Lade Inhalt...

Entwicklung und Struktur der beruflichen Bildung (insbes. des Dualen Systems) bis in die 80er Jahre

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 21 Seiten

BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Problemstellung

2. Einordnung des Dualen Systems in das Bildungssystem

3. Die Interessenauseinandersetzungen im Dualen System
3.1 Die verschiedenen Mächte im Dualen System
3.2 Der Staat und die Einflüsse der Alliierten
3.3 Die Berufschule und die Einflüsse der Unternehmer
3.4 Die Bildungspolitik und die gesellschaftlichen Einflüsse
3.5 Die divergierenden Interessen der drei Kontrahenten
3.6 Die 69er Reform und die vorläufige Beendigung der Interessenauseinandersetzungen

4. Zwei innovative Lösungsansätze für das Duale System
4.1 Auftragsausbildung
4.2 Die Idee eines Trialen Modells der Ausbildung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Problemstellung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem deutschen System der Dualen Berufsausbildung. Dabei handelt es sich nicht um eine lückenlose Wiedergabe der geschichtlichen Entwicklung, sondern vielmehr um eine spezielle Darstellung einzelner Probleme in der Entwicklung des Dualen Systems. Des Weiteren werden die Mächte, die im Dualen System vorhanden sind, aufgezeigt und deren Interessenauseinandersetzungen genauer erklärt. Ferner sollen Lösungsansätze zu den Problemen kurz aufgezeigt und gesellschaftliche Interesseneinflüsse erläutert werden, beziehungsweise Nachwirkungen die auf die Gesellschaft wirken sollten eruiert werden, welche eventuell sogar bis heute bestehen. Der zeitliche Horizont dieser Arbeit wird dabei auf die Zeit von 1945 bis 1980 beschränkt sein.

In der Literatur gibt es verschiedenen Klassifizierungsversuche des Dualen Systems, im engeren Sinne dieser Arbeit ist folgende Erklärung hinreichend: der Begriff des Dualen Systems besteht als solcher, wie er heute zu verstehen ist, seit den 60er Jahren. Duales System bedeutet Zweigleisigkeit in der Berufsausbildung, zum einen die praktische Ausbildung in einem Betrieb und zum anderen die theoretische Ausbildung in der Berufsschule.[1] Betrieb und Schule teilten sich, innerhalb des Dualen Systems, damit in zwei getrennte Lernorte der Ausbildung auf, eine enge Kooperation beider Lernorte ist dabei von enorm großer Bedeutung.

Greinert sieht das Duale System nicht als geplantes Konstrukt an, sondern als einen vielschichtigen historischen Prozess, der sich zu einem herangewachsenen System aufgebaut hat. Dass sich Berufsbildungssysteme nach dem Klassifizierungskriterium Lernort differenzieren lassen, scheint zwar plausibel, ist jedoch nicht ausreichend für eine entsprechende Analyse des Dualen Systems.[2] Vielmehr zeigt ein „kurzer Blick auf die historische Genese [...], dass sie in erster Linie das Ergebnis ökonomischer und politischer Interessenauseinandersetzungen sind [...]“.[3]

Der Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit liegt auf dem Begriff der Dualität, die damit verbunden Probleme, sowie die Entwicklung des Interessengegensatzes der beteiligten Institutionen. Vorweg möchte ich aber die Einordnung des Dualen Systems in einem Schaubild aufzeigen. Im letzten Teil der Arbeit soll ein kurzer Disput, über denkbare Lösungsansätze des Dualen Systems umrissen werden.

Den dargestellten Schwerpunkt werde ich vorwiegend durch die Analyse von Fachliteratur herausarbeiten. Auf weitere Begriffserklärungen werde ich gegebenenfalls an entsprechenden Textstellen eingehen.

Durch ein kritisches Fazit wird die Arbeit beendet.

2. Einordnung des Dualen Systems in das Bildungssystem

Gemäß § 1 Abs. 1 BBiG (Berufsbildungsgesetz)[4] besteht die Berufsausbildung in Deutschland aus drei wesentlichen Teilbereichen: die Berufsausbildung im Dualen System, die berufliche Fortbildung und die Umschulung.[5] In dieser Arbeit beschränkt sich die Sichtweise auf die Berufsausbildung im Dualen System, demnach also im Verbund von Berufsschule und Ausbildungsbetrieb.

Die akademische Ausbildung an Fachhochschulen und Universitäten zählen einige Autoren ebenso zur beruflichen Erstausbildung, wie die Ausbildung im Dualen System.[6] Nach Bauer ist die Ausbildung im Dualen System jedoch die bedeutendste Form der beruflichen Erstausbildung.[7]

Folgende Übersicht zeigt die Einordnung des Dualen System in das Bildungssystem.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[8]

3. Die Interessenauseinandersetzungen im Dualen System

3.1 Die verschiedenen Mächte im Dualen System

Das Duale System ist durch das Zusammenwirken der beiden Ausbildungsorte – Ausbildungsbetrieb und Berufsschule – gekennzeichnet. Beide sind rechtlich gesehen voneinander unabhängig, verfolgen aber dennoch, relativ autonom voneinander, ein gemeinsames Ziel, die Vermittlung beruflicher Qualifikation.

Im Rahmen dieser Arbeit soll der Hauptaugenmerk auf die Mächte Schule und Betrieb gerichtet sein. Selbstverständlich sind auch staatliche Mächte erwähnenswert, die die gesetzlichen Rahmenbedingungen vorgeben, dennoch sind es Interessenkonflikte, die das deutsche System Dualer Berufsausbildung prägen.

Die Berufsschulen sind ein Teil des Dualen Systems und werden in der Regel von Berufschulpflichtigen / Berufsschulberechtigten besucht, die eine Erstausbildung absolvieren oder in einem Ausbildungsverhältnis stehen. Der Unterricht wird sowohl in Teilzeit, als auch in Blockveranstaltungen angeboten. Der Auszubildende ist für die Zeit des Berufsschulunterricht vom Betrieb freizustellen. Vice versa ist der Auszubildende verpflichtet, am Berufsschulunterricht teilzunehmen. Die Berufsschulpflicht ist in den einzelnen Schulgesetzen der zuständigen Bundesländer geregelt.[9] Die Lehrkräfte für die Berufsschule werden an Universitäten ausgebildet, die Studieninhalte sind sowohl erziehungswissenschaftlich als auch betriebswirtschaftlich ausgerichtet. Hinzu kommen mittlerweile mehrwöchige Praktika in Unternehmen und an Berufsschulen, so dass die formalen Qualifikations-anforderungen der schulischen Ausbilder/ innen erfüllt sind.[10]

Die Betriebe sind nach Greinert der bedeutendere Lernort im Dualen System, weil der Auszubildende etwa 75% seiner Ausbildungszeit dort verbringt.[11] Die Berufsausbildung im Betrieb erfolgt auf der Grundlage, einer für den Ausbildungsberuf erlassenen Ausbildungsordnung. Gemäß § 25 Abs. 2 BBiG[12] ist dort das Ausbildungsberufsbild sowie der Ausbildungsrahmenplan geregelt. Die Ausbildungsordnung wird durch den Bundeswirtschaftsminister oder den zuständigen Fachminister in Absprache mit dem Bundesminister für Bildung und Wissenschaft (seit 1998 Bundesminister für Bildung und Forschung) erlassen.[13] Der Ausbilder im Betrieb sollte nach Möglichkeit die AEVO[14] Prüfung in seinem Wirtschaftszweig absolviert haben. Eine einschlägige, mehrjährige Berufserfahrung sollte vorausgegangen sein.[15]

Der Staat stellt die gesetzlichen Rahmenbedingungen auf und lässt sich dabei von den verschieden Mächten beeinflussen. Er spielt demnach als Gesetzgeber eine durchaus wichtige Rolle, wie wir im weitern Verlauf der Arbeit sehen werden, und dennoch hielt er sich relativ lange bedeckt in der Entwicklung des Dualen Systems. Warum sich der Staat, in dieser Angelegenheit so lange vor einer gesetzlichen Regelung des Berufsausbildungssystems zurückhielt, werde ich an einer späteren Stelle der Arbeit erläutern.

Kritik am Dualen System zu üben ist nicht neu, sondern resultiert aus verschiedenen Positionen von gesellschaftlichen Gruppen, deren Interessenschwerpunkte jedoch stark divergieren. Sowohl die Veränderungsprozesse, die auf die Arbeitswelt wirken, wie beispielsweise Modernisierung, Rationalisierung, als auch die Änderungen im schulischen Lehrbereich, weg von traditionellen Lehrmethoden, wirken auf das Duale System ein. Ein langer Entwicklungsprozess mit Interessensaus-einandersetzungen musste vorausgehen, welcher nun im Mittelpunkt der Betrachtung stehen soll.[16]

[...]


[1] Vgl. Arnold, Rolf: Fragen und Antworten zum Dualen System der deutschen Berufsausbildung. Wernigerode: Harz-Druckerei, 1996, S. 1.

[2] Vgl. Greinert, Wolf-Dietrich: Das „deutsche System“ der Berufsausbildung. Tradition, Organisation, Funktion. 3. überarbeitete Auflage, Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft, 1998, S. 17f.

[3] Greinert, Wolf-Dietrich: 1998, S. 18.

[4] Vgl. http://www.bmbf.de/pub/bbig_20050323.pdf S.4 (Zugriff: 27.09.2005, 11:14 Uhr)

[5] Vgl. Bauer, Reinhard: Verberuflichung von Weiterbildung und die Zukunft der dualen Berufsausbildung. Forschung Soziologie, Band 79, Opladen: Leske und Budrich, 2000, S. 24.

[6] Vgl. Bauer, Reinhard: 2000, S. 30.

[7] Vgl. Bauer, Reinhard: 2000, S. 23.

[8] Vgl. http://www.kmk.org/doku/dt-2005.pdf S. 2. (Zugriff: 27.09.05, 11:40 Uhr)

[9] Vgl. Greinert, Wolf-Dietrich: 1998, S. 128.

[10] Vgl. Bauer , Reinhard: 2000, S. 26f

[11] Vgl. Greinert, Wolf-Dietrich: 1998, S.121.

[12] Vgl. http://www.bmbf.de/pub/synopse_BBiG_alt_neu.pdf (Zugriff: 28.09.05. 15:50 Uhr)

[13] Vgl. Bauer, Reinhard: 2000, S. 24f.

[14] AEVO: Ausbildereignungsverordnung. Prüfung wird von den Industrie und Handelskammern angeboten. Wird nach heutigem Stand aber nicht mehr unbedingt benötigt.

[15] Vgl. Bauer, Reinhard: 2000. S. 27.

[16] Vgl. Stratmann, Karlwilhelm/ Schlösser, Manfred: Das Duale System der Berufsbildung. Eine historische Analyse seiner Reformdebatten. Frankfurt am Main: Verlag der Gesellschaft zur Förderung arbeitsorientierter Forschung und Bildung, 1990, S. 53

Details

Seiten
21
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638482370
ISBN (Buch)
9783638774611
Dateigröße
713 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v52557
Institution / Hochschule
Universität Hohenheim – Institut für Berufs- und Wirtschaftspädagogik
Note
1,7
Schlagworte
Entwicklung Struktur Bildung Dualen Systems) Jahre Hauptseminar Pädagogik/Wirtschaftspädagogik

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Entwicklung und Struktur der beruflichen Bildung (insbes. des Dualen Systems) bis in die 80er Jahre