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Die Stellung der deutschen Sprache in der Europäischen Union und der Einfluss des Englischen

Referat (Ausarbeitung) 2018 11 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Globalisierung und Sprache

3. Die deutsche Sprache in der Europäischen Union

4. Ein historischer Blick auf die Bedeutung und Stellung des Englischen

5. Das Englische als Gefahr?

6. Deutsch – Eine gefährdete Sprache?

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Jahr 2010 ernannte die UNESCO den 23. April – in Anlehnung an William Shakespeares Geburtstag – weltweit als Tag der englischen Sprache. Diese soll an diesem Tag gefeiert werden, da sie neben Französisch, Arabisch, Chinesisch, Russisch und Spanisch eine der offiziellen Amtssprachen der Vereinigten Nationen ist. Es sollen die kulturelle Vielfalt gefördert und die Mehrsprachigkeit und die Verwendung der Sprache beworben werden.[1]

Durch die englische Sprache und die immer schneller fortschreitende Globalisierung und Technologie ist es heutzutage möglich, in einer globalen, kulturell vielfältigen Gesellschaft zu leben und mit Menschen jeglicher Nationalität überall auf der Welt zu kommunizieren. Englisch ist sowohl wirtschaftlich als auch persönlich zwischen Menschen aus anderssprachigen Ländern die erste Wahl – bei geschätzt 400 Millionen Muttersprachlern und einer Milliarde Menschen, die Englisch als Fremdsprache sprechen, ist dies nicht verwunderlich.[2] Was zunächst als eine rein positive Möglichkeit erscheint, könnte jedoch vor allem für anderen Sprachen neben der Englischen als Gefahr angesehen werden.

Diese Ausarbeitung soll sich mit der Auswirkung der Globalisierung auf die Sprachen der Welt beschäftigen, dabei soll der Fokus vor allem auf die englische Sprache und ihren Einfluss auf die Verbreitung und Nutzung anderer Sprachen innerhalb der Europäischen Union und Europas gelegt werden. Hierbei wird des Weiteren erläutert, welche Stellung die deutsche Sprache in der Europäischen Union einnimmt und ob die englische Sprache durch Einflüsse wie beispielsweise Anglizismen eine Gefahr für die deutsche Sprache darstellt und zu einer Sprachveränderung führen kann oder wohlmöglich bereits geführt hat.

2. Globalisierung und Sprache

Die Ausarbeitung des Referates soll sich mit der Frage beschäftigen, inwiefern sich die Globalisierung auf die Sprachen allgemein und vor allem auf die deutsche Sprache auswirkt. Um dies beurteilen zu können, ist es wichtig, den Begriff der Globalisierung zu definieren.

Laut der Bundeszentrale für politische Bildung muss man den Begriff der Globalisierung politisch-ökonomisch verstehen. Globalisierung steht dabei für einen „fortschreitenden Prozess weltweiter Arbeitsteilung“[3]. Der Brockhaus versteht unter dem Begriff der Globalisierung ebenfalls einen Prozess der weltwirtschaftlichen Arbeitsteilung und eine Veränderung der Strukturen in internationalen Systemen „aufgrund einer […] Spezialisierung, Integration und Vernetzung, einer zunehmenden politischen Interdependenz sowie einer verstärkten kulturellen Durchdringung von bislang national geprägten Gesellschaften“[4]. Die Globalisierung ist dabei eng mit der technologischen Entwicklung verknüpft und stellt „einen evolutionären Prozess dar, der auf mehreren interagierenden Triebkräften beruht“.[5]

In Bezug auf die Auswirkung der Globalisierung auf die Sprachen ist besonders die erweiterte Aussage des Brockhaus, dass bislang eher national geformte Gesellschaften durch die Globalisierung kulturell neu strukturiert werden, wichtig. Um in dieser globalisierten Welt kommunizieren zu können, benötigt es ein Sprachsystem, welches den Ansprüchen einer Weltgesellschaft genügt. Dieses Sprachsystem zieht sowohl für inter- und intranationale Verkehrs- und Amtssprachen, als auch auf die Wissenschafts-, Bildungs- und allgemeine Kommunikationssprache Folgen und Änderungen nach sich.[6] Es wird somit deutlich, dass die Globalisierung nicht nur Aspekte auf wirtschaftlicher und politischer Ebene verändert, sondern die verschiedenen Sprachen der Welt in Konkurrenz zueinander und in ein Spannungsverhältnis setzt. Das Spannungsverhältnis erklärt sich nach Hüppauf dadurch, dass verschiedenen Nationen durch die Globalisierung befürchten, die Macht ihrer Sprache und damit einhergehend ihre nationale Identität zu verlieren.[7]

Die deutsche Sprache ist hierbei ein eindeutiges Beispiel, inwiefern die Sprache eine nationale Identität beeinflussen und auch bilden kann: Im 19. Jahrhundert wurde sie als die Sprache der Wissenschaft und dadurch Deutschland als eine Nation der Wissenschaftler und Philosophen angesehen. Somit wurde damals die deutsche Nationalidentität durch die Stellung der deutschen Sprache deutlich von anderen Nationen abgegrenzt und in ihrer kulturellen Stellung gestärkt.

Erkennbar ist, dass die Globalisierung einerseits als Möglichkeit, andererseits auch als Gefahr verstanden werden kann: Positiv zu nennen sind die Erkenntnis- und Wissenszunahme durch einen neuen Internationalismus, welche sich sowohl kulturell als auch sprachlich darstellen. Die Auflösung einer Nationalidentität und der Verlust des Selbstverständnisses – beides Aspekte, die durch die eigene Sprache bedingt sind, derer Wortschatz innerhalb der Globalisierung durch Fremdwörter abgelöst wird – könnten jedoch als negativer Aspekt der Globalisierung angesehen werden.[8]

3. Die deutsche Sprache in der Europäischen Union

Heutzutage ist es wohl unumstritten, dass das Englische noch für eine gewisse Zeit die Position der Sprache der Globalisierung innehaben wird. Da diese Entwicklung in wissenschaftlichen Diskussionen nicht nur positiv gesehen wird, stellt sich die Frage, ob die zunehmende Bedeutung der englischen Sprache als eine Gefahr für andere Sprachen und vor allem für das Deutsche verstanden werden muss.

Interessant ist hierbei der Blick auf die heutige Position und Bedeutung des Deutschen in der Welt und vor allem in der Europäischen Union. Da durch die eigene Sprache früher und auch heute noch die eigene Identität von anderen Staaten und nationalen Identitäten abgegrenzt wird, kommen die Fragen auf, wie sich dieser Prozess in einem Bündnis verhält und welche Sprache in einem Bündnis wie beispielsweise der Europäischen Union gesprochen werden sollte.

In den Römischen Verträgen wurde 1957 als Antwort auf diese elementare Frage entschieden, dass die Sprachen aller Bündnispartner gleichberechtigt sind.[9] Dies bedeutet, dass alle Abgeordneten des Europäischen Parlaments in Brüssel ein Anrecht darauf haben, offizielle Dokumente in jeder der Europäischen Union angehörigen Amtssprache vorgelegt zu bekommen, da sonst andernfalls mit den Dokumenten verbundene Rechtsakte für ungültig erklärt werden könnten.[10]

Das Recht mit den Institutionen der Europäischen Union in der für sich entsprechenden Amtssprache zu kommunizieren, gilt auch für jeden Bürger der Europäischen Union. Seit den Verträgen von Amsterdam im Jahr 1997 ist es demnach jedem Bürger möglich, eine Anfrage in jeglicher zugehörigen Amtssprache zu schicken und auf selbiger Sprache eine Antwort zu erhalten. Auffällig ist jedoch, dass Personen, die mit dieser Institution in Kontakt treten, beinah ausschließlich die englische Sprache benutzen.[11] Es ist jedoch fraglich, ob dies für die These spricht, dass die englische Sprache als eine Gefahr für andere Sprachen angesehen werden kann, oder ob diese Auffälligkeit nur auf der Unwissenheit der Bürger um dieses Recht beruht.

Betrachtet man die Umsetzung dieses Rechtes, wurden im Jahr 2002 etwa 1,8 Milliarden Euro für Übersetzungsdienstleistungen bei 15 Mitgliedsstaaten und elf Amtssprachen ausgegeben[12]. Mittlerweile ist die Anzahl der Mitgliedsstaaten auf 28 Länder[13] mit 24 verschiedenen Amtssprachen angewachsen, wodurch 552 unterschiedliche Sprachkombinationen bei der Übersetzung möglich sind.[14] Hierbei wird deutlich, dass die Übersetzungsdienste trotz der Mehrsprachigkeit und des Rechts allein schon der Kosten wegen innerhalb der Institution an Grenzen gebunden sein müssen. Truchot stellt hierbei fest, dass in Treffen auf der höchsten europäischen Stufe in 11 Sprachen übersetzt wird und der Übersetzungsaufwand mit jeder niedrigeren Ebene innerhalb des Europäischen Parlaments geringer wird:

In meetings held at the highest level of European Council, simultaneous interpretation is provided and all documents are translated into eleven languages. This is also the case in plenary sessions of the European Parliament. But the lower you get in the hierarchy or the less formal the meetings are, the less multilingualism is guaranteed. [15]

In Übersetzungen und Kommunikationen in verschiedenen Gremien hat sich eine feste Tradition herausgebildet: Im Ausschuss der Ständigen Vertreter, welcher den wichtigste Ausschuss der Botschafter und Botschafterinnen der EU-Mitgliedsstaaten darstellt, wird nur Deutsch, Englisch und Französisch gedolmetscht. Diese Sonderstellung der drei Verfahrenssprachen zeigt sich auch in der Arbeit der Kommissare in der EU, welche sich mit Dokumenten beschäftigen, die in den drei oben genannten Sprachen vorgelegt sein müssen. Da die Europäische Union sich der Bedeutung der deutschen Sprache bewusst ist, bietet das Auswärtige Amt in Kooperation mit dem Goethe-Institut das Sprachprogramm „Deutsch als Arbeits- und Verhandlungssprache in der EU“ für höhere EU-Bedienstete und Ministerialbeamte an. Innerhalb der Europäischen Union ist die deutsche Sprache des Weiteren die am weitesten verbreitete Muttersprache und als Fremdsprache gleichauf mit Französisch auf dem zweiten Platz hinter dem Englischen.[16]

[...]


[1] Vgl. https://www.lingoda.com/de/blog/englische-sprache-wichtigkeit 21.03.2018 23:43

[2] Vgl. https://www.lingoda.com/de/blog/englische-sprache-wichtigkeit 21.03.2018 23:43

[3] Vgl. http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/17577/globalisierung 22.10.2017 14:23

[4] Vgl. https://bielefeld-ub.brockhaus.de/enzyklopaedie/globalisierung 22.10.2017 14:46

[5] Vgl. ebd.

[6] Vgl. Bauernschuster, S.11.

[7] Vgl. Hüppauf S.4.

[8] Vgl. Hoberg, S.9.

[9] Vgl. Hoberg, S. 31.

[10] Vgl. Hoberg, S. 31.

[11] Vgl. Maurais S.103

[12] Vgl. Hoberg, S.31.

[13] Vgl. https://europa.eu/european-union/about-eu/countries_de 20.03.2018 21:11

[14] Vgl. http://www.europarl.europa.eu/aboutparliament/de/20150201PVL00013/Mehrspra chigkeit 20.03.2018 21:14

[15] Vgl. Maurais, S.101.

[16] Vgl. https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/europa/deutsche-europapolitik/deutschespracheindereu-node 20.03.2018 21:48

Details

Seiten
11
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346092847
ISBN (Buch)
9783346092854
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v512975
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1.0
Schlagworte
stellung sprache europäischen union einfluss englischen
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