Lade Inhalt...

Medien. Auslöser für Essstörungen?

Analyse der Darstellung von Ernährung und Körperidealen in der Castingshow Germany’s next Topmodel

Bachelorarbeit 2018 39 Seiten

Gesundheit - Ernährungswissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2 Schonheits- und Korperideale

3. Essstorungen
3.1 Anorexia nervosa
3.2 Bulimia nervosa
3.3 Verlauf und Folgen der Essstorungen
3.3.1 Psychische und soziale Folgen
3.3.2 Medizinische Folgen
3.4 Verbreitung und Haufigkeit
3.5 Ursachen fur Essstorungen
3.5.1 Biologisch-genetische Ursachen
3.5.2 Individuelle Ursachen
3.5.3 Familiare Ursachen
3.5.4 Soziokulturelle Ursachen
3.5.5 Gesellschaftliche Ursachen
3.6 Schutzfaktoren

4 Medien und Essstorungen

5. Germany’s next Topmodel
5.1 Faszination Castingshow
5.2 Darstellung des Korpers in der Castingshow
5.3 Darstellung von Ernahrung in der Castingshow
5.4 Darstellung der Personlichkeit in der Castingshow
5.5 Analyse und Auswirkungen

6. Zusammenhang zwischen Germany’s next Topmodel und Essstorungen

7. Erfahrungsberichte

8. PraventionsmaBnahmen

9. Fazit

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Korper- und Schonheitsideale werden in der heutigen Gesellschaft immer wichtiger. Es wird immer mehr nach Anerkennung und Gluck gestrebt. Perfektion, vor allem in Hinblick auf einen perfekten schlanken Korper, ist in der Gesellschaft das MaB aller Dinge und nach diesem Kriterium wird eine Person bewertet. Zunehmend spielen auch die Medien eine groBe Rolle. Das Leitbild, das ein junger, schlanker und attraktiver Korper erstrebenswert ist und als Synonym fur Erfolg und Gluck gilt, wird in den Medien gepragt. Durch Werbung und Sendungen wie Germany’s next Topmodel werden Schonheitsideale immer mehr auf das AuBerliche fokussiert und reduziert. Was ist aber wenn die verstarkte Zunahme der Relevanz von Perfektion, Korper, Aussehen, Gewicht und Emahrung im Lebensmittelpunkt, besonders von Jugendlichen, steht?

Die Folge konnte eine verzerrte Wahmehmung auf das Selbstbild sein, woraus wiederum ein gestortes Essverhalten resultieren kann. Eine weitere Frage, die sich stellt, ist, ob Medien automatisch als Ausloser fur Essstorungen gelten oder wie die Entstehung zu erklaren ist? Um diese Frage beantworten zu konnen muss erst verdeutlicht werden, was uberhaupt unter Idealen zu verstehen ist und welche Formen von Essstorungen es gibt. Daruber hinaus gehoren Sendungen wie Germany’s next Topmodel immer mehr zum Alltag von Jugendlichen, sie tauschen sich daruber aus, finden in der Sendung Vorbilder oder identifizieren sich mit den Charakteren. In solchen Sendungen gelten Merkmale wie Korper und dem zu Folge auch Emahrung als Bewertungskriterium. Der gesamte Fokus liegt auf dem auBerlichen Erscheinungsbild. Die Hauptfrage der Bachelorarbeit ist also:

Wie werden die Aspekte Emahrung und Korperideale in der Castingshow Germany’s next Topmodel dargestellt, welche Auswirkungen haben sie auf das Selbstbild und das Essverhalten von Madchen im Alter von 12 bis 22 Jahren und besteht ein Zusammenhang zwischen der Castingshow undEssstorungen?

Zum einen ist es das Ziel herauszufinden, welchen Stellenwert die Aspekte Korper und Emahrung in der Show haben und zum anderen gilt es zu analysieren welche Auswirkungen die vermittelten Darstellungen haben konnen. AbschlieBend soil herausgestellt werden, ob es einen Zusammenhang zwischen der Castingshow und der Entstehung von Essstorungen gibt und wennja wie tiefgreifend sie sind und in welcher Form der Zusammenhang sich darstellt.

Zur Bearbeitung dieser Frage werden zunachst die Themen Ideale und Essstorungen erlautert. Die Essstorungsformen Bulimie und Magersucht werden definiert. Die Symptomatik, der Verlauf und die Folgen werden ausfuhrlich dargestellt. Hinzukommt, dass auf die Verbreitung und die Haufigkeit der Essstorungen eingegangen wird und die Ansatze zur Entstehung werden zusammengefasst. Im anschlieBenden Kapitel wird der Fragestellung der Bachelorarbeit nachgegangen. Es wird erlautert, was unter der Castingshow Germany’s next Topmodel zu verstehen ist sowie die Faszination der Jugendlichen wird zusammengefasst dargestellt. Daraufhin erfolgen die Analyse der Darstellung von Ernahrung und den Korperidealen und die Auswirkungen sowie der Zusammenhang zwischen Germany‘s next Topmodel und Essstorungen. AbschlieBend werden Erfahrungen betroffener Jugendlicher dargestellt und PraventionsmaBnahmen, wie Essstorungen verhindert werden konnen, thematisiert.

Da es sich um ein sehr komplexes Thema handelt, wird in dieser Arbeit nur auf zwei Formen von Essstorungen eingegangen und die Ergebnisse werden nur auf Madchen undjungen Frauen bezogen.

2. Schonheits- und Korperideale

Schonheit ist ein abstrakter Begriff, der durch BewertungsmaBstabe beziehungsweise Bewertungsziele definiert wird und abhangig von gesellschaftlichen Normen ist (Schucklschweiger, 2015, S.4). Das Korperselbstbild, also die Wahmehmung und Bewertung des eigenen Korpers, ist nicht rein individuell gepragt, sondern von gesellschaftlichen Normen. Diese Normen drucken sich besonders in der Darstellung der Schonheits- und Korperideale durch Massenmedien, Werbung und Mode aus (Gugutzer 2005, S.329). Medial verbreitete Ideale konnen zu Beeintrachtigungen des Selbstwertgefuhls und psychischen Belastungen fuhren, welche sich im schlimmsten Fall in Essstorungen ausdrucken (Gransee, 2008, S.165). Warum lasst man sich von diesen gesellschaftlichen Idealen beeinflussen und warum strebt man genau nach diesen Idealen?

Die Auffassung von Korper laut Villas (2007, S.18f.) gilt als Darstellungsressource zur Selbstinszenierung oder Statussymbol, welches sich durch Sport und Diaten ausdruckt, mit dem Hintergedanke sich sozial zu positionieren und dadurch nach Anerkennung, Aufmerksamkeit und Wertschatzung zu streben (Degete, 2008, S.69). Schlankheit gilt als Synonym fur Attraktivitat und Erfolg, Dicksein hingegen fur Disziplin- und MaBlosigkeit, wodurch der Mensch beeinflussbar wird und nach dem Schlanksein strebt (Gransee, 2008, S.166). Medien pragen die gesellschaftliche Bedeutung attraktiver Korper zusatzlich, sodass weibliche Medienfiguren strengen Normierungen, im Hinblick auf Schlankheit und korperlicher Attraktivitat unterliegen. Im GroBteil der Werbespots werden korperliche Verschonerungen thematisiert. Daraus lasst sich erkennen, dass das Frauenbild in den Medien ein extrem korperzentriertes Bild ist (NeuB, GroBe-Loheide, 2007, S.42f.).

3. Essstorungen

Essstorungen gelten als psychosomatische Storungen, welche den Selbsthandlungsversuch beschreiben emotional unertragliche Zustande durch Essen oder Verweigerung der Nahrung zu kompensieren und eine Art der Bewaltigung massiver psychischer Probleme zu finden (Simchen, 2010, S.3). ,,Essen ist eines der Grundbedurfnisse des Menschen und eng mit Gefuhlsregelungen und sozialen Beziehungen verbunden“ (Reich, Gotz-Kuhne, Kilius, 2004, S.12).

Haufig erkranken Madchen wahrend der Pubertat an einer Essstorung. Sie beeintrachtigen die Lebensqualitat der Betroffenen erheblich und konnen lebensbedrohliche Auswirkungen haben. Es gibt eine vielfaltige Bandbreite unterschiedlicher Formen von Essstorungen (Gerlinghoff, Backmund, 2000, S.ll). Im Folgenden werden die Essstorungen Anorexia nervosa und Bulimia nervosa thematisiert.

3.1 Anorexia nervosa

Unter Anorexia nervosa ist die sogenannte Magersucht zu verstehen. Magersucht bedeutet, dass die Betroffenen unter standiger Angst leiden, an Gewicht zu zunehmen. Die Erkrankten sind ausschlieBlich mit dem Thema Essen beschaftigt. Anorexia nervosa fuhrt zu sehr starkem Untergewicht. Der BMI1 -Wert liegt bei 17,5 und niedriger. Die Betroffenen sehen selbst aber nicht wie dunn sie sind, sondern laut ihrer Selbstbeurteilung sehen sie sich immer noch als zu dick an. Magersuchtige weisen eine verzerrte Wahrnehmung auf und neigen zu einem zwanghaften Verhalten. Sie kontrollieren ihren Korper und ihr Gewicht mit Diaten, Kalorienzahlen und extremen Sport. Die Essstorung auBert sich darin, dass die Betroffenen die Nahrungsaufnahme verweigem und einen Ekel vor dem Essen entwickeln. Diese Entwicklung hat einen lebensbedrohlichen Zustand zur Folge. (Parpart, Krause, Valevici, Herholz, Gorskki, 2013, S.25ff; Simchen, 2010, S.32ff.).

3.2 Bulimia nervosa

Bulimia nervosa gilt als die Ess-Brechsucht und ist ebenso wie die Anorexia nervosa eine psychogene Essstorung. Bei der Essstorung werden exzessiv hohe Mengen an Nahrungsmitteln unkontrolliert in kurzester Zeit zu sich genommen. „Zentral ist dabei das Gefuhl, mit dem Essen nicht mehr aufhoren zu konnen, beinahe wie unter Zwang vorhandenes Essen zu sich zu nehmen zu mussen“ (Bieder, 2008, S.29). AnschlieBend erbrechen die Betroffenen, um das Normalgewicht zu halten und um Scham- und Schuldgefuhle los zu werden. Durch die Essanfalle verdrangen die Betroffenen die negativen Gefuhle und Ereignisse und es entsteht ein Moment des Verlusts der Selbstkontrolle. Jedoch kommen die verdrangten Gefuhle nach den Essattacken wieder hoch, sodass es zum Erbrechen kommt. Die Bulimie Erkrankten leiden dauerhaft unter psychischem Druck, streben nach Perfektion und Anerkennung. Augenscheinlich haben die Erkrankten ein normales Korpergewicht, aber sie leiden trotzdem unter der Angst dick zu werden. Dies ist auch der Grund, warum meist uber Jahre hinweg die Krankheit bei Freunden und Familie unentdeckt bleibt, da die Krankheit rein optisch nicht zu erkennen ist, anders als bei der Magersucht (Parpart et al., 2013, S.33f.; Simchen 2010, S.98ff.).

3.3 Verlauf und Folgen der Essstorungen

Bei Magersuchtigen ist eine anfangliche Euphorie zu erkennen. Wenn die Jugendlichen beginnen abzunehmen, sich gesunder zu emahren und Sport treiben, gelten sie in der Gesellschaft und in ihrem sozialen Umfeld als diszipliniert. Sie erhalten die Anerkennung von Freunden und Familie, welche sie in ihrem Handeln bestarken. Die Waage wird schnell zum Stimmungsbarometer. Wenn die Waage eine Abnahme anzeigt, haben die Betroffenen gute Laune. Wenn die Waage jedoch eine Zunahme oder Stagnation anzeigt, endet dies in Selbstvorwurfen und Selbsthass, da die Regel gebrochen beziehungsweise das Tagesziel nicht erreicht wurde. Die immer groBer werdende Beschaftigung mit Essen, Kalorien, Figur und Gewicht bestimmt mehr und mehr den Alltag der betroffenen Jugendlichen. Verabredungen zum Essen oder gemeinsame Mahlzeiten werden zum Beispiel zur Qual. Einkauf und Zubereitung der Mahlzeiten nehmen immer mehr Zeit in Anspruch. Das Zielgewicht wird mit fortschreitendem Krankheitsverlauf stetig nach unten korrigiert. Wenn das Umfeld sich Sorgen macht und Freunde und Verwandte nachfragen, erfmden die Magersuchtigen Ausreden und Lugen uber das Essverhalten, um den Schein zu wahren und das AusmaB herunterzuspielen, welches sie ohnehin nicht mehr realistisch wahrnehmen konnen. Samtliche Gedanken richten sich auf das Essen und die Angst dick zu werden ist allgegenwartig. Vielfach gehen die Essstorungen soweit, dass sie als Freundin angesehen wird, da die Betroffenen Halt, Kontrolle und Sicherheit durch sie erlangen. Es ist ein sehr langer Prozess, bis die Erkrankten sich eingestehen konnen, dass sie ein Problem haben, sich an eine Bezugsperson wenden und sich Hilfe suchen (Internationales Zentralinstitut fur das Jugend- und Bildungsfernsehen, 2016, S.40).

Bei der Bulimie hingegen verlauft der Krankheitsverlauf heimlich. Das Umfeld bemerkt nichts, da die Betroffenen ein Normalgewicht haben und keine Veranderung zu erkennen ist. Ebenso nehmen sie, anders als bei Anorexie Patienten, an gemeinsamen Mahlzeiten teil. Mit zunehmendem Krankheitsbild kann das Erbrechen vollig lautlos erfolgen, sodass auch hier nichts nach auBen scheint. Viele Erkrankte beschreiben einen Ekel vor sich selbst und haben starke Scham- und Schuldgefuhle. Unehrlichkeit und Heimlichkeit erschwert es sich anderen zu offnen und sich Hilfe zu holen. Ahnlich wie bei der Magersucht ist es ein langer Prozess, bis die Erkenntnis eintrifft und sie bereit sind sich Hilfe zu holen (Internationales Zentralinstitut fur das Jugend- und Bildungsfernsehen, 2016, S.40).

3.3.1 Psychische und soziale Folgen

Neben Schuldgefuhlen treten starke Selbstzweifel und Selbsthass auf, wenn sich die Betroffenen als wenig diszipliniert definieren, sobaid sie ihr Gewichtsziel nicht erreicht haben. Essstorungen gehen oft auch mit weiteren psychischen Storungen, wie Depressionen, Angststorungen oder Zwangsstorungen einher. Wenn die Erkrankten nach einer Therapie einen Ruckfall erleiden, scheinen die Ziele unerreichbar, der Druck wird noch groBer und sie suchen einen anderen Ausweg, das Problem bewaltigen zu konnen. Den Ausweg finden sie in Selbstverletzung oder sogar Suizid.

Die Bewaltigung der Essstorungen ist ein langer schwieriger Prozess. Meist braucht er viele Jahre und mehrere Behandlungsversuche. Durch die lange Behandlungsdauer kommt es in vielen Fallen zum Verlust von Freundschaften und Unterbrechung von Schule oder Ausbildung, welches ebenfalls einen zusatzlichen negativen Einfluss auf die Betroffenen haben kann und nicht forderlich fur die Bewaltigung der Essstorungen ist (Parpart et al., 2013, S.27ff; Bundeszentrale fur gesundheitliche Aufklarung, 2018, o.S.).

3.3.2 Medizinische Folgen

Essstorungen, wie Magersucht und Bulimie, haben nicht nur psychische und soziale Folgen, sondern auch gravierende medizinische Konsequenzen, die lebensbedrohlich enden konnen. Bei der Magersucht konnen Osteoporose und Unfruchtbarkeit die Folge sein. Auch die Hirnentwicklung kann beeintrachtigt werden sowie kann es zu Nierenversagen und Herzrhythmusstorungen kommen, verursacht durch die Mangelemahrung.

Bei der Bulimie kann es ebenfalls zu Nierenversagen und Herzrhythmusstorungen kommen. Das regelmabige Erbrechen geht nicht spurlos an dem Korper vorbei. Zahnschaden und Zahnausfall sowie Risse der Speiserohre und Magendurchbruch konnen die Folge sein. Die genannten medizinischen Folgen konnen das Leben der Erkrankten erheblich bedrohen. Essstorungen gelten als die gefahrlichsten psychischen Erkrankungen von Kindem und Jugendlichen (Bundeszentrale fur gesundheitliche Aufklarung, 2014, o.S.).

3.4 Verbreitung und Haufigkeit

Nachdem die Essstorungen an sich, deren Symptomatik, der Verlauf und die Folgen genauer erlautert wurden, sollen nun die Verbreitung und die Haufigkeit thematisiert werden. Sind Essstorungen eigentlich typisch weiblich? In welchem Alter erkrankt man am haufigsten an dieser Krankheit?

Das Risiko einer Erkrankung ist nicht gleich verteilt, sondern hangt von Geschlecht und Alter ab. Allerdings treten Essstorungen, wie Anorexia nervosa und Bulimia nervosa, vor allem bei Madchen und jungen Frauen auf (Franke, 2001, S.357). 90% der Betroffenen Anorexia nervosa Erkrankten und 85% der Bulimie Erkrankten sind weiblich (Biedert, 2008, S.14-33). Essstorungen zahlen bei Kindern und Jugendlichen als haufigstes chronisches Gesundheitsproblem (Robert-Koch-Institut, 2007, S. 794).

Bei der Anorexia nervosa liegt das Durchschnittsalter bei den Erkrankten bei circa 17 Jahren. Die beiden Hohepunkte des Krankheitsbeginns liegen zum einen bei 14 Jahren und zum anderen bei 18 Jahren. In diesen Altersstufen bricht die Erkrankung Anorexia nervosa am haufigsten aus. Der gesamte Entwicklungsbereich der Krankheit liegt zwischen 14 und 24 Jahren. Bei Bulimia nervosa liegt das Durchschnittsalter der Erkrankung bei 22 Jahren. Die Hohepunkte der Ersterkrankung liegen bei 16 und 19 Jahren (Tuschen-Caffier, Hilbert, Pook, 2005, S.17).

3.5 Ursachen fur Essstorungen

Essstorungen sind nicht nur durch ein Problem mit dem Essen zu erklaren, sondern die Ursachen setzen sich aus einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren zusammen. „Essstorungen sind in keinem Fall auf nur eine Ursache zuruckzufuhren, daruber ist sich bis heute die Forschung einig [...] Modeme Vorstellungen schlieben gesellschaftliche, soziokulturelle, familiendynamische und personlichkeitspezifische Faktoren ein“ (Stahr, Barb-Priebe, Schulz, 2007, S.53). Im Folgenden werden die genetisch-biologischen, individuellen, familiaren, soziokulturellen und gesellschaftlichen Ursachen fur Essstorungen geschildert.

3.5.1 Biologisch-genetische Ursachen

Eine genetische Predisposition2 kann die Anfalligkeit fur Essstorungen erhohen (Zitt, 2008, S181). Zum einen kann davon ausgegangen werden, dass die Veranlagung fur Essstorungen vererbbar ist. Zum anderen konnen aber auch Hormone, Neurotransmitter oder Komplikationen wahrend der Schwangerschaft Einfluss auf die Entstehung von Essstorungen haben. Meist ist aber auch das Gewicht individuell biologisch festgelegt und lasst sich nur schwer verandern. Demzufolge entsteht eine Korperunzufriedenheit und daraus kann ein gestortes Essverhalten resultieren (Stahr et al., 2007, S.57).

3.5.2 Individuelle Ursachen

Spezielle Charaktereigenschaften und ein geringes Selbstwertgefuhl konnen Essstorungen begunstigen. In Bezug auf Figur und Gewicht herrscht ein starker Vergleich. Die Jugendlichen sehnen sich nach Schlankheit und Attraktivitat, in der Hoffnung Anerkennung und Aufmerksamkeit zu bekommen. Bei Magersuchtigen herrscht ein hohes MaB an Perfektionismus. Sowohl in der Schule, auf der Arbeit, als auch in Bezug auf ihren Korper streben sie stets nach Bestleistungen. Eine verminderte Stresstoleranz sowie ein traumatisches Erlebnis oder Berufe mit Gewichtsvorgaben konnen Ursachen fur Essstorungen sein. Traumatische Erlebnisse sind oft sehr schwer zu verarbeiten und Jugendliche suchen einen Ausweg diese bewaltigen zu konnen. Berufe mit Gewichtsvorgaben konnen ebenso einschneidend in der Entwicklung der Jugendlichen sein. Zum Beispiel bei den Berufen Model oder Flugbegleiterin herrschen strickte Vorgaben, wie das Aussehen sein muss. Dieses schrankt Jugendliche ein und lasst sie an sich selbst zweifeln (Internationales Zentralinstitut fur das Jugend- und Bildungsfernsehen, 2016, S.29).

3.5.3 Familiare Ursachen

Ein gestortes familiares Interaktionsmuster sowie Kommunikation innerhalb der Familie, wie zum Beispiel geringer elterlicher Kontakt, hohe Erwartungen an die Kinder oder geringe Kohasion3, kann Essstorungen bei Kindern bedingen (Jacobi, Paul, Thiel, 2004, S.24). Ebenso kann auch die elterliche Einstellung zur Figur, Essen und Gewicht ein gestortes Essverhalten bei den Kindem hervorrufen. Meist haben die Mutter von betroffenen Tochtern mit Essstorungen selber eine gestorte Einstellung zu Korper und Ernahrung (Tauschen et al., 2005, S.22; Zitt, 2008, S. 183).

Des Weiteren konnen Wechselwirkungen zwischen dem Ernahrungsstil und anderen Merkmalen des elterlichen Verhaltens, wie zum Beispiel Uberbehutung, zur Problematik zum Essverhalten fuhren. Nach auBen ist ein harmonisches Familienbild zu sehen. Tatsachlich herrscht aber eine starke Abhangigkeit beziehungsweise ein Mangel an Privatsphare. Dies hat zur Folge, dass die Personlichkeitsentwicklung des Individuums beeintrachtigt wird und zu einer falschlichen Selbstwahrnehmung und Beeinflussung der Selbstentfaltung fuhrt. (Taschen-Chauffier et al., 2005, S. 22; Stahr et al., 2007, S.65). Hinzu konnen haufige Kommentare uber Gewicht und Ernahrung sowie Kritik uber Aussehen und Figur seitens der Eltern gegenuber dem Kind zu einem gestorten Bezug zu Essen und Gewicht fuhren.

[...]


1 Unter dem BMI wird der sogenannte Body-Mass-Index verstanden, der eine Mabzahl fur die Bewertung des Korpergewichts in Relation zu der Korpergrobe eines Menschen angibt. Der Wert fur ein Normalgewicht liegt zwischen 18,5 und <25. Die Formel lautet: BMI=(kg)/(mA2) (Hiber&Baldus, 2009, S.17).

2 Unter Predisposition wird die ausgepragte Anfalligkeit fur bestimmte Krankheiten verstanden (Sonntag, 2008, S.7).

3 Unter Kohasion ist das Gemeinschaftsgefuhl beziehungsweise der innere Zusammenhalt einer Gruppe zu verstehen (Laumer&Niedermayer, 2003, S. 29).

Details

Seiten
39
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346123244
ISBN (Buch)
9783346123251
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v511340
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
Schlagworte
medien castingshow körperidealen ernährung darstellung analyse essstörungen auslöser topmodel

Autor

Zurück

Titel: Medien. Auslöser für Essstörungen?