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Tizian Assunta und Madonna des Hauses Pesaro

Hausarbeit 2004 20 Seiten

Kunst - Malerei

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Himmelfahrt Mariä

3. Die Madonna des Hauses Pesaro

4. Der Vergleich untereinander

5. Schlussbemerkung

6. Literaturverzeichnis
6.1 Bücher
6.2 Zeitschriften und Zeitungsartikel
6.3 Internetadressen
6.4 E-Mail Adressen

1. Einleitung

Tiziano Vecellio (um 1477-1576) reifte in einer Zeit der bildenden Kunst. Es vollzog sich gerade die Entwicklung von der Früh- zur Hochrenaissance über den Manierismus bis zu den Anfängen des Barocks. Diese Stilstufen bestimmte der Maler entscheidend mit. Vom 14. bis zum 16. Jahrhundert hatte sich der Begriff Renaissance „Wiedergeburt“ durchgesetzt. Es ist die Epoche der materiellen und geistigen Kulturentwicklungen. Dieser Zeitabschnitt bedeutete für die Kunst eine Befreiung von mittelalterlichen Konversationen und Symbolen. Der Mensch mit seiner natürlichen Umgebung rückt in den Vordergrund. Die Kunst befaste sich nun mit wissenschaftlichen Erforschungen im Rahmen der Anatomie, Optik, Perspektive und vielem mehr. Es dominierte eine realistische Darstellung der Schönheit und der Gestaltung des nackten Menschens, besonders in der Porträtkunst. Außerdem entwickelte sich die Zentralperspektive, um den Raum und die Landschaften realitätsnah wiedergeben zu können. Die antike Mythologie wurde als neuer Themenkreis aufgegriffen und mit neuem Leben erfüllt. Besonders wichtig zu der damaligen Zeit war, dass die Ölmaltechnik aufkam und so einen Wandel in die venezianische Malerei lieferte.

Tizian wurde in Pieve di Cadore 1477[1], als Sohn des Tizianos, Gregorio Vecellio geboren und wuchs in der Provinz Belluno im Norden der Terra ferma auf. Im Alter von Zehn Jahren ging Tizian nach Venedig und genoss dort eine erste Ausbildung bei Sebastiano Zuccato. Dieser war ein Mosaikkünstler und ein Maler gewesen. Aber einige Zeit später gelangte er zu Gentile Bellini und dann zu seinem noch bedeutenderen Bruder Giovanni, der damals Staatsmaler Venedigs gewesen war. Um 1506 lernte Tizian Giorgione kennen, worauf eine innige Freundschaft entstand. Sein Freund starb im Herbst 1510, mit 33 Jahren an der Pest. Auf der Malkunst Giovanni und Giorgione basierend, entwickelte Tizian seinen eigenen farbbetonten Stil.

Er war einer der bekanntesten Künstler der venezianischen Renaissancemalerei. Er gab der Kunst entscheidende Impulse, die bis in das 19. Jahrhundert reichten. Tizian vereinte in seinen Werken die Kraft, den Glanz und die Macht seiner bedeutenden Auftraggeber und setzte es in seine Malerei um.

„Tizian war Maler >>par excellence<<, durch dessen Kunstfertigkeit

Farbe zur Form, zur Masse, zur Materie wurde.“[2]

In diesem Zitat wird deutlich, was für einen Eindruck die Gemälde des Malers, auf den Betrachter haben.

Tizian starb am 27. August 1576 vermutlich an Altersschwäche[3]. Er wurde in der Santa Maria Gloriosa dei Frari beerdigt. In dieser Kirche hat er die große „Himmelfahrt Mariä” und „Die Madonna des Hauses Pesaro“ gemalt. Innerhalb meiner Untersuchung sollen diese beiden Altarbilder der Bestandteil meiner Hausarbeit sein.

Tizian wurde in seiner frühen Schaffensphase bis 1516 noch von der Kunst Giorgiones beeinflusst. Mit seinen sakralen Hauptwerk der „Himmelfahrt Mariä” (1516-18) wurde Tizian zum anerkanntesten Maler in Venedig.

Bei der „Madonna des Hauses Pesaro“ gehe ich des weiteren auf die Rolle des Stifters in diesem Altarbild ein, da dies ein wichtiger Gesichtspunkt für die Betrachtung des Bildes ist. Nach dieser Herausstellung der Fakten, soll ein Vergleich zwischen den Altarbildern erfolgen. Mit Hilfe dieser Sekundärquellen und meiner eigenen Betrachtung soll ein Bezug zwischen diesen verschiedenen Darstellungsweisen geschaffen werden. Um diese Betrachtung zu verdeutlichen, gehe ich in dieser Untersuchung vom Umfeld der Bilder langsam in das Detail über.

2. Die Himmelfahrt Mariä (1516-1518)

Die Santa Maria Gloriosia die Frari oder auch Santa Maria Assunta genannt, befindet sich im Bezirk San Polo, in Venedig. Den Namen Frari-Kirche hat sie den Franziskaner- Brüdern zu verdanken, die 1222 nach Venedig kamen und 1250 mit dem Bau begannen. Die Franziskaner wurden von der Bevölkerung „i-Frari“, kurz Brüder genannt. Um 1445 war der Ausbau, der uns heute zu sehenden Kirche beendet. Der Grundriss der Kirche ist dreischiffig und wird durch Säulen abgegrenzt. Die Decke besteht aus Tonnengewölben. Man bekommt den Eindruck, in einer Halle zustehen und hat so genug Raum zur freien Sicht. An den Seitenwänden des Hauptchors befinden sich zwei Grabmale.[4] In ihrer Mitte ist der riesige Hochaltar mit Tizians „Himmelfahrt Mariä“ die „Assunta“. Sie zieht schon vom Eingang aus die Blicke auf sich. Alles ist ein Ruf zur Höhe, zum vollen Licht und weckt beim Betrachter ein gewisses erstaunen aus. In der Gesamtheit des Bildes verleiht der Himmel von Tizian dem Gemälde Kraft und Herrlichkeit. Der Künstler bezog auch die gesamte Architektur der Basilika mit in sein Werk ein. Das Gemälde wurde 1516 vom Guardian des Minoritenklosters Germano da Casale in Auftrag gegeben und war schon am 19. Mai 1518 fertiggestellt.

Ridolfini berichtet, dass sowohl die Mönche, als auch der Kunde selbst Tizian mehrmals während der Arbeit im Innern des Klosters belästigten. Ihrer Meinung nach malte Tizian die Apostel viel zu groß. So hatte Tizian große Mühe sich zu verteidigen und berief sich auf den großen Kirchenraum, indem die Figuren betrachtet werden würden. Auch der Pater Guardian der Franziskaner (Germano da Casale) soll die unteren Figuren als zu groß empfunden haben. Man erzählt sich, dass Tizian aufgrund des Tadels sein Werk nicht aushändigen wollte und dies erst tat, nach einer förmlichen Entschuldigung von Seiten des Paters. Als das Gemälde seinen Platz ausfüllte, versuchte sogar ein Gesandter Kaiser Karls V. selbiges zu erwerben. Vermutlich akzeptierte Germano da Casale das Werk erst, nachdem der imperiale Gesandte dieses Kaufgebot machte.

Der Altar setzt sich aus 21 Tafeln von drei Zentimetern Dicke zusammen und ist in einen reichen Steinrahmen des Andrea Bregno aufgestellt. Das Ölgemälde auf Holz gestaltet trägt die Maße 668cm x 344cm. Seither malte der Künstler meist in einem kleinerem Maßstab seine Bilder, doch hier bei der „Assunta“ gehen die Figuren erheblich über die Lebensgröße hinaus, weil sie dem weiten Raum der Kirche angepasst wurden sind. Schon die Größe dieses Altarbildes war damals ungewöhnlich und so wurde Tizian durch dieses Bild zum gefeiertsten Maler Venedigs, es ist das erste Meisterwerk der Hochrenaissance.

Auf den ersten Blick gliedert sich die Darstellung in drei verschiedene Ebenen: In der untersten sieht man eine Menschenmenge und mächtige Apostelfiguren, welche wild um sich herum gestikulieren. Im mittlerem Bereich des Altarbildes befindet sich die Jungfrau Maria, welche von zahlreichen Engeln umkreist wird. Sie geleiten die Maria zum Gottesvater, der sich in einer Rundbogenzone im Himmel befindet. Alle Stufen besitzen unterschiedliche perspektivische Blickwinkel, welche durch die leuchtende Farbskala wieder zu einem durchgehenden Eindruck des Bildes führt. Durch das Gegenlicht der großen Apsidenfenster entschloss sich der Künstler die Farben in dem Altarbild leuchtend anzuführen.

„... die Farben blenden – sie sollen blenden und mussten blenden, da das Licht hinter dem Hochaltars, durch hohe gotische Chorfenster von allen Seiten einströmend, auch blendet.“[5]

Im unterem Bildabschnitt beobachten dicht gedrängt Apostel die Himmelfahrt der Maria, dabei drücken ihre Gesten, Blicke und Körperhaltung große Bewunderung, Erschrecken und religiöse Begeisterung des unfassbaren Geschehens aus. Sie stehen in reich kontrapostierten Stellungen als Teil einer gestikulierenden südländischen Volksmenge, um das leere Grab der Maria. Von ihnen geht die große bildherrschende rauschende Aufwärtsbewegung aus. Unter den ganzen Menschenmengen befindet sich unter anderem der Heilige Petrus, welcher Kniend die Hände erhebend betet und ganz überwältigt auf der Steinfassung des Grabes niedergesunken ist. In diese Umschließung des Grabes zeichnete Tizian seine Signatur mit Ticianus ein. Das Grab der Maria befindet sich auf einem Berg, denn der Horizont ist Tief mit einem dunklem Blau dargestellt. Der Heilige Johannes hält seine linke Hand auf der Brust. Der Heilige Thomas zeigt mit dem Finger auf die Madonna. Die verlangend nach oben ausgestreckten Hände des Heiligen Andreas im rotem Gewand, lassen den Gegensatz zwischen Schweben und irdischer Schwere und dem damit verbundenen Vollzug der Trennung Marias von der Erde sichtbar werden.

[...]


[1] Sein Geburtsjahr ist nicht überliefert. Dieses Geburtsdatum ist von einem fernen Verwandten Tizianellos 1622 bekannt gegeben worden. Die Forschung nimmt an, dass Tizian frühestens 1485 eher aber 1488 oder 1490 geboren wurde. Es gibt keine beglaubigten Werke aus dem ersten Jahrzehnt nach 1500 von dem begabten Künstler. Angelo Walther. Tizian; Seemann Verlag, Leipzig 1978. S.17 u. 18

[2] Marion Kaminski, Tiziano Vecellio, genannt Tizian (1488/1490-1576); Könemann Verlag, Köln 1998. Hier Umschlag, innere Vorderseite.

[3] Während dieser Zeit wütete in Venedig die Pest. Man vermutet, dass er eines natürlichen Todes gestorben ist, weil er nicht auf dem Pestfriedhof beigesetzt wurde.

[4] An der rechten Wand der Chorkapelle liegt das Grab von Francesco Fosari, einem der mächtigsten und bedeutendsten Dogen (reg. 1423-1457) der venezianischen Geschichte. Gegenüber befindet sich das riesige Grabmal des Dogen Nicolo` Tron (reg. 1471-1473), ein Hauptwerk von Antonio Rizzo.

[5] Emil Waldmann, Tizian, Im Propyläen – Verlag, Berlin 1922

Details

Seiten
20
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638469678
ISBN (Buch)
9783656899174
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v50842
Institution / Hochschule
Universität Erfurt – Kunst
Note
2,0
Schlagworte
Tizian Assunta Madonna Hauses Pesaro Kunsthistorisches Seminar

Autor

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Titel: Tizian Assunta und Madonna des Hauses Pesaro