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Neuer Institutionalismus: Die Property Rights-Theory

Seminararbeit 2001 23 Seiten

BWL - Unternehmensforschung, Operations Research

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Neuer Institutionalismus
2.1 Entwicklung des Neuen Institutionalismus
2.2 Zweige des Neuen Institutionalismus
2.3 Neuer Institutionalismus und Property Rights-Theorie

3. Zentrale Elemente der Property Rights-Theorie
3.1 Property Rights
3.2 Individuelle Nutzenmaximierung
3.3 Transaktionskosten

4. Anwendungsbereiche der Property Rights-Theorie
4.1 Externe Effekte und öffentliche Güter
4.2 Unternehmungstheorie
4.3 Ökonomische Analyse des Rechts
4.4 Wirtschaftsgeschichte

5. Kritische Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bis in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts beherrschten neoklassische Denkweisen die Ökonomie. Dabei wurde die rechtliche und institutionelle Umwelt vollkommen außer Acht gelassen. Lediglich Ronald H. Coase beschäftigte sich in seinen Aufsätzen mit diesen Rahmenbedingungen. In den USA wurde dann Mitte der sechziger Jahre die Abhängigkeit der Ergebnisse ökonomischen Handelns vom gesetzten Recht, sowie den institutionellen Voraussetzungen aufgegriffen und unter dem Oberbegriff „Neuer Institutionalismus“ weiterentwickelt.

Im folgenden Kapitel wird zunächst genauer auf die Entwicklung dieses Neuen Institutionalismus eingegangen. Die daraus entstandenen Ansätze werden dabei kurz vorgestellt. Die Grundlagen der Property Rights-Theorie, die eines dieser Teilgebiete darstellt, werden in Kapitel 3 ausführlich behandelt.

Wie sich diese Theorie auf bestehende wirtschaftliche und politische Probleme anwenden lässt wird in Kapitel 4 gezeigt. Besonderen Wert werden hierbei auf das Problem der öffentlichen Güter sowie der Unternehmungstheorie gelegt. Eine kritische Zusammenfassung der Theorie schließt die Arbeit ab.

2. Neuer Institutionalismus

2.1 Entwicklung des Neuen Institutionalismus

Als Ausgangspunkt der Bemühungen um eine neue Institutionenökonomik wird immer wieder der Aufsatz „The nature of the firm“ von Ronald H. Coase genannt. Der im Jahre 1937 veröffentlichte Artikel befasst sich mit der Frage, warum es trotz der stets betonten Überlegenheit des Marktes überhaupt Unternehmungen oder andere hierarchische Organisationsformen im wirtschaftlichen Geschehen gibt. Dieser Artikel gilt mittlerweile als einer der bedeutendsten und meistzitiertesten Artikel der Wirtschaftswissenschaften des vergangenen Jahrhunderts. Coases Artikel fand zunächst jedoch nur wenig Beachtung. In den fünfziger und sechziger Jahren verbreitete sich unter den Ökonomen zunehmendes Unbehagen über die bestehenden neoklassischen Vorstellungen. Gegenstand damaliger Kritik waren vor allem der hohe Abstraktionsgrad, der begrenzte Anwendungsbereich und die fehlende Berücksichtigung der Rolle von Institutionen (vgl. Döring, 1998, S. 8).

Die Bezeichnung „Neuer Institutionalismus“ ist ein Oberbegriff für eine Reihe unterschiedlicher Ansätze, die teils nebeneinander stehen, zum Teil aber auch aufeinander aufbauen. Darüber, welche Ansätze zu diesem Forschungsgebiet zählen, herrscht in der Literatur keine Einigkeit. Von den meisten Vertretern werden aber der Property Rights-Ansatz, die Transaktionskostentheorie und die Agency-Theorie dem Neuen Institutionalismus zugeordnet.

Wie dem Namen zu entnehmen befasst sich der Neue Institutionalismus allgemein mit der Rolle von realen Institutionen im Wirtschaftsgeschehen und deren bewusste Gestaltung um Verhalten zu ändern oder bestimmtes Verhalten hervorzurufen.

Der Neue Institutionalismus lehnt - im Gegensatz zu früheren Ansätzen - die vorherrschende Standardtheorie nicht grundsätzlich ab, sondern versucht die herrschende Lehre weiterzuentwickeln. Die neoklassische Theorie soll erweitert werden um eine umfassendere und allgemeinere mikroökonomische Theorie zu erhalten, welche die Neoklassik in ihrer Aussagekraft für individuelles Verhalten und Institutionen ergänzt (vgl. Döring, 1998, S.9).

2.2 Zweige des Neuen Institutionalismus

Wie bereits angedeutet werden regelmäßig der Property-Rights Ansatz, die Transaktionskostentheorie und die Agency Theorie dem Neuen Institutionalismus zugerechnet. Zwei weitere miteinander verwandte Theorieansätze erweitern in letzter Zeit den Rahmen des Neuen Institutionalismus. Dies sind die Neue Politische Ökonomik und die Verfassungsökonomik (vgl. Döring, 1998, S.9).

Da zur Agency-Theorie eine eigenständige Seminararbeit vorliegt wird hier nicht näher auf diesen Ansatz eingegangen, die Transaktionskosten werden jedoch in Kapitel 3.3 vorgestellt, da sie ein zentrales Element der Property Rights-Theorie darstellen.

Die Neue Politische Ökonomik und die mit ihr verwandte Verfassungsökonomik werden nun kurz vorgestellt. Das Erkenntnisinteresse dieser beiden Theorien ist eher auf den politischen Bereich ausgerichtet und damit von dem Erkenntnisobjekt der übrigen drei Ansätze (Ökonomik der Wirtschaft) deutlich zu unterscheiden.

Die Neue Politische Ökonomik wendet ökonomische Analysemethoden bei der Untersuchung von politischen Prozessen an. Die behandelten Fragestellungen sind z.B. Wahlverhalten, Parteipolitik, Regierungsverhalten und Verhalten von Bürokratien.

In der Neuen Politischen Ökonomie wird dem ökonomischen Denken folgend, den politischen Akteuren die Verfolgung von Eigeninteresse unterstellt. Ein Politiker wird deshalb solche politischen Programme anbieten, welche zu einer Maximierung der für ihn abgegebenen Stimmen bei einer Wahl führen. Die Förderung des Allgemeinwohls fällt in diesem Zusammenhang daher praktisch als Nebenprodukt seiner eigennützigen Aktivität an. Dieses stimmenmaximierende Verhalten zeigt sich nach der Neuen Politischen Ökonomik auch in fiskal- und geldpolitischen Entscheidungen. Der agierende Politiker wird versuchen die konjunkturelle Lage vor Wahlen durch eine expansive Ausgabenpolitik kurzfristig zu verbessern, obwohl die langfristigen Nebenwirkungen den kurzfristigen Vorteil überkompensieren werden. Dieses eigennützige Verhalten des politischen Akteurs innerhalb der vorgegebenen Regeln (i.e. der Verfassung) ist Gegenstand der Analyse der Neuen Politischen Ökonomik, während die Verfassungsökonomik diese Regeln selbst untersucht. Als wichtigste Vertreter dieser Theorien sind James M. Buchanan, Geoffrey Brennan und Gordon Tullok zu sehen (vgl. Döring, 1998, S.11).

2.3 Neuer Institutionalismus und Property Rights-Theorie

Die Property Rights-Theorie geht ähnlich wie die Transaktionskostentheorie und die Agency-Theorie zunächst von der Kritik am Modell der Neoklassik aus. Es ist damit eindeutig ein gemeinsamer Kern dieser Forschungsrichtung zu erkennen.

Das Hauptanliegen des Property Rights-Ansatzes besteht darin, den Einfluss von sozial anerkannten, auf Konvention, Tradition, gesetztem Recht oder auf Verträgen beruhenden institutionellen Handlungsbeschränkungen auf wirtschaftliche Phänomene zu erklären (vgl. Döring, 1998, S. 12). Diese Handlungsbeschränkungen ergeben sich aufgrund von Property Rights, die für die Befürworter dieser Theorie wichtiger sind als der Besitz und die physischen Eigenschaften eines Gutes

Wie bei allen genannten Ansätzen des Neuen Institutionalismus geht es auch bei der Property Rights-Theorie darum, die Funktionsweise von Institutionen zu analysieren und eine optimale Gestaltung derselben zu erarbeiten. Aufbauend auf den Charakteristika der traditionellen Ökonomie führt die Property Rights-Theorie einige Modifikationen, um angemessenere Aussagen über die Realität hervorbringen zu können (vgl. Richter/Furubotn, 1996, S. 2-9).

Die erwähnten Veränderungen im Rahmen des Property Rights-Ansatzes sind:

- Methodologischer Individualismus als Analysemethode. D.h. das Verhalten von sozialen Kollektiven kann nur im Rückgriff auf das Handeln der einzelnen Individuen erklärt werden.
- Annahme des eigeninteressierten Handelns. Jedes Individuum handelt gemäß einer eigenen Nutzenfunktion, welche seine persönlichen Präferenzen wiederspiegelt.
- Individuelle Rationalität ersetzt die absolute Rationalität.
- Die Wirtschaftssubjekte werden auch andere Eigenschaften als Rationalität, nämlich o pportunistisches Verhalten, an den Tag legen. Wie Williamsen argumentiert, werden Individuen unaufrichtig sein um ihr Eigeninteresse durchzusetzen und dabei auch bewusst in Kauf nehmen, dritte mit ihren Handlungen zu schädigen (vgl. Richter/Furubotn, 1996, S.5).
- Es gibt ein Überwachungs- und Durchsetzungssystem, das die Verfügungsrechte in einer Wirtschaft durchsetzt und sichert (Gesetz, Gewohnheit, Moral). Durch Androhen von Sanktionen kann das Verhalten der Wirtschaftssubjekte zum Teil kanalisiert werden.
- In der Analyse werden die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen, unter denen Transaktionen von Property Rights ablaufen, mit berücksichtigt.
- Ein weiteres Element sind Transaktionskosten. Dieser auf Coase zurückgehende Begriff umfasst den Ressourcenverbrauch für die mit Vertragsabschluss und –durchsetzung entstehenden Anstrengungen: Informationssuche, Informations-beschaffung, Durchführung der Transaktion, Überwachung der Einhaltung des Vertrages.

Die Vertreter dieses Ansatzes wollen mit seiner Hilfe erklären bzw. voraussagen, wie sich Individuen unter bestimmten gegebenen institutionellen Rahmenbedingungen verhalten. Gleichzeitig kann damit auch die Frage beantwortet werden, wie bestimmte institutionelle Regelungen zu gestalten sind um ein bestimmtes Verhalten hervorzurufen (vgl. Richter/Furubotn, 1996, S. 7).

3. Zentrale Elemente der Property Rights-Theorie

Die Property Rights-Theorie versteht sich als Erweiterung der traditionellen Mikroökonomie. Die systematische Entwicklung dieser Theorie leisteten Armen A. Alchian und Harold Demsetz , aufbauend auf einem Beitrag von Ronald H. Coase (The problems of Social Cost) Mitte der sechziger Jahre. Bei der internationalen Verbreitung dieses Gedankengutes haben sich insbesondere Eirik G. Furubotn und Steve Pejovich Verdienste erworben (vgl. Fuchs, 1994, S.14). In den folgenden Abschnitten werden nun die einzelnen Elemente dieser Theorie sowie deren Zusammenspiel erläutert.

3.1 Property Rights

Die Übersetzung des Begriffes „Property Rights“ lässt einige Freiheitsgrade zu. Es wird deutlich, dass eine wörtliche Übersetzung (Eigentumsrechte) die dem englischen Begriff verbundene Bedeutung nicht korrekt wiedergibt. Einige Autoren verzichten daher darauf und arbeiten mit dem originären Begriff „Property Rights“. Als häufigste Übersetzung des Terminus hat sich jedoch der Begriff „Verfügungsrechte“ durchgesetzt, der auch in den folgenden Kapiteln benutzt wird (vgl. Fuchs. 1994, S.14 und Richter/Furubotn, 1996, S. 79).

Ausgangspunkt bildet die Überlegung, dass das Eigentum an einem Gut alleine nicht von ökonomischem Wert ist, sondern erst die einzelnen hiermit verbundenen Rechte bestimmte Handlungen durchzuführen (vgl. Picot, 1981 S.156-157). Beispielsweise wird der effektive (Nutz)-Wert einer Waffe durch das Tötungsverbot sehr stark eingeschränkt. An die Stelle der Tauschobjekte der bisherigen Marktheorie (Eigentum oder kein Eigentum an einem physisch definierten Gut) treten die einzelnen Nutzungsmöglichkeiten (Property Rights). Sie werden in 4 Gruppen unterteilt:

„ 1. Rechte, die die Art der Nutzung eines Gutes betreffen (Usus)
2. Rechte zur formalen und materiellen Veränderung eines Gutes (Abusus)
3. Rechte zur Aneignung von Gewinnen und Verlusten, die durch die Nutzung eines Gutes entstehen (Usus Fructus)
4. Rechte zur Veräußerung des Gutes an dritte zu frei vereinbarten Konditionen“

(Fuchs, 1994, S.17)

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Details

Seiten
23
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638131216
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v5128
Institution / Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern – Lehrstuhl für Betriebsinformatik und Operations Research
Note
1,3
Schlagworte
Neuer Institutionalismus Property Rights Verfügungsrechte Transaktionskosten

Autor

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Titel: Neuer Institutionalismus: Die Property Rights-Theory