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Wortneubildungen im Bereich der deutschen Hip-Hop-Kultur

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 19 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung
1.1. Vorwort
1.2. Die Sprecher
1.3. Wichtige sprachliche Auffälligkeiten
1.4. Literatur
1.5. Die Vorgehensweise dieser Arbeit

2. Das Corpus

3. Kategorisierung und exemplarische Analyse
3.1. Determinativkomposita
3.2. Zusammenrückungen
3.3. Zusammenbildung / synthetische Komposita
3.4. Steigerungsbildungen
3.5. Suffigierungen
3.8. lexikalische Konversionen
3.7. grammatische Transpositionen / syntaktische Konversionen
3.8. Wortkürzungen
3.9. Wortkreuzungen / Blends
3.10. Reduplikationen

4. Zusammenfassung

5. Quellen und Literatur
5.1. Printquellen / Siglen
5.2. Quellen aus dem Netz
5.3. Sekundärliteratur

6. Anhang (tabellarischer Corpus)

1. Einleitung

1.1. Vorwort

“It all started in the summer of 1973 in New York City... A young man named Kool Herc, having come from Jamaica three years earlier, began spinning in the parks in the South Bronx... What made Herc different than most DJs was his "looping" of certain parts of records... What he would do is take the phattest part of a song (called a "break") and replay it back and forth using two turntables and a mixer... A new song of sorts was created -- a repeating groove -- that kids in the parks would dance to...”[1]

Die Musikrichtung HipHop also entsprang dem New York der 1970er Jahre und verbreitete sich bis heute zu einer der beliebtesten Musikstile der Jugend. Einen wichtigen Teil macht neben der Musik der sog. ‚Rap’[2] aus. Bei diesem „darüberliegenden Sprechgesang, der auch in schwarz-afrikanischer Musik zu finden ist, kommt es besonders auf Textinhalt und -Verständnis an“[3]. Dieser Sprechgesang bringt quantitativ wesentlich mehr Text pro Lied unter, da er enorm schnell ist und weniger den melodischen Gesetzmäßigkeiten des normalen Gesangs unterworfen ist. Obwohl sich bereits ab den späten 1980er Jahren z.B. auch deutschsprachige HipHop-Musik in den deutschen Hitparaden durchsetzen konnte, blieb die Szene überall auf der Welt von der amerikanisch-englischen Sprache dominiert.

1.2. Die Sprecher

„Die Identifikation der Jugendlichen mit einem Musikstil, einer Gruppe oder einem Star ist von immenser Bedeutung. Nach dem Musikstil richten sich Zugehörigkeit zu einer Clique, die Identifikation mit einer Jugendgruppe oder Jugendkultur“[4].

Aufgrund der Jugendlichkeit der Musikrichtung selbst, die 1970 in New York von der Jugend für die Jugend entstand, sind die Mitglieder der HipHop-Kultur hauptsächlich Jugendliche und junge Erwachsene. Auch die deutschsprachige HipHop-Kultur definiert sich primär über die Musikrichtung, jedoch spielen mittlerweile viele andere Lebensbereiche in dieses Kulturumfeld mit hinein: Mode, Medien[5], Kunst (Graffiti), Sport (Breakdance) uvm. . Der Begriff ‚ HipHop’ ist also mittlerweile mehr als jugendlicher Lifestyle zu verstehen, denn als fachliche Bezeichnung für eine Musikrichtung. Aus diesem Grund ist die spezifische HipHop-Sprache weniger als Fachsprache zu verstehen, sondern mehr als Gruppensprache, obwohl es natürlich Abstufungen gibt. So bedienen sich beispielsweise die HipHop-Musiker einer sehr kryptischen Fachsprache, die sich vor allem auf die enorm wichtigen technischen Aspekte der Musik[6] konzentrieren und von einem Großteil der Fans und Anhänger dieser Lifestyle-Richtung nicht verstanden werden muss. In der vorliegenden Arbeit soll also nicht die Musik-Fachsprache untersucht werden, sondern eher die Lifestyle-Gruppensprache. „Die Gemeinsamkeiten einer Jugendgruppe manifestieren sich in ihrem Musikstil, viele Gruppen definieren sich über den Musikstil, den sie hören. Musik ist in vielen Fällen die wichtigste Ausdrucksform der Jugend, sowohl nach innen wie nach außen“[7].

1.3. Wichtige sprachliche Auffälligkeiten

Im Vorwort wurde bereits darauf hingewiesen, dass zum Wesen der deutschen HipHop-Kultur vor allem die sehr zahlreichen fremdsprachlichen Übernahmen aus dem Amerikanisch-Englischen gehören, die gemeinhin vom Sprecher als Anglizismen bezeichnet werden. Häufig werden komplett englische Wörter, die hier zulande noch nicht als lexikalisiertes Fremdwort eingebürgert sind, in diese Gruppensprache aufgenommen, z.B.:

Battle (BS14)[8] , Bullshit (B39) , Cuts (J18) , Deadline (B32) , Deal (BS25) , Dude (B27) , dope (BS44) , Fanbase (BS44) , Game (BS25) , Hood (B32) , Hype (B26) , Lyrics (BS33) , Pieces (BS16) , Pipeline (J12) , Posse (J11) , Oldschool (BS33) , Output (BS85) , real (BS37) , Struggle (B27) , Skills (BS31) , Skits (BS11) , Stuff (B18) , Track (BS31) , Vibe (BS12) , uvm.

Es werden sogar ganze syntaktische Strukturen in deutsche Sätze eingegliedert, z.B.:

Hall of Fame (BS16), Time to shine (B18) ; All G’d up from the feet up (J11) ; All Saesons for ass kickin’ raesons (J2) uvm.

Die rein anderssprachlichen Übernahmen werden hier lediglich als Abgrenzung zur deutschen Wortneubildung erwähnt und sollen als typisch betrachtet, jedoch nicht untersucht werden.

Die Hauptauffälligkeit neben den Übernahmen ist die Vermischung der deutschen und der amerikanisch-englischen Sprache innerhalb von Wörtern. Da in diesem Bereich reindeutsche Neuwortbildungen[9] quantitativ selten auftreten, wird der Focus der Arbeit auf den sehr häufigen Vermischungen[10] der deutschen und der englischen Sprache bei der Neuwortbildung liegen.

1.4. Literatur

Da erwartungsgemäß keine wissenschaftliche Literatur bezüglich der Neuwortbildung in der HipHop-Kultur gefunden werden konnte, wird sich die vorliegende Arbeit nur an einführenden linguistischen Werken[11] zur Klassifikation und der Eigenforschung orientieren können. Unterstützend wird lediglich eine eher soziologische Aufsatzsammlung[12] zu Jungendlichen und ihren Sprachstilen verwendet.

1.5. Die Vorgehensweise dieser Arbeit

Anhand von repräsentativen Printquellen soll der Bereich der deutschen HipHop-Kultur nach Neuwortbildungen untersucht werden. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, mittels einer Momentstichprobe Neuwortbildungen zu finden, zu sichten, formal zu klassifizieren und vereinzelt semantische Unklarheiten beispielhaft zu untersuchen. Zunächst wird die formale Klassifikation vor allem anhand der festgelegten Wortbildungstypen der deutschen Sprache nach Altmann und Kemmerling[13] und formalen Subkategorien vorgenommen. Dann sollen eventuelle Besonderheiten bei der Klassifikation, interessante Wortbildungen und vor allem semantische Unklarheiten exemplarisch analysiert werden. Als Ergebnis erhält der Leser der Arbeit dann ein kategorisiertes, repräsentatives und in Einzelfällen kommentiertes und analysiertes Corpus.

2. Das Corpus

Das Corpus resultiert jeweils aus der Oktoberausgabe 2004 der drei einschlägigen HipHop-Zeitschriften im deutschen Zeitschriftenhandel: Juice[14], Backspin[15], Bounce[16]. Das Beispielcorpus befindet sich in tabellarischer Auflistung im Anhang, ist von Hand ausgewertet und beansprucht keineswegs eine Vollständigkeit im Sinne des untersuchten Bereichs der deutschen HipHop-Kultur.

3. Kategorisierung und exemplarische Analyse

In der folgenden Abhandlung über die Kategorisierung der Corpusbeispiele wird aufgrund der Quantität nicht nach Verwendungsgrad (okkasionell/ ad hoc) unterschieden, da hierfür jedes einzelne Wort geprüft werden müsste[17]. Der Grad der Usualisierung soll aber in den jeweils nachfolgenden ausgewählten Beispielanalysen berücksichtigt werden. Eine Lexikalisierung im Sinne einer Aufführung der Begriffe in einem gebräuchlichen Nachschlagewerk ist für alle Begriffe im Corpus gleichermaßen unwahrscheinlich, da sie alle nach dem Kriterium ‚nicht-lexikalisiert’ ausgewählt wurden. Aufgrund der Menge wurde aber auch auf eine Überprüfung des Lexikalisierungsgrades verzichtet.

Die Kategorien Kopulativkomposita, Präfigierungen und Ablautbildungen können vom vorliegenden Corpus nicht gefüllt werden und bleiben hier deshalb unbehandelt.

3.1. Determinativkomposita

Das Determinativkompositum stellte sich erwartungsgemäß auch im Bereich der HipHop-Kultur als der produktivste Wortbildungstyp zur Kreation neuer Wörter heraus. Bei der Corpusbildung stachen vor allem die häufigen Bildungen mit der Komponente ‚ HipHop’ / ‚Hip-Hop’[18] und ‚ Rap’ heraus.

Determinativkomposita des Corpus mit der Komponente ‚ Hip-Hop ’ / ‚ HipHop ’:

a) Hip-Hop-Gemeinde (BS6), Hip-Hop-Beats (BS6), Hip-Hop-Head (BS6), Hip-Hop-Kontext (BS6), Hip-Hop-Shit (BS8), Hip-Hop-Gefühl (BS12), Hip-Hop-Platte (BS13), Hip-Hop-Fans (BS11), Hip-Hop-Fans (BS16/80), Hip-Hop-Magazin (BS 18), Hip-Hop-Fotografen (BS18), Hip-Hop-Künstler (BS18), Hip-Hop-Fans (BS18), Hip-Hop-Publikum (BS21), Hip-Hop-Uniform (BS25), Hip-Hop-Gilde (BS25), Hip-Hop-Partys (BS27), Hip-Hop-Geschäft (BS30), Hip-Hop-Hörer (BS31), Hip-Hop-Stück (BS31), Hip-Hop-Generation (BS43), Hip-Hop-Kultur (BS50), Hip-Hop-Künstlerin (BS77), Hip-Hop-Musiker (BS80), Hip-Hop-Typen (BS80); Hip-Hop-Kumpel (BS80), Hip-Hop-Videos (BS87), Hip-Hop-Kreise (BS 88), Hip-Hop-Film (BS88), Hip-Hop-Platten (J15), Hip-Hop-Biz (J15), Hip-Hop-Szene (J36), HipHop-Wundertüte (J36), hiphop-related (B15), hip-hop-affin (J12)
b) HipHop Court (B6), HipHop Community (B11), HipHop Taktiker (B22)

Zu dieser beliebig erweiterbaren Sammlung an Determinativkomposita ist anzumerken, dass die Komponente ‚ Hip-Hop ’ bzw. ‚ HipHop ’ nur als Determinans auftritt und niemals als Determinatum. Das heißt natürlich nicht, dass ‚ Hip-Hop ’ bzw. ‚ HipHop ’ als Determinatum nicht möglich wäre, im Gegenteil: eine Bildung wie „ Oldschool - HipHop “ analog zu „ Oldschool - Rap “ (BS30) wäre durchaus gebräuchlich, konnte in den zur Corpusbildung verwendeten Quellen jedoch nicht gefunden werden. Auffällig ist außerdem, dass alle gefundenen Bildungen nur zweigliedrig und, mit Ausnahme der Beispiele aus der Zeitschrift ‚ Bounce’ (b), alle mit Bindestrich verbunden sind. Die unterschiedlichen Schreibweisen haben jedoch keinerlei semantische Relevanz und scheinen lediglich eine Stilfrage zu sein.

Determinativkomposita mit der Komponente ‚ Rap ’:

a) Rap-Texte (BS6), Rap-Geschichte (BS6), Rap-Shit (BS7/44), Rap-Generation (BS 25), Rap-Deutschland (BS25), Rap-Generation (BS25), Rap-Szene (BS 36/J12), Rap-Musik (BS38/43/93), Rap-Scheiben (BS44), Rap-Song (BS77), Rap-Welt (BS80), Rap-Geschichte (J12), Rap-Hype (J12), Rap-Filme (J12), Rap-Crew (J36)
b) Gangsta Rap (B27), Oldschool-Rap (BS80), Deutschrap (J60)
c) Rapgame (BS27), Rapsaison (J16), Rapplatten (B29)
d) Rap-Altmeister (BS84), Franz-Rap-Sampler (J12), Boom-Bap-Rap-Shit (BS43), Gangsta-Hardcore-Rap-Fans (J12)

[...]


[1] http://www.jam2dis.com/ j2dhiphophistory1.htm 12:13 2.3.2005

[2] Ursprünge dieses Wortes sind: „rapid“ = schnell und „to rap“ = klopfen / ugspr. schnell reden, schwatzen, plaudern, stoßweise sprechen; Bertelsmann/Wahrig (2000). Etymologisches Lexikon.

[3] Schlobinski, Peter / Heins, Niels-Christian: Jugendliche und ‚ihre’ Sprache. Sprachregister, Jugendkulturen und Wertsysteme. Empirische Studien. Opladen/Wiesbaden 1998. S. 63.

[4] Ebd.

[5] „Der Musikmarkt bietet […] eine weitreichende Produktpalette an, angefangen von der Single, der CD und dem Videoclip über Fanartikel, Zeitschriften, Webseiten oder Plakatwerbung bis hin zur Tournee, Fernsehproduktionen und Spielfilmen“ Schlobinski: Musik und Sprachstile. S. 63.

[6] z.B. wird die Erstellung der Musik selbst (Beats) fast ausschließlich digital am Computer bewerkstelligt.

[7] Schlobinski: Musik und Sprachstile. S. 64.

[8] Die Siglen sind in Kapitel 5.1. (S.17) erklärt.

[9] Das verwendete Corpus enthält lediglich 16 reindeutsche Neuwortbildungen im HipHop-Bereich.

[10] Das verwendete Corpus enthält ca. 200 Vermischungen.

[11] Hans, Altmann / Silke, Kemmerling: Wortbildung fürs Examen. Studien- und Arbeitsbuch. Wiesbaden 2000. ; Donalies, Elke: Die Wortbildung des Deutschen. Ein Überblick. Tübingen 2002.

[12] Schlobinski: Musik und Sprachstile.

[13] Altmann / Kemmerling: Wortbildung fürs Examen.

[14] Juice, 11-2004 (Nr. 64), hrsg. v. piranha media Gmbh – Redaktion Juice, Alexander Lacher (Hg.), München 2004.

[15] Backspin, Hip Hop Magazin, 11-2004 (Nr. 60), hrsg. v. BACKSPIN Falk & Petering OHG, Bodo Falk und Frank Petering (Hg.), Hamburg 2004.

[16] Bounce Magazin, 5-2004 (Nr. 18), hrsg. v. J. L. King Verlag, Jeffrey L. King (Hg.), Bingen 2004.

[17] z.B. mittels einer Internetrecherche (Quantität der Google-Ergebnisse eines Begriffs) oder im Idealfall durch eine möglichst repräsentative Befragung.

[18] Laut Duden (2000) gibt es nur zwei offizielle Schreibweisen für ‚HipHop’ nämlich: „Hip-Hop“ und „Hiphop“ (S. 472); Die in der vorliegenden Arbeit verwendete Schreibweise mit Binnengroßschreibung („HipHop“) lehnt sich an der Schreibweise der Zeitschriften ‚Jucie’ und ‚Bounce’ an. Zur vom Duden publizierten Alternativschreibweise „Hiphop“ ist anzumerken, dass ich sie nirgends sonst finden konnte!

Details

Seiten
19
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638473064
ISBN (Buch)
9783656059899
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v51294
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für germanistische Linguistik
Note
2
Schlagworte
Wortneubildungen Bereich Hip-Hop-Kultur Neologismen

Autor

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