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Heilung des blinden Bartimäus

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 22 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Wundergeschichten:
1.1.1 Was bedeutet „Wundergeschichte im Allgemeinen“?
1.1.2 Blindheit

2. Betrachtung der Wundergeschichte „Die Heilung eines Blinden bei Jericho“ bei Markus (10, 46-52), Mattäus (20, 29-34), Lukas (18, 35-43) und Mattäus (9,27-31)
2.1 Darstellung und Herausarbeitung bei Markus ( 10, 46 – 52)
2.2 Darstellung und Herausarbeitung bei Mattäus ( 20, 29 – 34)
2.3 Darstellung und Herausarbeitung bei Lukas ( 18, 35 – 43)
2.4 Darstellung und Herausarbeitung bei Mattäus ( 9, 27 – 31)

3. Herausarbeitung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede an der Geschichte „Der blinde von Jericho“, nach Markus, Mattäus und Lukas
3.1. Allgemein
3.2 Darstellung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Allgemeinen im Neuen Testament
3.3 Gemeinsamkeiten
3.3.1 inhaltlich und sprachlich
3.4 Unterschiede
3.4.1 inhaltlich und sprachlich

4. Einordnung in den historischen Hintergrund und abschließende Beurteilung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Wundergeschichten:

1.1.1 Was bedeutet „Wundergeschichte im Allgemeinen“?

„Ein Wunder ist [...] ein unerwartetes, gutes, nicht geplantes Geschehen, in dem der Betroffene Gottes Handeln erkennt und erfährt.“[1]

Das Hauptmerkmal, warum wir den Begriff „Wunder“ heute benutzen, ist das Moment der Außerordentlichkeit und Unerklärlichkeit. In der Antike hingegen bezeichnet man mit Wunder „die Erfahrung des Göttlichen“. Der biblische Wunderbegriff sagt, dass Wunder auffallende Ereignisse sind, die von glaubenden Menschen als Zeichen des Heilshandelns Gottes verstanden werden. Aus neutestamentlicher Sicht deutet sich das Handeln Gottes zum Heil der Menschen, in Jesu Leben und seinem Handeln als endgültige Entscheidung für den Menschen.[2]

Die ca. 35 synoptischen Wundergeschichten nehmen einen erheblichen Teil der Jesusüberlieferung ein. Es wird unterschieden nach Naturwundern und Heilwundern. Die Naturwunder kann man weiter aufteilen nach Sturmstillung, Wandel auf dem See und Speisungswunder. Die Heilungswunder werden weiter unterteilt in Dämonaustreibung, Heilung am Sabbat, allgemeinen Heilungen und Totenerweckung.[3]

Die Wundergeschichten haben die Verkündung des Glaubens zum Ziel. Es handelt sich bei ihnen nicht um historische Berichte, sondern um Glaubenszeugnisse. Dabei lässt sich das Handeln Jesu als Wirken Gottes interpretieren. Die Heilungen selbst finden nur durch Jesu Wort statt und nicht durch irgendwelche mirakulösen Handlungen an den Menschen.

Weiterhin werden die Betroffenen nicht ohne eigene Mitbeteiligung geheilt. Daher stehen seine Wunder in direktem Zusammenhang mit dem Glauben. In den Wundern findet die Verkündigung Jesu vom Reich Gottes statt, aber die Mitmenschlichkeit selbst wird nicht gezeigt. Die Wundergeschichten verdeutlichen, dass durch Jesus Gottes Heil für die Menschen anbricht. Das zeigt auch die Endgültigkeit an, dass Gott sich für die Menschen entschieden hat.[4] „In vielen Wundergeschichten wird vom Glauben der Betroffenen berichtet“[5]. An dem, was Jesus erzählt, wird deutlich, das Heil im Sinne von Rettung, Erhaltung oder Erlösung gebraucht wird, aber sie schließen auch das Wohlbefinden der Geretteten ein.

Wunderberichte wurden vor allem als historische Sachinformationen verstanden, sie wurden im Glauben an den Auferstandenen geschrieben und sollen mit Blick auf die Vergangenheit den Blick für Gottes Heilshandeln in Gegenwart und Zukunft öffnen und zu persönlichem Engagement führen.[6]

Jesu lebt das Reich Gottes schon, wie es sein soll (Nächstenliebe, Hilfe).

Durch Wundergeschichten sollen die angesprochen werden, die „sich an ihnen orientieren und durch sie Sinndeutung ihrer Situation und ihrer Hoffnung erfährt, auch „symbolische Handlungen“, in denen die konkreten Negativitäten von Bedrohungen durch Krankheiten, Mängel und Gefahren transzendiert werden und die der Hörer zur Grenzüberschreitung des Glaubens in den Raum der christlichen Gemeinde als den Ort konkreter Überwindung von Negativitäten ermutigt wird. Nach G. Theißen sind die urchristlichen Wundergeschichten „symbolische Handlungen, die durch den historischen Jesus provoziert wurden“ auch dort, wo die symbolische Handlung nicht einfach eine historisch-vorgegebene „Wunder“-Handlung aufgreift; denn die Wundergeschichten geben nicht einfach „die historische Wirklichkeit wieder, sondern deren geistige Gestalt.“[7]

Die Entstehung der Wundergeschichte liegt im Leben Jesu, als „Anfänger und Vollender des Glaubens (Hebr. 12,2) begründet.

Der Name Jesu bedeutet auch: der Herr ist Heil (Rettung), denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. (Matthäus 1.21)

Hier wird der Nachdruck auf den religiösen Charakter des Heils gelegt: Rettung von den Sünden.

Die Wundergeschichte zeigt die verdichtete Wirklichkeit symbolisch, gegliedert in Motivfolgen und abhängig von Thema und Personenstruktur.

Dabei dürfen historische, missionarische, chrostologische, ekklesiologische und theologische Vorgaben nicht außer Acht gelassen werden.

Der Aufbau zeigt sich folgendermaßen:

Einleitung mit Situationsschilderung, Exposition mit Spannungserzeugung, Zentrum mit Lösung und Schluß mit Beglaubigung/Werbung.[8]

Die hier zu erörternde Untergattung „Heilungswundergeschichte“ am Beispiel des „Jesus heilt den blinden Bartimäus“ wird hier kurz eingeführt und ansatzweise erörtert.

Heilungswundergeschichten sind am weitesten verbreitet, erzählen von wunderbarer Heilung durch heilbegabte Menschen und deren Wort; sie preisen den Täter.

Sie gliedern sich wie folgt,

1. Situationsangabe mit Vorstellung der Hauptcharaktäre,
2. Krankheit,
3. Heilung,
4. Beschreibung der Heilung und
5. Vorgang der Heilung.

Der Heilige erscheint in Form von mysterium fascinosum - als Krankenheiler, Bezwinger der Dämonen.

„Daran wird deutlich: Die betroffenen sind nicht unbeteiligt. Der Anstoß aber geht von Jesus bzw. Gott aus. Der Glaube wird durch die Bewegung mit Jesus ermöglicht und bestätigt.“[9]

Die Heilung, die ein betroffener Mensch erfährt, betrifft ihn in seiner ganzen Person mit Leib und Seele. Bei vielen Heilungen, wie auch bei Bartimäus, spielt die Aufhebung der Isolation der Person eine Wichtige Rolle. Wundergeschichten motivieren zur Identifikation mit dem Menschen, dem durch die Heilung geholfen wird, aber auch dem, der ihm hilft.

1.1.2: Blindheit

Es gibt spezifische Züge in der Blindheitswundergeschichte. Blinde müssen zum Wundertäter geführt werden, benötigen also einen Begleiter.

Für die Heilung der Augen in der antik-volkstümlichen Medizin und charismatisch-therapeutischen Praxis wird Speichel benutzt. Es muss auf die „Wieder“-herstellung der Sehkraft besonders abgehoben werden. Blindheit und Bettelei gehen zusammen einher.[10]

2. Betrachtung der Wundergeschichte „Die Heilung eines Blinden bei Jericho“ bei Markus (10, 46-52), Mattäus (20, 29-34), Lukas (18, 35-43) und Mattäus (9,27-31)

2.1. Darstellung und Herausarbeitung bei Markus´ (10,46-52)

Die Wundergeschichte “Der Blinde von Jericho“ (Mk. 10, 46 – 52) steht im Markus Evangelium. Dieses ist das älteste Evangelium, auf das die drei anderen aufbauen. In ihm ist kein Hinweis auf den Verfasser zu finden, sowie keinerlei Angaben über Zeit und Ort der Entstehung. Vermutlich ist das Markus Evangelium in dem Zeitraum von 60-70 n. Chr. verfasst worden. Das Evangelium lässt sich in drei Teile aufteilen: in die Einleitung ( Mk. 1, 1-13), in den Hauptteil (Mk. 1, 14-15,47) und in den Schluß (Mk. 16, 1-8). Der Hauptteil untergliedert sich nochmals in drei Teile: der 1. Hauptteil enthält die Texte über Jesus in Galiläa ( Mk. 1, 14-8,26), der zweite über Jesus auf dem Wege nach Jerusalem (Mk. 8,27-10,52) und der dritte über Jesus in Jerusalem ( Mk.1, 1-12,44).[11] Der Aufbau des Evangeliums gibt schon ein Hinweis auf das Anliegen Markus`. Das ganze Evangelium ist auf den Schluß gerichtet, auf das Ende Jesu, das Leiden und sterben am Kreuz. Das Kreuz stellt die beherrschende Mitte des Markus Evangeliums dar, ausschließlich vom Kreuz her ist Jesus wirklich zu verstehen. „Deshalb wird im 1.Teil des Evangeliums, der vor allem von einer umfangreichen Wundertätigkeit handelt, immer wieder betont, dass Jesus nicht als reiner Wundertäter angesehen werden soll. Jesus verbietet deshalb, sein Wunderwirken bekannt zu machen [...].Der ganze 1. Teil des Evangeliums steht deshalb unter dem Gedanken der Verhüllung seiner messianischen Vollmacht.“[12] (1.43 Mk.)

In dem allen (sagen die Evangelisten) geschah das Leiden und Sterben Jesu nach Gottes Willen zum Heil der Menschheit, damit ist ein neuer Bund zwischen Gott und der Menschheit aufgerichtet.

Der zweite Hauptteil endet mit der Heilung des Blinden Bettlers Bartimäus von Jericho (Mk. 10, 46-52). Der blinde Bartimäus sitzt am Wegesrand und bettelt. Als er hört, dass Jesus vorüber kommt, ruft er laut um seine Hilfe. Aber die Leute, die um ihn herumstehen, wollen ihn zum Schweigen bringen. Trotzdem ruft er weiter und immer lauter. Jesus hört ihn und fordert die Leute auf, Bartimäus zu ihm zu bringen. Dieser springt sofort auf, läuft zu Jesus und bittet diesen, ihn wieder sehend zu machen. Jesus spricht zu ihm: „Gehe hin, dein Glaube hat dir geholfen.“[13] Und Bartimäus konnte bald darauf wieder sehen und folgte Jesus von da an.

Bei dieser Wundergeschichte handelt es sich um eine Geschichte des Glaubens, in der das Wunder der Heilung dahinter zurücktritt. Da Markus mit der Benennung von Personen sehr sparsam ist, hat der Name Bartimäus eine Bedeutung. Ins Aramäische zurückübersetzt heißt Bar-Timäus Sohn der Unreinheit. In der Begegnung mit Jesus kommt Bartimäus mit Gott ins Reine,[14] was vermuten lässt, das Batimäus gezweifelt haben könnte.

Bartimäus ist nicht bereit, sich mit seinem Leid abzugeben. Als er hört, dass Jesus in die Stadt kommt, wird in ihm die Hoffnung wach, dass Jesus ihn heilen kann. „ Er schreit nach dem Sohn Davids, dem Messias und Erlöser. Von ihm schreibt der Prophet Jesaja, dass er berufen ist zum Licht der Völker, der die Augen des Blinden öffnet und, die da sitzen in Finsternis, aus dem Kerker führen soll (Jesaja 42, 6f.).“[15] Die Leute, die um ihn herumstehen, versuchen Bartimäus zum Schweigen zu bringen, weil sie ihn bereits für sich “abgeschrieben“ haben.

Bartimäus führt ein isoliertes Dasein, gehört nicht zu den anderen Menschen dazu. Trotzdem bleibt Bartimäus beharrlich und ruft immer weiter nach Jesus und auch immer lauter. Erst nachdem Jesus die Menschen auffordert, wenden diese sich Bartimäus zu. „ Jesus nimmt die Umstehenden mit in die Verantwortung und zwingt sie zum Hingehen, Hinschauen und Sprechen.“[16] Nachdem die Menschen beruhigend auf Bartmäus eingeredet haben, wirft dieser seinen Mantel weg, der ihn bisher Schutz und Geborgenheit gewährte, und läuft zu Jesus.

Schon vor seiner Heilung spricht Bartimäus Jesus wie die Jünger mit „Rabbuni, mein Meister“, mein Herr (Rabbi), an. Bartimäus´ Bitte, dass er wieder sehen könne, zeigt den tiefen Sinn des Blindseins. „Markus lässt bewußt offen, ob Bartimäus nicht immer blind war, oder ob er das Erleuchtetwerden vom Glauben meint.“[17] Die Heilung ist Folge des Glaubens. Bartimäus folgt nach der Heilung mit sehenden Augen Jesus nach Jerusalem, den dort der Tod erwartet. „So erzählt Markus diese Heilung als Glaubensgeschichte von Jesus Christus, dessen licht die Finsternis des Todes überwunden hat, damit die Menschen zum Licht des Lebens finden.“[18]

[...]


[1] vgl. Eberhard Sievers, Jesus entdecken, Seite 84

[2] vgl. Alfons Weiser: Was die Bibel Wunder nennt, S. 20/21

[3] vlg. Siegfried Wibbing, Wunder und christliche Existenz heute, S. 94/95

[4] vgl. Alfons Weiser: Was die Bibel Wunder nennt, S. 20/21

[5] vgl.Eberhard Sievers, Jesus entdecken, Seite 85

[6] vgl. Alfons Weiser: Was die Bibel Wunder nennt, S. 28

[7] vgl. Pesch/Kratz, So liest man synoptisch, II, Wundergeschichten, S.9

[8] vgl. Pesch/Kratz, So liest man synoptisch, II, Wundergeschichten, Anhang Motivgerüst der Wundergeschichte

[9] vgl.Eberhard Sievers, Jesus entdecken, Seite 85

[10] vgl. Pech/Kratz, so liest man synoptisch, S. 78

[11] vgl. Mann, Dietrich, Das Neue Testament verstehen, Seite 38

[12] vgl. Mann, Dietrich, Das Neue Testament verstehen, Seite 40

[13] vgl. Mk. 10,52

[14] vgl. Evangelische Kirchengeschichte, Zeitschrift für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kindergottesdienst,

64. Jahrgang, Nr. 1, Seite 27

[15] vgl. Evangelische Kirchengeschichte, Zeitschrift für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kindergottesdienst,

64. Jahrgang, Nr. 1, Seite 27

[16] vgl. Evangelische Kirchengeschichte, Zeitschrift für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kindergottesdienst,

64. Jahrgang, Nr. 1, Seite 28

[17] s.o.

[18] s.o.

Details

Seiten
22
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638470421
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v50936
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg
Note
sehr gut
Schlagworte
Heilung Bartimäus

Autor

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