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Unterricht am Bauhaus (1919-1933). Die Lehrer: Johannes Itten, Laszlo Moholy-Nagy und Josef Albers

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 14 Seiten

Kunst - Kunstgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Unterricht am Bauhaus

2. Ausbildung am Bauhaus

3. Bauhaus-Lehrer
3.1 Johannes Itten – der Spirituelle
3.2 Laszlo Moholy-Nagy – der Techniker
3.3 Josef Albers – der Analytiker

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung: Unterricht am Bauhaus

„Kunst entsteht oberhalb aller Methoden, sie ist an sich nicht lehrbar, wohl aber das Handwerk. Architekten, Maler, Bildhauer sind Handwerker im Ursinn des Wortes, deshalb wird als unerläßliche Grundlage für alles bildnerische Schaffen die gründliche handwerkliche Ausbildung aller Studierenden in Werkstätten und auf Probier- und Werkplätzen gefordert.“1

Mit diesem Aufruf von Walter Gropius beginnt die Ära des Bauhauses in Weimar. Es ist das Ziel des Gründers und Direktors eine neue moderne Kunstschule zu errichten – was ihm auch mit Hilfe der folgenden Personen ziemlich erfolgreich gelungen ist.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den drei wahrscheinlich einflussreichsten Lehrern am staatlichen Bauhaus in den Jahren 1919 bis 1933 – Johannes Itten, Laszlo Moholy-Nagy und Josef Albers. Die Arbeit beinhaltet neben dieser Einleitung noch einen kurzen Einblick und die wichtigsten Grundinformationen zur Ausbildung am Bauhaus. Der Hauptteil widmet sich den drei Protagonisten. Im Vordergrund stehen ihre einzelnen individuellen Persönlichkeiten und ihre Unterrichtsgestaltung und Lehrmethoden am Bauhaus. Ziel dieser Arbeit ist es somit dem Leser aufzuzeigen wie die einzelnen Charaktere als Lehrer zum Bauhaus gekommen sind, wie sie ihren Unterricht im sogenannten Vorkurs und in den Werkstätten individuell gestaltet haben aber auch die kennzeichnenden Unterschiede ihrer Lehrmethoden und relevante Veränderungen und Umstrukturierungen des Unterrichts werden erwähnt. Dabei werden einige interessante Bespiele aus dem damaligen Unterricht am Bauhaus eingebracht, welche von den ehemaligen Studenten oder aus anderen Berichten stammen. Klarzustellen ist, dass für Itten, Moholy-Nagy und Albers zahlreiche Literaturen vorhanden sind und man noch unzählige interessante Seiten über ihre besonderen Persönlichkeiten, ihre Unterrichtsführung oder sogar über ihre Kunst schreiben könnte. Trotz allem wird im Folgenden versucht die ausschlaggebendsten und interessantesten Punkte aufzuzeigen um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie der Unterricht am staatlichen Bauhaus ablief.

2. Ausbildung am Bauhaus

Das staatliche Bauhaus in Weimar wurde 1919 von dem Gründer und Direktor Walter Gropius eröffnet und ist bis heute eines der bekanntesten und für die Moderne einflussreichste Kunstschule in Europa. Dem Bauhaus war es wichtig den Schülern handwerkliches, zeichnerisches und wissenschaftliches Wissen zu vermitteln und zu lehren. Diese Aufgaben hatten die Lehrer und die sogenannten Meister des Bauhauses, zu welchen auch Itten, Moholy-Nagy und Albers gehören. Zu Beginn der Bauhaus-Ausbildung gehört der für alle Studenten verpflichtende Vorkurs, in welchem alle Grundkenntnisse der Kunst vermittelt werden. Itten hat das Grundgerüst des Kurses entwickelt, Moholy-Nagy und Albers haben ihn weitergeführt und teils umstrukturiert. Nach erfolgreicher Absolvierung des Vorkurses erfolgt der Beitritt in eines der Werkstätten des Bauhauses in Weimar, wie zum Bespiel die Metallwerkstatt, die Werkstatt für Glasmalerei, die Tischlerei und andere Werkstätten. Wurde diese dreijährige Lehrzeit mit einer Abschlussprüfung erfolgreich absolviert, so darf er sich Geselle nennen und weitere Tätigkeiten am Bauhaus oder auch eine Meisterprüfung zum Jungmeister abgelegen, zu welchem auch Josef Albers gehörte, während Itten und Moholy-Nagy gleich als Meister an das Bauhaus berufen wurden.

„Das Bauhaus war eine Kunstschule, an der einiger der bedeutendsten Künstler ihrer Zeit nebeneinander wirkten“2 heißt es in der Kunstschulreform und lässt sich im folgenden Teil bestätigen. Denn für bedeutende Künstler braucht es natürlich auch bewundernswerte Lehrer, welche an dieser Kunstschule die Studenten ausbilden und ihnen die vielfältige Welt der Kunst eröffnen.

3. Bauhaus-Lehrer

3.1 Johannes Itten – der Spirituelle

„Ihre Bilder und Schülerarbeiten verstehe ich nicht, wenn Sie aber Lust haben, nach Weimar zu kommen, würde ich mich sehr freuen.“3 Mit diesem Satz beruft Gropius Johannes Itten zum Weimarer Bauhaus. Der Maler, Kunstpädagoge und Anhänger der Mazdaznan-Religion, der am 11.11.1988 in der Schweiz geboren wurde, faszinierte Gropius mit seiner Ausstellung in Weimar. Itten probierte sich zuvor in einer Ausbildung zum Lehrer, belegte Kurse an Kunsthochschulen, lehrt auch in den Fächern wie Mathematik, Physik und Chemie und gründete vor seiner Einstellung am Bauhaus eine private Kunstschule in Wien. Ab 1919 wird er zum Leiter des Vorkurses in Bauhaus berufen und bringt seine künstlerischen und pädagogischen Erfahrungen ein, aber vor allem auch seine Geisteshaltung und Spiritualität finden in seinem Unterrichtskonzept einen Platz. Er gehört somit als der erste Künstler der an der Entwicklung der Lehre am Bauhaus mitgewirkt hat und das Grundgerüst des Vorkurses von 1919 bis 1933 beeinflusste.

Ittens Vorkurs fungiert grundsätzlich nicht nur als ein Probesemester und als ein Eignungstest, in dem Grundwissen wie zum Beispiel der Natur- und Materialstudien und der Aktzeichnung vermittelt wird. Das Ziel seiner Unterrichtsgestaltung war es, die individuellen Talente zu fördern und „auf die kreative Selbstentfaltung eines jeden Schülers“4 einzugehen.

„Darüber hinaus vermittelte der Vorkurs ein regelrechtes Mentaltraining mit Konzentrationsübungen in Ruhe und Bewegung, inspiriert durch fernöstliche Meditationstechniken.“5

Dieser Ausschnitt stammt aus dem Glossar des Bauhaukataloges unter dem Stichwort „Vorkurs“ und betont werden auch hier Ittens spirituelle Methoden. Seine religiöse Weltanschauung richtet sich an die „Mazdaznan“-Lehre und bedeutet „Meister der Gottesgedanken [in der,] der körperliche Zustand den Grad der Gottesverbundenheit bestimmt“6. So praktiziert Itten in seinem Vorkurs verschiedene Entspannungs-und Lockerungsübungen, damit sich der Schüler voller Energie und Tatendrang an die Arbeit setzen kann. Nebenbei: Auch heutzutage wird uns, z.B. im Internet geraten bei Müdigkeit, Verspannung oder Konzentrationsschwierigkeiten einfach aufzustehen und eine kleine Dehneinheit oder Atemübungen im Büro oder an der frischen Luft zu machen um wieder konzentriert an die Arbeit ran zu gehen.

Interessant zu erwähnen ist die Lehrmethode Ittens: Einerseits bildet er in seinem Unterricht eine offene Arbeitsatmosphäre, in dem er die Schüler eigenständig arbeiten lässt und ihnen künstlerische Freiheiten gibt und somit eine “Selbstbesinnung“7 der Schüler und eine „Auseinandersetzung mit sich selbst“ anstrebt. Andererseits war es auch seine Pflicht den Schülern im Vorkurs, aber auch in den Werkstätten, die rationale Vermittlung von Inhalten der künstlerischen Gestaltungmittel als auch technische Angelegenheiten im Studium zu vermitteln. Der Vorkurs bestand folglich, wie schon erwähnt, aus der Naturstudie bei der es um das „exakte Betrachten und Umsetzen des visuellen Eindrucks“8 handelt und aus der Materialstudie die zur Erkundung der unterschiedlichen Materialien diente. Dabei ließ er die Schüler zum Bespiel mit geschlossenen Augen verschiedene Materialien ertasten oder auch Personen im Dunkeln abzeichnen. Zugleich war das Aktzeichnen ebenfalls in Ittens Lehrplan integriert.

„Parallel zu dieser […] Schulung vermittelte Itten auch eine Kontrast- und eine Formlehre sowie eine Farblehre. Zu den Kontrasten gehörten […] rauh [sic] -glatt, spitz-stumpf, hart-weich, hell dunkel, […].“9

In der Formlehre wurden geometrischen Grundformen studiert und ihnen kompositorische Eigenschaften zugeteilt: Kreis ist »fließend«, Quadrat ist »ruhig« und Dreieck steht für »diagonal«10. Hinzu kommt die Einheit der Rhythmusstudie in welcher die Schüler zur Musik ihre rhythmischen Empfindungen in einer Zeichnung zu Papier bringen.

In der speziellen von ihm entwickelten Unterrichtseinheit „Analyse der alten Meister“ sollte sich der Schüler mit einem vorgegebenen Bildwerk von einem bekannten Künstler emotional auseinandersetzen und es in der eigenen Bildsprache auf Papier reproduzieren. Hierbei konnte der Schüler die erlernten Grundsätze der Form-, Kontrast- und Rhythmusanalyse miteinbeziehen und anwenden. Von seinen Schülern wurde Itten als Meister der Kunst verehrt. Er trug eine Mazdaznan-Tracht, die auch von den Studenten, später auch als offizielle Bauhauskleidung, getragen wurde.

Auch in der Werkstatt gilt Ittens Aussage:

„Der Kunsthandwerker muss fernen sehr gut entwickelte Sinne haben. Und zwar muss nicht nur das Auge klar und scharf sein, sondern ebenso gut und fein muss der Tastsinn entwickelt sein.“11

Itten war Formmeister fast aller Werkstätten: der Bildhauerwerkstatt, der Werkstatt für Glasmalerei und der Metallwerkstatt. Als Formmeister galten die als Lehrer berufenen Künstler die zusammen mit Handwerksmeistern eine Werkstatt leiteten. So war es Gropius’ pädagogischer Plan die „künstlerische Fähigkeiten wie auch handwerkliche Erfahrungen in sich [zu]vereinen […]“12.

Die Metallwerkstatt wurde von 1920 bis 1922 von Itten, zusammen mit Oskar Schlemmer, geleitet13. In dieser Werkstatt entstanden handwerklich-individuelle Erzeugnisse. Diese Einzelstücke dienten keinem Verwendungs-zweck, wie es später jedoch bei Moholy-Nagy war, sondern eher der künstlerischen Arbeit und Erfahrung mit den Materialeigenschaften.

Nach Differenzen mit Walter Gropius, der sich mehr zur Werkstattpraxis und einer technischen und rationalen Orientierung des Bauhauses hinwenden wollte, verließ er im März 1923 das Bauhaus. Jedoch blieb der Vorkurs, obgleich mit einigen Änderungen, am Bauhaus immer enthalten.

[...]


1 Wahl, Volker (2009): Das Staatliche Bauhaus in Weimar. Dokumente zur Geschichte des Instituts; 1919 - 1926. Köln: Böhlau (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Thüringen Große Reihe, 15). S.98.

2 Wingler, Hans M.; Bothe, Rolf (Hg.) (1977): Kunstschulreform 1900 - 1933. S.97.

3 Streit, Eva (2015): Die Itten-Schule Berlin. Geschichte und Dokumente einer privaten Kunstschule neben dem Bauhaus. S.37.

4 Ebd., S.34.

5 Kries, Mateo (Hg.) (2015): Das Bauhaus #allesistdesign. S.65.

6 Seemann, Annette (2009): Aus Weimar in alle Welt - die Bauhausmeister und ihre Wirkung. S.52.

7 Ebd., S.54.

8 Ebd., S.56.

9 Droste, Magdalena (1998): Bauhaus 1913-1919. S.28.

10 Ebd., S.28.

11 Lichtenstein, Claude (Hg.) (1988): Bauhaus 1919 - 1933. S.70.

12 Wingler 1977, S.102

13 Lichtenstein 1988, S.24

Details

Seiten
14
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783346067395
ISBN (Buch)
9783346067401
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v505750
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,7
Schlagworte
Josef Albers Laszlo Moholy-Nagy Bauhaus 1919 1933 Johannes Itten staatliches Bauhaus Lehrer Lehrer am Bauhaus Unterricht
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Titel: Unterricht am Bauhaus (1919-1933). Die Lehrer: Johannes Itten, Laszlo Moholy-Nagy und Josef Albers