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"Moulin Rouge, la Goulue" von Henri de Toulouse-Lautrec. Beschreibung des Plakates, Analyse und Interpretation

Hausarbeit 2019 15 Seiten

Kunst - Bildende Künstler

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Technische Angaben zum Plakat „Moulin Rouge, la Goulue“

2. Beschreibung des Plakates

3. Sachbezogene Analyse und Interpretation

4. Das Leben von Henri de Toulouse-Lautrec

Literaturverzeichnis

Internetquellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Plakat Moulin Rouge, la Goulue von dem Künstler Henri de Toulouse-Lautrec (Abb. 1). Es entstand 1891 in der Zeit der Industrialisierung und prägte die entstehende Plakatwerbung für Theater, Kabarett und Film. Die Geschichte des Plakats begann allerdings schon im 15. Jahrhundert mit der Erfindung des Buchdrucks, denn dadurch war es möglich mit Flugblättern Nachrichten an öffentlichen Orten schnell zu verbreiten. Durch die technische Erfindung der Lithografie von Alois Senefelder war ab 1798 auch der Druck von größeren Formaten und in Farbe möglich.1 Die Lithografie ist ein Flachdruckverfahren und funktioniert nach dem Prinzip der abstoßenden Wirkung von Fett und Wasser. Durch das Beschreiben mit fetthaltiger Kreide oder Tusche sind die gewünschten Elemente fettreundlich und nehmen die Farbe an. Im Gegensatz dazu sind die Elemente, die nicht gedruckt werden sollen, fettfeindlich und stoßen die Farbe ab. Ein neuer Höhepunkt in der Entwicklung der Lithografie entstand durch die farbigen, großformatigen Straßenplakate von Henri de Toulouse-Lautrec.2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Henri de Toulouse-Lautrec. Moulin Rouge, 1891, 170 x 130 cm.

1. Technische Angaben / Daten

Der französische Künstler Henri de Toulouse-Lautrec entwarf 1891 das Plakat Moulin Rouge, la Goulue. Dabei handelt es sich um eine Farblithografie, die vierfarbig auf drei Bögen im Format 170 x 130 cm in einer Auflage von ungefähr 3000 Exemplaren gedruckt wurde. Die Originale sind dadurch, dass das Plakat in der Öffentlichkeit hing durch unterschiedliche Witterungsverhältnisse vergilbt, ausgeblasst oder verschmutzt, sodass die Farben teilweise nicht erhalten blieben. Das Plakat enthält links unten die Signatur „HTLautrec“. Die meisten Exemplare wurden als Werbeplakate verwendet und gingen verloren, allerdings befinden sich in einer Sammlung im Kunstmuseum „Indianapolis Museum of Art“ in Indiana3 und im Toulouse-Lautrec Museum in Albi noch ein Exemplar im Original.4 Im Foyer des Moulin Rouge befindet sich ebenso noch ein Originalwerk.

2. Beschreibung

Das großformatige Plakat im Hochformat zeigt eine collageartige Bildmontage durch eine flächige Formgestaltung. Im Vordergrund auf der rechten Bildhälfte sieht man eine nach links ausgerichtete, männliche Profilansicht im Hüftstück. Diese vereinfachte Figur ist mit grauer Farbe gefüllt und wenigen Konturlinien nachgezeichnet. Außerdem trägt er einen Zylinder und steht in das Hohlkreuz gebeugt. Seine Armhaltung ist einer geschlossenen Tanzhaltung ähnlich. Er hält also eine unsichtbare Tanzpartnerin mit seiner linken Hand am Rücken und mit seiner rechten Hand die Hand der Dame. Der Mann hat im Vergleich zu seinem Körper einen auffallend kleinen Kopf und übergroße Hände. Der Mann hat besonders markante Gesichtszüge, eine stark gekrümmte Nase, ein spitzes Kinn und ausgeprägte Wangenknochen. Eine weitere Person befindet sich als ganzfigurige Darstellung im Mittelgrund des Plakates auf einem abgenutzten Holzboden. Diese ist tanzend mit einem weiten, hochgeworfenen Rüschenrock und rot-weiß gepunkteten Oberteil dargestellt. Außerdem trägt sie braune Strümpfe, ein Halsband und eine blonde hochgesteckte Frisur. Das Körpergewicht ist auf ihr linkes Bein verlagert, da das rechte Bein im 90 Gradwinkel in die Höhe gestreckt ist. Dadurch ist die Spitzenhose unter ihrem Rock erkennbar. Ihr Gesicht ist im Seitenprofil mit Blickrichtung nach rechts zu erkennen. Im Hintergrund befindet sich eine zum größten Teil mit Zylindern gekleidete Menschenmenge, die auf ihre Silhouetten reduziert sind und daher ihre Gesichter unerkannt bleiben. Darunter sind auch zwei Personen mit Frauenhüten erkennbar. Die Menschenmenge steht im Dunkeln um die Tänzerin in der Mitte herum. Auf der linken Seite im Vordergrund befindet sich ein abstrahiertes, gelbes Scheinwerferlicht, welches die Szene mit der Tänzerin hell erleuchtet. Auf der rechten Seite sind im Hintergrund ebenso helle, gelbe Lichtkegel zu erkennen, die allerdings zum rechten Bildrand hin verschwimmen.

Durch eine reduzierte Farbpalette entsteht ein starker Hell-Dunkel-Kontrast. Lautrec arbeitet hauptsächlich mit ungesättigten Farben, um das Auge des Betrachters nicht zu überfordern. Der rote Schriftzug hat eine farbliche Verbindung zu dem roten Oberteil der Tänzerin und vermittelt den inhaltlichen Zusammenhang. Die Art des Farbauftrags ist sehr flächig und vor allem bei der Frau eine sehr feine Strichführung.

Das Plakat hat eine klare Strukturierung des Vorder-, Mittel-, und Hintergrundes. Im Zentrum steht die tanzende Frau aufgrund ihrer dynamischen Bewegung. Ihre Umgebung wirkt im Gegensatz zu ihr sehr statisch. Der Künstler erschafft durch den Mann im Vordergrund, die Tänzerin im Mittelgrund und die Menschenmenge im Hintergrund eine Illusion der Bildtiefe. Die Füße der Frau und ihre Körpermitte bilden ein Dreieck, welches einen sehr bewegten Eindruck erweckt. Des weiteren entsteht durch den Verlauf der Linien auf dem Holzboden ebenso ein Eindruck von Bildtiefe. Die Linien bilden einen Fluchtpunkt auf dem Kopf, der in der Mitte stehenden Person mit Hut, in der anonymen Menschenmenge. Die Staffelung der Motive und die Größenanordnung trägt ebenso zur räumlichen Wirkung bei. Die Menschenmenge im Hintergrund bildet eine Isokephalie, das bedeutet, dass alle Köpfe auf der gleichen Höhe sind.5 Dies bildet eine Art Kreisform und schließt den Betrachter in das Geschehen mit ein. Durch die angeschnittenen Bildelemente, wie die Lichtkegel oder am Rand stehende Personen wird verdeutlicht, dass dies nur ein Ausschnitt aus dem wahren Geschehen ist. Die Perspektive des Betrachters wirkt leicht von oben herabschauend, als würde er über dem Boden schweben, um das Geschehen von weiter oben zu betrachten.

Die Schriftzüge im oberen Teil des Bildes sind rot mit einem sehr feinen schwarzen Rand, beziehungsweise komplett schwarz in Versalien unterschiedlicher Größen dargestellt. Die Schrift ist gut lesbar und sticht vom Rest des Plakates hervor. In der linken oberen Ecke befindet sich ein lang gezogenes „M“, welches jeweils als Anfangsbuchstabe für die dreifache Wiederholung der Worte „Moulin Rouge“ steht. In der rechten oberen Ecke stehen in unterschiedlichen Größen und in drei Zeilen aufgeteilt die Worte „Concert Bal, Tous les Soirs“. Im unteren Teil des Plakates ist eine nicht lineare Schriftgestaltung zu finden. Zum einen wird „Moulin Rouge, Tous les soirs“ ein weiteres Mal wiederholt und in Schlangenlinien dargestellt. Zum anderen wird „les Mercredis et Samedis, Bal Masqué“ in roter transparenter Farbe dargestellt. Diese ungewöhnliche Gestaltung der Schrift setzt auffallende und wiedererkennbare Akzente.

[...]


1 vgl. hierzu im Flyer „Bayerisches Erbe“ des Landesamts für Digitalisierung, Breitband und Vermessungen "Die Erfindung der Lithographie".

2 vgl. Vollmer Hans: Lexikon Der Kunst. Architektur Bildende Kunst, Angewandte Kunst, Industrieformgestaltung, Kunsttheorie, Band 4, Leipzig: E.A. Seemann Verlag 1978, S. 363f.

3 vgl. hierzu in der “Indianapolis Museum of Art Online Collection“ das "Moulin Rouge-La Goulue": http://collection.imamuseum.org/artwork/44070/ (Stand: 21.07.2019).

4 vgl. hierzu im "Musée Toulouse Lautrec, 2017" das "La goulue": http://musee-toulouse-lautrec.com/fr/la- goulue (Stand: 19.07.2019).

5 vgl. hierzu in "Das Große Kunstlexikon von P.W. Hartmann" den Begriff "Isokephalie": http://www.beyars.com/kunstlexikon/lexikon_4383.html (Stand: 21.07.2019).

Details

Seiten
15
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346100924
ISBN (Buch)
9783346100931
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v512671
Institution / Hochschule
AMD Akademie Mode & Design GmbH – AMD Akademie Mode & Design; Fachbereich Design der Hochschule Fresenius; Studienzentrum München
Note
Schlagworte
moulin rouge goulue henri toulouse-lautrec beschreibung plakates analyse interpretation

Autor

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