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Der Einfluss der Werbung. Wie nutzen Unternehmen Ängste und Bedürfnisse als Marketingstrategie?

Hausarbeit 2019 32 Seiten

Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing, Social Media

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Der Einfluss großer Marken
Coca-Cola
IKEA
Edeka

Marketingstrategien dieser Marken
Coca-Cola
IKEA
Edeka

Wünsche und Ängste der Konsumenten

Gezieltes Marketing anhand dieser Ängste
Marketing mit der Angst
Psychologische Ansätze
Auswertung der Befragung

Zusammenfassung mit kritischem Ausblick

Quellenangabe

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

„Geiz ist geil“, „Nichts ist unmöglich“ oder auch „Wohnst du noch oder lebst du schon?“ sind Slogans von bekannten Marken. Was sich auf den ersten Blick anhört wie ein schöner Spruch, ist in Wirklichkeit ein von den Unternehmen bewusst eingesetztes Marketingmittel, um die Konsumenten gezielt zu beeinflussen. Sie versuchen, die tiefsten Ängste und Wünsche der Verbraucher hervorzurufen, um Ihre Produkte besser absetzen zu können. In der folgenden Hausarbeit geht es um die Frage, welchen Einfluss bekannte Marken auf uns haben, wie es die Unternehmen schaffen, durch cleveres Marketing Menschen für ihr Produkt zu gewinnen und warum die Konsumenten ihre Kaufentscheidungen oft aufgrund Emotionen und Ängsten treffen.

Der Einfluss großer Marken

Zunächst wird die Frage geklärt, welchen Einfluss große Marken auf die Menschen und dessen Wahrnehmung haben, um deren Marketing Strategien später noch expliziter darstellen zu können.

Coca-Cola

1886 – die Geburtsstunde der Coca-Cola Company. Dieses Datum stellt den Beginn einer weitreichenden Geschichte und zugleich eines stets wachsenden Erfolges dar.

The Coca-Cola Company ist ein in Amerika gegründeter Getränkehersteller, welcher seinen Sitz in Atlanta (Vereinigte Staaten von Amerika) hat.

Spätestens seit der Jahrtausendwende ist die Marke Coca-Cola fest in unserer heutigen Gesellschaft verankert und nicht mehr wegzudenken.

Damit verbunden geht eine gewisse Machtstellung einher. 2017 verkaufte das Unternehmen seine Produkte in über 200 Länder auf der Welt (Exler 2006, S. 26). Daran zeigt sich die Standortunabhängigkeit deutlich: Der potentielle Kunde kann ohne Umstände immer das gleiche Getränk genießen, egal ob er in Deutschland, Südafrika oder Argentinien ist. Durch diese Bekanntheit wirbt Coca-Cola dementsprechend auch auf internationalen Events. Die Fußball -Weltmeisterschaft 2018 in Russland ist hier als Beispiel zu nennen. Von den Werbungen im TV sowie in den Stadien, den Getränken, die auf Fanmeilen ausgeschüttet wurden, bis hin zu Fanartikeln, die den Fans ausgegeben wurden: Alles trug die Aufschrift „Coca-Cola“.

Kein Wunder also, dass der Bekanntheitsgrad von Coca-Cola bei nahezu 100 Prozent liegt. Coca-Cola hat das geschafft, was starke Marken nur sehr selten schaffen: die Marktstellung von einem ohnehin schon hohen Niveau noch weiter auszubauen und zu steigern. Bei den Best Brands Award 2017 wurde Coca-Cola als „Beste Produktmarke“ ausgezeichnet.

Wenn der Name so erfolgreich und bekannt ist, liegt es auf der Hand, dass diese Marke zugleich das Potential hat, großen Einfluss auf die Bevölkerung zu nehmen.

Dies geschieht wie oben genannt durch Events in den Bereichen Sport, Musik oder auch Shopping.

So tragen Musikfeste wie das Southside Festival, weltweite Sportveranstaltungen wie die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro und Aktionen wie das Streetfood Festival den Namen des amerikanischen Großkonzerns. Dabei bekommt der Zuschauer direkt das Logo der „Coca-Cola Company“ zu sehen: Auf Werbebanden oder T-Shirts soll der Bekanntheitsgrad der Marke untermauert und weiterhin ausgeweitet werden (Frohne 2013, S. 58ff.).

Aber auch außerhalb solch großer Events findet man Coca-Cola nahezu überall. Egal, ob man im Restaurant ein kühles Getränk bestellt, ob man am Bahnhof an einem Getränkeautomaten etwas kauft oder ob man im Supermarkt ins Kühlregal schaut: Meist steht da nicht irgendeine Cola, sondern eben eine Coca-Cola. Genau das untermauert ganz gezielt die Machtstellung Coca-Cola´s und damit verbunden den großen Einfluss auf Konsumenten, Getränkehändler und Gastronomiebesitzer. Für viele Menschen stellt es eine Normalität dar, eben diese Marke von Cola zu kaufen und folglich zu sich zu nehmen. Dadurch entsteht eine gewisse Abhängigkeit seitens der Zwischenhändler, auch genau diese Marke an Cola zu kaufen, um jene Kunden zufrieden zu stellen.

Alles in allem lässt sich sagen, dass Coca-Cola eine, wenn nicht sogar die bekannteste Marke der Welt ist. Sie gibt es in fast allen Ländern der Erde und kommt an vielfältigsten Stellen zum Einsatz. In den letzten Jahrzehnten hat sich eine gewisse Selbstverständlichkeit gebildet, dieses Produkt zu bekommen: Unabhängig von Standort, Veranstaltung und Zeit gibt es Coca-Cola quasi überall.

Dieser Bekanntheitsgrad verbunden mit der ständigen Verfügbarkeit hat zum einen großen Einfluss auf die Menschen, zum anderen aber auch eine gewisse Abhängigkeit von diesem Produkt geschaffen.

IKEA

Ein neues Kinderzimmer für den neu geborenen Sohn bis hin zur Büroausstattung für ein mittelständisches Unternehmen – an IKEA kommt keiner vorbei. Seit den 1970er Jahren dehnt IKEA seine Niederlassungen beständig aus und ist aktuell weltweit vertreten.

Speziell an dem Möbelunternehmen ist, dass es seine Kunden in den Prozess des Möbelkaufes und Aufbaus mit einbindet: Der Kunde muss nicht lange auf sein Produkt warten, sondern kann es direkt mitnehmen, im verpackten Bausatz. Diesen baut man dann direkt zu Hause auf. Dadurch gibt man dem Käufer das Gefühl, selbst seinen Teil zu dem fertigen Möbelstück beigetragen zu haben. Die Kombination aus günstigem Preis, dauerhafter Verfügbarkeit (und damit verbunden keinen langen Lieferzeiten) und dem Gefühl von Selbstständigkeit ist der Grund für den schon seit fast 50 Jahren andauernden Erfolg.

Dies lässt sich an folgender Statistik belegen, in der es um die nachstehende Frage geht:

Hat Ihrer Meinung nach IKEA den Einrichtungsstil in Deutschland entscheidend beeinflusst?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Einfluss von Ikea auf den Einrichtungsstil der Deutschen Quelle:https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1623/umfrage/einfluss-von-ikea-auf-einrichtungsstil-der-deutschen/

Daran lässt sich eine ganz deutliche Tendenz erkennen. Weit über die Hälfte der Befragten gaben an, dass IKEA sie direkt oder indirekt beeinflusst hat.

Ein weiterer Beleg für den großen Einfluss des Möbelriesen ist die Tatsache, dass die allgemeine Kaufbereitschaft der Deutschen für Möbel sinkt und IKEA trotzdem Jahr für Jahr Gewinnmaximierungen erzielt. Das spricht für die zunehmende Bevorzugung IKEA´s beim Kauf neuer Möbel und Accessoires seitens der Verbraucher (Jungblut 2008, S. 10f).

Der eigens von IKEA gegründete Club, welcher sich „IKEA Family“ nennt, zählt Ende 2018 11,7 Millionen Menschen allein in Deutschland. Dies ist ein beachtlicher Wert, wenn man bedenkt, dass Deutschland ca. 83 Millionen Einwohner hat. Im Umkehrschluss wollen also fast 15% der Deutschen aktiv Neuigkeiten, Angebote und Aktionen des Unternehmens erhalten.

Hier wird ersichtlich, welch einflussreiche Wirkung der Möbelhersteller auf die Gesellschaft hat.

Das schwedische Möbelunternehmen hat aber auch als Arbeitgeber einen sehr großen Einfluss auf Menschen und Staat: mit 18.970 Mitarbeitern allein in Deutschland ist IKEA einer der größten Arbeitgeber des Landes.

Durch diesen zweiseitigen Einfluss (als Anbieter, aber auch als Arbeitgeber) konnte IKEA in den letzten Jahrzehnten schrittweise seinen Erfolg, seine Abhängigkeit seitens der Kunden und seinen Einfluss auf die Menschen ausbauen. Folglich stehen jedes Jahr wiederkehrende Gewinnzunahmen, steigende Mitarbeiterzahlen und Standorterweiterungen zu Buche.

Edeka

Nicht viele Unternehmen haben einen so großen Einfluss auf das tägliche Leben wie Edeka.

Dabei ist das in Hamburg ansässige Unternehmen der größte Lebensmittelhändler in Deutschland. Dies ist seit 2006 der Fall, denn in diesem Jahr übernahm Edeka die Discounter Netto und Spar. Edeka hat Stand 2018 27% des Marktanteils inne und verfügt über mehr als 6.000 Geschäfte deutschlandweit. Wenn man dann die Geschäfte hinzuzählt, welche zur Edeka-Gruppe zählen, kommt der Lebensmittelriese auf sogar 12.000 Geschäfte. Zu Edeka zählen so z.B. noch weitere Unterkategorien wie Nah und Gut, Edeka-Express oder auch Edeka am Flughafen.

Unter anderem wegen diesen Zahlen besitzt Edeka eine gewisse Macht. Sobald ein Hersteller von Markenartikeln nicht mehr bei Edeka gelistet wird, verliert dieser rund ein Drittel seines Umsatzes. Das bedeutet, dass Lieferanten und Hersteller in gewisser Weise auf Edeka als Abnehmer angewiesen sind, um keine Umsatzeinbußen zu erleiden.

Aber auch in der Gesellschaft wird Edeka als hochwertiger Lebensmittelhändler angesehen. Viele Menschen gehen zu Edeka, um sich eine extravagantere Auswahl zu gönnen als z.B. bei Aldi oder Lidl. Der Lebensmittelanbieter ist in der Gesellschaft sehr beliebt und schafft es durch Beständigkeit, edle Ausstattung und ausgefallenen Werbungen zu einem der beliebtesten Lebensmittelhändler Deutschlands.

Mit 336.000 Mitarbeitern deutschlandweit zählt die Edeka-Gruppe zu den zehn größten Arbeitgebern der Bundesrepublik.

Marketingstrategien dieser Marken

Coca-Cola

Nicht grundlos ist Coca-Cola seit über einem Jahrhundert fester Bestandteil unseres Alltages. Die amerikanische Getränkeherstellermarke ist eines der plakativsten Beispiele dafür, wie zielgerichtetes Marketing funktioniert und dadurch Massen gebunden werden können.

Coca-Cola verfügt über ein zweckorientiertes Content-Marketing, welches, im Gegensatz zu vielen anderen Konkurrenten der Branche, einen außergewöhnlichen Draht zu seinen Konsumenten herstellt. Dabei versteht sich Coca-Cola nicht vorrangig als Produktanbieter, sondern legt mehr Wert auf die Botschaft der Marke. Coke beschreibt sich selbst als Marke, die Menschen zusammenbringt, die die Welt zu einem besseren Ort macht und zum Teilen anregt. Dies ist der Knackpunkt des Marketings von Coca-Cola: man verkauft nicht das Produkt der Limonade, sondern viel mehr ein Lebensgefühl, welches eng in Verbindung mit der Marke steht. Der Getränkehersteller hat es also geschafft, seine Produkte zum Erlebnis zu machen.

Eine neue und frische Marketingidee ist zwar meist von großer Bedeutung, dennoch legt Coca-Cola Wert auf Beständigkeit und Kontinuität. Laut des Wirtschaftsmagazins Forbes dauert es einige Zeit, um bei den potentiellen Konsumenten im Gedächtnis zu bleiben. Coca-Cola setzt das gezielt um, denn seit Beginn der Produktion im Jahre 1886 hat sich weder die rote Markenfarbe, noch das Schriftbild geändert. Auch das Bild, welches Coke seit nun mehr als einem Jahrhundert abgibt, hat sich kaum gewandelt: Glückliche Menschen, die eine Cola trinken und lächelnd in die Kamera blicken. Das könnte eine Werbung seitens des Getränkeherstellers sein, in 1960, aber auch in 2019. Daran kann man ganz gut erkennen, wie eine Marke ohne große Veränderungen, sondern lediglich mit Kontinuität, nahezu die komplette Weltbevölkerung für sich gewinnt.

Trotzdem benötigt man für den dauerhaften Erfolg neben Kontinuität auch neue Strategien, um mit der Zeit zu gehen und relevant zu bleiben. Dabei ist es Coca-Cola wichtig, aktuelle Thematiken aufzugreifen, diese aber mit einer eigenen Note zu verzieren. Weiterhin werden diese Inhalte stets mit den Themen Glück, Frieden, Freiheit und Teilen verbunden. So gab es z.B. 2011 eine Werbung seitens Coca-Cola, die aufzeigte, dass auf jeden produzierten Panzer 131.000 Plüschtiere hergestellt werden könnten. Anhand dieses Beispiels lässt sich erkennen, dass die Marke zwar aktuelle Themen aufgreift und diese gezielt für sich nutzt, aber stets seine eigenen Vorstellungen mit einbringt.

Darüber hinaus hat der amerikanische Getränkeriese erkannt, dass man Werbungen regional differenzieren muss und nicht auf alle Teile der Erde anwenden kann. Dazu macht man sich die Trends der jeweiligen Länder zu Nutze und projiziert diese durch zielgerichtetes Marketing auf die jeweilige Gesellschaft. Als Beispiel wäre hier die Weihnachtstruck Werbung aufzuführen. Diese läuft in Deutschland und weiteren europäischen Ländern zur Weihnachtszeit. Anderswo, dort wo kein Weihnachten gefeiert wird bzw. nie Schnee liegt, strahlt die Marke diese Werbung nicht aus. So geht Coca-Cola sicher, dass es das richtige Publikum für seine Marketingideen bewirbt.

Ein anderes Beispiel wäre die Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Dafür lies Coca-Cola den Song „Wavin Flag“ produzieren, welcher für die Marke während des Turniers werben sollte. Auch hier wurde mit dem eigens produzierten Musiktrack vorrangig in den Ländern geworben, die bei der Weltmeisterschaft in Südafrika vertreten waren, denn so war die Wahrscheinlichkeit, eine vergleichsweise breitere Masse zu erreichen, höher.

Coca-Cola wirbt aber nicht nur geografisch unterschiedlich, sondern auch ganz spezifisch in Bezug auf Individualität. So stellte die Getränkemarke 2013 im Rahmen der „Trink ´ne Coke mit…“ Kampagne Flaschen her, die ganz individuelle Aufschriften trugen. Es gab also die Möglichkeit, seinen Namen zu suchen und seine ganz „eigene“ Cola zu trinken. Wenn der eigene Name nicht verfügbar war, konnte man sich im Online-Shop selbst einen Namen beschriften lassen. Mit dieser Aktion trug die Coca-Cola Company die Botschaft nach außen, dass jeder Mensch anders ist und jeder auf seine Art und Weise etwas Besonderes darstellt. Der Erfolg spricht für sich: mehrere hundert Millionen Euro nahm das Unternehmen in dieser Zeit ein.

Auch bei sozialen Projekten ist Coca-Cola sehr aktiv. Die Marke begründete die Paralympics, bietet regelmäßige Public Viewings an und ist Sponsor vieler Sportvereine.

Ein Großteil des Marketings Coca-Cola´s nennt sich Guerilla-Marketing. Dies ist ein System, welches Kunden aktiv zum Bestandteil des Werbeerlebnisses macht. In der heutigen Zeit werden wir jeden Tag mit Werbungen überflutet. Das wiederum folgt zu einer gewissen Immunität.

Ziel des Guerilla-Marketing ist es deswegen, durch kreative und interaktive Werbung die Aufmerksamkeit der Kunden zu gewinnen. Dabei emotionalisieren wir uns mit der jeweiligen Werbung, da sie uns zum Nachdenken anregt und wir zwangsläufig an das Produkt denken.

Aber auch außerhalb seiner eigentlichen Produkte betreibt Coca-Cola allgemeines Marketing für sich selbst als Marke. Seit 2013 gibt es das Coca-Cola Journey. Dies ist ein online-Magazin mit Themen wie Unternehmensführung, Gesellschaft und Entertainment. Es werden Geschichten über Menschen erzählt, Großevents zusammengefasst und Fakten über das eigene Unternehmen genannt. Durch diese von der online-Zeitschrift erzählten Geschichten will Coca-Cola ganz bewusst Berührungspunkte mit den eigenen Produkten herstellen. So gibt es eine Backanleitung für den Fanta-Kuchen oder auch spannende Reiseberichte, bei denen immer wieder Produktplatzierungen stattfinden.

Auf diese Weise schafft es das Getränkeunternehmen, seine Kunden an die eigenen Getränke zu binden. Des Weiteren sind diese Artikel von Usern einfach bei sozialen Netzwerken zu teilen. So bekommt Coca-Cola durch die riesige Reichweite und die rasante Geschwindigkeit des Internets noch mehr Aufmerksamkeit.

Dahinter steckt das System des Content-Marketings. Mit Inhalten, die informieren und unterhalten sollen Kunden angesprochen werden, um sie vom eigenen Unternehmen zu überzeugen. Durch dieses interesseweckende System sollen so viele Menschen wie möglich für die Marke Coca-Cola begeistert werden.

Insgesamt verfolgt Coca-Cola einen sehr ausgeklügelten Marketing-Mix, bei dem es eine geschickte Mischung aus Online-Präsenz, Produktplatzierung bei Veranstaltungen und personalisierter Werbung macht. Die „Mach dir Freude auf!“ – Einstellung entwickelt bei vielen Menschen Sympathien und verbreitet einladende Stimmung.

IKEA

Anlehnend an Coca-Cola versucht IKEA ebenfalls seine Produkte über ein gewisses Lebensgefühl zu verkaufen. Obwohl IKEA vorrangig nicht individualisierbare Möbel und Produkte verkauft (die dadurch aber auch zu einem erschwinglichen Preis angeboten werden können), setzt der schwedische Möbelhersteller auf ein familiäres Lebensgefühl, welches in seinen Möbelhäusern ganz deutlich zum Einsatz kommt. Alles darf angefasst werden, jeder duzt sich. Durch das entspannte T-Shirt tragen der Mitarbeiter und der Namensgebung jedes einzelnen Möbelstückes bekommt der Kunde ein sehr heimisches und symphytisches Umfeld geboten. IKEA personifiziert seine Möbel so weit, dass der Käufer keinen leblosen Gegenstand kauft, sondern ein Möbelstück, welches eine Geschichte erzählt und wie eben erwähnt einen Namen trägt, mit dem man es bestenfalls ansprechen kann.

Nicht nur deshalb besuchen immer mehr Kunden IKEA auch ohne Kaufabsicht, um sich lediglich Möbel anzuschauen, Köttbullar zu essen und ihre Kinder für ein paar Stunden in der Kinderbetreuung abzugeben. Das Einkaufserlebnis erscheint attraktiv und ansprechend.

Eine weitere Strategie der schwedischen Möbelkette liegt im Rundgang durch das Möbelhaus. Alles ist genauestens geplant. Es geht mit Dekoartikeln los, bei denen der Käufer an die teuren Möbelstücke herangeführt werden soll. Später im Rundgang kommen Möbel aller Art, aufgegliedert nach Themenbereichen. Eine Abkürzung gibt es nicht, IKEA zwingt seine Kunden, einmal den gesamten Parcours zu bewältigen. Am Ende, quasi als Belohnung, findet man das von IKEA selbst betriebene Restaurant. Dort gibt es ebenfalls eine große Auswahl: Von typisch schwedischen Gerichten bis hin zu Fastfood und Desserts findet man hier alles. Wenn man sich also für einen Ikea-Besuch entscheidet, hat man keine Wahl: Man geht den gesamten Rundgang durch. Egal, ob man einen neuen Schrank, eine Bettdecke oder einen Hotdog haben möchte. Dadurch nutzt Ikea die Verlegenheit der Käufer aus, vielleicht doch etwas zu kaufen und in den Wagen einzuladen. Darauf aus, platziert Ikea seine farbigen und schönen Accessoires so, dass sie dem Kunden sofort in die Augen fallen.

Bunte Rabatt-Tafeln sollen dem Käufer ins Auge stechen und ihn verleiten. Auch sogenannte Kombi-Angebote finden bei Ikea oft Anwendung. „Bei einem Kauf über 500 Euro gibt es den Versand kostenlos dazu“, war eine IKEA-Werbung im Jahr 2017. Dabei appelliert man an die vermeintliche Vernunft des Kunden, jetzt zuzuschlagen, wenn es dieses Angebot gibt, und nicht zu warten bis es wieder teurer wird.

Ein weiter wichtiger Marketingfaktor ist die schwedische Note, die bei allem was Ikea an den Mann bringt, beiliegt. Die Kottbüllar und das Essen allgemein, die Namen der Möbelstücke und die Werbungen (im Fernsehen, aber auch vor Ort): alles hat einen schwedischen Touch.

Ikea schafft es also, nicht die Wurzeln des Unternehmens zu vernachlässigen, aber gleichzeitig standortabhängige Produkte vorrangig zu vermarkten. So soll jeder Kunde ein gutes Gefühl zum Einkaufen bekommen, zum einen durch die familiären Abläufe und zum andern durch das oben beschriebene schwedische Gefühl, dass zu jeder Zeit im Möbelhaus spürbar ist. Ikea will aber nicht nur im Markt zeigen, wie schön der Möbelkauf ist, sondern auch daheim.

Die Lösung, die das Unternehmen fand, war nicht nur effektiv um Kunden zu binden, sondern auch so prägend, dass sie einen eigenen Begriff bekam: Der IKEA-Effekt. Dieser Effekt beschäftigt sich mit der Psychologie. Ganz konkret ist damit die Wertschätzung für ein Produkt gemeint, an dessen Aufbau bzw. Herstellung man direkt beteiligt war. Das macht sich Ikea schon seit Jahrzehnten zu Nutze: Fertig gepackte Teile stehen ständig im Lager bereit und sind fertig zur Abholung. Wenn man das Paket mit nach Hause nimmt, findet man einen Bausatz vor, welcher noch zum Aufbau aussteht. Laut dem Ikea-Effekt kommt nun die Wertschätzung zum Tragen. Durch die Beteiligung an dem Fertigungsprozess schätzt man den Wert des Objektes sachlich, wie auch emotional deutlich höher ein. Dadurch kann Ikea einen größeren Gewinn erzielen und die eigenen Produkte verhältnismäßig zu einem höheren Preis absetzen.

Das Geheimnis der Ikea-philosophie liegt darin, nie provokativ zu handeln bzw. zu werben. Der Möbelhersteller setzte sich in Gebieten außerhalb Schwedens ganz langsam fest. Also Schritt für Schritt, meist im Stillen und trotzdem sehr clever. Man verfolgte stets eine konstante Entwicklung und Ausdehnung der Standorte, welche aber immer den landestypischen Bedürfnissen angepasst war.

Edeka

Auch Supermarktketten wie Edeka verfügen über eine ausgeklügelte Marketingstrategie.

Grundgerüst dieser Strategie ist anlehnend an Ikea der Rundgang durch den Markt. Alles ist geplant: Die Musik im Markt, die großen Werbeschilder und die Einzelprodukte an der Kasse.

Von Anfang an soll dem Kunden das Gefühl gegeben werden, dass es gut ist, viel mit nach Hause zu nehmen. Der Einkaufswagen ist meist um weiten größer als das, was man kaufen würde. Die Idee dahinter ist, dass sich die Ware dort regelrecht verlieren soll. So wirken die Produkte klein und verleiten dazu, mehr einzuladen. Um das Erlebnis des Einkaufens zu steigern, gibt es in Edeka-Filialen zunehmend sogenannte Kindereinkaufswagen, die auch den kleinen Verbrauchern das Shoppen näherbringen und das Beisammensein fördern sollen. Edeka legt sehr viel Wert auf Schlagworte wie Familie, Beisammensein und Gemeinsamkeit. Potentielle Käufer sollen bei ihren Gedanken ans Einkaufen dadurch sofort an Edeka denken: Ein Markt, bei dem Einkaufen mehr als nur funktionalistisch ist und das Zusammensein stärkt.

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Details

Seiten
32
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346101006
ISBN (Buch)
9783346101013
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v513006
Institution / Hochschule
Berufsakademie Sachsen in Bautzen
Note
1,7
Schlagworte
einfluss werbung unternehmen ängste bedürfnisse marketingstrategie

Autor

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