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´Neue Frau´ und ´Technik´ in Erich Kästners Fabian - Die Geschichte eines Moralisten - Ein Roman der Neuen Sachlichkeit

Hausarbeit 2000 26 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsübersicht

1. Einleitung

2. Die Literatur der Neuen Sachlichkeit
2.1 Zeitroman und Thematik
2.2 Protagonisten
2.3 Stil

3. Erich Kästner
3.1 Erich Kästner und Berlin - Die Metropole der Weimarer Republik
3.2 Erich Kästner und die wichtigsten Frauenbeziehungen bis 1931

4. „Fabian - Die Geschichte eines Moralisten“ - Inhaltsangabe

5. Die Neue Frau: Selbstverständnis, ökonomische Unabhängigkeit und Sexualität
5.1 Die Neue Frau in der Weimarer Republik
5.2 Die Neue Frau im „Fabian“

6. Technisierung
6.1 Massenmedien
6.2 Technischer Fortschritt in der Wirtschaft und die sozialen Folgen

7. „Lernt schwimmen!“ - Schlussbemerkung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit im Rahmen der Veranstaltung „Literatur der Neuen Sachlichkeit beschäftigt sich mit dem Werk „Fabian - Die Geschichte eines Moralisten“ von Erich Kästner.

Anhand einer geschichtlichen Einordnung sowie der Nennung der wichtigsten Merkmale der Neuen Sachlichkeit soll zu Beginn ein Überblick über diese Literaturgattung ermöglicht werden.

Kästners „Fabian“ soll im weiteren Verlauf dieser Arbeit im Hinblick auf den Autor, die neusachlichen Aspekte und zwei Themenbereiche - die weitere Themen nach sich ziehen - beleuchtet werden:

a) Die Neue Frau: Selbstverständnis, ökonomische Unabhängigkeit & Sexualität
b) „Technisierung“.

2. Die Literatur der Neuen Sachlichkeit

Eine der kulturellen und literarischen Hauptströmungen der Weimarer Republik (1919- 1933) ist die sogenannte Neue Sachlichkeit. Geprägt wurde dieser Begriff insbesondere durch die von Gustav Friedrich Hartlaub in der Mannheimer Kunsthalle organisierte Ausstellung „Neue Sachlichkeit. Deutsche Malerei seit dem Expressionismus“, die im Juni 1925 eröffnet wurde. Aber der Begriff „Sachlichkeit“ tauchte nicht erst 1925 auf. Die Konzeption der Ausstellung von Hartlaub reichte bis in das Jahr 1923 zurück und „Sachlichkeit“ „wird bereits 1922 als Möglichkeit zur Überwindung des spätexpressionistischen Stils diskutiert.“[1]

„Sachlichkeit“ verstand sich demnach als anti-expressionistische Haltung; Forderungen nach einer Rückkehr zur „Wirklichkeit“ und einer „Einfachheit“ des Stils gehen auf das Jahr 1922 zurück. „(...) laut wiederholter Aussagen Marieluise Fleißers verwendete Feuchtwanger bereits im Jahr 1922 ihr gegenüber die Begriffe „neue Sachlichkeit“ und „sachlich“, um sie auf die gerade entstehende anti-expressionistische Schreibweise aufmerksam zu machen.“[2]

Die Literatur der Neuen Sachlichkeit war durch verschiedene Merkmale gekennzeichnet, die im Folgenden kurz erläutert werden sollen.

2.1 Zeitroman und Thematik

Die Romane der Neuen Sachlichkeit zeichnen sich als Zeitromane aus. Sie orientieren sich an Zeitlichkeit und Faktizität, „als solche erfüllen sie die programmatischen Forderungen nach Authentizität der Darstellung, nach Aktualität und Gesellschaftsanalyse.“[3]

Der Autor der „Neuen Sachlichkeit“ sah sich als Berichterstatter, als Beobachter. Er versuchte nicht, als „geistiger Führer“ aufzutreten, sondern sah sich, der Aktualität verpflichtet, als trockenen Berichterstatter der Zeit.[4]

Aus der Tatsache der Verpflichtung zur Aktualität sowie der Berichterstattung ergaben sich auch die Themen der Romane der „Neuen Sachlichkeit“. Technik und zunehmende Urbanisierung, die Angestellten sowie die Darstellung der Arbeits- und Produktionswelt, der Unterhaltungsbranche mit den Eröffnungen der großen Filmtheater der 20er Jahre sowie den Revuen und Kabaretts, das neue Selbstverständnis der modernen Frau, die politischen Strömungen der Weimarer Republik. Diese und weitere Aspekte wurden in der Literatur der Neuen Sachlichkeit thematisiert. Die Darstellung orientierte sich an Authentizität und Wertfreiheit.

2.2 Protagonisten

Die Gattung des Zeitromans hat Auswirkungen auf die Erzähltechnik. Die Protagonisten der Romane der Neuen Sachlichkeit sind eher als soziale Typen und weniger als Individuen zu bezeichnen. „Denn die sozialengagierte, aktualitätsbezogene Darstellung gesellschaftlicher Realität und soziopsychischer Mentalität impliziert den Verzicht auf die Ausgestaltung im Sinne des traditionellen Erzählens, mithin die Aufgabe der Konzentration auf die Helden, der konsequenten Verfolgung von deren Schicksal sowie der umfassenden psychischen Durchleuchtung der Person.“[5] In der Literatur der Neuen Sachlichkeit wird jeweils ein kurzer Lebens- bzw. Zeitabschnitt des Protagonisten beleuchtet, wobei hierbei nicht das Individuum an Tiefe gewinnt. Die vermeintlich individuellen Züge des Protagonisten stehen jeweils exemplarisch für eine größere gesellschaftliche Gruppe. Das Einzelschicksal ist nicht von Interesse, es wird generell weder die Vorgeschichte noch der weitere Werdegang des Protagonisten näher beleuchtet.

2.3 Stil

Der Stil der Literatur der Neuen Sachlichkeit orientiert sich an den oben dargestellten Begriffen Authentizität und Realitätsnähe. Die Mehrheit der veröffentlichten Romane zeichnen sich durch eine am Alltag orientierte, nüchterne und auf Verständlichkeit abhebende Sprache aus. Auf die fabulierende und artistische Ausgestaltung der Romane wird weitestgehend zugunsten einer beobachtenden, gestischen Schreibweise verzichtet. Die Literatur der Neuen Sachlichkeit kann durchaus allgemein als sog. „Gebrauchsliteratur“ verstanden werden. Sie schafft die Verbindung zwischen fiktionalem und journalistischem Schreiben. Trotz des hier kurz erörterten Stils darf jedoch nicht davon gesprochen werden, daß alle Autoren der Neuen Sachlichkeit sich streng an diesen gehalten haben. „Nicht in jedem Werk manifestiert sich (...) der Nachweis nach Authentizität der Darstellung in einer radikalen Auflösung der traditionellen Gattungsbestimmung und mithin in einer Literatur, die die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, literarischer Gestaltung und Dokumentarmaterial aufhebt. Für viele (...) im Kontext der Neuen Sachlichkeit vorgestellten Romane ist diese produktionsästhetische Maxime durchaus kennzeichnend, verallgemeinerbar jedoch ist sie nicht.“[6]

Zur Literatur der Neuen Sachlichkeit können u.a. Hans Falladas „Kleiner Mann - was nun?“, Irmgard Keuns Romane „Gilgi, eine von uns“ und „Das kunstseidene Mädchen“, Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“ und Erich Kästners Roman „Fabian - Die Geschichte eines Moralisten“, der 1931 erschien, gezählt werden.

3. Erich Kästner

Dieser Abschnitt wird nicht die gesamte Biographie des Autors Erich Kästner ausführlich darstellen sondern vielmehr einen kurzen Blick auf das Leben des Autor bis 1931 werfen und insbesondere sein Leben und Werk in der Metropole Berlin näher vorstellen. Im „Fabian“ tauchen viele autobiographische Hinweise des Autors auf, die hier umrissen werden.

Erich Kästner wurde am 23. Februar 1899 als Sohn des Sattlermeister Emil Kästner und dessen Frau Ida in Dresden geboren. 1917 wurde er, nachdem er seit 1913 das Lehrerseminar in Dresden besuchte, zum Militärdienst einberufen. 1919 bestand er das Abitur am König-Georg-Gymnasium und begann sein Studium in Leipzig. Bereits 1920 erschienen seine ersten Gedichte in der Anthologie „Dichtungen Leipziger Studenten“, zwei Jahre später war er Redakteur der Magazine des „Leipziger Tageblatts“. Nach seiner Promotion zum Doktor der Philosophie 1925 war er ab 1926 als Redakteur für Politik und Feuilleton bei der „Neuen Leipziger Zeitung“ tätig und zog im Jahre 1927 in die lebendige Metropole Berlin um.[7]

Kästner, der bereits als Kind in Dresden viele Berührungspunkte zum Theater aufbauen konnte, war in Berlin zunächst als Theaterkritiker und freier Mitarbeiter u.a. für die „Weltbühne“, „Vossische Zeitung“, „Neue Leipziger Zeitung“ und „Montag Morgen“ tätig. 1928 erschien sein erstes Gedichtband „Herz auf Taille“ und 1929 unter anderem sein wohl erfolgreichstes Kinderbuch „Emil und die Detektive“, das den Namen Erich Kästner weltweit bekannt machen sollte. Im November 1930 begann Kästner die Arbeit an seinem Roman „Fabian - Die Geschichte eines Moralisten“. Es war der erste Roman für Erwachsene dieses Autors, der 1931 bei der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart erschien.[8]

3.1 Erich Kästner und Berlin - die Metropole in der Weimarer Republik

Berlin hatte seine Anziehungskraft in den ersten Jahren des Jahrhunderts voll entfaltet und galt als „toleranteste Metropole Europas“.“[9] Berlin wurde zum Zentrum der Künste, besaß Theater, Kabarette und Revuen, Filmtheater, Bars, Cafés und Restaurants. Kästner nutzte die Annehmlichkeiten und Möglichkeiten, die ihm die Stadt Berlin als junger Mensch und aufstrebender Autor bot. Er war Mitglied der Künstler- und Intellektuellenszene der liberalen Metropole. Kästner besuchte, wie seine Romanfigur Fabian, häufig Kaffeehäuser und verwendete die Kaffeehäuser nicht nur im „Fabian“ als eine Kulisse seiner Großstadtschilderungen. Auch das Nachtleben der Metropole zog Erich Kästner an. „Kästner besuchte die literarischen Revuen und Kabarettprogramme der Hauptstadt, (...) und kannte die wichtigsten Schauspielerinnen, Conférenciers und Komponisten schon als Zuschauer, bevor er zum Autor „aufstieg“.“[10] Er bekam Aufträge, für Kabarettprogramme zu schreiben.

Auch die Medien Hörfunk und Film bediente Kästner souverän. Die Filmbranche boomte. „In Berlin baut man die größten und schönsten Kinopaläste Europas, moderner und prachtvoller ausgestattet als manches Theater. Das monumentalste Lichtspielhaus der Stadt, der Ufa-Palast am Zoo, faßt 2165 Zuschauer. (...). Die deutsche Filmgesellschaft Ufa hat in Neubabelsberg bei Berlin einen riesigen Studiokomplex errichtet (...). Fieberhaft sucht man nach geeigneten Filmstoffen und guten Drehbuchautoren.“[11] Nach einem ersten Versuch 1927 als Drehbuchautor im Filmgeschäft tätig zu werden, unterschreibt Kästner im Dezember 1930 bei der Ufa (= Universum-Film Aktiengesellschaft) einen Vertrag als Drehbuchautor und erarbeitet im Januar 1931 ein Drehbuchkonzept für seinen Kinderroman „Emil und die Detektive“. Während der Autor enttäuscht über den gleichnamigen Film ist, der im Sommer 1931 an Originalschauplätzen in Berlin gedreht wurde, ist das Publikum begeistert. Die Premiere des Films im Dezember 1931 feierte große Erfolge.[12]

Bereits vor der ersten Filmproduktion war Kästner im Rundfunk erfolgreich tätig. Das Hörspiel „Leben in dieser Zeit“, das Kästner durch den Breslauer Hörfunkintendanten Friedrich Bischoff vermittelt wurde, brachte ihm in diesem Bereich der „neuen Medien“ den Durchbruch - es folgten in den darauffolgenden Jahren viele weitere Arbeiten für den Hörfunk.[13]

[...]


[1] Becker/Weiss (Hrsg.), 1995, S. 14

[2] ebd.

[3] a.a.O., S. 10

[4] Becker / Weiss (Hrsg.), 1995, S. 10

[5] a.a.O., S. 12

[6] Becker / Weiss (Hrsg.), 1995, S. 11

[7] vgl. hierzu Schikorsky, S. 152

[8] vgl. Schikorsky, S. 79 ff.

[9] Hanuschek, S. 119

[10] Hanuschek, S. 124

[11] Schikorsky, S. 74/75

[12] vgl. a.a.O., S.74 ff.

[13] vgl. Hanuschek, S. 123

Details

Seiten
26
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638131988
Dateigröße
601 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v5247
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg – Sprache- und Kommunikationswissenschaften
Schlagworte
Frau´ Erich Kästners Fabian Geschichte Moralisten Roman Neuen Sachlichkeit Literatur

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