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Förderung der Motivation im Unterricht. Welche Maßnahmen sind effektiv?

Hausarbeit 2019 21 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffserklärungen
2.1 Motiv
2.2 Motivation
2.2.1 Extrinsische Motivation
2.2.2 Intrinsische Motivation
2.2.3 Verknüpfung von extrinsischer und intrinsischer Motivation

3. Motivationsfördernde Maßnahmen
3.1 Die Selbstbestimmungstheorie nach Deci & Ryan
3.1.1 Kompetenzerleben
3.1.2 Autonomie
3.1.3 Soziale Eingebundenheit
3.2 Bekräftigungslernen
3.2.1 Vorstellung eines Verstärkerprogramms

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Ergebnisse der Studie zum Bekräftigungslernen

1. Einleitung

In dieser Arbeit soll sich mit der Frage beschäftigt werden, welche Unterrichtsmaßnahmen in der Grundschule motivationsfördernd für Schülerinnen und Schüler sind. Das Ziel ist es, diese zu untersuchen, um sie als angehende Lehrkraft im Unterricht anwenden zu können, so dass die Lernzeit maximal ausgenutzt werden kann.

Motivation ist in der Schule und im Alltag grundlegend. Der Eine ist hochmotiviert, der Andere unmotiviert. Das Thema der Motivation greift in unser Leben ein, bewusst oder unbewusst. Im Wesentlichen sind Familie und Schule zentrale Sozialisationsinstanzen, welche bei der Förderung und Entwicklung von Motivation besondere Bedeutung haben.

So wie Erziehung nicht nur der Familie zugewiesen werden kann und nicht einfach Vermittlung von Moral bedeutet und zu unterrichten eben so wenig nur die Aufgabe der Schule ist und nicht einfach der Vermittlung von Wissen entspricht, so ist die Motivationsförderung ebenfalls nicht genau zu lokalisieren. Erziehung, Bildung und Motivation sind in beiden institutionellen Orten zentral. In der vorliegenden Arbeit liegt der Schwerpunkt bei der Ergründung der Motivation vorwiegend im schulischen Kontext, auch wenn das Elternhaus insgesamt einen größeren Einfluss auf die Motivationsförderung hat. Im schulischen Alltag ist der Unterricht im Fokus, bei dem motivationsfördernde Maßnahmen verwendet werden können und sollten. Denn das Lernen fällt dann leicht, wenn die Motivation stimmt. Dabei stellen sich häufig die Fragen: Was motiviert Grundschüler überhaupt? Wie stark können Lehrkräfte die Motivation beeinflussen? Antworten auf diese Fragen sind vielfältig und haben nicht immer den gleichen Schwerpunkt. In dieser Arbeit wird sich nur auf einen kleinen Teil davon beschränkt.

Zuerst werden die Begriffe des Motives, der Motivation allgemein, der intrinsischen und extrinsischen Motivation und deren Verknüpfung erklärt. Im Anschluss wird auf die Selbstbestimmungstheorie von Deci & Ryan (1993) eingegangen. Dabei werden die drei menschlichen Bedürfnisse Autonomie, Kompetenz und soziale Einbindung erläutert und mit verschiedenen Studien hinsichtlich Leistungsmotivation untersucht.

Im Folgenden wird auf die verschiedenen Arten von Bekräftigungslernen eingegangen und deren Wirkung auf Motivation herausgestellt. Im Anschluss wird ein Verstärkerprogramm vorgestellt, bei dem die Schülerinnen und Schüler durch Belohnung motiviert werden.

2. Begriffserklärungen

Im Folgenden sollen grundlegende Begriffe erläutert werden, die für diese Hausarbeit relevant sind. Dazu gehören das Motiv, die Motivation allgemein, die extrinsische sowie die intrinsische Motivation und die Verknüpfung dieser Beiden.

2.1 Motiv

Unter dem Begriff Motiv wird der Beweggrund, der Anlass, Anstoß oder die Ursache einer Handlung verstanden. Der Begriff leitet sich vom lateinischen Wort „movere“ ab, welches bewegen, anregen aber auch begeistern bedeutet. In diesem Sinne werden Motive als eine treibende Kraft für die Ausführung von Tätigkeiten gesehen, welche auf ein positiv bewertetes Ziel ausgerichtet ist. Motive geben Richtung und Energie vor. Sie sind also Steuer und Motor des Handelns (Schlag, 2009, S. 11).

In der Literatur werden die Begriffe Motiv und Bedürfnis überwiegend synonym verwendet. Das menschliche Verhalten kann durch verschiedene Motive bzw. Bedürfnisse gesteuert werden und ein Motiv kann unterschiedliches Verhalten auslösen (Schlag 2009, S. 19f).

Motive, für einen Schüler zu lernen, sind beispielsweise eine gute Note, Lob bzw. Belohnung seitens der Eltern oder das Ansehen bei Mitschülern.

Wenn versucht wird, eigene Zielsetzungen zu erreichen, führen (Miss-)Erfolg zu positiven bzw. negativen Selbstbewertungen und zu Gefühlen der (Un-)Zufriedenheit mit sich selbst. Hierin kann ein sehr starkes Lernmotiv liegen (Schlag, 2009, S. 19f).

Neben kognitiven Bedürfnissen sind soziale Lernmotive bedeutsam. Dies beinhaltet das Verlangen nach Zuneigung und Geborgenheit. Besonders in den ersten Jahren der Schulzeit ist für viele Schülerinnen und Schüler eine positive Beziehung zum Lehrer eine wesentliche Grundlage für ihre Lernbereitschaft. Damit zusammen hängt das Bedürfnis nach Anerkennung, welches durch die Lehrkraft als auch durch andere wichtige Personen erfüllt werden sollte (Schlag, 2009, S. 19f). Im Verlauf der Arbeit wird noch genauer auf diese Thematik eingegangen.

2.2 Motivation

Während Motive einzelne Beweggründe bezeichnen, steht der Begriff Motivation für die Gesamtheit aller Motive, die in einer aktuellen Situation wirken. Es geht beim Motivieren also um einen Beweggrund, eine Anregung oder ein bestimmtes Motiv, welches eine Handlung auslöst und aufrechterhält (Rheinberg & Vollmeyer, 2017, S. 14f).

Der Begriff Motivation ist vieldeutig interpretierbar, weswegen keine einheitliche Definition zu finden ist. Aus alltagssprachlichem Verständnis ist Motivation eine milde Form der Besessenheit. Laut DeCharms (1979) versteht man also unter Motivation irgendetwas in einer Person, was eine hohe Anstrengungsbereitschaft auslöst, um ein gewisses Ziel zu erreichen (S. 55). Fehlende bzw. geringe Motivation hat derjenige, bei dem eine engagierte Zielorientierung fehlt.

Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch wird unter Motivation eine aktivierende Ausrichtung des jetzigen Lebensvollzugs auf einen Zielzustand, welcher positiv bewertet wird, verstanden. (Rheinberg & Vollmeyer, 2017, S. 15).

Dabei wird Motivation zunächst als ein hypothetisches Konstrukt, also als eine Gedankenkonstruktion, definiert. Mit der Motivation sollen Intensität, Richtung und Dauer von Verhalten erklärt werden (Rheinberg & Krug, 2018, S. 19).

Die Gemeinsamkeit dieser beiden Definitionen ist das gemeinsame Streben nach einem Ziel, das durch engagiertes und ausdauerndes Verhalten erreicht wird.

Sie unterscheiden sich jedoch darin, dass die Alltagsverwendung Motivation als einen vorfindbaren Wirkstoff versteht, von dem eine Person mal mehr und mal weniger in sich haben kann. Wohingegen der wissenschaftliche Begriff eine Art Forschungsauftrag inne trägt. Es geht darum, Prozesse zu finden, die dafür verantwortlich sind, welches Ziel mit welchem Engagement und Ausdauer verfolgt wird. Der Schwerpunkt liegt also hier auf das Erkennen der Wechselbeziehung unterschiedlichster Prozesse (Rheinberg & Krug, 2018, S. 19).

Im schulischen Kontext sind die Ziele der Schülerinnen und Schüler idealerweise die erwarteten Leistungen. Ob die Schülerinnen und Schüler diese Leistungen bringen, hängt zu einem von ihrem Können, d.h. ihre grundsätzlichen Fähigkeiten, ab. Zum anderen ist das Wollen, also die Bereitschaft bzw. Motivation sich mit dem Lernstoff auseinanderzusetzen und sich anzustrengen, bedeutsam. Die Motivation kann daher als eine schwer zu greifende Anforderung an Lehrer darstellen, da die Ziele der Lernenden nicht immer identisch mit den Zielsetzungen, die die Schule gerne bei ihnen sehen würde, sind. So können Kinder, die sich vormittags in der Schule langweilen, nachmittags engagiert und mit hohem Aufwand ihren Hobbies nach gehen. Somit haben Lehrkräfte eine doppelte Aufgabe: Sie wollen zum Lernen motivieren und gleichzeitig können sie dabei behilflich sein, bestimmte Motive zu erlernen. Das heißt sie sollen zu konkreten Handlungen motivieren als auch die Entwicklung der grundsätzlichen Lern- und Leistungsmotivation unterstützen können. Dies ist eines der wichtigsten Ziele pädagogischen Handelns (Schlag, 2009, S. 11).

Darüber hinaus gibt es verschiedene Arten von Motivation, die durch folgendes Beispiel deutlich werden sollen:

Ein Schüler lernt für seinen Mathematiktest, weil er

1. die Missbilligung seiner Eltern nach einer schlechten Note vermeiden möchte;
2. für eine guten Note belohnt wird;
3. am Fach selbst interessiert ist;
4. später einmal Mathematik studieren möchte;
5. die Lehrerin mag und eine Enttäuschung vermeiden möchte;
6. sich daran freut, Leistungsanforderungen zu bewältigen.

Die hier aufgezählten Verhaltensweisen werden durch die extrinsische und intrinsische Motivation bestimmt (Schlag, 2009, S. 21f).

2.2.1 Extrinsische Motivation

Die extrinsische Motivation beinhaltet eine Ausrichtung auf soziale Anerkennung und Belohnung. Die Handlungsausführung ist zielgerichtet und die angestrebten Folgen liegen außerhalb dieser Handlung. Ziel des Lernens ist es also positive Konsequenzen zu erreichen oder negative Konsequenzen zu vermeiden (Schlag, 2009, S. 21). Ein Schüler kann beispielsweise zum Lernen motiviert sein, weil er dadurch eine positive Bewertung bzw. Konsequenz durch die Lehrperson anstrebt, eine hohe Kompetenz erreichen oder besser als seine Mitschüler sein möchte oder weil ihm gute Leistungen wichtig sind. Insofern kann der extrinsischen Motivation die soziale Motivation, Kompetenzmotivation, Wettbewerbsmotivation oder Leistungsmotivation zugeordnet werden (Looser, 2011, S. 19).

Extrinsische Motivation tritt nicht zufällig und spontan auf, sondern ist meist eine Folge von Aufforderungen, Versprechungen oder Drohungen. Dadurch wird das Lernen eher an Effizienz- denn an Effektivitätsüberlegungen orientiert. Demotivation stellt sich daher ein, wenn äußere Anreize nicht mehr gegeben sind oder es mit attraktiven Alternativen konkurriert (Wild, Rammert, Siegmund, 2006, S. 371).

2.2.2 Intrinsische Motivation

Unter intrinsischer Motivation versteht man das Lernen zum Selbstzweck bzw. aus Spaß an der Sache. Sie beinhaltet Neugierde, Exploration, Spontanität und Interesse an den unmittelbaren Gegebenheiten der Umwelt (Deci & Ryan, 1993, S. 225). Die Handlung wird als herausfordernd, spannend und interessant angesehen. Nach Krapp und Prenzel (1992) meint Interesse eine kurzfristige oder überdauernde Beziehung zwischen einer Person und einem Gegenstand. Gekennzeichnet ist dies durch eine hohe subjektive Wertschätzung bzw. Bedeutsamkeit des Interessegegenstandes, positive emotionale Zustände während der Auseinandersetzung und zunehmendes Wissen über den Gegenstand. Darüber hinaus bringt die Tätigkeit Freude und bringt den Interessenten in einen Gefühlszustand jenseits von Langeweile.

Intrinsisch motivierte Verhaltensweisen gelten als Prototyp selbstbestimmten Verhaltens. Die intrinsische Motivation erklärt also, warum Personen frei von äußerem Druck und inneren Zwängen nach einer Tätigkeit streben, in der sie engagiert tun können, was sie interessiert (Looser, 2011, S. 43).

Intrinsisch motivierte Schüler wenden sich dem Gegenstandsbereich ohne äußeren Druck, häufiger und ausdauernder. Daher wird der Leistungserfolg automatisch größer sein als bei extrinsischer Motivation, die weniger am Verständnis des Gegenstandsbereichs als an der Instrumentalität der Leistung zur Erreichung äußerer Zwecke interessiert ist. Somit gilt die intrinsische Motivation für viele Pädagogen als Ideal, bei dem der innere Bezug des Schülers zum Thema und seine persönliche Einbindung besser gegeben sind (Schlag, 2009, S. 21f).

2.2.3 Verknüpfung von extrinsischer und intrinsischer Motivation

Extrinsische und intrinsische Motivation schließen sich dabei nicht aus, sondern können sich ergänzen. Das Lernen in der Schule oder auch im Studium ist vermutlich immer bis zu einem bestimmten Grad extrinsisch motiviert, da die meisten Schülerinnen und Schüler bzw. Studentinnen und Studenten das Ziel haben, erfolgreich Prüfungen zu absolvieren. Zusätzlich zu dieser folgenabhängigen Motivationsform können sie, hinsichtlich bestimmter Handlungen im Schulkontext, durchaus intrinsisch motiviert sein und von selbst Interesse und Freude dabei empfindet.

3. Motivationsfördernde Maßnahmen

Da das Ausmaß an Theorien und Maßnahmen zur Motivationsförderung immens ist, werden im Folgenden nur ein Teil davon vorgestellt. Vorab wird die Selbstbestimmungstheorie nach Deci & Ryan vorgestellt und die drei Grundbedürfnisse erläutert. Im Anschluss wird das Bekräftigungslernen als extrinsisch motivierende Unterrichtsmethode sowie ein damit verknüpfendes Belohnungssystem vorgestellt.

3.1 Die Selbstbestimmungstheorie nach Deci & Ryan

Die Selbstbestimmungstheorie oder „Self-Determination Theory“ von Deci & Ryan (1993) führt den Gedanken, dass sich die extrinsische und intrinsische Motivation ergänzen, weiter. Sie werden als Stufen eines dynamischen Prozesses der zunehmenden Verinnerlichung von Handlungszielen verstanden. Diese wird von den drei folgenden Grundbedürfnissen angetrieben. In der SDT sind das Ausmaß subjektiv erlebter Autonomie, die soziale Eingebundenheit und die wahrgenommene eigene Kompetenz die entscheidenden Motivationsfaktoren. Sie sind für menschliches Wohlbefinden und Wachstum essentiell und stellen somit eine Voraussetzung für eine positive Entwicklung dar. Sie sind ausschlaggebend für einen erfolgreichen Lernprozess. Umgekehrt wird angenommen, dass die Nichterfüllung zu negativen Entwicklungen führt und auch nicht kompensierbar ist.

Die Theorie macht geltend, dass Menschen den intrinsischen bzw. angeborenen Wunsch haben, ihre Umwelt kennen und verstehen zu lernen und sie in sich aufzunehmen. Die Motivation zur aktiven Auseinandersetzung mit der Umwelt ist bereits in den frühen Stadien der Entwicklung gegeben und benötigt keine weiteren Einflüsse bzw. Anleitungen (Deci & Ryan, 1993, S. 235).

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Details

Seiten
21
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346053152
ISBN (Buch)
9783346053169
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v506715
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,0
Schlagworte
Motivation Unterricht Grundschule intrinsische Motivation extrinsische Motivation Selbstbestimmungstheorie Deci & Ryan Autonomie Kompetenz soziale Einbindung

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