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Qualitative Forschung

Hausarbeit 2005 19 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Geschichte und theoretische Hintergründe qualitativer Forschung
1.1 Entwicklungsgeschichte
1.2 Theoretische Hintergründe - Das interpretative Paradigma

2. Grundannahmen und Kennzeichen qualitativer Forschung

3. Methoden der Datenerhebung in der qualitativen Forschung
3.1 Befragungsmethoden
3.1.1 Das Narrative Interview
3.1.2 Das Problemzentrierte Interview
3.1.3 Das Leitfadeninterview
3.1.4 Gruppendiskussionsverfahren
3.2 Beobachtungsverfahren
3.2.1 Teilnehmende Beobachtung
3.2.2 Nichtteilnehmende Beobachtung
3.3 Nichtreaktive Verfahren

4. Kritik an qualitativer Forschung

5. Gütekriterien qualitativer Forschung
5.1 Klassische Gütekriterien
5.2 Kriterien der qualitativen Forschung

Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Qualitative Forschung ist „eine der methodischen Säulen in der empirischen Sozialforschung“[1]. Es existiert jedoch keine „feste, allgemeingültige oder verbindliche Bestimmung“[2] über das Verständnis qualitativer Forschung. Sie umfasst vielmehr eine Reihe von verschiedenen Methodologien und Forschungsverfahren.

Qualitative Forschung geht davon aus, dass jede menschliche Handlung eine bestimmte Bedeutung für die betroffene Person besitzt und aufgrund dieser Bedeutung gehandelt wird. Sie setzt sich als Ziel, diese Bedeutung sozialen Handelns herauszufinden. Zu ihren Aufgaben gehört daher auch die Untersuchung von Lebenswelten in den verschiedenen alltäglichen Bereichen[3].

Die qualitative Forschung hat vor allem durch die Entwicklung eigener Forschungsmethoden in den 1980er Jahren an Bedeutung gewonnen.

Methoden[4] dienen einerseits dazu Wege aufzuzeigen, um ein Ziel zu erreichen, andererseits dazu Erkenntnisse zu gewinnen. Sie umfassen ein „System von Regeln, das einen [...] nachvollziehbaren Zugang zur sozialen Wirklichkeit sicherstellen soll“[5]. Zu den wichtigsten Forschungsmethoden in der qualitativen Forschung gehören die Befragung und die Beobachtung.

Im Rahmen dieser Hausarbeit werde ich zu Beginn einen kurzen Überblick über die Entwicklung, die theoretischen Hintergründe, die Kennzeichen und Grundannahmen qualitativer Forschung geben. Im weiteren Verlauf werde ich mit den unterschiedlichen Formen der Befragung und der Beobachtung wichtige Methoden der Datenerhebung qualitativer Forschung vorstellen. Über die Kritik an qualitativen Verfahren werde ich dann anschließend zu den Gütekriterien kommen. Wobei zuerst die klassischen Kriterien erläutert werden und anschließend die für die qualitative Forschung neu definierten Kriterien dargestellt werden. Diese ermöglichen es der qualitativen Forschung eine feste Stellung „in der Landschaft der empirischen Sozialforschung“[6] einzunehmen.

1. Geschichte und theoretische Hintergründe qualitativer Forschung

1.1 Entwicklungsgeschichte

In Deutschland setzte die Diskussion um qualitative Forschung Mitte der 1970er Jahre ein. Anfänge qualitativer Denkweisen können in der Pädagogik jedoch schon im 18. Jahrhundert bei Trapp und Niemeyer ausgemacht werden. Schon sie betonten die „Bedeutung biographischer und ethnographischer Ansätze für eine Theorie und Praxis der Erziehung“[7]. Es ist also nicht neu, dass Lebensläufe, Biographien und das Beobachten, welches ein wichtiges Datenerhebungsverfahren qualitativer Forschung darstellt, die „empirischen Grundlagen“[8] in der Pädagogik bilden.

Durch die Entwicklung biographischer Methoden in der Psychologie und der Pädagogik kam es in den 1920er Jahren zu einem Aufschwung qualitativer Forschung in Deutschland. Dennoch war die geisteswissenschaftliche Pädagogik Anfang des 20. Jahrhunderts die dominierende pädagogische Richtung und bestimmte mit ihren unterschiedlich ausgeprägten hermeneutischen Methoden bis in die 1960er Jahre das Denken der Erziehungswissenschaften[9].

In den 1950er Jahren entwickelten sich, zuerst in den USA und England dann auch in Deutschland, empirisch-quantitative Verfahren, die schon einige Jahre später das Verständnis der Erziehungswissenschaften bestimmten[10].

Unter Hervorhebung der fehlenden Praxisrelevanz der quantitativen Verfahren kam, zuerst in der amerikanischen Soziologie, Anfang der 1970er Jahre die Kritik an quantitativen Methoden auf[11].

Auch in Deutschland setzten kurz darauf die Diskussionen um eine Wiederbelebung der qualitativen Forschung ein. Es wurden Versuche unternommen um qualitative, in Abgrenzung von quantitativen Verfahren zu etablieren[12]. Dieses Umdenken von quantitativen hin zu qualitativen Vorgehensweisen bezeichnet Mayring als „Qualitative Wende“[13]. Anzeichen dafür sieht er zum einen in der Weiterentwicklung der Biografieforschung, die ein immer wichtiger werdendes Feld qualitativer Analyse wurde.

Zum anderen in der Formulierung des interpretativen Paradigmas nach P. Wilson. Hierbei bezog man sich auf den Symbolischen Interaktionismus und die Ethnomethodologie[14].

In den 1970er und 1980er Jahren drehten sich die Diskussionen hauptsächlich um die Angemessenheit und die Vor- und Nachteile quantitativer bzw. qualitativer Forschung. Beide Ansätze wurden gegenübergestellt und durch „Gegensatzpaare wie flexibel - fixiert, konkret - abstrakt, subjektiv - objektiv gekennzeichnet“[15].

Durch die Veröffentlichung von Publikationen und Handbüchern, aber vor allem durch die Entwicklung eigener Forschungsmethoden, besonders zu nennen sind das Narrative Interview von Fritz Schütze und die Objektive Hermeneutik von Ulrich Oevermann, gewann die qualitative Forschung Anfang der 1980er Jahre an Bedeutung[16].

Seit Mitte der 1990er Jahre wurden qualitative Verfahren nicht mehr in Konkurrenz zu quantitativen Methoden gesehen. Vielmehr wurde versucht beide Ansätze miteinander zu verbinden. Dies hat sich in der Praxis als sinnvoll erwiesen, um verschiedene Ebenen von Situationen und deren Bedeutungen in ihrer Komplexität erfassen und untersuchen zu können[17]. So werden heute beispielsweise qualitativ erhobene Interviews mit Fragebogenuntersuchungen ergänzt[18].

Es lässt sich nicht pauschal sagen, welches der beiden Konzepte, quantitativ oder qualitativ, sich besser eignet. Die Entscheidung muss abhängig von der jeweiligen Fragestellung und dem Untersuchungsgegenstandes getroffen werden[19].

Mittlerweile hat sich die qualitative Forschung zu einer „der methodischen Säulen in der empirischen Sozialforschung“[20] mit eigenen Methoden und einem umfangreichen Anwendungsgebiet entwickelt.

1.2 Theoretische Hintergründe - Das interpretative Paradigma

Als ausschlaggebend für das Durchsetzen der qualitativen Verfahren in den 1970er Jahren in Deutschland sieht Mayring vor allem die Forderung eines „interpretativen Paradigmas als forschungsleitendes Denkmodell“[21].

Paradigmen zeichnen sich durch Ähnlichkeiten oder Gemeinsamkeiten innerhalb einer wissenschaftlichen Gruppe aus.

Übereinstimmungen können beispielsweise in der Ausbildung, der Meinung bei bestimmten Themengebieten, den vorhandenen Problemen mit anderen Forschern und Gruppen, aber auch bei gemeinsamen „symbolischen Verallgemeinerungen“[22] liegen.

Grundgedanke des interpretativen Paradigma, welches von Thomas P. Wilson in Abgrenzung zum normativen Paradigma formuliert wurde, ist nicht, dass Menschen aufgrund gesellschaftlich vorgegebener Rollen oder Normen handeln, sondern dass aufgrund der Bedeutung die der Einzelne der jeweiligen Situation zuschreibt die individuellen Handlungen bestimmt werden.

Was wird von ihm erwartet? Welche Handlungsmöglichkeiten hat er selbst unter Berücksichtigung seines sozialen Hintergrundes? Welche Rolle wird ihm von anderen zugeschrieben?[23] Auf der Grundlage dieser Fragen und deren individueller Interpretation bestimmt der Einzelne sein Handeln. Soziale Interaktionen sind somit „nicht als Reiz-Reaktions-Abfolge zu verstehen […] sondern als interpretativer Prozess“[24]. Die Bedeutung der Situation für den Einzelnen gilt es in erster Linie herauszufinden, zu deuten, zu verstehen und zu erklären.

Die qualitative Forschung bezieht sich in ihren Ansätzen auf verschiedene Richtungen, insbesondere auf die Hermeneutik, den Symbolischen Interaktionismus und die Ethnomethodologie[25].

Die Hermeneutik ist ein Verfahren der Textanalyse und wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von Wilhelm Dilthey als wichtigste Methode der geisteswissenschaftlichen Pädagogik bestimmt. Wichtig dabei ist der „hermeneutische Zirkel“[26].

Dieser nimmt an, dass jeder Mensch mit einem gewissen Vorverständnis an den jeweiligen Text oder die Situation herangeht, mit dem er dies verstehen kann. Dieses schon vorhandene Verständnis wird als vorläufig angesehen und immer wieder verstärkt oder korrigiert. So kommt es wiederholt zu einer Vertiefungen und Erweiterung des ersten Verständnisses. Dieses erweiterte Verständnis hilft wiederum bei dem Herangehen und dem Verstehen des nächsten Textes. Bei jeder weiteren Textanalyse wird der Vorgang wiederholt und das Verständnis immer wieder vertieft und erweitert[27].

[...]


[1] STEINKE, Ines: Kriterien qualitativer Forschung. Ansätze zur Bewertung qualitativer empirischer Sozialforschung. Weinheim, München 1999. S. 9.

[2] Ebd., S. 15.

[3] KRÜGER, Heinz-H.: Einführung in Theorien und Methoden der Erziehungswissenschaft. Opladen 1997. S. 202.

[4] vom griech. Wort methodos (deutsch: Entlanggehen eines Weges). Vgl. KRÜGER, Heinz-H. 1997. S. 177.

[5] KRÜGER, Heinz-H. 1997. S. 177.

[6] STEINKE, Ines. 1999. S. 10.

[7] KRÜGER, Heinz-H. 1997. S. 202.

[8] Ebd.

[9] Vgl. Ebd.

[10] vgl. MAYRING, Philipp: Einführung in die Qualitative Sozialforschung. Eine Anleitung zu qualitativem Denken. Weinheim und Basel 20025. S. 17.

[11] FlicK, Uwe: Qualitative Forschung. Theorie, Methoden, Anwendung in Psychologie und Sozialwissenschaften. Hamburg 1995. S. 17.

[12] KÖnig, Eckard / ZEDLER, Peter. Theorien der Erziehungswissenschaft. Einführung in Grundlagen, Methoden und praktische Konsequenzen. Weinheim und Basel 20022. S.155.

[13] MAYRING, Philipp: Einführung in die Qualitative Sozialforschung. 20025. S. 9.

[14] siehe Kapitel 1.2 vgl. MAYRING, Philipp: Eine Anleitung zu qualitativem Denken. 20025. S. 10.

[15] KÖnig, Eckard/ ZEDLER, Peter. 20022. S.155.

[16] FlicK, Uwe. 1995. S. 18.

[17] KRÜGER, Heinz-H. 1997. S. 220.

[18] KÖnig, Eckard/ ZEDLER, Peter. 20022. S. 155.

[19] Ebd., S. 169.

[20] STEINKE, Ines. 1999. S. 9.

[21] MAYRING, Philipp: Einführung in die Qualitative Sozialforschung. 20025. S. 9f.

[22] KÖnig, Eckard/ ZEDLER, Peter. 20022. S. 212.

[23] Vgl. MAYRING, Philipp: Einführung in die Qualitative Sozialforschung. 20025. S. 10.

[24] MAYRING, Philipp: Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. Weinheim und Basel 20038. S. 30.

[25] Ebd., S. 29f.

[26] KÖnig, Eckard/ ZEDLER, Peter. 20022. S. 89.

[27] Ebd.

Details

Seiten
19
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638471077
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v51036
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,0
Schlagworte
Qualitative Forschung

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