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Die Bedeutung der bürgerlichen Frauenbewegung für die Soziale Arbeit

Hausarbeit 2019 12 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Zentrale Fragestellung
1.2 Relevanz für das Seminar
1.3 Wissenschaftliche Relevanz
1.4 Methodik

2. Die Entstehung der bürgerlichen Frauenbewegung in Deutschland
2.1 Differenzierung gemäßigte und radikale bürgerliche Frauenbewegung
2.1.1 Die gemäßigte bürgerliche Frauenbewegung
2.1.2 Die radikale bürgerliche Frauenbewegung
2.2 Der Gedanke der „geistigen Mütterlichkeit“

3. Aus der „geistigen Mütterlichkeit“ wird Soziale Arbeit
3.2 Der Einfluss Alice Salomons auf die Professionalisierung Sozialer Arbeit

4. Zusammenfassung
4.1 Ergebnisse
4.2 Ausblick

Literaturverzeichnis

1 . Einleitung

1.1 Zentrale Fragestellung

Ein wesentlicher Faktor in der Geschichte der Sozialen Arbeit ist, dass die Einsicht, die Fürsorge müsse qualifizierter ausgeübt werden, mit der Initiative der bürgerlichen Frauenbewegung, sich Berufsfelder zu erschließen, die ihnen bisher weitgehend verschlossen waren, zusammentrifft (vgl. Hering und Münchmeier 2007, S. 48). Die bürgerliche Frauenbewegung verband die Theorie der „geistigen Mütterlichkeit“ mit den um die Jahrhundertwende vorherrschenden Konzepten bürgerlicher Sozialreform zu einem Konzept sozialer Frauenarbeit als Emanzipation (vgl. Sachße 2010, S. 42; Wagner und Wenzel 2009, S. 32). Dementsprechend soll in der vorliegenden Arbeit sowohl die Bedeutung der „geistigen Mütterlichkeit“ als weibliches Selbstverständnis, sowie auch die bürgerliche Frauenbewegung, die entscheidend zur Entwicklung und Etablierung Sozialer Arbeit beigetragen hat, vertieft werden. Dabei wird die folgende Fragestellung bearbeitet: „Welchen Einfluss hatte die bürgerliche Frauenbewegung auf die Entwicklung der Sozialen Arbeit als Profession?“.

1.2 Relevanz für das Seminar

Von der bürgerlichen Frauenbewegung wurde das spezifische weibliche Emanzipationsideal entworfen, auf dessen Grundlage Sozialarbeit als Beruf konzipiert und realisiert wurde (vgl. Sachße 2003, S. 97). Im Seminar „Geschichte der Sozialen Arbeit“, wurde die Theorie der bürgerlichen Frauenbewegung einschließlich der Vorgeschichte zwar angesprochen, allerdings fehlte hierbei der Bezug zur Herausbildung Sozialer Arbeit als Profession. Das damit verbundene Seminar „Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten“, konnte durch den behandelten Text von Carola Kuhlmann bereits vorab erste Eindrücke bieten, wobei die Relevanz der bürgerlichen Frauenbewegung für die Soziale Arbeit dennoch nicht ganz ersichtlich wurde. So soll diese Arbeit aufbauend auf die bereits genannte Fragestellung das Thema weiter ausführen und vertiefen.

1.3 Wissenschaftliche Relevanz

„Die hohe Präsenz von Frauen und die historische Verquickung mit der den Frauen zugewiesenen, unbezahlten, häuslichen Arbeit bedingt eine Abwertung Sozialer Arbeit.“ (Brückner 2004, S. 42) So werden die sozialen Tätigkeiten der Frauen im Sinne „geistiger Mütterlichkeit“ definiert. Demnach gehen viele davon aus, dass diese Aufgaben keiner oder nur einer niedrigen Qualifikation bedürfen. Dadurch werden jedoch auch professionelle Aufgaben in ungelernte Tätigkeiten zurückgewandelt (vgl. ebd.). Um Soziale Arbeit als einen professionellen Beruf anzuerkennen, soll diese Arbeit im zweiten Kapitel über die Vordergründe, sowie im dritten Kapitel über die Entstehung der „geistigen Mütterlichkeit“ als Produkt der bürgerlichen Frauenbewegung, als auch über die ersten Ansätzen zur Sozialarbeit als Profession, aufklären.

1.4 Methodik

Als wichtigste Quelle ist der Online Katalog der Bayrischen Staatsbibliothek zu nennen, wo die Literatur von Sachße aus den Jahren 1988 und 2003 zu finden ist. Beide Werke liefern verständliche Einblicke in das Thema der bürgerlichen Frauenbewegung im Kontext Sozialer Arbeit als Profession (vgl. Sachße 1988; Sachße 2003). Im Bibliotheks- Katalog der Hochschule München, welcher ebenfalls sehr hilfreich bei der Recherche war, ist die Literatur von Karl zu finden. Allerdings bezieht sie sich nicht auf die Herausbildung des sozialen Berufs, sondern lediglich auf die Entstehung der bürgerlichen Frauenbewegung (vgl. Karl 2011). Im selben Katalog ist auch die Literatur von Dietlinde zu finden, die sich umfassend mit der bürgerlichen Frauenbewegung und dem sozialen Beruf auseinandersetzt (vgl. Dietlinde 1984).

2. Die Entstehung der bürgerlichen Frauenbewegung in Deutschland

Die ersten Ansätze einer organisierten Frauenbewegung regten sich im Zusammenhang mit den liberalen Bestrebungen während der Revolution von 1848. Die frühe Frauenbewegung verdankt die entscheidenden Anstöße den publizistischen Aktivitäten von Louise Otto-Peters, die mit der von ihr zwischen 1849 und 1852 herausgegebenen Frauenzeitung der Frauenbewegung ein Diskussionsforum verschaffte. Die ersten Ansätze weiblicher Emanzipation endeten mit der Niederschlagung der Revolution, denn sowohl die demokratischen Frauenvereine als auch die Frauenzeitung wurden verboten (vgl. Sachße 2003, S. 94). Zwischen dem 16. und 19. Oktober 1865 trafen sich Frauen aus dem ganzen Land, nach einem Aufruf des Frauenbildungsvereins, welcher ein halbes Jahr zuvor von Louise Otto-Peters und Auguste Schmidt gegründet worden war, in Leipzig, um sich der Durchsetzung ihrer Rechte willen, zu einem Nationalverband zu organisieren (vgl. Wolff 2008, S.4). Somit wurde als Neuansatz, der „Allgemeine Deutsche Frauenverein“ (ADF) gegründet, der sich vor allem für die Mädchenbildung und das Recht der Frauen auf Erwerbsarbeit einsetzte. Bis heute repräsentiert dieser Verein die organisierte bürgerliche Frauenbewegung (vgl. Karl 2011, S. 78 f.). Sowohl die fehlenden Rechte der Frauen, als auch die vorherrschenden Elendssituationen, die hauptsächlich Folge der Industrialisierung und der männlich dominierten Gesellschaft waren, wurden durch die Frauenbewegung bemängelt (vgl. Wagner und Wenzel 2009, S. 22).

1866 wurde der nach seinem Vorsitzenden benannte „Lette-Verein“, bei dem die Erwerbsfähigkeit der Frau im Zentrum lag, gegründet, wobei die Leitung männlich war und Frauen nur Objekte der Vereinsaktivitäten waren (vgl. Dietlinde 1984, S. 47). Ende der Achtzigerjahre entstanden die ersten Frauenberufsorganisationen wie der 1889 auf Initiative von Minna Cauer gegründete „Kaufmännische und gewerbliche Hilfsverein für weibliche Angestellte“, sowie der 1890 von Helene Lange gegründete „Allgemeine Deutsche Lehrerinnen-Verein“ (ADLV) (vgl. Sachße 2003, S. 95). 1894 wird in Berlin der „Bund Deutscher Frauenvereine“ (BDF) als Dachorganisation der bürgerlichen Frauenbewegung durch vierunddreißig Vereine gegründet (vgl. Dietlinde 1984, S. 45f.). „Die wichtigsten Gründungsvereine neben dem Lette-Verein waren der ADF, der ADLV, der Verein ‚Frauenwohl', der 'Kaufmännisch-gewerbliche Hilfsverein für weibliche Angestellte' Berlin und der Verein ‚Jugendschutz‘.“ (Greven-Aschoff 1981, S. 88).

2.1 Differenzierung gemäßigte und radikale bürgerliche Frauenbewegung

Um die Jahrhundertwende verbreitete sich die Frauenbewegung enorm, was erste Differenzierungsansätze, wie der Gründung konfessioneller Frauenorganisationen, zur Folge hatte. Auch innerhalb des BDF kam es zur Fraktionsbildung, wobei sich ein gemäßigter und ein radikaler „Flügel“ herausbildeten (vgl. Karl 2011, S. 86f.). Die Unterschiede zwischen diesen beiden Gruppierungen werden nun im Anschluss untersucht.

2.1.1 Die gemäßigte bürgerliche Frauenbewegung

Aus der bürgerlichen Frauenbewegung kamen bedeutsame Anstöße für die Entwicklung kommunaler Fürsorge zu einem System personenbezogener Dienstleistung (vgl. Sachße 1988, S. 42). Der gemäßigte Flügel um Helene Lange und Gertrud Bäumer, zu dem die Mehrheit der Frauenrechtlerinnen angehörte und zu dem sowohl der ADF als auch der ADLV angehörten, bildete den Kristallisationspunkt dieser Bemühungen und forderte eine höhere Bildung, Berufsfreiheit, sowie auch Gleichberechtigung in Ehe und Familie, Staat und Gesellschaft. Ihrem Frauenbild entsprach die gut ausgebildete berufstätige Frau, wie auch die gut ausgebildete Ehefrau und Mutter (vgl. Karl 2011, S. 87). So lässt der Einfluss von Frauen aus der sozialen Arbeit, die gemäßigte Richtung der Frauenbewegung zu einer Bewegung „organisierter Mütterlichkeit“ werden (vgl. Dietlinde 1984, S. 46). Mütterlichkeit ist der Inbegriff sozialer, hegender und pflegender Potenzen der Frau, sowie ihrer Fähigkeit zu gefühlsvoller Emotionalität und Wärme (vgl. Sachße 1988, S. 43). Über die Mütterlichkeit wird später mehr zu erfahren sein.

2.1.2 Die radikale bürgerliche Frauenbewegung

Die radikalen Frauenrechtlerinnen suchten die Emanzipationsbestrebungen, anders als die Aktivistinnen des gemäßigten Flügels, vollkommen jenseits der Rolle als Ehefrau und Mutter und organisierten sich 1888 im Verein „Frauenwohl“, welcher von Minna Cauer in Berlin gegründet wurde (vgl. Karl 2011, S. 87). Der Verein trat seit 1898 als Opposition gegen die Statuen des BDF auf, was eine wichtige Ursache zur Herausbildung der zwei Richtungen in der Struktur des BDF war (vgl. Greven-Aschoff 1981, S. 90f.). Unter dem Vorsitz von Minna Cauer und Anita Augspurg schlossen sich 1899 die radikalen Vereine zum „Verband Fortschrittlicher Frauenvereine“ zusammen (vgl. Dietlinde, S. 48). Ihr wichtigstes Anliegen war die Durchsetzung des Frauenstimmrechts, aber auch mit der gesellschaftlichen Bedeutung von Sexualität, beschäftigten sie sich. So kämpften sie für eine Verbesserung der Stellung lediger Mütter und gegen die herrschende Doppelmoral (vgl. Karl 2011, S. 88f.).

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Details

Seiten
12
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346070074
ISBN (Buch)
9783346070081
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v508603
Institution / Hochschule
Hochschule München
Note
1,0
Schlagworte
bürgerliche Frauenbewegung Alice Salomon Soziale Arbeit

Autor

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Titel: Die Bedeutung der bürgerlichen Frauenbewegung für die Soziale Arbeit