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Aspekte der Macht in der Pädagogik

Rahmenbedingungen in der deutschen Krankenpflegeausbildung

Studienarbeit 2016 24 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problembeschreibung
1.2 Frage

2 Klärung der Begriffe „Macht“ und „Pädagogik“

3 Methodik

4 Rahmenbedingungen in der deutschen Krankenpflegeausbildung
4.1 Schule und Macht
4.2 Teilnehmende Beobachtung

5 Diskussion und Zusammenfassung

6 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Wissen, welches Menschen zur Erreichung ihrer Ziele einsetzten, verleiht ihnen Macht über andere Menschen (Ricken & Rieger-Ladich, 2004, S. 147). Von jedem "Wissenden" kann also auch gesagt werden, dass er Macht ausübt (Foucault, 2005, S. 239).

Die Macht eines Lehrers als „Wissendem“ drückt sich dabei nicht nur durch Noten und Beurteilungen aus, sondern auch durch die ihm von der Institution Schule über- tragene Verantwortung für die Ausbildung seiner Schüler (Sahmel, 2015, S. 290). Die Macht an sich ist dabei nichts Gegenständliches, Greifbares, sondern eine un- sichtbare Eigenschaft solcher sozialer Beziehungen (Imbusch, 2012, S. 10).

Diese Macht lässt sich besonders gut an bestehenden gesellschaftlichen Institutio- nen, wie zum Beispiel der Schule, darstellen. Denn durch die vorhandenen sozialen Zwänge wird deutlich, wie wenige Menschen auf viele Menschen Einfluss ausüben und man Ihnen dadurch Macht zuspricht (Lehmann, 2010, S. 118). Solche Macht- beziehungen können hier auch analysiert werden, da sie in geordneter, konzentrier- ter und vielfältiger Form zu beobachten sind (Foucault, 2005, S. 258).

Zum Thema der Macht in der Pädagogik, oder genauer, zu pädagogischer Autorität wurden bisher verschiedene Fragestellungen bearbeitet, so zum Beispiel zur Unter- richtsforschung und zur pädagogischen Führung. Auch erziehungsgeschichtliche Analysen zur Autorität und philosophische Studien zu Fragen der Autorität (Rei- chenbach, 2011, S. 128) waren Gegenstand der Forschung.

In der vorliegenden Studienarbeit soll nun versucht werden, die in der Pädagogik vorliegenden Formen der Macht genauer zu beleuchten.

1.1 Problembeschreibung

Macht als Thema führt in das Herz eines modernen Erziehungsverständnisses. Es rührt an der schwierigen pädagogischen Sachlage, Selbstbestimmung durch Erzie- hung zu ermöglichen (Ricken & Rieger-Ladich, 2004, S. 145).

In Schulen erfolgt Erziehung als Prozess. Lehrer, als Erziehende, versuchen, das Verhalten der Schüler, als die zu Erziehenden, nach Plan zu ändern (Feldmann, 2006, S. 239), um verschiedene gesellschaftliche Vorgaben zu erfüllen. Gleichzei- tig soll dabei nicht vergessen werden, dass Jugendliche einer wohlwollenden Um- gebung bedürfen, um zu freundlich gesonnenen Menschen heranzuwachsen (Russell, 2002, S. 228).

Macht steht in engem Zusammenhang mit der Macht ausübenden Person. Im Falle der Schule also primär des Lehrers. Wenn diese Macht, die sowohl sinnvoll angewendet als auch missbraucht werden kann, durch Position oder Qualifikation entsteht, dann gilt sie als legitimiert. Die Macht ausübende Person ist weisungsbe- fugt, sie regelt und bestimmt Abläufe und Handlungen (Kulbe, 2009, S. 137), zum Beispiel Prüfungen und Sanktionen.

Im Endeffekt jedoch muss sich speziell die pädagogische Macht selbst überflüssig machen. In einer zeitlichen Begrenzung erfolgt dies, wenn der Adressat von sich aus in der Lage ist, vernünftig über sich selbst zu bestimmen (Ricken & Rieger-La- dich, 2004, S. 146), also die Schule geplant verlässt.

Um nun zu erkennen, ob sich pädagogische Macht, wie angedacht, in zeitlich ge- planter Weise überflüssig macht oder überhaupt überflüssig machen kann, müs- sen zuerst die verschiedenen Machtbeziehungen in der Pädagogik sichtbar ge- macht werden.

1.2 Frage

Es stellt sich die Frage: Welche Aspekte der Macht lassen sich in der Pädagogik erkennen?

2 Klärung der Begriffe „Macht“ und „Pädagogik“

Hier sollen einige für diese Studienarbeit grundlegende Begriffe geklärt werden. Zuerst zum Begriff der „Macht“:

Max Weber hat eine bekannte Definition des Machtbegriffes veröffentlicht. "Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Wiederstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance be- ruh t" (Weber & Winckelmann, 2002, S. 28). Macht kann als eher diffuse, nicht or- ganisierte Größe eines Soziallebens gesehen werden. Im Unterschied zur Herr- schaft, die sich genauer auf Personen bezieht, kann Macht auch gegenläufig, also von unten nach oben funktionieren. Gemeinsam ist beiden Begriffen, das sie auch gegen Wiederstände durchzusetzen ist (Heins, 2004, S. 62).

Macht ist als soziales Verhältnis weder geradlinig noch zentral zu verorten, sondern muss als Verhältnis von Kräften zueinander, als Macht und Gegenmacht verstan- den werden. Macht ist nicht etwas das man hat, sondern etwas das man ausübt. Man kann nur Macht über Andere haben, ohne andere Menschen wäre der Macht- begriff sinnlos (Ricken & Rieger-Ladich, 2004, S. 125–126). Diese Macht in menschlichen Gesellschaften war auch schon immer durch eine Ungleichheit ge- kennzeichnet (Russell, 2009, S. 16) und führte so in der menschlichen Historie zu dem Wunsch nach einem Wechsel der Machtbeziehungen, bzw. einer Umverteilung der Machtverhältnisse.

Zwischen Macht und dem Begriff der „Autorität“ ist zu unterscheiden, da die Aner- kennung der Autorität mit einer Ermächtigung einhergeht. Hier sind dann die emo- tionalen Gesichtspunkte der Achtung, Anerkennung, des Respekts und der Ehr- furcht als zentral anzusehen (Reichenbach, 2011, S. 27). "Autorität ist anerkannte, geachtete Macht, die zugleich bewundert und gefürchtet wird" (Sofsky & Paris, 1994, S. 19). Autorität kann eine Eigenschaft einzelner sein, also persönliche Auto- rität, zum Beispiel in der Beziehung von Eltern und Kindern oder Lehrer und Schü- lern. Sie kann auch zu einem Amt gehören, zum Beispiel einem Priester oder Mi- nister. Ihr Kennzeichen ist die sichere Anerkennung durch die Gehorchenden (Arendt, 1995, S. 46–47).

Es soll noch auf den für die Institution der Schule wichtigen Begriff der „Disziplin“ eingegangen werden: Mit Disziplin kann man eine Technik bezeichnen, mit der die Gesellschaft bis zu ihrem kleinsten Element, also dem Individuum vordringen kann um damit Macht durch Überwachung und Kontrolle auszuüben (Foucault, 2005, S. 228–229).

Als nächstes wird der Begriff „Pädagogik“ definiert:

Die Pädagogik, als erst seit ca. 200 Jahren bestehendes Phänomen der Erziehung durch die Schule, kann als noch sehr jung bezeichnet werden (Feldmann, 2006, S. 244). Die Pädagogik- oder Erziehungswissenschaft ist die Wissenschaft von der Ausbildung und Erziehung von Menschen. Sie geht Fragen dieser Erziehung nach und hinterfragt auch deren verschiedene Methoden (Kulbe, 2009, S. 15), in allen Teilen der Gesellschaft, nicht nur in Institutionen wie der Schule.

Die hier genannten Begriffe Pädagogik und Erziehungswissenschaft werden also als identische Begriffe nebeneinander verwendet. Die Erziehungswissenschaften können auch als professionelle Lebensbegleitung gesehen werden, also als Wis- senschaft des Lebenslaufes und der individuellen menschlichen Entwicklung (Gudjons & Traub, 2012, S. 26), sowie als kritische Sozialwissenschaft, die päda- gogische Problemstellungen bearbeitet (Sahmel, 2015, S. 22).

Das in den verschiedenen Schulformen zu erreichende bzw. zu vermittelnde" Fach- wissen" und die dazu erforderliche "Fachschulung" können als wichtigstes Definiti- onsmerkmal einer modernen bürokratischen Herrschaft gesehen werden (Hanke & Mommsen, 2001, S. 270). Pädagogik ist hier also auch immer an Herrschaftsver- hältnisse gebunden, an herrschende Ideologien und auch an wirtschaftliche Bedin- gungen (Sahmel, 2015, S. 22).

3 Methodik

Es wurde eine umfangreiche Literaturrecherche durchgeführt. Unter den Schlag- wörtern „Macht“ und „Pädagogik“ wurde auf scholar-google und books-google ge- sucht. Es ergaben sich fünfzehn relevante Treffer. Weiter wurde im GBV unter den genannten Schlagwärtern gesucht. Es ergaben sich fünfundsechzig Treffer, davon waren fünf relevant.

Als Ergebnis der bisherigen Recherche wurde gesondert außerdem nach den Schlagwörtern „Teilnehmende Beobachtung“ und „Sozialforschung“ gesucht. Es ergaben sich fünf Treffer. Überdies wurde nach den Schlagwörtern „libertäre Päda- gogik“ und „Antipädagogik“ recherchiert.

Gesamt fanden dreiundzwanzig Literatur- Quellen in dieser Studienarbeit Verwen- dung.

Um die Aspekte der Macht in der Pädagogik vertieft zu beforschen und die Verbin- dung zur Krankenpflege herzustellen, wurde eine Unterrichtssituation an einer deut- schen Krankenpflegeschule beobachtet. Eine solche Teilnehmende Beobachtung gehört zu den Grundlegenden Methoden der sozialen Feldforschung. Diese Me- thode wird zur Untersuchung überschaubarer soziokultureller Einheiten angewandt (Flick, 2012, S. 189).

Direkt nach der Beobachtungssituation wurde ein Beobachtungsprotokoll angefer- tigt, wobei dieses Beobachtungsprotokoll nicht als problemlose Zusammenfassun- gen des Erfahrenen gesehen werden kann, sondern als verdichtete Erinnerungen des Beobachters, bzw. des Autoren, die subjektiv eingeordnet und nachvollzogen wurden (Flick, 2000, S. 396). Das Protokoll ist im Anhang ersichtlich. Ein Vergleich des Protokolls zu den in der Literaturrecherche gewonnenen Daten erfolgt im Kapi- tel „Teilnehmende Beobachtung“.

4 Rahmenbedingungen in der deutschen Krankenpflegeausbildung

Die Rahmenbedingungen werden in diesem Abschnitt aus dem Blickwinkel der Macht in der „Institution Schule“ beschrieben:

Die Krankenpflegeausbildung in Deutschland unterliegt den Berufszulassungsge- setzen, also Gesetzen der Bundesrepublik. Die Ausbildung wird durch Krankenhäu- ser und die daran angegliederten Krankenpflegeschulen durchgeführt und dabei durch die zuständigen Führungsstrukturen gelenkt, dem Kultusministerium bzw. dem entsprechendem Träger des Krankenhauses (Schneider, Brinker- Meyendriesch, & Schneider, 2005, S. 392–395). Auch unterliegen die jeweiligen Prüfungsverfahren in der Krankenpflege einer sehr genauen staatlichen Kontrolle (Sahmel, 2015, S. 292), zum Beispiel die Einhaltung der abzuleistenden theoreti- schen und praktischen Ausbildungszeit und die korrekte Verteilung dieser Ausbil- dungsstunden auf die vorgeschriebenen Fachgebiete.

Strukturell müssen die betreffenden Schulleitungen und Lehrkräfte an Krankenpfle- geschulen über eine Hochschulausbildung verfügen. Die Gesamtverantwortung für die Krankenpflegeausbildung liegt bei den Schulen. Dies beinhaltet auch ein ent- sprechendes Weisungsrecht gegenüber den Schülern (Schneider et al., 2005, S. 404- 405).

4.1 Schule und Macht

Von Kindheit an wird Anweisungen und Befehlen gehorcht. Mit dem Gehorchen wird die Autorität des Befehlenden anerkannt (Reichenbach, 2011, S. 47) also in der Kindheit zuerst die Autorität der Eltern, bzw. der Erziehungsberechtigten.

Mit dem Übergang in das jeweilige Schulsystem verändern sich dann diese Macht- beziehungen. Der in der Schule geltende Ordnungsrahmen einer Schulklasse ist als sozialer Zwang zu sehen, in dem Menschen, oft unfreiwillig, Macht gegenei- nander und miteinander ausüben. Es zeigt sich eine Art der Arbeitsteilung in Form einer Spezialisierung und damit einhergehend eine Rangordnung der Privilegien (Lehmann, 2010, S. 116), zum Beispiel der Lehrer gegenüber den Schülern, oder auch der Schulleitungen gegenüber den Lehrern. In modernen Gesellschaften wir- ken hier auf allen Ebenen Kontroll- und Disziplinierungsprozesse, als Ausdruck von Machtinteressen (Thomas, 2014, S. 109) der beteiligten Individuen und gesell- schaftlichen Gruppierungen.

Macht ist also immer von einer Anerkennung durch andere abhängig und somit eine Beziehungsressource. Wenn man anderen seinen Willen aufzwingen kann, hat man Macht. Wenn jemand nicht beachtet wird, ist er machtlos. Macht ist ein aktives Medium, das hier in der Bildung bzw. im Bildungssystem wirkt (Feldmann, 2006, S. 222–223).

Das für eine moderne Gesellschaft unentbehrliche Wissen kann sich nicht ohne Systeme der Kommunikation oder Aufzeichnung bilden, die in sich auch Formen von Macht sind und dabei mit anderen Machtformen verbunden sind. Demgegen- über kann es zu keiner Ausübung von Macht ohne die Gewinnung, Aneignung, Verteilung oder Zurückhaltung von Wissen kommen (Foucault, 2005, S. 64), wie zum Beispiel in den Institutionen der Schulen und auch der Hochschulen.

Gut sichtbar zu machen sind solche Machtbeziehungen durch die Beobachtung von Machttechniken, oder hier auch Disziplinartechniken. Eine Disziplinartechnik in der Schule ist die Anordnung der Schüler, sitzend, in Reihen. Dadurch kann der Lehrer gegenüber den Schülern individuell Macht ausüben, denn sie können so einzeln ins Auge gefasst werden (Foucault, 2005, S. 230).

Schule ist hier also ein Abbild von Macht. Dies zeigt sich neben der räumlichen Anordnung durch die akkurate Regulierung des schulischen Lebens, zum Beispiel anhand von Überwachung und bei Belohnung und Strafe. Ebenfalls ersichtlich ist dies durch die Schul- Hierarchie in Pyramidenform (Foucault, 2005, S. 253), mit der Schulleitung an der Spitze und den jüngsten Schülern an der Basis.

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Details

Seiten
24
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783346057488
ISBN (Buch)
9783346057495
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v507601
Institution / Hochschule
Hochschule Deggendorf – Fakultät Angewandte Gesundheitswissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Pädagogik Macht Pflegepädagogik

Autor

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Titel: Aspekte der Macht in der Pädagogik