nicht verständlich sind. Ein Ausdruck, der nicht nur lexikalische Bestandteile, sondern auch unikale Komponenten enthält, muss deswegen meistens als phraseologische Wortverbindung bekannt sein, um die Bedeutung zu erschliessen. (Burger 2003:12) Phraseologismen bezeichnen meistens Personen, Gegenstände, Sachverhalte und Vorgänge im Alltag. Eine Ausnahme ist zum Beispiel Guten Appetit, weil dieser Ausdruck mit einer bestimmten sozialen Funktion in einer bestimmten Situation gebraucht wird. Bei einigen Phraseologismen kann man in ihrem Aufbau ein Muster erkennen. So gibt es mehrere Ausdrücke, die durch Teilsätze zweiteilig strukturiert sind, wie zum Beispiel Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen, oder die durch einzelne Wörter paarweise miteinander verknüpft sind, wie zum Beispiel gang und gäbe. Oft lassen sich ästhetische Merkmale erkennen wie der Reim besorgen/morgen beim ersten gerade erwähnten Beispiel, und die Alliteration mit dem Anfangsbuchstaben g beim zweiten gerade erwähnten Beispiel. (Burger 2003:14)

2.2 Die Festigkeit des Phraseologismus

Der Begriff der Festigkeit als eine Eigenschaft der Phraseologismen ist viel schwerer fassbar als jener der Polylexikalität. Eine Grundbedingung für die Festigkeit der Phraseologismen ist der Gebrauch davon in einem synchronen Sprachquerschnitt. Mit Festigkeit eines Ausdrucks ist gemeint, dass man diesen wie ein Wort kennt. (Burger 2003:16) Wenn ein Phraseologismus mental als Einheit gespeichert wird und als ganzer abgerufen und produziert werden kann, redet man von psycholinguistischer Festigkeit. Im Gegensatz zu Wörtern, die auch als Einheit mental gespeichert sind, bilden phraseologische Wortverbindungen jedoch keine kompakten Einheiten, weil die Komponenten oft dekliniert, konjugiert oder sogar umgesellt werden können. Den Beweis für die Speicherung der Phraseologismen als Einheiten haben entsprechende psycholinguistische Tests erbracht. (Burger 2003:17)

Eine Wortverbindung ist dann frei, wenn sie nur durch morphosyntaktische und semantische Regeln eingeschränkt ist. Feste Wortverbindungen jedoch weisen häufig Irregularitäten sowie Beschränkungen auf, die über die normalen Regularitäten hinaus gehen. So findet man Phraseologismen mit morphosyntaktischen Irregularitäten wie auf gut Glück, das ein unflektiertes, attributives Adjektiv enthält. Dieser Phraseologismus ist auf ältere Sprachverhältnisse zurückzuführen und ist in seiner alten Form geblieben. (Burger 2003:20) Weiter findet man Phraseologismen mit Irregularitäten in der Valenz des Verbs. Es gibt Phraseologismen wie an jemandem einen Narren gefressen haben, wo die Valenz des Verbs von der nicht-phraseologischen Verwendung abweicht. Das Verb fressen verlangt als Ergänzung ein Subjekt und ein Akkusativobjekt, jedoch nicht wie in diesem Ausdruck ein Präpositionalobjekt. Diese präpositionale Ergänzung ist also nicht durch die Valenz des Verbs in freier Verwendung erklärbar. (Burger 2003:21)

Phraseologismen unterliegen bestimmten Restriktionen, die bei freien Wortverbindungen nicht bestehen. Die morphosyntaktischen Restriktionen besagen, dass zum Beispiel das Adjektiv eines Phraseologismus nicht in einen Relativsatz umgewandelt werden kann. Weiter ist es nicht möglich, Ausdrücke ins Plural zu setzen, ohne dass die phraseologische Bedeutung verloren geht. Die lexikalisch-semantischen Restriktionen besagen, dass ein Phraseologismus eine freie lexikalische Besetzung aufweist und deswegen eine Komponente nicht ohne weiteres durch ein bedeutungsähnliches Wort ersetzt werden kann, ohne dass es die phraseologische Bedeutung verliert. Diese Restriktionen im formalen und semantischen Bereich gelten nicht für alle Phraseologismen in gleichem Masse. (Burger 2003: 22-24)

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Details

Seiten
15
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638484091
ISBN (Buch)
9783638765268
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v52796
Institution / Hochschule
Universität Zürich
Note
sehr gut
Schlagworte
Zürichdeutsche Phraseologismen Bekanntheit Altersstufen Eine Untersuchung

Autor

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Titel: Zürichdeutsche Phraseologismen und ihre Bekanntheit in verschiedenen Altersstufen: Eine qualitative Untersuchung