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Sprachpolitik in Frankreich

Hausarbeit 2006 18 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A) Einleitender Gedanke

B) Die Sprachpolitik in Frankreich
1. Allgemeines zur Sprachpolitik
1.1 Definition von Sprachpolitik
2. Die Geschichte der französischen Sprachpolitik
2.1 Die Anfänge der französischen Sprachgesetzgebung
2.2 17. Jahrhundert- Sprachpolitik im Zeichen des Absolutismus
2.3 Sprachpolitik im Revolutionszeitalter
2.4 Das 19. Jahrhundert- der Ausbau der Nationalsprache
2.5 Das 20. Jahrhundert
2.6 Staatliche Sprachplanung und -lenkung seit den 90er Jahren
2.6.1 Der Kampf gegen den anglo- amerikanischen Einfluss
2.6.2 Politisch korrekte Ersatzformen
2.6.3 Frankreich und Europa
3. Ausgewählte französische Sprachpflegeorganisationen
3.1 Académie française
3.2 Délégation générale à la langue française (DGLF)
3.3 Haut de Conseil de la Francophonie (HCF)

C) Schlussgedanke

D) Bibliographie

A) Einleitender Gedanke

In der einschlägigen Literatur zur sprachlichen Situation Frankreichs ist allgemein bekannt, dass die französische Sprache weitaus mehr normiert ist als andere europäische Sprachen und die Franzosen ein ganz besonderes Verhältnis zu ihrer Sprache bekunden. Betrachtet man die romanischen Sprachen, so fällt auf, dass die französische Sprache eine der längsten und wirkungsvollsten sprachplanerischen Traditionen vorweisen kann, die auch heute noch nicht abbricht. Durch diese sprach-politische Tradition hat sich in Frankreich ein besonderes Sprachbewusstsein entwickelt, denn in keinem anderen europäischen Land ist die Sprache so sehr Gegenstand des Interesses der Öffentlichkeit, der Medien, der Schriftsteller und des Staates. Nur in Frankreich kann das Verwenden einiger „nicht-salonfähiger“ Ausdrücke in einer Fernsehdiskussion zum öffentlichen Eklat führen und zu einer „affaire nationale “ hochstilisiert werden.1)

Staatliche Institutionen führen in unregelmäßigen Abständen Erlasse zum Gebrauch der französischen Sprache ein, die es zu beachten gilt. Bei Nicht- Befolgung droht eine strafrechtliche Verfolgung. Vor allem dem Englischen haben die Franzosen den Kampf angesagt.

Ein Verständnis für die aktuellen Maßnahmen und für das besondere Verhältnis des Franzosen zu seiner Sprache kann nur die Geschichte der Sprachpolitik erbringen, die sich, wie ich zeigen werde, grundsätzlich von denjenigen anderer Nationalstaaten unterscheidet. In Folgendem soll nun auf die verschiedenen Epochen der französischen Sprachpolitik eingegangen werden unter besonderer Berücksichtigung der Literatur von Schmitt2) und Braselmann3).

B) Die Sprachpolitik in Frankreich

1. Allgemeines zur Sprachpolitik

1.1 Definition von Sprachpolitik

Sprachpolitik kann allgemein definiert werden als die „politischen Maßnahmen, die auf die Einführung, Durchsetzung, und Bestimmung der Reichweite von Sprache zielen.“3)

Der Begriff „Sprachpolitik“ ist nicht leicht einzugrenzen. Zahlreiche andere Schlagworte tauchen in diesem Zusammenhang auf: Sprachpflege, Sprachplanung, Sprachgesetzgebung, Sprachausbau, Sprachnormierung…

Diese Begriffe können als Teilgebiete der Sprachpolitik verstanden werden. Ihre Definition und Abgrenzung zueinander soll aber hier nicht im Mittelpunkt stehen.

2. Die Geschichte der französischen Sprachpolitik

2.1 Die Anfänge der französischen Sprachgesetzgebung

Um die Anfänge der Sprachpolitik in Frankreich zu verstehen, muss man einen Blick zurück auf die sprachliche Entwicklung werfen. Eine Sprachgesetzgebung im eigentlichen Sinne gab es im Mittelalter noch nicht. Latein und Französisch standen sich in einem nicht geregelten Verhältnis gegenüber, ohne dass die Funktions-bereiche der Sprachen juristisch geregelt worden sind. Erst ab dem 13. Jahrhundert kann man nachweisen, dass „das Französische als Urkundensprache eine sichere Position einnimmt, die bis zum Hundertjährigen Krieg systematisch ausgebaut wird.“4)

Bereits 1490 wurde von Karl VIII. eine Verfügung erlassen, mit der Folge, dass im Languedoc „Prozesse und Untersuchungen nicht in Latein, sondern auf Französisch

(das dort so gut wie niemand verstand) oder in der Vulgärsprache der Provinz, d.h. in okzitanischer Mundart zu führen seien.“5) 1532 wurde dieses System auch auf die Provence erweitert. Francois I., der im Jahr 1515 König wurde, leitete die Zentralisierung des Königtums ein. Die Idee des nationalen Königtums setzte sich in dieser Zeit durch. Parallel dazu wurden Versuche unternommen, das Französische aufzuwerten und als Nationalsprache aufzubauen. Die Renaissance war eine wichtige Komponente auf dem Weg zu einer Sprachpolitik in Frankreich. Der Umgang mit antiken Schriften und deren Übersetzung sowie das Druckwesen führten zu einer Auseinandersetzung mit der eigenen Sprache. Die Reformation verbreitete den Großteil der Schriften in der Volkssprache. Die Volkssprache machte dem Lateinischen in einigen Bereichen Konkurrenz.

Im Jahr 1539 wurde mit der Ordonnance von Villers- Cottérêts ein entscheidender sprachpolitischer Akt vollzogen. Mit dieser Ordonnance wurde das Französische zur offiziellen, einzig gültigen Urkunden- beziehungsweise Verwaltungssprache des gesamten Herrschaftsgebietes.6)

Heute gibt es für Muttersprachler und den Französisch Lernenden eine unüber-schaubare Menge von Grammatiken, Wörterbüchern und Lexika, die die Regeln der französischen Sprache vermitteln. Die Suche nach diesen Regeln und ihre Fixierung begann im 16. Jahrhundert. Damals diskutierte man über Grammatik, Graphie und den Wortschatz des Französischen. Einige Kreise beteiligten sich besonders an der Diskussion, zum Beispiel Humanisten, Übersetzter, aber auch der König, der ein sehr großes Interesse an verbindlichen Regeln für die Sprache seines Reiches hatte.

Auch die Schreibung sorgte für Diskussionsstoff. Durchgesetzt hatte sich schließlich die am lateinischen Ursprung orientierte Graphie. Diese ersten Normierungsbe-strebungen sollten im 17. Jahrhundert verstärkt fortgesetzt werden.

2.2 17. Jahrhundert- Sprachpolitik im Zeichen des Absolutismus

Das 17. Jahrhundert stand politisch im Zeichen des Aufbaus der absolutistischen Herrschaft. Um die Macht des Königs zu stärken, wurde der einflussreiche Adel entmachtet und schließlich in der Ära von Ludwig XIV. am Hof von Versailles „domestiziert“. Es herrschte die eine Regel der Sprachpolitik: „cuius regio, eius lingua.“7) Mit den zahlreichen Eroberungskriegen von Ludwig XIV. begann eine sprachliche Assimilation der eroberten Gebiete. Widerstand war zwecklos. Im Klartext hieß das, „daß es neben der französischen Schule keine entsprechenden katalanischen Einrichtungen geben durfte.“8)

Mit der Académie française wurde 1635 eine Institution geschaffen, die eine Zensur- und Kontrollinstitution darstellte und das intellektuelle Leben in Frankreich überwachte. Der König hatte sich ein Machtinstrument der Kulturpolitik und damit zur Lenkung der Sprache geschaffen. Vaugelas, ein führendes Mitglied der Académie, erklärte die Sprachweise des Hofes und der angesehenen Schriftsteller zum bon usage. Das Wirken der Académie prägte im 17. Jahrhundert das Sprachbewusstsein der Franzosen entscheidend. Vaugelas beschäftigte sich mit der geschriebenen und gesprochenen Sprache, der bon usage reduzierte sich in der Nachfolge vor allem auf die Schriftsprache der klassischen Autoren.9)

Als wichtigstes Ergebnis, der im 17. und beginnenden 18. Jahrhundert betriebenen Sprachpolitik des absolutistischen Regimes, kann man die Entwicklung einer sprachlichen Einheit im französischen Herrschaftsgebiet festhalten, so war das Schulwesen auf die Nationalsprache zentriert, Dialekte wurden immer mehr systematisch verdrängt und eine „Partizipation am politischen Geschehen war ohne die genaue Kenntnis der französischen Hochsprache nicht denkbar; wer die Nationalsprache nicht beherrschte, war sozial abqualifiziert.“10)

[...]


1) vgl. Christmann, H.H.: Sprachpolitik und Sprachpflege im Frankreich der 80er Jahre: défense, illustration, diffusion; In: Französische Sprachlehre und bon usage: Festschrift für Hans-Wilhelm Klein zum 75. Geburtstag; hrsg. von Albert Barrera- Vidal ; München 1986; S

2) Schmitt, C.: Französisch: Sprache und Gesetzgebung; In: Lexikon der Romanistischen Linguistik; hrsg. von Holtus, G.; Tübingen, 1990; Band

3) Braselmann, P.: Sprachpolitik und Sprachbewusstsein in Frankreich heute; Tübingen 1999

4) Schmitt, C.: Französisch: Sprache und Gesetzgebung; In: Lexikon der Romanistischen Linguistik; hrsg. von Holtus, G.; Tübingen, 1990; Band 5; S. 355

5) Schmitt, C.: Französisch: Sprache und Gesetzgebung; In: Lexikon der Romanistischen Linguistik; hrsg. von Holtus, G.; Tübingen, 1990; Band 5; S

6) vgl.ebd.; S. 356

7) Schmitt, C.: Französisch: Sprache und Gesetzgebung; In: Lexikon der Romanistischen Linguistik; hrsg. von Holtus, G.; Tübingen, 1990; Band 5; S. 357

8) ebd.; S 357

9) vgl. Braselmann, P.: Sprachpolitik und Sprachbewusstsein in Frankreich heute; Tübingen 1999; S.4 f.

10) ebd.; S.358

Details

Seiten
18
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638476010
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v51705
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
2
Schlagworte
Sprachpolitik Frankreich

Autor

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Titel: Sprachpolitik in Frankreich