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NLP und Gesprächsführung nach Rogers im Kontext der ergotherapeutischen Arbeit in der klinischen Geriatrie - sinnvolle Kombinationsmöglichkeit oder unvereinbarer Gegensatz

Diplomarbeit 2005 72 Seiten

Physiotherapie, Ergotherapie

Leseprobe

»Während meines ganzen beruflichen Lebens habe ich mich in Richtungen bewegt, die andere für töricht hielten und an denen ich oft selber gezweifelt habe. Ich habe es aber nie bereut, Wege eingeschlagen zu haben, die mich >richtig< anmuteten, auch wenn ich mich damals oft einsam oder albern gefühlt

habe«

Carl Rogers

»Das, was ich Ihnen beibringe, funktioniert, aber ich möchte, daß Sie beginnen, zu überlegen, was sonst wohl noch besser funktionieren könnte«

Richard Bandler

Inhaltsverzeichnis

1. Stilistisches zur vorliegenden Arbeit

2. Persönliches zur Wahl des Themas

3. Hypothesenentwicklung

4. Zum Aufbau und Inhalt der Arbeit

5. Vorstellung der Modelle
5.1 Die Klientenzentrierte Gesprächsführung nach Carl Rogers
5.1.1 Die Basisvariablen des Therapeuten
5.1.1.1 Wertschätzung
5.1.1.2 Kongruenz
5.1.1.3 Empathie
5.1.2 Die Aktualisierungstendenz des Klienten
5.1.3 Vor- und Nachteile der Klientenzentrierten Gesprächs- führung bezüglich der ergotherapeutischen Arbeit in der klinischen Geriatrie
5.1.3.1 Vorteile
5.1.3.2 Nachteile
5.2 Das Neuro-Linguistische Programmieren (NLP)
5.2.1 Pacing und Rapport
5.2.2 Wirklichkeitsebenen / Oberflächen- und Tiefenstruktur
5.2.3 Ankern
5.2.4 Kooperationsstile
5.2.5 Symptomverschreibungen
5.2.6 Refraiming
5.2.7 Blickkontakt / Augenzugangshinweise
5.2.8 Wohlgeformte Ziele
5.2.9 Vor- und Nachteile des NLP bezüglich der ergothera- peutischen Arbeit in der klinischen Geriatrie
5.2.9.1 Vorteile
5.2.9.2 Nachteile

6. Gemeinsamkeiten und Gegensätze
6.1 Gemeinsamkeiten
6.1.1 Empathie / Pacing und Rapport
6.1.2 Wertschätzung und die immer positive Absicht
6.1.3 Loslösung von Diagnostik / Ablehnung der Pathologie
6.1.4 Aktualisierungstendenz und Selbstheilungskräfte
6.2 Gegensätze
6.2.1 Die Intervention
6.2.1.1 Aspekte der einzelnen Konzepte zum Thema Intervention
6.2.1.2 Persönliche Sicht des Verfassers zum Thema Intervention
6.2.2 Die Therapeutenkongruenz
6.2.2.1 Aspekte der einzelnen Konzepte zum Thema Therapeutenkongruenz
6.2.2.2 Persönliche Sicht des Verfassers zum Thema Therapeutenkongruenz
6.2.3 Die Zielformulierung
6.2.3.1 Aspekte der einzelnen Konzepte zum Thema Zielformulierung
6.2.3.2 Persönliche Sicht des Verfassers zum Thema Zielformulierung
6.2.4 Die Geschwindigkeit der Veränderung
6.2.4.1 Aspekte der einzelnen Konzepte zum Thema Veränderungsgeschwindigkeit
6.2.4.2 Persönliche Sicht des Verfassers zum Thema Veränderungsgeschwindigkeit

7. Erstellung eines Kombinationsmodells bezogen auf die ergotherapeutische Arbeit in der klinischen Geriatrie
7.1 Grundgedanken zur Konzeptentwicklung
7.2 Das Setting
7.3 Die innere Vorbereitung
7.4 Einstieg in das Gespräch
7.5 Der weitere Gesprächsverlauf
7.6 Die Erarbeitung eines Zieles
7.7 Zusammenfassende Betrachtung des Kombinations- modells unter ergotherapeutischen Gesichtspunkten im Kontext der klinischen Geriatrie

8. Überprüfung des Kombinationsmodells im Zuge exemplarischer Anwendungen
8.1 geplantes Vorgehen
8.2 Vorstellung von vier Therapiegesprächen
8.2.1 Gespräch mit Frau A.
8.2.2 Gespräch mit Frau W.
8.2.3 Gespräch mit Frau S.
8.2.4 Gespräch mit Herrn B.
8.3 Auswertung der Gespräche
8.3.1 Bewertung der Zielformulierungen
8.3.2 Bewertung der Therapeutenkongruenz
8.3.3 Bewertung des Zeitrahmens
8.3.4 Zusätzliche Bewertung im Zuge der Überprüfung des Kombinationsmodells

9. persönliches Fazit

Quellenverzeichnis

1. Stilistisches zur vorliegenden Arbeit

Im Zuge der schriftlichen Erstellung dieser Diplomarbeit wurde im Falle der allgemeinen Erwähnung therapeutischer Personen und Klienten die maskuline Anredeform gewählt, um eine bessere Lesbarkeit zu gewährleisten. Es wird an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich die entsprechenden Textstellen gleichermassen auf weibliche wie männliche Personen beziehen[vgl. THEISEN 2002:139].

2. Persönliches zur Wahl des Themas

Im Vergleich zu anderen Medizinalfachberufen ist die Ergotherapie besonders gefordert, Klienten in ihrer Ganzheitlichkeit wahrzunehmen und gleichermassen physische, kognitive und psychische Belange der zur Behandlung anvertrauten Menschen zu berücksichtigen [vgl. BISCHOFF 2000:33]. Zu den therapeutischen Kompetenzen zählen somit sowohl senso-motorisch- funktionelle und neuropsychologische als auch psychosoziale Fähigkeiten und Fertigkeiten. Gerade für letztere erscheint die Beherrschung kommunikativer Werkzeuge als unbedingt sinnvoll.

Bestandteil meiner ergotherapeutischen Ausbildung war auch die Klienten- zentrierte Gesprächsführung nach Carl Rogers, welche mich schon zu die- sem Zeitpunkt - wenn auch nur in absoluter Grundlagenform vermittelt - be- eindruckt und angesprochen hat. Nach Beendigung meines Examens hatte ich unter anderem innerhalb des Absolvierens von Fachfortbildungen zudem mehrmals Kontakt mit der Methode des NLP, und eine kombinierte Anwen- dung beider Konzepte erschien mir „aus dem Bauch heraus“ immer als sinn- voll. Im Zuge des derzeitigen Studiums bekam ich Gelegenheit, mich mit der Methode von Rogers noch einmal genauer auseinanderzusetzen. Mit einem Verknüpfungsgedanken beider Konzepte unter wissenschaftlichen Gesichts- punkten konnte ich mich erstmalig im Zuge der durchzuführenden mündli- chen Prüfung befassen. Die darauf hin geführte kontroverse Diskussion er- gab für mich den Anlass zu einer Vertiefung und Überdenkung der Thematik.

Das vorliegende Thema wurde deshalb mit Bedacht gewählt, um eine Überprüfung des beschriebenen „Bauchgefühls“ in wissenschaftlicher Methode durchzuführen.

3. Hypothesenentwicklung

Innerhalb therapeutisch vorgehender Berufsgruppen existiert eine grosse Anzahl von Methoden und Konzepten, welche durchweg sicherlich prinzipiell erfolgreich in ihren jeweiligen Anwendungen funktionieren. Gerade bezogen auf den Beruf des Ergotherapeuten mit seinem breiten Tätigkeitsspektrum können die unterschiedlichsten Behandlungsmethoden auftauchen. Im sen- somotorisch-funktionellen Bereich beispielsweise trifft man oft auf die An- wendung verschiedener neurophysiologischer Konzepte (z.B. Bobath, Per- fetti, PNF, Affolter, etc.). Alle diese Konzepte sind allgemein anerkannt und ihre Effizienz hinreichend erwiesen. Sie beruhen, so unterschiedlich ihre Herangehensweisen an therapeutische Aufgaben auch sein mögen, jedoch alle auch auf den gleichen neurophysiologischen Erkenntnissen und können sich somit prinzipiell nicht widersprechen. Nach subjektiver Erfahrung ist ihre erfolgreiche Anwendung eher von Vorlieben des Therapeuten einerseits als auch von der Individualität des Klienten andererseits abhängig. Ein von sei- nem Wesen her eher sehr autonom eingestellter Klient vermag beispielswei- se unter Umständen gut von einer Therapie in Anlehnung an PNF profitieren, einem neurophysiologischen Konzept, welches in seiner Anwendung dem Klienten oft viel Bewegungskontrolle überlässt. Dem gegenüber wird ein Kli- ent, welcher sich eher „in die Hände seines Therapeuten“ begeben möchte, möglicherweise grösseren Nutzen aus einer Bobath-Behandlung ziehen, da diese Methode häufig über die Führung der Bewegung durch den Thera- peuten funktioniert. In beiden Fällen ist der Behandlungserfolg jedoch auch von der Überzeugung des Therapeuten selbst von der Wirksamkeit des je- weiligen Konzeptes abhängig.

Gleiches gilt sicherlich auch für Vorgehensweisen im psychosozialen Bereich ergotherapeutischer Arbeit. Auch hier sollte man davon ausgehen können, dass Konzepte, welche in ihrer Wirksamkeit hinreichend anerkannt sind, sich in ihren Grundlagen nicht fundamental widersprechen. Inwiefern diese An- nahme zutreffend ist, soll unter anderem innerhalb dieser Arbeit geklärt wer- den.

Die beiden gewählten Gesprächsmethoden bieten sich für eine ergothera- peutische Betrachtung gut an. Das Konzept nach Rogers ist, wie bereits er- wähnt, in Grundlagen Inhalt der ergotherapeutischen Ausbildung. Die Metho- de des NLP beruht auf der Philosophie des Konstruktivismus [vgl. BRILL 2005:Min.9], welcher sich gleichermassen aus geistes- und naturwissen- schaftlichen Ansätzen entwickelt hat [vgl. KÖLSCH-BUNZEN 2005:63]. Ge- rade für den Beruf des Ergotherapeuten mit seinen Schwerpunkten sowohl in natur- als auch in geisteswissenschaftlichen Arbeitsbereichen erscheint eine praktizierbare konstruktivistische Gesprächsmethode somit als durchaus sinnvoll.

Bezogen auf die ergotherapeutische Tätigkeit innerhalb der klinischen Geria- trie muss der Anwendung kommunikativ-therapeutischer Techniken eine be- sondere Bedeutung zukommen. Immerhin befinden sich die Klienten inner- halb dieses Kontextes im Gegensatz zu jüngeren Patienten in allgemeinver- sorgenden Krankenhäusern oder entsprechenden Rehabilitationseinrichtun- gen häufig in einer Situation, die für sie einschneidende soziale Konsequen- zen beinhalten kann (Frage nach Möglichkeit zur Rückkehr in die häusliche Umgebung, Erhalt der bisherigen Alltagsautonomie, etc.). Damit zusammen- hängend entstehen häufig Ängste, welche einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Beziehung zwischen Therapeut und Klient haben können. Die Er- wartungen an den Ergotherapeuten sind in diesem Zusammenhang von be- sonderem Charakter, da er an einer Verbindung von klinischem Bild und Zu- kunftsperspektive massgeblich beteiligt ist [vgl. BISCHOFF 2000:52]. Ver- ständnis für die unter den genannten Umständen häufig besonders hohe Verunsicherung und Erwartungshaltung von Klienten und Angehörigen zu zeigen, aber auch realistische Ziele mit dem Klienten zu erarbeiten und zu verwirklichen, erfordert unter anderem ein nicht geringes Mass auch an kommunikativen Kompetenzen. »Gespräche, die gut strukturiert sind, haben eine wesentlich nachhaltigere Wirkung als Gespräche, die „irgendwie“ ablaufen.«[GEISLER 2003:5]

Zudem erscheint es gerade im geriatrisch-klinischen Umfeld aussergewöhn- lich wichtig zu sein besonderes Augenmerk auf das Thema der Klienten-Au- tonomie zu richten. Einerseits neigen verantwortliche Hilfspersonen (Angehö- rige, Pflegekräfte, Therapeuten, etc.) oft zur „Entmündigung“ der Klienten, andererseits haben sich diese häufig auch schon in einer solchen Situation adaptiert, indem sie Hilfestellungen in den verschiedenen alltagsrelevanten Handlungsbereichen unnötigerweise einfordern, was dem Erhalt der Selbst- hilfefähigkeit eher abträglich ist [vgl. BÖHM 1999:142 ff]. Autonomieerhalt spielt gerade in diesem Kontext eine grosse Rolle [vgl. BÖHM 1999: 30 ff] und damit zusammenhängend auch das Animieren zur Äusserung eigener Vorstellungen bezüglich Therapieziele und -Inhalte. Eine Gesprächsmetho- dik, welche dieser Anforderung gerecht wird, wäre somit in jedem Fall ein gewinnbringender Faktor in der klinischen Behandlung geriatrischer Klienten.

Unter dem Eindruck der geschilderten Gedanken entstand folgende, innerhalb dieser Arbeit zu bestätigende oder zu widerlegende Hypothese:

Innerhalb der klinischen Geriatrie ist bezogen auf die ergotherapeutische Ar- beit eine Verknüpfung des Gesprächsführungskonzeptes nach Rogers und der Methode des NLP in den jeweiligen Grundzügen durchführbar und sinn- voll.

4. Zum Aufbau und Inhalt der Arbeit

Da die höher qualifizierte Anwendung beider gewählter Gesprächsmethoden in der Praxis ein hohes Mass an Erfahrung und vor allem Ausbildung erfor- dert, was bei Ergotherapeuten nicht allgemein als vorausgesetzt gesehen werden darf, bezieht sich der beschriebene Verknüpfungs- und Anwedungs- versuch vor allem auf die basalen Aussagen der Klientenzentrierten Ge- sprächsführung nach Rogers und dem Kommunikationsmodell des NLP.

Beides soll in ein praxisnah anwendbares Konzept vereint werden. In jedem Fall kann diese Kombinationsvariante bezüglich des professionellen Gebrauchs des jeweiligen Einzelmodells keinen Ersatz für fachliche Fortbildung bieten. Zudem ist der Verfasser selbst in zertifizierter Form weder nach Rogers noch in NLP fundiert ausgebildet. Somit soll an dieser Stelle darauf hingewiesen sein, dass die im folgenden beschriebenen Gedanken kein „Lehrbuch“ für beide Konzepte darstellen.

Zunächst erfolgt eine kurze Beschreibung beider Kommunikationsmodelle in ihren grundsätzlichen Ideen (Punkt 5.). Im nächsten Schritt werden diese dann gegenübergestellt und hinsichtlich ihrer Gemeinsamkeiten und Gegen- sätze untersucht. Unter Punkt 7. wird daraufhin ein kombiniertes Modell bei- der Konzepte entwickelt, welches unter Punkt 8. im Zuge exemplarischer Anwendungen auf seine Praktizierbarkeit hin untersucht wird. Abschliessend erfolgt ein Fazit bezüglich der zuvor beschriebenen Hypothese.

5. Vorstellung der Modelle

Wie vorangestellt bereits erwähnt werden die Kommunikationsmodelle nach Carl Rogers und des NLP im folgenden lediglich in ihren grundlegenden Ide- en und Aussagen vorgestellt. Eine ausführliche Beschreibung beider Kon- zepte würde ansonsten den Rahmen dieser Diplomarbeit sprengen. Um möglichst zügig einen praktischen Bezug zum gewählten Thema herzustel- len, werden die Modelle einer kritischen Betrachtung hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile bezogen auf den gegebenen Kontext aus Sicht des Verfassers unterzogen.

5.1 Die Klientenzentrierte Gesprächsführung nach Carl Rogers

Die Klientenzentrierte Gesprächsführung wurde von dem amerikanischen Psychologen Carl Rogers in der Zeit um 1940 entwickelt und fand weltweite Verbreitung. Vor allem durch die Arbeit von Reinhard Tausch wurde sie in Deutschland etwa seit 1960 eher unter der Bezeichnung „Gesprächspsy- chotherapie“ etabliert [vgl. PFEIFFER zitiert in ROGERS 2004:9]1. Im We- sentlichen stellt Rogers (1902 - 1987) dieses Konzept auf zwei Säulen. Zum einen hebt er die Wichtigkeit einer personenzentrierten Haltung des Thera- peuten heraus, indem sich dieser vor allem drei grundlegende Aspekte zu ei- gen machen soll:

- Empathie
- Kongruenz
- Wertschätzung

Diese sogenannten Basisvariablen sind für die Klientenzentrierte Gesprächsführung nach Rogers von fundamentaler Bedeutung und werden im Folgenden noch einer genaueren Betrachtung unterzogen. Die zweite Säule bildet laut Rogers die sogenannte Aktualisierungstendenz, ein Streben jedes Organismus sich selbst zu erhalten, zu entfalten und seine körperlichen und geistigen Fähigkeiten weiterzuentwickeln [vgl. PRAXIS-INFO.CH 2005:1]. Auch dieser Faktor wird noch eingehender vorgestellt.

Ziel eines therapeutischen Interagierens ist nach Rogers Meinung das Herstellen einer hilfreichen Beziehung. Diese wird mit dem Umstand definiert, dass der Therapeut innerhalb einer solchen Beziehung zu seinem Klienten bestrebt ist, latente innere Ressourcen höher zu schätzen, sie bewusster und somit einsetzbarer zu machen [vgl. ROGERS 2004a:53].

Prinzipiell könnte man sagen, dass die oben genannten Basisvariablen den therapeutischen und die Aktualisierungstendenz den klientischen Beitrag zum erfolgreichen therapeutischen Gespräch darstellen [vgl. WEBER 2000:27]. Die Abbildung auf Seite 7 soll hierzu eine vereinfachte Orientie- rungshilfe darstellen.

Abbildung 1: vereinfachte schematische Darstellung der klientenzentrierten Gesprächsführung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5.1.1 Die Basisvariablen des Therapeuten

5.1.1.1 Wertschätzung

» Je mehr ein Individuum verstanden und akzeptiert wird, desto besser ist es in der Lage, die falschen Fassaden fallen zu lassen, mit denen es dem Leben begegnet, und desto mehr neigt es dazu, sich in eine Vorwärtsrichtung zu bewegen. « [ROGERS 2004a:42]

Unter Wertschätzung im Klientenzentrierten Gespräch versteht man die be- dingungslose Annahme und Akzeptanz der Aussagen des Klienten. Dabei ist es wichtig, solche Aussagen nicht zu bewerten oder gar abzuwerten [vgl. WEBER 2000:107]. Viel mehr geht es hier um die Akzeptanz des Klienten selbst, so wie er ist, nicht wie der Therapeut ihn vielleicht gerne hätte. Um dies zu erreichen motiviert Rogers durchaus zu einer Form von Leichtgläu- bigkeit durch den Therapeuten, indem dieser vorbehaltlos das annimmt, was ihm der Klient preisgibt, ohne diese Auskünfte argwöhnisch auf ihren Wahr- heitsgehalt hin zu überprüfen [vgl. ROGERS 2004b:155]2. Umsetzbar wird diese eher innere Einstellung des Therapeuten durch Äusserungen im Ge- spräch, welche vor allem von Freundlichkeit, emotionaler Wärme und Anteil- nahme geprägt sind [vgl. WEBER 2000:107].

5.1.1.2 Kongruenz

» Ich habe herausgefunden, daß eine Beziehung um so hilfreicher sein wird, je ehrlicher ich mich verhalten kann. Das meint, daß ich mir meiner eigenen Gefühle soweit wie möglich bewußt sein muß. « [ROGERS 2004a:47]

Wie auch die Wertschätzung zählt der Faktor der Kongruenz eher zu einer inneren Haltung des Therapeuten. Gemeint ist eine spezielle Art von authen- tischem Verhalten, indem der Therapeut sich seine Gefühle bewusst macht und innerhalb des Gespräches vermeidet, nach aussen hin sich anders zu geben, als seine inneren Gefühle es eigentlich vorgeben. Beispielsweise sieht Rogers es nicht als hilfreich an, eine liebevolle Form der Konversation zu wählen, wenn der Therapeut innerlich eigentlich feindliche Stimmungen erlebt [vgl. ROGERS 2004a:32]. Kongruenz führt laut dem Prinzip der Klien- tenzentrierten Gesprächsführung bei konsequenter „Umsetzung“ durch den Therapeuten zu einem gleichsam kongruenten Verhalten des Klienten selbst. Man kann somit zwei Formen der Kongruenz unterscheiden, die Selbstkon- gruenz des Therapeuten und die Kongruenz des Klienten, wobei die erste die zweite bedingt. Ist der Therapeut also kongruent in seiner Kommunikation, wirkt er somit - auch im Zusammenhang von verbalem und non-verbalem Ausdruck - echt gegenüber dem Klienten, stimuliert er diesen zu einer eige- nen Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, was Grundlage für einen konstruktiven Veränderungsprozess bedeutet. Schwierig erscheint es hierbei jedoch für sich selbst als Therapeut eine Umgangsform mit seinen eigenen Gefühlen zu finden. Möglicherweise ist es sinnvoll, sich diese lediglich bewusst zuma- chen, ohne sie jedoch nach aussen hin in Erscheinung treten zu lassen. An- dererseits kann es auch von grosser Bedeutung für eine hilfreiche Beziehung sein, seine Gefühle dem anderen mitzuteilen, beispielsweise bei andauern- dem Verhalten des Klienten in einer für den Therapeuten schwierig zu ertra- genden Weise [vgl. WEBER 2000:118ff]. Den Begriff der Kongruenz zu erklä- ren, fällt nicht einfach. Um ein eigenes Verständnis für diese Basisvariable zu entwickeln, bedarf es - wie eigentlich hinsichtlich des gesamten Konzeptes der Klientenzentrierten Gesprächsführung - der selbständigen Erprobung. »Erfahrung ist für mich die höchste Autorität« [ROGERS 2004a:39]

5.1.1.3 Empathie

» Das Therapieverfahren, das sie als hilfreichstes empfunden hatten, bestand darin, daß der Therapeut die Gefühle, denen der Klient vage und zögernd begegnete, erhellte und offen darlegte.« [ROGERS 2004a:57]3

Die Basisvariable, welche nach Meinung des Verfassers am ehesten „tech- nisch“ umsetzbar erscheint, ist die der Empathie. Synonymal wird auch der Begriff »Einfühlendes Spiegeln« [WEBER 2000:68] gebraucht. Prinzipiell könnte man sagen, dass Empathie die verbale Umsetzung von Wertschät- zung und Kongruenz bedeutet. Dabei ist es wichtig, den inneren Bezugsrah- men des Klienten, das heisst seine Emotionen und Bedeutungen, wahrzu- nehmen und diese zu verbalisieren. Der Sinn dieser Basisvariable liegt darin, dass der Klient sich einerseits durch ein solches therapeutisches Verhalten angenommen und verstanden fühlt, andererseits infolgedessen sein Verhal- ten selbst exploriert und daraufhin selbst hinterfragen und nötigenfalls verän- dern kann [vgl. WEBER 2000:69ff]. Dabei beschreibt Rogers das therapeuti- sche Vorgehen mit der Einnahme einer „Als-Ob-Position“. Das bedeutet das Erspüren der Emotionen und des Erlebens des Klienten als ob diese Emotio- nen und Erlebnisse die eigenen wären - ohne jedoch das Bewusstsein dafür zu verlieren, dass diese nicht die eigenen sind [vgl. ROGERS 2004a:277]. Diese notwendige Distanz zum Klienten erlaubt dem Therapeuten ein Ver- ständnis für dessen Probleme und den damit zusammenhängenden Emotio- nen zu entwickeln [vgl. GEISLER 2003:3] diese dann dem Klienten zu spie- geln und somit den Prozess der Selbstaktualisierung des Klienten zu fördern [vgl. ROGERS 2004b:24].

Abbildung 2: Beispiel für Emphatisches Spiegeln

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: ROGERS 2004b:25

5.1.2 Die Aktualisierungstendenz des Klienten

»Diese Tendenz ist die primäre Motivation für Kreativität, dafür, daß der Organismus neue Beziehungen zur Umwelt herstellt in seinem Bemühen, am vollständigsten er selbst zu sein.«[ROGERS 2004a:340]

Eine wichtige Grundannahme der Klientenzentrierten Gesprächsführung nach Carl Rogers ist die, dass jeder Mensch in sich den Antrieb besitzt, sich selbst weiter zu entwickeln und zu verwirklichen. Diese sogenannte Aktuali- sierungstendenz wird unter günstigen Umständen in einer Form wirksam, in der der Klient es vermag, sich konstruktiv und sozial verbindend fort zu ent- wickeln. Dabei widerspricht sie in ihrer Annahme durchaus psychoanalyti- schen und lerntheoretischen Ansätzen, die eher von mangelinduzierten Le- bensmotivationen ausgehen [vgl. PFEIFFER zitiert in ROGERS 2004b:10]. Eine Blockade der Aktualisierungstendenz ist nach Auffassung der Klienten- zentrierten Gesprächsführung Auslöser für seelische Störungen [vgl. PRA- XIS-INFO.CH 2005:1].

Voraussetzung für eine Aktivierung der Aktualisierungstendenz ist eine durch die Umsetzung der therapeutischen Basisvariablen ausgelöste Selbstexplo- ration des Klienten. Diese Selbstexploration findet in vier Stufen statt, begin- nend bei einem Zustand des Nicht-Verbalisierens von persönlichen bedeut- samen Inhalten des Klienten bis hin zu seinem aktiven und spontanen Ver- such, Emotionen und Umwelterfahrungen wahrzunehmen [vgl. WEBER 2000:135f].

5.1.3 Vor- und Nachteile der Klientenzentrierten Gesprächsführung be- züglich der ergotherapeutischen Arbeit in der klinischen Geriatrie

Hinsichtlich des zu beschreibenden Themas bietet die Klientenzentrierte Ge- sprächsführung nach Rogers subjektiv betrachtet sowohl Möglichkeiten als auch Grenzen in ihrer Anwendbarkeit. Es soll nicht als anmassend verstan- den werden, wenn diesbezüglich eine „Bewertung“ dieser sicherlich sehr er- folgreich funktionierenden Methode erfolgt. Vielmehr geht es an dieser Stelle darum, für die erwähnte Art ergotherapeutischer Tätigkeit verwertbare bzw. nicht geeignete Ansätze herauszustellen. Im Sinne der Gesprächspsychothe- rapie im allgemeinen sowie des Geistes von Carl Rogers im besonderen sei darauf hingewiesen, dass die im folgenden beschriebenen Gedanken immer herausgelöst aus dem Gesamtmodell der Klientenzentrierten Methode zu betrachten sind, und somit für diese keine Beurteilung als solches bedeuten. Legitim erscheint eine Untersuchung der Anwendbarkeit Klientenzentrierter Gesprächsführung im Bereich ursprünglich nicht durch diese Methode foku- sierter Berufs- und Lebensbereiche durch die Aussage von Rogers selbst, dass seine Ideen vom kommunikativen Umgang miteinander wohl auch in solchen Bereichen ihre Gültigkeit haben [vgl. ROGERS 2004a:55].

5.1.3.1 Vorteile

Führt man die Gedanken zu den eingangs erwähnten besonderen Anforde- rungen an die Ergotherapie im klinisch-geriatrischen Kontext zurück, liegen die Vorteile der Klientenzentrierten Gesprächsführung auf dieses Aufgaben- feld bezogen fast schon „auf der Hand“. Gerade das Schaffen einer Vertrau- ensbasis innerhalb einer Beziehung von Therapeut und Klient mit spielt für ältere Menschen eine wohl besondere Rolle - nicht nur bezogen auf die Tä- tigkeit von Ergotherapeuten. Sich angenommen zu fühlen wirkt Ängsten und Bedrohungsgefühlen entgegen [vgl. BRASSE 2005:Min.7f] und stärkt das Zutrauen des Klienten in die Wirksamkeit therapeutischer Massnahmen. Selbstverständnis zu fördern und den Eindruck des „Sich-ernst-genommen- Fühlens“ [vgl. OPITZ 2005:Min.8] zu vermitteln sind wichtige Voraussetzun- gen auch für das Fördern eines möglichst autonomen Verhaltens älterer Kli- enten, da diese, wie bereits erwähnt, unter Umständen eine solche Erfahrung schon länger nicht mehr gemacht haben und deshalb möglicherweise eine eher resignative und untergeordnete Haltung einnehmen (siehe Punkt 3.). Nun - gerade Ergotherapeuten geht es ja im Besonderen um den Erhalt und die Verbesserung von Selbständigkeit! Das Schaffen von Vertrauen zum Therapeuten und Vertrauen zu sich selbst erscheint aus ergotherapeutischer Sicht der gewinnbringendste Faktor in der Anwendung der Klientenzentrier- ten Gesprächsführung innerhalb der klinischen Arbeit mit geriatrischen Kli- enten zu sein.

5.1.3.2 Nachteile

Für den thematisch eingegrenzten Bereich bietet die Klientenzentrierte Ge- sprächsführung auch Nachteile. Zum einen erscheint der Zeitfaktor bei „rei- ner Anwendung“ ein grosses Problem zu ergeben. Gerade im klinischen Kontext steht und fällt eine erfolgreiche Behandlung mit einer effizienten Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Zeit während der begrenzten Auf- enthaltsdauer der Klienten. In der Regel soll ein geriatrisches Assessement innerhalb von drei Aufenthaltstagen vorliegen4. Dies beinhaltet natürlich auch eine ergotherapeutische Aussage über die angestrebten Therapieziele. Dem entgegen steht die eher abwartende Haltung der Klientenzentrierten Metho- de, welche sich nicht mit schnell funktionierenden Zielvorgaben befasst [vgl. ROGERS 2004b:133]. Der daraus resultierende Zeitmangel setzt diesem Konzept innerhalb klinisch-rehabilitativer Arbeit deutliche Grenzen [vgl. OPITZ 2005:Min.10].

Die fehlende Zielorientiertheit als solches stellt neben dem Problem der zeit- lichen Umsetzung das zweite zu beachtende Manko dar. Ziele mit dem Kli- enten bereits zu Beginn der Therapie zu erarbeiten ist unumgänglich, da von diesem sowie von seinen Angehörigen und nicht zuletzt von den Kostenträ- gern zumeist ein nachvollziehbarer Nutzen des klinischen Aufenthaltes ge- fordert wird. Wie vorangehend bereits erläutert, ist die Methode nach Rogers jedoch weder darauf ausgelegt, schnelle Veränderungen herbeizuführen, noch bereits zu Behandlungsbeginn ein klares Ziel zu benennen [vgl. BRASSE 2005:Min9].

Zudem sollte an dieser Stelle auch der von dem Therapeuten erwartete Faktor der Handlungsorientiertheit Beachtung finden. Die Klienten geben sich im Umfeld klinisch-rehabilitativer Massnahmen in der Regel nicht in ergothe- rapeutische Behandlung, nur um zu reden, erwartet wird hier ein Vorgehen eher im sensomotorisch-funktionellen und kognitiv-therapeutischen Rahmen, auch wenn der Anteil psychosozialer Gesichtspunkte immer mit einbezogen werden sollte [vgl. BISCHOFF 2000:31ff]. Dennoch ist Geriatrie ja nicht gleichzusetzen mit Gerontopsychiatrie, auch wenn hier nach subjektiver Mei- nung des Verfassers eine zunehmend grösser werdende Schnittstelle exi- stiert.

Ferner erscheint gerade im geriatrischen Umgebungsfeld eine nicht entsprechend adaptierte Anwendung der Klientenzentrierten Gesprächsführung bei Krankheitsbildern wie z.B. Demenz [vgl. OPITZ 2005:Min.10] oder Alkoholproblematiken [vgl. BRASSE 2005:Min.9f] auf Grund der Notwendigkeit stärkerer Strukturvorgaben auch mit Schwächen behaftet zu sein.

Bezüglich der allgemeinen Nutzung der Basisvariablen existieren bei dem si- cherlich sehr umfassend erforschten Kommunikationssystem nach Rogers ebenfalls kritische Meinungen. Wilfried Weber beispielsweise fügt in seinem Buch „Wege zum helfenden Gespräch“ (siehe Quellenverzeichnis) recht ausführliche kritische Reflexionen zu dieser Thematik ein. Da sich diese je- doch auf die Anwendung der Gesprächspsychotherapie als solche beziehen, sollen sie im Zusammenhang mit dieser Arbeit keine vorrangige Beachtung finden. Dennoch sind sie für jeden Anwender Klientenzentrierter Kommuni- kation sicherlich ein hilfreicher Hinweis. Die Bildung einer individuellen Mei- nung hierzu im Zuge praktischer Erfahrungen ist nach Verfassermeinung wohl die gewinnbringendste Methode.

Zusammenfassend erscheinen die Grenzen der Anwendbarkeit der Klientenzentrierten Gesprächsführung bezüglich der ergotherapeutischen Arbeit im geriatrisch-klinischen Aufgabenfeld letztendlich vor allem in der fehlenden Zeitbegrenzung und Zielorientiertheit dieser Methode zu liegen.

5.2 Das Neuro-Linguistische Programmieren (NLP)

Die Grundgedanken des NLP wurden um 1970 vom damaligen Informatik- und Psychologiestudenten Richard Bandler und dem Sprachwissenschaftler Dr. John Grinder in den USA entwickelt. Beide untersuchten die jeweiligen Vorgehensweisen der drei als am erfolgreichsten geltenden Psychothera- peuten der Vereinigten Staaten (Milton Erickson, Fritz Perls, Virginia Satir), und fanden heraus, dass diese Therapeuten, unabhängig von den verschie- denen Schwerpunkten ihrer Arbeit, über bestimmte sich gleichende Verhal- tens- und Kommunikationsmuster verfügten, welche sie mehr oder weniger unbewusst anwendeten [vgl. SCHWARZ/SCHWEPPE 2003:10]. Entstanden ist hieraus ein Kommunikationskonzept, welches sich verschiedener psy- chologischer Modelle bedient und diese modifiziert hat, ohne jedoch eine Pathologie der Psyche als Grundannahme vorauszusetzen, was einen Ge- gensatz zur klassischen Psychotherapie bedeutet. [vgl. BRILL 2005:Min.7ff]. Abbildung 3 gibt einen kurzen Aufschluss über die verschiedenen Einflüsse in der Entstehungsgeschichte des NLP.

Prinzipiell ist NLP eine programmatische Art und Weise für das Erlangen eines Verständnisses von Kommunikation (verbal und non-verbal) mit dem Ziel eines schnellen und genauestmöglichen Herausfindens von Lösungsideen [vgl. THEIS 2005a]5.

Abbildung 3: Frühe Einflüsse auf das NLP

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: D.V.N.L.P. 2003:19 / überarbeitet: Nohner 2005

Wie eingangs bereits erwähnt, entspringt das NLP aus dem Hintergrund der Philosophie des Konstruktivismus. Es ist jedoch ein vergleichsweise junges Kommunikationskonzept, wenngleich es über ein ergiebiges Repertoire an Techniken und Ideen verfügt. „Entwicklungstechnisch“ haben sich zwei grössere Einsatzgebiete etabliert. Zum einen wird NLP oft im nicht-therapeu- tischen Bereich eingesetzt, z.B. als Form von Kunden- oder Verkaufsgesprächsführung, zum anderen findet es verbreitet im therapeutischen Bereich Verwendung [vgl. BRILL 2005:Min.50ff]. Erstere Variante soll hier bezogen auf das gegebene Thema vernachlässigt werden.

Im Folgenden werden Verfahrensweisen des NLP einer genaueren Betrach- tung unterzogen. Wie schon im Falle der Klientenzentrierten Gesprächsfüh- rung bezieht sich diese Vorgehensweise jedoch lediglich auf einige aus Sicht des Verfassers besonders hervorzuhebende Techniken und grundlegende Ideen.

5.2.1 Pacing und Rapport

Übersetzt heisst Pacing soviel wie „mit jemandem im Gleichschritt gehen“. Es bedeutet, sein Gegenüber nicht nur zu spiegeln, sondern sich selbst dem anderen mehr oder weniger anzugleichen. Dabei ist es von besonderer Be- achtung, auch die non-verbalen Kommunikationsaspekte des Klienten mit einzubeziehen. Ziel des Pacing ist der Aufbau eines guten Rapports. Unter dem Begriff Rapport, der ursprünglich aus der Hypnose stammt, versteht man das Schaffen eines tiefen Vertrauensverhältnisses mit dem Klienten, was Grundlage für die Arbeit mit NLP ist [vgl. BRILL 2001]6.

5.2.2 Wirklichkeitsebenen / Oberflächen- und Tiefenstruktur

Man kann in jeder Kommunikation zwei Wirklichkeitsebenen unterscheiden (Wirklichkeitsebene 1. und 2. Ordnung). Die erste ist die Ebene der Fakten. Sie beinhaltet sinnliche Informationen und faktische Beschreibungen. Die zweite Ebene, die der Bedeutungen, enthält Schlussfolgerungen, Deutungen, Wertungen. Kommunikationsprobleme entstehen vor allem auf der Bedeutungsebene, da die Deutungen der Fakten individuelle Unterschiede aufweisen [vgl. BRILL 2001]. So kann beispielsweise der Begriff „Liebe“ mit den unterschiedlichsten Assoziationen verknüpft sein (Sexualität, Emotion, etc.). Diese symbolische Repräsentation kann von Mensch zu Mensch völlig unterschiedlich sein [vgl. v. GLASERFELD 2004:208].

In die gleiche Denkrichtung geht die Theorie der Oberflächen- und Tiefen- struktur des Linguisten Noam Chomsky. Die Tiefenstruktur enthält demnach alle dem Sprecher bekannten Informationen. Diese werden durch eine soge- nannte „mentale Landkarte“ gefiltert und führen zu den durch ihn geäusser- ten Worten (Oberflächenstruktur) [vgl. SCHWARZ/SCHWEPPE 2003:160].

[...]


1 Die Originalausgabe stammt aus dem Jahr 1961, verwendet wurde in dieser Arbeit die 15. Auflage

2 Die Originalausgabe stammt aus dem Jahr 1983, verwendet wurde in dieser Arbeit die 18. Auflage

3 Rogers beschreibt hier das Ergebnis einer Studie von HEINE (1950), in welcher ein Vergleich von psychoanalytischen, klientenzentrierten und Adlerschen Methoden unternommen wurde.

4 Diese Angabe stammt aus Erfahrungen des Verfassers, für eine offizielle Vorgabe diesbezüglich konnte keine Quelle ausfindig gemacht werden

5 Die Quelle entstammt einem Interview, welches nicht tontechnisch aufgezeichnet wurde, eine inhaltliche Mitschrift liegt im Anhang bei.

6 Die Quelle entstammt aus einem Fortbildungs-Script mit eigenen Zusatznotizen (siehe Quellenver- zeichnis)

Details

Seiten
72
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638472395
Dateigröße
607 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v51209
Institution / Hochschule
DIPLOMA Fachhochschule Nordhessen; Zentrale
Note
1,3
Schlagworte
Gesprächsführung Rogers Kontext Arbeit Geriatrie Kombinationsmöglichkeit Gegensatz

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Titel: NLP und Gesprächsführung nach Rogers im Kontext der ergotherapeutischen Arbeit in der klinischen Geriatrie - sinnvolle Kombinationsmöglichkeit oder unvereinbarer Gegensatz