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Bayerische Hauptstädte im Mittelalter: Landshut

Seminararbeit 2004 24 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Lage und Gründung

III. Name „Landshut“

IV. Siegel

V. Entwicklung
1. Anfänge
2. Glanzzeit (1392 – 1503)

VI. Ausstattung
1. Grundriss
2. Burg Landshut (später Trausnitz) und der Landshuter Hof
3. Kirchen
a) St. Martin
b) Heilig Geist
c) St. Jodok
4. Klöster
a) Zisterzienserinnen
b) Franziskaner
c) Franziskanerinnen
d) Dominikaner
5. Spitalwesen
6. Märkte
7. Weitere Verwaltungseinrichtungen in der Stadt
8. Künstler und Gelehrte

VII. Zusammenfassung

VIII. Bibliographie

IX. Anhang

Bayerns Hauptstädte im Mittelalter: Landshut

I. Einleitung

Im Rahmen dieser Seminararbeit möchte ich die Entwicklung der Stadt Landshut im Mittelalter seit der Gründung näher beleuchten. Dabei soll insbesondere die bauliche Ausstattung im Rahmen einer wohl durchdachten und klar strukturierten Stadtplanung näher untersucht werden.

II. Lage und Gründung

Landshut wurde 1204 durch Herzog Ludwig I., den Kelheimer aus dem Hause der Wittelsbacher gegründet. Gesichert ist dies durch die Nachricht des zeitgenössischen Abtes Hermann von Niederaltaich[1]. Zur diesjährigen 800 Jahr-Feier ist ein mannigfaltiges Spektrum an Veranstaltungen in der Stadt geplant bzw. schon vollzogen worden.

Bis zum Jahr 1180 gab es in Bayern mit Ausnahme der Bischofssitze und Mutterstädte Freising, Salzburg, Passau und Regensburg keine Stadt oder stadtgleiche Siedlung[2]. Innerhalb von etwa hundert Jahren sind zahlreiche Städte und Marktflecken gleichsam „aus dem Boden geschossen“; insgesamt 23 – 27 Städte und ca. 50 neu gegründete Marktflecken[3] entstanden.

In vielen Fällen war eine Burg die Keimzelle einer Stadt[4]. Sie war Stützpunkt der jungen Territorial-Herrschaft. Dies war auch bei Landshut der Fall.

Die Gründung der Stadt Landshut geht auf das schlechte Verhältnis der Wittelsbacher zum Bischof in Regensburg zurück. Eigentlich hatte Herzog Otto I. (1180-83) versucht, in Regensburg Fuß zu fassen. Auch beim Adel wollte er Würdigung und Einfluss erreichen. Beides war ihm jedoch nicht gelungen. In Regensburg stand ihm eine selbstbewusste Bürgerschaft gegenüber. Auch Ludwig I. wollte die Macht des Bischofs und seinen Einflussbereich begrenzen und setzte die Ideen von Otto weiter um.

1203 kam es deshalb zu Auseinandersetzungen um die Straßburg, etwa 10 Kilometer Isar abwärts des heutigen Landshut (siehe Anhang Nr.1).

Dieser Isarübergang war Ludwig ein Dorn im Auge, weil er dem Bischof umfangreiche Zolleinnahmen brachte. Ludwig ließ die Straßburg zerstören und „verlegte“ die Straße an den nächsten möglichen Übergang flussaufwärts. An dieser Stelle befand sich ebenfalls eine Kreuzung alter Handelsstraßen. Zusätzlich war die Gegend durch einen strategisch hervorragend gelegenen Burgberg gesichert.

Diese Stelle lag auch schon auf Freisinger Gebiet, war also dem Regensburger Bischof entzogen. In Freising hatten die Wittelsbacher anscheinend einen etwas größeren Einfluss.

Neben Landshut wurden in der Folge weitere Städte wie Cham 1210, Straubing 1218 oder Landau 1224 gegründet. Diese legten sich wie ein Ring um Regensburg und lagen ebenfalls an Handelswegen. Somit konnte man auf geschickte Art und Weise den Handel in Regensburg mitkontrollieren[5].

Die Lage Landshuts war also ideal. Durch die Stadtgründung wurde der Isarübergang zusätzlich gesichert. Um eine romanische Kirche (wohl die Urkirche von St. Martin) wurde der Ort als Rundling errichtet. Organisation und Verwaltung dürfte ein herzoglicher Beauftragter übernommen haben. So konnte Ludwig als Stadtherr anfangs wesentlichen Einfluss auf die Stadtentwicklung nehmen. Die Überlieferungen setzen erst Ende des 13. Jahrhunderts ein.

Es ist aber bekannt, dass schon Ende des 12. Jahrhunderts Rodungen in der Gegend statt fanden. Man weiß auch, dass ein Gebiet etwas außerhalb der Stadt, ein Areal um die Kirche St. Nikola wohl schon vor 1200 besiedelt war[6].

III. Name „Landshut“

Landshut ist ein „sprechender Name“[7]. Die Burg Trausnitz hieß anfangs noch Burg Landshut. Die Silbe -hut stammt von „Behüten“ - somit der Schutz, die Hut des Landes. Wahrscheinlich ist der Schutz des ganzen Landes gemeint, nicht nur der des näheren Bereiches um die Burg. Der Vorgängerbau der Burg Landshut war wohl eine hölzerne Bergwarte[8] von der man aber nicht sicher weiß, wer über sie verfügt hatte[9].

IV. Siegel

Die Stadt Landshut führte im 13. und 14. Jahrhundert vier verschiedene Siegel. Diese unterschieden sich allerdings nur geringfügig. Sie waren rund und trugen die drei Eisenhüte. (Dreihelmenwappen, siehe Anhang Nr.2). Es gab die These, dass Kaiser Ludwig der Bayer den Landshuter Bürgern wegen ihrer Verdienste auf dem Schlachtfeld von Gammelsdorf im Jahre 1313 besagte drei Helme verliehen hat. Dies wird aber widerlegt durch einen Nachweis des Dreihelmenwappens aus dem Jahr 1275, der erste bekannte Siegelabdruck. Hier wurde dieses Wappen also auch schon benutzt[10].

Eine Rückführung auf die Wappen einzelner Landshuter Geschlechter scheint ebenfalls nicht überzeugend. Am ehesten sinnvoll ist wohl die Deutung als „redendes Zeichen“, ein Symbol für die Landshüte. Die Helme symbolisieren also Schutz und Hut.

Auffallend ist auch, dass das Landshuter Wappen im Gegensatz zu einer Reihe anderer wittelsbachischer Stadtwappen keine Rauten aufweist[11]. Vor wenigen Wochen entdeckte man bei Grabungen in der Alten Bergstraße (Innenstadt / Hofberg-Bereich) einen Kachelofenrest mit dem Dreihelmenwappen, der wahrscheinlich aus dem 15. Jahrhundert stammt. Näheres wird derzeit noch untersucht.

V. Entwicklung

1. Anfänge

Landshut wird Hauptstadt des Herzogtums Bayern[12]. Die ersten Wittelsbacher förderten ihre Anziehungskraft (siehe Anhang Nr.3). Ludwig I. wurde zwar im Jahr 1231 auf der Donaubrücke in Kelheim von einem Unbekannten erstochen. Dies hat die Entwicklung jedoch nicht behindert. In der Folge hat Otto II. als erster bayerischer Herzog Landshut zu seiner festen Residenzstadt gemacht.

Das Jahr 1255 stellt eine klare Zäsur in der noch jungen Landshuter Stadtgeschichte dar. Die Söhne von Otto II., Heinrich und Ludwig teilten das Herzogtum zum ersten Mal auf. Landshut war daraufhin nicht mehr alleinige Hauptstadt des Herzogtums Bayern, sondern nur noch Residenzstadt des Unterlandes. So hat man Niederbayern damals bezeichnet. Das Oberland wurde ab diesem Zeitpunkt von München aus regiert.

In den 70er Jahren des 13. Jahrhunderts wird Landshut in die Selbstständigkeit entlassen. Hier setzt auch die Überlieferung ein[13]. Eine bürgerliche Verfassung wurde aufgebaut. In diesem Stadtrecht ist der Zuständigkeitsbereich der Stadt festgelegt worden. Außerdem wurden Straf- und Prozessrecht geordnet und erste bürgerliche Rechte definiert[14]. Stadtprivilegien ermöglichten das bürgerliche Satzungsrecht, die Gewerbehoheit, Bau- und Gesundheitspolizei, das Spitalwesen, Steuerhoheit, Siegel- und Wappenrecht, freiwillige Gerichtsbarkeit und Niedergerichtsbarkeit.

Im 14. Jahrhundert entwickelte sich Landshut wirtschaftlich sehr gut. Im Laufe des Jahrhunderts bildete sich eine neue dritte Kraft gegen den Adel und die Kirche heraus: Das Bürgertum - begünstigt durch die Stadt- und Marktgründungspolitik der frühen Wittelsbacher Herzöge. In dieser Zeit wurde die städtische Verfassung angepasst. Der Einfluss der Adeligen scheint reduziert worden zu sein.

1361 wird erstmals ein 12köpfiger Gemeindeausschuss bzw. Rat[15] genannt, zwei Jahre später, 1363, entstand ein äußerer Rat mit 24 Mitgliedern.

Ein Rückschlag war das Jahr 1339 - der Tod Heinrich des XIV. Er hinterließ seinen 11jährigen Sohn, Johann. Dieser starb allerdings schon im darauf folgenden Jahr.

Mit ihm endet die erste Linie der Wittelsbacher in Landshut. Kaiser Ludwig der Bayer übernahm als Vormund das Unterland und versprach, es zu schützen. Landshut war nun nicht mehr Residenzstadt.

Ein zweiter Schock war ein großer Brand im Jahr 1342, bei dem 112 Häuser und unzählige Scheunen vernicht wurden[16]. Das war den Bürgern der Stadt wohl eine Lehre. Ab diesem Zeitpunkt wurde von Holz- auf Ziegelhausbau umgestellt.

Wie viele Städte in ganz Europa blieb auch Landshut im 14. Jahrhundert nicht von Seuchen verschont. 1348 wütete die Pest.

Mit zunehmender Überlieferung finden sich erste bürgerliche Urkunden wie Kaufverträge oder Stiftungen. Das älteste Salbuch von St. Martin, ein Verzeichnis des Grundbesitzes und der daraus resultierenden Einkünfte stammt aus dem Jahr 1331. Das Landshuter Stadtbuch wurde 1361 begonnen.

Wann sich die Handwerker in Zünften organisiert haben, kann nicht genau bestimmt werden. 1368 wird erstmals eine Schneiderzeche erwähnt. Man nimmt somit an, dass sich diese Verbindungen ebenfalls in der Zeit zusammengeschlossen haben.

Nach dem Tod von Kaiser Ludwig dem Bayer bekam Stephan II. Niederbayern. 1363 konnte er die Einheit von Ober- und Niederbayern wieder herstellen.

1392 ist das Jahr einer weiteren Teilung: Das Herzogtum besteht künftig aus Bayern-München, Bayern-Landshut und Bayern-Ingolstadt. Daneben gab es seit 1353 das Herzogtum Bayern-Straubing-Holland. Herzog Friedrich bekam Bayern-Landshut.

2. Glanzzeit (1392 – 1503)

Dieser Zeitraum ist in Landshut als die Zeit der drei „reichen“ Herzöge Heinrich, Ludwig und Georg bekannt. Schon zu Lebzeiten erhielten sie diesen Beinamen. Ausgangspunkt war das Jahr 1392, noch unter Herzog Friedrich: Landshut war eine Großbaustelle. Der bedeutende Baumeister Hans von Burghausen war verantwortlich für die Martins- und Heilig-Geist-Kirche. Zahlreiche Häuser (eigentlich nur einstöckig) wurden aus Platzmangel einfach aufgestockt.

Einschneidende Ereignisse stellten die Jahre 1408 und 1410 unter Heinrich, dem Reichen dar. Es kam es zu Bürgerunruhen. Herzog Heinrich ließ sie blutig niederschlagen und etwa 50 der einflussreichsten und bedeutendsten Familien der Stadt verweisen. Einzelne Persönlichkeiten wurden sogar hingerichtet. Bedienstete des Herzogs übernahmen die Sicherung der Stadttore und er selbst behielt sich das Recht vor, Stadtrichter und Kämmerer zu bestimmen[17].

Warum die Landshuter Bürger sich gegen ihren Stadtherren aufgelehnt hatten, ist bis heute unbekannt. Vielleicht hatten sie sich gegen zu hohe finanzielle Lasten durch die Baumaßnahmen zur Wehr gesetzt. In den Folgejahren sind Herzog und Bürger aber bald wieder aufeinander zu gegangen.

Für alle Berufszweige aus dem Bauhandwerk war Landshut eine gute Beschäftigungsgrundlage. Ziegel und Bausteine wurden aus dem Umland geliefert, Holz ebenfalls oder per Floß aus dem Oberland. Vor dem Ländtor war zu dieser Zeit der “Hafen“ Landshuts. Täglich legten hier die Flöße an. Die Ware musste gemäß der Länd-Ordnung feilgeboten werden. Das förderte das Wirtschaftsleben. Bäcker, Metzger und Gasthäuser hatten eine große Nachfrage. An den Hängen um Landshut standen Rebstöcke. Flurnamen wie Weinzierl weisen bis heute darauf hin[18]. In der Folge sind Wohlstand und Reichtum in der Stadt immer größer geworden.

[...]


[1] Liebhart S.321

[2] Liebhart S.307

[3] Liebhart S.314

[4] Liebhart S.309

[5] Tausche S. 16

[6] Tausche S.17

[7] Tausche S.18

[8] Sekundärquelle: Burg Trausnitz, amtl. Führer, bearb. v. H. Brunner, 1970, 4.Auflage, S.3ff.

[9] Kratzsch S.323

[10] Tausche S.27

[11] Glaser, Hubert (Hsg.). Die Zeit der frühen Herzöge I / 2. Katalog der Ausstellung auf der Burg Trausnitz in Landshut 14.Juni – 5.Oktober 1980, S.150

[12] Tausche S.21

[13] Tausche S.23

[14] Liebhart S.313

[15] später als der innere Rat bezeichnet

[16] Tausche S.29

[17] Tausche S.35

[18] Tausche S.39

Details

Seiten
24
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638479264
ISBN (Buch)
9783638661980
Dateigröße
2.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v52139
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Bayerische Geschichte
Note
1-2
Schlagworte
Bayerische Hauptstädte Mittelalter Landshut Proseminar

Autor

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Titel: Bayerische Hauptstädte im Mittelalter: Landshut