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Jugend und das Phänomen Drogen - Eine Herausforderung für die Jugendarbeit?!

Seminararbeit 2006 28 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I Jugendlicher Drogenkonsum
1. Gründe für Jugendlichen Drogengebrauch
1.1 Subjektive Erklärungen
1.2 Stresstheoretische Ansätze
1.3 Lerntheoretische Ansätze
1.4 Jugendliches Risikoverhalten
2. Gründe für jugendlichen Drogensucht
2.1 Psychoanalytische Anätze
2.2 Systemische Theorien
2.3 Genetische und neurobiologische Theorien
3. Jugendliche Drogenaffinität

II Exkurs: Drogen - begriffliche Bestimmungen und Vorstellung der „jugendlichen Alltagsdrogen“
1. Der Begriff der „Droge“
2. Drogenarten
2.1 Legale Drogen
2.1.1 Koffein
2.1.2 Alkohol
2.1.3 Tabak
2.1.4 Psychotrope Medikamente
2.2. Illegale Drogen
2.2.1 Halluzinogene
2.2.2 Psychostimulanzien

III Jugend und das Phänomen Drogen- eine Herausforderung für die Jugendarbeit?!
1. Die Lebensphase Jugend
1.1 Charakterisierung und Veränderung der Lebensphase Jugend
1.2 Jugendliche Entwicklungsaufgaben
2. Jugendarbeit
2.1 Ziele und Aufgaben der Jugendarbeit
2.2 Veränderungen der Jugendarbeit
3. Möglichkeiten des Umgangs mit suchtgefährdeten Jugendlichen

Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Ehrenwörtliche Erklärung

Einleitung

Verfolgt man die geschichtliche Forschung über das kulturelle Leben sämtlicher Völker zurück, stellt man fest, dass in nahezu allen Epochen der menschlichen Vergangenheit zu bestimmten Anlässen Drogen konsumiert wurden und werden. Dies sollte man sich bei der Dis­kussion über Drogen vor Augen führen und die Gefahren des Drogenkonsums nicht unterschät­zen, gleichzeitig jedoch die Rolle von Drogen nicht überschätzen. Demzufolge sind Aussagen wie die folgende in diesem Zusammenhang gefährlich und nur wenig hilfreich:

„Auf Grund zahlreicher Berichte kann man sogar zur Einsicht gelangen, dass ohne Drogengebrauch die menschliche Sozialisation und kulturelle Entwicklung niemals die hohen Entwicklungsstufen erreicht hätten, als wenn Menschen auf wahrnehmungs- und bewusstseinsverändernde Substanzen verzichtet hätten.“[1]

Es lässt sich feststellen, dass Konsum und Abhängigkeit von Drogen weltweit als Phänomen auftreten und es sich dabei nicht ausschließlich um ein Problem der heutigen Zeit oder gar der heutigen Jugend handelt. Und dennoch ist nach Meinung vieler Fachleute „der Konsum verbote­ner Drogen nicht von der „Lebensphase Jugend“ zu trennen.“[2] Es muss die Frage geklärt werden, wie die Jugendarbeit als Teil der Jugendhilfe mit diesem Phänomen umgehen kann und Jugendlichen entsprechende Hilfen bereitstellen kann. Das Ziel dieser Arbeit ist es, in dem ersten Teil dem jugendlichen Drogenkonsum nach­zugehen, mögliche Gründe dafür aufzuzeigen und die Drogenaffinität Jugendlicher in Deutschland darzustellen. Nach einem Exkurs in die Definition und Beschreibung der geläufigsten „Alltagsdrogen“ Jugendlicher werden die Ziele und Aufgaben moderner Jugendarbeit geschildert und die Möglichkeiten des Umgangs mit suchtgefährdeten Jugendlichen diskutiert.

I Jugendlicher Drogenkonsum

1. Gründe für Jugendlichen Drogengebrauch

Zunächst sollte geklärt werden, wo die Trennlinie zwischen einem „normalen Gebrauch“ bzw. einem Drogenmissbrauch auf der einen und einer Drogensucht auf der anderen Seite gesprochen wer­den kann. Normaler Gebrauch von Drogen mit hohem Abhängigkeitspotenzial ist grundsätzlich unmöglich. Umstritten ist weiterhin, ob ein normaler Cannabiskonsum möglich ist. Von einem normalen Alkoholkonsum würde man sprechen, wenn „alkoholische Getränke in begrenzter Menge zum Löschen des Durstes oder zum Genuss getrunken werden“[3]. Noch von einem Drogenmissbrauch und keiner Abhängigkeit spricht man bei einem bereits gesundheitsschädigenden, nicht jedoch suchtgesteuerten Drogenkonsum.

1.1 Subjektive Erklärungen Drogenkonsumierender Jugendlicher

Schneider (1996) befragte 60 Drogenkonsumenten bezüglich ihrer Motive für Drogenkonsum. Die empirische Untersuchung ergab, dass neben Neugier und Genuss, soziale Motive entscheidenden Einfluss auf den Drogenkonsum haben können. Das Verlangen, zu einer drogengebrauchenden peergroup zu gehören, verstärkt dieses Verhalten. Man spricht vom „Konformitätsdruck“ innerhalb der peergroup: Gemeinsame Erfahrungen fördern den Zusammenhalt der Gruppe und grenzen sie von der Erwachsenenwelt ab. Überwiegen negative Erfahrungen, die im Zusammenhang mit dem Drogenkonsum gemacht werden, wird dieser zumeist wieder eingestellt. Im Falle eines positiven Rauscherlebnisses (was bei weitem nicht immer der Fall ist) rückt das Motiv „Entspannung/ Genuss“ in den Vordergrund. Ein weiterer subjektiver Grund für Drogengebrauch können subkulturelle Motive sein. Eine bestimmte Droge kann zum Teil einer jugendlichen Subkultur werden. So wurde beispielsweise LSD der Hippieszene der 60er und 70er Jahre zugeordnet oder Ecstasy über Jahre hinweg als das Erken­nungszeichen der jugendlichen Techno- und Partyszene angesehen. Weitere subjektive Erklärungen können in der Anbindung an einen Intimpartner, interpersonel­len Beeinflussungen oder situationsbedingten Anreizbedingungen liegen. Die Hauptgründe für die befragten Jugendlichen lagen jedoch klar in den oben genannten sozialen Motiven, sowie insbesondere in der Neugierde auf die Wirkung einer Droge und natürlich in dem Reiz, etwas Verbotenes zu tun. Die Jugendphase ist somit unter anderem als eine Experimentierphase zu betrachten, in der Ausprobieren und Erproben im Vordergrund stehen.

1.2 Stresstheoretische Ansätze

Dem Stresstheoretischen Ansatz für Drogenkonsum soll in der Folge intensivere Beachtung ge­schenkt werden, da dieser im Besonderen die sozialen Ursachen für Drogenge- und -missbrauch ins Blickfeld rücken lässt. Drogenkonsum tritt in diesem Fall als Moderator bei kritischen Lebensereignissen, chronischen Anspannungen und problematischen Dispositionen auf. Soziale Belastungen, die zum Drogenkonsum führen können, treten vor allem bei familiären Beziehungskrisen, fehlenden Chancen auf dem Arbeitsmarkt und allgemeinen sozioökonomischen Belastungen auf. Probleme, die innerhalb der Familien auftreten, sind ebenso zahlreich wie mannigfaltig. Die meisten Familien haben sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verkleinert, die Beziehungen zwischen Familienmitgliedern sind stark verändert. In vielen Fällen sind beide Elternteile berufstätig und haben somit weniger Zeit für ihre Kinder. Gleichzeitig setzen sie oft sehr hohe Erwartungen in ihre Kinder und projizieren ihre eigenen Wünsche und Ziele in ihre Nachkommen, was in vielen Fällen zu einer psychischen Überforderung der Kinder führt. Ein vermeintlicher Ausweg kann der Griff zu Drogen sein, um sich bewusst von den elterlichen Anforderungen abzuwenden und dem elterlichen Druck beizukommen. Viele Eltern versuchen ihre Kinder so lange wie möglich an sich zu binden. Den Jugendlichen wird es somit erschwert, einen natürlichen Ablöseprozess zu vollziehen. Drogenkonsum kann als Versuch betrachtet werden, die Ablöseproblematik zu bewältigen.

Ein weiterer Grund für jugendlichen Drogenkonsum kann im Ungleichge­wicht zwischen Eigen- und Fremdbestimmung im familiären Bereich gesehen werden. Der Heranwachsende muss sei­nen Platz innerhalb der Familie finden, sich selbst verwirklichen, sich aber gleichzeitig auch anpassen können. Spannungen lassen sich grundsätzlich nicht vermeiden, oftmals jedoch durch ein gutes Familienklima ausgleichen. Sind die Spannungen zu groß oder ist das Gleichgewicht zwischen Grenzensetzen und Gewährenlassen zerstört, kann es durch das Bedürfnis nach Entlas­tung, Ablenkung und Ausgleich zum jugendlichen Drogenkonsum kommen.

Armut, Arbeitslosigkeit und eine allgemeine sozioökonomische Benachteiligung sind in vielen Fällen einer der Auslöser für Drogenmissbrauch. Es ist insbesondere Alkohol-, zunehmend auch Medikamentenmissbrauch, mit dem Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien konfrontiert werden. Die Erscheinung Arbeitslosigkeit kann den Jugendlichen direkt, als auch indirekt, betreffen. Über fünf Millionen Deutsche sind offiziell arbeitslos, davon ca. 610.000, die jünger als 25 Jahre alt sind[4]. Der Arbeitsplatz ist für viele ein Teil der eigenen Lebensgestaltung und ein Bestandteil der persönlichen Selbstverwirklichung. Noch drastischer als der Verlust kann das monatelange vergebliche Bewerben um einen Job sein, der Betroffene fühlt sich wertlos, sein Selbstwertgefühl schwindet und die Angst vor Verarmung wächst. Nun führt Arbeitslosig­keit keineswegs automatisch zum Drogenkonsum oder gar zur Sucht, „aber sie birgt als ein besonders „kritisches“ Lebensereignis Momente sozialer und psychischer Veränderungen in sich.“[5] In vielen Fällen ist der Jugendliche nicht direkt von Arbeitslosigkeit betroffen, sondern eines oder gar beide Elternteile verlieren ihren Job. In diesem Fall wächst die Gefahr, dass der Vater oder die Mutter zu, meist legalen, Drogen greift und somit ungewollt als „Vorbild“ für ihr Kind oder den Jugendlichen fungieren. Stressfördernde Faktoren, die außerhalb der Familien liegen, können gerade dann entstehen, wenn sich der Jugendliche mit extremen Belastungen in Schule, Ausbildung oder Arbeit kon­frontiert sieht. Schulische Überforderung kann auftreten, wenn die Jugendlichen dem elterlichen, gesellschaftlichen oder auch persönlichen Leistungsdruck nicht gewachsen sind oder in dem sozialen System Schule nicht zurechtkommen. Viele Arbeitsplätze können für das Individuum stark unbefriedigend sein (lärmbelastende Arbeit, psychisch belastende Arbeit, körperlich sehr schwere Arbeit, monotone Arbeit oder gefährliche Arbeit) und in vielen Fällen vermeintlich nur mit dem Gebrauch legaler Drogen (Kaffee, Nikotin, Medikamente) zu bewältigen.

1.3 Lerntheoretische Ansätze

Es wurde verdeutlicht, dass der Einfluss der peergroup hinsichtlich des Drogengebrauchs ent­scheidend sein kann. Lerntheoretische Ansätze gehen von einem Imitationsverhalten der Jugend­lichen aus. Imitiert werden vor allem angesehene Mitglieder einer Peergroup aber auch Eltern, Geschwister und Jugendidole. Insbesondere legale Substanzen (Tabak, Alkohol) werden trotz negativer Begleiterscheinungen von Jugendlichen konsumiert, häufig im Bestreben, dem Verhal­ten bestimmter Vorbilder nachzueifern. In Folge dessen erfahren die Jugendlichen, dass bestimmte Substanzen positive Gefühle hervorrufen und assoziieren ursprünglich neutrale Reize (z.B. Weinflasche) mit positiven Reaktionen (z.B. Entspannung). Man spricht in diesem Fall von klassischer Konditionierung. lerntheoretische Erklärungsansätze können neben dem Ein­stieg in den Drogenkonsum auch Erklärungen für eine Drogensucht darstellen: „Sucht wird als erlerntes Verhalten angesehen, das aufgrund von lerntheoretischen Gesetzmäßigkeiten (…) zustande kommt.“[6]

1.4 Jugendliches Risikoverhalten

Es wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit deutlich, dass die Jugendphase im Zeichen der Bewältigung der spezifischen Entwicklungsaufgaben, sowie der Auseinandersetzung mit erheblichen individuellen Veränderungen, steht.

„Aus diesem Zusammenprall von psychisch-biologischen und sozial-ökologischen Anforderungen in einem knappen Zeitraum der Lebensspanne können sich Belastungen ergeben, wenn die Bewältigungsstrukturen nicht ausreichen.“[7]

Jugendliches Risikoverhalten kann unter anderem dann entstehen, wenn der Jugendliche über unzureichende Bewältigungskompetenzen verfügt, wenn zu viele Entwicklungsaufgaben zur sel­ben Zeit bewältigt werden müssen, wenn sich der Jugendliche mit starken Diskrepanzen im El­ternhaus konfrontiert fühlt oder wenn andere zusätzliche Belastungen (Todesfall im Familien- oder Freundeskreis, Trennung der Eltern etc.) auftreten. Risikoverhalten ist ein natürlicher Pro­zess des Jugendalters, dem eine entscheidende Funktion im Entwicklungsprozess des Jugendli­chen zugewiesen werden kann. Jugendliches Risikoverhalten ist unkonform zum kindlichen Verhalten auf der einen, und klar abgrenzend zur Erwachsenenwelt auf der anderen Seite und so­mit als allgemeines jugendkulturelles Phänomen zu betrachten. Erst wenn sich dieses Verhal­ten über das Jugendalter hinaus manifestiert, stellt es ein ernstes Problem dar. Neben Drogenkonsum zählen unter anderem delinquente Verhaltensweisen, politischer Radikalismus oder Aggressivität zum jugendlichen Risikoverhalten.

Die Gründe für Drogenkonsum können ebenso zahlreich wie individuell verschieden sein. Dro­genkonsum kann dazu dienen, Erwachsenenverhalten demonstrativ vorwegzunehmen, elterliche Kontrollvorstellungen bewusst zu verletzen, soziale und gesellschaftliche Wertekritik zu bekun­den, sich Zugang zu bestimmen peergroup zu verschaffen und letztlich eine Notfallreaktion oder auf bedeutende psychische und soziale Entwicklungsstörungen sein. Es gibt folglich nicht die Theorie zur Erklärung der Entstehung des Drogenkonsums Jugendlicher, da es sich bei diesem Phänomen um eine vielschichtige Kausalitätskette handelt.[8]

2. Gründe für Jugendliche Drogensucht

Laut der „Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesund­heitsprobleme Version 10“ (ICD-10) spricht man von einer Drogenabhängigkeit, bzw. Drogen­sucht (die Begriffe werden synonym verwendet) wenn mindestens drei der folgenden Kriterien zutreffen:

a) innerer Zwang zum Konsum
b) verminderte Kontrollfähigkeit
c) körperliche Entzugsymptome bei Beendigung oder Reduktion des Konsums
d) Toleranzbildung
e) Vernachlässigung anderer Interessen zu Gunsten der Beschaffung, Konsum oder Erholung vom Konsum
f) fortgesetzter Substanzkonsum trotz Wissen um bereits vorliegende Gesundheitsschäden.

2.1 Psychoanalytische Erklärungsansätze

Psychoanalytische Erklärungsansätze begründen süchtiges Verhalten mit Störungen der Persön­lichkeit des Jugendlichen. Nach Freud sind Onanie und Autoerotik die Grundtypen jeglicher Suchtformen, zurückzuführen auf eine Störung des Verhältnisses zwischen „Ich“, „Über-Ich“ und „Es“. Das „Es“ ist die primäre Instanz, aus der sich die beiden anderen Instanzen entwi­ckeln. Vereinfacht ausgedrückt strebt das „Es“ nach Befriedigung tiefer Bedürfnisse. Das „Über-Ich“ ist die Instanz, die gesellschaftliche Normen, Regeln und Wertvorstellungen in sich trägt und somit triebunterdrückend wirkt. Das „Ich“ ist die vermittelnde Instanz zwischen dem „Es“ und dem „Über-Ich“. Sucht kann im Sinne dieser Theorie als eine Antwort auf das Ungleichgewicht zwischen Lust und Unterdrückung beschrieben werden. Das „Ich“ ist beim Abhängigen nur unzureichend entwickelt und „vermag die Abfuhr der Energien des „Es“ nicht mehr zu steuern.“[9] Nach Auffassung der Psychoanalytiker liegen die Gründe dafür in frühkindliche Störungen des Mutter-Kind-Verhältnisses, die Störungen des „Ichs“ und der Identität zur Folge haben. Fälschlicherweise übersieht die psychoanalytische Theorie situative Auslösebe­dingungen, gesellschaftliche Faktoren sowie soziale Ursachen und kann somit nur zum Teil als Erklärungsansatz herangezogen werden.

2.2 Systemische Theorien

Da deduktives Schlussfolgern in der Pädagogik nicht möglich ist, menschliches Verhalten also nicht durch ein einfaches Ursache-Wirkungs-Schemata erklärbar ist, richten systemische Theo­rien ihr Augenmerk auf die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Elementen eines sozia­len Systems. Das primäre soziale System eines Jugendlichen ist die eigene Familie, bestehend aus den unterschiedlichen Subsystemen Eltern, Geschwister und dem der einzelnen Familien­mitglieder. Ein, das System aufrechterhaltendes, Gleichgewicht zwischen den einzelnen Elementen, ist häufig abhängig von ganz spezifischen Rollenzuweisungen.

„So kann ein Drogenabhängiger als „Sorgenkind“ in einer Familie eine wichtige „Mission“ erfüllen, indem er ihr Auseinanderfallen verhindert. In diesem Fall besteht die Gefahr, dass die Familie (mehr oder weniger) unbewusst versucht, seine Abhängigkeit zu erhalten und therapeutische Bestrebungen sabotiert.“[10]

Systemische Theorien sind nicht geeignet, die Entstehungsgeschichte von Sucht zu untersuchen, sondern „fragen danach, welche familialen und intergenerationalen Mechanismen das Suchtverhalten zum gegenwärtigen Zeitpunkt aufrechterhalten bzw. verändern.“[11] Sucht ist nach der systemischen Sichtweise also kein individuelles Problem, sondern ein im Kontext der Familie entstandenes angebrachtes Verhalten.

2.3 Genetische und neurobiologische Theorien

Neurobiologischen Theorien zufolge entsteht eine Sucht im Falle einer „Erkrankung des Gehirns aufgrund von biochemischen „Verletzungen“ der neuralen, zellulären und molekularen Strukturen.“[12] Drogen, die von außen zugeführt wurden, fungieren als Auslöser, um körpereigene Suchtstoffe in unnatürlich großen Mengen auszuschütten. Wird die Zufuhr der Droge gestoppt, reagiert der Körper mit Entzugserscheinungen und macht somit erst dann die Abhängigkeit erkennbar.

Studien haben ergeben, dass Kinder aus Alkoholikerfamilien einem größeren Risiko ausgesetzt sind, ebenfalls alkoholabhängig zu werden, als jene, die aus „normalen“ Familienverhältnissen kommen. Mit welchem Anteil dies jedoch genetisch verursacht ist, ist weiterhin fraglich. Die meisten Untersuchungen bestätigen jedoch den Einfluss genetischer Faktoren auf das Suchtverhalten, insbesondere in Bezug auf Alkoholismus. Man kann jedoch davon ausgehen, dass neben genetischen, weitere Faktoren hinzutreten müssen, um ein Suchtverhalten im Jugendlichen auszulösen.

Es sollte deutlich werden, dass es bedingt durch die Verschiedenartigkeit individueller und so­zialer Bedingungen eine einheitliche Theorie für Drogenabhängigkeit nicht geben kann. Eine Verbindung verschiedener Ansätze, die unterschiedliche Aspekte des Drogenmissbrauchs be­leuchten („Mehrfaktoren-Ansatz“), kann zum besseren Verstehen von Drogenabhängigkeit füh­ren. Der Wunsch einer umfassenden Erklärung oder eines sicheren Vorhersagens ist dennoch eine illusionär. Zu individuell verschieden sind die mannigfachen Faktoren, die sich auf eine Dro­genabhängigkeit auswirken können.

[...]


[1] Cousto in: Allenspach u. Raths (1997); S. 7

[2] Friedrichs (2002); S. 131

[3] Ulrich (2000); S.90

[4] Quelle: www.jugendarbeitslosigkeit.de

[5] Hurrelmann (1997); S. 92

[6] Hurrelmann (1997); S. 26

[7] Hurrelmann in Grundmann (1998); S. 33

[8] Vgl.: Grundmann (1998); S. 36

[9] Hurrelmann (1997); S. 25

[10] vgl. Bründel/Hurrelmann in: Ulrich (2000); S. 100

[11] Hurrelmann (1997); S. 30

[12] Ebd.; S. 34

Details

Seiten
28
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638476270
Dateigröße
594 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v51742
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,0
Schlagworte
Jugend Phänomen Drogen Eine Herausforderung Jugendarbeit

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