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Anglizismen im Deutschen

Hausarbeit 2005 12 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhalt:

I. Einleitung

II. Zum Begriff `Anglizismus´

III. Historischer Überblick & allgemeine Fakten

IV. Klassifizierung von Anglizismen
2) Evidentes Lehngut
3) Latentes Lehngut

V. Vorkommen

VI. Schlusswort

VII. Bibliographie

I. Einleitung

Tanz dich mit cooler Musik und ´nem hippen Beat fit in den Frühling.

Schau dir den Blockbuster im Fernsehen an – bloß nicht wegzappen - oder leih´ dir doch zum Chillen einfach eine DVD aus.

So richtig relaxen kann man aber auch mit dem Wellness-Angebot im Fitness-Studio um die Ecke.

Irgendwann muss man ja auch mal abschalten, wenn man in der täglichen Newstime nur noch mit Kidnapping, US-Army, Slums und Not und Elend bombardiert wird.

Außerdem steht man sowieso schon kurz vor der Midlife-Crisis, weil man plötzlich gecheckt hat, dass man im Alter von 42 mit den trendigen Klamotten der Teens doch nicht mehr ganz up to date ist und von allen anderen insgeheim als Freak abgestempelt wird…

Es ist kaum zu übersehen, dass Anglizismen unaufhaltsam in jeden Bereich unseres Lebens vordringen. Heutzutage mehr denn je.

Diese Arbeit soll einen Überblick darüber geben, was Anglizismen im Allgemeinen sind, wie sie sich in Deutschland historisch entwickelt haben und wieso sie sich so gut in die deutsche Sprache importieren lassen. Des Weiteren soll erläutert werden, in welche Klassen sich das fremde Wortgut einteilen lässt und welche Sektoren der deutschen Sprache von Anglizismen besonders „betroffen“ sind.

Im Übrigen wird zwischen Entlehnungen aus dem Britischen Englisch und solchen aus dem Amerikanischen nur in Teil III. leicht unterschieden.

Da die Differenzierung zwischen den beiden ansonsten oft umstritten und nicht eindeutig zurückzuverfolgen ist, wird sowohl für Britisches als auch Amerikanisches Lehngut im Folgenden allgemein der Begriff `Anglizismus´ verwendet.

II. Zum Begriff `Anglizismus´

Es gibt sicher so viele Definitionen von `Anglizismus´, wie Personen, die darüber geschrieben haben. Daher greife ich zu Beginn eine der vielen heraus, um diesen Ausdruck zu erläutern:

`Anglizismus´ ist der Oberbegriff für Entlehnungen aus dem Britischen Englisch und dem Amerikanischen Englisch,

also:

ein englisches Wort im Deutschen,

eine nicht übliche Wortkomposition oder

jeder Art der Veränderung einer deutschen Wortbedeutung oder

Wortverwendung nach britischem oder amerikanischem Vorbild.

Je nachdem, in welchem Stadium sich ein Anglizismus befindet, bzw. in welchem Zusammenhang er verwendet wird, lassen sich drei Arten differenzieren:

1. Konventionalisierte Anglizismen

Diese werden als allgemein üblich und bekannt voraus gesetzt, obwohl sie sich in der Artikulationsart und/oder Orthographie oft anders verhalten, als einheimische Wörter.

z.B. Computer, okay, Keks, Baby…

2. Anglizismen im Konventionalisierungsprozess

Anglizismen dieser Gruppe kommen vielen Deutschen fremd vor. Dennoch werden sie z.B. in Medien wie Zeitung und Fernsehen verwendet. Bei diesen Entlehnungen lässt sich noch nicht genau vorhersagen, ob sie ins Deutsche übernommen oder einfach wieder verschwinden werden.

z.B . Factory, Gay…

3. Zitatwörter, Eigennamen und Verwandtes

Die zu dieser Kategorie gehörigen Anglizismen werden nur in bestimmten Situationen oder in Zusammenhang mit englischsprachigen Ländern gebraucht.

z.B. High-School, US-Army, Air Force, Wallstreet…

III. Historischer Überblick & allgemeine Fakten

Fremdsprachlicher Einfluss ist ein Phänomen, das in allen Kultursprachen zu finden ist. Man findet auf der Welt keine Sprache, die im Laufe ihrer Entwicklung von fremden Sprachen unberührt geblieben ist.

Entlehnungen können eine Bereicherung der Nehmersprache darstellen und deren Entwicklung fördern. Nehmen sie jedoch überhand, kann sich das fremde Sprachgut auch negativ auswirken.

Die deutsche Sprache zeigt sich durch die Epochen hinweg insgesamt bereiter, fremdes Lehngut in sich aufzunehmen, als das manch andere Sprache tut.

(Man vergleiche hier etwa mit Frankreich, einem Land, in dem es eine eigens zu diesem Zwecke gegründete Kommission zum Schutz der Sprache vor fremden Einflüssen gibt.)

Kurz zusammengefasst lässt sich sagen, dass das Deutsche in der Zeit vom frühen Mittelalter bis zur Aufklärung vor allem vom Lateinischen beeinflusst wurde. Nachkommend erlebte das Französische einen Aufschwung, wohingegen das 19., 20. und beginnende 21. Jahrhundert komplett unter englischem Einfluss, der also im Vergleich gesehen eine relativ junge Erscheinung ist, stehen.

Im Laufe der Geschichte bildet sich in Deutschland eine Geisteshaltung heraus, die das Englische als vorbildhaft auffasst.

Die Städte Hamburg, Zürich, Leipzig und Göttingen wachsen bereits im 18. Jahrhundert zu Hauptzentren des englischen Einflusses heran. Zu einer wirklich auffälligen Erscheinung wird die Einwirkung des Englischen auf das Deutsche jedoch erst während des 19. Jahrhundert.

In Berlin etwa tritt Englisch um 1900 als modische Konversationssprache der oberen 10.000 auf und verdrängt somit das seit der Revolution und der Ära Napoleons schwindende Französisch, welches bis dato den größten Einfluss in Deutschland erwirkte.

England: Seine Weltmachtposition, die Führungsrolle in der Industrie, sein zur damaligen Zeit hoch entwickeltes Pressewesen etc… bringen eine Fülle von Lehnwörtern ins Deutsche. Leider sind selbige heutzutage nur selten erhalten. Die Tendenz des Importierens dieses fremden Wortguts hält jedoch erst einmal bis zum ersten Weltkrieg hin an.

Für das 20. Jahrhundert lassen sich drei Entlehnungsperioden unterscheiden: Die Zeit bis zum ersten Weltkrieg, die Zwischenkriegszeit und die Zeit nach 1945.

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts ist ein Rückgang des englischen Lehneinflusses zu verbuchen, der sich hauptsächlich in der Haltung des ersten Weltkrieges sowie im Nationalsozialismus begründet.

Nach dem zweiten Weltkrieg hat der britisch-englische Einfluss seinen Höhepunkt überschritten, der amerikanisch-englische erlangt im Gegenzug immer mehr an Bedeutung. Diese Entwicklung spiegelt sich so auch allgemein wider, betrachtet man vergleichend ab jener Zeit England und die USA:

Amerika rückt verstärkt in den Mittelpunkt und nimmt die Position als Weltmacht und Prestigenation ein, die zuvor England innehatte. Es demonstriert souverän in wichtigen Bereichen wie Politik, Wirtschaft und Militär seine Dominanz.

Das schon das Ansehen, das England und die USA in Deutschland genießen, ausreicht, um fremdes Wortgut einzuführen, zeigt sich ganz deutlich daran, dass eine Übernahme auch in Bereichen von statten geht, in denen eigentlich keine Notwendigkeit dazu besteht, da einheimische Äquivalente vorhanden sind.

Z.B. Leibwächter, engl. Bodyguard; Mannschaft/Gruppe, engl. Team; Vorgesetzter, engl. Boss; Säugling, engl. Baby…

Die Entwicklung von Wissenschaft und Technik in den USA ist dynamisch, was zur Folge hat, dass Englisch bald zur Sprache der Wissenschaft avanciert.

In der Internationalen Sprache nimmt das Englische eine Sonderstellung als allgemeine Verhandlungssprache ein, was wiederum dazu führt, dass sich Englisch als so genannte `Weltsprache´ herausbildet. So herrscht Englisch heute in den meisten Ländern auch als erste Fremdsprache vor.

Doch nicht nur das Prestige der Fremdsprache, der kulturell höhere Stand einer Nation oder die Notwendigkeit des Füllens einer Bezeichnungslücke führen zu einer Übernahme von fremdem Wortgut. Hierbei spielt auch die so genannte `Sprachökonomie´ eine wichtige Rolle. Das übernommene Wort ist meist kürzer als seine deutsche Entsprechung. Man ist bestrebt, mit minimalem Aufwand die maximale sprachliche Effektivität zu erzielen. Da der englische Wortschatz vor allem aus kurzsilbigen Lexemen besteht, hat dies die Übernahme ins Deutsche sehr erleichtert.

Englisches Lehngut ist im Deutschen also wegen seiner Präzision und der Bündigkeit sprachlich besonders ökonomisch.

[...]

Details

Seiten
12
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638467889
ISBN (Buch)
9783640319237
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v50594
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart – Institut für Linguistik/Germanistik
Note
1,7
Schlagworte
Anglizismen Deutschen

Autor

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Titel: Anglizismen im Deutschen