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Zwischen Gewalt und Heiligkeit. Zum Glauben im Mittelalter anhand der Legende der Katharina von Alexandria

Hausarbeit 2016 14 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Gewalt und Heiligkeit

3 Gewalt: Darstellung in der Legende
3.1 Ursprung von Gewalt
3.2 Gewalt im Mittelalter
3.3 Ambivalenz der Gewalt

4 Heiligkeit: Darstellung in der Legende
4.1 Ursprung des Heiligen
4.2 Verehrung der Katharina

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis
6.1 Primärliteratur
6.2 Sekundärliteratur

1 Einleitung

Die Darstellung von Gewalt in mittelalterlichen Legenden und insbesondere Märtyrerlegenden erfolgt sehr brutal und detailliert. Die Heiligen erleiden ein Martyrium aus Folter und letztendlich auch dem Tod. Dabei sind den Möglichkeiten der Gewalt keine Grenzen gesetzt, ob Enthauptung, Verbrennung oder mit Anwendung grausamer Folterinstrumente.1 Heiligkeit und Gewalt stehen einander somit gegenüber, sind aber gleichzeitig miteinander verbunden. Das Mittelalter, aus dem diese Legenden stammen, wird heutzutage meist als grausame und kalte Zeit betrachtet.

„Die mittelalterliche Kultur scheint sich dadurch auszuzeichnen, dass sie Gewalt weit gehend als unvermeidbare Schickung akzeptiere ….“ (Braun / Herberichs 2005, S. 31)

Öffentliche Folter und Opferungen scheinen daher bald alltäglich zu sein.2 Eine besonders extreme Darstellung von Gewalt in einer Legende findet sich bei der heiligen Katharina von Alexandria. Diese Hausarbeit wird sich mit den Aspekten der Gewalt und Heiligkeit in der genannten Legende beschäftigen und herausfinden, inwiefern diese beiden scheinbaren Gegensätze miteinander verbunden sind oder sogar zusammengehören.

Zu Beginn soll zunächst ein Überblick über die Aspekte Gewalt und Heiligkeit im Mittelalter und insbesondere in Heiligenlegenden gegeben werden (Kapitel 2). Der erste Teil der Analyse wird sich dann auf die Darstellung von Gewalt in der Legende der Katharina von Alexandria beziehen. Hierbei wird zunächst auf den Ursprung der rituellen Gewalt eingegangen, um dann die Anwendung der Gewalt im Mittelalter darzustellen. Hierbei wird auch näher auf die Ambivalenz des Heiligen in Verbindung mit der Gewalt eingegangen. (Kapitel 3). Im Folgenden wird der Ursprung des Heiligen und dessen Verehrung dargestellt. Dafür wird die Darstellung der Heiligkeit von Katharina aufgezeigt. Darüber hinaus wird die Bedeutung des Heiligen, sowie Katharinas Verehrung als Schutzpatronin näher erläutert. Außerdem wird besonders auf das für Katharina angefertigte Rad als Folterinstrument geachtet (Kapitel 4).

2 Gewalt und Heiligkeit

Im Mittelalter ist das Christentum die am meisten verbreitete Religion.3 Es gibt aber auch Andersgläubige, die beispielsweise dem Heidentum angehören. Nur der eigene Glaube wird von ihnen jeweils als richtig erachtet.

„Die Frage ist nun, ob angesichts solcher Präferenzen für das Eigene und Familiäre überhaupt noch Toleranz für Andere möglich ist. Die Antwort liegt auf der Hand: zunächst einmal nicht.“ (Angenendt 2007, S. 90)

Deshalb verfolgen verschiedene Religionen einander und bekriegen sich. Der Glaube ist zu der Zeit in alle Lebensbereiche integriert und im Christentum stellt die Kirche daher eine sehr machtvolle Institution dar.4 Dadurch, dass es dieBibel nur auf Latein gibt und die meisten Bürger nicht gebildet sind, ist es den Geistlichen überlassen, die Bibel nach ihrem Ermessen zu übersetzen.5 Sie lassen beispielsweise Andersartige und Andersgläubige verfolgen. „Religion ist hier nur einer und nicht unbedingt der wichtigste Marker für Fremdheit, andere betreffen Aussehen und Lebensweise ….“ (Braun / Herberichs 2005, S. 29) Frauen, die sich mit Heilkräutern auskennen, werden als Hexen betitelt und Menschen, die dem Heidentum angehören wird ein Bündnis mit dem Teufel nachgesagt.6

„Dafür sorgten in erster Linie die Religion … und es scheint, dass gerade dieser Unterschied es immer wieder als gerechtfertigt … erscheinen lassen konnte, Gewalt gegen bestimmte Gruppen von Menschen anzuwenden ….“ (Braun / Herberichs 2005, S. 29)

Gewalt in Form von Hexenverfolgungen und Religionskriegen, wie die Kreuzzüge, ist damit ein großer Bestandteil des Mittelalters.

3 Gewalt: Darstellung in der Legende

In der Legende der Katharina von Alexandria steht im Gegensatz zu ihrer Reinheit und Heiligkeit, die Gewalt. Dargestellt wird diese durch das Martyrium, welches Katharina und die bekehrten Heiden durchleben müssen. Die Folter spielt in vielen Heiligenlegenden eine große Rolle, da durch sie die Standhaftigkeit eines Gläubigen bezeugt werden kann. Im Falle der Katharina werden Christen geopfert, da sie unter einem heidnischen Kaiser dem falschen Glauben angehören.7 Die 50 konvertierten Gelehrten werden lebendig am Scheiterhaufen verbrannt und der Kaiserin werden zunächst die Brüste abgeschnitten, bevor sie dann enthauptet wird.8 Für Katharina wird sogar ein Folterinstrument angefertigt.

„Es wurde auch angeordnet, daß zwei Räder sich in einer Richtung, die zwei andern aber in entgegengesetzter Bewegung drehen sollten, so daß die einen sie nach unten ziehen und so zerreißen würden, während die andern in entgegengesetzter Bewegung auf sie einhacken sollten.“ (De Voragine 1982, S. 425f.)

Da ein Engel das Foltergerät jedoch zerstört und dabei noch 4000 Heiden in den Tod reißt, wird Katharina am Ende lediglich enthauptet.9

3.1 Ursprung von Gewalt

Der Ursprung der Gewalt im Bezug auf das Heilige liegt vordergründig in Opferritualen von Naturvölkern. Dort werden beispielsweise Menschen geopfert, wenn aus zwei rivalisierenden Stämmen eine Person eine andere tötet, um die sonst darauf folgende endlose Rache zu vermeiden.10

„Es gehört zur Funktion des Opfers, interne Gewalttätigkeiten zu besänftigen und das Ausbrechen von Konflikten zu verhindern.“ (Girard 2012, S. 27)

Ein weiterer Grund für eine Opferung ist der, die Gunst einer Gottheit zu erlangen oder seinem Zorn zu entgehen.11

„Erstens wissen wir nichts über die wesenhafte Gewalt …; zweitens kennen die primitiven Völker selbst diese Gewalt nur in einer beinahe gänzlich entmenschlichten Form, nämlich unter dem teilweise irreführenden Erscheinungsbild des Heiligen.“ (Girard 2012, S. 49)

Für diese Art von Opferritus werden oft Tiere getötet, die eine kostbare Mahlzeit darstellen sollen und der Gottheit überlassen werden, anstatt sie selbst zu sich zu nehmen.12

„Die Teilung des Opfers in zwei große Kategorien, Mensch und Tier, hat in einem streng rituellen Sinn selbst Opfercharakter; sie beruht nämlich in der Tat auf einem Werturteil ….“ (Girard 2012, S. 23)

Andererseits werden aber auch sehr reine und unschuldige Menschen geopfert. Diese sind vor allem in Jungfrauen zu finden, da sie keine Sexualität ausgelebt haben, die in Verbindung mit der Gewalt stehen soll.13 Die Reinheit des Blutes soll hierdurch gewährleistet sein.

„Man erlangt Reinheit, indem man sich gewissen rituellen Vorschriften unterwirft. Dabei geht es … vor allem darum, sich immer weiter von der profanen Welt zu entfernen, um gefahrlos in die heilige Welt eingehen zu können.“ (Caillois 1988, S. 46)

Dabei muss das Opfer auch genau zwischen der Gesellschaft und dem Heiligen stehen und gleichzeitig beidem angehören.14 „Im Innern der Gemeinschaft ist das Heilige böse; es wird wieder gut, sobald es sich nach außen wendet.“ (Girard 2012, S. 378) Sollten diese Bedingungen nicht gegeben sein, kann das Opfer auch nicht von der jeweiligen Gottheit angenommen werden.

„Das Ziel, … wird verfehlt, wenn beide Tabus und damit das Heilige und das Unreine sich wieder mischen; es wird erreicht, wenn das Tabu des Heiligen als religiöser Affekt zurückbleibt, das des Unreinen hingegen auf das Gebiet der Sitte und der Sittlichkeit hinüberwandert.“ (Colpe 1987, S. 41)

Doch sind die Bedingungen erfüllt, kann das Ritual ausgeführt werden. Die Opferung soll einem guten Zweck dienen, dennoch haftet ihr auch etwas Negatives an. „Das Opfer zu töten ist verbrecherisch, weil es heilig ist… aber das Opfer wäre nicht heilig, würde es nicht getötet.“ (Girard 2012, S. 9) Das Opfer gehört somit nach seinem Tod dem Heiligen an, dem es zuvor dargelegt wurde.15

3.2 Gewalt im Mittelalter

Vor allem alltägliche öffentliche Hinrichtungen von Straftätern sind im Mittelalter fest im Leben verankert und stellen oft sogar eine Freizeitbeschäftigung dar.16

„In früherer Zeit … waren die Hinrichtungen und das ganze Geschehen um die Tötung des Missetäters … öffentlich, können sogar durchaus als ‚Volksfeste‘ betrachtet werden.“ (Schild 2010, S. 47)

Die Hinrichtung auf einem öffentlichen Platz dient aber auch ernsteren Zwecken.17

„Die Hinrichtung konnte daher zunehmend auch als Mittel zur Abschreckung der Anderen und zur Wiederherstellung des Rechtsvertrauens der Allgemeinheit eingesetzt werden.“ (Schild 2010, S. 51)

Die Angeklagten werden vorher solange gefoltert, bis sie ein Geständnis ablegen, wobei dies oft nicht der Wahrheit entspricht, sondern nur abgelegt wird, um weiterer Folter zu entgehen.18 „Immer war den Menschen bewusst, dass man durch Zwang und Druck falsche Aussagen erpressen könne.“ (Schild 2010, S. 85) Die Folter- und Tötungsmethoden kennen dabei keine Grenzen, von Streckinstrumenten über Enthauptungen und Scheiterhaufen bis zu Vierteilungen ist alles vertreten.19

„Es ist nicht möglich, alle Formen der Todesstrafe aufzuzählen. Denn der Fantasie der Menschen waren keine Grenzen gesetzt ….“ (Schild 2010, S. 168)

Eine weit verbreitete Foltermethode ist die Streckbank, wobei den Menschen liegend die Arme und Beine gestreckt und so ausgekugelt oder im schlimmsten Fall abgerissen werden. Auch die eiserne Jungfrau, ein Kasten mit Spießen, in den die Angeklagten gesteckt und aufgespießt werden, ist eine beliebte Foltermethode. Frauen werden als Folter oft die Brüste abgerissen, um sie noch zusätzlich zu demütigen bevor sie getötet werden.20 Verbeitete Tötungsakte sind Enthauptungen und der Tod durch den Strick.21 Diese Methoden sind alle auch immer wieder in Heiligenlegenden zu finden, was sehr paradox erscheint, da das Heilige etwas Gutes sein sollte. Die meisten Heiligen werden genau dafür bewundert, dass sie für ihren Glauben bis zum Tod gekämpft haben.22 Diese Standhaftigkeit, die auch Katharina von Alexandria besitzt, verbindet Gewalt und Heiligkeit miteinander.

[...]


1 Vgl. Schild 2010, S. 158-163.

2 Vgl. Braun / Herberichs 2005, S. 27f.

3 Vgl. https://www.leben-im-mittelalter.net/gesellschaft-im-mittelalter/religion-und-christentum-im-mittelalter.html.

4 Vgl. http://elisabethvontuirstadt.jimdo.com/leben-im-mittelalter/glaube-im-mittelalter/ 1. Abschnitt.

5 Vgl. https://www.leben-im-mittelalter.net/gesellschaft-im-mittelalter/bildung.html.

6 Vgl. Schild 2010, S. 143-154.

7 Vgl. De Voragine 1982, S. 419.

8 Vgl. ebenda, S. 426f.

9 Vgl. ebenda, S. 426.

10 Vgl. Girard 2012, S. 28-37.

11 Vgl. ebenda, S. 390-392.

12 Vgl. ebenda, S. 145-151.

13 Vgl. Girard 2002, S. 54-58.

14 Vgl. ebenda, S. 394-401.

15 Vgl. Caillois 1988, S. 29f.

16 Vgl. ebenda, S. 47-60.

17 Vgl. ebenda, S. 85-94.

18 Vgl. https://www.leben-im-mittelalter.net/gesellschaft-im-mittelalter/recht/folter.html.

19 Vgl. ebenda, S. 85-94,

20 Vgl. https://www.leben-im-mittelalter.net/gesellschaft-im-mittelalter/recht/folter/foltermethoden.html.

21 Vgl. https://www.leben-im-mittelalter.net/gesellschaft-im-mittelalter/recht/strafen.html.

22 Vgl. Caillois 1988, S. 175-179.

Details

Seiten
14
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783346115553
ISBN (Buch)
9783346115560
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v514892
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
2,7
Schlagworte
Gewalt Heiligkeit Katharina von Alexandria Mediävistik Legenden

Autor

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