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Sozialkundeunterricht: politisches Lernen vor Ort. Exkursionen, Erkundungen und Expertengespräche

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 23 Seiten

Didaktik - Politik, politische Bildung

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Exkursionen im Sozialkundeunterricht
2.1. Exkursionen und ihre Bedeutung für die politische Bildung
2.2. Didaktische Legitimierung von Exkursionen
2.3. Mögliche Probleme von Exkursionen

3. Die Erkundung
3.1. Allgemeine, didaktische und methodische Überlegungen
3.2. Vorbereitung, Durchführung, Auswertung und Dokumentation

4. Besichtigung und Besuch
4.1. Allgemeine, didaktische und methodische Überlegungen
4.2. Vorbereitung, Durchführung, Auswertung und Dokumentation
4.3. Der Parlamentsbesuch
4.4. Der Besuch von Gedenkstätten
4.5. Probleme der Besichtigung und des Besuches

5. Das Expertengespräch
5.1. Allgemeine und didaktische Überlegungen
5.2. Vorbereitung, Durchführung, Auswertung und Dokumentation
5.3. Das Informationsgespräch
5.4. Probleme der Expertenbefragung und des Informationsgespräches

6. Praxisbeispiel: Exkursion in die Bundeshauptstadt Berlin
6.1. Planung und Vorbereitung der Berlin-Exkursion

7. Fazit

8. Literatur

1. Einleitung

Die hier vorliegende Arbeit setzt sich mit dem ‚politischen Lernen vor Ort’ im Rahmen von Exkursionen auseinander. Dabei soll im ersten Teil der Arbeit der Frage nachgegangen werden, welche Potentiale ein politischer Unterricht bietet, der das Lernen außerhalb der Schule ermöglicht. Die reale Erfahrung der politischen und gesellschaftlichen Wirklichkeit, so die These, erhöht die Motivation seitens der Schüler, sich mit komplexen politischen, gesellschaftlichen und historischen Inhalten auseinander zu setzen. Des weiteren soll den Schülern dadurch deutlich werden, dass der gelernte Unterrichtsstoff durchaus praxisrelevant ist und eben das Lernen in der Schule nicht nur ein „Lernen für den Lehrer“ ist.

Neben den Ausführungen über die Leistungsfähigkeiten von Exkursionen soll natürlich auch nach möglichen Problemen oder Nachteilen gefragt werden und in wieweit diese die erfolgreiche Durchführung von Exkursionen im Sozialkundeunterricht gefährden könnten.

Auch wenn man sich mit dieser Arbeit auf ein politikdidaktisch dünnes Eis begibt, weil empirische Untersuchungen bezüglich des Lernens vor Ort kaum vorhanden sind, scheint es trotzdem angebracht eine Zusammenfassung möglicher Verfahren für den außerschulischen Sozialkundeunterricht im Rahmen von Exkursionen darzustellen.

Da es in dieser Hausarbeit nicht möglich sein wird, alle Formen vorzustellen, die man in einer Exkursion einsetzen kann, um einen Wissenszuwachs bei den Schülern zu erreichen, soll sich auf die drei wichtigsten Methoden bzw. Verfahren konzentriert werden. Erkundung, Besuch und Expertenbefragung sollen bezüglich ihrer fachlichen und didaktischen Potentiale und methodischer Besonderheiten vorgestellt und hinterfragt werden. Da diese Arbeit neben der fachdidaktischen Literatur sehr stark an persönliche Erfahrungen angelehnt sein soll, ist es Ziel zu jedem Verfahren / Methode auch die praktische Seite der Durchführung vorzustellen und auf Besonderheiten hinzuweisen.

Der letzte Teil der Arbeit greift die Exkursion auf, welche ich im Rahmen meines Schulpraktikums durchgeführt habe. Diese dreitägige Exkursion in die Bundeshauptstadt ermöglichte es den Schülerinnen und Schüler einen einfachen und verständlich Einblick in politische und historische Zusammenhänge zu erhalten. Die verwendeten Materialien finden sich im Rahmen dieser Arbeit ebenso wie die Stundenentwürfe bezüglich der letzten beiden Vorbereitungsstunden.

2. Exkursionen im Sozialkundeunterricht

2.1. Exkursionen und ihre Bedeutung für die politische Bildung

Üblicherweise findet der Sozialkundeunterricht im Klassenraum statt Ein sinnvoller und ertragreicher Unterricht sollte aber auch außerhalb der Schule die Begegnung mit der politischen und gesellschaftlichen Praxis ermöglich. Exkursionen bieten hier den geeigneten Rahmen. Exkursion ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Formen von Unterrichtsvorhaben (z.B. Erkundung, Befragung, Besichtigung, Parlamentsbesuche, Gedenkstättenbesuche), bei denen man die Schule verlässt und „vor Ort“ Probleme und Zusammenhänge bearbeitet, betrachtet, untersucht, analysiert und studiert. Man sprich in der didaktischen Literatur auch von Real- und originaler Begegnung. Diese eröffnet für den Lernenden neue Perspektiven und Sichtweisen.

Häufig findet sich aber auch Kritik und Misstrauen gegenüber Exkursionen, sie seien unkritisch, unpolitisch und im Gewande einer Bildungsveranstaltung oberflächliche Erlebnisintensionen und Freizeitvergnügen. In der Wirklichkeit „findet das Lernen durch Bildungsreisen wachsendes Teilnahmeinteresse [...] und [bietet] wichtige Chancen für die politische und historische Bildung.“[1]

Bedingt durch die verschiedenen Methoden und Verfahren, die innerhalb von Exkursionen stattfinden können, unterscheiden sie sich durch den Einsatz unterschiedlicher Arbeitstechniken, mit denen der jeweilige Lernort erforscht werden soll. Auf der kognitiven Seite bieten Exkursionen die Möglichkeit, Kenntnisse über politische Probleme, über „die Arbeit politischer Institutionen oder über den Entscheidungsprozess durch das Gespräch mit Akteuren zu erwerben.“ Die SchülerInnen sammeln aber auch „soziale Erfahrungen in der Gruppe und im Umgang mit neuen Situationen. Sinnliche, ästhetische, kognitive, handelnde Zugänge führen zu ganz unterschiedlichen Erlebnissen und sprechen alle Lerntypen an.“[2]

In der Regel müssen Exkursionen langfristig geplant und umfassend vorbereitet werden. Angeleitet werden die SchülerInnen durch den Lehrer, wobei es aber auf eine möglichst große Schüleraktivität im Sinne der Handlungsorientierung ankommt.

Seit einigen wenigen Jahren sind gerade Gedenkstätten, z.B. die Gedenkstätte Berlin Hohenschönhausen oder die Gedenkstätte Deutscher Widerstand und große öffentliche Institutionen, z.B. der Bundestag, um eine Didaktisierung ihres Besuchsprogramms bemüht. Da dies aber nicht die Regel ist, muss der Lehrer im Vorfeld der Exkursion die einzelnen Lernorte didaktisch strukturieren und bestimmte zu erreichende fachliche Kategorien und Kriterien anlegen.

Während der Exkursion im Sozialkundeunterricht untersuchen die SchülerInnen auf der Basis von Arbeitsaufträgen und aufgestellter Hypothesen einen politisch bedeutsamen Sachverhalt.

Im Anschluss an die Exkursion ist es zwingend notwendig, die SchülerInnen nicht mit ihren differenziert wahrgenommenen Eindrücken allein zu lassen, sondern diese einer fachbezogenen Reflexion und Verarbeitung zu unterziehen. Die gesammelten Eindrücke, Beobachtungen, Gespräche ect. müssen deshalb schriftlich oder in Bild und Ton festgehalten werden, um sie angemessen überprüfen, diskutieren, bewerten, zusammenfassen und dokumentieren zu können. „In dieser abschließenden Reflexion werden das Vorwissen, das Alltagswissen der Lernenden und der sonstigen Beteiligten, das erarbeitete wissenschaftliche Wissen, die Untersuchungsergebnisse aufeinander bezogen, damit die neuen Begriffe individuell verknüpft und gelernt werden, so dass neues Wissen entsteht.“[3]

2.2. Didaktische Legitimierung von Exkursionen

Die Exkursion in all ihren Formen (auf einige wird im weiteren Verlauf der Arbeit eingegangen), lässt sich durch eine ganze Reihe didaktischer Gesichtspunkte rechtfertigen.

Die Exkursion entspricht dem Hang der SchülerInnen, besonders der Jüngeren, zum Realen, Anschaulichen und Konkreten. Die Exkursion kann in kleiner Form bereits in der Grundschule eingesetzt werden. In der Sekundarstufe I begeistern sich die Lernenden für Details und reale Einzelheiten, für Neues, Fremdes und Andersartiges.[4] Aus entwicklungspsychologischer Sicht können Exkursionen somit befürwortet werden.

Lernpsychologisch gesehen dominieren unter den Schülern die „praktisch-anschaulichen Lerner“ über die „verbal-abstrakten Lerner“ in allen Klassenstufen. Deshalb ist es durchaus zu Beführworten, Exkursionen mit entsprechenden Ansprüchen in der Oberstufe durchzuführen. Da aber das erworbene Wissen im Nachgang immer einer Reflexion und Verallgemeinerung unterliegt, kann man sagen, dass auch die abstrakt und konkret orientierten Lerntypen angesprochen werden.[5]

Entsprechend der Forderungen der Reformpädagogik findet bei der Exkursion ein „Lernen mit Kopf und Hand“ statt. Eine handlungsorientierte Erforschung der politischen, gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Realität kann auf das Beste erreicht werden. Schließlich bieten Exkursionen den von den Medien intensiv beeinflussten Schülern die Möglichkeit, eine ungefilterte politische oder gesellschaftliche Wirklichkeit wahrzunehmen.

Die pädagogischen Vorteile der Exkursion ergeben sich ferner darin, dass sie eine hohe Motivationskraft besitzen, die Neugier beim Lernenden wecken, der Schüler selbst Arbeitsprozesse organisiert und reflektiert, er seine Fähigkeiten erkennt, eigene Erfahrungen und Handeln den Lernerfolg verstärken und das Ergebnis sichern, die SchülerInnen einen Perspektivwechsel erfahren können, die Interaktionsfähigkeit gefördert wird, Hemmungen und Vorurteile abgebaut werden und soziale Beziehungsprozesse erfahren werden können.[6]

Neben der allgemeinen Didaktik verweisen zunehmend die Didaktiker der politischen Bildung auf die großen Potentiale, die in Exkursionen und ihren verschiedenen Formen stecken.[7] So können mit dem „Lernen vor Ort“ bei richtiger fachdidaktischer Aufbereitung eine Vielzahl didaktischer Prinzipien realisiert werden. Zu diesen zählen u.a. Adressatenorientierung, Problemorientierung, Handlungsorientierung, entdeckendes Lernen, Methodenlernen, soziales Lernen, fächerübergreifendes Lernen und gegebenenfalls auch Kontroversität und Wissenschaftsorientierung. Da es an dieser Stelle kaum möglich ist, auf alle Prinzipien ausreichend einzugehen, sollen im Folgenden nur einige näher betrachtet werden.

Die Adressatenorientierung (Schülerorientierung) wird dadurch erreicht, dass die SchülerInnen in besonderer Weise die Planung, Durchführung und Auswertung dominieren und die Lernorte einen Bezug zu ihrem Leben aufweisen. An dieses Prinzip schließt sich die Handlungsorientierung nahtlos an. Exkursionen weisen einen hohen Grad an Eigenaktivität und Selbsttätigkeit der SchülerInnen auf, sie bewirken im besonderen Masse das Lernen mit Kopf und Hand, besitzen einen „wirklichen“ Bezug zur Wirklichkeit und knüpfen nicht selten an die Interessen der SchülerInnen an.[8] Zudem eignen sich die SchülerInnen durch ihr eigenständiges Handeln selbständig Wissen an. Durch die rege gemeinsamen Kommunikation und Interaktion entwickeln sie ihre personale Identität und die sozialen Kompetenzen weiter.

Die Exkursion zielt nicht auf ein Lernergebnis in Form eines abfragbaren Wissens ab, vielmehr ist das erworbene Wissen auf die besonderen Begebenheiten des Lernortes bezogen. Somit kann man von einem exemplarischen Wissen sprechen. Das Erwerben und Üben von Arbeitstechniken (befragen, protokollieren ect.) ist ein Lernergebnis von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Da Exkursionen stets Wissensgebiete anderer Unterrichtsfächer berühren, kann man davon ausgehen, dass diese immer interdisziplinär sind.[9]

2.3. Mögliche Probleme von Exkursionen

Zunächst soll an dieser Stelle nochmals darauf verwiesen werden, dass Exkursionen die seltene Möglichkeit bieten, das Unterrichtswissen an der Realität zu überprüfen und den Unterricht gegenüber der politisch-gesellschaftlichen Wirklichkeit zu öffnen.

Die Exkursion und ihre verschiedenen Formen, z.B. Erkundung, führen allerdings nicht automatisch zum Erfolg. Gerade wenn keine klaren Absichten formuliert sind, besteht die Gefahr eines vordergründigen Aktionismus. Ebenso falsch wäre es, wenn der Lehrer für die Exkursionsorte keinen unterrichtlichen Kontext vorsieht. Um die Erkundung erfolgreich im Sozialkundeunterricht umzusetzen ist es nötig, dass es bei den SchülerInnen nicht an Motivation mangelt, dass sie nicht überfordert werden und, dass sie die nötigen Arbeitstechniken beherrschen. Des weiteren ist nicht gesichert, welchen nachhaltigen Lernerfolg die Exkursion bewirkt. Ihr Hauptgewinn liegt sicherlich nicht in kurzfristig abfragbarem Wissen.

Des weiteren muss beachtet werden, dass die Exkursionsobjekte äußerst komplexer Natur und für SchülerInnen in ihrer Gänze kaum erfassbar sein können. Oftmals lassen die Beobachtungsinstrumente (Beobachter) Zuverlässigkeit vermissen, da die Sinnesorgane täuschen können und Beobachtungen nicht voraussetzungslos, d.h. vorurteilsfrei, sind. Problematisch kann es sich auswirken, wenn die Interessen einer Gruppe bezüglich des Exkursionsziels unterschiedlich sind und die Kenntnis bzw. der Umgang mit nötigen Arbeitstechniken differiert. Schließlich wirken Emotionen, die Identifikation oder Ablehnung erzeugen können.[10]

Um eine Exkursion erfolgreich durchzuführen, ist es somit nötig, sich der möglichen Probleme bewusst zu sein und durch eine gründliche Vor- und Nachbereitung, sowie ein kritisches Methodenbewusstsein, zu einem kritischen Tatschensverständnis zu kommen.

3. Die Erkundung

3.1. Allgemeine, didaktische und methodische Überlegungen

Im Rahmen des sozialwissenschaftlichen Unterrichts hat die Erkundung sich als eine mit Beobachtungsaufgaben verknüpfte Grundform des Projektes erwiesen. Im Gegensatz zum Unterrichtsgang und zur Besichtigung ist sie objektzentrierter und arbeitsaufwendiger. Sie kann als selbstständige Methode oder Teil einer Exkursion, einer Sozialstudie, eines Praktikums oder Ausfluges eingesetzt werden.[11]

„Die Erkundung ist eine Realitätsbegegnung mit der Alltags- oder Umgebungswelt der Lernenden oder eines gewählten Ausschnittes aus der Welt der Realitäten. Es geht dabei darum, Wirklichkeit so, wie sie erscheint, nicht wie sie in Zeichensystemen gefasst ist, in sinnlicher Anschauung und Erfahrung zu erfassen, zu ordnen, zu analysieren und mit ihren Beschreibungen und Deutungen in Form von Alltags- und/oder Wissenschaftstheorien zu vergleichen. Die Erkundung ist also wechselseitig kompensatorisch für Wissenschaftswissen und Alltagswissen.“[12]

Im wesentlichen lassen sich vier Merkmale daraus ableiten. Zum einen findet eine Begegnung mit der Realität statt. So wird die Wirklichkeit unmittelbar und nicht durch Symbole (Texte, Tafel) vermittelt. Zweitens ist eine Erkundung stets interaktionell angelegt. Alle Phasen dieser Methode / dieses Verfahrens sind von einem hohen Grad der Interaktion und Schülertätigkeit (Handlungsorientierung) geprägt. Drittens sind Erkundungen niemals spontan, sondern beruhen auf einer intensiven Planung von LerhrerIn und Schülern. Viertens kommen schließlich in der Erkundung sozialwissenschaftliche Arbeitsweisen zum Tragen, die den Schülern für das Gelingen der Erkundung bekannt sein müssen.

Die Erkundung zählt unter allen hier vorgestellten Verfahren zu dem, welches am stärksten einer wissenschaftlichen Systematik folgt. Es werden Hypothesen aufgestellt und geprüft, es werden sozialwissenschaftliche Methoden angewendet, Daten gewonnen und ausgewertet, aber auch Realitäten des Alltagswissens und Alltagshandelns erkundet, die mit wissenschaftlichen Methoden nicht ergründbar sind. Man kann somit zu dem Schluss kommen, dass Erkundungen sich gegen die Abtrennung der Erkenntnisse vom Realzusammenhang der Phänomene wendet.[13] Würde die Erkundung nicht im Kontext von Fragen und Hypothesen stehen, wäre dies nichts weiter als ein „Besichtigungstourismus“.

Erkundungen sind in der Regel problemorientiert und beziehen sich auf eigene Probleme der SchülerInnen mit dem Erkundungsfeld, auf Probleme der im Erkundungsfeld Handelnden und auf von der Öffentlichkeit diskutierte Probleme.

Erkundungen unterscheiden sich von Besichtigungen darin, dass sie nicht geführt sind und durch Eigenaktivität der Teilnehmer – die selbstentwickelte, selbstgewählte oder angeregte Erkundungsaufträge durchführen - geprägt sind. Deshalb empfiehlt Franz Josef Becker, dass „Erkundungen [...] immer als Projekt durchgeführt werden, um von Anfang an die eigenständige Begegnung, den Aktivitätscharakter der Selbsterschließung von Wirklichkeitsausschnitten ins Zentrum zu rücken.“[14]

Neben den bereits beschriebenen Lernleistungen, die in der Exkursion und somit auch in der Erkundung liegen, können weitere methodische Qualifikationen genannt werden, die durch das konkrete Tun entwickelt, gefördert und gefestigt werden. So zum Beispiel die selbständige Erschließung, Wahrnehmung und Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, die Überprüfung der eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten bei der Erschließung von Wirklichkeitsausschnitten, die Kommunikationsfähigkeit, die Fähigkeit, seinen Standpunkt zu relativieren, die Fähigkeit, mit anderen zu kooperieren, die eigenständige Zuordnung der gewonnenen Informationen und Erkenntnisse sowie die selbständige Verarbeitung zu Dokumentationen.

Eine festgelegte unterrichtliche Verortung der Erkundung gibt es nicht, da sie ganz verschiedene didaktische Funktionen erfüllen kann. Sie kann zur ersten Einführung in ein neues Unterrichtsthema, auf halber Strecke zur Vertiefung und Veranschaulichung oder am Schluss zur Ergebnissicherung und -überprüfung eingesetzt werden.

Am Beginn einer Unterrichtseinheit kann sie den Zweck haben, eine Erfahrungsbasis zu schaffen, weiterführende Fragen aufzuwerfen, eine Fragehaltung zu wecken oder Staunen bzw. Stutzen zu erzeugen. Dies nennt man dann die Zugangs- und Erarbeitungserkundung. Der zweite Typ, die Überprüfungserkundung, bezieht sich die Anwendung und Überprüfung des im Unterricht Erarbeiteten. Die Inhalte können auf diese Weise gefestigt oder relativiert werden.

Jeder Lehrer / jede Lehrerin muss sich genau überlegen, welche außerschulischen Lernorte für Erkundungen überhaupt in Frage kommen. Die Zeitfrage ist dabei ein ganz entscheidendes Kriterium. Häufig bitten sich deshalb nur Ziele an, die innerhalb von 2 Stunden zu erreichen sind, Ausnahmen bilden hierbei Exkursionen die über mehrer Tage andauern.

[...]


[1] Ciupke, Paul: Reisend lernen: Studienreisen und Exkursionen, in: Sander, Wolfgang (Hrsg.): Handbuch politische Bildung, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2005, S. 578.

[2] Weißeno, Georg: Exkursionen: in: ders. (Hrsg.): Lexikon der politischen Bildung, Schwalbach/Ts. 2000, S. 38.

[3] Vgl. Weißeno, Georg (2000): Exkursionen, S. 39.

[4] Vgl. Mickel, Wolfgang W.: Methodik des politischen Unterrichtes, Frankfurt/M. 1980, S. 233.

[5] Vgl. Detjen, Joachim: Erkundungen und Sozialstudien, in: Schiele / Kuhn / Massing: Methodentraining für den Politikunterricht, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2004, S. 198.

[6] Vgl. Becker, Franz, Josef: Erkundung und Befragung als Methode der politischen Bildung, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Erfahrungsorientierte Methoden der politischen Bildung, Bonn 1988, S. 104f.

[7] Vgl. Detjen, Joachim (2004): Erkundungen und Sozialstudien, S. 199-201, Ciupke, Paul (2005): Reisend lernen, S. 584-587.

[8] Vgl. Reinhardt, Sibylle: Handlungsorientierung, in: Sander, Wolfgang (Hrsg.): Handbuch politische Bildung, Bonn 2005, S. 146-155.

[9] Vgl. Ackermann, Paul: Außerschulische Lernorte – ungenutzte Chancen politischer Bildung, in: ders. (Hrsg.): Politisches Lernen vor Ort. Außerschulische Lernorte im Politikunterricht, Stuttgart 1988, S. 15-20

[10] Vgl. Becker, Franz, Josef (1988): Erkundung und Befragung als Methode der politischen Bildung, S. 99.

[11] Vgl. Mickel, Wolfgang W.: Methoden-Leitfaden durch die politische Bildung. Eine strukturierte Einführung, Schwalbach/Ts. 1996, S. 39.

[12] Becker, Franz, Josef (1988): Erkundung und Befragung als Methode der politischen Bildung, S. 97.

[13] Vgl. ebd., S. 98.

[14] Becker, Franz, Josef (1988): Erkundung und Befragung als Methode der politischen Bildung, S. 101

Details

Seiten
23
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638482837
ISBN (Buch)
9783638651448
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v52617
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Politikwissenschaften
Note
1
Schlagworte
Exkursionen Erkundungen Expertengespräche Sozialkundeunterricht Methoden Verfahren Politikdidaktik

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