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Psychische und physische Auswirkungen der Arbeitslosigkeit

Macht Arbeitslosigkeit krank?

von Maik Paulitschke (Autor) Lutz Freitag (Autor)

Hausarbeit 2006 33 Seiten

Gesundheitswissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zielsetzung der Literaturrecherche

2. Aufbau und Struktur der Literaturrecherche

3. Recherche in Datenbanken und im Internet

4. Auswahl der Literatur

5. Definition der zentralen Begriffe
5.1 Arbeit und Erwerbstätigkeit
5.2 Arbeitslosigkeit und Erwerbslosigkeit
5.3 Gesundheit und Krankheit
5.4 Psychisch, physisch und psychosomatische Erkrankungen

6. Methodische Problematiken

7. Theoretische Erklärungsmodelle

8. Auswertung der empirischen Daten
8.1 Psychische Auswirkungen
8.2 Physische Auswirkungen
8.3 Schlussfolgerungen
8.4 Grafik

9. Fragen an Forschung, Praxis und Politik

Literaturverzeichnis

1. Zielsetzung der Literaturrecherche

Für viele Menschen ist die Arbeit der Lebenssinn und spiegelt ihre soziale Identität wider. Wird man nun arbeitslos …

Die soziale Marktwirtschaft sollte eigentlich eine Wirtschaftsordnung sein, die sozial und gerecht ist. Doch die historische Entwicklung verlief anders und führte zu sozialen Missständen, wie man sie im Kapitalismus findet.

Unsere Marktwirtschaft ist durch den Gewinn (Rentabilität), die Produktivität und die Rationalisierung, sprich den Arbeitsstellenabbau gekennzeichnet. So wurde auch bei uns die Arbeit zu einer knappen Ressource, wie in fast allen westlichen Ländern.

Im Vergleich zu den Anfängen des 20. Jahrhunderts verbindet man Arbeitslosigkeit jedoch nicht mehr mit Hunger und Elend.

Wenn man heutzutage das Wort „arbeitslos“ hört, verbindet man nichts Gutes damit, eher Freizeit, ausschlafen, Faulheit, Nichtskönnen, Dummkopf, Schwarzarbeiter oder wir sind sogar oft der Meinung, dass der Betroffene selbst schuld sei. Das mag auch für Einzelne zutreffen, aber man kann es nicht verallgemeinern. Erst wenn man arbeitslos ist oder es war, merkt man, dass man vielleicht gar nichts für seine Arbeitslosigkeit kann. Wenn man es mal aus der Sicht des arbeitslos Gewordenen betrachtet, fangen die Probleme erst an, beginnend mit dem reduzierten Einkommen. Besonders Langzeitarbeitslose haben mit psychischen und physischen Problemen zu kämpfen.

Wiederum fragt man sich, wie können Arbeitslose psychisch oder physisch krank werden, sie arbeiten ja nicht?

Im Dezember 2004 betrug die Gesamtarbeitslosenzahl in Deutschland 4,464 Millionen (vgl. Statistisches Bundesamt, Stand 04.01.2005).

Die Lösung des Arbeitsmarktproblems ist eine der wichtigsten Aufgaben vor denen unsere Gesellschaft heute steht. Die Massenarbeitslosigkeit zieht gewaltige Kosten nach sich, welche stetig wachsen. Die Konsequenzen die sich daraus ergeben, treffen die Arbeitnehmer und die Arbeitslosen gleichermaßen. Indem die Arbeitnehmer immer mehr Beiträge zahlen müssen und die Arbeitslosen immer weniger Unterstützung bekommen.

Zielsetzung der vorliegenden Literaturrecherche war es, die Zusammenhänge von Arbeitslosigkeit und Gesundheit näher zu beleuchten. Macht Arbeitslosigkeit krank?

Ist es möglich, dass Arbeitslosigkeit gesundheitsfördernd wirken kann, da gesundheitsgefährdende Faktoren der Arbeit entfallen? Trifft beides zu? Wenn ja, in welchem Umfang? Wird es möglich sein mit Hilfe der Fachliteratur ein eindeutiges Fazit zu ziehen?

Angesichts der gesellschaftlichen Brisanz des Themas Arbeitslosigkeit, scheint es außerordentlich wichtig zu sein, Antworten auf diese Fragen zu finden.

2. Aufbau und Struktur der Literaturrecherche

Der Aufbau und die Struktur der Literaturrecherche wurden chronologisch geordnet und abgehandelt.

Die Vorgehensweise bei der Suche nach themenrelevanter Literatur, sowie deren Auswahlkriterien werden in Kapitel 3 und 4 dargestellt. Das 5. Kapitel dient zur Definition der zentralen Begriffe, da sie die Grundlage des Verständnisses von möglichen Reaktionen auf Arbeitslosigkeit sind.

Methodische Problematiken beim Erstellen dieser Literaturrecherche werden im 6. Kapitel beschrieben.

Zum besseren Verständnis der empirischen Daten bedarf es theoretischer Modelle,

die im Kapitel 7 erwähnt werden.

Im folgenden Kapitel wird auf das eigentliche Thema eingegangen, indem die gesundheitlichen Auswirkungen der Arbeitslosigkeit eingehend ausgewertet werden. Dieses Kapitel ist in drei Abschnitte unterteilt worden. Zum einen in die große Gruppe der psychischen Auswirkungen, die Gruppe der physischen Auswirkungen und deren Zusammenhang. Es ist wichtig die psychischen und physischen Faktoren nicht voneinander isoliert zu betrachten, weil sie sich ständig gegenseitig beeinflussen.

Es wird versucht einen Zusammenhang zwischen den psychischen und physischen Auswirkungen der Arbeitslosigkeit herzustellen.

Im letzten Kapitel wird auf die sich aus der Recherche ergebenen Fragen eingegangen.

3. Recherche in Datenbanken und im Internet

Bei der Suche themenrelevanter Literatur wurden Datenbanken zur Hilfe genommen. Ausgewählt wurden die Datenbanken PSYNDEX und WISO, da sie Datenbestände zu Sozial- und Gesundheitswissenschaften beinhalten.

Um mit den Datenbanken arbeiten zu können, wählten wir folgende Suchbegriffe:

- Arbeit
- Erwerbstätigkeit
- Arbeitslosigkeit
- Erwerbslosigkeit
- Arbeit und Gesundheit
- Arbeitslosigkeit und Gesundheit
- Folgen der Arbeitslosigkeit

Während des Recherchierens in der Fachliteratur, stießen wir auf Verweise auf andere Autoren, deren Namen dann ebenfalls als Suchbegriffe verwendet wurden.

Aufgabe war es, den Stand der empirischen Forschung wiederzugeben. Daher wurde auf die Aktualität der Veröffentlichungen geachtet. Es ließ sich jedoch nicht vermeiden, auch ältere Publikationen zu verwenden, da viele von ihnen noch heute Bestand haben.

Genutzt wurden die Bestände der Fachhochschulbibliothek Neubrandenburg, der Regionalbibliothek Neubrandenburg sowie der Universitätsbibliotheken Rostock, Leipzig, Greifswald und Dresden. In der Fachhochschulbibliothek Neubrandenburg nicht vorhandene Veröffentlichungen wurden an den Universitätsbibliotheken Rostock, Leipzig und Dresden durch Verwandte und Bekannte bzw. an der Universitätsbibliothek Greifswald selbst entliehen.

Bei der Recherche im Internet wurden die Suchmaschinen „Yahoo“ und „Google“ genutzt, wobei die oben genannten Suchbegriffe verwandt worden sind.

4. Auswahl der Literatur

Die ersten Überlegungen nahmen wir im Arbeitskreis vor. Nach der Sichtung bereits entliehener Bücher, besprachen wir innerhalb des Arbeitskreises die weitere Vorgehensweise. Nachdem die Sichtung der Publikationen abgeschlossen war, spezifizierten die einzelnen Gruppen ihre Themen. Als Kontrolle wurden Gespräche innerhalb des Arbeitskreises geführt, um zu klären, ob die Auswahl der Literatur zu erweitern oder eher einzuschränken ist. Anschließend begann die eigentliche Gruppenarbeit. Die vorhandenen Texte wurden geordnet, hinsichtlich ihrer Aussagen überprüft und inhaltlich miteinander verglichen. Um für die vorliegende Arbeit verwendet zu werden, mussten die Publikationen folgende Kriterien erfüllen:

1. Beinhalten sie einen oder mehrere der folgenden Punkte?

- Definition der zentralen Begriffe Arbeit, Erwerbstätigkeit, Arbeitslosigkeit
Erwerbslosigkeit, Gesundheit und Krankheit
- Empirische Studien über Arbeitslosigkeit
- Gesundheitliche Folgen der Arbeitslosigkeit
- Gesundheitsverhalten Arbeitsloser

2. Die verwendeten Texte sollten wissenschaftlich und ihre Aussagen durch

Quellenangaben belegt sein.

5. Definition der zentralen Begriffe

5.1 Arbeit und Erwerbstätigkeit

Arbeit und Erwerbstätigkeit werden oft synonym verwandt, deshalb fällt eine Differenzierung der beiden Begriffe nicht leicht. Arbeit ist ein Begriff, welcher die Erwerbstätigkeit mit einschließt. Im Folgenden werden einige gängige Definitionen aufgeführt.

Arbeit ist … „jede meist zweckgerichtete Tätigkeit zur Befriedigung materieller oder geistiger Bedürfnisse des einzelnen oder der Allgemeinheit. Aus der Notwendigkeit der menschl. A. für die Erhaltung der Gesellschaft wird die Pflicht zur A., aus der Notwendigkeit zur Erhaltung des eigenen Lebens u. der Befriedigung der eigenen Bedürfnisse das Recht auf A. abgeleitet.“ (Bertelsmann Lexikothek 1994, S.276f)

Folgt man einer weiteren Lexikonerklärung ist Arbeit … „der bewußte und zweckgerichtete Einsatz der körperl., geistigen und seel. Kräfte des Menschen zur Befriedigung seiner materiellen und ideellen Bedürfnisse.“ (Brockhaus Enzyklopädie 1987, S.36)

Die soziale Bedeutung und die Bewertung der Arbeit sind Ausdruck der geltenden gesellschaftlichen Wertordnung. Daher erscheint es wichtig, den Begriff der Arbeit, auch aus dem Blickwinkel der Soziologie zu betrachten. Nach dem Soziologen Bernhard Schäfers ist Arbeit die … „zielgerichtete, planmäßige und bewußte menschliche Tätigkeit, die unter Einsatz physischer, psychischer und mentaler (geistiger) Fähigkeiten und Fertigkeiten erfolgt. Im nationalökonomisch. Sinne ist A. neben Boden und Kapital ein Produktionsfaktor.“ (Schäfers 1986, S.24 )

„Grundsätzlich kann zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit unterschieden werden. Die Erwerbsarbeit war lange Zeit vorwiegend den Männern vorbehalten. Umgekehrt waren die regenerativen Tätigkeiten wie Hausarbeit und Kindererziehung die Domäne der Frauen. Diese Form der geschlechtlichen Arbeitsteilung beginnt sich in den westlichen Industrienationen seit den sechziger Jahren langsam aufzuweichen. In der Geschichte wurde der Wert und die Bedeutung der Arbeit sowohl im religiösen als auch im philosophischen Kontext unterschiedlich angesetzt. Einen besonderen Stellenwert nahm die Arbeit seit der Reformation in der lutherischen und calvinistischen Theologie ein. Den Zusammenhang zwischen protestantischer Arbeitsethik und der Entwicklung der kapitalistischen Industriegesellschaft hat insbesondere Max Weber in Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus (1905) herausgearbeitet.“ (Microsoft Encarta Enzyklopädie 2005)

Die Erwerbstätigkeit wird als Arbeit unter vertraglichen Bedingungen angesehen, zu denen eine materielle Entlohnung gehört (vgl. Jahoda 1986, S.25).

Gekennzeichnet ist die Erwerbstätigkeit als … „ das Mittel, durch das die große Mehrheit der Menschen ihren Lebensunterhalt verdient; und zum anderen zwingt sie, als ein unbeabsichtigtes Nebenprodukt ihrer Organisationsform, denjenigen, die daran beteiligt sind, bestimmte Kategorien der Erfahrung auf. Nämlich: Sie gibt dem wach erlebten Tag eine Zeitstruktur, sie erweitert die Bandbreite der sozialen Beziehungen über die oft stark emotional besetzten Beziehungen zur Familie und zur unmittelbaren Nachbarschaft hinaus; […] sie weist einen sozialen Status zu und erklärt die persönliche Identität; sie verlangt eine regelmäßige Aktivität. […] Diese Erfahrungen entsprechen mehr oder weniger tief sitzenden Bedürfnissen der meisten Menschen, die danach streben, ihrer Existenz, einen gewissen Sinn zu geben.“ ( Jahoda 1986, S.136f)

5.2 Arbeitslosigkeit und Erwerbslosigkeit

Wie in den gelesenen Publikationen deutlich wurde, werden die Begriffe Arbeitslosigkeit und Erwerbslosigkeit meistens synonym verwand. Eine Differenzierung der beiden Begriffe wird hier versucht vorzunehmen.

Das Sozialgesetzbuch III (SGB III) definiert Arbeitslosigkeit folgendermaßen:

„SGB III § 118 Arbeitslosigkeit

(1) Arbeitslos ist ein Arbeitnehmer, der

1. vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis steht (Beschäftigungslosigkeit) und
2. eine versicherungspflichtige, mindestens 15 Stunden wöchentlich umfassende Beschäftigung sucht (Beschäftigungssuche) […].“(Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung)

Arbeitslosigkeit ist das … „Ungleichgewicht am Arbeitsmarkt, bei dem die angebotene Art und Menge von Arbeitsleistung die nachgefragte Art und Menge von Arbeitsleistung übersteigt, so daß ein Teil der Erwerbspersonen zeitweise ohne Beschäftigung ist. […] Aus wirtschaftspolit., aber auch aus sozial- und gesellschaftpolit. Gründen (materielle Not, Verlust an Selbstvertrauen als mögliche Auswirkung von A.) ist die Verfolgung des Ziels Vermeidung von A. und Gewährleistung eines hohen Beschäftigungsstandes (Vollbeschäftigung) eine polit. Notwendigkeit.“ (Brockhaus Enzyklopädie 1987)

Friedel beschreibt die Arbeitslosigkeit als ein einschneidendes arbeitsbiographisches Ereignis, welches eine Umgestaltung und Neuformierung der Beziehungen des Arbeitslosen und seiner sozialen Umwelt hervorruft. Weiter gibt Friedel Risikomerkmale der Arbeitslosigkeit an:

- Reduziertes Einkommen trotz vorhandener sozialer Sicherung
- Eingeschränkter Lebensstil
- Abnahme an Zielorientierung durch verlorengegangene Zeitstruktur und –vorgaben
- Einschränkung der Entscheidungsmöglichkeiten trotz vermehrter Freizeit durch materielle Verluste und Unsicherheit
- Verzicht auf Befriedigung des Bedürfnisses, eigenes Können und Geschick zu erwerben und auch zu beweisen
- Häufung an psychologisch bedrohlichen Tätigkeiten (z.B. Schuldgefühle durch die Inanspruchnahme von Arbeitslosenunterstützung)
- Zukunftsängste
- Verminderung sozialer Kontakte
- Positionsverlust und dadurch Verlust der beruflichen Identität (vgl. Warr 1987, zit. nach Friedel 2000, S.18f).

Marie Jahoda definiert die Erwerbslosigkeit wie folgt: „ […] man kann all jene als erwerbslose betrachten, die keine Stelle haben, aber gerne eine hätten, oder die für die Zeit, in der sie keine Stelle haben, auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind, um überleben zu können.“ (Jahoda 1986, S.32)

„Die Erwerbslosigkeit ist ein Phänomen gesellschaftlichen Ursprungs, das jeden Menschen ganz individuell betrifft, aber auch auf die Gesellschaft zurückwirkt. […] Die Verarbeitung der Erwerbslosigkeit ist von individuellen Ressourcen und den gesellschaftlichen Rahmbedingungen abhängig. Die Reaktion der Betroffenen auf so eine Krise steht in unmittelbarem Zusammenhang mit verschiedenen Lebensumständen, […]:“ (Gudrun Glumm 1998, S.59)

5.3 Gesundheit und Krankheit

Gesundheit und Krankheit sind nicht leicht voneinander zu trennende Begriffe.

Eine Differenzierung der beiden Begriffe herauszuarbeiten, war Aufgabe bei der Auswahl folgender Definitionen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert die Gesundheit als den … „Zustand des völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen.“ (WHO, zit. nach Schewior-Popp 2000, S.76)

Die Definition von dem Begriff der Krankheit wurde bewusst herausgelassen, da die Krankheit ein subjektives Befinden einschließt und nur schwer zu objektivieren ist.

Heute ist man sich aber weitgehend einig, dass Gesundheit kein statischer Zustand ist, sondern eher ein dynamischer Prozess.

Gesundheit des Menschen ist das Ergebnis der erfolgreichen Auseinandersetzung des Systems „Organismus“ mit der biologischen und gesellschaftlichen Umwelt. Das daraus resultierende Gleichgewicht äußert sich in einem „Schweigen“ der Organe. Dieser Zustand ist nicht statisch, sondern muß durch vielfältige biologische und biosoziale Maßnahmen aufrechterhalten werden.“ (Meyer 2000, S.1)

[...]

Details

Seiten
33
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638482912
ISBN (Buch)
9783638651431
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v52633
Institution / Hochschule
Hochschule Neubrandenburg
Note
1,0
Schlagworte
Psychische Auswirkungen Arbeitslosigkeit Macht

Autoren

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