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Helfersyndrom bei Pflegekräften. Ein potenzieller Vorbote für ein Burnout?

Bachelorarbeit 2015 78 Seiten

Gesundheit - Pflegewissenschaft - Pflegemanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der aktuelle Stand der Forschung

3 Die Terminologie und Begriffsabgrenzungen
3.1 Die Gesundheit
3.2 Die Krankheit
3.3 Das Helfersyndrom
3.3.1 Die Entstehung des Helfersyndroms
3.3.2 Die fünf Komponenten des Helfersyndroms
3.3.3 Das abgelehnte Kind
3.3.4 Die Identifizierung mit dem Über-Ich (Ich-Ideal, Größenselbst)
3.3.5 Die narzisstische Unersättlichkeit
3.3.6 Die Vermeidung von Gegenseitigkeit
3.3.7 Die indirekte Aggression
3.4 Das Burnout
3.4.1 Die Definitionen von Burnout
3.4.2 Das Burnout als Diagnose
3.4.3 Die Auslöser für Burnout
3.4.4 Die Symptome eines Burnouts
3.4.5 Die Phasen des Burnouts
3.4.6 Der Abgrenzungsbereich eines Burnouts zur Depression

4 Die Pflege
4.1 Die Definitionen von Pflege
4.2 Die geschichtliche Entwicklung der Pflege
4.3 Die verschiedenen Pflegebereiche
4.3.1 Die Intensivpflege
4.3.2 Die Altenpflege
4.3.3 Die Palliativpflege

5 Die Empirische Untersuchung
5.1 Die Wahl der Erhebungsmethode
5.2 Der Fragebogen
5.3 Die Duchführung der Erhebung
5.4 Die Auwertung der Daten
5.4.1 Die allgemeinen Angaben
5.4.2 Das Helfersyndrom
5.4.3 Das Burnout
5.4.4 Die offenen Fragen

6 Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Anhangsverzeichnis

Bibliografische Angaben

Nachname, Vorname: Becker, Sebastian

Helfersyndrom bei Pflegekräften – Ein potenzieller Vorbote für ein Burnout? Helper syndrome with caregivers – A potential harbinger for burnout?

48 Seiten, Hochschule Mittweida, University of Applied Sciences, Fakultät Medien, Bachelorarbeit, 2015

Abstract

Das Helfersyndrom bei Pflegekräften kann zu einer großen Gefahr für die Pfleger wer- den. In dieser Arbeit wird untersucht, ob die Pflegekräfte einen Bezug zwischen dem Helfersyndrom und einer darauffolgenden Erkrankung an einem Burnout sehen. Die theoretische Beantwortung der Fragestellung erfolgt auf der Grundlage und Auswer- tung entsprechender Fachliteratur. Als empirische Untersuchungsform wurde eine quantitative Befragung von Mitarbeitern anhand von Fragebögen durchgeführt. Die Auswertung der Befragung wies auf, dass die Pflegekräfte bereits über ein breitgefä- chertes Wissen bezüglich des Helfersyndroms und des Burnouts verfügen. Als For- schungsresultat der Bachelorthesis zeigte sich, dass die Mehrheit der Pflegekräfte das Helfersyndrom als einen potenziellen Vorboten für ein Burnout sieht.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: 12-Phasenmodell nach FREUDENBERGER/NORTH

Abbildung 2: Geschlecht

Abbildung 3: Altersgruppen

Abbildung 4: Berufliche Qualifikation

Abbildung 5: Helfersyndrom 1.1

Abbildung 6: Helfersyndrom 1.2

Abbildung 7: Burnout 1.1

Abbildung 8: Burnout 1.2

Abbildung 9: Burnout 1.3

Abbildung 10: Burnout 1.4

Abbildung 11: Persönliche Einschätzung 1.1

Abbildung 12: Persönliche Einschätzung 1.2

Abbildung 13: Helfersyndrom 1.3

Abbildung 14: Helfersyndrom 1.4

Abbildung 15: Helfersyndrom 1.5

Abbildung 16: Äußere und innere Faktoren

Abbildung 17: Burnout 1.5

Abbildung 18: Persönliche Einschätzung 1.3

Abbildung 19: Persönliche Einschätzung 1.4

Abbildung 20: Persönliche Einschätzung 1.5

Abbildung 21: Berufliche Qualifikation – Vergleich der Antworten in Prozentangaben

1 Einleitung

Die kranken Schwestern

„ In einem Dorf, in welchem es weder einen Arzt noch ein Spital gab, wur- den vor langer Zeit zwei Schwestern gleichzeitig krank, und da sie keine Angehörigen mehr hatten, blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich gegen- seitig zu pflegen. An einem Tag machte zum Beispiel die erste den Tee und die zweite die Umschläge, und am nächsten Tag umgekehrt. Sie wur- den zwar nicht richtig gesund, blieben aber doch am Leben.

Später wurde ein Bauer im Dorf krank, und niemand wusste, was ihm fehl- te. Fragt doch die kranken Schwestern, sagte plötzlich der Schmied. Darauf holte man die kranken Schwestern zu diesem Bauer, und sie bleiben bei ihm und machten ihm Tee und Umschläge, und schon nach kurzer Zeit war er wieder gesund und konnte aufs Feld gehen.

Von jetzt an fragte man immer, wenn jemand im Dorf krank wurde, die kranken Schwestern um Hilfe, und sie kamen und pflegten den Kranken. Das gab ihnen so viel zu tun, dass sie gar nicht merkten, dass sie eigent- lich krank waren, und ihr Ruf verbreitete sich so weit, dass man die Frauen, welche die Kranken pflegen, noch heute die Krankenschwestern nennt, obwohl sie weder Schwestern noch krank sind, wenigstens die meisten von ihnen.“ 1

Diese Geschichte versinnbildlicht, dass durch den eigentlich gutgemeinten Gedanken des Helfens auch ein Teufelskreis entstehen kann. Dieser Teufelskreis kann durch die große Aufopferung der Pflegekraft dem Hilfsbedürftigen gegenüber hervorgerufen wer- den. Der Hilfsbedürftige bekommt die ganze Aufmerksamkeit der Pflegekraft gewidmet, die sich dadurch ihre Bestätigung einholt, und aufgrund der geschuldeten Sucht da- nach, anfängt sich selbst zu vernachlässigen.

Zu dieser Thematik wird in der vorliegenden Arbeit untersucht, ob die Pflegekräfte das Helfersyndrom als einen potenziellen Vorboten für ein Burnout sehen.

Der Aufbau der Arbeit ist wie folgt: Nach der Einleitung wird der aktuelle Stand der For- schung vorgestellt. Darauf folgt das Kapitel der Terminologie mit einer Begriffsabgren- zung als theoretischer Grundlage. In diesem Kapitel wird im Schwerpunkt die Thematik des Helfersyndroms und des Burnouts aufgeführt. Zusätzlich werden die wichtigsten Begriffe als Voraussetzung für die weitere Arbeit erläutert und verschiedene Probleme bei den Definitionen thematisiert. Daran anschließend wird im nächsten Abschnitt der Begriff der Pflege behandelt und auf die verschiedenen Definitionen, die geschichtliche Entwicklung sowie die verschiedenen Pflegebereiche eingegangen. Das Kapitel fünf beinhaltet die empirische Untersuchung. Es werden die Wahl der Erhebungsmethode, die Durchführung und die Auswertung der Ergebnisse beschrieben. Abschließend er- folgen eine Zusammenfassung mit einer Interpretation der Ergebnisse und anschlie- ßendem Fazit.

2 Der aktuelle Stand der Forschung

Zur Einzelthematik des Burnouts bestehen mittlerweile viele Studien und Statistiken; allein das Statistik-Portal Statista weist eine Anzahl von 129 Statistiken auf, die im Zu- sammenhang mit Burnout stehen.2 Ein Grund dafür können die Krankenkassen und der Bund sein, die bemerkt haben, wie groß die Gefahr und die damit im Nachhinein entstehenden Kosten durch ein Burnout sein können, und wieviel Geld sich durch ein umfassendes Wissen darüber einsparen lassen könnte. Der aktuelle Forschungsstand bezüglich der Kausalität, durch das Helfersyndrom einen Burnout zu erleiden, ist hin- gegen sehr spärlich. Eine genaue und explizite Bestätigung oder einen Nachweis, dass das Helfersyndrom zu einem Burnout führt wird in der Fachliteratur nicht aufgeführt. WARMBRUNN/WIED schreiben, dass bei Helfersyndromals„MöglicheFolge:u.a. Burnout-Syndrom“3 sein kann. ELSÄSSER/SAUER beschreiben zwar auch eine Kann- Situation, gehen aber noch einen Schritt weiter, indem Sie behaupten „Helfenansich ist natürlich nichts Schlechtes, doch kann der Zwang zu helfen auch eine Gefahr dar- stellend, iemiBt urnouitnVerbindungstehenkann.“ 4 Hier ist zu erkennen, dass der Zusammenhang zwischen dem Helfersyndrom und einem Burnout als Folge ernster gesehen wird, da das Wort Gefahr verwendet wurde. EKERT/EKERT schreiben in ih- rem Lehr-, Lern- und Arbeitsbuch:

„ In PflegeberufenarbeitenvieleMensch enuntesr chwierig enBedingungen. Dennoch entwickeln nicht alle ein Burnout-Syndrom. Ausschlaggebend da- für, ob es dazu kommt, ist auch die Persönlichkeitsstruktur des Einzelnen. Es gibt bestimmte Persönlichkeitseigenschaften, die – wenn sie zusam- mentreffen – eine erhöhte Burnout-Gefährdungdarstellen.“ 5

Abschließend ist es ersichtlich, dass EKERT/EKERT der gleichen Ansicht sind wie ELSÄSSER/SAUER: von einem Helfersyndrom geht eine erhöhte Gefährdung aus ein Burnout zu erleiden.

3 Die Terminologie und Begriffsabgrenzungen

Damit ein einheitliches Verständnis zwischen dem Verfasser dieser Bachelorarbeit und dem Leser entsteht, werden in diesem Kapitel verschiedene Definitionen der wichtigs- ten Begriffe vorgestellt.

3.1 Die Gesundheit

Es ist vorstellbar, dass jeder Mensch die eigene Gesundheit anstrebt und auch auf- rechterhalten möchte. Doch der Begriff der Gesundheit ist sehr vielseitig und es lässt sich vermuten, dass Gesundheit für jeden Menschen etwas anderes bedeutet und es daher aller Wahrscheinlichkeit nach unzählige Definitionen von Gesundheit geben würde. BLOCH schreibt über die Gesundheit wie folgt:

„ Gesundheiitset inschwankenderBegr iffw, ennnichut nmittelbarmediz i- nisch, so sozial. Gesundheit ist überhaupt nicht nur ein medizinischer, son- dern überwiegend ein gesellschaftlicher Begriff. Gesundheit wiederherstellen, heißt in Wahrheit: den Kranken zu jener Art von Gesund- heit bringen, die in der jeweiligen Gesellschaft die jeweils anerkannte ist, ja indeGr esellschafstelbset rsgt ebildewt urde.“ 6

BLOCH zeigt dadurch, dass Gesundheit nicht nur durch das eigene Empfinden geprägt sein kann, sondern auch durch die Ansicht der Gesellschaft. Es gibt viele unterschied- liche Gesellschaften und Kulturen mit eigenen Ansichten, Normen und Werten. Diese Unterschiede stellen die Schwierigkeit dar, eine einheitliche Definition von Gesundheit zu finden, die auf alle Menschen zutrifft. Auch SCHIPPERGES sagte, dass der Begriff Gesundheit nicht zu definieren sei, es sei „eineEinstellungk, einZustands, ondernein Habitus.“7

Die World Health Organization (Kurzform: WHO) beschreibt im Jahr 1946 den Begriff der Gesundheit mit folgenden Worten:„GesundheitisteinZustandvölligenpsych i- schen, physischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krank- heit und Gebrechen."8 Im Allgemeinen betrachtet bietet diese Definition schon eine sehr gute Basis für eine weitere Entwicklung. Als Kritikpunkt kann jedoch die Formulie- rung des völligen genannt werden. Der Verfasser ist der Ansicht, dass dieser völlige Zustand aller drei genannten Faktoren von psychischem, physischen und sozialen Wohlbefinden sehr schwer zu erlangen ist. Des Weiteren führt die WHO den Begriff des Zustands in der Definition auf. Eine andere Bedeutung für den Begriff des Zu- stands ist„augenblicklichbestehend e Lage, Situation, Verhältnisse“.9 Aus Sicht des Verfassers stellt sich das als etwas Kurzfristiges dar, dabei sollte die Gesundheit etwas sein, was langfristig angestrebt wird. ANTONOVSKY empfand diese Definition eben- falls nicht als ausreichend und fügte hinzu, dass Gesundheit kein Zustand ist, sondern ein stetiger Prozess zwischen den Polen der Gesundheit und der Krankheit.10 Eine weitere Ergänzung in der Gesundheitsdefinition ist die von HURRELMANN, der sagt, essewi ichtigd, asssicheinePerson„[…i]mEinklangmidt eneigenenMöglichkeiten und Zielvorstellungen und den jeweils gegebenen äußeren Lebensbedingungen befin- det“.11

Werden nun die wesentlichen Inhalte resümiert und festgehalten, so zeigt sich, dass Gesundheit ein stetiger Prozess ist, der das physische, psychische und soziale Umfeld und das Wohlbefinden miteinbezieht. Des Weiteren gilt es darüber hinaus die Möglich- keiten der Selbstbestimmung und des körperlich Umsetzbaren zu wahren. Diese ge- nannten Aspekte und die Rücksichtnahme auf die äußeren Lebensbedingungen und gesellschaftlichen Ansichten könnten nach Meinung des Verfassers dazu beitragen, von einer umfassenderen und auf mehr Menschen zutreffenden Beschreibung von Gesundheit zu sprechen.

3.2 Die Krankheit

Um den Begriff Krankheit etwas verständlicher darzustellen, wird mit der Definition von PSCHYREMBEL begonnen: der Krankheitsbegriff wird im medizinischen Sinne als „StörungdeLr ebensvorgängeinOrganenod eirmgesamtenOrganismusmidt eFr olge von subjektiv empfundenen bzw. objektiv feststellbaren körperlichen, geistigen oder seelischen Veränderungen“12 beschrieben. Die Gesundheitsberichterstattung des Bun- des (Kurzform: GBE) fügt der Definition noch etwas Wichtiges hinzu und definiert die Krankheiet benfallsalseine„Störungdes körperlichens, eelischenundsozialenWoh l- befindens[.…]B. ei der Beschreibung einer Krankheit muss zwischen ihren Ursachen (Krankheitsursache) und ihren sichtbaren Anzeichen (Symptomen) unterschieden wer- den.“13 Erwähnt werden kann hier, dass die GBE die Definition um die Komponente des sozialen Wohlbefindens ergänzt. Neben den Definitionen beschreiben EKERT/EKERT entscheidende Merkmale einer Krankheit als:

- „Abweichungen von der Norm,
- das Empfinden eines Ungleichgewichts oder eines Leidensdrucks,
- erlebte Einschränkungen im Alltag.“ 14

Wobei der Verfasser den ersten aufgeführten Punkt als kritisch erachtet, denn es ist schwierig zu bestimmen was die Norm ist oder nach welchen Ansätzen sie beschrie- ben wird. Der zweite Punkt hingegen ist nach Auffassung des Verfassers interessant, denn auch ANTONOVSKY sagte bereits (siehe Abschnitt zuvor: Gesundheit), dass Gesundheit ein Prozess zwischen den Polen der Gesundheit und der Krankheit ist. Somit kann das Merkmal als Ungleichgewicht dargestellt werden. Abschließend zu dieser Arbeitsdefinition möchte der Verfasser die Sichtweise zu dem Begriff Krankheit von SCHIPPERGES vorstellen. Seiner Meinung nach hängt Krankheit immer davon ab, aus welchem Standpunkt sie betrachtet wird:

„ a)alssubjektiv -hedonistische Befindensstörung (Beeinträchtigung von Wohlbefinden und Selbstentfaltung);
b) als wissenschaftliche Umschreibung einer Befunderhebung (Normab- weichung, Funktionsverlust);
c) als soziologische Beschreibung eines abweichenden gesellschaftlichen Verhaltens.“ 15

Diese verschiedenen Standpunkte zeigen auf, dass eine Krankheit aus vielen Blickwin- keln gesehen werden kann. Daher ist es auch nur sehr schwer möglich zu sagen, dass diese immer negative Folgen mit sich bringen. Es ist leichter zu sagen, dass Krankhei- ten individuelle Folgen mit sich bringen. Ob diese Folgen negativ oder positiv ausfallen, obliegt wieder dem eigenen Standpunkt. EKERT/EKERT beschreiben dazu die Diag- nose eines Oberschenkelbruchs. Für einen alten Menschen kann diese Situation le-bensbedrohlich sein. Für einen Obdachlosen Menschen kann diese Situation und die nachfolgende Versorgung aber auch etwas Gutes bedeuten, ein Dach über den Kopf, Wärme und Nahrung.16

3.3 Das Helfersyndrom

Der Begriff Helfersyndrom ist eine Kombination aus den beiden Wörtern Helfer und Syndrom, deren Bedeutungen zunächst einzeln betrachtet und erläutert werden.

Wird im digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache das Wort Hilfe eingegeben, er- scheint unter der Rubrik des etymologischen Wörterbuchs das dazugehörige Verb hel- fen, dessen Synonyme unter anderem unterstützen, fördern und beistehen sind.17 Hilfe ist ein vielseitiges Wort und kann daher auf verschiedenste Art und Weise erbracht werden. Es kann zum Beispiel schon von Hilfe gesprochen werden, wenn einer alten Frau die Einkaufstaschen getragen werden. Für Hilfe im größeren Maß gibt es aber auch staatliche Beispiele, wie die Sozialhilfe. Die Welthungerhilfe ist ein Beispiel für eine nicht staatliche aber sehr weitumfassende Art von Hilfsorganisation. Das Wort Syndromhast eineHerkunfat usdemgr iechischen(„griechischsyndrom ḗ = das Zu- sammenlaufenZ, usammenkommena, uss: ýn  =zusammenunddrom ḗ =Lauf).“Die BedeutungdiesesWortesist„:einKrankh eitsbildd, assichausdemZusammentreffen verschiedener charakteristischer Symptome ergibt.“18 Das Wort Helfersyndrom ent- stand durch den Schriftsteller, Psychotherapeut und Lehranalytiker Wolfgang Schmid- bauer im Jahre 1977.19 SCHMIDBAUER beschreibt das Helfersyndrom als:„diezu einem Teil der Persönlichkeitsstruktur gewordene Unfähigkeit, eigene Gefühle und Bedürfnisse zu äußern, verbunden mit einer scheinbar unangreifbaren Fassade im Bereich sozialer <<Dienste>> und latenten Allmachtsphantasien“.20 Ein weiteres Merk- maflüdr asHelfersyndromistd, assdehr ilfloseHelfe„rdurchseinenberuflichenÜbe r- einsatz Gefühle innerer Leere und Wertlosigkeit, welche durch seine Armut an AusdrucksmöglichkeitenundemotionalemAustauschmitanderenMenschen“ 21 ent- steht, zu kompensieren versucht.

3.3.1 Die Entstehung des Helfersyndroms

SCHMIDBAUER erläutert, dass der Kern der Entstehung eines Helfersyndroms in der Kindheit liegt. Die Eltern haben den Anspruch eines sogenannten perfekt erzogenen Kindes, das nur positive Eigenschaften weiter entwickeln darf und die negativen ver- drängen muss, im besten Fall entstehen sie erst gar nicht. Diese Selektierung der Ei- genschaften bringt ein hohes Risiko mit sich, denn dem Kind können dadurch signifikante Entwicklungs- und Wachstumsprozesse entgehen, was es somit für das weitere Leben prägt. SCHMIDBAUER betont weiterhin, dass genau diese Selektierung nicht geschehen darf, da die als negativ gesehenen Eigenschaften wie zum Beispiel Durchsetzung, Zärtlichkeit, sexuelle Potenz, Gefühlsintensität, sehr wichtige Verhal- tensweisen im Leben sind.22 MESSER sagt ebenfalls aus, dass das Kind zum Aus- gleich dieser Defizite sich von den Eltern die„Zuwendungdurchunermüdlich angeboteneHilfeleistungsozusagenerarbeiten“ 23 musste. Als Bestätigung und weite- rer Folge dieser Aussage, kann der Inhalt der PSCHYREMBEL dienen:„Dabeei n t- standen Gefühle von Verzweiflung, Alleinsein und ein großer Zweifel am eigenen Selbst mit der Folge eines stark schwankenden Selbstwertgefühls zwischen einem ausgeprägtenGefühlvonWertlo sigkeitundGrößenphantasien.“ 24 SCHMIDBAUER führt hierzu ein Beispiel an: Kinder können leichter Bilder von etwas produzieren, das ihnen fehlt. Hat ein Kind keine gute Mutter, erfindet das Kind eine und träumt von ihr. Der spätere Helfer verschmilzt mit dieser Vorstellung und sagt getreu dem Sprichwort: „Weiml ichkeinepr flegtw, erdeichKrankenschwester.“ 25 All das, was das Kind in sei- ner Kindheit an Zuwendung und Aufmerksamkeit nicht erfahren konnte, versucht der spätere Helfer auf seine eigene Art und Weise im Übermaß an andere, die in seinen Augen hilfsbedürftig sind, zurückzugeben. SCHMIDBAUER vergleicht dieses Handeln mit einer Droge, bei der ein hohes Suchtpotenzial besteht. Denn der Helfer ist stark und stets in der gebenden Position, wohingegen der Schützling schwach und auf seine Hilfe angewiesen ist. Diese verschobene Sichtweise des Helfers wird für ihn zur Droge. Wenn der Helfer nicht genügend Bestätigung und Anerkennung aus dieser Situation bekommen kann, ist er stark gefährdet drogenabhängig zu werden.26

3.3.2 Die fünf Komponenten des Helfersyndroms

SCHMIDBAUER unterteilt das Helfersyndrom in fünf Komponenten, die im Folgenden näher erläutert werden:

1. das abgelehnte Kind,
2. die Identifizierung mit dem Über-Ich (Ich-Ideal, Größenselbst),
3. die narzisstische Unersättlichkeit,
4. die Vermeidung von Gegenseitigkeit,
5. die indirekte Aggression.27

3.3.3 Das abgelehnte Kind

Laut MESSER ist diese Rolle darauf zurückzuführen, dass der Helfer als Kind die Er- fahrung der Liebe nie machen konnte. Anstatt die Kindheit mit Spielen zu verbringen herrschte eher die strenge Habacht-Stellung.28 SCHMIDBAUER hingegen weist da- raufhin, dass der Kern der Entstehung nicht immer im Kindesalter zu finden sei. Auch als Heranwachsender können schwierige Situationen oder Lebensphasen durchlaufen worden sein, in denen sich der spätere Helfer seinem Umkreis gegenüber geschämt hat, weil er zum Beispiel als Heulsuse oder als Baby dargestellt wurde. Folglich kann eine Unterdrückung oder sogar die Abspaltung der eigenen Bedürftigkeit entstehen, um diese Spannungen zu überwinden. Daraus entsteht später, dass der Helfer in die- ser Rolle eine Person darzustellen versucht, die sehr stark sein will, eine gewisse Machtposition besitzt und ausübt, dadurch auch jemand ist, der geben und somit hel- fen kann. Eine Person, die weiß, wo es im Leben lang geht. Im Gegensatz dazu ist der Helfer in dieser Rolle aber auch jemand, der die emotionale Ebene sowie eigene Be- reiche, in denen er sich schwach oder unvollkommen fühlt, von sich abhält.29 Demge- mäß schafft der Helfer es, sich auf trügerische Weise vor sich selbst zu schützen.

Als Folgen dieser Rolle zählt MESSER auf, dass der Helfer:

- „festeVorstellungenvon„falschu“ nd„richtigh“ ata, ndereAnsichtenG, e- danken und Haltungen werden nicht in Betracht gezogen,
- Aggressionen meidet, da es ein Zeichen von Schwäche ist,
- keine Beziehungen oder Freundschaften eingehen kann die ausbalanciert sind , da der Helfer stets in der „gebenden“ Position sein will,
- immer Bestätigung benötigt und nicht Kritikresistent ist.“ 30

3.3.4 Die Identifizierung mit dem Über-Ich (Ich-Ideal, Größen- selbst)

Innerhalb der Begriffe Über-Ich, Ich-Ideal und Größenselbst besteht ein enger Zusam- menhang, deren Bereichsgrenzen häufig ineinander übergehen.31 Zuerst wird das Über-Ich durch FREUD erklärt. FREUD versucht das Über-Ich als die Rolle der Per- sönlichkeit begreiflich zu machen, die die moralische Instanz des Gewissens ist. Die Instanz, die aufgrund der Erziehung, der eigenen Wertvorstellungen, der sozialen An- sichten und des kulturellen Umfeldes sagt was richtig und was falsch ist.32 MESSER führt weiterhin aus, dass das Denken auch unter der Macht des Über-Ichs geschieht und begründet es folgendermaßen: „Die Bewertung von EreignissenE, rfahrungenund Informationenunterliegdt er sichbildendenMoraul ndprägst omiat uchdasDenken.“ 33 Daher kann gesagt werden, dass das Über-Ich im Grunde der kritische, hinterfragende und strafende Teil des Gewissens ist. Das Ich-Ideal wird durch MESSER hingegen, als die individuelle Persönlichkeit und Identität beschrieben, die das Fühlen und Handeln enthält.34 Das Ich-Ideal stellt SCHMIDBAUER zum besseren Verständnis als die Karot- tevodr eSr chnauzedesEselsdar„.D asIchsolilhmnachstrebend, asÜber -Ich ver- sprichttotaleHarmonie fürdenFall,dassdasIchseinIdealerreicht.“ 35 In einer Situation oder Handlung, in der ein Versagen entsteht, wird das vor dem Über-Ich als eigene Schuld erlebt, wohingegen ein Misserfolg vor dem Ich-Ideal mit Scham und Versagensgefühlen verarbeitet wird.36 Die dritte Komponente ist das Größenselbst, das als der unbewusste und triebhafte Teil der eigenen Persönlichkeit angesehen wird, und die sexuelle Begierde und aggressiven Impulse beinhaltet.37 Abschließend hält MESSER fest, dass bei vielen Menschen die Aufteilung in die drei Instanzen harmo- nisch und ausgeglichen verläuft. Jedoch kann es beim Helfersyndrom sein, dass das Über-Ich im Gegensatz zu den anderen Instanzen zu stark ausgeprägt ist. Das kann zur Folge haben, dass der Mensch es somit schwer hat, sich in die Gefühlslage seines Gegenübers hineinzuversetzen und somit als sehr kühl und abweisend gesehen wird.38

3.3.5 Die narzisstische Unersättlichkeit

Laut FROMM haben narzisstische Menschen einen doppelten Maßstab für ihre Wahrnehmungen. Sie erachten nur sich selbst und ihr engstes Umfeld als wich- tig; ihre Umwelt ist für sie nicht von hohem Wert und wird daher als zweitrangig wahrgenommen. In Folge dieser doppelten Maßstäbe haben narzisstische Men- schen Störungen in ihrem Urteilsvermögen und besitzen kaum die Fähigkeit, Si- tuationen objektiv zu betrachten.39 SCHMIDBAUER führt zu dem Bereich der Defizite in der objektiven Situationsbetrachtung ein Beispiel über eine mager- süchtige Frau an. Eine Magersüchtige verspricht ihrer Mutter immer wieder, dass sie regelmäßig essen wird, wenn sie ihrer Mutter ein köstliches mehrgängiges Menü kochen darf. Jedes Mal, wenn das Menü dann zubereitet ist, isst die Mutter dennoch alleine. Ein Grund für das Verhalten der Magersüchtigen kann natürlich sein, dass sie sich selbst nicht als magersüchtig sieht und erachtet. SCHMIDBAUER führt aber noch tiefgründiger in die Thematik ein. Die Mager- süchtige versucht das Erwachsenwerden zu umgehen, da sie sich davor fürchtet; sie möchte ein Kind bleiben. Der Grund dafür kann die fehlende und ungenügen- de Idealisierung der Mutter sein. Die Magersüchtige weicht auf ein neues Ziel aus, welches zu ihrer Sucht wird, das Streben nach einer perfekten Figur. Eine weibliche Figur ohne Babyspeck. Hier kann sie stets die Kontrolle über ihr Ess- verhalten behalten und ist Herrin ihrer Lage. Sie organisiert Esser um sich her- um, obwohl sie selbst Hunger verspürt. Gefangen in ihrer Sucht ist sie sozusagen unersättlich.40 Dieses Verhalten wird durch das Zitat von SCHMIDBAUER unter- strichen„:DieUnersättlichkeiitset ngmidt emPerfektionismusverknüpf[t…]W. er nachVollkommenheisttrebt, darnf iezufriedensein.“ 41

3.3.6 Die Vermeidung von Gegenseitigkeit

Dass beim Ehegelübde sich gegenseitig versprochen wird, für seinen Partner in guten wie in schlechten Zeiten da zu sein, beruht wohl auf der Erfahrung der Menschheit. Denn es ist davon auszugehen, dass es in einer Beziehung nicht immer nur einen Partner geben wird, der Hilfe vom anderen Partner benötigt. Die Unterstützung des Partners und der Verlass auf diesen, ist unter anderem das, was eine Beziehung aus- macht. Ein Partner braucht den anderen und hat auch das Gefühl, selbst gebraucht zu werden. Ebenfalls darf Egoismus in einer Beziehung vorhanden sein, solange er den anderen Partner nicht verletzt. Für eine Zeit lang wechseln sich die Rollen der Partner ab, mal ist einer der Stärkere, mal einer der Schwächere.42 Durch diesen Tausch be- kommen Beziehungen Stabilität, denn Hilfeleistung und Freiwilligkeit sind Teil des Ganzen.43 Bei der Vermeidung von Gegenseitigkeit geht es nicht darum, dass der Hel- fer die zuvor beschriebene Beziehung im vornherein meidet, sondern vielmehr, dass der Helfer sich meistens gar nicht im Klaren darüber ist, wie unbewusst er diesen Aus- tausch in der Beziehung meidet, und wie einseitig die Beziehung dadurch wird.44 Signi- fikant für einen Helfer in dieser Rolle ist, dass er innerlich eine Liste darüber führt, wieviel er gibt. Schwerpunkt dabei ist, dass die Helfer aber keinesfalls gleich viel zu- rück haben wollen. Die Geben-Seite soll die stärkere bleiben. Daher suchen sich Helfer einen Partner, denen sie mehr geben als nehmen könnend, enn„StärkeU, nabhängi g- keiut ndMachstindihnenwichtig.“ 45

3.3.7 Die indirekte Aggression

Die Komponente der indirekten Aggression ist eine weitere Erhöhung des abgelehnten Kindes. Innerhalb dieser Steigerung gilt es festzuhalten, dass das abgelehnte Kind sich sehr stark nach Rache an den Menschen sehnt, durch die es, seinem Empfinden nach, am meisten gedemütigt wurde. Die Bredouille daran ist, je begabter und intelligenter dieses Kind ist, umso genauer erkennt es„,dassessichdurcheinAuslebendieser Rachewünsche selbst schädigt, weil der Zugang zu den Ressourcen des Lebens von den Erwachsenen beherrscht wird.“46 SCHMIDBAUER schreibt, dass als Entstehungs- gründe für diese indirekten Aggressionen die geringfügige Befriedigung der kindlichen Grundbedürfnisse, sowie das Fehlen von Zuneigung und Zeigen von Emotionen anzu- führen sind. Wenn ein hochbegabtes Kind nicht in der Lage ist, seine Begabung auszu- leben und auf Missachtung und auf Unverständnis innerhalb seines Umfeldes trifft, kann das Kind sich in seiner Persönlichkeit nicht richtig entfalten. Das Kind fühlt sich stetig unterdrückt, und um dieser Unterdrückung irgendwann Platz zu machen, schafft das Kind sich in Form von unermesslicher Wut ein Ventil dafür.47 Diese Wut wird dann wiederum so verarbeitet, dass das Kind - und der spätere Helfer - als Ausgleich für diese Ungerechtigkeit und die in seinen Augen vorherrschende falsche Welt eine Traumwelt errichtet. IndieseWr elitdentifizier„tesr ichmiet inemEngele, inemRetter […]d, erandereausSituationenerlöstd, erenUnerträglichkeit auf diese Weise unge- schehen gemacht wird.“48 Dadurch schafft der spätere Helfer es, sich Hoffnung zu ge- ben, und er bändigt seine Angst vor der Umwelt, die sich seiner Meinung nach für sein Wohlergehen nicht interessiert. Der spätere Helfer lernt demzufolge besser und härter auf die Aggressionen seiner Umwelt zu reagieren. Laut SCHMIDBAUER sind typische Reaktionsweisen, wie der spätere Helfer seiner Wut indirekten Ausdruck verschafft, dass er sich verstärkt rechthaberisch verhält und es schafft, anderen Leuten ihre Feh- ler aufzuzeigen.49 Wichtig zu erwähnen ist, wenn der Helfer es schafft seine Wut zu unterdrücken, bedeutet es nicht, dass sie verschwunden ist. „Siehant uwr enigeMr ö g- lichkeiten, im Kontakt mit der Wirklichkeit und mit Austauschbeziehungen zu reifen.“50

3.4 Das Burnout

Der Begriff des Burnouts wurde durch den Psychoanalytiker Herbert J. FREUDENBERGER im Jahr 1974 geprägt. FREUDENBERGER selbst hatte ein hohes Arbeitsaufkommen was ihn sehr stark belastete. In einem Gespräch mit seinen Kolle- gen berichteteedr arüberd, assesr ich„zunehmenderschöpfta, usgelaugta, bgeschl a- gen, müde, resigniert, [...], häufig unausgeglichen und gereizt“ fühlte. 51 FREUDENBERGER schrieb daraufhin eine Publikation mit dem Titel „Staff Burn-Out“, in der er über sein eigenes Leiden und Empfinden berichtete. Dadurch, dass er über sich selbst geschrieben hatte, konnten sehr viele Leser sich mit dem Inhalt identifizie- ren und sich selbst wiederfinden. Seine These ist, dass es die Thematik des Burnouts schon länger gebe, jedoch habe es bisher keinen Begriff dafür gegeben. FREUDENBERGER orientierte sich bei dem Begriff an einem Lexikon, das to burn-out: „alseineErscheinung[definiert]d, ienachdemGefühdl esVersagensd, eÜr berford e- rung oder als Gefühl des Ausgepumptseins auftritt, nachdem übergroße Anforderun- genandieeigeneEnergieunddiepersön lichenKraftreservengestellwt ordensind.“ 52 ELSÄSSER/SAUER vermuten, dass der Begriff des Burnouts sich aufgrund des hohen bildhaften Deutungsmusters innerhalb der kurzen Zeit so stark durchgesetzt und ver- breiteht atW. irdBurnouat usdemenglischen insdeutschemi„tausbrennenü“ bersetzt, lässt es sich annehmen, dass die meisten Menschen sich ein ausgebranntes Gebäude vorstellen, bei dem nur noch die Mauern stehen. Ein weiteres Beispiel wäre der durch- drehende Reifen bei einem Fahrzeug und der damit einhergehende Verschleiß. Diese Bildhaftigkeit macht die Thematik des Burnouts laut ELSÄSSER/SAUER für viele Men- schen verständlicher und somit greifbarer.53 Die eigentliche Mühseligkeit an dem Be- griff des Burnouts ist, dass dieser bis zur Beliebigkeit ausgedehnt werden kann. Daher ist es schwierig die Grenzen zu ziehen, um zu erkennen ob von einem Burnout, einer Depression oder einer beruflichen Erschöpfung die Rede ist.54

3.4.1 Die Definitionen von Burnout

Die International Classification of Nursing Practice (Kurzform: ICNP)55 definiert das Burnout-Syndromals„ZustandderInteressen - und Antriebsarmut hinsichtlich der ei- genen beruflichen Tätigkeit, oft Erschöpfungsreaktion bei permanenter Überforderung, häufig auch verbunden mit mangelnder Anerkennung und Mangel an Erholungspau- sen.“56 MASLACHbeschreibdt asBurnouat lsei n„SyndromvonEmotionaleEr rschö p- fung, Depersonalisation und verringerter persönlicher Erfüllung im Beruf, das bei Individuen, die bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit mit Menschen arbeiten, auf- tretenkann.“ 57 BURISCH erschafft eine weitere, umfassendere Definition:

„ B urnoutisteindauerhafter,negati ver,arbeitsbezogenerSeelenzustand normalerI“ndividuenE. irsitne rster Linie von Erschöpfung gekennzeich- net, begleitet von Unruhe und Anspannung (distress), einem Gefühl verrin- gerter Effektivität, gesunkener Motivation und der Entwicklung dysfunktionaler Einstellungen und Verhaltensweisen bei der Arbeit. Diese psychische Verfassung entwickelt sich nach und nach, kann dem betroffe- nen Menschen aber lange unbemerkt bleiben. Sie resultiert auf einer Fehl- anpassung von Intentionen und Berufsrealität. Burnout erhält sich wegen ungünstiger Bewältigungsstrategien, die mit dem Syndrom zusammenhän- geno, fstelbsat ufrecht.“ 58

Werden diese Definitionen genauer betrachtet, ist zu erkennen, dass die ICNP das Burnout nicht als Erkrankung sieht, sondern als einen Zustand. MASLACH hingegen geht einen Schritt weiter und benutzt das Wort Syndrom, welches wie zuvor schon als ein Krankheitsbild, das sich aus dem Zusammentreffen verschiedener charakteristi- scher Symptome ergibt, beschrieben wurde. Des Weiteren gilt es zu erwähnen, dass MASLACH das Arbeiten mit Menschen in der Definition aufführt. Dass die Arbeit mit Menschen dabei eine wichtige Rolle spielt, bestätigt SENGER ebenfalls, denn es sind besonders die Berufsgruppen von Burnout betroffen, die eine besondere Kreativität verlangen und eine hohe Beziehungsintensität, wie die in der sozialen Arbeit, mit sich bringen.59 Zur Definition von BURISCH gilt zu sagen, dass diese sehr ausführlich be- schrieben ist und herausstellt, dass der Zustand eines Burnouts nicht von heute auf morgen auftritt. Hier wird dargestellt, dass der Prozess eines Burnouts als ein schlei- chender, nicht sofort erkennbarer angesehen werden kann. BURISCH kam zu der Er- kenntnis, dass es sich als sehr schwer darstellt, den Begriff Burnout zu definieren, was daran lieged, ass„all einschlägigenVersuche[Burnouzt udefinieren[]…] bis heute entwedezruumfassendodezruspezifisch[…]“ 60 sind.

3.4.2 Das Burnout als Diagnose

In den International Classification of Diseases (Kurzform: ICD), die durch die WHO herausgegeben werden, wurde Burnout in der 10. Ausgabe erstmalig mit aufgeführt. Die ICD umfasst jedoch lediglich Störungen; Krankheiten werden in dieser Klassifizie- rung nicht mit aufgelistet. Daher ist zu erkennen, dass Burnout bisher nur als ein Faktor anzusehen ist, der auf den Gesundheitszustand einwirkt und somit nicht als Krankheit gilt.61 Diesbezüglich„werdenzwadr ieSymptomevonBurnoubt ehandelth, äufigjedoch unterderDiagnose„Depression““ 62 medizinisch erfasst. Eine Statistik der AOK, die über die Fehlzeiten als Folge von Burnout-Erkrankungen63 berichtet, zeigt auf, dass auf 1000 versicherte AOK-Patienten 217,1 AU-Tage (AU = Arbeitsunfähig) aus dem Be- rufsfeld der Krankenschwestern-, und -pfleger kommen. Um die zuvor beschriebene Aussage von MASLACH und SENGER zu festigen, dass gerade Berufsgruppen mit hoher Beziehungsintensität besonders betroffen sind, dient der Vergleich zur Berufs- gruppe der Wächter und Aufseher. In dieser Berufsgruppe fallen 150,4 AU-Tage auf 1000 versicherte AOK-Patienten an.64

3.4.3 Die Auslöser für Burnout

Die möglichen Auslöser für ein Burnout lassen sich in zwei Erklärungsansätze unter- gliedern. Es gibt den umfeldorientierten Erklärungsansatz, der durch MASLACH und JACKSON sowie CHERNISS repräsentiert wird. Dieser Ansatz beinhaltet soziologisch- sozialwissenschaftliche und arbeits- und organisationspsychologische Ansätze die wei- terhin auch als personenexterne Faktoren bekannt sind.65 Als Beispiel für arbeits- und organisationspsychologische Risiken gibt ELSÄSSER/SAUER unter anderem Folgen- des an:

- „mangelnde Unterstützung und Ressourcen (Personalkapazität, Finanz- mittel,…)
- mangelnde Strukturen und Rahmenbedingungen
- schlechte Teamarbeit und Kommunikation
- ÜberforderunUg/ nterforderung“ 66

Dass dieser arbeits- und organisationspsychologische Ansatz von Bedeutung ist, zeigt eine Studie aus dem Jahr 2011. In dieser Studie kreuzten 42,1% der befragten Inten- sivpflegekräfte mit Leitungsfunktion an, Sie seien der Ansicht, dass im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg der Arbeitsbelastung eher zutrifft. Von den Befragten kreuzten 1,5% an, dass dies gar nicht zutrifft.67 Weitere Risiken im Arbeitsschwerpunkt der Pfle- ge sind laut KNIPFER/WIGGER:

- negative Auswirkungen durch Schicht- und Nachtarbeit
- Umstellungen des Wach- und Schlafrhythmus
- Unterbrechungen durch häufige Visiten
- Rollenproblematiken durch institutionalisierte Hierarchien zwischen Ärzten und Pflegepersonal
- medizinisch therapeutische Maßnahmen werden höher bewertet als pfle- gerische Handlungen. 68

Der zweite Erklärungsansatz ist der persönlichkeitsorientierte Ansatz, auch als perso- neninterner Faktor bekannt. Bei diesem Ansatz wird die eigene Persönlichkeit betrach- tet, denn jeder Mensch reagiert individuell auf belastende Situationen und stuft unterschiedliche Gegebenheiten wie Stress oder Lärm eher als Belastung oder eben als keine Belastung ein.69 ELSÄSSER/SAUER weisen insbesondere daraufhin, dass es keine einzelne Betrachtung der Erklärungsansätze für die Auslösung eines Burnouts gebensollteS. ieerläutern„:Erstw, enn personenexterne[…u] n dpersoneninterne[…] Faktoren aufeinandertreffen und eineÜberlastungmist ichbringenk, ann[…d] eZr u- standdesAusgebranntseinseintreten.“ 70

[...]


1 Hohler, zitiert nach Messer 2008, 13

2 Statista, www.statista.de, Zugriff v. 15.05.2015

3 Warmbrunn/Wied 2012, 394

4 Elsässer/Sauer 2013, 64

5 Ekert/Ekert 2014, 337

6 Bloch 1982, 539, zitiert nach Schroeter 2006, 90

7 Schipperges 1990, 15, zitiert nach Biendarra/Weeren 2009, 538

8 Bundesministerium für Gesundheit, www.bmg.gv.at, Zugriff v. 10.04.2015

9 Duden, www.duden.de , Zugriff v. 10.04.2015

10 Vgl. Antonovsky, zitiert nach Pfeiffer 2013, 354

11 Vgl. Hurrelmann, zitiert nach Pfeiffer 2013, 354

12 Vgl. Warmbrunn/Wied 2012, 505

13 Gesundheitsberichterstattung des Bundes, www.gbe-bund.de, Zugriff v. 16.04.2015

14 Ekert/Ekert 2014, 274

15 Schipperges 1999, zitiert nach Biendarra 2005, 41

16 Vgl. Ekert/Ekert 2014, 275

17 Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, www.dwds.de, Zugriff v. 19.04.2015

18 Duden, www.duden.de, Zugriff v. 18.04.2015

19 Vgl. Schmidbauer 2013, 7

20 ebd., 20

21 ebd., 25

22 Vgl. Schmidbauer 2008, 15

23 Messer 2014, 13

24 Warmbrunn/Wied 2012, 394

25 Vgl. Schmidbauer 2013, 54

26 Vgl. ebd., 24

27 ebd., 43

28 Messer 2014, 14

29 Vgl. Schmidbauer 2013, 44

30 Vgl. Messer 2014, 15

31 Vgl. Schmidbauer 2013, 47

32 Vgl. ebd., 47

33 Vgl. Messer 2014, 15

34 ebd., 16

35 Vgl. Schmidbauer 2013, 48

36 Vgl. ebd., 48

37 Vgl. Messer 2014, 16

38 ebd., 16

39 Vgl. Fromm 1980, zitiert nach Hartmann/Kernberg 2006, 37

40 Vgl. Schmidbauer 2013, 59

41 ebd., 60

42 Vgl. ebd., 55

43 Vgl. Messer 2014, 17

44 Vgl. Schmidbauer 2013, 58

45 Messer 2014, 17

46 Schmidbauer 2013, 67

47 Vgl. ebd., 65

48 ebd., 67

49 Vgl. ebd., 78

50 ebd., 68

51 Vgl. Hillert/Wallwitz 2006, zitiert nach Elsässer/Sauer 2013, 3

52 Freudenberger 1980, zitiert nach Elsässer/Sauer 2013, 3

53 Vgl. Elsässer/Sauer 2013, 4

54 Vgl. ebd., 329

55 International Classification of Nursing Practice ist ein Zusammenschluss der deutschsprachigen Berufs- verbände aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Weiterführende Informationen unter www.icnp.info

56 International Classification of Nursing Practice, zitiert nach Warmbrunn/Wied 2012, 162

57 Maslach 1993, zitiert nach Pfennighaus 2000, 4

58 Burisch 2006, zitiert nach Elsässer/Sauer 2013, 8

59 Vgl. Senger 2011, 145

60 Burisch 2006, zitiert nach Elsässer/Sauer 2013, 7

61 Vgl. Elsässer/Sauer 2013, 9

62 ebd., 9

63 Anmerkung des Verfassers: In deQr uellewirddeBr egrifBf urnouut ntedr eKr ategorie„Problememit BezugauSf chwierigkeitendeLr ebensbewältigungg“ eführt.

64 Vgl. Wissenschaftliches Institut der AOK, www.wido.de, Zugriff v. 04.05.2015

65 Vgl. Elsässer/Sauer 2013, 20

66 Zedler 2010, zitiert nach Elsässer/Sauer 2013, 20

67 Vgl. Deutsches Institut für Pflegeforschung e.V., www.dip.de, Zugriff v. 04.05.2015

68 Vgl. Knipfer/Wigger 1998, 4

69 Vgl. Elsässer/Sauer 2013, 21

Details

Seiten
78
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783346076212
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v510005
Institution / Hochschule
Hochschule Mittweida (FH)
Note
2,3
Schlagworte
helfersyndrom pflegekräften vorbote burnout

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Titel: Helfersyndrom bei Pflegekräften. Ein potenzieller Vorbote für ein Burnout?