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Die Teilnahme am Global Compact. Greenwashing oder soziale Verantwortung?

Hausarbeit 2019 23 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Relevanz des Themenaspektes
1.2 Ziele und Methodik

2 Der Global Compact
2.1 Entstehung und Hintergrund des Global Compact
2.2 Das Konzept des Global Compact
2.2.1 Die Ziele
2.2.2 Global Compact in der Praxis
2.3 Global Compact in Deutschland

3 Kritik am Global Compact

4 Hintergrund der Teilnahme am Global Compact
4.1 Negativbeispiele
4.1.1 Shell
4.1.2 Bayer AG
4.1.3 Deutsche Post DHL
4.1.4 Siemens
4.2 Positivbeispiele
4.2.1 Volkswagen AG
4.3 Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung oder nur zum Zweck des Green- bzw. Bluewashing?

5 Schluss
5.1 Zusammenfassung
5.2 Kritische Würdigung
5.3 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Relevanz des Themenaspektes

Grund für die Gründung des Global Compact war die fortschreitende Globalisierung, wodurch sich die Wirtschaftsmacht verschiedener weltweit handelnder Unternehmen immer weiter anhäufte. Dabei ist die Regulierung der weltweit agierenden Unternehmen im staatlichen Rahmen jedoch mittlerweile unmöglich. Um diesbezüglich einen Handlungsspielraum zu schaffen, und dabei das Thema der Unternehmensverantwortung auf die Internationale Agenda zu bringen, stellte Kofi Annan am 31. Januar 1999 auf dem Wirtschaftsforum in Davos das Konzept eines privat- aber auch öffentlichen Paktes. Dafür wurde eine Plattform auf die Beine gestellt, welche einen auf gemeinsamen Werten basierenden internationalen Verhaltensrahmen bilden soll. Um diese Werte zu veranschaulichen wurden insgesamt zehn Grundprinzipien formuliert, die ökologische als auch soziale Themenfelder abdecken. Das Ziel des Paktes war schlussendlich die Zusammenbringung von gesellschaftlichen Interessen, die auf das Gemeinwohl abzielen, sowie unternehmerischen Interessen, die auf die interne Nutzenmaximierung abzielen. Die Einhaltung der zehn Grundprinzipien und die Zusammenarbeit basiert jedoch auf freiwilliger Basis. Grundsätzlich soll im Rahmen des Paktes auch vielmehr auf Normen und Werte aufmerksam gemacht werden, als mit Sanktionen zu drohen. Darin besteht auch das Grundproblem womit sich die vorliegende wissenschaftliche Arbeit, vor allem mit Fokus auf deutsche Unternehmen, befasst. Dementsprechend glaubten auch viele zivilgesellschaftliche Akteure nicht an das anfangs angestrebte werte- und normgeleitete Handeln von privaten Akteuren. Auch heutzutage wird die Initiative noch weiterhin kritisiert. Manche Organisationen oder Kritiker gehen sogar noch einen Schritt weiter und werfen den privatwirtschaftlichen Akteuren vor, diese Plattform nur betreten zu wollen, um international dadurch ein besseres öffentliches Ansehen zu bekommen, obwohl die sozialen Absichten lediglich vorgetäuscht werden.

Diese Sichtweisen schädigen das öffentliche Ansehen des Global Compact sehr. Doch in welchem Umfang sind die Bedenken mancher Organisationen und Kritiker berechtigt? Ist der Global Compact möglicherweise nur ein schlichtes Marketinginstrument für die privatwirtschaftlichen Akteure? Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit wird sich mit dieser Frage befassen, indem die Wirkungsweise der Initiative auf weltweit agierende aber tendenziell eher auf deutsche Unternehmen untersucht wird.

1.2 Ziele und Methodik

Ziel dieser Ausarbeitung ist es einerseits die Entwicklung und die wesentlichen Merkmale des Global Compact aufzuzeigen. Darüber hinaus soll festgestellt werden, wie viele deutsche Unternehmen aktuell Mitglied im Global Compact sind. Anschließend erfolgt eine Untersuchung, ob der Beitritt lediglich zum Zweck des Green- bzw. Bluewashing oder tatsächlich zur Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung erfolgt ist. Allem voran sollen nun im zweiten Kapitel die Entstehung, der Hintergrund sowie das Konzept des Global Compact erläutert werden. Anschließend wird untersucht, wie stark der Global Compact in Deutschland verbreitet ist und vor allem wie viele Mitglieder er hierzulande als aktive Mitglieder zählen kann. Im darauffolgenden dritten Kapitel wird zuerst Kritik am Global Compact ausgeübt und anschließend mögliche Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt. Im folgenden vierten Kapitel liegt der Hauptfokus dieser wissenschaftlichen Arbeit. Dabei wird auf den Hintergrund der Teilnahme am Pakt, sowie auf verschiedene negative sowie positive Fallbeispiele eingegangen. In einem abschließenden fünften Kapitel wird ein Fazit aufgestellt, wobei auf die bereits aufgezeigten Kritikpunkte und die Hintergründe der Teilnahme am Global Compact eingegangen und ein Ausblick über das bearbeitete Themengebiet gegeben wird.1

2 Der Global Compact

2.1Entstehung und Hintergrund des Global Compact

Der Pakt „Global Compact“ wurde anlässlich des Wirtschaftsforums am 31. Januar 1999 in Davos vom ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan vorgeschlagen. Ein Jahr später unterzeichneten schließlich knapp 50 Vertreter von multinationalen Unternehmen diesen Pakt, womit sie sich dazu verpflichteten, insgesamt zehn Prinzipien zum Schutz der Arbeitsnormen, Menschenrechte und Umweltstandards in ihre Geschäftspolitik einzubeziehen und weiterzuentwickeln. Einer der Hauptgründe der Gründung eines solchen Paktes war dabei das Fehlen eines weltweiten Rahmens zur Minimierung der negativen Auswirkungen der Globalisierung auf die Weltgesellschaften und die natürliche Umwelt.

2.2 Das Konzept des Global Compact

2.2.1 Die Ziele

Hinter dem Global Compact steckt kein ordnungspolitisches Instrument, sondern eine wertorientierte Plattform, die die Förderung institutionellen Lernens zum Ziel hat.2 Die grundlegende Idee des Paktes basiert auf der Etablierung allgemein anerkannter Werte sowie der kontinuierlichen Steigerung von Unternehmensverantwortung. Das primäre Ziel liegt letztendlich darin, die Transparenz zu fördern und einen Dialog zu schaffen, um damit zum einen die Probleme der fortschreitenden Globalisierung zu bewältigen, aber letzten Endes das Gemeinwohl sowohl für die Gesellschaft als auch für die Wirtschaft und die Umwelt zu fördern. Dies soll mit Hilfe von zehn Grundprinzipien, welche die Bereiche Arbeitsnormen, Korruptionsbekämpfung, Menschenrechte sowie Umweltschutz betreffen, erfolgen, welche Führungsstärke und Innovation bei der Umsetzung von unternehmerischer Selbstverpflichtung zum verantwortlichen Handeln fördern sollen.3 Darüber hinaus möchte der Global Compact einen Beitrag zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise leisten, indem er der Entwicklung und Verbreitung international etablierter Richtlinien für ökonomisches Handeln im ökologischen aber auch sozialen Bereich einen Rahmen gibt.4 Grundsätzlich liegt der Schwerpunkt jedoch in den Entwicklungsländern, da dort die Probleme, bei objektiver Betrachtung, größer als in den Industrieländern sind und somit die Befolgung der Grundsätze und Werte von noch enormerer Bedeutung ist.

2.2.2 Global Compact in der Praxis

Wie bereits erwähnt, verpflichtet sich nach dem Beitritt in diesen Pakt jedes Unternehmen dazu, jedes Jahr neben der Veröffentlichung von konkreten Beispielen zur Umsetzung der zehn Prinzipien auch den Fortschritt auf dem Weg zur Verwirklichung der zehn Prinzipien aufzuzeigen.5 Das „Communication on Progress“ (COP) oder die Fortschrittsmitteilung bietet einem Unternehmen die Möglichkeit, sich mit seinen Stakeholdern (Interessensgruppen) jährlich über seinen Fortschritt bei der Umsetzung der zehn Prinzipien auszutauschen. Diese Fortschrittsmitteilung kann zu den jährlich abzugebenden Finanzberichten oder beispielsweise (bspw.) den Nachhaltigkeitsberichten dazu gelegt und auch auf sonstigen Kanälen veröffentlicht werden.6 Erfolgt innerhalb der ersten zwei Jahre jedoch keine Fortschrittsmitteilung, so wird das Unternehmen aus der Mitgliedsliste entfernt. Generell besteht eine solche Fortschrittsmitteilung aus insgesamt drei Teilen. Zum einen beinhaltet diese eine Erklärung der Geschäfts- beziehungsweise (bzw.) Unternehmensleitung, warum das Unternehmen Global Compact unterstützen möchte. Zum anderen ist eine Beschreibung von praktischen Maßnahmen beizufügen, die das Unternehmen im entsprechenden Berichtsjahr aufgegriffen hat, um somit die zehn Prinzipien zu verwirklichen. Zu guter Letzt sind die erfolgten Ergebnisse der ergriffenen Maßnahmen zu Messen, was je nach Möglichkeit unter der Verwendung von Standard-Indikatoren oder -Messgrößen erfolgen muss. Allgemein fordert aber das Sekretariat des Global Compact seine Mitglieder dazu auf das Logo des Pakts zu verwenden, um so die Teilnahme an der Initiative zu fördern.7

Interesse und eine Bereitschaft zur Unterstützung des Global Compact zeigten bei der offiziellen Einführung der Initiative am 26. Juli 2000 insgesamt bereits über 50 Konzerne. Darunter auch deutsche Konzerne wie Daimler-Chrysler oder SAP.8 Regional dominierend waren bei der Gründung Unternehmen aus Europa als auch aus Nichtregierungsorganisationen und Unternehmensvereinigungen aus Europa und den USA. Asien, Afrika und Lateinamerika waren insbesondere durch Unternehmen aus den Schwellenländern (Brasilien, China, Indien, Mexiko und Südafrika) vertreten.9 Seit der Gründung ist die Anzahl der Teilnehmer rasant angestiegen. Im Januar 2002 beteiligten sich bereits 82 Unternehmen, Unternehmensvereinigungen, Zivilgesellschaften und Gewerkschaften. Nachdem die Initiative aus den Anlaufschwierigkeiten gelernt hat, stieg die Unternehmerzahl rasant an und betrug im Jahr 2005 bereits 2.202, wovon jedoch lediglich 47 aus Deutschland kamen.10 Heute beläuft sich die Anzahl der daran beteiligten Unternehmen auf 9.946 (Stand: 19.10.2019) aus insgesamt 162 Ländern weltweit, womit der Pakt somit die größte Corporate-Citizenship-Initiative der Welt ist.11 Tendenziell nehmen dabei die Unternehmen, die auf ihren Märkten Führungspositionen einnehmen oder einer breiten Bevölkerungsschicht bekannt sind, den größten Teil davon ein.12

2.3 Global Compact in Deutschland

Insgesamt zeigten sechs Unternehmen ein Interesse an einer direkten Beteiligung bei der Gründung des globalen Pakts, darunter die BASF SE, die Bayer AG, die Daimler AG, die Deutsche Bank AG, die Deutsche Telekom AG sowie die SAP SE. Die genannten Unternehmen sind auch noch bis heute (Stand 19.10.2019) Mitglied des Global Compact.13 Kurze Zeit später wurde im selben Jahr auch das Deutsche Global Compact Netzwerk (DGCN) gegründet. Dieses Netzwerk hat die Förderung der konstruktiven Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen, anderen Sektoren der Gesellschaft und der Regierung als Ziel.14 Des Weiteren veröffentlicht dieses Netzwerk seit 2004 das Jahrbuch „Global Compact Deutschland“, worin anschauliche Beispiele von Unternehmen aufgezeigt werden, die die zehn Prinzipien des Global Compact erfolgreich in der Praxis umgesetzt haben.15 Innerhalb dieses Netzwerkes ist die Internationale Handelskammer (ICC) Deutschland für die Abstimmung der Wirtschaft verantwortlich, welches wiederum von der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) koordiniert wird.

Heutzutage zählen in Deutschland insgesamt genau 510 Teilnehmer (Stand 19.10.2019) zu den Unterzeichnern des globalen Pakts. Tendenziell engagieren sich bei Beobachtung der letzten Jahre auch immer mehr kleine und auch mittelständische Unternehmen sowie Organisationen der Politik, Wissenschaft und auch der Zivilgesellschaft.16 Im Vergleich zum Global Compact war die Grundeinstellung der Bundesregierung seit der Gründung sehr positiv. Sie betrachtet diese Vision als eine Chance, um Unternehmensführungen qualitativer und verantwortungsvoller gestalten zu können und als eine grundlegend effektive Lösung gegen die andauernde Globalisierung und deren Chancen und Risiken. In der Praxis unterstützt die Bundesregierung diese Vision, indem sie dem Global Contact Netzwerk ein Verbindungsbüro zur Beratung, Koordinierung und Unterstützung von verschiedenen Aktivitäten, wie bspw. öffentlichen oder auch thematischen, zur Verfügung stellt. Des Weiteren hat sie bereits an einer Studie teilgenommen, die zur Erfassung der Wirkungen des Global Compact als Finanzier gedient hat. Darüber hinaus erfolgte auch eine Teilnahme an einer Einrichtung eines regionalen Lernforums in Sub-Sahara-Afrika sowie der Unterstützung von insgesamt acht lokalen Netzwerken.17

3 Kritik am Global Compact

Wie bereits im vorangegangenen Kapitel erwähnt, bestraft der Global Compact die Unternehmen mit dem Ausschluss, wenn diese ihre jährlich abzugebenden Berichte nicht termingerecht abgeben. Diese Strafe bezieht sich jedoch lediglich auf die jährliche Berichterstattung der zehn Prinzipien.

Unbeachtet bleibt dabei die Umsetzung bzw. den Erfolg der Umsetzung der zehn Prinzipien. Das heißt schlussendlich, dass bei Nichteinhaltung der zehn Prinzipien lediglich die Streichung aus der Mitgliederliste erfolgt. Infolgedessen liegt die Vermutung natürlich nahe, dass einige Mitgliedsunternehmen das Logo ausschließlich als Public Relations (PR) – Instrument verwenden und es somit nur zum Schein tragen. Somit ist ein Ausnutzen des Pakts und Logos, das grundsätzlich für Werte und Nachhaltigkeit steht, möglich und damit einhergehend auch sogenanntes „bluewashing18, was grundsätzlich den Versuch von Konzernen, sich durch die Nähe zu den Vereinen Nationen den Anschein von verantwortungsbewusstem Handeln zu geben, beschreibt.

Der Global Compact muss sich somit die Kritik an der Initiative gefallen lassen. Denn weiterhin gibt es auch keine Überprüfung der Nachhaltigkeit und mögliche Sanktionen, die dem Unternehmen Schaden zufügen könnten. Darüber hinaus ist auch die Aufnahmehürde so überschaubar, dass auch vermeintlich unseriöse Unternehmen dem Global Compact beitreten können. Diesbezüglich ist jedoch zu sagen, dass das Global Compact auch kein verbindliches Regelwerk ist.

Dennoch sollte der Global Compact entsprechende Maßnahmen treffen, sodass die jährliche Berichterstattung, die damit verbundenen Beispiele der Umsetzung der Prinzipien und damit auch der letztendliche Erfolg der genannten Beispiele auch wirklich kontrolliert werden, sodass bei Misslungener Umsetzung der Prinzipien auch entsprechende Sanktionen, und nicht nur die Streichung aus der Teilnehmerliste, erfolgen können.

[...]


1 Für das vorliegende Assignment wurde die übliche männliche Form, aufgrund der stilistischen Vereinfachung und der besseren Lesbarkeit des Textes, gewählt.

2 Vgl. RESET (o. J.)

3 Vgl. Deutsches Global Compact Netzwerk (2014), S. 21 ff.

4 Vgl. Öko-Institut e.V. (2005), S. 43

5 Vgl. Sailer (2017), S. 56

6 Vgl. Deutsches Global Compact Netzwerk (2019b), S. 4

7 Vgl. Kissler et al. (2005), S. 11

8 Vgl. Fenner (2004), S. 53

9 Vgl. Hößle (2013), S. 117 f.

10 Vgl. Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken (2015)

11 Vgl. United Nations Global Compact (2019a)

12 Vgl. Fenner (2004), S. 74

13 Vgl. United Nations Global Compact (2019b)

14 Vgl. Bundesarbeitgeberverband Chemie (2010), S. 1 f.

15 Vgl. Deutsches Global Compact Netzwerk (2019c)

16 Vgl. United Nations Global Compact (2019b)

17 Vgl. Bundesarbeitgeberverband Chemie (2010), S. 2

18 Vgl. Wentland, Palazzo (2011)

Details

Seiten
23
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346061942
ISBN (Buch)
9783346061959
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v507694
Institution / Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1,3
Schlagworte
teilnahme global compact greenwashing verantwortung

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