Lade Inhalt...

Kalter Krieg im Äther - Der Ost-West-Konflikt in politischen Radio-Informationssendungen der beiden deutschen Staaten 1945-1970

Magisterarbeit 1998 184 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Zu Methode, Wertungen und Terminologie Zu Quellen und Literatur

I. Der sozialistische Journalismus der DDR als Gegenmodell zum westlichen Informationsjournalismus
1. Massenmedien und Bewußtseinsbildung im Sozialismus
a) Das Profil der Massenmedien und ihre zentralen Aufgaben
b) Das zugrundeliegende Denkgebäude: Bedürfnisse des Einzelnen und der Gesellschaft
2. "Jeder Journalist ein Kämpfer für den Sozialismus" - ein Berufsstand im Blickfeld der Politik
a) Universität Leipzig: Ausbildung in einer "kämpfenden politischen Einheit"
b) Ansprüche an die journalistische Arbeit
3. Im Griff der Partei: Der gelenkte Rundfunk
a) Lenkungssystem und Pressefreiheit
b) Der Rundfunk unter täglicher Kontrolle
4. Getrennte Welten: Informationsjournalismus versus Parteilichkeit

II. Rundfunk und Politik in Ost und West
1. Der Westen: Die Parteien und der Rundfunk
a) Versuche einer "Kolonialisierung"
b) Antworten der Sender - Ideen zur Rundfunkpolitik in der parlamentarischen Demokratie
2. Zur Lenkung des Rundfunks in der DDR - Reaktionen und Konsequenzen
a) Zwischen "Argu" und verschütteten Idealen: Journalistischer Freiraum?
b) Der Rundfunk der DDR und sein Publikum
3. Wettlauf um das Publikum: Der Ost-West-Konflikt im Hörfunk
a) Senden für "Gesamtdeutschland" in Ost und West
b) Westliche Programme für die DDR
c) "... eine in ihrer Landesbreite einzigartige Auseinandersezung mit der publizierten Ideologie des Kapitalismus aufnehmen" - Das Echo in der DDR

III. "Propaganda cold war": Überregionaler Hörfunk an der Nahtstelle des Ost-West-Konflikts - drei Fallbeispiele
1. RIAS Berlin - "eine freie Stimme der freien Welt"
a) Die Berliner Rundfunklandschaft der Nachkriegsjahre und eine Idee des Lucius Dubignon Clay
b) "Die Macht des Rundfunks": Der RIAS und der 17. Juni 1953
2. Der Deutschlandsender
a) "...wendet er sich vor allem an die westdeutschen Hörer": Neuer Programmauftrag unter altem Namen
b) "Wer Adenauer wählt, wählt den Atom-Krieg" - Politische Beiträge im Deutschlandsender zur Bundestagswahl 1957
3. Der Deutschlandfunk
a) Ein Informationsprogramm im Kalten Krieg
b) "Die Welt ist um eine große Hoffnung ärmer" - Politische Kommentare im deutschen Programm des DLF zum Ende des "Prager Frühlings" 1968

Fazit: Die Abstimmung mit dem Drehkondensator

Abkürzungen

Nachweis der auf Seite 5 wiedergegebenen Zitate

Quellen

Mitschnitte und Manuskripte von Rundfunksendungen

Literatur und zeitgenössische Texte

Der Systemkonflikt auf der Empfängerskala: Die auf der Titelseite abgebildete Mittelwellenanzeige einer Philips Capella 753/4E/30 aus dem Jahre 1955 zeigt die deutschen Stationen in Ost und West (vgl. IHRF 1957, S. 129) - von der 989-kHz-Welle des RIAS über NWDR, den SWFRheinsender Wolfsheim, Leipzig und den als "München" bezeichneten Bayerischen Rundfunk bis hin zu "Berlin-Ost", der weitreichenden 782-kHz- Mittelwelle des Deutschlandsenders.

Einleitung

"Bye bye RIAS, bye bye!"1 Ein Kapitel der Mediengeschichte ging zuende, als Siegfried Buschschlüter, Hörfunkdirektor des Rundfunks im amerikanischen Sektor, diese Worte über den Sender sprach. Es war der 31. Dezember 1993, kurz vor Mitternacht; nur noch wenige Minuten trennten den RIAS von seinem Verstummen. Über vier Jahrzehnte hinweg hatte das Funkhaus im Berliner Bezirk Schöneberg die geteilte Stadt und ihr Umland, ja die gesamte DDR mit Programmen versorgt. Aus einem improvisierten Drahtfunksender der amerikanischen Besatzungsbehörden war eine Station geworden, die hinsichtlich des Publikumszuspruchs zwischen Elbe und Oder lange Jahre an der Spitze lag.

In der neuen Rundfunkanstalt "DeutschlandRadio" fand sich der RIAS ab 1994 gemeinsam mit zwei Sendern aus Ost und West wieder, die wie er ihre Wurzeln in der Epoche des Kalten Krieges hatten: dem Deutschlandfunk in Köln und DS-Kultur2, einem Nachfahr des 1948 eingerichteten Deutschlandsenders in Ost-Berlin. Als die SED diese Station aus dem Berliner Rundfunk ausgliederte, als 1962 schließlich der Deutschlandfunk an die Seite des RIAS trat, da war das Radio nicht nur das schnellste, sondern auch das effektivste Mittel, den "Eisernen Vorhang" zu durchdringen. Der Kalte Krieg war nicht zuletzt ein Krieg der Informationen, der politischen Informationssendungen im Rundfunk. Mit der Informationspolitik in Ost und West, mit der Tätigkeit der drei überregionalen Hörfunkstationen beschäftigt sich diese Arbeit.3

Sie beleuchtet zunächst in einem allgemeiner gehaltenen Teil die Funktion des Hörfunks als politischer Kraft unter den Bedingungen des Ost-West-Konflikts. Entlang der Systemgrenze prallten zwei Welten aufeinander - die Rundfunkhörer in der DDR haben dies täglich erlebt und teilweise bewußt zur Urteilsbildung genutzt. In der Bundesrepublik galt die Pressefreiheit als das "subjektive Grundrecht" des Journalisten, frei von staatlicher Einwirkung zu arbeiten, zugleich in "objektiv-rechtlichem" Sinne als Verpflichtung des Staates, diese Pressefreiheit in seiner Rechtsordnung nicht zu tangieren.4 "Zur Sicherung der Pressefreiheit ist eine nationale Medienpolitik nicht notwendig"5, hieß es ergänzend. Dem DDR-Journalisten oblag hingegen, seinem Publikum die Politik der SED nahezubringen, "mit journalistischen Mitteln an der Leitung ideologischer Prozesse"6 teilzunehmen. Die sozialistische Lehre proklamierte damit ein radikales Gegenmodell. Erst die politische Bindung des Journalismus an die "politisch führenden Kräfte der jeweiligen Klasse" gewährleiste regelmäßig seine "Wirksamkeit [...] als politisches Kampf- und Machtinstrument"7 dieser Klasse - auch im Sozialismus. An der Frage nach der Legitimität bewußt parteilicher Berichterstattung schieden sich die Geister zwischen Ost und West. Eine Theorie politischer Lenkung der Massenmedien durch die Staatsmacht sucht man in der BRD vergeblich - anders in der DDR.

Den Bemerkungen zum Verhältnis zwischen Rundfunk und Politik in beiden deutschen Staaten ist daher noch eine Beschreibung dieses östlichen Gegenmodells vorangestellt; dabei sind organisatorische Details weitgehend ausgeblendet. Zur Sprache kommen jene Prinzipien und Gepflogenheiten, in denen sich der sozialistische Rundfunkjournalismus als "Teil des Machtapparates der herrschenden Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten"8 von dem in den öffentlich-rechtlichen Anstalten des Westens unterschied.

Diese verstanden sich stets als "ein kritisches Gegenüber [...] zu den Herrschenden in Staat und Partei und Gesellschaft"9. Ihre Aufgabe konnten sie allerdings nicht immer ungestört wahrnehmen. Im Brennpunkt funkpolitischer Fragen stand das Verhältnis der politischen Akteure zu diesen Rundfunksendern. Über vier Jahrzehnte hinweg lassen sich Bestrebungen politischer Parteien verfolgen, immer wieder Einfluß auf die Programme auszuüben - bald mit mehr, bald mit weniger Erfolg. Der journalistische Alltag in der DDR freilich war von umfassenden staatlichen Vorgaben und Eingriffen gekennzeichnet. Diese Prägung hatte Folgen für Spielraum und Verhalten der Journalisten, aber auch für das Publikumsecho des Rundfunks. Und vollends an Brisanz gewann sie angesichts der Tatsache, daß auf deutschem Boden zwei der erbittertsten Gegner im Ost-West-Konflikt einander buchstäblich auf Rufweite gegenüberstanden.

Das Verhalten der drei eingangs genannten Sender beleuchtet der zweite Abschnitt in vom 5.8.1966, in: BVerfGE 20 als Nr. 15, S. 162-230, hier: S. 175; direkte Zitate dort entnommen.

Gestalt von Fallbeispielen. Es kommen Programme zu ausgewählten Ereignissen aus dem Kalten Krieg zur Sprache: Dramatische Vorgänge spielten sich Mitte Juni 1953 in der DDR ab, als der RIAS seine entscheidende Bewährungsprobe zu bestehen hatte. 1957 hatte "die Ära Adenauer [...] ihren Zenit erreicht"10: Die Kommentatoren des Deutschlandsenders begleiteten einen auffallend hitzigen Bundestagswahlkampf - "Man wird ihn wiederwählen: cuius dollar, eius religio", hieß es selbst im Spiegel- Leserbrief eines Johannes Rau aus Wuppertal-Barmen.11 Zugleich fiel die Wahl in eine Periode grundsätzlich positiver Wertung sozialdemokratischer Politik durch die SED12 ; es war die letzte Bundestagswahl vor der programmatischen Umorientierung der SPD 1959/60. Ähnlich dem RIAS 15 Jahre zuvor sah sich schließlich im August 1968 auch der Deutschlandfunk nur wenige Jahre nach seinem Entstehen mit einem Aufstand im Osten konfrontiert.

Außerhalb enger Grenzen lassen sich die drei Sender in ihrer Arbeit kaum vergleichen; soweit möglich, unternimmt der Schlußabschnitt13 dies im Rahmen einer abschließenden Bewertung. Bereits aus der Kluft zwischen östlichen und westlichen Vorstellungen von Journalismus folgt, daß sich die Informationsmedien in ihrer Funktion nicht aneinander messen lassen - auch wenn in bundesdeutschen Programmen der sechziger Jahre mitunter ein harter Ton herrschte, wie der damalige RIASNachrichtenredakteur Hermann Meyn rückblickend erläutert:

"Das waren von mir auch keine objektiven Berichte, sondern da habe ich natürlich immer, immer, damals, in dieser Situation mich als jemanden empfunden, der dieses System wegen der Mauer anklagen muß. Das war meine innerste Überzeugung. [...] Das war sicherlich auch Antipropaganda."14

Doch die Arbeit der Sender in Ost und West war vier Jahrzehnte lang aufeinander bezogen; sie trafen als Konkurrenten, als Gegner aufeinander. Vor diesem Hintergrund geht es um die Frage, wie beide Seiten in der Epoche des Kalten Krieges das schnellste und direkteste Massenmedium einsetzten.

Zu Methode, Wertungen und Terminologie

Der Disput, wie ihn unlängst zwei Zeitzeugen - Gunter Holzweißig und Heribert Schwan - mit Blick auf die westliche DDR-Berichterstattung der achtziger Jahre austrugen15, weist in seiner grundsätzlichen Dimension auch auf die Methode dieser Arbeit hin, den Journalismus in Ost und West zu bewerten:

(Holzweißig:) "[...] Journalisten sollten keine politische Mission erfüllen - und das haben Leute wie Merseburger, Pleitgen gemacht und haben sich damit eigentlich von ihrem journalistischen Auftrag entfernt. Hajo Friedrichs hat gesagt: Ein Journalist sollte sich auch nicht mit einer guten Sache gemein machen. Und das war keine gute Sache." (Schwan:) "Journalisten sind keine politischen Eunuchen. Journalisten haben einen politischen Standpunkt zu haben, vor allem politische Journalisten [...]"

Mit Blick auf Holzweißigs Ansicht drängt sich die Frage auf, ob nicht der Programmauftrag eines westlichen Senders eben jene von Schwan angesprochene politische Wertentscheidung - zugunsten der parlamentarischen Demokratie - beinhalten mußte, mochte auch stets die Gefahr drohen, die Grenze zu einem von Karl Wilhelm Fricke beklagten Verhalten zu überschreiten:

"Sie missionieren, statt einfach zu sagen, was ist, und dem Hörer oder dem Leser es selbst zu überlassen, sich Gedanken darüber zu machen, sagen sie auch, wo es langgeht. Sie missionieren, und das ist das Grundübel des politischen Journalismus jedenfalls, und wir wären schon ein wenig weiter, oder ein gutes Stück weiter, wenn sich diese Unsitte allmählich verringern würde."16

Die folgende Darstellung bejaht die aufgeworfene Frage; sie stellt sich zugleich gemeinsam mit den westlichen Normen auf den "politischen Standpunkt" der parlamentarischen Demokratie; sie überträgt insoweit auf das Nachkriegsdeutschland die von dem Historiker Heinrich August Winkler für die Weimarer Republik formulierte Grundannahme: "Nur die parlamentarische Demokratie konnte der deutschen Gesellschaft ein ihrem kulturellen und materiellen Entwicklungsstand entsprechendes Maß an politischer Freiheit geben."17 Daß vor diesem Hintergrund eine ausführliche Kritik des DDR-Journalismus entbehrlich ist, folgt bereits aus den mit westlichen Prinzipien unvereinbaren Grundannahmen der sozialistischen Journalistikwissenschaft; die Ost-Berliner Medienpolitik wird daher lediglich einer Bewertung hinsichtlich systemimmanenter Ansprüche unterzogen. Davon getrennt allerdings muß sich auch die Medienpolitik bundesdeutscher politischer Akteure das Anlegen systemimmanenter Maßstäbe gefallen lassen.

In Ost und West bildete sich mit der Zeit ein im Einzelfall unterschiedliches Begriffsverständnis heraus: so nannte man das in der BRD bald als "Hörfunk" bezeichnete Radio in der DDR weiterhin "Rundfunk". Mit den differierenden Auffassungen des Verhältnisses von Politik und Medien gingen Abweichungen in der Terminologie einher; über den in der DDR gebräuchlichen Ausdruck "Informationspolitik"18 hinaus verwendet die Arbeit jedoch auch für Schilderungen ostdeutscher Politik Begriffe wie "Medienpolitik" oder "Kommunikationspolitik" - den Erfordernissen des Stils folgend19. Unter "Monitortätigkeit" sind das gezielte Abhören gegnerischer Sender und die Auswertung der Ergebnisse zu verstehen. Der Begriff "politischer Kommentar" kennzeichnet Beiträge, die den Hörer "für Probleme der Politik [zu] gewinnen" suchen, indem sie der persönlichen Sichtweise eines Mitarbeiters oder einer Redaktion Raum gewähren.20 Im Sinne Kurt Reumanns gilt hier der weitere Begriff des Kommentars, unter den neben der Bewertung und Einordnung aktueller Ereignisse - so Reumanns engerer Kommentarbegriff - sämtliche "meinungsbetonte[n] Formen" von Beiträgen fallen. Der Kommentar bildet damit den Gegenpol zur Nachricht, die "- soweit möglich - unpersönlich und sachlich" über ein Ereignis informiert.21

Im übrigen wird "die Diktatur, die sich als Sozialismus ausgab" (Hermann Weber22 ), im folgenden aus Praktikabilitätsgründen als Sozialismus bezeichnet. Als Kalten Krieg begreift die Arbeit den Zeitraum zwischen den späten vierziger Jahren und 1970. Peter Bender hat jüngst in einem Rundfunkessay23 diesen Begriff eng an die "Berlin-Krisen" gebunden und das Ende des Kalten Krieges aus weltpolitischer Sicht mit dem Scheitern von "Chruschtschows Vorstöße[n] gegen West-Berlin und Kuba" zusammenfallen lassen. In der Tat verlor die weltweite Auseinandersetzung im Verlauf der sechziger Jahre viel von ihrer unerbittlichen Schärfe. Doch in den deutsch-deutschen Beziehungen brachte erst die neue Ostpolitik der sozialliberalen Koalition in Bonn mit dem beginnenden Dialog einen Umschwung. Die Epoche eisigen Schweigens war zu Ende; auch in der Tätigkeit der überregionalen Rundfunkstationen kündigte sich ein Wandel an, und damit ein Verstummen jener mitunter "heute unglaublichen Sprache der Propaganda" (Bender).

In der Frage der Gliederung hätte sich alternativ ein konfliktgenetischer Aufbau angeboten. Die Tätigkeit von RIAS, DS und DLF war zutiefst von allgemeinpolitischen Rahmenbedingungen geprägt. An die Beschreibung dieser medialen Tätigkeit anschließend hätte ein solcher Aufbau Aussagen über die Informationspolitik in Ost und West treffen, schließlich journalistische Grundsätze einander gegenüberstellen können. Angeboten hätte sich eine konfliktgenetische Gliederung insbesondere für den Fall, daß die gewandelten Verhältnisse der siebziger und achtziger Jahre in die Darstellung eingegangen wären.

Daß die Entscheidung für den problemhierarchischen Aufbau fiel, ist zunächst der Tatsache geschuldet, daß die Entspannungsepoche außerhalb des Blickfelds bleibt; die Jahre bis 1969 stellen unbeschadet medienpolitischen Wandels auf beiden Seiten eine relativ homogene Periode dar. Ferner werden die drei Sender nicht in einem Längsschnitt über die Jahre ihrer Tätigkeit hinweg untersucht, sondern durch querschnittartige Momentaufnahmen in ihrem Verhalten zu bestimmten Ereignissen beobachtet. Die Geschichte der Anstalten findet lediglich als Vorgeschichte dieses jeweiligen Verhaltens Berücksichtigung. Die drei Sender stehen also nicht im Zentrum einer umfassenden Darstellung des Konfliktverlaufs, sondern sollen als Fallbeispiele die vorangegangene Schilderung der Konfliktmethoden illustrieren.

Aus der angesprochenen Homogenität dieser Jahre 1945 bis 1970 als einer Epoche der deutschen Rundfunkgeschichte leitet sich schließlich die Vorgehensweise des ersten Abschnitts her, die graduellen informationspolitischen Kursänderungen insbesondere der DDR lediglich am Rande zu behandeln. Der gebotenen Kürze wegen beleuchtet die Darstellung vielmehr das grundsätzliche Verhalten beider Seiten. Mehrfach greift sie dabei auf Indizien und Zeugnisse aus späterer Zeit zurück, soweit diese geeignet sind, die Zeit des Kalten Krieges weiter zu erhellen. Dies gilt im Falle der Bemühungen bundesdeutscher Parteien um Einfluß in den Rundfunkanstalten, aber auch im Falle der Medienkontrolle durch die SED. Auch die Darstellung der DLF-Programme während der sechziger Jahre gewinnt im Einzelfall durch die Gegenüberstellung mit späterem Verhalten an Deutlichkeit.

In der Frage medialer Wirkungen richtet sich der Blick überwiegend auf das Publikum in der DDR. Es wird sich zeigen, daß der DS und andere Sender des Ostens zu keiner Zeit die Möglichkeit hatten, an der öffentlichen Meinungsbildung in der BRD in nennenswertem Maße mitzuwirken, gar Marksteine in der politischen Landschaft zu setzen. Umgekehrt hingegen entwickelte sich gerade der RIAS nach kurzen, technisch bedingten Anlaufschwierigkeiten zum meistgehörten Sender zwischen Elbe und Oder.

Die Medienpolitik der DDR geriet bereits in den frühen fünfziger Jahren in die Defensive: es ging nicht mehr darum, mit den westlichen Sendern um die Gunst aller deutschen Hörer zu wetteifern - es ging nurmehr darum, den Einfluß bundesdeutscher Stationen auf die eigene Bevölkerung einzudämmen.

Zu Quellen und Literatur

Bei der Behandlung der Fallbeispiele liegt der Schwerpunkt auf einer Beobachtung der Rundfunkkommentare, wobei die Sende- und Montagebänder allerdings im allgemeinen unberücksichtigt bleiben mußten. Die einschlägigen Manuskripte, Programmfahrpläne und sonstigen Archivalien des RIAS lagern im Form von Mikrofilmen im RIAS-Depositum des Deutschen Rundfunkarchivs (DRA) Berlin.24 In erster Linie von Interesse sind die Reihen Werktag der Zone und Berlin spricht zur Zone, daneben unter anderem die Informationen aus der sowjetischen Besatzungszone. Berücksichtigt sind Sendungen zwischen dem 28. Mai 1953 mit der Normenverordnung des Ministerrates und dem 4. Juli mit dem Ende der RIAS-Reihen zum Juniaufstand. Ergänzende Hinweise liefern ein Tätigkeitsbericht, den die zuständige Hauptabteilung Politik des Senders veröffentlichte25, sowie ein internes Papier vermutlich amerikanischer Behörden aus dem Vorfrühling 195326. Weitere Einblicke, auch in die DDR-Presse, bietet eine Dokumentation des Bonner Gesamtdeutschen Ministeriums27. Aussagen der Beteiligten vermögen die Hintergründe zu erhellen28. Hinsichtlich der Rahmenereignisse im Juni 1953 greift die Darstellung neben dem Standardwerk von Arnulf Baring u.a. auf einen Beitrag Hermann Webers im Hessischen Rundfunk zurück29. Quellen und Details zur vierzigjährigen RIAS- Geschichte enthalten eine Berliner Magisterarbeit und ein Band aus der Feder des langjährigen Programmdirektors Herbert Kundler30.

Die Sendemanuskripte und übrigen Archivalien des Deutschlandsenders lagern im Bestand Hörfunk des DRA Berlin31 ; neben den eigentlichen Manuskripten sind zumeist auch die Freigabescheine erhalten. Berücksichtigt ist der Bestand der Monate August und September 1957. Nach Angaben der Archivarin Dr. Ingrid Pietrzynski sind Unterlagen zum abendlichen Sonderprogramm des Deutschlandsenders zu den Bundestagwahlen verlorengegangen, das vom 1. bis 14. September über eine Mittelwellenfrequenz ausgestrahlt wurde32. Erhalten sind hingegen Manuskripte von Sendereihen wie Betrachtung zum Sonntag, Hochschulfunk, Literarische Umschau, Argument des DS, Wort zum Sonntag und Militärpolitischer Kommentar. Auch Unterhaltungssendungen wie das Mitternachtsmagazin befaßten sich zeitweise mit der Bundestagswahl. Vorwiegend stützt sich die Untersuchung jedoch auf die allabendlichen Kommentare des DS, die zwischen den ausführlichen Nachrichten um 19.30 Uhr und dem Beginn des Hauptabendprogramms über den Sender gingen und ihr Augenmerk immer wieder den anstehenden Wahlen zuwandten. Unstimmigkeiten ergaben sich hier vielfach hinsichtlich der Kommentartitel; im allgemeinen verwendet diese Arbeit die auf den Freigabescheinen angegebenen Überschriften. Auch die Bezeichnung der Kommentarreihe selbst ist nicht einheitlich: Während die offizielle Programmzeitschrift Unser Rundfunk durchweg den Tageskommentar ankündigt, sind die Kommentare in den Sendeunterlagen in unregelmäßigem Wechsel mit Kommentar zum Tage, Kommentar DS, Kommentar des Deutschlandsenders oder Kommentar des DS überschrieben. Die Darstellung übernimmt den am häufigsten erscheinenden, letztgenannten Titel. Die Vorgaben für die Generallinie des Senders spiegeln die Papiere des Staatlichen Rundfunkkomitees wider33. Die Literatur hat sich dem DS bislang kaum gewidmet; übersehen hat der Berichterstatter der Bundestags-Enquête34 allerdings die Arbeit des heutigen DLF-Politikredakteurs Marcus Heumann35.

Vielerorts weisen die Manuskripte beider Sender handschriftliche Korrekturen auf. Die genaueren Begleitumstände sind heute nicht mehr zu rekonstruieren - ob Streichungen im Einzelfall bereits vor der Aufnahme angebracht wurden, wenn etwa dem Autor manche Passage im letzten Moment inhaltlich zu gewagt erschien, oder ob sie Stücke markieren, die aus Zeitgründen vor der Sendung aus den fertigen Bändern herausgeschnitten wurden. In vielen Fällen ist die erstere Möglichkeit wahrscheinlich. Die Arbeit berücksichtigt gestrichene Passagen, betrachtet sie jedoch grundsätzlich als "nicht gesendet". Im Falle des RIAS ergab die Gegenüberstellung dieser Manuskriptpassagen mit dem Tätigkeitsbericht im Einzelfall manche Unstimmigkeit. Doch zeigten sich beim stichprobenartigen Vergleich des Berichtes mit den auf Montagebändern des RIAS im Deutschlandradio-Archiv erhaltenen Kommentaren gleichfalls Abweichungen36. Als "gesendet" betrachtet diese Arbeit daher den Inhalt der Manuskripte; Abweichungen zum Tätigkeitsbericht in zitierten Passagen sind vermerkt.

Die Kommentare und Informationssendungen des DLF zum Prager August 1968 sind in einer umfangreichen Edition vom Sender selbst veröffentlicht worden37 - vermutlich sollte sie medienpolitischen Akteuren als Entscheidungshilfe dienen. Neben Kommentaren enthält der Band zahlreiche Korrespondentenberichte, die neben kommentierenden Elementen vorwiegend solche der Tatsachenschilderung enthalten. Im Vordergrund der Untersuchung stehen der Vergleichbarkeit wegen aber die eigentlichen Kommentare; ergänzend werden Korrespondentenberichte und -interviews herangezogen. Eingehend beleuchtet hat die Geschichte der Institution DLF der heutige Zeitfunkredakteur des Senders Frank Capellan38 ; daneben geben die Jahrbücher und Jahresberichte über das Selbstverständnis der Station Auskunft. Das Verhalten des DDR-Rundfunks in den Augusttagen erhellen die Monitorberichte des RIAS39. Aufschlußreich sind auch rückblickende Einschätzungen beteiligter Journalisten in einer nächtlichen Rundfunksendung vom April 199840.

Die Mediengeschichte der DDR gehört zwar nicht zu den ausgesprochenen Forschungsdesideraten, sie ist dennoch aus Sicht der neunziger Jahre erst lückenhaft erhellt.41 Der einleitende Abschnitt zum sozialistischen Journalismus stützt sich vor allem auf eine Reihe von Schriften aus dem Bereich der DDR-Journalistikwissenschaft, auf Lehrmaterialien und das grundlegende Nachschlagewerk der federführenden Sektion Journalistik an der Karl-Marx-Universität (KMU) Leipzig42. Daneben behandelten Medienzeitschriften wie die Theorie und Praxis des sozialistischen Journalismus der KMU und die Neue Deutsche Presse etliche Male den "Rundfunk als ideologisches Kampfinstrument der Arbeiter- und Bauernmacht"43. Auch der langjährige Chefkommentator Karl-Eduard von Schnitzler und viele seiner Kollegen haben sich in Texten und Sendungen mehrfach zu Fragen des journalistischen Berufsverständnisses geäußert. Bei der Behandlung des Verhältnisses zwischen Journalist und politischer Lenkung greift die Arbeit in erster Linie auf Aussagen früherer Beteiligter aus den Jahren nach 1989 zurück.

Das schwierige Verhältnis zwischen politischen Parteien und öffentlich-rechtlichem Rundfunk in der BRD behandelt ein Aufsatz am Beispiel des Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR).44 Westliche Journalisten haben das Verhältnis zwischen Funkmedien und Politik immer wieder untersucht. Aus dem Umfeld des NWDR stammen Vorschläge von Erziehungswissenschaftlern zur Lösung der Probleme, die als Ansprüche an demokratisch-pluralistische Medienpolitik noch heute Legitimität besitzen.45

Dankenswerterweise haben mich viele Personen und Institutionen engagiert unterstützt, zunächst die Mitarbeiter der Abteilungen Historisches Archiv, RIAS-Depositum, Schallarchiv Wort und Fernseharchiv im DRA Berlin sowie des Pressearchivs im Entscheidungsmechanismen im SED-Staat und die Frage der Verantwortung, 4. Hlbbd., Frankfurt/M. 1995, S. 2287-2326 (künftig: "Rundfunk als Herrschaftsinstrument"), hier: S. 2287 f. - Lange Zeit galt im Westen als Standardwerk Gerhard Walther, Der Rundfunk in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands, Bonn - Berlin [W.] 1961 (Bonner Berichte aus Mittel- und Ostdeutschland). Später steuerte die heutige Leiterin des Deutschen Rundfunk-Museums eine Arbeit bei: Heide Riedel, Hörfunk und Fernsehen in der DDR. Funktion, Struktur und Programm des Rundfunks in der DDR, Köln 1977 (Reihe Kommunikation) (künftig: "Hörfunk und Fernsehen"). Aus den neunziger Jahren schließlich stammt der ausführliche Sammelband: Heide Riedel (Hg.), Mit uns zieht die neue Zeit... 40 Jahre DDR-Medien. Eine Ausstellung des Deutschen Rundfunk- Museums, 25. August 1993 bis 31. Januar 1994, Berlin o.J.[1993]. Der Band ist künftig zitiert: "Neue Zeit". Im Mai 1996 strahlte das Deutschlandradio eine Sendereihe zum Thema aus, sie ist dokumentiert bei Willi Steul (Hg.), Genosse Journalist. Eine Sendereihe im DeutschlandRadio Berlin, Mainz 1996 (Edition DeutschlandRadio); dort kamen zahlreiche Zeitzeugen zu Wort.

Berliner Deutschlandradio, das mir auch die Nutzung der RIAS-Archivalien ermöglichte. DLF-Redakteur Marcus Heumann stellte mir ein Exemplar seiner Magisterarbeit zur Verfügung. Hilfreiche Anregungen und Hinweise gaben mir der Programmdirektor des Deutschlandfunks Dr. Günter Müchler und Joseph Hoppe von der Abteilung für Nachrichtentechnik, Radio und Fernsehen im Deutschen Technikmuseum Berlin, der mir auch ein Manuskript seines demnächst erscheinenden Aufsatzes46 überließ.

I. Der sozialistische Journalismus der DDR als Gegenmodell zum westlichen Informationsjournalismus

Es war im Jahre 1920, als Wladimir Iljitsch Lenin die Wissenschaftler des radiotechnischen Instituts in Nishni-Nowgorod bei ihren Experimenten beobachtete. Der Kopf der Bolschewiki zeigte sich beeindruckt: an die Seite der gedruckten Massenmedien würde bald ein neues, bahnbrechendes Kommunikationssystem treten.47 Das Wohlwollen des Parteichefs war keineswegs der Technikbegeisterung geschuldet. Probleme der Massenkommunikation hatten in seinem Denken früh Bedeutung erlangt. Die Informationspolitik, wie sie nach dem Sieg der Bolschewiki in Rußland und zu späterer Zeit im gesamten Ostblock betrieben wurde, sollte mit dem westlichen Verständnis von Massenmedien und Meinungsbildung radikal brechen.

In der Bundesrepublik galten freie Massenmedien nach den Worten der Verfassungsjustiz als ein "Wesenselement des freiheitlichen Staates", als Elixir der politischen Diskussion und Artikulationsorgan der öffentlichen Meinung. In der repräsentativen Demokratie, so hieß es weiter, agierten die Massenmedien als "ständiges Verbindungs- und Kontrollorgan zwischen dem Volk und seinen gewählten Vertretern in Parlament und Regierung".48 Seit 1945 suchten sich auch die westdeutschen Journalisten am angelsächsischen "Liberalismus-Modell" zu orientieren: Nach dessen Vorgaben unterlagen die Massenmedien keiner Vorzensur und keiner Behinderung im internationalen Informationsaustausch; zulässig waren auch Angriffe auf Regierung, Staat oder Parteien, Publikation und Vertrieb medialer Erzeugnisse blieben unbeschränkt.49

Als Kernaufgaben und -ziele derartiger Medien hat J.H. Altschull das "Streben nach Wahrheit" und das "Informieren (erziehen) auf nicht-politische (überparteiliche) Weise" formuliert; soziale Verantwortung wahrzunehmen bedeute für die Medien, "der Bevölkerung unparteilich [zu] dienen". "Frei ist eine Presse, die keiner Macht dienstbar ist und die durch die Macht nicht manipuliert werden kann." Als "Kontrolleur (Wachhund) der Regierung" sah sie sich allerdings auf die "Unterstützung der kapitalistischen Doktrin" verpfichtet.50 Bis in die sechziger Jahre hinein dominierte auch in der BRD das Ideal des "Informationsjournalismus": Als "neutral-passiv[er]" "Vermittler" oblag dem Journalisten, über Vorgänge "objektiv" zu informieren.51

Allerdings: Über Jahrzehnte hinweg sahen sich die bundesdeutschen Rundfunkjournalisten täglich mit einem Gegenmodell konfrontiert: dem auf der Leninschen Grundlage entwickelten "sozialistischen Journalismus" der DDR.

1. Massenmedien und Bewußtseinsbildung im Sozialismus

a) Das Profil der Massenmedien und ihre zentralen Aufgaben

Ergänzend zur Lehre der "Partei neuen Typs" hatte Lenin 1901 in der Zeitschrift Iskra die Theorie einer Presse entwickelt, die sich in den Dienst dieser Partei zu stellen habe: die Idee der "Presse neuen Typs" war geboren.52 Vordringliche Aufgabe der revolutionären Partei sei es, so Lenin, eine eigene Zeitung herauszugeben und ihren Vertrieb im gesamten Rußland sicherzustellen. Sozialdemokratisches Bewußtsein müsse dem Arbeiter von außen nahegebracht werden; von sich aus könne er es schließlich gar nicht entwickeln. Zugleich falle dem Organ die Aufgabe zu, die versprengten sozialdemokratischen Gruppen im Land zu einer schlagkräftigen Bewegung zusammenzuführen.

Diese Ideen waren im nachrevolutionären Rußland konsequent umgesetzt worden. Lenin selbst formulierte nach 1917 die Aufgabe, "die Presse aus einem Organ, das vorwiegend politische Tagesneuigkeiten meldet, zu einem ernsten Organ ökonomischer Erziehung der Volksmassen zu machen".53 Die Vorgaben der KPdSU prägten das Presse- und Rundfunkwesen bis ins Detail. Es entstand jenes Modell, an dem sich auch die junge DDR von Beginn an orientierte.54 Die sozialistische Presse, so hieß es, könne sich "nur in untrennbarer Einheit mit der marxistisch-leninistischen Arbeiterpartei"55 entwickeln. Medienwissenschaftler bezeichneten die Presse neuen Typs als das wichtigste Mittel der Führung"56. Dies hatte Folgen auch für das Rundfunks.57

So wurde das Radio "nach Zielsetzung und Wirkung eine politische Institution"58, nach den Worten Erich Honeckers wie die anderen Massenmedien eine "Tribüne der sozialistischen Demokratie"59 mit der Aufgabe, aktiv an der gesellschaftlichen Entwicklung mitzuwirken - freilich "nicht als eine selbständige, unabhängige Größe"60, sondern indem es die Macht der Partei stärkte61. Als sozialistisches Massenkommunikationsmittel hatte der Rundfunk konsequent auf marxistisch- leninistischer Grundlage zu arbeiten.62 Bald als Medium des Dialogs zwischen Parteiführung und -basis, zwischen Partei und Bevölkerung63, bald als "Tribüne des Erfahrungsaustausches der Bürger"64, bald mehr im einseitigen Sinne als ein Mittel der Erziehung65 angesehen, sollte das Radio beim Hörer nicht zuletzt eine eigene DDR- Identität schaffen. "Einbezogen in Atmosphäre und Geist des Parteitages" der KPdSU66 oder auch der SED sollten die Hörer, sollte die Arbeiterklasse insgesamt von einem Objekt "zum Subjekt der Politik"67 werden. Gerade die Nachrichten und politischen Informationssendungen hatten jenes Ziel anzusteuern: das Publikum zu befähigen, "die gesellschaftlichen Entwicklungsprozesse in der DDR mit dem Blick auf [...] Gesetzmäßigkeiten und Verlauf der weltweiten Klassenauseinandersetzung zwischen Sozialismus und Imperialismus zu verstehen und zu meistern"68.

Die Funktion der Aufklärung und Erziehung fand besonders in den Beschlüssen des SED-Politbüros ihren Niederschlag69, bald aber auch in denen des Verbandes der Deutschen Presse (VDP), der bedeutendsten Journalistenorgansiation der DDR. Ein Beschluß des VDP-Zentralvorstandes vom 25. Juni 1958 zitierte die von jeher zentralen Aufgaben sozialistischer Massenmedien: Agitation, Propaganda und Organisation.70

Auch hier folgte die DDR dem sowjetischen Vorbild. Im Sinne Lenins bezeichnete Propaganda die Aufklärung über Hintergründe gesellschaftlicher Zustände, womit man sich in erster Linie an die engeren Zirkel der sozialistischen Bewegung wandte. Neben der marxistisch-leninistischen Lehre waren Lagebeurteilung, Strategie und Taktik der Partei Gegenstand der Erläuterung - nach dem Verständnis späterer Jahrzehnte umfaßte Propaganda allerdings auch "Erziehung der Werktätigen zu sozialistischem Patriotismus und proletarischem Internationalismus"71.

Agitation bedeutete den Schritt an die Öffentlichkeit der "breiten Massen", indem diese anhand besonders plakativer Darstellungen zu bestimmten, von der revolutionären Partei gewollten Handlungen und Denkweisen angeregt werden sollten. Ihre Aufgabe war es, "aufzurütteln"72, die Emotionen anzusprechen. Im Vergleich zur Propaganda war die Agitation eher auf kurzfristige Wirkung angelegt und suchte ihre Anknüpfungspunkte in den aktuellen Ereignissen des Tages. Entsprechend hatte Lenin festgestellt, daß sich Propaganda zweckmäßigerweise des geschriebenen, Agitation hingegen des gesprochenen Wortes bediene. Die sozialistische Informationspolitik erkannte bald die spezifische Eignung von Druck- und Funkmedien für die eine oder andere Form der Beeinflussung; offensichtlich entfaltete die Propaganda die größte Wirkung in gedruckten Medien, Agitation im audiovisuellen Bereich, der Rundfunk mochte eine Mittelstellung einnehmen.73 Allerdings war die theoretische Abgrenzung der Begriffe für die journalistische Praxis von nachrangiger Bedeutung74 - maßgebend blieb das übergeordnete Ziel: die "massenweise Herausbildung sozialistischer Persönlichkeiten"75, wobei die Konfrontation mit dem Gegner im Westen niemals aus dem Blick geraten durfte.76

Der dritte Kernbegriff journalistischer Aufgabenstellung, derjenige der Organisation, ging insoweit über Agitation und Propaganda hinaus, als er beim Rezipienten neben der Prägung des Bewußtseins auch eine Änderung des Verhaltens bezweckte. Erst damit, so die Medienwissenschaftler der KMU Leipzig, komme der sozialistische Journalismus seiner Bestimmung nach.77 Ähnliche Töne schlug der Vorsitzende des Staatlichen Komitees für Rundfunk (SKR) Achim Becker an, wenn er dem Radio zur Aufgabe machte, "die Welt im Sinne von Karl Marx nicht nur zu interpretieren, sondern zu verändern"78.

Beachtung verdient der Hinweis, daß sich in dieser Theorie ein "Avantgardeverständnis"79 niederschlägt: den damit verbundenen Befund des Journalismus als eines erziehenden Faktors bestätigen viele Zeugnisse. 1950 war das Radio nach den Worten des Generalintendanten Hans Mahle "operativer Helfer, Freund und Berater aller Werktätigen"80. 1959 erklärte das Politbüro in einem Beschluß, die Lösung der wirtschaftlichen Aufgaben verlange "Erziehung und Selbsterziehung der Menschen zu bewußten Sozialisten", dabei hätten die Massenmedien "die gesamte Bevölkerung der DDR für die humanistischen Ideen des Sozialismus zu begeistern"81. Für das Publikumsecho des Rundfunks allerdings zog dieses Avantgardeverständnis negative Folgen nach sich.

Die speziellen Aufgaben des Hörfunks im Sozialismus leiteten sich unmittelbar aus den allgemeinen Funktionen der Massenmedien ab, wie sie der Sekretär des ZK für Agitation Werner Lamberz 1968 vor dem VDJ-Zentralvorstand umriß: Information, Bildung, Erziehung und Unterhaltung82. Mit den Worten Hans Hüttls hieß das auf das Radio übertragen: Orientierung, Bildung, Unterhaltung und Dienstleistung. Wies Hüttl dem Rundfunk die Aufgabe zu, marxistisch-leninistisches Grundwissen zu vermitteln, daneben die Fähigkeit, "sich selbst neue Erkenntnisse anzueignen", ferner Bedürfnisse nach kultureller und geistiger Aktivität zu befriedigen und die Bereitschaft zum gesellschaftlichen Engagement zu wecken, so finden sich auch darin die drei Elemente der leninistischen Medientheorie, in besonderem Maße Propaganda und Organisation.83

Die Agitationsfunktion zu betonen, mag in Anbetracht der überlegenen "Live-Potenz"84 des Radios kaum vonnöten gewesen sein.

b) Das begründende Denkgebäude: Bedürfnisse des Einzelnen und der Gesellschaft

"Sie gehen von einer falschen Voraussetzung aus", sagte Schafheutlin nach einer Weile in trockenem Ton, dabei froh, weil sie wartete, "nämlich, daß irgend jemandem sein Leben gehört wie ein Besitz, über den er beliebig verfügen kann. Sie existieren nicht für sich allein, sondern in einer Gesellschaft... für eine Gesellschaft, dürfen wir sagen, heute, seit wir uns einen Staat geschaffen haben, in dem es möglich, ja erforderlich ist, die persönlichen Interessen mit den gesellschaftlichen in Übereinstimmung zu bringen." "Gewiß", murmelte Franziska.

Aus dem Roman Franziska Linkerhand von Brigitte Reimann (1973)85

Daß die sozialistische Idee einer politischen Rolle der Massenmedien von westlichen Vorstellungen weit entfernt war, erklärt sich unmittelbar aus den Hintergründen dieser Idee. Im Jahre 1959 entwarf das Politbüro der SED ein apokalyptisch anmutendes Bild: Es stellte den Sieg des Sozialismus in Aussicht und führte als Zeichen "die vom sozialistischer Wissenschaft und Technik geschaffenen künstlichen Himmelskörper" an - "durch ihr Erscheinen am Firmament" sei dies "Millionen und Abermillionen von Menschen bewußt geworden"86 ; und die Medienwissenschaft mochte sich dadurch in ihrer Lehre bestärkt fühlen. Aus der Erwartung eines gesetzmäßigen Übergangs zum Sozialismus heraus hatte sie eine Theorie gesellschaftlicher und individueller Bedürfnisse der Information entwickelt; daraus wiederum resultierten besondere Auffassungen von Objektivität und Bewußtseinsentwicklung.

Für die Epoche des Übergangs zum Sozialismus definierten die Wissenschaftler objektiv gegebene Bedürfnisse der Gesellschaft als einer Gesamtheit; sie bestritten jedoch nicht, daß auch dem einzelnen Gesellschaftsmitglied individuelle Bedürfnisse innewohnten. Erforderlich war nun, Interessen und Bedürfnisse des Einzelnen mit denen der Gesellschaft zur Deckung zu bringen, denn: "Ein gesellschaftliches Bedürfnis bleibt fruchtlos, wenn sich ihm die einzelnen Menschen nicht anschließen. Ein individuelles Bedürfnis bleibt schädlich, wenn es die gesellschaftliche Entwicklung beeinträchtigt."87 Der Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Rödel hob ein wichtiges Element der Theorie hervor, indem er betonte, die Interessen des Einzelnen seien im Grunde deckungsgleich mit denjenigen der Gesellschaft - der Einzelne müsse dies nur erkennen88 und seine subjektiven Interessen entsprechend dieser Erkenntnis modifizieren.

Diesen Erkenntnis- und Modifikationsprozeß zu beschleunigen, war Aufgabe der Massenmedien, damit auch des Radios. Wichtig dabei war, daß die Kommunikationsforschung die subjektiven Interessen des Einzelnen als labil und veränderlich ansah - und damit als lenkbar.89 Alles lief somit auf eine Umgestaltung der "Informationsbedürfnisse"90 beim Hörer hinaus, unter Experten "sozialistische Bewußtseinsentwicklung"91 genannt. ZK-Sekretär Albert Norden verbuchte 1964 beachtliche Erfolge darin und regte an, unvermindert "zur kritischen Mitarbeit aller Bürger [zu] ermuntern, indem wir die öffentliche Kontrolle organisieren und die Richtigkeit der Parteibeschlüsse an den Erfolgen des sozialistischen Aufbaus beweisen, d.h. wir ringen um das bewußte Vertrauen"92.

Solche Vorstellungen wie auch die Beschreibung der Organisationsfunktion als Einwirkung "auf die kollektive praktische Tätigkeit von Menschengruppen (der Klasse)"93 lassen deutlich hervortreten, daß die DDR-Kommunikationswissenschaft der fünfziger und sechziger Jahre die Rundfunkhörer als ein Kollektiv betrachtete - mochte dessen Formierung im Wege der Bewußtseinsbildung auch ein längerer Prozeß sein. Damit korrespondiert im übrigen der Hinweis des einstigen Kommentators Heinz Grote: "Nicht der einzelne Journalist war der kollektive Organisator, sondern die journalistischen Medien."94 Auf der Sende- wie auf der Empfangsseite trat der Einzelne zurück und wurde Mitglied einer klassenspezifisch strukturierten95 Gruppe.

Aus den beschriebenen Auffassungen resultierte zum einen eine besondere Vorstellung von Objektivität und Aktualität, zum anderen die strikte Ablehnung westlicher Vorstellungen vom Pluralismus der Meinungen. Eine kategorische Absage erteilte Rundfunk-Chefkommentator Karl-Eduard von Schnitzler dem Ansinnen, sich unter Nutzung verschiedenster Quellen die eigene Meinung zu bilden: "Es gibt nur eine objektive Wahrheit, und diese Wahrheit ist erkennbar. Sie kann nur von einem vertreten werden, nämlich von dem, der den Frieden will und die Wohlfahrt des Menschen"96. Die westliche Forderung nach Ausgewogenheit medialer Inhalte galt als "Heuchelei", denn die dahinterstehenden Werte und Normen erfaßten weder die Bedingungen der Kommunikation noch die Erfordernisse einer geschichtlichen Situation.97 Entsprechend äußerte sich Gerhard Piskol, für den das Postulat vom Meinungspluralismus auf einer "Leugnung der objektiven Gesetze der gesellschaftlichen Entwicklung sowie deren Erkennbarkeit" beruhte. In der sozialistischen Gesellschaft hätten solche Forderungen "weder materielle noch gnoseologische Grundlagen"98.

Daraus entwickelte sich ein spezifisches Verständnis von Objektivität: Erklärte die sozialistische Publizistikwissenschaft eine auf dem "wissenschaftlichen" Marxismus- Leninismus fußende Erkenntnis für "objektiv", so war auch die daraus folgende Information objektiv, und damit die daraus hervorgehende - parteiliche - Nachricht.99 Erst im Sozialismus, so der Pädagoge Karl-Ernst Plagemann, könnten die Massenmedien zu "Mitteln wirklich freier Meinungsbildung der Werktätigen werden"100. Dabei blieb der Rundfunk Mitarbeiter der Partei101 ; und eine interne Lehrschrift der federführenden Leipziger Fakultät für Journalistik schließt in seltener Deutlichkeit: "Die Wirkweise sozialistischer Massenkommunikation ist also durchaus mit einem pädagogischen Prozeß vergleichbar: Es geht um Einflußnahme auf Individuen und Gruppen zum Zwecke ihrer gesellschaftlichen Normierung"102.

Legitimieren ließ sich solche Normierung ohne weiteres aus der bekannten Festellung, wer für das Recht kämpfe, habe immer recht.103 Durch "Lösung innerer Widersprüche"104 galt es das sozialistische Bewußtsein heranzubilden. Diese Bewußtseinsbildung betraf die gesamte innere Einstellung der Adressaten105 - zielte also auf eine vollständige Prägung der Persönlichkeit in Denken und Handeln106.107

2. "Jeder Journalist ein Kämpfer für den Sozialismus" - ein Berufsstand im Blickfeld der Politik

Die Kommunikationspolitik in der DDR unterlag im Verlauf der fünfziger und sechziger Jahre in mancher Einzelfrage graduellem Wandel. Dennoch: "Keine noch so populäre Maßnahme führt im Selbstlauf [...] zu höherem sozialistischem Bewußtsein. Dazu bedarf es in jedem Fall kluger ideologischer Arbeit, wobei den Journalisten ein bedeutender Teil der Aufgabe zufällt"108 - Werner Lamberz' Feststellung aus dem Jahre 1972 zeigt, daß die grundsätzlichen Maximen über die Jahrzehnte hinweg unverändert galten. Mochte der ZK-Sekretär den Enthusiasmus und die Rhetorik der fünfziger Jahre vermeiden, für die der Journalist "mit seiner ganzen Persönlichkeit dafür eintritt, die Beschlüsse der Partei und Regierung in der Redaktionsarbeit, in seinem Auftreten vor der Bevölkerung, in seiner gesellschaftlichen Arbeit und in seinem persönlichen Leben durchzusetzen"109 - Lamberz formulierte lediglich nüchterner die Vorgabe, daß der Journalist "die Beschlüsse der Partei [...] zum lebendigen Inhalt unserer Republik machen"110 sollte. "Er gestaltet sein Leben nach den Grundsätzen der sozialistischen Moral und Ethik"111, hieß es im übrigen noch 1973. Der führende Leipziger Publizistikwissenschaftler Hermann Budzislawski hatte im Jahre 1952 die Journalistik als einen Zweig der Literatur bezeichnet, der die aktuellen politischen Ereignisse erschließe112 ; entsprechend forderte er einige Jahre später von den Journalisten, gleich den Künstlern "ihre Arbeit nicht als Broterwerb auf[zu]fassen, sondern als Dienst am Volk"113. Unter diesen Umständen fiel der Journalistenausbildung ein besonderer Rang zu.114

a) Universität Leipzig: Ausbildung in einer "kämpfenden politischen Einheit"

Zum Zentrum der Forschung und Lehre wurde früh der publizistische Fachbereich der Leipziger Karl-Marx-Universität. Aus dem 1948 eingerichteten Nebenfach "Publizistik" war im Jahre 1950 das "Institut für Publizistik und Zeitungswissenschaften" und schließlich 1954 die "Fakultät für Journalistik" hervorgegangen, die alsbald die Schulung in Präsenz- und Fernstudium an sich zog.115 Mit dieser Zentralisierung und Normierung der Lehre hoffte man nachhaltig jener "mangelnde[n] ideologische[n] Klarheit mancher Mitarbeiter"116 zu begegnen, die Rundfunk-Generalintendant Hans Mahle noch im Jahre 1950 moniert hatte. Bis ins Detail war das Curriculum geprägt von Aufgaben, wie sie die Ost-Berliner Kommunikationspolitik dem Journalismus stellte; sei dies die "Vermittlung des richtigen, des marxistisch-leninistischen Weltbildes", sei es das Vorhaben, "jeden einzelnen Menschen von der Richtigkeit unserer Politik zu überzeugen" und ihn zum Handeln anzuregen, sei es die Vorgabe: "Unsere Presse hilft, den Umgestaltungsprozeß zu organisieren und greift dabei im einzelnen operativ ein."117

Das "rote Kloster" - wie die Studenten Ihre Fakultät selbstironisch nannten118 - veranstaltete dazu Vorlesungen, Seminare, Übungen, dazu diverse Versammlungen und Diskussionsforen, bis hin zu regelmäßigen Argumentationsübungen zu Tagesereignissen119 - schließlich vor allem Praktika,120 denn anders als manch westlicher Publizistik-Studiengang gestaltete sich das Leipziger Studium in hohem Maße praxisnah121. Das betraf gerade die Zuweisung von Diplomarbeitsthemen122 - natürlich bedeutete dies Nähe zur Praxis des sozialistischen Journalismus. Die Leipziger Fakultät vermittelte also einerseits umfassende handwerkliche Fähigkeiten, zeigte andererseits ein klares politisches Profil. Dies schlug sich noch in den Lehrmaterialien nieder, etwa wenn unterschiedliche Formulierungsmöglichkeiten von Rundfunkmeldungen allesamt eine Tagung der Volkskammer zum Inhalt hatten, während kontrastierend angeführte Meldungen des westlichen Journalismus durchweg Themen wie Rechtsextremismus, soziale Konflikte oder die staatliche Unterstützung von Großunternehmen behandelten.123 Der Journalist, so Budzislawski, müsse "als Parteifunktionär fühlen und entsprechend handeln"124. Gegen Ende der sechziger Jahre setzten Reformen des Studiums ein, doch dienten diese weniger einer Öffnung der Publizistik gegenüber Vorlieben der Nutzer als vielmehr einer strafferen Unterordnung unter das ZK.125 "Wir sind und bleiben aktive Mitgestalter unserer sozialistischen Entwicklung,"126 sollte VDJ-Chef Harri Czepuck noch 1977 feststellen.

b) Ansprüche an die journalistische Arbeit

Aus den Funktionen des sozialistischen Journalismus leiteten sich seine zentralen Prinzipien her: Neben "Wissenschaftlichkeit" und "Massenverbundenheit" zählte die Leipziger Lehre hierzu "Wahrheitstreue", "Parteilichkeit", sowie "revolutionäre Kritik und Selbstkritik".127 Die politische Berichterstattung sah sich darüber hinaus gehalten, "Agitation durch Tatsachen" zu betreiben.

Im Prinzip "Wissenschaftlichkeit" schlug sich der Umstand nieder, daß noch über der Forderung nach journalistischem Können diejenige nach der ideologischen Festigkeit rangierte. Wissenschaftlichkeit des Journalismus verlangte nach einer Bewußtmachung der Arbeitsbedingungen, zumal derjenigen sozialpsychologischer und -pädagogischer Natur128, nach Allgemein- und Spezialbildung, nach sprachlich-stilistischer Fertigkeit129 - vor allem aber nach fester Gründung des einzelnen Journalisten im als "wissenschaftlich" bezeichneten Marxismus-Leninismus.130 Aus Sicht der orthodoxen Medienwissenschaftler war dies durchaus folgerichtig, hing doch für sie das Tempo der gesellschaftlichen Umgestaltung davon ab, wie schnell sich die sozialistische Politik in der gesamten Bevölkerung Bahn brach.131 Die "Feder" der Journalisten "sei das scharfe Schwert, mit der sie der lichten Zukunft der Menschheit den Weg zu bahnen berufen sind."132 Einem aus diesem Blickwinkel nicht-wissenschaftlichen Berufsideal des Journalisten als eines unbeteiligten Chronisten galt über vier Jahrzehnte hinweg die Kampfansage.133

Im Zentrum politischer Berichterstattung stand der Nachrichtenjournalismus. Wie seinem westlichen Pendant134 oblag ihm zunächst, über ein bestimmtes Ereignis zu informieren, die Basis weiterführender Beiträge zu legen, zugleich aber auch, den Rezipienten in ein "aktives Verhältnis zu diesem Ereignis" zu versetzen, die Meinungsbildung bereits in diesem frühen Stadium zu steuern. Rundfunknachrichten sollten also "klassenmäßig-bestimmte neue Erkenntnisse"135 vermitteln - schon bevor der Hörer mit dem eigentlichen Kommentar konfrontiert wurde. Kennzeichen dieser Arbeit war die "Agitation durch Tatsachen".

Agitation durch Tatsachen bedeutete, "die konkreten Beispiele des Lebens für sich sprechen"136 zu lassen - eine bewußte Umsetzung des von der Leipziger Wissenschaft als grundlegend unterstellten Umstandes, daß einer jeden Information "Klassenwesen"137 innewohne, daß sie also in ihren Inhalten gesellschaftlich bestimmt sei: Von sich aus, ohne kommentierende Anmerkungen hatte die Nachricht darzustellen, welchen Grund ein Ereignis hatte, welche Motive die Akteure lenkten, ferner welche Bedeutungen und Folgen vom Ereignis ausgingen.138 Also waren bereits die darzustellenden Fakten "verantwortungsbewußt"139 auszuwählen - mit Blick auf den erwünschten Effekt beim Hörer. Der Funkjournalist sah sich insbesondere zur Verwendung von Originaltönen gehalten, von denen man sich große Wirkung im emotionalen Bereich versprach.140

Anders als sein westliches Gegenstück hatte der sozialistische Rundfunkjournalismus indessen mit einem spezifischen Problem zu kämpfen. Auch in der östlichen Hemisphäre legte der Hörer Wert auf Aktualität der Informationssendungen. Er sah sich allerdings mit dem besonderen Aktualitätsverständnis der sozialistischen Journalistikwissenschaft konfrontiert. Demnach resultierte Aktualität einer Nachricht nicht allein aus dem Ereignis als solchem. Fakten waren erst dann aktuell und damit einer Nachricht wert, wenn sie im Zusammenhang standen mit "Tatsachen,

Ereignisse[n] und Prozesse[n], die [...] Aktivitäten erforderlich machen, die also von journalistischen Medien [...] beeinflußt werden sollen"141. Um "günstigste Wirkungsbedingungen für einen schlagkräftigen, praxisbezogenen Journalismus"142 zu schaffen, galt weiter die genaue Planung der zu vermittelnden Inhalte als unverzichtbar143. Unschwer erkannte die Gegenseite die Schwächen derartiger Nachrichtenarbeit, die doch mit dem Klassengegner um die "Erstinformation und Erstargumentation"144 - die Schnelligkeit in der Übermittlung der Nachrichten und Sichtweisen145 - wetteiferte, im Falle überraschender Entwicklungen aber stets weisungsgebunden und damit schwerfällig blieb.146 Wenn die Leipziger Fakultät obendrein sogar für das Radio betonte, mehr noch als auf die Schnelligkeit der Informationsvermittlung sei auf die "inhaltliche (politische) Richtigkeit"147 eines journalistischen Beitrages zu achten, dann bedeutete dies gegenüber dem westlichen Gegner ein folgenschweres Handicap.

Die Inkaufnahme dieser Tatsache verdeutlicht, welch große Bedeutung dem Prinzip "Parteilichkeit" im Journalismus der DDR zukam: der "bewußten und offenen Parteinahme für die Interessen und Ziele der Arbeiterklasse und des gesellschaftlichen Fortschritts auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus"148: "Was teile ich wem, zu welchem Zweck, mit?"149 Auch im Selbstverständnis der ostdeutschen Journalistik bestand darin der entscheidende Unterschied zur westlichen Informationspolitik150 ; es lag dabei im Wesen der sozialistischen Medienwissenschaft, jeden Kompromiß abzulehnen.151 Journalismus hatte demzufolge nur die Wahl zwischen sozialistischer und bürgerlicher Parteilichkeit, wobei sich letztere als "Objektivismus"152 gebrandmarkt sah. Der "wissenschaftliche Parteilichkeitsbegriff" der Leipziger Lehre bezeichnete mit dem "Vertreten von Klasseninteressen im Denken und Handeln"153 zugleich die strikte Unterordnung unter die Partei154. Er wurde in Leipzig im übrigen nicht nur als Handlungsaufforderung verstanden; er galt zugleich als eine an der Beobachtung der täglichen Medienarbeit beweisbare Tatsache und als deren "wissenschaftliche Widerspiegelung".155

Von geringerer, gleichwohl großer Bedeutung war für den DDR-Journalismus das Prinzip der "Massenverbundenheit". Über das "vertrauensvolle Wechselgespräch mit den Massen"156 hinaus definierte sich dieses Prinzip nach der von Lenin entwickelten Bedeutung des russischen Begriffs massowost157: Der Journalismus sollte der Masse selbst entstammen, sie in seine redaktionelle Arbeit einbinden, damit ein Stück weit Bestandteil dieser Masse bleiben. In der DDR sah man gerade in der Lösung der Eigentumsfrage durch "Vergesellschaftung der Informationsorgane" den Weg, die politische Beteiligung des Volkes - des Subjekts der Politik - zu gewährleisten.158 Massenverbundenheit sollte sich niederschlagen in der Wahl der Themen wie in ihrer Darbietung; Massenverbundenheit der Medien wie des einzelnen Journalisten sollte die gesamte Bevölkerung für die Verwirklichung politischer Vorgaben gewinnen159 ; Massenverbundenheit schließlich bestimmte das ZK zum elementaren Ziel auch der journalistischen Ausbildung.160 Im strengen Sinne suchte man massowost zu verwirklichen, indem man unter Bezug auf einen Beschluß der KPdSU aus dem Jahre 1931 die Rekrutierung journalistischer Mitarbeiter unter den Bauern und Betriebsbelegschaften anregte.161 Es mag der zumeist dürftigen Qualität daraus entsprungener Beiträge geschuldet sein, daß diesen "Arbeiter- und Bauernkorrespondenten", den späteren "Volkskorrespondenten" oder gar ihren an die Redaktionen angeschlossenen Räten162 im Rundfunk der DDR niemals große Bedeutung zukam. Auf Massenverbundenheit im weiteren Sinne zielten auch Anregungen, die auf die besondere Rolle der Emotionen für die Bewußtseinsbildung hinwiesen163: Die Propaganda müsse bewirken, daß sich das "Denken" mit dem "Fühlen" zur "Begeisterung" vereinige164. Dem Journalismus machte ZK-Sekretär Lamberz zur Aufgabe, die Menschen mit "einem unbändigen Stolz zu erfüllen", zur "neuen, jungen sozialistischen Welt" zu gehören.165

Zu den beschriebenen Prinzipien des Journalismus gesellten sich seine besonderen "Eigenschaften": "Aktualität", "Operativität", "Publizität", "Periodizität und Kontinuität", "Universalität und Differenziertheit".166 Aktualität leitete sich im oben beschriebenen Sinne vom spezifischen sozialistischen Objektivitätsverständnis her; Operativität kennzeichnete den Journalismus als ein Instrument zur Leitung gesellschaftlicher Prozesse; Publizität seinen Charakter als "wahres Massenkommunikationsmittel"167. Periodizität und Kontinuität besagten, daß der Journalist kontinuierlich über bestimmte Fakten zu berichten, daß er darüber hinaus Prozesse darzustellen habe. Universalität und Differenziertheit schließlich verpflichteten ihn, eine breite Palette von Themen abzudecken und zugleich vielfältige Arten der Darbietung zu entwickeln.

Aus der politischen Funktion der sozialistischen Massenmedien resultierten schließlich besondere Ansprüche an die Programminhalte: "Was nützt dem Sozialismus, was festigt die DDR?"168 In den Zeiten der "sozialistische[n] Rekonstruktion der Volkswirtschaft" während der fünfziger und sechziger Jahre oblag es gerade dem politischen Journalismus, zu schildern, "wie die Besten arbeiten, wie und warum sie besondere Leistungen vollbringen"; die Darstellung sollte "zum Nacheifern [...] anleiten"169, dabei beharrlich auf Überreste "kleinbürgerlichen" Lebensstils hinweisen170. Die gesamtgesellschaftliche Umwälzung hatte im Mittelpunkt medialer Tätigkeit zu stehen, und mit ihr der neue Mensch, zu dem sich der Einzelne im Wege seiner "Entwicklung [...] vom Ich zum Wir" wandeln sollte171 - ein Mensch, "für den die Arbeit an der Gemeinschaft zum ersten Lebensbedürfnis wird"172.

"Das Große im Alltäglichen spürbar zu machen"173, dabei gegnerischen Auffassungen kein Podium zu bieten, eine breite Themenpalette abzudecken174 - solche Ansprüche an die journalistische Arbeit sahen sich bis weit in die sechziger Jahre hinein mit der strikten Forderung nach Parteilichkeit verbunden. Erst zum Ende des Jahrzehnts fand die umfassende Faktenwiedergabe in den Nachrichten unter Experten stärkere Beachtung.175

Doch nicht allein inhaltlichen Fragen wurde Aufmerksamkeit zugewandt. Aus der "marxistischen Psychologie" folgerte die Medienwissenschaft, "daß das politisch Richtige auch richtig gesagt werden müsse"176. Nach dem VII. Parteitag der SED 1967 maß sie den Fragen der eigentlichen medialen Darbietung größeres Gewicht bei als zuvor; zugleich erinnerte sie daran, daß sich die Rezipienten in ihren Wünschen unterschieden. Gerade ZK-Sekretär Werner Lamberz betonte ein ums andere Mal die Notwendigkeit, an diese "Anforderungen und Gewohnheiten"177 anzuknüpfen. An die Arbeit der Massenmedien seien durchaus pädagogische Maßstäbe anzulegen. Schon Lamberz' Vorgänger Albert Norden hatte gefordert, Unterhaltung und Bildung miteinander zu verbinden178 ; und die Unattraktivität vieler Nachrichtenbeiträge lag, von diesem Standpunkt aus betrachtet, keineswegs in ihren Gegenständen begründet: Nachrichten seien "so attraktiv zu gestalten, wie es die DDR selber längst ist"179.

Eine Ansicht brach sich Bahn, die mit der Agitation Denkanstöße - selbstverständlich in einer bestimmten Richtung - geben wollte, "anstatt die Inhalte in der fertigen Form vorzusetzen"180 oder gar ein geschöntes Bild der DDR-Wirklichkeit zu vermitteln. Zu sehr tendierten die Massenmedien zu letzterem; die Skripten der KMU lassen erkennen, daß man sich in Leipzig über die Folgen dieses Fehlers im klaren war181. Der Blick richtete sich dabei nicht allein auf die störenden Einflüsse aus dem Westen, sondern auch auf die Einsicht: "Jede übertrieben eintönige [...] Einflußnahme führt zur langanhaltenden Sättigung. Das ist ein Gesetz!"182 Erst recht verleite "einstellungskonträre Agitation [...] zum sogenannten Bummerangeffekt [sic]", also noch "zur Verstärkung der Opposition"183.

Es wird sich allerdings zeigen, daß derlei mahnende Stimmen zu keinem Zeitpunkt gebührende Beachtung fanden. ZK-Sekretär Norden selbst hatte zwar die Probleme erkannt, betonte jedoch, Agitation und Propaganda hätten "grundlegende Gedanken [...] oft über lange Zeit zu wiederholen, um sie durchzusetzen". Wenn Norden empfahl, um Übersättigung entgegenzuwirken, "immer neue Ausgangspunkte zu finden"184, so half dies den Journalisten kaum weiter - sie sahen sich weiterhin an die Vorgaben der Partei gebunden. Ungeachtet der Anregungen aus Leipzig hielt das ZK grundsätzlich an seinen eigenen "Kriterien für Argumentationswirksamkeit"185 fest: Vorrangig wünschte es die praxisbezogene Wiedergabe marxistisch-leninistischer Standpunkte auf der bekannten "wissenschaftlichen" Basis und mit Blick auf die "gesellschaftlichen Erfordernisse". Wiewohl im gleichen Atemzuge formuliert, mochte der Wunsch nach sprachlichen Qualitäten ins Hintertreffen geraten - in der Praxis wurde dies mancherorts zur Regel186.

Dabei fehlte es nicht an Kritik. An der Spitze stand oftmals der unorthodoxe Werner Lamberz selbst - in mehrfacher Hinsicht "Hoffnungsträger"187 einer ganzen Journalistengeneration -, der etwa 1968 vielsagend bemerkte, es gehe "insgesamt um ein höheres Niveau der journalistischen Vermittlung unserer Politik"188. In Detailfragen bemängelten Beobachter eine übermäßige Konzentration auf Themen der Ökonomie und Landwirtschaft, ein Verlagern der Tatsachenschilderung aus den Nachrichten hinaus in die Kommentare189 und die hohe "Allgemeinheit und Abstraktheit der Nachrichten"190. Sigrid Griebel, Parteisekretärin der Aktuellen Kamera, rief nach "mehr individuellen Handschriften der Journalisten"191. Auch Karl-Eduard von Schnitzler gehört rückblickend zu den Kritikern: "Was aktuell ist, wurde bestimmt. [...] Das konnte man schon nicht mehr hören, wenn man nicht mußte."192 Das ZK selbst beklagte gar "viele Erscheinungen der Massenfremdheit, der Verachtung konkreten Wissens, der Dünkelhaftigkeit, der Schablonenhaftigkeit und der Langeweile"193, doch es legte dabei seine besonderen Maßstäbe an und kam so zu eigenen, aus Sicht auch der wachen Beobachter in den eigenen Reihen kontraproduktiven Schlüssen.

3. Im Griff der Partei: Der gelenkte Rundfunk

a) Lenkungssystem und Pressefreiheit

Daß Wolfgang Rödel unter diesen Umständen von "eine[r] neue[n], wahrhaft freie[n] Presse"194 sprach, erklärte sich denn auch aus einer weiteren Besonderheit ostdeutscher Medienpolitik: der "sozialistischen Pressefreiheit". Unter ähnlichen Formulierungen wie im Bonner Grundgesetz garantierten die Verfassungen der DDR die Freiheit der Meinung und der Massenmedien.

Definiert war die sozialistische Pressefreiheit als die Fähigkeit der "Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten", eigene Massenmedien zu betreiben und damit Botschaften zu verbreiten, die den werktätigen Schichten freies Handeln gestatteten.195 Mit der Regelung der Eigentumsverhältnisse hinsichtlich dieser Massenmedien galt "die entscheidende Frage der Rede- und Pressefreiheit in einem Lande"196 als beantwortet; die "kapitalistische Abhängigkeit" westlicher Massenmedien von herrschender Klasse und Staatsmacht schloß aus dieser Sicht mediale Freiheit aus.197

De facto unterlag die Pressefreiheit in der DDR freilich eigenen Beschränkungen: So gewährte Art. 27 Abs. 1 Satz 1 der Verfassung von 1968 Meinungsfreiheit lediglich "den Grundsätzen dieser Verfassung gemäß", wie sie die Verfassungsrechtler in Präambel und Kapitel 1 (Art. 1-8)198 niedergelegt sahen. Maßgebend war insoweit die Mission der DDR, den "Weg des Friedens, der sozialen Gerechtigkeit, der Demokratie, des Sozialismus und der Völkerfreundschaft unbeirrt weiter[zubeschreiten]", wobei die Macht in den Händen der Arbeiterklasse liege und "dem Wohle des Volkes zu dienen" habe. Folglich genossen "antisozialistische Hetze und Propaganda" keinerlei rechtlichen Schutz.199 Dies galt zumal für die besonders verhaßten politischen Botschaften westlicher Massenmedien; doch auch die eigenen Journalisten sahen sich in die Schranken gewiesen. Zwar gewährleistete Art. 27 Abs. 2 die "Freiheit der Presse, des Rundfunks und des Fernsehens", aber der Verfassungskommentar200 bestätigt die Vermutung, daß diese Freiheit ähnlichen Beschränkungen unterworfen war wie die Meinungsfreiheit in Abs. 1. Sogar für Verfassungsrechtler stellten die Aufgaben der Massenmedien "im Kampf gegen die bürgerliche Ideologie"201 einen Gegenstand der Erörterung dar - an echten Meinungspluralismus war somit auch im Radio nicht zu denken.

Nur vordergründig überrascht es, daß Art. 9 Satz 3 der Verfassung von 1949 die Zensur ausschloß, was die Juristen unmittelbar auch aus Art. 27 Abs. 2 der neuen Verfassung herleiteten202. In der Tat hatten die ostdeutschen Massenmedien zwar ab dem Sommer 1945 "uneigennützige Hilfe durch die sowjetischen Genossen"203 erfahren und damit unter Zensurbedingungen gearbeitet - wobei sich die Zusammenarbeit mit den sowjetischen Zensoren ungleich einfacher gestaltet hatte als die mit ihren kommissarisch arbeitenden deutschen Kollegen204 -, doch hatte diese Kontrolle mit dem September 1949 geendet. Die Gepflogenheiten des sozialistischen Journalismus und ein ausgefeiltes Lenkungssystem machten die klassische Zensur schlicht überflüssig: de facto entwickelte sich rasch eine "Zensur ohne Zensor"205. Lediglich kirchliche Periodika wurden in der Folgezeit durch das Presseamt beim Ministerrat zensiert.206

[...]


1 Zit. nach Herbert Kundler, RIAS Berlin. Eine Radio-Station in einer geteilten Stadt. Programme und Menschen. Texte, Bilder, Dokumente, Berlin 1994 (künftig: "RIAS"), S. 365.

2 Ob die Abwicklung der anderen ostdeutschen Sender während der Jahre 1990/91 dem Ziel einer gesamtdeutschen Integration förderlich war, ist mit Blick auf die nach wie vor mangelnden Kenntnisse der Westdeutschen über das frühere und jetzige ostdeutsche Lebensgefühl zu bezweifeln.

3 "Überregional" nennt sie diese Lang- und Mittelwellenstationen an Abgrenzung zum einen von den regionalen UKW-Sendern, zum anderen von den weltweit arbeitenden Kurzwellendiensten. In Reichweite und Hörkomfort nehmen sie somit eine Mittelstellung ein. - Unabhängig von RIAS und DLF, aber mit verwandter Zielsetzung und Sendetechnik arbeiteten in München die privat betriebenen US-Stationen Radio Liberty und Radio Free Europe.

4 Vgl. das Teilurteil "Zur Frage der Verfassungsmäßigkeit von Durchsuchungen in Presseräumen"

5 So J.H. Altschull, zit. nach Siegfried Weischenberg, Journalistik. Theorie und Praxis aktueller Medienkommunikation, Bd. 1: Mediensysteme, Medienethik, Medieninstitutionen, Opladen 1992, S. 102.

6 Art. Journalist, in: Emil Dusiska (Hg.), Wörterbuch der sozialistischen Journalistik, Leipzig 1973 (künftig abgekürzt: "WsJ"), S. 115 f., hier: S. 116.

7 Art. Journalismus, in: WsJ, S. 113-115, hier: S. 113. Die Arbeit greift bewußt auf diese ältere Auflage zurück, bei deren Redaktionsschluß der Kalte Krieg noch nicht lange zurücklag.

8 So Rudi Singer auf einer Tagung des ZK im Oktober 1968, zit. nach Wilfried Schulz, Art. Medienpolitik, in: DDR-Hdb II, S. 879-882, hier: S. 880.

9 Wir haben die Unterhaltung überdreht. Südfunk-Intendant Hans Bausch (CDU) über das Privatfernsehen und Unionsangriffe gegen die Funkhäuser, in: Der Spiegel 40 (1986), Nr. 23, S. 201- 210, hier: S. 207.

10 Hans-Peter Schwarz, Adenauer. Der Staatsmann: 1952-1967, Stuttgart 1991, S. 346.

11 In: Der Spiegel 11 (1957), Nr. 38, S. 11.

12 Vgl. Hans-Joachim Spanger, Die SED und der "Sozialdemokratismus". Ideologische Abgrenzung in der DDR, in: Der X. Parteitag der SED / 35 Jahre SED-Politik. Versuch einer Bilanz. Vierzehnte Tagung zum Stand der DDR-Forschung in der Bundesrepublik Deutschland, 9. bis 12. Juni 1981, Köln 1980 (Edition Deutschland Archiv), S. 100-111, hier: S. 103.

13 Anmerkung zu dessen Überschrift: Der Drehkondensator dient bis heute in vielen Radios zur Wahl der Empfangsfrequenz. Der Begriff "Abstimmung" gewinnt hier eine doppelte Bedeutung,

14 Äußerung Meyns in der Sendung "Wir Kollaborateure." Eine "Lange Nacht" über die DDR im Spiegel der Westmedien, Gesprächsteilnehmer Hermann Meyn, Heribert Schwan, Gunter Holzweißig, Christian Müller, Moderation Günter Müchler, ausgestrahlt in der Reihe Lange Nacht im Deutschlandradio Berlin am 24./25.4.1998, zit. nach Bandmitschnitt.

15 Der Dialog entstammt der Sendung Wir Kollaborateure, a.a.O.

16 Diskussionsbeitrag Frickes in: Unser Erbe - Genosse Journalist. Gesprächsrunde, geleitet von Manfred Rexin, mit Brita Christov, Hans-Hermann Langguth, Karl Wilhelm Fricke und Ernst Elitz, in: Willi Steul (Hg.), Genosse Journalist. Eine Sendereihe im DeutschlandRadio Berlin, Mainz 1996 (Edition DeutschlandRadio), S. 175-199, hier: S. 198 f.

17 Heinrich August Winkler, Von der Revolution zur Stabilisierung. Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik 1918 bis 1924, Berlin [W.]/Bonn 21985 (Geschichte der Arbeiter und der Arbeiterbewegung in Deutschland seit dem Ende des 18. Jahrhunderts), S. 12.

18 Vgl. den gleichnamigen Artikel im WsJ, S. 104 f.

19 Zur Terminologie in der DDR vgl. Rolf Geserick, 40 Jahre Presse, Rundfunk und Kommunikationspolitik in der DDR, München 1989 (künftig: "Kommunikationspolitik"), S. 33-37. - Das Kriterium des Stils gilt im folgenden auch für die Verwendung der Begriffe "Rundfunk", "Hörfunk" und "Radio".

20 Zum Begriff des Kommentars: Wolfgang Jacobmeyer, Politischer Kommentar und Rundfunkpolitik. Zur Geschichte des NWDR 1945-1951, in: VfZ 21 (1973), S. 358-387, überarbeitet wiederabgedruckt bei Winfried B. Lerg/Rolf Steininger (Hg.), Rundfunk und Politik 1923 bis 1973, Berlin [W.] 1975 (Rundfunkforschung 3), S. 311-340 (zitiert hiernach), hier: S. 310; direktes Zitat dort entnommen.

21 Vgl. Kurt Reumann, Art. Journalistische Darstellungsformen, in: Elisabeth Noelle-Neumann u.a. (Hg.), Fischer Lexikon Publizistik Massenkommunikation, Frankfurt/M. 1994, S. 91-116, hier: S. 95- 102 zur Nachricht, S. 110 zum Kommentar.

22 Hermann Weber, Arbeiter versus Sozialismus, Der Aufstand vom 17. Juni 1953, Beitrag in der Reihe Aufstände, Unruhen, Revolutionen - Zur Geschichte der Demokratie in Deutschland, ausgestrahlt im HR-2-Hörfunk am 26.4.1998, zitiert nach Bandmitschnitt.

23 Berlin-Krisen in der Weltpolitik, ausgestrahlt in der Reihe Am Abend vorgestellt im WDR-3- Hörfunk am 4.8.1998, zitiert nach Bandmitschnitt; direkte Zitate in diesem Absatz dort entnommen.

24 Die Zitation folgt den Filmsignaturen "F 0003", "F 0055", "F 0112" unter der gebräuchlichen Herkunftsangabe "RIAS-Dep."; die Angabe "DRA Berlin" ist aus Platzgründen vermieden.

25 Der Aufstand der Arbeiterschaft im Ostsektor von Berlin und in der sowjetischen Besatzungszone. Tätigkeitsbericht der Hauptabteilung Politik des Rundfunks im amerikanischen Sektor in der Zeit vom 16. Juni bis 23. Juni 1953, o.O., o.J. (künftig: "Tätigkeitsbericht").

26 Background on RIAS, DRA Berlin RIAS-Dep. 16/92/11 (künftig: "Background on RIAS"). Verfasserangabe und Datierung fehlen; die Daten zitierter Presseartikel (S. 15), die Darstellung der Sendekapazitätserweiterung vom 15.1.1953 als "latest power increase" (S. 3) und das Fehlen jeglicher Angaben zum Juniaufstand 1953 deuten auf eine Entstehung im Winter/Frühjahr 1953 hin.

27 Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (Hg.), Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953. Denkschrift über den Juni-Aufstand in der sowjetischen Besatzungszone und in Ostberlin, Bonn 1953 (künftig: "Volksaufstand" mit Hg. "BMgF").

28 Brewster S. Chamberlain/Jürgen Wetzel, Der 17. Juni und der RIAS. Aus einem Gespräch mit dem ehemaligen RIAS-Direktor Gordon Ewing, in: Berlin in Geschichte und Gegenwart. Jahrbuch des Landesarchivs Berlin 1 (1982), S. 165-190; Egon Bahr, Zu meiner Zeit, München 1996; Gerhard Löwenthal, Ich bin geblieben. Erinnerungen, München/Berlin [W.] 21987. - Aussagen der DDR- Hörer bei Manfred Hagen, DDR - Juni '53. Die erste Volkserhebung im Stalinismus, Stuttgart 1992.

29 Hermann Weber, Arbeiter versus Sozialismus, a.a.O.; Arnulf Baring, Der 17. Juni 1953, Stuttgart 21983.

30 Kundler, RIAS; Veronika Lehmann, RIAS Berlin - ein amerikanisch kontrollierter Sender zwischen journalistischer und propagandistischer Aufgabenstellung - dargestellt an ausgewählten Beispielen, Magisterarbeit FU Berlin 1988. - Die Programmgeschichte des RIAS in den Monaten vor dem 17. Juni erläutert Markus Wacket, "Wir sprechen zur Zone". Die politischen Sendungen des RIAS in der Vorgeschichte der Juni-Erhebung 1953, in: DtA 26 (1993), S. 1035-1048.

31 Zitiert sind diese Quellen unten mit ihrer Archivsignatur "DS 57-..."; die Herkunftsangabe "DRA Berlin Schallarchiv Bestand Hörfunk" ist aus Platzgründen vermieden.

32 Vgl. die einschlägigen Programmspalten der Zeitschrift Unser Rundfunk.

33 DRA Berlin Hist. Archiv Bestand Hörfunk, unten näher zitierte Signaturen BP und KV.

34 Ansgar Diller, Der Rundfunk als Herrschaftsinstrument der SED, in: Materialien der EnquêteKommission "Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland", a.a.O., S. 1214-1242 (künftig: "Herrschaftsinstrument"), hier: S. 1217-1224.

35 Marcus Heumann, Zur Programmgestaltung des "Deutschlandsenders" in der Zeit der Stalinisierung, Magisterarbeit Bonn 1993 (künftig: "DS").

36 Zu beobachten z.B. am unten angesprochenen Kommentar Eberhard Schütz' vom 16.6.1953 (Tätigkeitsbericht, S. 5 f.; Montageband im Archiv des Deutschlandradios Berlin 84-597). Letzte Sicherheit über den Sendeinhalt können also nicht die Manuskripte geben, sondern lediglich die überlieferten Bänder.

37 Rundfunkkommentare. Berichte - Interviews - Dokumentationen über die sowjetische Intervention in der Tschechoslowakei, gesendet im DLF-Programm vom 21. bis 27. August 1968, Köln o.J. (künftig: "DLF-Rundfunkkommentare").

38 Frank Capellan, Für Deutschland und Europa: Der Deutschlandfunk. Rundfunkanstalt mit besonderem Auftrag 1961-1989, München u.a. 1993 (Rundfunkstudien 7). - Aus marxistischer Sicht behandelt den DLF Peter Wolter, Die politische Funktion des Deutschlandfunks, Magisterarbeit FU Berlin 1976.

39 RIAS Monitor. Auszüge aus Kommentaren und Berichten, August 1968.

40 Wir Kollaborateure, a.a.O.

41 Vgl. Hermann Weber, Zum Stand der Forschung über die DDR-Geschichte, in: DtA 31 (1998), S. 249-257, hier: S. 255, sowie Silvia Müller, Der Rundfunk als Herrschaftsinstrument der SED, in: Materialien der Enquête-Kommission "Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland" (12. Wahlperiode des Deutschen Bundestages), Bd. II: Machtstrukturen und

42 Vorgesehen waren diese Schriften lediglich für Studenten der KMU, vgl. Michael Groth, Wer aus Leipzig kommt, ist verwendungsfähig, in: Willi Steul (Hg.), Genosse Journalist. Eine Sendereihe im DeutschlandRadio Berlin, Mainz 1996 (Edition DeutschlandRadio), S. 12-25, hier: S. 12.

43 Joachim Herrmann, Unser Rundfunk im 40. Jahr vor neuen Aufgaben, in: BeitrGRf 19 (1985), Nr. 2, S. 12-13, hier: S. 13.

44 Jacobmeyer, a.a.O.

45 Hans Wenke, Der Rundfunk im Dienste des politischen Lebens, in: Der Rundfunk im politischen und geistigen Raum des Volkes. Denkschrift als Ergebnis von Begegnungen zwischen Hochschullehrern und Mitarbeitern der Rundfunkanstalten der Bundesrepublik, Hamburg o.J. (NWDR - Rundfunkschule), S. 45-62; Erich Weniger, Die geistige und politische Freiheit im Rundfunk, in: Der Rundfunk im politischen und geistigen Raum des Volkes, a.a.O., S. 13-27. Zur Datierung vgl. die Einführung der Schrift, S. 12. Die Vermutung liegt auf der Hand, daß der NWDR die Publikation vornahm, um den Anschuldigungen aus der Politik zu begegnen.

46 Joseph Hoppe, Luftbrücke der Worte. Vom DIAS zum RIAS, bislang unveröff. Manuskript, erscheint in Kürze im Druck.

47 Vgl. Dieter Boeck u.a., Lehrmaterialien zur sozialistischen Rundfunkjournalistik Teil 1, Berlin [O.] 1972, S. 7 f., sowie Klaus Preisigke, Zur Spezifik des sozialistischen Fernsehjournalismus, Leipzig 1981 (künftig: "Spezifik"), hier: S. 56, 62.

48 Vgl. BVerfGE 20, S. 174 f.; direkte Zitate dort entnommen.

49 Vgl. die Darstellung des Modells bei Weischenberg, Journalistik Bd. 1, S. 88 f.

50 Zit. nach Schilderung des Modells ebda., S. 99, 102; direkte Zitate dort entnommen. - Zur Verwirklichung der westlichen Ideale vgl. unten.

51 Vgl. Siegfried Weischenberg, Journalistik. Theorie und Praxis aktueller Medienkommunikation, Bd. 2: Medientechnik, Medienfunktionen, Medienakteure, Opladen 1995, S. 112-114; direkte Zitate "Profil des der Synopse entnommen. - Details des "westlich-liberalen Medientyps" schildert ergänzend Hans J. Kleinsteuber, Nationale und internationale Mediensysteme, in: Klaus Merten u.a. (Hg.), Die Wirklichkeit der Medien. Eine Einführung in die Kommunikationswissenschaft, Opladen 1994, S. 544-569, hier: S. 548-555.

52 Vgl. Bernhard Jahnel, Lenin als Lehrmeister der Journalistik, Leipzig 1960 (Leipziger Universitätsreden N.F. 19), S. 6. - Zur folgenden Schilderung der Leninschen Pressetheorie: Wolfgang Mühl-Benninghaus, Medienpolitische Probleme in Deutschland zwischen 1949 und 1989. Zum unterschiedlichen Verständnis der audiovisuellen Medien in beiden deutschen Staaten, in: Riedel (Hg.), Neue Zeit, S. 9-20 (künftig: "Medienpolitische Probleme"), hier: S. 9; Wilfried Scharf, Nachrichten im Fernsehen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Objektivität oder Parteilichkeit in der Berichterstattung, Frankfurt/M. 1981 (künftig: "Nachrichten"), S. 60-63.

53 Zit. nach Art. Presse neuen Typs, in: WsJ, S. 168 f., hier: S. 169.

54 Vgl. zusammenfassend Paul Roth, Massenmedien in der Sowjetunion. Presse, Rundfunk, Fernsehen, in: APuZG B 52/1971, S. 17-38, hier: S. 18, 21, 34 f.

55 Hermann Budzislawski, Journalistik als Wissenschaft, in: Zeitschrift für Journalistik 3 (1962), Nr. 2, S. 43-49 (künftig: "Journalistik als Wissenschaft"), hier: S. 44.

56 Jahnel, a.a.O., S. 6.

57 Vgl. grundsätzlich dazu Roland Dannenberg u.a., Lehrmaterialien zur sozialistischen Rundfunkjournalistik Teil 2, Berlin [O.] 1972, S. 17.

58 Boeck u.a., a.a.O., S. 11.

59 Zit. nach Martin Zagatta, Informationspolitik und Öffentlichkeit. Zur Theorie der politischen Kommunikation in der DDR, Köln 1984, S. 33.

60 Hans Poerschke, Theoretische Grundlagen des sozialistischen Journalismus, Leipzig 1983 (KarlMarx-Universität Leipzig, Sektion Journalistik) (künftig: "Theoretische Grundlagen"), S. 26.

61 Hans Poerschke, Rückblicke auf das Journalistikstudium in der DDR, in: Riedel (Hg.), Neue Zeit, S. 71-77 (künftig: "Rückblicke"), hier: S. 74.

62 Vgl. Poerschke, Theoretische Grundlagen, S. 15.

63 Vgl. Georg Schütte, Theorie und Praxis des "sozialistischen Journalismus", in: Peter Ludes (Hg.), DDR-Fernsehen intern. Von der Honecker-Ära bis "Deutschland einig Fernsehland", Berlin 1990, S. 307-321, hier: S. 309.

64 So der SKR-Vorsitzende Achim Becker in einer Ansprache zum 40. Jahrestag des Rundfunks der DDR am 13.5.1985, zit. nach dem Montageband DRA Berlin Bestand Hörfunk DOK 1712.

65 Etwa bei Poerschke, Theoretische Grundlagen, S. 54, 61, ferner bei Karl-E. Plagemann, Massenmedien und ideologischer Kampf, in: WissZsPHP 15 (1971), S. 543-554, hier: S. 545.

66 So beschrieben ebda., S. 546; direktes Zitat dort entnommen.

67 Poerschke, Theoretische Grundlagen, S. 15.

68 Frank-Joachim Herrmann, Nachrichten heute und morgen. Gesichtspunkte und Standpunkte zu einem Genre, in: NDP 21 (1967), Nr. 11, S. 12-13, hier: S. 12. - Frank-Joachim Herrmann ist nicht identisch mit dem späteren Sekretär des ZK für Agitation und Propaganda Joachim Herrmann.

69 Etwa in demjenigen vom 7. November 1972, vgl. die Edition: Die Aufgaben der Agitation und Propaganda bei der weiteren Verwirklichung des Sozialismus. Beschluß des ZK der SED vom 7. November 1972, in: Die Aufgaben der Agitation und Propaganda bei der weiteren Verwirklichung der Beschlüsse des VIII. Parteitages der SED. Konferenz des ZK der SED am 16./17.11.1972, Berlin [O.] 1973, S. 65-90 (künftig: "Aufgaben der Agitation und Propaganda").

70 Vgl. Jürgen Hüther, Ideologische Beeinflussung durch die Massenmedien in der DDR, in: RuF 17 (1969), S. 360-374, hier: S. 362.

71 Preisigke, Spezifik, S. 75; hier deutet sich bereits jene Verwischung an, der die Begriffe Agitation und Propaganda in der Praxis unterworfen waren.

72 Poerschke, Theoretische Grundlagen, S. 88, zitiert insoweit eine Forderung Lenins.

73 Vgl. zum beschriebenen Begriffsinhalt von Agitation und Propaganda, der sich zwar mit der Zeit graduell wandelte, grundsätzlich aber weiterhin der Vorgabe Lenins treu blieb: Aufgaben der Agitation und Propaganda, S. 67; Poerschke, Theoretische Grundlagen, S. 84 f., 87; Art. Agitation, in: WsJ, S. 10; Scharf, Nachrichten, S. 72 f.; Hüther, a.a.O., S. 363 f.; Rainer Geißler, Die Massenmedien der DDR im Überblick, in: Medium 16 (1986), S. 21 f.; wiederabgedruckt in: Hannes Haas (Hg.), Mediensysteme. Struktur und Organisation der Massenmedien in den deutschsprachigen Demokratien, Wien 1987 (Studienbücher zur Publizistik- und Kommunikationswissenschaft), S. 92- 102 (künftig zitiert hiernach: "Massenmedien"), hier: S. 94; Karolus H. Heil, Das Fernsehen in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands 1953-1963, Bonn-Berlin [W.] 1967 (Bonner Berichte aus Mittel- und Ostdeutschland), S. 22-24.

74 Der Art. Propaganda, in WsJ, S. 180 f., nennt beide "eine untrennbare Einheit"; vgl. ferner Wilfried Schulz, Art. Agitation und Propaganda, in: DDR-Hdb I, S. 5-9, hier: S. 6

75 Wolfgang Rödel, Gedanken zu einigen Wirkfaktoren im sozialistischen Journalismus, in: ThP [NDP] 1976, Nr. 6, S. 1-8 (künftig: "Gedanken"), hier: S. 1.

76 So gefordert in: Aufgaben der Agitation und Propaganda, S. 74.

77 Vgl. Wolfgang Briest u.a., Lehrmaterialien zur sozialistischen Rundfunkjournalistik Teil 3, Berlin [O.] 1973, S. 121.

78 Achim Becker, Hohe Ehrung durch Partei und Staat gibt uns weiteren Ansporn, in: BeitrGRf 19 (1985), S. 14-19, hier: S. 16.

79 Verena Blaum, Ideologie und Fachkompetenz. Das journalistische Berufsbild in der DDR, Köln 1985 (Bibliothek Wissenschaft und Politik 34) (künftig: "Ideologie"), S. 46.

80 So Mahle in seiner Festanprache zum Richtfest des Fernsehzentrums Berlin-Adlershof am 13.6.1950, zit nach dem Montageband DRA Berlin Bestand Hörfunk DOK 360.

81 Die Presse - kollektiver Organisator der sozialistischen Umgestaltung. Die Verantwortung der sozialistischen Journalisten. Beschluß des Politbüros des ZK der SED vom 29. April 1959, Berlin [O.] o.J.[1959], S. 5.

82 Zum Vortrag Lamberz' vom 17. Juni 1968 vgl. Geserick, Kommunikationspolitik, S. 247.

83 Die Thesen Hüttls faßt Geserick ebda., S. 351 f., zusammen.

84 Boeck u.a., a.a.O., S. 18.

85 Zit. nach der Auflage: Brigitte Reimann, Franziska Linkerhand, Berlin 121992, S. 446 f.

86 Die Presse - kollektiver Organisator..., a.a.O., S. 15.

87 Briest u.a., a.a.O., S. 23.

88 Vgl. Rödel, Gedanken, S. 1.

89 Vgl. auch den Art. Rezeptionsgewohnheiten, in: WsJ, S. 193: "Es gilt deshalb, auch durch die gezielte Herausbildung optimaler R. die Wirkungsmöglichkeiten des sozialistischen Journalismus zu fördern." - Auch Briest u.a. betonen a.a.O., S. 23, die erzieherische Einwirkung müsse "organisch weiterführend auf der Struktur innerer Bedingungen" aufbauen. - Budzislawskis Theorie, wie er sie auf einer Konferenz am 17. Mai 1963 ausführte, schildert Geserick, Kommunikationspolitik, S. 168 f.; direkte Zitate dort entnommen.

90 Art. Informationsbedürfnis, in: WsJ, S. 102 f.

91 Briest u.a., a.a.O., S. 11. Die Bemühungen gipfelten schließlich in der Etablierung einer eigenen Wissenschaft, wie sie Franz Loeser, Deontik. Planung und Leitung der moralischen Entwicklung, Berlin [O.] 1966, beschreibt.

92 Norden, a.a.O., S. 12; kursives Wort dort gesperrt gedruckt.

93 Poerschke, Theoretische Grundlagen, S. 92.

94 So Grote in einem Interview nach 1990, in: Klaus Müller, Lebenslagen und Selbstverständnis von Redakteuren des Deutschen Fernsehfunks (DFF), Magisterarbeit FU Berlin 1991, S. 8 im Anhang.

95 So Briest, a.a.O., S. 125, 128.

96 Schnitzler, "Pressefreiheit", in: NDP 22 (1968), Nr. 9, S. 1-3 (künftig: "Pressefreiheit"), hier: S. 1; Kursivdruck von mir. Der Leitartikel ist vermutlich in Reaktion auf den "Prager Frühling" verfaßt, denn der Frage nach medialer Freiheit war in der CSSR herausragende Bedeutung zugekommen.

97 Vgl. Schütte, a.a.O., S. 312; direktes Zitat dort entnommen.

98 Gerhard Piskol, Bürgerlicher Journalismus - Anspruch und Wirklichkeit, o.O. [Leipzig] 1980 (Karl-Marx-Universität - Sektion Journalistik), S. 90. Budzislawski, Journalistik als Wissenschaft, S. 46 f., spricht der westlichen Publizistikforschung jede Berechtigung ab, da sie den Klassencharakter des Gegenstandes übersehe und so "zu philosophisch-idealistischen Ergebnissen" komme.

99 Vgl. Zagatta, a.a.O., S. 56 f.

100 Plagemann, a.a.O., S. 545.

101 So ausdrücklich noch einmal Poerschke, Theoretische Grundlagen, S. 82 f.

102 Briest u.a., a.a.O., S. 11; Kursivdruck von mir.

103 "Denn wer für das Recht kämpft, hat immer recht": Louis Fürnberg, Die Partei, zit. nach der Facsimile-Wiedergabe eines Liedblattes bei Hermann Weber, Kleine Geschichte der DDR, Köln 1980 (Edition Deutschland Archiv), S. 57. - Vgl. Art. Informationserfordernis, in: WsJ, S. 103: "Die marxistisch-leninistische Theorie sowie die Analyse und Prognose der gesellschaftlichen Entwicklung befähigen die marxistisch-leninistische Partei und die sozialistische Staatsmacht zur Formulierung der I. der sozialistischen Gesellschaft. Diese I. findet ihren Ausdruck in der Informationspolitik von Partei und Staat [...]"

104 Briest u.a., a.a.O., S. 114; "Lösung" dort gesperrt gedruckt.

105 Vgl. Werner Lamberz, Neue Anforderungen an die journalistische Arbeit in unserer Zeit, in: NDP

26 (1972), Nr. 4, S. 2-6 (künftig: "Anforderungen"), hier: S. 2; aus Lamberz' Aufsatz läßt sich deutliche Kritik an der medialen Arbeit herauslesen.

106 Gut zu erkennen auch im Art. Wirkungen des sozialistischen Journalismus, in: WsJ, S. 232.

107 Norden, a.a.O., S. 16.

108 Lamberz, Anforderungen, S. 3.

109 Die Presse - kollektiver Organisator..., a.a.O., S. 12.

110 Jahnel, a.a.O., S. 7, im Jahre 1960.

111 Beide Zitate nach Art. Journalist, in: WsJ, S. 115 f., hier: S. 116.

112 Vgl. Poerschke, Rückblicke, S. 72.

113 Hermann Budzislawski, Die Ausbildung der Journalisten und die Erforschung der Presse. Öffentlicher Rechenschaftsbericht vor der Fakultät für Journalistik am Tage der Universität, 15. Oktober 1958, Leipzig 1959 (Leipziger Universitätsreden N. F. 5) (künftig: "Ausbildung"), S. 8.

114 Ebda., S. 12.

115 Vgl. ebda., S. 5. - 1969 erfuhr die Fakultät eine weitere Umbenennung in "Sektion Journalistik", vgl. Rolf Geserick, Das geerbte Fernsehen. Anmerkungen zur historischen Medienforschung in der DDR, in: RuF 12 (1986), S. 74-88, hier: S. 77. Anders als vielfach behauptet, war die Journalistenausbildung allerdings nicht auf die KMU beschränkt, vgl. den Diskussionsbeitrag Brita Christovs in: Unser Erbe - Genosse Journalist, a.a.O., S. 176.

116 Mahles Äußerung fiel auf einer Rundfunktagung in Ost-Berlin am 11. Mai 1950, zit. nach Sergej Bensch, Entwicklungsetappen des Deutschen Demokratischen Rundfunks VI. Instrument der jungen Arbeiter- und Bauernmacht an der Schwelle des sozialistischen Aufbaus, in: BeitrGRf 5 (1971), Nr. 3, S. 5-52 (künftig: "Entwicklungsetappen VI"), hier: S. 36.

117 Budzislawski, Ausbildung, S. 8.

118 Vgl. Poerschke, Rückblicke, S. 73; Brigitte Klump, Das rote Kloster. Eine deutsche Erziehung, München 1980, die Bezeichnung stammte also nicht, wie vielfach angenommen, von Kritikern.

119 Vgl. Groth, a.a.O., S. 17.

120 Zum Aufbau des Studiums vgl. Budzisalawski, Ausbildung, S. 6.

121 So auch Poerschke, Rückblicke, S. 74. - Die Praxisnähe schlug sich auch nieder in einem lebhaften personellen Austausch: Vielfach übernahmen Journalisten wie der spätere SKRVorsitzende Achim Becker Lehraufträge in Leipzig, vgl. Geserick, Kommunikationspolitik, S. 3.

122 Budzislawski, Ausbildung, S. 14.

123 Zu finden bei Dannenberg u.a., a.a.O., S. 12, 36-43. - Ein entsprechendes Bild der Bundesrepublik zeichneten viele einschlägige Radio- und Fernsehsendungen, für die Fernsehnachrichten der Aktuellen Kamera vgl. exemplarisch die Analyse von Anthony J. Goss, Deutschlandbilder im Fernsehen. Eine vergleichende Analyse politischer Informationssendungen in der Bundesrepublik und der DDR, Köln 1980 (Bibliothek Wissenschaft und Politik Bd. 23), S. 84-90, hier: S. 92.

124 Budzislawski, Journalistik als Wissenschaft, S. 44.

125 Vgl. Poerschke, Rückblicke, S. 73.

126 Harri Czepuck, Unsere Aufgabe: Massenwirksamkeit, Lebensnähe und Überzeugungskraft, in: NDP 31 (1977), Nr. 14, S. 8-16, hier: S. 12.

127 Die Darstellung folgt Poerschke, Theoretische Grundlagen, S. 102, 113, 116, 118, 122. - Kritik und Selbstkritik (vgl. dazu den gleichnamigen Artikel von N.N. in: DDR-Hdb I, S. 761 f.) stellten also über die gesamte Laufbahn des einzelnen Journalisten hinweg wirksame Instrumente der Disziplinierung dar. - "Wahrheitstreue" bezieht sich selbstverständlich auf die "objektive" Wahrheit im Sinne der oben zitierten Umschreibung Karl-Eduard von Schnitzlers. Abweichend definiert der Art. Presse neuen Typs, in: WsJ, a.a.O., die Prinzipien: der Punkt "Kritik und Selbstkritik" fehlt.

128 Vgl. Briest u.a., a.a.O., S. 137, sowie Poerschke, Theoretische Grundlagen, S. 117.

129 Vgl. Hüther, a.a.O., S. 367 f.

130 Erkennbar auch bei Schnitzler, Pressefreiheit, S. 3.

131 Jahnel, a.a.O., S. 5. - Die Anforderungen an die Journalisten beschreibt detailliert Peter Hoff, "Die Kader entscheiden alles", in: Riedel (Hg.), Neue Zeit, S. 241-250 (künftig: "Kader"), hier: S. 242 f.

132 Die Presse - kollektiver Organisator..., a.a.O., S. 15.

133 Etwa bei Norden, a.a.O., S. 3, und Budzislawski, Journalistik als Wissenschaft, S. 46.134 Vgl. dazu Weischenberg, Journalistik Bd. 2, a.a.O., S. 155.

135 Art. Nachricht, in: WsJ, S. 152-154, hier: S. 152. "Unmittelbarkeit der Information" umfaßt dabei den Auftrag, den Hörer "unmittelbar in ein Verhältnis zum neuen [...] Ereignis" zu setzen.

136 Karl-H. Röhr, Was erwarten wir von der Nachricht?, in: NDP 22 (1968), Nr. 8, S. 12-14, hier: S. 12.

137 Dannenberg u.a., a.a.O., S. 8.

138 Auch hierin schlug sich somit die genannte Eigenschaft der Periodizität und Kontinuität nieder.

139 Peter Andriefski, Fakt und Fälschung. Zu einigen Methoden der Tatsachenmanipulation in Nachrichten des BRD-Journalismus, in: ThP [KMU] 6 (1978), S. 28-32, hier: S. 31. - Daß es in der Wissenschaft hinsichtlich einzelner Fragen zu Kontroversen kam, verdeutlicht die Forderung W.G. Afanasjews, "wahrhaftige" Information dürfe auch Mängel des Sozialismus nicht verschweigen (zit. nach Zagatta, a.a.O., S. 71). Die journalistische Praxis mochte sich zeitweise damit behelfen, "etwaige Konflikte als solche zwischen gut und besser zu beschreiben" (Gerhard Scheumann, Heikle Gratwanderung - Die Sendereihe PRISMA, in: Riedel (Hg.), Neue Zeit, S. 131-138, hier: S. 133).

140 Vgl. Dannenberg u.a., a.a.O., S. 50, 54, 57. Auch Peter Merseburger, Grenzgänger. Innenansichten der anderen deutschen Republik, München 1988, S. 236, umreißt zutreffend die Auswahlkriterien.

141 Helmut Gralow, Planung und Aktualität - ein Gegensatz?, in: NDP 31 (1977), Nr. 7, S. 14-15, hier: S. 14.

142 Ebda., S. 14.

143 Vgl. Art. Planung, in: WsJ, S. 162.

144 Peter Hamann, Der Journalismus der DDR in der ideologischen Auseinandersetzung mit dem Imperialismus, in: ThP [KMU] 8 (1980), S. 114-117 (künftig: "Journalismus"), hier: S. 116.

145 Vgl. Aktuell, schlagkräftig, operativ und lebensnah. Qualitätsansprüche der Aktuellen Kamera. NDP-Gespräch mit Erich Selbmann, Chefredakteur der AK im DDR-Fernsehen, in: NDP 31 (1977), Nr. 9, S. 20-21, hier: S. 20; ferner Helmut Lange, Wachsende Anforderungen an politisch- publizistische Sendungen. Zu einigen Hauptlinien des Fernsehjournalismus im 25. Jahr der DDR, in: NDP 28 (1974), Nr. 7, S. 20-21, hier: S. 20.

146 Vgl. N.N., Der Deutschlandfunk im rundfunkpolitischen Kraftfeld, in: DLF-Jahrbuch 1964-65, S. 9-16 (künftig: "Kraftfeld"), hier: S. 15 f.

147 Boeck u.a., a.a.O., S. 18. - Ähnlich äußert sich Schütte, a.a.O., S. 310.

148 Poerschke, Theoretische Grundlagen, S. 103.

149 Art. Nachricht, in: WsJ, a.a.O., S. 152.

150 Vgl. Schütte, a.a.O., S. 307.

151 Vgl. ebda., S. 308, sowie Budzislawski, Journalistik als Wissenschaft, S. 45.

152 Etwa bei Frank-J. Herrmann, a.a.O., S. 12.

153 Poerschke, Theoretische Grundlagen, S. 103.

154 Vgl. Schütte, a.a.O., S. 308.

155 Schütte nennt dies ebda., S. 307, die "drei Ebenen" des Parteilichkeitsbegriffs.

156 Czepuck, a.a.O., S. 10.

157 Jahnel erinnert a.a.O., S. 9, an diese Wurzel des Prinzips und kritisiert die unter seinen Kollegen verbreitete Auffassung, die zu sehr das Verhältnis zwischen Presse und Masse betone, nicht die Herkunft der Presse aus der Masse; Lenin habe eine Presse der Massen, nicht für sie im Auge gehabt.

158 Vgl. Zagatta, a.a.O., S. 32; direktes Zitat dort entnommen.

159 Vgl. Czepuck, a.a.O., S. 8.

160 Vgl. Die Presse - kollektiver Organisator..., a.a.O., S. 12.

161 So etwa Jahnel, a.a.O., S. 11, unter Berufung auf sowjetische Praxis und den Beschluß des ZK der KPdSU "Über die Partei- und Sowjetpresse" vom 16. April 1931.

162 Nach sowjetischem Vorbild regt Jahnel, a.a.O., S. 11, 13, deren Bildung sowie die Formierung von "Stoßbrigaden" aus bewährten Korrespondenten an. Zu den Arbeiter-, Bauern- und Volkskorrespondenten vgl. den Art. Volkskorrespondenten, VK, in: WsJ, S. 230.

163 So etwa Dannenberg u.a., a.a.O., S. 97 f.

164 Rum zitiert a.a.O., S. 126, einen Vortrag des ZK-Mitarbeiters Klaus Sorgenicht.

165 Vgl. Lamberz, Anforderungen, S. 4; direkte Zitate dort entnommen.

166 Aufzählung und Erläuterung der Begriffe bei Poerschke, Theoretische Grundlagen, S. 126, 136- 139.

167 Ebda., S. 137.

168 Frank-J. Herrmann, a.a.O., S. 12.

169 Jahnel, a.a.O., S. 11; Kursivdruck übernommen.

170 Vgl. Schütte, a.a.O., S. 311.

171 Die Presse - kollektiver Organisator..., a.a.O., S. 5 f.

172 Geserick, Kommunikationspolitik, S. 166, zitiert einen VDJ-Beschluß aus dem Jahre 1961.

173 Czepuck, a.a.O., S. 12.

174 Vgl. Zagatta, a.a.O., S. 73, sowie Czepuck, a.a.O., S. 12.

175 Vgl. Geserick, Kommunikationspolitik, S. 167. Sichtbar wird dies etwa an der Rüge des VDJVorsitzenden Georg Krausz auf einem Kongreß im Dezember 1967, das "Bedürfnis nach Fakten, Zusammenhängen und Hintergründen" werde in den Nachrichten nicht hinreichend befriedigt; Krausz ließ es dennoch nicht an der Aufforderung an seine Kollegen fehlen, "unsere Sache zu vertreten" - zit. nach Geserick, Kommunikationspolitik, S. 245.

176 Briest u.a., a.a.O., S. 15.

177 Werner Lamberz, Ideologische Arbeit mit neuen wirksamen Mitteln und Methoden. Aus der Diskussionsrede auf der 3. Tagung des Zentralkomitees der SED, 22. bis 25. Oktober 1968, in: ders., Ideologische Arbeit, Herzstück der Parteiarbeit. Ausgewählte Reden und Aufsätze, Berlin [O.] 1979, S. 51-56 (künftig: "Ideologische Arbeit"), hier: S. 53. - Ähnlich Briest u.a., a.a.O., S. 33, 65.

178 Vgl. Herlt, Sendeschluß, S. 74.

179 Frank-J. Herrmann, a.a.O., S. 12.

180 Geserick, Kommunikationspolitik, S. 241.

181 Sichtbar u.a. bei Briest u.a., a.a.O., S. 40 f.

182 Ebda., S. 30; kursive Passage dort gesperrt gedruckt.

183 Ebda., S. 39.

184 Norden, a.a.O., S. 12.

185 Otto Ernst, Parteiliche Streitbarkeit - Wesenszug der marxistisch-leninistischen Weltanschauung. Die Entwicklung von Fähigkeiten zur beweiskräftigen Argumentation und Polemik, in: Abteilung Propaganda des ZK der SED (Hg.), Pädagogik und Methodik in der Propagandaarbeit. Beiträge zur Erhöhung der Wirksamkeit von Agitation und Propaganda, Berlin [O.] 1978, S. 6-30, hier: S. 27 f.

186 Vgl. Stefan Pannen, Die Weiterleiter. Funktion und Selbstverständnis ostdeutscher Journalisten, Köln 1992, S. 36.

187 Manfred Uschner, Die zweite Etage. Funktionsweise eines Machtapparates, Berlin 1993, S. 33.

188 Lamberz, Ideologische Arbeit, S. 53.

189 Beide Punkte bei Frank-J. Herrmann, a.a.O., S. 12 f.

190 Röhr, Was erwarten wir von der Nachricht?, a.a.O., S. 12. - In eine ähnliche Richtung zielte Lamberz' Kritik an der mangelnden Verständlichkeit von Informationssendungen (Ideologische Arbeit, S. 52). Im Oktober 1970 schließlich untersuchte die Zeitschrift Sprachpflege die Formulierungspraktiken der SED-Parteizeitung Neues Deutschland und kam zu negativen Ergebnissen hinsichtlich der Verständlichkeit, vgl. Geserick, Kommunikationspolitik, S. 296.

191 Zit. nach: Ereignisberichte und Prozeßinformation. NDP-Interview mit Wolfgang Reichardt, Chefreporter der AK, in: NDP 28 (1974), Nr. 6, S. 11.

192 So Schnitzler über das Kernstück der Funkpublizistik, die Aktuelle Kamera, in einem Interview vom 31.3.1990 bei Ludes (Hg.), DDR-Fernsehen intern, a.a.O., S. 269-293, hier: S. 281 f. Schnitzlers journalistisches Können räumten selbst scharfe Kritiker ein, so bescheinigte ihm der für seine Entlassung beim NWDR verantwortliche Kontrolloffizier Hugh Greene "große Qualitäten", zit. nach Horst O. Halefeldt., Die Knolle allen Übels, in: RuG 3 (1977), Nr. 2, S. 6-9, hier: S. 9.

193 Die Presse - kollektiver Organisator..., a.a.O., S. 3. Verwandte Kritik übte Norden, a.a.O., S. 3, 13.

194 Wolfgang Rödel, Zehn Jahre Fakultät für Journalistik, in: NDP 18 (1964), Nr. 11, S. 4-5 (künftig: "Zehn Jahre"), hier: S. 4.

195 So Heinz Halbach, Zur Spezifik des sozialistischen Journalismus. Fragen, Antworten, Überlegungen, o.O. [Leipzig] 1979 (Karl-Marx-Universität - Sektion Journalistik), S. 105 f.

196 Schnitzler, Pressefreiheit, S. 1.

197 So der einschlägige Verfassungskommentar: Klaus Sorgenicht u.a. (Hg.), Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik. Dokumente - Kommentar, Berlin [O.] 1969, Bd. I, S. 109 f.; direktes Zitat dort entnommen.

198 Vgl. ebda, S. 106. - Die Verfassung von 1949 hatte in Art. 9 ähnliche Bestimmungen enthalten, abweichend in Satz 1 Meinungsfreiheit "innerhalb der Schranken der für alle geltenden Gesetze" garantiert (zit. nach: Sekretariat des Deutschen Volksrates [Hg.], Die Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin [O.] 1949). Mochte die Bestimmung verbal dem Art. 5 Abs. 2 des Bonner Grundgesetzes ähneln, ließ sie sich doch ähnlich deuten wie Art. 27 der DDR-Verfassung von 1968. Eine derartige Auslegung entsprach schließlich dem Wesen sozialistischer Bewußtseinsbildung. (Insoweit trifft der Befund Gesericks, Kommunikationspolitik, S. 40, die Bestimmungen seien "ungewöhnlich auslegungsbedürftig", auf die Verfassungen zu.) Die folgenden Anmerkungen zu Art. 27 der Verfassung von 1968 lassen sich also auf Art. 9 der alten Verfassung übertragen. In diesem Zusammenhang fällt auf, daß Art. 27 nach dem bei Sorgenicht, a.a.O., Bd. I, auf S. 142-182 wiedergegebenen "Schriftlichen Bericht über die Ergebnisse der Volksaussprache zum Entwurf der neuen, sozialistischen Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik und die Änderungen zum Verfassungsentwurf" vom 22. März 1968 kein Thema der (gesteuerten) Debatte war.

199 Sorgenicht, a.a.O., S. 106 f.; direkte Zitate dort entnommen.

200 Vgl. ebda., S. 108 f.

201 Ebda., S. 109.

202 Vgl. ebda., S. 109.

203 Erich Richter, Entwicklungsetappen des Deutschen Demokratischen Rundfunks I. Das erste Jahr, in: BeitrGRf 4 (1970), Nr. 2, S. 5-34 (künftig: "Entwicklungsetappen I"), hier: S. 9.

204 Vgl. Jörg-Uwe Fischer/Ingrid Pietrzynski, "Hier spricht Berlin". Das Programm des Berliner Rundfunks 1945 und seine Überlieferung im Deutschen Rundfunkarchiv, Standort Berlin, in: Deutsches Rundfunkarchiv (Hg.), "Hier spricht Berlin..." Der Neubeginn des Rundfunks in Berlin 1945, Potsdam 1995 (Veröffentlichungen des Deutschen Rundfunkarchivs 1), S. 33-66, hier: S. 59, 61; ferner Karl-Heinz Mosgraber, Vom Gehorsam und von der Macht, in: Edith Spielhagen (Hg.), So durften wir glauben zu kämpfen... Erfahrungen mit DDR-Medien, Berlin 1993, S. 61-68, hier: S. 64.

205 Gunter Holzweißig, Zensur ohne Zensor. Die SED-Informationsdiktatur, Bonn 1997.

206 Vgl. Anne Worst, Rez. Siegfried Bräuer/Clemens Vollnhals (Hg.), "In der DDR gibt es keine Zensur", Leipzig 1995, in: Politische Literatur im Deutschlandfunk, ausgestrahlt am 4.3.1996, Red. Marcus Heumann, zit. nach Sendemanuskript, S. 11-14.

Details

Seiten
184
Jahr
1998
ISBN (eBook)
9783638480758
ISBN (Buch)
9783638688079
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v52326
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Historisches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
Kalter Krieg Ost-West-Konflikt Radio-Informationssendungen Staaten

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Kalter Krieg im Äther - Der Ost-West-Konflikt in politischen Radio-Informationssendungen der beiden deutschen Staaten 1945-1970