Lade Inhalt...

Reflexion der späteren Lehr- und Erziehungstätigkeit - Wie sehe ich meine zukünftige Rolle als Lehrerin?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 18 Seiten

Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse ausgewählter Beispiele des Fragebogens

3. Analyse des Lehrerverhaltens am Beispiel von Mr. Keaton aus „Der Club der toten Dichter“

4. Begründung der wichtigsten Lehrerkompetenzen

5. Reflexion eigener Erfahrung aus Lehrerperspektive

6. Schlussbetrachtungen

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nach dem Professor für Schulpädagogik an der Universität Oldenburg Hilbert Meyer hängt die Frage, wie man als Lehrer seinen Unterricht gestaltet entscheidend davon ab, wie man die Lehrerrolle sieht und wie man sie ausfüllen möchte.[1] Gerade in diesem Bewusstsein müssen sich Lehramtsstudenten schon früh mit ihrer zukünftigen Rolle und ihrem Selbstverständnis als angehende Lehrer intensiv auseinandersetzen, um blind übernommene Vorurteile aus ihrer eigenen Schulzeit zu hinterfragen und sich kritisch mit verschiedenen Thesen aus der Didaktik und der Erziehungswissenschaft zu beschäftigen.

Angeregt durch das Hauptseminar „Lehrer handeln“ möchte ich mich in der folgenden Hausarbeit vor allem mit meiner zukünftigen Rolle als Lehrerin auseinandersetzen. Welche Eigenschaften zeichnen einen guten meiner Meinung nach Lehrer aus? Worauf lege ich in der Unterrichtsgestaltung wert? Welche Erfahrungen habe ich bereits gesammelt und welche Rückschlüsse lassen sich daraus für mein weiteres Lehrerverhalten ziehen?

Durch den fachwissenschaftlichen Schwerpunkt im Lehramtsstudium wird man als künftiger Lehrer nicht dazu motiviert sich mit seiner Vorstellung über den späteren Beruf zu befassen. Es kommt sogar dazu, dass man zwischen all den Magister- und Diplomstudenten vergisst, worin die spätere Aufgabe einmal bestehen wird. So leidet unter dem fachwissenschaftlichen Detailwissen nicht zuletzt das Selbstverständnis der Lehramtsstudenten. Fleißig werden Seminare besucht und viel Wissen wird erworben, doch Praxis und das spätere Berufziel rücken weitgehend in den Hintergrund. Man bekommt einen regelrechten Schock, wenn man realisiert, dass man für die „wirkliche Tätigkeit“ in der Universität nicht vorbereitet wird. Zwar war mir diese Diskrepanz schon zu Beginn meines Studiums deutlich geworden, doch reizt es mich gerade in dieser Hausarbeit mein Selbstverständnis als künftige Lehrerin zu entwickeln und darzustellen.

Nachdem ich vergangene Lieblings- und Antilehrer meiner Schulzeit analysiert und bewertet habe, werde ich das Verhalten des Lehrers Mr. Keaton aus dem Film „Der Club der toten Dichter“ dazu in Beziehung setzen und diese alternative Form des Unterrichtens nach bestimmten Fragestellungen klären. Daran anschließend werde ich dazu übergehen, allgemeine wichtige Lehrerkompetenzen aufgrund der von der Kultusministerkonferenz definierten Kompetenzstandards für Lehrerhandeln zu definieren. Immer im Vordergrund soll dabei meine Vorstellung von mir und meinem späterer Lehrberuf stehen, die daran entwickelt und gemessen werden soll. Aus den verschiedenen Möglichkeiten möchte ich für mich klären, welche Schwerpunkte ich in meinem zukünftigen Handeln setzen möchte und welche Aspekte ich für weniger wichtig erachte. Dabei werde ich versuchen nicht in utopische Auffassungen zu verfallen, sondern mir auch meiner persönlichen Stärken und Schwächen bewusst zu sein und reale Ziele zu stecken.

Bevor ich dann zu meinen Schlussbetrachtungen gelange, möchte ich in der freien Themenwahl meine bisherigen wenigen Praxiserfahrungen aus der Lehrerperspektive reflektieren und daraus Erkenntnisse für mein späteres Verhalten gewinnen.

2. Analyse ausgewählter Beispiele des Fragebogens

Wichtig für das Selbstverständnis eines Lehrers ist seine Grundmotivation für diesen Beruf. Dazu war eine Frage aus dem Fragebogen des Seminars:

Wann haben Sie für sich selbst entschieden, Lehrer werden zu wollen? Welche Gründe waren dafür maßgeblich?

Nach der Schule begann ich zunächst einen Magisterstudiengang mit dem Hauptfach Erziehungswissenschaft. Bei der Beschäftigung mit dem eventuell späteren Berufsfeld wurde ich auf den Bereich der Schulpädagogik aufmerksam und untersuchte mögliche Tätigkeitsbereiche. Anfangs fand ich Berufe im Schulamt sehr reizvoll, musste aber leider feststellen, dass ich mit meinem damaligen Studium dort nicht einsteigen hätte können. Ich erfuhr, dass hauptsächlich ausgebildete Lehrer mit mehreren Jahren Praxiserfahrung dort angestellt waren. So beschäftigte ich mich mit dem in Jena angebotenen Lehramtsstudium, da mir bei dem Magisterstudium die beruflichen Perspektiven fehlten. Zunächst schreckte ich vor dem Gedanken Lehramt zu studieren zurück, da ich es mir nicht zutraute. Der Lehrberuf ist mit viel Verantwortung verbunden und es gehört schon Selbstbewusstsein dazu, täglich vor mehr als 30 Schülern pro Klasse zu reden. Schließlich entschied ich mich aber doch dafür und habe dies bis jetzt nicht bereut.

Es ist ein schöner Gedanke, in seinem Beruf mit Kindern zu arbeiten und durch die unterschiedlichen Individuen wird man gezwungen flexibel zu bleiben. Der Lehrerberuf, so schwierig er oft auch sein mag, ist in meinen Augen ein sehr schöner Beruf. Man kann junge Menschen Dinge lehren, die sie ihr ganzes Leben brauchen werden und man kann bei ihnen Meinungen und Standpunkte festigen, die später ganze Lebenswege zeichnen. Insgesamt denke ich, fordert dieser Beruf viel Engagement, kann aber dadurch sehr erfüllend sein. Nicht zuletzt begleitet man Kinder und Jugendliche auf dem Weg zum Erwachsenwerden und kann ihnen Hilfestellung leisten, ihre Persönlichkeit entfalten zu können.

Als Lehrer definiert man seine Lehrerrolle vor allem auch durch Abgrenzung und Übereinstimmungen mit anderen Lehrern:

Hatten Sie einen Lieblingslehrer? Was hat dieser Lehrer in ihren Augen besonders gut gemacht?

In meiner Schulzeit wurde ich im Leistungskurs Sozialkunde von einer – in meinen Augen sehr kompetenten – Lehrerin unterrichtet. Ihr Unterricht war eine gute Mischung aus strukturierter Wissensvermittlung und selbstständiger Schülerarbeit. Es ist nicht so, dass es bei ihr ständig Gruppenarbeiten gegeben hätte, aber in dem von ihr initiierten Lehrer-Schüler-Gespräch waren mindestens 80 % aktiv oder verfolgten das Geschehen. So kam es bei uns Schülern oft zu „Aha-Effekten“. In Leistungskontrollen wurde von ihr viel gefordert, aber wir wurden durch sie auch sehr gut vorbereitet, so dass ich im schriftlichen Abitur keinerlei Probleme hatte. Die Schüler hatten deshalb besonderen Respekt vor ihr, da sie stets gerecht war und konsequent ihre Ziele verfolgte. Wir wussten, dass sie uns als Menschen mit eigener Meinung ernst nahm und respektierte. Aus späteren Erzählungen mit ihr weiß ich heute, dass die auch nach 20 Jahren Schuldienst jede Stunde einzeln vorbereitete und ihr die Schüler sehr am Herzen lagen. Sie ist in vielen Aspekten ein Vorbild für mich und wohl auch ein Grund für meine spätere Berufentscheidung.

Gab es auch einen Lehrer, den Sie überhaupt nicht mochten? Warum?

Generell bin ich mit allen Lehrern in der Schule gut ausgekommen, aber dennoch gab es natürlich Lehrer bei denen ich nicht so gern den Unterricht besuchte. Es waren vor allem Lehrer, bei denen man nicht viel gelernt hat, da ihr Unterricht nur schleppend verlieft und ungeplant erschien. Auch mochte ich keine Lehrer, die einen inkompetenten Eindruck machten oder desinteressiert mit Schülern umgingen. Vor allem übertrug sich das mangelnde Interesse des Lehrers schnell auf die Schüler und der Unterricht wurde zur Qual. Man fühlte sich unwohl, wenn Lehrer nicht einmal auf kleinste Interessen der Schüler eingingen, sondern nur im Unterricht „funktionieren“ musste. Als Schüler übertrug sich dieses schlechte Bild des Lehrers auch auf seine Person. Erst später – im Orientierungspraktikum – stellte ich fest, dass schlechte Lehrer durchaus nette Menschen sein können und gute Lehrer eben auch unangenehme Menschen. Eine simple, aber wichtige Erfahrung! Schlechte Lehrer zeichnen sich in meinen Augen vor allem durch ihn Desinteresse am Fach oder den Schülern aus. Auch ungerechte Behandlung oder unstrukturierter Unterricht empfinde ich als äußerst unangenehm im Lehrerverhalten.

Um seine Lehrerrolle einschätzen zu können, muss man sich seine Stärken und Schwächen zunächst bewusst sein:

Was glauben Sie, schätzen ihre Schüler an ihrem Unterricht besonders? Übernehmen Sie die Schülerperspektiven und loben Sie selbst ihre Kompetenzen!
Meine Schüler schätzen an mir besonders, dass ich viele Medien zur Veranschaulichung des Stoffes einsetze und zusammen mit ihnen im Unterrichtsgespräch den Stoff erarbeite. Auch freuen sie sich regelmäßig über meine gezielt eingesetzten Gruppenarbeiten, die das Klassenklima fördern und den Stoff vertiefen sollen. Sie kennen mich als einen sehr emotionalen Menschen, der auch viel von seiner Persönlichkeit im Unterricht einbringt. Wenn meine Schüler ein Problem haben, wissen sie, dass sie immer zu mir kommen können. Am wichtigsten ist für meine Schüler aber, dass sie erkennen, zu welchem Ziel ich mit ihnen gelangen möchte. Durch klar Aufgabenstellungen und strukturierte Lernwege, die auch Platz für kreatives Arbeiten lassen, kennen meine Schüler meine an sie gestellten Ansprüche genau und können sich daran orientieren.

3. Analyse des Lehrerverhaltens am Beispiel von Mr. Keaton aus

„Der Club der toten Dichter“

Um zu seiner eigenen Lehrerrollen zu gelangen, ist es unersetzlich andere Lehrerrollen und -stile zu analysieren und zu bewerten. Gerade an dieser Auseinandersetzung entwickelt man eigene Maßstäbe und Richtlinien. Aus diesem Grund beschäftigten wir uns im Seminar „Lehrer handeln“ mit einem bekannten Lehrer aus „Der Club der toten Dichter“, Mr. Keaton. Sein Verhalten sollte nach unterschiedlichen Gesichtspunkten betrachtet und beurteilt werden.

[...]


[1] Vgl. Meyer, Hilbert: Leitfaden zur Unterrichtsvorbereitung, 12. Auflage, Berlin 1993, S. 83.

Details

Seiten
18
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638474696
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v51520
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Erziehungswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Reflexion Lehr- Erziehungstätigkeit Rolle Lehrerin Lehrer
Zurück

Titel: Reflexion der späteren Lehr- und Erziehungstätigkeit - Wie sehe ich meine zukünftige Rolle als Lehrerin?