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Unterrichtsentwurf zum Thema "Der Weg zum neuen Tarifvertrag"

Unterrichtsentwurf 2019 20 Seiten

Didaktik - Gemeinschaftskunde / Sozialkunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Personelle und materielle Voraussetzungen

2 Didaktische Planung
2.1 Lehrplanbezug und Einordnung des Themas
2.2 Darlegung des Lehrvorhabens
2.3 Zielrelevante Vorkenntnisse

3 Kompetenzbereiche und Lernziele
3.1 Hauptintention der Stunde
3.2 Fachkompetenz
3.3 Selbst- und Sozialkompetenz
3.4 Methoden-, Lern- und Kommunikationskompetenz

4 Methodische Planung
4.1 Begründung der methodischen Entscheidungen
4.2 Unterrichtsverlaufsplan
4.3 Sitzplan

5 Tafelbild/Dokumentation

6 Anlagen

7 Quellenverzeichnis

1 Personelle und materielle Voraussetzungen

Die Schüler der Klasse besuchen den Unterricht in Blockform. Der Block, in dem die Ausbil­dungslehrprobe stattfindet, weist eine Dauer von drei Wochen auf und ist gleichzeitig der letzte Block in der Baugrundstufe. Der Wirtschafts- und Sozialkundeunterricht umfasst vier Stunden pro Woche und wird von Herrn und Herrn unterrichtet.

Seit dem 2.Schulhalbjahr bin ich Klassenlehrer der Klasse und unterrichte vier Stunden pro Woche im Lernfeldunterricht eigenverantwortlich. Die Ausbildungslehrprobe findet im Raum statt. Der Raum bietet einen Lehrer-PC, einen fest installierten Beamer und ein Smartboard auf der rechten Seite des Raumes. Außerdem verfügt er über eine höhenverstellbare Klapp­tafel in der Mitte des Raumes. An den raumeigenen Lehrer-PC ist eine Dokumentenkamera angeschlossen. Für den Wirtschafts- und Sozialkundeunterricht wurde das Fachbuch „ Politik verstehen und handeln für berufliche Schulen“ [1] der 9. aktualisierten Auflage von 2016 und das dazugehörige Arbeitsheft „Politik verstehen und handeln“2 der 7. überarbeiteten Auflage von 2018 des Verlages „Handwerk & Technik“ eingeführt. Da das ausgewählte Thema sehr knapp im Fachbuch behandelt wird, werden in der Unterrichtsstunde eigens angefertigte In­formations- und Arbeitsblätter verwendet.

2 Didaktische Planung

2.1 Lehrplanbezug und Einordnung des Themas

Als Grundlage des Lehrvorhabens dient der Lehrplan „Wirtschafts- und Sozialkundeunter­richt“ des Ministeriums für Bildung und Kultur aus dem Jahr 2016. Das Lehrvorhaben wird dem „Kompetenzbereich W3: Den Betrieb aktiv mitgestalten“3 zugeordnet. Im Folgenden ist der für das Lehrvorhaben relevante Auszug des Lehrplans dargestellt. Die Kompetenzen und Lerninhalte der Ausbildungslehrprobe sind farblich hervorgehoben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Auszug aus dem Lehrplan

Die nachfolgende Tabelle bringt das Lehrvorhaben in den Gesamtzusammenhang der Un­terrichtsreihe. Das Thema der Ausbildungslehrprobenstunde ist blau hervorgehoben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Lehrvorhaben im Gesamtzusammenhang

2.2 Darlegung des Lehrvorhabens

In Artikel 9 Abs. 3 GG ist der Grundsatz der Tarifautonomie verankert.4 Das bedeutet, dass Tarifverträge von den Sozialpartnern selbst ausgehandelt werden und eine Einmischung durch den Gesetzgeber nicht zulässig ist. Sozialpartner sind Gewerkschaften auf Arbeitneh­merseite und Arbeitgeberverbände auf der Unternehmensseite5. Es können auch Tarifver­träge zwischen einzelnen Unternehmen und Gewerkschaften direkt ausgehandelt werden, z.B. der Haustarifvertrag zwischen der IG Metall und den der Volkswagen AG.6

Tarifverträge nehmen in der Arbeitswelt eine besondere Rolle ein. Sie vereinfachen die Re­gelungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Könnten Arbeitgeber nicht auf Tarifver­träge zurückgreifen, müssten bei jeder Neueinstellung alle Bedingungen wie z.B. Verdienst, Urlaub oder Arbeitszeit mit dem neuen Mitarbeiter oder der neuen Mitarbeiterin ausgehandelt werden. Neben dem großen Aufwand den ein Unternehmen für die individuellen Arbeitsbe­dingungen aufbringen müsste, wären auch die Verhandlungsergebnisse sehr divergierend. Starke Verhandlungspartner könnten bessere Ergebnisse erzielen als ungeschickte Ver­handlungspartner und je nach Konjunktur wären die Entgelte besonders hoch oder niedrig.7 Dies würde zu einem starken Lohnunterschied zwischen zwei Arbeitnehmern innerhalb eines Unternehmens für die gleiche Tätigkeit führen. Es käme zu einer wachsenden Unzufrieden­heit der Mitarbeiter und einem schlechten Betriebsklima.8

Neben dem Arbeitnehmer, der davon profitiert nicht selbst in die Verhandlung zu treten, hat auch der Arbeitgeber Vorteile wenn das Unternehmen tarifgebunden ist. Durch einen Tarif­vertrag hat das Unternehmen bessere Planungssicherheit, da die Kosten für z.B. Entgelte oder Sonderzahlungen für den Arbeitgeber bekannt sind. Außerdem kann sich der Arbeitge­ber sicher sein, dass es, während der Laufzeit eines Tarifvertrages, aufgrund der Friedens­pflicht nicht zu einer Arbeitskampfmaßnahme kommen kann. Diese entstehende Zuverläs­sigkeit erleichtert die Planung der Unternehmen und ist besonders in der „just-in-time“ Pro­duktion ein besonderer Sicherheitsfaktor.

Am 07.02.2018 starteten die Tarifverhandlungen für das Bauhauptgewerbe9 zwischen der Arbeitnehmervertretung Industriegewerkschaft Bauen Agrar Umwelt (IG BAU) und den Ar­beitgeberverbänden Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) und dem Hauptver­band der Deutschen Bauindustrie (HDB). Die IG BAU fordert für die rund 800.000 Beschäf­tigten neben einer Lohnerhöhung von 6 Prozent die Einführung eins 13. Monatsgehalts.10 Nachdem die ersten drei Verhandlungsrunden ergebnislos abgebrochen wurden, wurde im April eine Schlichtung zwischen den beiden Verhandlungsparteien vereinbart. Als Schlichter wurde der ehemalige Bundesarbeits- und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement11 einge­setzt. Durch die Einbeziehung des neutralen Schlichters in die Tarifverhandlungen konnte innerhalb von zwei Wochen ein Kompromiss vereinbart werden, dem beide Parteien zu- stimmten.12 Zum 01.05.2018 werden die Löhne um 5,7 % erhöht und ein 13. Monatsgehalt eingeführt, der neue Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 26 Monaten.13

Dieses Beispiel der letzten Tarifverhandlungen im Bauhauptgewerbe zeigt den Verlauf bis zur Einigung durch eine Schlichtungsstelle. Sieht die Tarifkommission, bestehend aus Ge­werkschaft und Arbeitgeberverbände, keine Chance auf eine Einigung, wird ein Schlich­tungsverfahren eingeleitet. Hierfür wird ein von den Sozialpartnern paritätisch besetzter Aus­schuss gegründet, der einen neutralen und unabhängigen Vorsitzenden hat. In den letzten Tarifverhandlungen zwischen IG BAU und Arbeitgeberverbände war Wolfgang Clement Vor­sitzender der Schlichtungsausschusses. Der Schlichter versucht zwischen den Sozialpart­nern, zu vermitteln und einen Kompromiss zu finden um die Tarifverhandlungen zum Ab­schluss zu bringen. Am Ende des Verfahrens, welches maximal zwei Wochen dauern darf, steht ein Schiedsspruch, der für die beiden Sozialpartner aber nicht bindend ist. Führt auch das Schlichtungsverfahren zu keiner Einigung zwischen den Sozialpartnern, kann es zu ei­nem Arbeitskampf kommen.14

Das Kampfmittel der Arbeitnehmer ist der Streik. Die Arbeitnehmer legen während der Ar­beitszeit die Arbeit nieder. Dadurch kommt es zu Verlusten für den Arbeitgeber, da er weiter­hin Kosten wie z.B. Mieten und Kreditzinsen hat aber aufgrund des Arbeitskraftausfalls keine Erträge mehr erwirtschaftet. Ziel der Arbeitnehmer ist es durch einen Streik auf die Arbeitge­ber Druck auszuüben um den Forderungen in den Tarifverhandlungen mehr Gewicht zu ver­leihen. Das Grundgesetzt schützt in Art.9 Abs. 3 GG Arbeitskämpfe, die „zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen“ geführt werden.15 Ein Grundrecht auf Streik ist dadurch trotzdem nicht für alle gegeben, denn vom Streikrecht ausgenommen sind Beamte, Richter und Soldaten. Ruft eine Gewerkschaft nach Beendigung der Friedenspflicht zum Streik auf, muss unter den Mitgliedern eine Urabstimmung durchgeführt werden. Haben 75 % der Gewerkschaftsmitglieder die an der Wahl teilgenommen haben bei der Urabstim­mung für einen Streik gestimmt wird dieser durchgeführt.16 Soll der Streik beendet werden, erfolgt eine erneute Urabstimmung, bei der sich 25 % der befragten Gewerkschaftsmitglieder für die Niederlegung des Streiks aussprechen müssen.17 Während des Streiks ist der Arbeit­geber nicht zur Zahlung der Entgelte verpflichtet. Damit den Streikenden Gewerkschaftsmit­gliedern keine zu großen Einkommensverluste drohen unterstützen die Gewerkschaften sie mit einem Streikgeld. Das Streikgeld für Mitglieder der IG BAU errechnet sich aus der Höhe des letzten Beitrags. Dieser wird mit einem Faktor multipliziert, der mit der Dauer der Mit­gliedschaft ansteigt.18 Kommt es zu einem Streik ohne Genehmigung der Gewerkschaft und ohne Urabstimmung, so spricht man von einem wilden Streik. Der Arbeitgeber hat die Mög­lichkeit gegenüber dem Arbeitnehmer eine außerordentliche Kündigung auszusprechen, da er an einem nicht genehmigten Streik teilgenommen hat.19

Das Kampfmittel der Arbeitgeber ist die Aussperrung. Bei der Aussperrung ist zwischen der „heißen“ und „kalten“ Aussperrung zu differenzieren. Bei der heißen Aussperrung schließen die Arbeitnehmer im Streikgebiet alle Arbeitnehmer von der Arbeit aus und zahlen während dieser Zeit keine Entgelte. Besonders hart von der Aussperrung sind die nichtorganisierten Arbeitnehmer betroffen, da sie keine Streikunterstützung in Form eines Streikgeldes von der Gewerkschaft bekommen. Allerdings erhalten auch nur die Gewerkschaftsmitglieder im Streikgebiet eine Streikunterstützung. Die Arbeitnehmer haben aber auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I, da sie sich noch in einem Beschäftigungsverhältnis befinden und ihr Arbeitsverhältnis während der Streik- und Aussperrungszeit ruht.20 Zusätzlich werden für die Arbeitnehmer auch keine Sozialbeiträge für ausgesperrte und streikende Arbeitnehmer ge­zahlt. Der Kranken- und Pflegeversicherungsschutz bleibt jedoch erhalten, die Rentenan­sprüche jedoch verringern sich.21 Bei der kalten Aussperrung beruft sich der einzelne Arbeit­geber darauf, dass die Produktion z.B. wegen fehlender Zulieferteile nicht möglich ist. Die kalt ausgesperrten Arbeitnehmer erhalten kein Streikgeld von den Gewerkschaften, da sie nicht offiziell zum Streik gehören. Ein Streik und Aussperrung bedeutet für die Sozialpartner einen hohen finanziellen Aufwand. Dies führt dazu, dass die Tarifverhandlungen erneut auf­genommen werden.

2.3 Zielrelevante Vorkenntnisse

Die Schüler haben bereits in den vorangegangenen Stunden die Arten, Funktionen und In­halte von Tarifverträgen kennengelernt. Außerdem kann davon ausgegangen werden, dass sie in ihrer Berufswelt bereits mit den Themen Gewerkschaften und dem Abschließen eines neuen Tarifvertrages in Kontakt gekommen sind.

3 Kompetenzbereiche und Lernziele

3.1 Hauptintention der Stunde

Die Schülerinnen und Schüler erweitern ihr Fachwissen zu dem Ablauf von Tarifverhandlun­gen, indem sie die selbständig gesammelten Informationen in einem rundenbasierenden Planrollenspiel anwenden. Sie erweitern ihre Kommunikations- und Methodenkompetenz, in­dem sie unterschiedliche Standpunkte einnehmen und diese argumentativ vertreten.

3.2 Fachkompetenz

Die Schüler

- erklären das Zustandekommen eines neuen Tarifvertrages,
- nennen die Sozialpartner,
- erläutern die Friedenspflicht.

3.3 Selbst- und Sozialkompetenz

Die Selbst- und Sozialkompetenz wird in der Stunde gefördert, indem die Schüler

- sich in einer Gruppenarbeit gegenseitig unterstützen und gemeinsam eine Lösung zu den Arbeitsmaterialien erarbeiten,
- sich bei der Erschließung von Informationen und der Formulierung der Argumente gegenseitig unterstützen,
- ihre Arbeitsergebnisse in der Klasse diskutieren,
- den Standpunkt einer fiktiven Person vertreten.

3.4 Methoden-, Lern- und Kommunikationskompetenz

Die Methoden-, Lern- und Kommunikationskompetenz wird in dieser Stunde gefördert, indem die Schüler

- unterschiedliche Perspektiven und Sichtweisen einer Thematik einnehmen,
- Argumente ihrer Diskussionspartner akzeptieren und eigene Argumente schlüssig wiedergeben,
- in einem rundenbasierenden Planrollenspiel das Zustandekommen eines Tarifvertra­ges durchleben.

[...]


1 Dietrich R., Neumann D., Sennlaub M., u.a., Politik verstehen und handeln für berufliche Schulen, 9. aktualisierte Auflage, Handwerk und Technik Verlag, 2016.

2 Dietrich R., Neumann D., Sennlaub, M., u.a., Politik verstehen und handeln für berufliche Schulen, Arbeitsheft, 7. aktualisierte Auflage, Handwerk und Technik Verlag, 2018.

3 Vgl. Lehrplan Wirtschafts- und Sozialkunde, Berufsschule, Ministerium für Bildung und Kultur, 2016.

4 Vgl. Grundgesetz, Artikel 9, Absatz 3

5 Vgl. Tarifvertragsgesetz, §2 Abs.1

6 Vgl. IG Metall, Tarifrunde 2018 - Neuer VW-Haustarif ist unter Dach und Fach, zu finden in https://www.igm-bei-vw-bs.de/2018/02/21/tarifrunde-2018-neuer-vw-haus- tarif-ist-unter-dach-und-fach/ [aufgerufen am 30.05.2019]

7 Vgl. Nuding, Haller, Wirtschaftskunde (2019) S.172

8 Vgl. Nuding, Haller, Wirtschaftskunde (2019) S.172

9 Das Bauhauptgewerbe umfasst Unternehmen die im Bereich des Rohbaus in Hoch- und Tiefbau, dem Straßenbau, Stuckateurgewerbe oder der Zimmerei tätig sind.

10 Vgl. IG BAU Bundestarifkommission beschließt Forderung für BAU-Tarifrunde, zu finden in https://igbau.de/bundestarifkommission-beschlieszt-forderung-fuer-bau- tarifrunde.html [aufgerufen am 27.05.2019]

11 Vgl. Süddeutsche Zeitung, Clement soll den Mindestlohn retten, zu finden in https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ig-bau-will-schlichter-clement-soll-den-mindest- lohn-retten-1.197651 [aufgerufen am 27.05.2019]

12 Vgl. IG BAU Wir haben es geschafft - Hand in Hand!, zu finden in https://igbau.de/wir-haben-es-geschafft-hand-in-hand.html

13 Vgl. Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Insitut, Tarifrunden Bauahuptgewerbe, zu finden in https://www.boeckler.de/111716_116242.htm [aufgerufen am 27.05.2019]

14 Vgl. Kempen, Zachert (2014): TVG- Tarifvertragsgesetz, Kommentar für die Praxis, S.31

15 Vgl. Grundgesetz, Artikel 9, Absatz 3

16 Vgl. Kempen, Zachert (2014): TVG- Tarifvertragsgesetz, Kommentar für die Praxis, S. 357

17 ebd.

18 Vgl. Satzung der IG BAU (11/2017) § 11 Leistungen im Arbeitskampf, zu finden in https://igbau.de/Binaries/Binary316/online-beihefter-berlinersatzung-2017-freigabe- 2.pdf [aufgerufen am 27.05.2019]

19 Vgl. Bürgerliches Gesetzbuch § 626 Abs.1

20 Vgl. Bundeszentral für politische Bildung, Streik und Aussperrung, zu finden in https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/18739/aussperrung [aufgerufen am 28.05.2019]

21 Dietrich R., Neumann D., Sennlaub M., u.a., Politik verstehen und handeln für berufliche Schulen, 9. aktualisierte Auflage, Handwerk und Technik Verlag, 2016.

Details

Seiten
20
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346100078
ISBN (Buch)
9783346100085
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v512422
Institution / Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Note
1,3
Schlagworte
unterrichtsentwurf thema tarifvertrag
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Titel: Unterrichtsentwurf zum Thema "Der Weg zum neuen Tarifvertrag"