Lade Inhalt...

Die 'stylized facts' der Fiskalpolitik in offenen Volkswirtschaften: Was sagt die aktuelle empirische Literatur zu den Wirkungen expansiver Nachfrageschocks

Seminararbeit 2004 24 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

1 Inhaltsverzeichnis

2 Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Zur Frage der Wirksamkeit expansiver Fiskalpolitik
2.1 Crowding-out-Effekte
2.2 Reaktions- und Wirkungslags

3 Die emprische Relevanz der Wirkung expansiver Fiskalpolitik
3.1 Empirische Relevanz von Multiplikatoreffekten
3.1.1 VAR-basierte Studien
3.1.2 Metaanalytische Betrachtung ausgewählter Studien
3.2 Empirische Relevanz der Determinaten von Crowding-out-Effekten
3.2.1 Zinsinduziertes Crowding-out
3.2.2 Wechselkursinduziertes Crowding-out
3.2.3 Erwartungsinduziertes Crowding-out
3.2.4 Direktes Crowding-out

4 Die „stylized facts“ expansiver Fiskalpolitik

A Literaturverzeichnis

2 Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Effekte der Fiskalpolitik auf das BIP. 11

1 Einleitung

Nach der Keynesianischen Theorie kann der Staat den konjunkturellen Verlauf durch finanzpolitische Maßnahmen beeinflussen. Maßnahmen, wie Staatsausgaben oder Steuereinnahmen, verursachen nicht nur einen direkten Impuls, sondern lösen auch eine Multiplikatorwirkung aus. Durch die Erhöhung des Bruttoinlandsproduktes wird die hierdurch induzierte Ausweitung des privaten Konsums zu einer weiteren Nachfrageerhöhung und einer abermaligen Produktionserhöhung führen. Aus diesem Grund prognostiziert die Keynesianische Theorie eine Wirkung der Fiskalpolitik, die den Wert 1 übersteigt. Dieses Modellergebnis ist jedoch in der theoretischen Diskussion stark umstritten. Je nachdem, wie die Annahmen gesetzt werden, erscheint das komplette Spektrum von sehr starken Effekten der Fiskalpolitik bis zu völliger Neutralität als theoretisch möglich.

Die vorliegende Arbeit dient der empirischen Überprüfung der theoretisch postulierten Zusammenhänge der Wirkung einer expansiven Fiskalpolitik. Dazu wird nach Darstellung der grundlegenden theoretischen Einflussfaktoren darauf eingegangen, ob die expansiven fiskalpolitischen Maßnahmen überhaupt ihre prognostizierte Wirkung gezeigt haben. Im Anschluss wird auf die empirische Relevanz der Einflussfaktoren der sog. Crowding-out-Effekte näher eingegangen, um dann möglicherweise aus den Ergebnissen der betrachteten Studien empirische Regelmäßigkeiten sog. „stylized facts“ abzuleiten.

2 Zur Frage der Wirksamkeit expansiver Fiskalpolitik

Die folgenden Ausführungen sollen übersichtsartig die wichtigsten Einflussfaktoren wiedergeben, die die Wirksamkeit expansiver fiskalpolitischer Maßnahmen theoretisch beeinflussen. Dabei wird insbesondere auf deren Einfluss auf die Stärke und Richtung der Multiplikatorwirkung eingegangen.

2.1 Crowding-out-Effekte

Zinsinduziertes Crowding-out: Betrachtet man ausschließlich den Güter- und Geldmarkt in einem Fixpreismodell für die geschlossene Volkswirtschaft, so lässt sich die Wirkungsweise einer expansiven fiskalpolitischen Maßnahme folgendermaßen analysieren: Eine Erhöhung der Staatsausgaben und die damit verbundene unmittelbare Steigerung der Güternachfrage führt durch einen expansiven Multiplikatorprozess zu einer Einkommenssteigerung. Hieraus resultiert wiederum eine Überschussnachfrage nach Transaktionskasse aus der eine Steigerung des Zinssatzes entsteht. Bei zinsabhängiger Investitionsnachfrage und gleich bleibender Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals nimmt die gesamtwirtschaftliche Güternachfrage wieder ab (Zins- oder Transaktions-Crowding-out-Effekt). Der Staatsausgabenmultiplikator ist bei Einbeziehung des Geldmarktes somit geringer als bei alleiniger Betrachtung des Gütermarktes. Mit Ausnahme von Sonderfällen[1] verändert sich die positive Wirkung des Staatsausgabenmultiplikators durch die Crowding-out-Effekte jedoch nicht.

Direktes Crowding-out: Die private Güternachfrage kann auch direkt von der zusätzlichen staatlichen Investitionsnachfrage beeinflusst werden. Dieses ist der Fall, wenn der Staat Investitionen z. B. in der Bauindustrie tätigt, die u. U. auch für private Investoren durchzuführen gewesen wären. Die staatliche Aktivität schmälert somit die Rentabilität entsprechender privater Investitionsprojekte und bewirkt einen Rückgang der privaten Investitionsnachfrage.

Wechselkursinduziertes Crowding-out: In einer offenen Volkswirtschaft mit flexiblen Wechselkursen können Crowding-out-Effekte auch durch einen veränderten Wechselkurs entstehen. Die durch die vermehrte Geldnachfrage gestiegenen Zinssätze führen zu höheren Kapitalimporten, die bei einem zinselastischem Devisenmarkt zu einem Angebotsüberschuss führen und als Folge die heimische Währung aufwerten. Die Folge ist ein Rückgang des realen Außenbeitrags. Der Staatsausgabenmultiplikator ist ohne die Einbeziehung von Sonderfällen jedoch weiterhin positv.

Erwartungsinduziertes Crowding-out: Die Ricardianische Äquivalenztheorie unterstellt, dass eine expansive fiskalpolitische Maßnahme zu keiner Erhöhung der Güternachfrage führt, falls die Staatsausgaben durch die Aufnahme von zusätzlichen Krediten anstelle von Steuern finanziert werden. Nicht die Art der Finanzierung, sondern die mit der Finanzierungsform unterstellten Erwartungen der privaten Haushalte sind als Grund anzuführen. Die Haushalte sehen eine durch Kreditaufnahme finanzierte Steuerentlastung nur als vorübergehend an. Sie rechnen damit, dass der verminderten Steuerentlastung in der Gegenwart eine entsprechend höhere Steuerbelastung in der Zukunft gegenübersteht. Ein aufgrund der Steuerentlastung in der Gegenwart möglicher höherer Konsum in der Gegenwart ginge also zu Lasten eines entsprechend geringeren Konsums in der Zukunft. Um derartige Konsumschwankungen zu vermeiden, bilden die privaten Haushalte in dem Ausmaß der Steuerentlastung zusätzliche Ersparnisse mit der Absicht, daraus die für die Zukunft erwarteten Steuermehrzahlungen zu bestreiten.

2.2 Reaktions- und Wirkungslags

Die Kritik an einer antizyklischen Finanzpolitik ist nicht neu. Sie konzentriert sich neben den bereits dargestellten Crowding-out-Effekten auf Koordinierungsprobleme. Das Koordinierungsproblem bezieht sich vor allem auf Zeitverzögerungen zwischen der Beschlussfassung und Umsetzung finanzpolitischer Maßnahmen. Darüber hinaus entstehen weitere zeitliche Verzögerungen zwischen der Umsetzung der Maßnahmen und ihrer tatsächlichen ökonomischen Wirksamkeit. Die Gesamtheit der Wirkungsverzögerungen erschwert einen gezielten Einsatz finanzpolitischer Maßnahmen, da die Gefahr besteht, dass Maßnahmen die zur Konjunkturstimulierung gedacht waren, erst im Aufschwung wirksam werden, und somit zu einer Überhitzung der wirtschaftlichen Entwicklung beitragen.

3 Die emprische Relevanz der Wirkung expansiver Fiskalpolitik

Im Anschluss an die theoretische Identifikation von Faktoren, die grundsätzlich das Ausmaß und die Wirkungsrichtung fiskalischer Multiplikatoren determinieren, dient das folgende Kapitel der Überprüfung der Relevanz der o. g. Faktoren anhand empirischer Studien. Dazu soll zuerst auf die grundsätzliche Wirkung einer expansiven Fiskalpolitik in der Empirie eingegangen werden (3.1), um dann empirisch zu prüfen, welche Faktoren für das Ausmaß des Zurückdrängens der privaten Nachfrage verantwortlich zeichnen (3.2).

3.1 Empirische Relevanz von Multiplikatoreffekten

Da in der aktuellen empirischen Literatur zum großen Teil vektorautoregressive Modelle (VAR) zu Grunde gelegt werden, um die Effekte von Veränderungen von Staatsausgaben und Steuern auf das reale Bruttoinlandsprodukt zu testen, wurde die Auswahl der empirischen Studien auf jene beschränkt, die diesen Ansatz nutzen. Neben der hohen Verbreitung dieses Ansatzes, hat das VAR-Modell den Vorteil, dass es „theoriefrei“ ist in dem Sinne, dass nicht wie bei anderen Modellsimulationen keynesianische oder neoklassische Modellannahmen getroffen werden, welche die Ergebnisse vorweg bestimmen. Vielmehr basiert das Modell lediglich auf den statistischen Zusammenhängen zwischen den staatlichen Einnahmen und Ausgaben einerseits und dem realen BIP andererseits, wie sie in der Vergangenheit vorherrschten. Die Methodik Blanchard und Perottis (2002) findet seit ihrer Veröffentlichung immer wieder Anwendung in verschiedensten Studien. Um fiskalpolitische Schocks zu identifizieren, wird ein strukturelles VAR angewendet, in dem eine innovative Technik der Identifikation dieser Schocks angewendet wird. Die Autoren nutzen ein einfaches VAR mit lediglich drei Variablen: Steuerrate, Staatsausgaben und das BIP. Um die Wirkung von Outputschocks zu berücksichtigen, wird eine den Verhältnissen entsprechende Elastizität mitberücksichtigt. Aus Gründen der Aktualität und Vergleichbarkeit werden in der metaanalytischen Betrachtung der empirischen Studien (3.1.2) nur solche Ergebnisse miteinbezogen, deren Multiplikatorschätzung auf der Anwendung eines strukturellen VARs beruhen.

[...]


[1] Bei Vorliegen einer Investitionsfalle (zinsunabhängige Nettoinvestitionen) erzielt die Fiskalpolitik ihre größte Wirkung in bezug auf das Realeinkommen. Dieses ist ebenfalls bei einer vollkommen zinselastischen Geldnachfrage (Liquiditätsfalle) der Fall. Hier kommt es jedoch zu keiner Zinssteigerung.

Details

Seiten
24
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638474788
ISBN (Buch)
9783638661720
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v51529
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Institut für Volkswirtschaftslehre
Note
1,3
Schlagworte
Fiskalpolitik Volkswirtschaften Literatur Wirkungen Nachfrageschocks Stabilisierungspolitik

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die 'stylized facts' der Fiskalpolitik in offenen Volkswirtschaften: Was sagt die aktuelle empirische Literatur zu den Wirkungen expansiver Nachfrageschocks