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Brunos Buch vom Sachsenkrieg als Anklageschrift gegen Heinrich IV.

Hausarbeit 2002 17 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhalt

1.Einleitung
1.1. Die Quelle
1.2. Der Autor
1.3. Der Forschungsstand

2.Brunos Buch vom Sachenkrieg als Anklageschrift gegen Heinrich IV.
2.1. Anklagen gegen Heinrichs Charakter
2.1.1. Mordvorwürfe
2.1.2. Verhalten gegenüber Frauen
2.1.3. Fehlende Königstugenden
2.2. Anklagen gegen Heinrichs Politik
2.2.1. Burgenbau
2.2.2. Behandlung der sächsischen Großen
2.3. Anklagen gegen Heinrichs Kirchenpolitik
2.3.1. Simonievorwürfe
2.3.2. Heinrichs Glaubenspraxis

3.Bewertung von Brunos Buch vom Sachsenkrieg

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Mit großer Meisterschaft wird der Salier hier [von Bruno] vorgeführt als jemand, der keine Tugend, aber jedes Laster besaß und dessen abgrundtiefe Schlechtigkeit ihn ganz und gar unfähig machte ein Reich zu leiten“[1]. Dieses Zitat von W. Eggert über ‚Brunos Buch vom Sachsenkrieg’ (auch ‚Liber de bello Saxonico’ oder ‚Brunos Buch’) unterstützt deutlich die These, dass es sich bei besagtem Werk um eine „Anklageschrift“[2] gegen Heinrich IV. handelt.

Ziel meiner Arbeit ist es darzulegen, welche Anklagen Bruno gegen den salischen König vorbringt und diese in ihrer Berechtigung zu überprüfen. Daran anschließend werde ich untersuchen, ob Brunos Ausführungen wirklich lediglich der Anklage dienen oder ob sein Werk noch weitere Funktionen erfüllt. Dazu sollen die Standpunkte verschiedener Historiker gegenübergestellt werden. Um mit der Analyse beginnen zu können, stelle ich zunächst die Quelle selbst, ihren Autor sowie den aktuellen Forschungsstand in einem kurzen Abriss vor.

1.1. Die Quelle

Das ‚Liber de bello Saxonico’ wurde um das Jahr 1082 von dem sächsischen Kleriker Bruno verfasst, der es seinem Gönner, dem Bischof Werner von Merseburg widmete. Brunos Werk setzt ein im Jahr 1073 mit der Schilderung der Ursachen des Sachsenkrieges und endet mit der Weihe des Gegenkönigs Herrman von Salm am 26.12.1081. In einer „grammatisch saubere[n] (...) [und] ausgesprochen gewandte[n] Sprache“[3] beschreibt diese einzige erzählende Quelle aus Sachsen aus der Zeit des Investiturstreit die Geschehnisse aus der Sicht dieses Volkes. Dabei scheint immer wieder die versteckte Kritik des Verfassers - eines Sachsen „mit Leib und Seele“[4] - durch. Diese Parteilichkeit zugunsten des sächsischen Volkes stellt Bruno in den „schroffsten Gegensatz“[5] zu anderen Quellen dieser Zeit wie beispielsweise dem ‚carmen de bello saxonico’.

1.2. Der Autor

Über den sächsischen Geistlichen und Geschichtsschreiber Bruno sind nur wenige Daten bekannt. Geboren wurde er um das Jahr 1050, gestorben ist er zwischen 1082 und 1100. Seine sächsische Abstammung machte ihn schon früh zu einem glühenden Gegner Heinrichs IV. – das verstärkte sich, als er in der engeren Umgebung des Erzbischofs Werner von Magdeburg den Sachsenaufstand der Jahre 1073-1075 miterlebte. Er sah „alles Recht auf Seiten der Sachsen (...), alles Unrecht in der Person des Königs“[6]. Nach dem Tod Werners von Magdeburg im Jahr 1078 trat Bruno zu dem Kreis um Bischof Werner von Merseburg über, in dessen Kanzlei er tätig war und dem er 1082 sein ‚Liber de bello Saxonico’ widmete.

1.3. Der Forschungsstand

In diesem Abschnitt möchte ich weniger auf die weiteren Funktionen eingehen, die ‚Brunos Buch’ noch aufweist (dazu Kap. 3), als vielmehr kurz wiedergeben, wie diese Quelle einzuschätzen ist. Hat man Brunos Werk zeitweise „jeglichen Quellenwert abgesprochen“[7], so muss man heute die Einschränkung machen, dass man trotz der starken Parteilichkeit für die Sachsen dennoch eine aussagekräftige Quelle vor sich hat. Man sollte den Verfasser nicht der „bewußten Irreführung und Verfälschung bezichtigen“[8], sondern die „subjektive Wahrhaftigkeit“[9] anerkennen, mit der Bruno von seinem Standpunkt aus berichtet. Er war eben von der guten Sache der Sachsen überzeugt. Hat man sich dies verdeutlicht, liefert das Werk für den Historiker nicht nur Fakten, sondern ist auch ein „Dokument sächsischen Stammesbewußtseins“[10]. Trotzdem ist bei der Arbeit mit dieser Quelle Vorsicht geboten, wie B. Schmeidler anmahnt. Die offenkundige Parteilichkeit und mögliche Erinnerungsfehler des Autors einfach zu übersehen, seien häufige Fehlerquellen im Umgang mit Brunos Werk[11].

2. ‚Brunos Buch vom Sachsenkrieg’ als Anklageschrift gegen Heinrich IV.

In Brunos Buch vom Sachsenkrieg reihen sich die Vorwürfe gegen Heinrich IV. in nahezu jedem Kapitel aneinander. Ich beschränke mich jedoch auf einige der Hauptvorwürfe, die dem König angelastet werden: Anklagen wegen seines Charakters (s. Kap. 2.1.), seiner Politik (s. Kap. 2.2.) und seines Verhaltens gegenüber der Kirche (s. Kap. 2.3.). In einem zweiten Schritt werde ich die Berechtigung dieser Anklagen prüfen, wobei schon jetzt anzumerken ist, dass nicht immer ein Urteil über die Berechtigung der Anklagen gefällt werden kann. Das ‚warum’ möglicher Falschaussagen Brunos zu klären, ist nicht Ziel dieser Ausführungen. Es muss also ausdrücklich dahingestellt bleiben, „ob [Bruno] in gehässiger Absicht oder im guten Glauben an die Richtigkeit seiner Erzählungen“[12] seine Anklagen niedergeschrieben hat.

2.1. Anklagen gegen Heinrichs Charakter

Nach dem Vorwort im ‚Liber de bello saxonico’, in dem Bruno sein Werk dem Bischof Werner von Merseburg widmet, beginnt er mit seinen Erzählungen und zeichnet bereits in den ersten Kapiteln das „Charakterbild des von Jugend auf völlig verderbten Königs“[13]. Schon im Kindesalter war Heinrich laut Bruno „aufgebläht von königlichem Hochmut [und hörte] kaum mehr auf die mütterlichen Ermahnungen“[14]. Auch der Staatsstreich von Kaiserswerth im April 1062, der ihn in die Obhut der Fürsten brachte, bewirkte keine Verbesserung. Im Gegenteil entsagte Heinrich „völlig dem Tugendpfad und beschloß, nur noch seinen Begierden zu folgen“[15]. So beschreibt Bruno den Charakter des jungen Königs. Die heutige Forschung schließt sich diesen Ansichten weitgehend an. E. Boshof beispielsweise urteilt, dass der Salier „den Forderungen, die die Königsethik an einen Herrscher stellte, nämlich Vorbild für sein Volk zu sein, nicht (...) gerecht wurde“[16]. In den Ursachen für diese Entwicklung gehen die Meinungen jedoch auseinander. Während Bruno vor allem den Erzbischof Adalbert von Bremen dafür verantwortlich macht, den „Keim des Lasters noch mit dem Tau des Schmeichels zu benetzen“[17] und den König so in seiner Bosheit zu bestärken, erklärt E. Boshof den schlechten Charakter Heinrichs damit, dass „die königliche Familie selbst (.) zerrüttet“[18] war. Dass Bruno hier den Erzbischof als Ursache des Übels darstellt, darf nicht verwundern, stand dieser doch im Konflikt mit einem sächsischen Herzog aus dem Hause der Billunger. Adalbert erhoffte sich durch seine Einflussnahme Vorteile von Heinrich IV., um so den gewachsenen Machtbereich des Billungers mit Hilfe der königlichen Gewalt wieder einzuschränken[19]. Bruno weiß um diese Rivalität und stellt sich – natürlich – auf die Seite des Sachsen. Aus den obigen Erörterungen wird deutlich, dass Zweifel an Heinrichs Charakter grundsätzlich berechtigt sind, wie die Anklagen im einzelnen aussehen, wird im Folgenden dargestellt.

2.1.1. Mordvorwürfe

Eine der schwersten Beschuldigungen, die Bruno gegen Heinrich IV. vorbringt, sind die „viele[n] und ungeheuerliche[n] Mordtaten“[20], die der König nicht nur gegen seine Gegner, sondern vor allem gegen seine engen Vertrauten und Ratgeber begangen habe. Neben den Morden an sich klagt Bruno vor allem die Motive Heinrichs an, diese Morde zu begehen. Er stellt den König als unberechenbar dar, weil dieser nicht nur Mitwisser töte, sondern auch diejenigen, die gegen seine Meinung waren. So führt Bruno aus:

[...]


[1] Eggert, W., Wie pragmatisch...?, 1995, S. 552.

[2] Ebd., S. 545.

[3] Buchner, R. (FSGA 12), 1963, S. 30.

[4] Ebd., S. 29.

[5] Eckerlin, H., Die Ursachen des Sachsenaufstandes, 1883, S. 7.

[6] Buchner, R. (FSGA 12), 1963, S. 29.

[7] Ebd.

[8] Ebd.

[9] Ebd.

[10] Schmale, F.-J., Zu Brunos Buch vom Sachsenkrieg, 1962, S. 238.

[11] Vgl. Schmeidler, B., Sachsen und Thüringen, 1967, S. 592 f.

[12] Althoff, G., Pragmatische Geschichtsschreibung, 1992, S. 101.

[13] Schmale, F.-J., Zu Brunos Buch vom Sachsenkrieg, 1962, S. 237.

[14] Bruno, cap. 1, S.195: „... proficeret matrisque monita regio fastu tumidus iam minus audiret…“

[15] Bruno, cap. 1, S. 197: „... qua incederet, elegit, calleque virtutum penitus abdicato, totis viribus post concupiscentias suas ire disposuit.”

[16] Boshof, E., Heinrich IV., 1990, S. 51.

[17] Bruno, cap. 5, S. 199: „... sed ut germina vitiorum adulationis aqua rigaret…”

[18] Boshof, E., Die Salier, 2000, S. 194.

[19] Vgl. Weinfurter, S., Herrschaft und Reich, 1992, S. 119 f.

[20] Bruno, cap. 10, S. 205: „Tot enim in homicidiis immania perpetravit facinora…”

Details

Seiten
17
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638477918
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v51964
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1-2
Schlagworte
Brunos Buch Sachsenkrieg Anklageschrift Heinrich

Autor

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Titel: Brunos Buch vom Sachsenkrieg als Anklageschrift gegen Heinrich IV.