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Die Bedeutung des Ethikunterrichtes in der Fachweiterbildung der psychiatrischen Pflege

Studienarbeit 2016 11 Seiten

Ethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problembeschreibung
1.2 Frage

2 Klärung der Begriffe "psychiatrische Pflege" und "Ethik"

3 Methodik

4 Rahmenbedingungen der Weiterbildung psychiatrische Pflege
4.1 Ethik in der psychiatrischen Pflege
4.2 Ethik im Pflegeunterricht

5 Diskussion und Zusammenfassung

6 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Für Berufe die in existentiellen Situationen in das Leben von Menschen eingreifen, wie zum Beispiel die Pflegeberufe, ist eine Beschäftigung mit ethischen Grundla- gen geboten (Großklaus-Seidel, 2002, S. 9). In diesem Sinne ist eine berufliche Ethik der Pflegeberufe an der Aufgabe der professionell Pflegenden auszurichten, belastete, kranke und behinderte Menschen vertrauensvoll zu begleiten (Kruse & Wagner, 1994, S. 4).

Das dafür notwendige pflegeethische Wissen ist an pflegerisches Fachwissen ge- kettet und bildet sich mit dessen Entfaltung aus (Körtner, 2012, S. 108), beginnend mit der Grundausbildung, während der Ausübung des Berufes, bis hin zu anschlie- ßenden beruflichen Fort- und Weiterbildungen.

Wichtige Aufgaben des beigeordneten Ethikunterrichtes sind unter anderem die Förderung des Gespräches über Moral und Ethik, sowie eine Sensibilisierung der Weiterzubildenden für unterschiedliche ethische Ansichten (Lay, 2014, S. 357). Als zentrale pflegerische Institution beschreibt das International Council of Nurses in seinem Ethik- Codex hierzu die personal responsibility of nurses for maintaining competence by continual learning and for ensuring that the use of technology and scientific advances are compatible with the safety, dignity and rights of people (ICN, 2012, S. 3).

Auch in der psychiatrischen Versorgungslandschaft soll dabei durch die Weiter- qualifizierung Pflegender eine Reflektion und Regulation ihrer Haltung zum Patien- ten gesichert werden. Dies ist zum Beispiel besonders im Hinblick auf Patienten mit einer Suizidgefährdung zu beachten (Feuerstein & Schramme, 2015, S. 265).

1.1 Problembeschreibung

Im Unterschied zur Medizin verfügt die Pflege allerdings über keine eigene Ethik- tradition. Für Pflegende ist eine selbstständiges Nachdenken über ethische Prob- lemsituationen demzufolge oft neu und ungewohnt (Großklaus-Seidel, 2002, S. 14). Und obwohl die Bedeutung der Ethik und ihre Reflexion inzwischen als wichtiger Kernbereich der Pflege angesehen wird, ist dies anhand der existieren- den Lehrpläne in der Grundausbildung und den Weiterbildungen nur in sehr gerin- gem Masse sichtbar (Rabe, 2009, S. 13).

Speziell in einem so sensiblen Bereich wie der Psychiatrie, in dem die Ethik pflege- rischen Handelns sich der Problematik der Definition angemessener Grenzen zwi- schen der Selbstbestimmung des Patienten und der Fürsorgepflicht des Pflegenden stellt (Großklaus-Seidel, 2002, S. 154), ist in der pflegerischen Weiterbildung, auch aufgrund der sich ständig ändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die Verbesserung der ethischen Kompetenzen unverzichtbar (Lay, 2014, S. 327).

In dieser Studienarbeit soll nun beforscht werden, ob der Bedarf der psychiatrisch Pflegenden an Förderung ihrer ethischen Kompetenzen in der entsprechenden Fachweiterbildung ausreichend berücksichtigt wird und ob die Weiterzubildenden auch selbst die Notwendigkeit eines Ausbaus ihrer ethischen Kompetenzen befür- worten.

1.2 Frage

Es stellt sich die Frage: Welche Bedeutung hat der Ethikunterricht in der Fachwei- terbildung der psychiatrischen Pflege?

2 Klärung der Begriffe "psychiatrische Pflege" und "Ethik"

Zuerst sollen die für diese Studienarbeit grundlegenden Begriffe „psychiatrische Pflege“ und „Ethik“ geklärt werden:

Psychiatrische Pflege bedeutet nicht nur "Pflege in der Psychiatrie", psychiatrische Pflege bedeutet auch, sich mit gesundheitlichen-, sozialen-, und psychiatrischen Konstellationen zu befassen und diese kritisch hinterfragend in berufliches Handeln zu integrieren (Schädle-Deininger, 2010, S. 2). Die beruflichen Rollen der psychiat- risch Pflegenden sind dabei sehr vielfältig. Sie umfassen nicht nur die Zusammen- arbeit mit dem Patienten, sondern auch mit vielen anderen Berufsgruppen, insbe- sondere auch mit den Angehörigen der Patienten (Sauter, Abderhalden, & al., 2011, S. 312).

Seit Aristoteles wird der Disziplintitel „Ethik“ verwendet. Er leitet sich vom griechi- schen Wort „ethos“ ab, welches Gewohnheit und Sitte aber auch Brauch bedeutet (Pieper, 2007, S. 25). Ethik ist angewandte Philosophie, die unter anderem bei der Beurteilung menschlicher Handlungen hilft. Sie betrachtet dabei richtiges und fal- sches Handeln und versucht zwischen Gut und Böse zu unterscheiden (Sauter et al., 2011, S. 125). Als Teilbereich der Philosophie beleuchtet die Ethik moralische und sittliche Fragen aus einem wissenschaftlichen Blickwinkel (Arndt, 1996, S. 16). In diesem Zusammenhang bedeutet eine Ethik in der Pflege für die Pflegenden selbst, im Rahmen ihrer Berufsausübung über verantwortliches Handeln Nachzu- denken (Großklaus-Seidel, 2002, S. 15).

3 Methodik

Da der Schwerpunkt auf der Bedeutung der Ethik in der psychiatrischen Pflegewei- terbildung liegt, wurde besonderes Augenmerk auf Literatur von Autoren aus dem Bereichen des Gesundheitswesens bzw. speziell aus dem Bereich der Psychiatri- schen Versorgung gelegt.

Es wurde eine umfangreiche Literaturrecherche nach den Schlagwörtern „Ethik in der Pflege“, „Krankenpflege in der Psychiatrie“ und „Ethikunterricht“ auf Google- scholar, Google- books und im Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) durchge- führt. Gesamt fanden danach vierzehn Beiträge in der vorliegenden Studienarbeit Verwendung.

4 Rahmenbedingungen der Weiterbildung psychiatrische Pflege

Im Setting der pflegerischen Fachweiterbildungen wird der Ethikunterricht durch die zuständigen Lehrenden, hauptsächlich Pflegepädagogen, gestaltet, indem die Ler- nenden bei der Erforschung moralisch vertretbaren Handelns und ethischer Refle- xion begleitet werden (Lay, 2014, S. 301).

In diesen, meist berufsbegleitenden Pflegeweiterbildungen, wird inzwischen bevor- zugt modularisiert gearbeitet (Rabe, 2009, S. 57). Nach den Vorgaben der deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) sollen in den entsprechenden Basismodu- len unter anderem persönliche, gesellschaftliche und ethische Gesichtspunkte, die pflegerische Entscheidungsprozesse beeinflussen, erhellt und kritisch hinterfragt werden (Donner, 2015, S. 4). In Bezug auf die Gesamtstundenzahl der betreffen- den Fachweiterbildungen sind von mindestens siebenhundertzwanzig theoreti- schen Stunden explizit sechsunddreißig Stunden für eine Behandlung ethischer Probleme und Fragestellungen vorgesehen.

Dies ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, das erfahrene Ethikdozenten vor- schlagen, Begriffe wie Metaethik und teleologische und deontologische Ethik eher in der Pflegeweiterbildung, statt in der Pflegegrundausbildung zu behandeln (Lay, 2014, S. 340). Gleichzeitig schlagen verschiedene Autoren dabei vor, das sich das

Thema Ethik durch alle Fächer der Pflegeausbildung ziehen sollte (Rabe, 2009, S. 63).

Im Stufenmodel der pflegeethischen Kompetenz nach Körtner sind Fachpflegende der Psychiatrie zwischen den Stufen drei und vier zu verorten, als ethikkompe- tente und teilweise ethisch erfahrene Pflegende. Sie sind unter anderem in der Lage, ethische Probleme rückblickend zu analysieren und dabei sowohl einzelne Aspekte ethisch zu gewichten, als auch Handlungsalternativen ethisch zu begrün- den. Sie erkennen aber auch aufgrund eigener Erfahrungen, ob Einzelfälle von der Regel abweichen und können mit Grenzfällen der Ethik kompetent umgehen (Körtner, 2012, S. 111).

4.1 Ethik in der psychiatrischen Pflege

Ethische Probleme sind im Gesundheitswesen vor allem an Grenzen sichtbar, zum Beispiel der Grenze zwischen Leben und Tod (Rabe, 2009, S. 109). Besonders in der psychiatrischen Krisenintervention sind ethische Fragen sowohl aktuell, als auch wichtig. Die moralische Frage der Patientenautonomie gegenüber Zwangsmaßnahmen bei zum Beispiel suizidalen Patienten hat, wie schon in der Einleitung beschrieben, eine bedeutende ethische Relevanz (Pöldinger, 1991, S. 191).

Ziel und Auftrag an die psychiatrische Pflege ist nicht immer identisch mit den Vor- stellungen des psychisch kranken Menschen. Oft muss helfend gegen den Willen eines zum Beispiel suizidalen Patienten vorgegangen werden (Kruse & Wagner, 1994, S. 180). Auch Sanktionen wie Ausgangssperren und Entzug von Taschen- geld werden in der Psychiatrie durchgesetzt (Sauter et al., 2011, S. 139).

Hierzu wird beispielsweise in der Ethik der Autonomie die Psychiatrie als Ort der Unterdrückung wahrgenommen. Es wird hier als ethisch richtig angesehen, sich ge- gen Institutionen wie die Psychiatrie zu wehren oder sich zumindest autonom zu verhalten (Sauter et al., 2011, S. 131).

Auch grundsätzliche Fragen, die sich Pflegende angesichts der allgemeinen Miss- stände im Gesundheitswesen stellen, sind zum Beispiel die Sinnhaftigkeit einer Ethik, oder eines Berufsethos (Rabe, 2009, S. 200–201). Durch die zuständigen In- stitutionen, Vorgesetzte, oft auch die Kollegen, wird schnelles, widerspruchsloses, unkritisches Handeln und Arbeiten bevorzugt.

4.2 Ethik im Pflegeunterricht

Pädagogik ist heute sowohl durch Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften als auch durch neueste Erkenntnisse aus der Hirnforschung stark beeinflusst. Wäh- rend des Emanzipationsprozesses, bei dem sich die Pädagogik aus der Philosophie ablöste, wurde die Pädagogik noch als angewandte Ethik gesehen. Insofern stehen Pädagogik und Ethik in einem engen Verhältnis zueinander (Lay, 2014, S. 302).

Als Grundlage ethisch-moralischer Entscheidungen, also von Entscheidungen die gut, richtig und verantwortbar sind, dienen ethische Prinzipien und Theorien. In der Pflege ist es der Auftrag der Pflegeforschung, ethisches Wissen zu identifizieren, darzustellen und damit Diskussionen zugänglich zu machen (Sauter et al., 2011, S. 43).

Ethische Grundbegriffe in der Pflegeausbildung stellen das für die Urteilsbildung notwendige Hintergrundwissen dar (Rabe, 2009, S. 245). Ethische Themen sind in allen Bereichen der pflegerischen Unterrichtsfächer beheimatet. Somit Bedarf es zuerst eines ethischen Grundlagenwissens um Probleme erkennen und bearbeiten zu können (Hiemetzberger, Messner, & Dorfmeister, 2013, S. 14).

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Details

Seiten
11
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783346057464
ISBN (Buch)
9783346057471
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v507600
Institution / Hochschule
Hochschule Deggendorf – Fakultät Angewandte Gesundheitswissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Pflegepädagogik Ethik Weiterbildung Erwachsenenbildung Pflege Psychiatrie

Autor

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Titel: Die Bedeutung des Ethikunterrichtes in der Fachweiterbildung der psychiatrischen Pflege