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Schwierigkeiten in der Umsetzung von Maßnahmen zur Entbürokratisierung in der öffentlichen Verwaltung

Hausarbeit 2019 15 Seiten

Organisation und Verwaltung - Öffentliche Verwaltung

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1 begriffliche Grundlagen
1.1 der umgangssprachliche Bürokratiebegriff
1.2 Bürokratietheorie nach Max Weber
1.3 Dimensionen der Bürokratietheorie

2 Bürokratiekritik

3 Schwierigkeiten des Bürokratieabbaus

4 Moglichkeiten der Abschwachung von Bürokratie in der offentlichen Verwaltung
4.1 Gesetzesfolgenabschatzung
4.2 Anpassung der Kontakt- und Verwaltungsstrukturen

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Den Bürokraten werden einige Tugenden nachgesagt, wie Rechtschaffenheit, Pflichtgefühl, Gemeinsinn, ein unbeugsames Rechtsgefühl und schlichte Treue. Andererseits werden der Bürokratie auch viele Schwachen nachgesagt. So seien die Bürokraten bestechlich und faul. Sie seien unterwürfig nach oben und brutal nach unten. Bereits seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts gehort es zum Programm der Politiker - besonders wahrend Wahlkampfzeiten - die Bürokratie zu verunglimpfen (nach Hintze/Krüger 1981). Aber auch schon die alten Romer und Griechen haben ihre offentliche Verwaltung kritisiert. Demnach ist der Ruf nach Bürokratieabbau und Entbürokratisierung so alt wie die Bürokratie selbst (nach Lohmann/Bohne 2006).

Auch in der heutigen Zeit werden Entbürokratisierung und Deregulierung gefordert. Sowohl die Bürgerinnen und Bürger als auch Politikerinnen und Politiker verlangen dahingehend nach MaBnahmen.

Daraus entwickelt sich die Forschungsfrage für diese Arbeit: Warum erfahren MaBnahmen zur Entbürokratisierung in der offentlichen Verwaltung eine breite Unterstützung, sind jedoch nur schwer durch- und umsetzbar? Dabei folgt diese Arbeit der Annahme, dass es zwar durchaus moglich jedoch nicht wünschenswert ware, Bürokratie zu weit abzubauen, sondern dass die Aufgabe der Politik darin liegt bürokratische Strukturen und Arbeitsweisen zu modernisieren und neu zu strukturieren.

Um diese Frage beantworten zu konnen werden zunachst einmal die begrifflichen Grundlagen definiert. Hierbei wird zuerst die offentliche Verwaltung erlautert und von der Bürokratie abgegrenzt. AnschlieBend geht es um den umgangssprachlichen Begriff der Bürokratie. Danach wird der Idealtypus der Bürokratie beschrieben wie Max Weber ihn in seinen Arbeiten erklart. Am Ende des ersten Kapitels werden die verschiedenen Dimensionen der Bürokratietheorie aufgezeigt, um anknüpfend daran im nachsten Kapitel verstandlicher erklaren zu konnen, worum es sich bei Bürokratiekritik handelt.

Nachfolgend werden im dritten Kapitel dieser Arbeit die Schwierigkeiten des Bürokratieabbaus herausgearbeitet.

SchlieBlich werden einige zumindest teilweise bereits umgesetzte Entbürokratiesierungsbemühungen beschrieben und weitere Moglichkeiten der Abschwachung von Bürokratie in der offentlichen Verwaltung erlautert. Dabei wird besonderes Augenmerk auf die sogenannte Gesetzesfolgenabschatzung gelegt sowie auf verschiedene Anpassungsmoglichkeiten der Kontakt- und Verwaltungsstrukturen innerhalb der offentlichen Verwaltung

AbschlieBend wird ein Fazit gezogen, wobei besonders Augenmerk auf die oben beschriebene Annahme gelegt wird und noch einmal zusammenfassend erlautert wird, worauf bei Bürokratiemodernisierung zu achten ist.

1 begriffliche Grundlagen

Die Begriffe offentliche Verwaltung und Bürokratie sind heutzutage im allgemeinen Sprachgebrauch oft untrennbar miteinander verknüpft. Dabei wurde in Deutschland die offentliche Verwaltung erst im 19. Jahrhundert bürokratisch gestaltet (nach Niehaves 2006). Um diese beiden Begriffe für den Rahmen dieser Arbeit zu trennen, wird zunachst einmal offentliche Verwaltung definiert und von Bürokratie abgesetzt, welche im weiteren Verlauf der Arbeit definiert wird.

Offentliche Verwaltung meint hier staatliche Verwaltung im Gegensatz zu privater Verwaltung. Das Begriffsverstandnis von offentlicher Verwaltung erfolgt entlang der Lehre der Gewaltenteilung Montesquieus. Die Gewaltenteilung unterteilt staatliche Gewalt in Legislative, Judikative und Exekutive. Die staatliche, also offentliche, Verwaltung wird als Teil der Exekutive angesehen. AuBerdem ist die offentliche Verwaltung eine Institution, die sich in organisatorische Einheiten unterteilt, welche sich mit der Erfüllung von staatlichen Aufgaben befasst. Um nun eine Definition zu bekommen, werden diese beiden Aspekte zusammengeführt. Demnach wird „eine offentliche Verwaltung als Institution verstanden [...], die als Bestandteil der Exekutive mit der Ausführung definierter, im [...] Staat entstehender Aufgaben betraut ist" (Niehaves 2006).

Jede Form sozialer Ordnung, somit auch der Staat, setzt die Ausübung von Herrschaft voraus, welche Max Weber als die Chance definiert, für einen Befehl bestimmten Inhaltes bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden. Des Weiteren benotigt jedes Herrschaftssystem eine Legitimation, damit die Herrschenden den gewünschten Gehorsam bei dem Beherrschten finden. Max Weber differenziert in seinen Werken drei Herrschaftsformen (nach Niehaves 2006).

Zum einen kennzeichnet er die charismatische Herrschaft, bei der die Legitimitat auf dem Glauben der Beherrschten in eine auBergewohnliche Fahigkeit des Herrschers beruht. In diesem Fall gibt es zumeist keine behordlichen Institutionen. Darüber hinaus charakterisiert er die traditionale Herrschaft, bei der die Legitimitat auf dem Glauben an Traditionen beruht. Bei dieser Herrschaft ist die Existenz eines Verwaltungsstabs nicht zwingend notwendig, jedoch moglich. Die Dritte Herrschaftsform, welche Max Weber typisiert, ist die legale oder auch bürokratische Herrschaft. Hier wird die Herrschaft durch eine starke Rechts- und Regelgebundenheit legitimiert. Ein entscheidendes Charakteristikum der legalen Herrschaft ist die Existenz einer Gewaltenteilung und somit auch ein Charakteristikum der Behorden, die ebenso an Regeln gebunden sind und nach ihnen arbeiten (nach Niehaves 2006).

1.1 der umgangssprachliche Bürokratiebegriff

Umgangssprachlicher und wissenschaftlicher Gebrauch des Begriffs Bürokratie sind zu unterscheiden. Ursprünglich bedeutet das „Bureau“, aus dem heraus im 18. Jahrhundert zunehmend geherrscht wurde, das Amtszimmer. Dementsprechend bedeutet die Bürokratie Herrschaft des Büros (nach Derlien/Bohme/Heindl 2011).

Eine umgangssprachliche Definition für Bürokratie wurde bereits 1894 in Meyers Konversations-Lexikon veroffentlicht. Hier hei&t es: „Bürokratie [ist die] Bezeichnung für eine kurzsichtige und engherzige Beamtenwirtschaft, welcher das Verstandnis für die praktischen Bedürfnisse des Volkes gebricht. Auch eine solche Beamtenschaft und ihre Angehorigen nennt man Bürokratie. [...]“ (Meyers Konversations-Lexikon 1893). Demnach wird Bürokratie bereits mit abwertender Bedeutung benutzt bevor Max Weber seinen Idealtypus der Bürokratie veroffentlicht.

Jedoch konnen viele der negativen Konnotationen der Bürokratie mit Merkmalen des Weber’schen Idealtypus in Verbindung gebracht werden. Beispielsweise wird bürokratischem Handeln oft ein Versagen im Einzelfall und Unpersonlichkeit nachgesagt. Max Weber hingegen beschreibt diese Merkmale als Gerechtigkeit. Weitere Stereotype der Bürokratie waren Pedanterie und ein Formularwesen sowie die Behauptung Bürokratinnen und Bürokraten seien nur Radchen in der Maschine. Dem Weber’schen Idealtypus zufolge bedeutet dies jedoch Prazision, Aktenkundigkeit und die Verlasslichkeit der Bürokratinnen und Bürokraten (nach Derlien/Bohme/Heindl 2011).

1.2 Bürokratietheorie nach Max Weber

Die bürokratische Herrschaft, und demnach auch die Bürokratie ist nach Weber eine stabile, genaue, gerechte, effektive und effiziente Herrschaftsform, die auf einen leistungsfahigen Verwaltungsstab angewiesen ist (nach Niehaves 2006).

Die bürokratische Verwaltung weist gemafc Max Weber grundlegende Prinzipien bezüglich der Erscheinung gegenüber den Beherrschten, der Eigenschaften des Amtsinhabers sowie der Arbeitsweise des Verwaltungsstabes auf (nach Niehaves 2006). Als Legitimationsgrundlage legaler Herrschaft gilt die Gleichheit. Als Mittel der Gleichbehandlung sieht Max Weber Unpersonlichkeit sowie ein kontinuierlichen regelgebundenen Betrieb der Amtsgeschafte. Er fordert, dass die Beherrschten nur in Abhangigkeit von der Sachlage und nicht der Person behandelt werden und dass Amtsentscheidungen der Sachlage nach stets gleich ausfallen und weder die Zeit, der Ort noch die Person den Ausgang der Entscheidung beeinflussen (nach Niehaves 2006). Daneben beschreibt Max Weber die Zusammenarbeit der Mitarbeiter der Verwaltung mit einer starren Autoritats- und Amtshierarchie, wobei die Zustandigkeiten sowie die Arbeitsteilung genau definiert sein sollen (nach Niehaves 2006). 4

Die Arbeitsweise des Verwaltungsapparats soil nach Max Weber von Regelgebundenheit und standardisierten Ablaufen charakterisiert sein, um durch einen vereinheitlichten Prozess der Entscheidungsfindung dem Gleichheitsgrundsatz der bürokratischen Herrschaft nachzukommen. AuBerdem sollen die Verwaltungsmitarbeiter auf Schriftlichkeit und AktenmaBigkeit achten, um den Verwaltungsvorgang belegbar und nachvollziehbar zu gestalten (nach Niehaves 2006). Demnach soll sich die bürokratische offentliche Verwaltung nach Max Weber der Gleichbehandlung von Bürgerinnen und Bürgern verschreiben und ist, um dies zu garantieren, gepragt durch Unpersonlichkeit und Sachlichkeit durch eine starre Hierarchie, sowie durch Schriftlichkeit und Formulare (nach Niehaves 2006).

1.3 Dimensionen der Bürokratietheorie

Die Bürokratietheorie lasst sich in verschiedene Dimensionen aufteilen. Zu diesen Dimensionen gehort die Bürokratietheorie als Gesellschaftstheorie, das Verhaltnis zwischen Bürokratie und Politik sowie das Verhaltnis zwischen Bürokratie und dem einzelnen Individuum, sei es als Mitarbeiter oder als Kunde (nach Derlien/ Bohme/Heindl 2011).

Die Entwicklung einer bürokratischen staatlichen Organisation ist sowohl Voraussetzung als auch Folge sozio-okonomischer Veranderungen des 19. Jahrhunderts. Historisch betrachtet ist die neuzeitliche Bürokratie als Ergebnis eines über Jahre andauernden Rationalisierungsprozesses die effektivste Form der Ausübung staatlicher Macht sowohl gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern als auch im Hinblick auf die interne Steuerbarkeit des Verwaltungsapparates. So war beispielsweise die Berechenbarkeit des Verwaltungspersonals aufgrund ihrer Regelgebundenheit im liberalen Rechtsstaat Voraussetzung für die Industrialisierung, wobei dessen Folgeprobleme wie z.B. im Sozialversicherungswesen in der bürokratischen Verwaltung aufgefangen wurden (nach Derlien/Bohme/Heindl 2011).

Die gewahlten politischen Volksvertreter kennen in der Regel den Dienstbetrieb innerhalb der offentlichen Verwaltung nicht, da nach jeder Legislaturperiode andere Politiker gewahlt worden sein konnen. Das fachlich geschulte bürokratische Personal hingegen andert sich eher selten und kennt somit den Dienstbetrieb genau. Demzufolge sind die Politikerinnen und Politiker auf die Sachkunde der Bürokratinnen und Bürokraten angewiesen und es ergibt sich ein Informationsgefalle zwischen bürokratischem Apparat und legitimierter Verwaltungsspitze (nach Derlien/ Bohme/Heindl 2011 und Hintze/Kersten 1981). Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der bürokratischen Verwaltung nehmen oft die Rolle eines Bediensteten ein.

[...]

Details

Seiten
15
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346089946
ISBN (Buch)
9783346089953
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v512474
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Institut für Politikwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
schwierigkeiten umsetzung maßnahmen entbürokratisierung verwaltung

Autor

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Titel: Schwierigkeiten in der Umsetzung von Maßnahmen zur Entbürokratisierung in der öffentlichen Verwaltung