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Bascanska ploca - Komposition und Konnexion ihres Textes

Hausarbeit (Hauptseminar) 2000 20 Seiten

Russistik / Slavistik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Methodischer Aufbau
1.2 Die Anfänge des kroatischen Schrifttums
1.3 Die glagolitische Schrift - Glagoliza

2. Das Wichtigste über „Bascanska ploca
2.1 Die allgemeinen „technischen“ Daten
2.2 Die Symbolik der Bascanska ploca
2.3 3 Das Problem der Datierung des Denkmals

3. Die Komposition der Texteinheiten
3.1 Der Anfang/Die Invokation
3.2 Der Hauptteil/Die Aufschrift
3.2.1 Die Aufschrift von Drziha
3.2.2 Die Aufschrift von Dobrovit

4. Die Konnexion des Textes
4.1 Kontakte Verbundenheit des Textes
4.2 Distakte Verbundenheit des Textes

5. Basčanska ploča als literarisches Werk?

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Methodischer Aufbau

Mit dieser Arbeit durfte ich mich mit der sprach-wissenschaftlichen Untersuchung des wohl bekanntesten Denkmals der kroatischen Sprache befassen, der geschichtlichen Hintergründe seiner Entstehung und Entdeckung sowie der Deutung und Bedeutung seiner Inschrift.

Zunächst werde ich dem Leser die Einsicht in die Anfänge des Schrifttums der kroatischen Bevölkerung im Mittelalter verschaffen. Anschließend gehe ich näher auf die altkirchenslawische Sprache und auf die glagolitische Schrift ein, die als besondere Eigenschaften der Inschrift von Bascanska ploca gelten. Dadurch bietet sich ein nahtloser Übergang zu den für diese Arbeit sekundären „technischen Daten“ des Denkmals.

Die Komposition des Textes, seine kontakte und distakte Verbundenheit, sowie die linguistische Struktur einzelner Einheiten bilden den zentralen Schwerpunkt dieser Arbeit. Was ist Konnexion? Wie spiegelt sie sich im konkreten Text wider? Durch welche Faktoren erkennen wir die Grenzverbundenheit und durch welche die zerstreute Verbundenheit unseres Textes? Ist hier nur der Ausdruck oder auch der Inhalt entscheidend?

Schon dieser Fragenkomplex weist auf die hinreichende Literatur auf, mit der ich mich auseinandergesetzt habe. Vor allem habe ich mich auf die neuesten und meines Erachtens nach präzisesten historiographischen Forschungsarbeiten von Branko Fučić angelehnt. Die große Stütze für den methodischen Vorgang und Ausbau meiner Arbeit war mir in erster Linie das Buch Kako je tkan tekst Ba šćanske ploče.[1]

Das komplexe Thema über die Tragweite und die Bedeutung der Bascanska ploca für die zeitgenössische kroatische Literaturwissenschaft runde ich mit der unter den Philologen häufig gestellte Frage ab, dürfen wir die Tafel als ein pures historisches Denkmal, als eine liturgische Aufschrift, als ein juristisches Dokument oder als ein literarisches Werk sehen.

1.2 Die Anfänge des kroatischen Schrifttums

In den ersten Jahrhunderten ihres Lebens auf dem Balkan haben sich die kroatischen geistlichen Würdenträger, insbesondere Fürsten und Bischöfe, überwiegend der lateinischen Sprache bedient. Diese Schulsprache findet man auf vielen entdeckten Texten, wie beispielsweise Trpimirova darovnica (852), Branimirov natpis (888) oder Dr žislavov natpis (976) sind.[2] Fast alle damaligen Texte sind in Klöstern entstanden, die somit zu den wichtigsten Verbreitungsstätten des Schrifttums geworden sind. Und all diejenigen, die lateinische Sprache und Schrift nicht kannten, bedienten sich einer Art der Runenzeichen[3].

Das südslawische Volk und seine schriftliche Kultur ist hauptsächlich mit der Missionartätigkeit der aus Thessaloniki stammenden Glaubensbrüder Kyrillos und Methodius verbunden, die nach der Christianisierung im 9. Jahrhundert an der Erschaffung der Liturgie- und Ritualbücher gearbeitet haben. Ihre Schüler Klemens und Naum aus Mähren, wo Methodius auch gestorben ist, haben die würdige Aufgabe und Tradition ihrer Gelehrter fortgesetzt, einerseits nach Südosten (Bulgarien und Mazedonien) und andererseits nach Südwesten (Kroatien).[4]

In der letzteren, südwestlichen Richtung der Balkanhalbinsel hat sich eine neue slawische Sprache entwickelt, Altslawisch oder Altkirchenslawisch. In der Sprache wurden nicht nur Gebete, wie ‚ Oče naš’ geschrieben, sondern auch viele andere Kirchenbücher, vor allem die Evangeliumstexte.

1.3 Die glagolitische Schrift - Glagoliza

Für die kirchliche Zwecke erschuf Kyrillos eine besondere Schrift, Glagolica[5]. Die glagolitische Schrift gibt phonologisch geschickt die um Thessaloniki gesprochene Sprache wieder. Die „runde Glagoliza“ wurde in geistlich-kulturellen Zentren in Westbulgarien weiterbenutzt, aber schon im Laufe des 11./12. Jahrhunderts durch die Kyrillische Schrift (Kirilica) ersetzt. In Kroatien wurde die glagolitische Schrift und die slawische Liturgiesprache trotz ihres anfänglichen Verbots durch den Papst besonders vom niederen Klerus, sog. Glagola ši, weiterbenutzt. Im 14.-16. Jahrhundert entstand eine starke glagolitische Schrifttradition in der eckigen Variante. In der "eckigen Glagoliza“ wurden Bibeltexte, Sammelhandschriften, Breviere, Missalia, auch weltliche Gesetzestexte geschrieben.

Die glagolitische Schrift wurde zu einem Merkmal nationaler Kultur, das den kroatischen Raum sowohl vom kyrillisch schreibenden Osten als auch besonders vom römisch-katholischen, lateinisch schreibenden Westen abgrenzte.[6] Sie wurde noch bis ins 20. Jahrhundert hinein verwendet, ist heute aber auch in Kroatien nur noch wenigen Spezialisten bekannt.

2. Das Wichtigste über „Bascanska ploca“

Die Tafel von Baška oder die Baščaner Tafel, wie sie auf dem deutschsprachigen Gebiet genannt wird, feierte im vergangenen Jahr ihr 900jähriges Jubiläum. Der Höhepunkt der Gedenktage ist der 13.12., der Feiertag der Heiligen Luzia[7]. Sie war und ist die Patronin des unermeßlich wichtigen Schatzes.

Die 1851 in Baška auf der Insel Krk in der gleichnamigen Kirche entdeckte Tafel ist nicht das älteste Denkmal, wie man es in den Schulbüchern lange behauptet hat, und auch nicht das umfangreichste, aber für die kroatische schriftliche Kultur sicherlich das wichtigste und bedeutendste Denkmal aller Zeiten. Die langjährigen Untersuchungen vieler angesehener kroatischer Philologen und Kunsthistoriker, die die Inschrift der Tafel auf der geschichtlichen, archäologischen, paläographischen und zuletzt auf der sprachwissenschaftlichen Ebene geforscht haben, zeigten, dass trotz der hohen wertvollen Ergebnissen, die sie erreicht haben, einige wesentlichen Fragen bis heute noch unbeantwortet oder zumindest unstimmig geblieben sind.

2.1 Die allgemeinen „technischen“ Daten

Bascanska ploca ist eine Steintafel, aus dem weißen Kalkstein, 199 cm breit, 99,5 cm hoch und 7,5-9 cm tief. Ursprünglich stand sie in der Funktion des linken Pluteus der Altarwand, des Septums, in der Luzienkirche im Dorf Jurandvor[8]. Später wurde sie in den Boden gelegt, wo sie als Grabstein diente.

„After 1752 the septum, in wich the Baska Tablet was the left pluteus had been demolished and the Tablet ended up on the floor of the nave where ist first discovered saw it. It was probably used as a tombstone.“[9]

Im oberen Teil der Tafel erstreckt sich ein frühromanisches Ornament in der Weinrebeform, weiter unten folgt der eigentliche Text, ca. 100 Wörter in 13 Zeilen. Die Tafel ist ziemlich beschädigt und in drei Teilen angebrochen, im rechten Eck fehlt sogar ein Teil der Bordüre

[...]


[1] Žagar, Mateo, Hrvatsko filološko društvo, posebno izdanje br. 31, Zagreb 1997

[2] vgl. Moguš, Povijest hrvatskoga književnoga jezika, Globus, Zagreb 1993, S. 13

[3] Runenschrift

[4] Die höchste Blüte erlebte Glagolica gerade in zwei wichtigen Kultur-Zentren seiner Zeit, im Nordkroatischen Küstenland und um den Ohridsee.

[5]

[6] vgl. Rehder, Peter, Das neue Osteuropa von A-Z, S. 228

[7]

[8] Eine Kopie der Tafel befindet sich wieder an ihrem ursprünglichen Platz in der Altarschranke der Luzienkirche.

[9] Fucic, Branko, Croatian Glagolitic Epigraphy, London 1999, S. 21

Details

Seiten
20
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638131124
Dateigröße
700 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v5117
Institution / Hochschule
Universität Mannheim – Slavisches Seminar
Note
1,0
Schlagworte
Bascanska ploca

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