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Metaphern in der Sportberichterstattung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2018 17 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Konzeptuelle Metapher: Ansatz zur Begriffserklärung

3 Definition von Sportsprache

4 Metaphern in der Sprache der Sportberichterstattung

5 Metaphern in Sportarten
5.1 Metaphern im Fußball
5.1.1 Fußballsprache und Fußballjargon
5.1.2 Sport als Kampf/Krieg
5.2 Metaphern in anderen Sportarten

6 Vergleich: Metaphern in deutschen und französischen Sportberichten
6.1 Metaphern im deutschen Sportmagazin „Kicker" (02 / 2017)
6.2 Metaphern in französischer Sport-Tageszeitung „L’Équipe" (02 / 2017)

7 Schluss

8 Bibliographie

9 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Sport und Fußball sind heute ein Thema, über das ständig und überall gesprochen wird. Egal ob im Smalltalk mit Kommilitonen und Freunden oder auch in Sportsendungen in Fernsehen und Radiobeiträgen über die aktuelle Leistung eines bestimmten Spitzensportlers. Durch die Medien und auch durch den Einfluss von Fans und Sportlern selbst hat sich die Sportsprache über die Jahre sehr stark verändert, erweitert und verbreitet. Neuschöpfungen, Wörter aus anderen Sprachen und vor allem Metaphern werten den Wortschatz völlig neu auf. Um das Sportgeschehen möglichst lebendig und interessant darzustellen greifen die Leute oft zu sehr militärischen und kraftvollen Ausdrücken, an die sich inzwischen jeder gewöhnt hat und es gar nicht so auffällt, wenn Wörter wie „in Angriff nehmen", „attackieren", „den Gegner schlagen" oder „Sieg und Niederlage" in Sportmagazinen oder Sportübertragungen fallen. Ich habe mich entschieden, Metaphern vor allem aus der Fußballsprache zu untersuchen und zu bearbeiten, da Fußball hier in Deutschland die größte mediale Aufmerksamkeit genießt und zugleich in allen Altersgruppen Beachtung findet.

2 Konzeptuelle Metapher: Ansatz zur Begriffserklärung

Lakoff und Johnson (1980) unterscheiden zwischen drei Arten von konzeptuellen Metaphern: strukturelle Metaphern, Metaphern der räumlichen Orientierung und ontologische Metaphern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Arten konzeptueller Metaphern nach Lakoff / Johnson 1980. Quelle: eigene Abb.

Laut Lakoff und Johnson (1980) sind die erste Art von Metaphern, die Strukturmetaphern, „cases where one concept is metaphorically structured in terms of another” (Lakoff/Johnson 1980:14). Hier wird ein abstrakter Sachverhalt durch einen konkreteren Sacherhalt metaphorisch strukturiert. Anhand der konzeptuellen Metapher wie „time is money" beziehungsweise „Zeit ist Geld" wird einem der alltägliche Gebrauch dieser Strukturmetapher erst bewusst:

Die Reifenpanne kostete mich eine Stunde.

Ich habe meine Zeit verschwendet.

Als ich krank war hast du viel Zeit verloren.

Hast du noch viel Zeit übrig? (vgl. Lakoff/Johnson 1980:7f).

Das bedeutet, dass durch das metaphorische Konzept „Zeit" eine Eigenschaft von Geld aufgegriffen und für die Zeit verwendet wird. Die anderen Aspekte, die mit dem Begriff zu tun haben oder eine Rolle spielen können, sind dabei nicht von Bedeutung und werden sozusagen ausgeblendet. Dieses Phänomen wird „hiding and highlighting" (Lakoff/Johnson 1980:10f) genannt.

Als weitere Gruppe werden Orientierungsmetaphern genannt; diese lassen sich in Beziehung setzen zu räumlichen Vorstellungen. Der Mensch richtet sich vor allem aufgrund persönlicher und kultureller Erfahrungen nach folgenden räumlichen Gegensätzen:

oben - unten, vorne - hinten, innen - außen und zentral - peripher

und überträgt diese räumlichen Schemata auf einen abstrakten Sachverhalt.

Zum Beipiel das Konzept „Glücklich sein ist oben“ und „traurig ist unten“.

Auch „Bewusstsein" beziehungsweise wach sein und „Unbewusstsein" oder auch schlafen lässt sich räumlich einordnen. Wer bei Bewusstsein ist und morgens früh aufsteht, bewegt sich also aus der liegenden Position des Schlafens nach oben. Während Menschen, die nicht mehr bei Bewusstsein sind, eventuell durch einen Unfall, ins Koma fallen. Man kann allgemein festhalten: positive Erfahrungen werden nach oben gestuft, während Umstände mit negativen Eigenschaften unten eingeordnet werden. Allerdings ist zu beachten, dass diese Vorstellungen und Übertragungen von Raum von Kultur zu Kultur unterschiedlich sein können (vgl. Lakoff/Johnson 1980:14).

Und zum dritten und letzten Metaphern Typ gehören ontologische Metaphern. Diese versuchen, nicht wahrnehmbare Sachverhalte, Ereignisse und Ideen greifbarer und vorstellbar zu machen. (vgl. Lakoff/Johnson 1980:22)

Zu diesen Metaphern zählt auch das Konzept des Blickfeldes als ein Gefäß oder ein Behälter mit einem Innenraum und etwas Äußerem mit klaren, konkreten Grenzen. (Our visual field as a container).

Dies wird deutlich, wenn man folgende Beispiele liest:

Ich kann ihn nicht sehen - der Baum ist im Weg.

Er ist jetzt außer Sicht.

Ich habe ihn im Blick.

Das Schiff kommt in Sicht. (vgl. Lakoff/Johnson 1980:30)

3 Definition von Sportsprache

Zur Sportsprache zählt zum einen die Fachsprache mit ihren technischen Bezeichnungen für Abläufe und Regeln und zum anderen zählt das besondere Jargon der bestimmten Sportart und welchen sie entwickelt hat im Laufe der Zeit. Doch beide Arten lassen sich nicht ganz genau abgrenzen, sondern verschwimmen teilweise ineinander (vgl. Haubrich 1963:28).

Generell kann man festhalten: Sportsprache ist die Sprache, mit der über Sport gesprochen wird: Born und Lieber (2008) erarbeiteten beim 23. Deutschen Romanistentag gemeinsam zehn Merkmale, die versuchen, Sportsprache ansatzweise zu definieren. Es ist nicht möglich, diese Art von Sprache nur mit einem Charakteristikum zu beschreiben. Einige Faktoren spielen dabei eine beeinflussende und wichtige Rolle:

Wenn man nun von Sportsprache spricht, wird davon ausgegangen, dass diese eine Sprache ist, die von aktiven und passiven Sportanhängern beim Nachgehen von Sport oder in Gesprächen oder Texten über den Sport benutzt wird. Sie ist außerdem eine Sprache der individuellen sportlichen Disziplinen. Besser gesagt: Jede Sportart verfügt über eine ganz eigene Sprache und einen bestimmten Wortschatz. Obwohl die Sprachen der einzelnen Sportarten sehr differenziert sind, weisen alle Einzelsprache gemeinsame Züge und stereotype Benennungen auf. Ein besonderes Merkmal der sportlichen Einzelsprachen sind noch dazu die Terminologien aus unmissverständlichen und klaren technischen Bezeichnungen, die diese offiziellen Fachsprachen ausmachen.

Die meisten Sportdisziplinen besitzen einen eigenen Jargon beziehungsweise eine Fachsprache mit eigenen und speziellen Begriffen und Wendungen. Diese sind geprägt von unterschiedlichen Kommunikationsformen durch aktive Sportler und auch Zuschauer. Einen großen Einfluss auf die Prägung und die Verbreitung der Sportsprache übernehmen Sportjournalisten, Reporter, Kommentatoren sowie die neuen Medien. Dichotomie oder Zweiteilung, entweder schriftlich oder mündlich formuliert, prägt Sporttexte. Auch bestimmte diskurstypische Eigenschaften, das heißt, die mündliche oder schriftliche Erörterung zu einem Thema ist ausschlaggebend für die Sportsprache und deren Wirkung.

In unterschiedlichen Ländern werden verschiedene sprachliche Schwerpunkte gesetzt, die in ihrer Sportsprache besonders wichtig erscheinen oder anders beschrieben werden. Die Einflüsse aus fremden Sprachen und Kulturen in der jeweiligen Sportsprache und deren Teilbereichen sind unterschiedlich stark ausgeprägt. Das letzte Merkmal, das erarbeitet wurde, greift den diachronen Wandel beziehungsweise die historische Entwicklung auf, den die Sprache erfährt (vgl. Born 2009:14ff).

Küster hält fest, dass man es im Rahmen der verschiedenen Sportarten gleichzeitig mit unterschiedlichen Fachsprachen zu tun hat. Diese haben sich sowohl in mündlicher als auch schriftlicher Form manifestiert. Er unterteilt diese Sportsprache in vier Sprachebenen:

In erster Linie geht es den am sportlichen Geschehen Teilhabenden darum, die Abläufe der einzelnen Sportarten darzustellen. Die zweite Ebene hat die Kommunikation zwischen Sportlern untereinander oder Personen, die direkt am Sportgeschehen involviert sind, zum Gegenstand. In der dritten Ebene geht es um die Art und Weise, wie über das entsprechende sportliche Geschehen geredet und berichtet wird, auch von Sprachbeteiligten, die der betroffenen Sportart nicht selbst nachgehen. Und die vierte Ebene beschäftigt sich mit der Sprache der Fans. Die Sprache und deren Kommunikationsverhalten sind aufgrund gruppendynamischer Vorgänge und emotionaler Teilhabe am Geschehen durch viele passende Metaphern gekennzeichnet (vgl. Küster 2009:64).

4 Metaphern in der Sprache der Sportberichterstattung

In der Sportberichterstattung werden Metaphern immer mehr zum Einsatz gebracht, um Spannung, Überraschung und auch emotionale Effekte wiederzugeben und sportliche Wettkämpfe dementsprechend besonders lebhaft darzustellen. Es wird häufig mit Metaphern gearbeitet, die die Leser oder Zuhörer und Zuschauer mit Nervenkitzel verbinden (vgl. Schwarz-Friesel/Skirl 2007:82).

„So alt wie der Sport selbst, ist die Sprache um diesen herum. [...] [S]ie ist einem permanenten Wandel unterworfen.“ (Born 2009:11).

In letzter Zeit beeinflussen in erster Linie die Medien und ihre vielfältige Berichterstattung die Sportsprache. Eine Sprache, die immer grenzenloser und variantenreicher wird und kaum noch zu vergleichen ist mit der Sprache, die in den Anfängen des Sportes angewandt wurde, um den Spielverlauf oder Spielregeln zu kommentieren.

Überall wird sich heute über Fußball ausgetauscht. Auf den Fußballplätzen, auf denen das tatsächliche Spiel stattfindet, in den Fußballkabinen vor und nach den Partien. Was man außerdem nicht vergessen darf, sind die globalen Medien auf der ganzen Welt. In etlichen Bereichen der Gesellschaft, im Privatleben und zu Hause innerhalb der Familie und Freunde, am Arbeitsplatz unter Kollegen und auf Reisen mit Menschen anderer Kulturen hat sich Fußball zu einem unverzichtbaren Thema entwickelt. (vgl. Burkhardt 2006:8)

„Der Fußball ist das Basisthema der Freizeitgesellschaft geworden, das überall zur Verfügung steht, wenn andere Gesprächsthemen fehlen, und hat in dieser Funktion das Thema Wetter weitgehend ersetzt.“ (Burkhardt 2006:7).

Vor allem diejenigen, die beruflich mit der Sportberichterstattung zu tun haben, halten sich gezielt an die Sportsprache, um sportliche Ereignisse kreativ, spannend und interessant wiederzugeben und zu beschreiben. In diesem Kontext kann man auch auf die einfallsreichen Impulse und Gedanken der Reporter und Journalisten eingehen, wie beispielsweise Wortschöpfungen wie „Fußballgott“ oder „Fehlpass-Festival“, die sie aus ihrem Repertoire schöpfen. (vgl. Burkhardt 2006:8)

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Details

Seiten
17
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346090928
ISBN (Buch)
9783346090935
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v511453
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,7
Schlagworte
metaphern sportberichterstattung

Autor

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Titel: Metaphern in der Sportberichterstattung