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Walther von der Vogelweide und die Hofwechselstrophe

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 20 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Walther und die Sangspruchdichtung
α) Die Gattung Minnesang vs. Sangspruchdichtung
β) Walthers Sagspruchdichtung

III. Die politischen Ereignisse zur Zeit Walthers

IV. Die ‘Hofwechselstrophe’
α) Datierung der ‘Hofwechselstrophe’
β) Inhaltliche Analyse der “Hofwechselstrophe“

V. Zusammenfassung

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Walther von der Vogelweide ist der bedeutendste und hervorragendste Lyriker des deutschen Mittelalters. Er hat in einem Zeitraum von gegen sechzig Jahren, und zwar von Ende des zwölften Jahrhunderts bis zu Beginn des dreizehnten Jahrhunderts, (ca. 1190- 1230) eine sehr wichtige Rolle gespielt. Von ihm sind rund 500 Strophen in über 110 Tönen bzw. von 90 Liedern, 150 Sprüchen und einem Leich in mehr als 20 Handschriften vom dreizehnten bis zum sechzehnten Jahrhundert überliefert. Infolgedessen gilt er als der erfolgreichste Minnesänger und Spruchdichter dieser Zeit.

In seiner Lebenszeit hatte Walther von der Vogelweide bereits bei seinen Zeitgenossen höchstes Ansehen und in die nächsten Jahrzehnte wurde er weiterhin sehr hochgeschätzt. Er wurde “durch verbale Prägnanz, Formen- und Themenreichtum zum Muster für die nachfolgenden Dichter“[1]. Trotz der Tatsache, dass seine Kunst in hohen Massen nachgeahmt wurde und als vorbildliche Vorlage diente, war sie sehr schwierig zu übertreffen. Prinzipiell könnte man sagen, dass Walther von der Vogelweide ein Dichter seltener Größe ist, der mit aller Wahrscheinlichkeit für alle Zeiten eine hervorragende Bedeutung behalten wird.

Gegenstand und Ziel der vorliegenden Untersuchung ist die Analyse der so genannten ‘Hofwechselstrophe’ verfasst von Walther von der Vogelweide. Damit ich aber spezifischer werde, werde ich mich hier sowohl mit den historischen Ereignissen dieser Zeit, als auch mit der inhaltlichen Interpretation der bereits genannten Strophe beschäftigen und kurz präsentieren. Die Hausarbeit ist hauptsächlich in zwei Teile aufgegliedert. Im ersten Teil, wird es versucht die Gattung ‘Sangspruch’ zu definieren und die wichtigsten und typischen Merkmale kurz aufzuführen. Danach wird die Sangspruchlyrik Walthers näher gebracht und anschließend wird ein Spruch von Walthers Spruchlyrik, nämlich die ‘Hofwechselstrophe’ analysiert.

Man darf an dieser Stelle nicht vergessen, dass sehr oft die politische Lage und Realität der jeweiligen Zeit streng gebunden ist, mit den Themen, die in den Sprüchen vorgetragen werden. Das ist auch ein unentbehrlicher Punkt, den man in Walthers Sprüche berücksichtigen sollte. Infolgedessen ist eine weniger ausführliche aber umso mehr kompakte und informationsreiche Darstellung des historischen Rahmens relevant für die weitere Analyse der Strophe. Bevor wir nämlich die ‘Hofwechselstrophe’ inhaltlich interpretieren, werden wir die politischen Ereignisse zur Zeit Walthers von der Vogelweide zusammenfassen.

II. Walther und die Sangspruchdichtung

α ) Die Gattung Minnesang vs. Sangspruchdichtung

Seit der Mitte des zwölften Jahrhunderts steht die mittelalterliche Lieddichtung neben der Großepik im Mittelpunkt der zeitgenossische Kunstform und Entwicklung. Ihre wichtigsten Typen sind Minnesang und Sangspruchdichtung. “Walther von der Vogelweide ist der erste deutsche Dichter, der in seinem Werk alle drei in der mittelhochdeutschen Literatur bisher gepflegten lyrischen Genres vereinigt: das Minnelied, den Sangspruch, das religiöse Lied (bzw. den Leich).”[2] Hier werden wir uns jedenfalls, wie schon angedeutet, nur mit den ersten zwei oben genannten Gattungen beschäftigen. Zunächst einmal müssen die auffälligsten Unterschiede zwischen den Gattungen angesetzt werden.

Die Definition für die Gattung Minnesang lautet folgendermaßen: Unter Minnesang versteht man ‘Liebeslieddichtung’. Sie folgt bestimmten Gattungsvorgaben und ist eine adlige Gesellschaftskunst, die in Frankreich im ausgehenden elften Jahrhundert und in Deutschland in der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts aufkommt und bis ins Spätmittelalter nachwirkt. Der Minnesang beschäftigt sich mit der Liebe zu Gott, zu einem Freund, aber vor allem mit der Liebe zwischen Mann und Frau; besonders mit der so genannten ‘Hohen Minne’, wobei die Minne als Lebensdienst des niederen Sängers gegenüber der für ihn unerreichbaren, ständisch über ihm stehenden Dame und auch die unerfüllbare Liebe steht.[3]

Im Gegensatz zum Minnesang, wird in der Sangspruchdichtung ein völlig anderes Spektrum von Themen behandelt. Es ist wichtig zu betonen, dass die Bezeichnung ‘Spruch’ ein neuzeitlich-wissenschaftlicher Terminus ist. Er stammt von Karl Simrock, dem ersten Übersetzer der Texte Walthers von der Vogelweide (1833).[4]

Zumeist wird der Begriff ‘Spruch’ ex negativo definiert: Unter Sangspruchdichtung fällt alles, was im Bereich der Lieddichtung nicht Minnelied oder Leich ist. Allerdings gibt es Definitionsprobleme, besonders bei Walther von der Vogelweide, da er Minnethematik in den Sangspruch einbringt und Gesellschaftskritik in den Minnesang, es also zu einer Überschneidung und Durchdringung der Gattungen kommt.[5]

Die Geschichte der Sangspruchdichtung wird mit Herger und Spervogel noch im zwölften Jahrhundert greifbar. Im dreizehnten Jahrhundert ist sie eine Domäne mehr oder weniger gelehrter Berufsdichter. Überblickt man die ganze Gattungsbildende Textreihe, wie sie sich vor allem in der Manessischen Handschrift C und in der Jenaer Liederhandschrift J darstellt, und beschränkt man sich auf philologisch unzweideutig ermittelbare Kriterien, ergeben sich für den Sangspruch folgende invariante Elemente, die auch vor und nach Walther konstitutive Geltung haben: Der Spruch ist gesungene, strophische Dichtung. Außerdem, besitzen seine Strophen eine relative Geschlossenheit. Sie tendieren von Anfang an zu mehrstrophigen Verbänden, geben allerdings die Existenzform der Einzelstrophen nie ganz auf. Er ist in seinem thematischen Kern Weisheitsliteratur, die zum richtigen Verhalten in der Welt anleiten soll. Seine Intention ist meistens die Belehrung.[6]

[...]


[1] U. Schulze, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft, S. 354.

[2] M. G. Scholz, Walther von der Vogelweide, S.18.

[3] Vgl. H. Brunner, Geschichte der deutschen Literatur des Mittelalters im Überblick, S.108f.

[4] Vgl. U. Schulze, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft, S. 353.

[5] Vgl. H. Tervooren, Sangspruchdichtung, S.2.

[6] Vgl. U. Schulze, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft, S. 352 ff.

Details

Seiten
20
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638475624
ISBN (Buch)
9783638883306
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v51650
Institution / Hochschule
University of Sheffield
Note
2-
Schlagworte
Walther Vogelweide Hofwechselstrophe

Autor

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Titel: Walther von der Vogelweide und die Hofwechselstrophe