Lade Inhalt...

Die Siedlungsnamen auf -heim im Saar-Raum. Charakteristiken und Besonderheiten

Unter besonderer Berücksichtigung des Bliesgaus

Examensarbeit 2007 94 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Forschungsüberblick

3. Die -heim-Namen
3.1. Siedlungsnamen
3.2. Die Siedlungsnamen auf –heim
3.2.1. Bedeutung
3.2.2. Sprachliche Form
3.2.3. Bildung der -heim-Namen
3.2.4. Lage
3.2.5. Verbreitung
3.2.6. Alter der -heim-Namen
3.3. „Das -ingen-/-heim-Problem, ein onomastischer Dauerbrenner“

4. Siedlungsnamen-Katalog
4.1. Anlage der Namenartikel
4.2. Katalog

5. Auswertung des Kataloges
5.1. Deskriptive -heim-Namen
5.2. Personennamen als Bestimmungswörter
5.3. Ertsnennung

6. Der Bliesgau
6.1. Geologie und Geographie
6.2. Besiedlung des Bliesgaus
6.2.1. Gräberfelder
6.2.2. Patrozinien

7. Schlussbemerkung

8. Abkürzungen

9. Linguistische Zeichen

10. Sonstige Zeichen

11. Verzeichnis der Quellen

12. Bibliographie

13. Abbildungen

1. Einleitung

Eigennamen sind nach Krahe „»Fossilien«, [...] versteinerte Reste einer älteren und oft längst vergangenen Zeit“. Ortsgebundenheit und Kontinuität räumt den Ortsnamen eine besondere Stellung innerhalb der Namen ein. Denn oft bleiben diese auch bei einem Wechsel der Bevölkerung erhalten, was Ortsnamen zu bedeutsamen und aufschlussreichen Zeugen der Siedlungsgeschichte macht.1

Den Informationsgehalt, welcher sich in den Namen für uns verbirgt, beurteilt Wolfgang Haubrichs folgendermaßen: „Die [Orts-] Namen sind also Zeugen dieser Identitätsgebung: sie sind motiviert und geben, indem sie die Motive in ihrer sprachlichen Gestalt konservieren, wie der Bernstein das Insekt konserviert, Elemente der Perspektive preis, welche den Namengebern im Akt der Identifizierung zu Eigen war. Die Motive der Namengeber, sprachlich kondensiert in den Elementen der Namen selbst, lassen sich in Annäherung aus der sprachlichen Formung der Namen rekonstruieren.“2

Die wichtigsten Bereiche, für welche die Siedlungsnamenforschung aufschlussreiche Erkenntnisse bieten kann, sind die Sprachgeschichtsforschung, die Geschichtswissenschaft und insbesondere die Siedlungsgeschichtsforschung. Darüber hinaus können Archäologie, Geologie, Biologie, Religionswissenschaften sowie Rechtswissenschaften ihren Nutzen aus der Siedlungsnamenkunde ziehen.3 Dem Historiker zum Beispiel können unter Einbeziehung anderer Wissenschaften wie Archäologie, Geologie oder historische Geographie siedlungsgeschichtliche Erkenntnisse über Epochen geliefert werden, für welche ihm keine schriftlichen Überlieferungen vorliegen.4 So gelingt es der Siedlungsnamenforschung die nur mit wenigen schriftlichen Quellen ausgestattete Übergangszeit von der Spätantike bis hin zum Frühmittelalter zu erhellen. Was die Siedlungsgeschichte selbst betrifft, können uns die Siedlungsnamen neben dem Namengeber bei sorgfältiger etymologischer Deutung vor allem Informationen über die Existenz, die Ausbreitung und die zeitliche Abfolge verschiedener Bevölkerungsgruppen innerhalb eines Gebietes liefern.5

Ziel dieser Abhandlung soll es sein, einen möglichst umfangreichen Blick auf die -heim-Siedlungsnamen des Saarlandes zu gewinnen. Hierzu werden alle heutigen sowie alle abgegangenen -heim-Siedlungen besprochen, soweit diese durch ausreichende Quellen gesichert und deutbar sind. Nicht aufgenommen wurden auf Grund fehlender Belege die Wüstungen Hirschheim (Gde. Mettlach)6, Meckenheim (Gde. Nohfelden)7, Raubenheim (Gde, Freisen)8 und Rüdelsheim (Gde. Eppelborn).9 Zusätzlich bearbeitet wurde hingegen Ixheim (Stadt Zweibrücken), da dieses in unmittelbarem Zusammenhang mit der großen Anhäufung der -heim-Namen des Bliesgaus steht. Neben den bereits erwähnten Wüstungen fanden weitere Namen auf -heim keinen Eingang in den Katalog sowie die Untersuchungen. Denn nicht alle gegenwärtigen -heim-Siedlungen erweisen sich bei genauerer Betrachtung auch tatsächlich als solche. So ist der Ort Neualtheim eine Bildung des frühen 18. Jhs. und trat 1726 an die Stelle des älteren Pinningen.10 Als weiter vermeintlicher heim-Name erscheint uns die Ortschaft Webenheim. Ebenso wie Neualtheim liegt auch dieser Ort im völlig durch heim-Namen durchsetzten Bliesgau. 1476 findet sich hier die erste sichere Zuweisung des Grundwortes -heim11, welches von nun an das ursprüngliche Grundwort -auwe12 ablöst. Bei der Ortschaft Losheim verhält es sich ähnlich. Auch hier tritt erstmals im Jahr 1412 -heim an den längst vorhandenen Siedlungsnamen13 Losma a. 897 (K. 14. Jh.)14 bzw. a. 931–56 Losma (Or.).15 Die Ortschaften Mitlosheim, Niederlosheim und Überlosheim wurden nach älteren Losheim benannt und bedürfen aus diesem Grunde keiner näheren Betrachtung.

Bleiben noch Fälle wie Wahlen16, Höchen, Spiesen oder Beeden, in deren Überlieferung partiell auch auf -heim endende Formen auftreten. Hinzu kommt, dass die Endung -en als Reduktion für vorheriges -heim vorkommen kann.17 Dennoch lassen sich diese Fälle für unser Untersuchungsgebiet nicht erhärten und scheiden als -heim-Siedlungsnamen aus.

Am Anfang dieser Abhandlung stehen die -heim-Siedlungsnamen als solche. Ihre Charakteristika und Besonderheiten hinsichtlich Bildung, Verbreitung etc. sollen herausgestellt werden, um einen Abgleich meiner Ergebnisse mit diesen zu ermöglichen. Dem folgt der zentrale Teil der Arbeit, der Siedlungsnamenkatalog. In diesem werden alle aufgenommenen Siedlungsnamen etymologisch aufgeschlossen und besprochen. Der Belegblock soll möglichst die gesamte Geschichte des Siedlungsnamens wiedergeben. Im Anschluss daran werden die gewonnenen Erkenntnisse ausgewertet und anhand von Karten dargestellt. Die Ergebnisauswertung geschieht unter Zuhilfenahme archäologischer, historischer und geographischer Erkenntnisse. Als Ergebnis erhoffe ich mir Aufschlüsse über das Alter, die geographische Lage und Spezifika der im Saar-Raum befindlichen heim-Siedlungen zu gewinnen. Weiter sind Erkenntnisse über die fränkische Bevölkerung vor Ort bzw. über die Namengeber der jeweiligen Ortschaften anzustreben. Am Ende dieser Untersuchung sollte ein möglichst umfassendes Bild der -heim-Namen des Saarlandes stehen, welches vorangegangene Untersuchungen stützt oder gegebenenfalls auch widerlegt.

2. Forschungsüberblick

Bereits zu Beginn der schriftlichen Überlieferungen finden wir Reflexionen über den Sinn von Siedlungsnamen. Doch die frühen Namendeutungen bis ins frühe 19. Jh. hinein sind in der Regel eher „gelehrte Volksetymologien“ als Siedlungsnamenforschung im engeren Sinne. Im Zuge der „Keltomanie“, als deren Vater in Deutschland der Aufklärungsphilosoph Christoph Friedrich Nicolai (1733– 1811) gilt, wurde möglichst jeder Siedlungsname auf einen keltischen Ursprung zurückgeführt.18 Erst Ernst Förstemann begründete die Ortsnamenkunde als systematische Wissenschaft um die Mitte des 19. Jahrhunderts.19 Beeinflusst wurde dieser hierbei durch die historisch-vergleichende Sprachwissenschaft Jacob Grimms.20 Eine weitere wichtige Grundlage der neu entstehenden Wissenschaft war das Werk „Ansiedlungen und Wanderungen deutscher Stämme“ des Rechtshistorikers Wilhelm Arnold aus dem Jahre 1875. In diesem stellt Arnold die Theorie auf, wonach die -heim- Siedlungen den Franken zuzuschreiben seien21 und sorgte damit für jahrelange Forschungsdiskussionen.22 Einen weiteren wichtigen Schritt mache Adolf Bach mit seinen methodischen Ansätzen zur Dialektgeographie. Denn „Damit wurden der kulturräumliche Gesichtspunkt bzw. die These von der typischen ON-Landschaften prägenden Verkehrsgemeinschaften als Erklärungsprinzip dominierend [...].“23 Ein weiterer wichtiger Aspekt seines Werkes ist, dass er in diesem die Forschungsergebnisse der örtlichen und landschaftlichen Untersuchungen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zusammengefasst hat.24 So ist Bachs „Deutsche Namenkunde“ bis heute ein Standardwerk,25 auch für diese Arbeit unerlässlich gewesen. Als ebenso wichtig und grundlegend für den Bereich der Personennamen ist Ernst Förstemanns „Altdeutsches Namenbuch“. Die von mir verwendete Ausgabe ist die 2., völlig umgearbeitete Auflage von Hermann Jellinghaus aus dem Jahr 1900.26 Weiterhin wurde der 1968 von Henning Kaufmann verfasste Ergänzungsband27 zu Förstemanns Werk zu Rate gezogen.

Ein einheitliches Ortsnamenbuch, wie es unter anderem für Bayern erarbeitet wurde, gibt es für das Saarland nicht. Für den ehemals preußischen Teil steht Max Müllers „Die Ortsnamen im Regierungsbezirk Trier“ aus den Jahren 1900–1909 zur Verfügung.28 Dieses Werk, seinerzeit gewiss verdienstvoll, kann heute auf Grund der in vieler Hinsicht veralteten bzw. unzuverlässigen Arbeit Müllers allerdings nur noch als Orientierungshilfe dienen. Für die Saarpfalz liegt mit Ernst Christmanns „Die Siedlungsnamen der Pfalz“29 aus den 50er und 60er Jahren ein um einiges jüngeres Werk vor. Auch bietet dieses eine recht umfangreiche Belegreihe jedes Namens sowie Etymologie und Deutung des Siedlungsnamens. Jedoch auch Christmann ist in Quellenauswertung und Wiedergabe der Namensformen nicht immer so sorgfältig vorgegangen, wie es wünschenswert gewesen wäre.30 Ende der 70er Jahre erschien Heinrich Dittmaiers „Die linksrheinischen Ortsnamen auf -dorf und -heim“,31 welches auch einige Siedlungsnamen des Saarraumes enthält (genauer gesagt den ehemals preußischen Teil des Saarlandes), zu diesen jeweils eine kurze Belegreihe anführt und eine Deutung des angegebenen Namens vornimmt.32

Eine weitere Bearbeitung der Thematik für unseren Bereich ist das Buch „Die Ortsnamen an Mosel, Sauer und Saar und ihre Bedeutung für eine Besiedlungsgeschichte“33 von Heinz Engels. Was dieser Arbeit allerdings fehlt, ist der Namenkatalog mit einer etymologischen Aufschlüsselung und deren Besprechung. Dennoch gibt dieses Werk einen guten, wenn auch kurzen, Überblick über die gesamte, anhand der Siedlungsnamen nachvollziehbare, Siedlungsgeschichte des angegebenen Untersuchungsraumes.

Als äußerst hilfreich für meine Arbeit hat sich das „Archiv für Siedlungs- und Flurnamen des Saarlandes und des germanophonen Lothringen“ erwiesen. Dieses Archiv, sich über den Zeitraum bis 1500 erstreckend, wurde als regionale Ergänzung der Sammlungen für die Neubearbeitung des Ortsnamen-Förstemann angelegt, dessen Zeitrahmen sich bis ins Jahr 1200 erstreckt. Erfasst wurde in diesem Archiv neben den Siedlungsnamen die Überlieferungsart der Quelle, die Urkundensprache, die ausstellende Kanzlei und der Empfänger. Somit stehen den Siedlungsnamen umfangreiche Informationen zur Seite, welche die Deutung dieser unter Umständen erleichtern können.34

1995 wurde durch Christa Jochum-Godglück in ihrer Dissertation „Die orientierten Siedlungsnamen auf -heim, -hausen, -hofen und -dorf im frühdeutschen Sprachraum und ihr Verhältnis zur fränkischen Fiskalorganisation“ Oskar Bethges These, wonach die orientierten Siedlungsnamen mit Königsgut korrelieren, an Hand überwältigender Materialfülle untermauert.35 Wolfgang Haubrichs hat 2006 in Hinblick auf die Arbeit von Jochum-Godglück auf die Zusammenhänge von deskriptiven SN und Königsgut im Allgemeinen hingewiesen und auf die Notwendigkeit einer detaillierten Untersuchung dieses Bezuges verwiesen.36

3. Die -heim-Namen

3.1. Siedlungsnamen

Der Terminus Siedlungsname bzw. Oikonym37 fällt unter den Oberbegriff Toponym und dient dazu, einen geographischen Ort individualisierend zu bezeichnen.38 Zu den Toponymen gehören neben den Siedlungsnamen auch die Flur- und Gewässernamen. Die SN unterscheiden sich von diesen dadurch, dass sie ausschließlich von Menschen besiedelte bzw. ehemals bewohnte Plätze benennen. Die Namensgebung dieser Orte geht auf die Zeit der Besiedlung zurück. So können auch Flurnamen, welche heute unbesiedelte Flächen bezeichnen, auf ehemalige, abgegangene Siedlungen hinweisen und zur Rekonstruktion von SN genutzt werden.39

Das generelle Alter germanischer Siedlungsnamen ist schwer zu bestimmen und die Altersfrage deshalb seit Jahren umstritten. Die Thesen reichen vom 8. Jh. v. Chr. über die jüngere Steinzeit bis zur Zeit Christi Geburt.40 Zu der Bestimmungsproblematik führt, dass SN vor dem Beginn der schriftlichen Überlieferung nur relativ selten bezeugt sind. In antiken Quellen finden sich häufig germ. Gewässernamen, Wald-, Gebirgs- und Landschaftsnamen, aber nur selten primäre germ. Siedlungs- und Ländernamen.41 Für die Bildung germanischer Siedlungsnamen gibt es verschiedene Möglichkeiten,42 wobei die heim-SN den Komposita zuzurechnen sind.43

3.2. Die Siedlungsnamen auf -heim

Die -heim-Siedlungsnamen gehören zur Gruppe der primären SN des frühen Mittelalters. Somit handelt es sich bei ihnen um echte Siedlungsnamen und nicht um Insassennamen.44 Das bedeutet, sie wurden von Anfang an zur Bezeichnung einer Siedlung geprägt.45 In dieser Phase findet folglich eine Veränderung in der Ausrichtung der Namensgebung statt. An die Stelle des vorher vorherrschenden Personalprinzips tritt nun der Besitz und die Herrschaft, welche die neuen Leitmotive dieser Zeit darstellen. Der Personalbezug geht zwar durch die Setzung eines PN (meist im Gen. sg.) nicht verloren, doch wird dieser nun mit typischen Siedlungswörtern im GW, bei uns -heim, kombiniert.46 Wichtig ist hierbei, dass der Aspekt der Zugehörigkeit zu einer Person, wie bereits erwähnt, auch bei den primären SN des frühen Mittelalters erhalten bleibt.47

3.2.1. Bedeutung

Das GW -heim leitet sich ebenso wie got. haims f.; anord. heimr- m.; ae. hám m.; afr. hām m./n., hēm; as. hēm n.; ahd. heima f. und mhd. heim von germanisch *haima- m. ab, welches sich mit „Heim, Dorf, Welt“ übersetzen lässt.48 So tritt uns das Element in der Bedeutung „Heimat eines Stammes“ bereits in antiken Quellen entgegen. Es ist Bestandteil des Ländernamens Boi[o]haemum49 bzw. τό Βουίαιµον50 „Heimatland der Boier“ (mhd. Bēheim, nhd. Böhmen). Weiter findet es Gebrauch in von Ländernamen abgeleiteten Stammesnamen.51 *haima- liegt also eine ganz allgemeine Bedeutung zu Grunde. Adolf Bach hat sich in seiner „Deutschen Namenkunde“ für einen semantischen Unterschied zwischen ahd. heima bzw. as. hēm und dem got. *haims ausgesprochen.52 Karel Roelandts hat hierzu bereits 1965 festgestellt: „In sämtlichen [germanischen] Sprachen deutet haim- auf den ständigen Wohnsitz, es sei das Haus oder der Hof, das Dorf, oder sogar die Welt – kurz den Ort, wo man beheimatet ist“.53 Wolfgang Haubrichs untermauert die allgemeine Bedeutung von heim- „Wohnung, Heimat“ im frühen Mittelalter unter Zuhilfenahme von Komposita der heim-SN. Wichtig ist in diesem Zusammenhang ebenfalls, dass „Dem [Befund] auch nicht die ahd. und as. Bedeutungen von heima, hēm und zugehöriger Komposita, die lateinische Übersetzungsgleichungen haben: patria, domicilium, in domo, ubi maneret54 und ähnliches [widersprechen].“ Wolfgang Haubrichs formuliert weiter: „Die allgemeine Bedeutung „Wohnung, Wohnsitz“ vermag alle vier Großgruppen von Bestimmungswörtern, die Semantik der Art und Beschaffenheit, der Lage, der Zugehörigkeit und der Funktion und Nutzung zu erklären.“55

Auch wenn festgestellt wurde, dass heim- als Apellativum gemeingermanisch ist, bedeutet dies nicht, dass das Wort im Gemeingermanischen bereits zur Bildung von festen Siedlungsnamen verwendet wurde. Zwar besteht die Möglichkeit, dass neben den gemeingermanischen Insassennamen auf -ing- für dieselben Siedlungen, zeitlich und geographisch beschränkt und nicht dauerhaft, auch Namen auf -heim Verwendung fanden (vgl. Sigmaringen-Sigmarsheim). Doch ist dies für die Frühzeit keineswegs erwiesen.56

3.2.2. Sprachliche Form

Das Siedlungsnamengrundwort -heim tritt uns in den verschiedenen Regionen Deutschlands in unterschiedlichster Form entgegen. So kann das GW je nach Region -ham, -hem, -haim, -hain oder -hanM lauten. Ferner finden sich aber auch Formen völlig ohne -h-, so dass das GW zu -em, -en, -m, -n, -e, -me, -um oder -om reduziert wird.57 Dieser lautliche Verfall ist das Resultat eines tonlos gewordenen Grundwortes.58 In einigen Fällen haben solche mundartlichen Abschwächungen, welche uns bereits sehr früh in Überlieferungen begegnen, sogar Eingang in die amtliche Namensform gefunden.59

Auch bei den in dieser Arbeit zu untersuchenden Namen findet sich in der schriftlichen Überlieferung eine Vielzahl von Variationen des Grundwortes -heim. Diese sich darbietende Formenfülle, als Ergebnis einer Akzentverlagerung vom Grundwort auf das Bestimmungswort, dem damit einhergehenden Akzentverlust des Grundwortes und dessen Abschwächung, ist, wie noch zu zeigen sein wird, eine rein schriftliche.60 Ein Beispiel hierzu bietet uns der Ort Bachem im Kreis Merzig-Wadern. Gleich mehrere Modifikationen des Grundwortes -heim weist die Überlieferung dieses Siedlungsnamens auf. Die tradierte Form Bachem61 von 1363, welche die heute amtliche Form darstellt, weist eine Reduktion von -heim > -em auf.62 In der Mundart 'ba:xm hingegen, ist [ə] ebenfalls ausgefallen. In einer weiteren schriftlichen Überlieferung von 1454 – Bache – ist die Abschwächung von -heim > -e dokumentiert.63 Wie die Form Bach64 a. 1454 (Or.) zeigt, kann die Akzentverlagerung auf das BW sogar zum totalen Ausfall des GW führen. Zu diesem totalen Ausfall des GW stehen die Formen wie Alteim65 (Or.) a. 1297 oder Bacheim66 (Or.) a. 1327 im Kontrast. Diesmal ist von der Abschwächung nur das anlautende -h- des Grundwortes betroffen. Die in den Varietäten schriftlich belegte Abschwächung von [ei] > [ə] (u. a. auch Herbodeshem (Or.) a. 129567 oder Withershem (Or.) a. 149168 ) ist dialekttypisch und lässt sich auch in den Mundartformen nachweisen.69

Eine weitere Möglichkeit der Abschwächung des Grundwortes ist der Wechsel von -heim > -hen, -en bzw. -n, wie er uns in Dalen (Or.) a. 1342,70 Aussen a. 1490 (Or.),71 Rubenhen 14. Jh. (K. 16. Jh.)72 oder Daln73 a. 1437 vorliegt. Hier muss darauf hingewiesen werden, dass [m] > [n] mit Ausnahme von Außen, welches [n] nicht nur in der amtlichen Schreibung, sondern auch in der Mundart 'ausən aufweist, nur in der schriftlichen Überlieferung auftritt und sich weder in den heutigen amtlichen Formen noch in der Mundart belegen lässt. Eine weitere Möglichkeit der auf [n] ausgehenden Schreibungen stellt Altheyn 1318 (K. 15. Jh.)74 dar. In 1555 (Or.) Ixhaim75 findet sich <-haim>, eine ebenfalls nur schriftliche Variante der Überlieferungsgeschichte.

Eine Besonderheit in unserem Gebiet ist der Ort Peppenkum im Saarpfalz-Kreis. In diesem Fall deutet die Endung -kum (erstmals 135176 ) darauf hin, dass wir es hier mit einer Bildung auf -ingheim zu tun haben.77 Denn -kum entsteht durch Assimilation von [g] und [h] > [k], wobei die ebenfalls überlieferte Formen von 1308 (K. 16. Jh.) Boppen-keim78 und 1414 (Or.) Peffel-keym79 auf -keim in Erscheinung treten. Entrundung und weitere Abschwächung führt dann den Wandel von -eim > -em > -um Beben-kum80 herbei. [Ț] an Stelle des [ə] findet sich nicht nur in der Mundart von Peppenkum – 'b£pǩkȚm –, sonder auch in der Mundart von Wolfersheim – 'vȚlfǠȓȚm – und ebenso in der Schreibung Wolfferssvm (Or.) von 1546.81 Wolfersheim ist der einzige Fall, in welchem uns die in der Mundart äußerst häufig auftretende Abschwächung [ai] > [Ț] – 11 mal = 45,8 % – in schriftlicher Form vorliegt. Das gehäufte Auftreten von [Ț] in der Mundart verwundert nicht, ist dieser Laut dem ebenso häufig vorkommenden [ə] doch sehr ähnlich. Ein nicht abgeschwächtes -heim in der Mundart tritt uns gleich zwei Mal in Flurnamen entgegen, welche den SN wüst gefallener Siedlungen enthalten ('rıslshaim und 'ponhaim). Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass die FlN nicht mehr gebräuchlich sind und aus diesem Grund die Kenntnis über die mundartliche Aussprache, in diesem Fall die Abschwächung des FlN, allmählich verloren geht.

3.2.3. Bildung der -heim-Namen

Die Siedlungsnamen auf -heim folgen zu etwa 80–90% dem in den germanischen Sprachen verbreiteten Typus Komposita mit Bestimmungswort, welches bei den -heim- Namen aus einem Personennamen im Genitiv besteht.82 Dieser genitivische Typ der SN-Bildung verdrängt mehr und mehr die ursprünglich echten Komposita mit Fugenvokal. Anlass zu dieser hauptsächlich personengebundenen Benennung der SN gab wohl die stärkere Ausbildung des persönlichen Besitzes und der Grundherrschaft.83 Solch ein SN des Typus BW im Gen. Sg. + GW wäre Bebelsheim. Dieses entwickelte sich aus ursprünglichem *Băbiles-haima „Heim des Babil“.84 Da das BW dekliniert wird, handelt es sich bei den Siedlungsnamen auf -heim mehrheitlich um uneigentliche Zusammensetzungen bzw. unechte Komposita.85 Wie bereits erwähnt, ist das BW der meisten Siedlungsnamen auf -heim ein PN, allerdings trifft dies nur auf männliche PN zu, weibliche sind so gut wie nicht vertreten.86 Heinrich Dittmaier hat für das linksrheinische Gebiet festgestellt, dass die Namenskurzformen die Vollformen übertreffen. Hierbei ist auffällig, dass die Kurzformen innerhalb der heim-Namen verstärkt nach 900 Verwendung finden.87

Dem mit PN gebildeten Typus steht der Typ der deskriptiven Siedlungsnamen gegenüber, dessen BW ein Appellativum oder Adjektiv ist, welches die Lage, die Funktion o. ä. der Siedlung näher bestimmt.88 Diese Gruppe hebt sich durch ihr BW deutlich von dem Gros der zu dieser Zeit nach gängigem patronymischem Prinzip gebildeten SN ab.89 Diese deskriptiven -heim-Namen „entsprechen also völlig einem alten Typus von Komposita in den germanischen Sprachen, den Stamm-Komposita, in denen Bestimmungswörter (Erstelemente) ohne jedes Flexionszeichen an Grundwörter (Zweitelemente) treten, deren Bedeutungen durch sie differenziert werden.“90

Typisch für diese deskriptiven Namen ist ihr Auftreten in kleineren isolierten Gruppen. Dies weist zusammen mit ihrer Bildungsweise auf geplante Ansiedlungen auf größeren Ländereien in der Hand eines einzigen Grundherrn hin. Denn auf solchen reichte die Benennung nach dem personalen Prinzip zur nötigen Differenzierung nicht mehr aus.91 Wenn also Landerschließung, Siedlungstätigkeit und Raumorganisation auf einen größeren Landstrich im Besitz oder in der Verfügung eines einzigen Eigentümers bzw. eines Funktionsträgers waren, konnten u. a. auch Funktionsbezeichnungen implantiert werden. So findet sich unter unseren SN der Ort Bischmisheim, welcher auf ahd. Biscofes-haima-, also das „Heim des Bischofs“ zurückgeht. Doch auch solche funktionale Benennungen können im Falle größerer Siedlungskomplexe die Hauptfunktion der SN, nämlich die Differenzierung der Siedlung von anderen und ihre Individualisierung, nicht mehr gewährleisten. In solchen Fällen treten andere Aspekte der Benennung in der Vordergrund,92 so kommen jetzt etwa topographische Verhältnisse (Dalheim, Bachem), naturräumliche oder vegetative Gegebenheiten (Rohrheim), mögliche Funktionen der Siedlung (Kirchheim) oder auch chronologische Verhältnisse (Altheim) als BW vor.93

Wolfgang Haubrichs hat den Versuch unternommen, die deskriptiven Siedlungsnamen auf -heim in vier semantische Großgruppen mit jeweiligen Untergruppen einzuteilen:

1. SN auf -heim mit qualitas-Bestimmungen

a. SN mit bewertenden Adjektiven als Bestimmungswörter
b. SN mit relationalen Adjektiven (Relationen der Zeit und der Ausdehnung)
c. SN mit Bestimmungswörtern, die Art und Beschaffenheit des Heim ausdrücken

2. SN auf -heim mit lagebezeichnenden Bestimmungswörtern

a. relative Orientierung
b. Topographie und Relief
c. Wald und Rodung
d. Bodenbeschaffenheit
e. Bewachsung (Wiesenland)
f. Gewässer
g. Sumpf und Sumpfland
h. Verkehr

3. SN auf -heim mit Zugehörigkeit bezeichnenden Bestimmungswörtern

a. Institutionen und Organisation
b. Bewohner

4. SN auf -heim mit Funktionen und Nutzungen bezeichnenden Bestimmungswörtern

a. Handwerk
b. Landwirtschaft94

Für die Namensgebung solcher deskriptiven SN selbst müssen wir annehmen, dass sowohl die Namensgebung von oben, also von den Grundherren selbst bzw. ihrer exactores, aber auch von unten, der ortsansässigen Bevölkerung, vorgenommen wurde. Denn es gibt Indizien dafür, dass die autochthone Bevölkerung vor Ort häufig an der Namensgebung vor Ort mitwirkte.95 Unter den deskriptiven SN sind die orientierten SN, welche sich durch ihren Bezugspunkt, der durch die vier Himmelsrichtungen deutlich gemacht wird (Südheim, Nordheim etc.), auszeichnen, nur ein Teil der umfangreichen Gruppe, deren BW kein PN ist.96 Diese orientierten SN finden sich oft in Gemengelagen mit weiteren deskriptiven SN.97 1995 hat Christa Jochum-Godglück das Gesamtmaterial der orientierten SN, d. h. also der mit Himmelsrichtungen komponierten SN untersucht. Hierbei hat sie festgestellt, dass in 130 von 211 orientierte heim-Siedlungsnamen mit Königsgut korrelieren. Ein nichtfiskalischer frühmittelalterlicher Siedlungsträger konnte in keinem einzigen Fall ermittelt werden. Die orientierten SN auf -heim „dürfen mehrheitlich als toponymische Reflexe gelenkter Siedlung auf Fiskalland der fränkischen Zeit in Anspruch genommen werden.“98 Aber auch Wolfgang Haubrichs schließt seine Abhandlung „Verortung in Namen: Deskriptive Namensgebung, Königsgut und das Interessenspektrum des agrarischen Menschen des frühen Mittelalters“ mit dem Hinweis ab, dass auch bei den deskriptiven SN und Königsgut Zusammenhänge anzunehmen sind.99

Abschließend bleibt noch zu erwähnen, dass sich heim in unserem SN-Schatz niemals als Simplex findet. Ebenso werden keine Tiernamen als BW verwandt oder tritt der Bestandteil -heim selbst als BW auf.100

3.2.4. Lage

Allgemein ist über die Besiedlung von Gebieten festzuhalten: Wo die geographischen Bedingungen wie Bodenqualität, Wasservorkommen, Klima usw. günstig sind, wurden früh Siedlungen angelegt. Weiter kann in solchen Fällen von einer Siedlungskontinuität ausgegangen werden. Demzufolge, finden sich die alten -heim-Namen, ebenso wie die älteren -ingen-Siedlungen, auf altem, fruchtbarem Siedlungsland, den waldfreien Löß- und Lehmböden.101 Besonders die urzeitlichen Siedlungslandschaften wie Flussniederungen und ihre Seitentäler sind von Siedlungsnamen des -heim Typus durchsetzt. Im Gebirge hingegen finden sich diese Namen nur an alten Straßen bzw. auf anderen, sich in diesem ungünstigen Siedlungsgebiet durch besonders siedlungsgünstige Gegebenheiten hervorstechende Flächen.

Charakteristisch für die mit PN gebildeten SN auf -heim ist ihr Auftreten in größeren Gruppen. In den meisten Fällen besteht offensichtlich zwischen zunehmender Größe dieser Gruppen und der damit zunehmenden Anzahl der Bildung von SN mit PN ein Zusammenhang.102 Aber auch die „deskriptiven“ SN, welche bereits vorgestellt wurden, treten gehäuft auf und und neigen zur Nesterbildung.103

3.2.5. Verbreitung

Die Mehrzahl der deutschen -heim-Namen findet sich in den unmittelbar nach der Landnahme besiedelten Gebieten im Westen und Süden Deutschlands. Sie sind über den gesamten deutschen Sprachraum westlich der Elbe verbreitet, treten aber als geschlossene Gebiete verstärkt in Süddeutschland auf. Ihre Gesamtzahl gibt Bach mit Verweis auf Förstemann mit etwa 2000 an.104 Diese -heim-Orte zeichnen sich oft durch ihre Größe und ihre alten Patronatsheiligen aus. Hinzu treten, ebenso wie bei -ingen-, vor- und frühgeschichtliche Funde. Ihre geographaphische Verteilung deckt sich dabei großflächig mit der der -ingen-Orte, allerdings gibt es auffällige binnenräumliche Ausgliederungen beider Typen.105 Der These, welche die -heim-Ortschaften auf Grund größerer Reihengräberfriedhöfe als Großsiedlungen den kleineren -ingen-Orten gegenüberstellt, dürfte keine Allgemeingültigkeit zukommen.106

Aber auch über den deutschen Sprachraum hinaus finden sich -heim-Siedlungsnamen, denn die Verbreitung des Ortsnamensgrundwortes -heim entspricht der des Appellativums heim. So tritt dieses ebenso in Schweden, Dänemark, Norwegen, England, Holland, Belgien und Nordfrankreich auf.107 In England tragen über 1000 Siedlungen Namen auf -ham und in Dänemark etwa 200 Namen auf -hjem.108 Auch in Skandinavien tritt -heim in altem Namengut auf, allerdings nicht nach gleichem Bildungsschema. Denn hier (mit Ausnahme der seltenen -heimr Bildungen in Island) treten die -heim-Namen nicht mit einem PN im BW auf. Es ist anzunehmen, obgleich heim ein gemeingermanisches Appellativum ist, dass -heim-Namen zur Bezeichnung von Siedlungen wohl erst nach der Römerzeit durch kulturelle Strahlung innerhalb der germanischsprachigen Völker als allgemeiner ON-Typus üblich geworden ist.109

3.2.6. Alter der -heim-Namen

Siedlungsnamentypen können in ihrer produktiven Phase bestimmten Zeiträumen bzw. Perioden zugeordnet werden.110 Da aber jeder Namentyp Vorläufer sowie Nachzügler aufweist, erlaubt dies nur eine grobe zeitliche Fixierung. Die genaue zeitliche Zuordnung eines Namentypus kann nur regional und unter Zuhilfenahme klar zuweisbarer archäologischer Funde vorgenommen werden.111

Die Namen auf -heim setzen, wie inzwischen durch subtile Korrelationen von statistischer Relevanz, den zugehörigen archäologischen Funden sowie durch mehrfache direkte Nennung belegt, im 6./7. Jahrhundert ein.112 Somit lässt sich zumindest für große Teile Deutschlands sagen, dass ein Teil der ältesten Schicht von SN nach der Landnahme von den -heim-Namen gebildet wird.113 Obschon es bereits in der frühen Wanderzeit (ca. 4.–6. Jh.) echte Siedlungsnamen gibt, dominieren in dieser Epoche noch die Insassennamen.114 Vor- und frühzeitliche Funde, welche gehäuft bei einem bestimmten Namentyp auftreten und auf ein hohes Alter dieses schließen lassen,115 sind nicht nur typisch für die linksrheinischen Gebiete mit -heim-Namen, sondern für alle mit ihnen durchsetzten Gebiete.116

Für die Verbreitung der Namen auf -heim im genannten Zeitraum spricht ferner, dass die echten Siedlungsnamen vom Typ PN im Gen. Sg. + GW (bei uns -heim) seit dem Einsetzen der deutschen Überlieferungen im 8. Jh. außerordentlich häufig auftreten, jedoch in den antiken Überlieferungen fehlt.117 Hinzu kommt, dass die in den SN vertretenen PN sich nicht mit den gebräuchlichen PN der jetzt einsetzenden urkundlichen Überlieferung decken. Dies bedeutet, die Zeit des Gebrauchs dieser PN liegt vor dieser Zeit.118

Aber auch innerhalb eines Namentypus kann je nach Bildungsart das Alter differieren. So gelten unter den -heim-Namen diejenigen, welche einen PN, genauer gesagt einen männlichen PN im Genitiv, als BW haben, als die älteren. Für das höhere Alter der mit 111 Zur allgemeinen Datierung eines Ortsnamentypus: Haubrichs, Wolfgang: Diskussionsvotum von Wolfgang Haubrichs zu Geunich, Dieter: Der historische Zeugniswert der Ortsnamen(-typen), in: Nuber, Hans Ulrich; Steuer, Heiko; Zotz, Thomas (Hrsg.): Der Südwesten im 8. Jahrhundert aus historischer und archäologischer Sicht (Archäologie und Geschichte, Freiburg Forschungen zum ersten Jahrtausend in Südwestdeutschland13), Ostfildern 2004, S. 74; Haubrichs spricht sich hier für eine differenzierte toponymische Typendatierung aus, welche auch die dem Ort zuweisbaren archäologischen Zeugnisse berücksichtigt. PN gebildeten SN spricht ihr Auftreten in dichten Schwärmen auf siedlungsgünstigem Gelände. Die mit Appellativa oder Adjektiva gebildeten hingegen treten meist nur vereinzelt auf und finden sich häufig zwischen Namen anderer Typen sowie auf schlechterem Siedlungsland.119 Das Auftreten eines Namenstypus in solchen „hellen Haufen“ legt die Vermutung einer schnellen und volksmäßigen Besiedlung des Gebietes ohne planmäßige Anlage nahe.120

Unter den mit PN gebildeten SN selbst sind diejenigen mit unflektiert PN älter. Allerdings spielt diese Gruppe auf Grund ihrer Seltenheit in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle.121 Die mit einem Frauennamen oder einem christlichen Namen gebildeten SN zählen zu der jüngsten Gruppe unter den mit PN gebildeten.122

Für die orientierten SN, als Kerngruppe der allgemein jüngeren deskriptiven SN, hat Christa Jochum-Godglück herausgestellt, dass diese im Gros dem 7. und 8. Jh. zuzurechnen sind. Vereinzelt kann man aber auch durchaus noch das 9. Jh. ansetzen.123 Für die deskriptiven SN allgemein hat Wolfgang Haubrichs kürzlich festgestellt, dass diese kaum über das 8. Jh. hinausreichen dürften.124

Obwohl die Lebensdauer eines Namenstypus wie bereits erwähnt einer sehr differenzierten Betrachtungsweise bedarf und im konkreten Fall nur regional beurteilt werden kann, sprechen doch einige Anhaltspunkte dafür, dass die Fruchtbarkeit des -heim-Typus rechts des Rheins im 9. Jahrhundert abebbt, links des Rheins jedochfrüher.125 Somit liegt der Beginn der „Blüte- und Modezeit“ der -heim-Namen, wie Adolf Bach es formuliert,126 im Zeitraum des 6./7. Jahrhunderts und endet spätestens im 9. Jahrhundert.

3.3. „Das -ingen-/-heim-Problem, ein onomastischer Dauerbrenner“

Im Jahre 1881 stellte127 der Marburger Rechtshistoriker Wilhelm Arnold die These auf, wonach die SN auf -heim den Franken zuzurechnen seien. Die SN auf -ingen wies er analog den Alemannen zu.128 Diese Theorie beschäftigte mehr als 100 Jahre die Siedlungsnamenforschung. Heute gilt die Arnoldsche „Stammestheorie“ heutzutage als überholt. Gegenwärtig steht außer Frage, dass beide Elemente als gemeingermanische Möglichkeiten der Siedlungsnamenbildung zur Verfügung standen. Wenn wir sie in unterschiedlichen geographischen Räumen und zeitlich differenziert auffinden, resultiert dies nicht aus der ausschließlichen Verwendung bestimmter Typen durch einzelne germanische Stämme, sondern aus ihrem unterschiedlichen semantischen Gehalt und der unterschiedlichen Intensität von „Moden“, welche bei der Namengebung innerhalb bestimmter Räume walten.129 Solche Moden in der Namengebung müssen wir bereits für sehr frühe Perioden annehmen.130

Dennoch scheint es so, als ob die Franken eine gewisse „Vorliebe“ für Siedlungsnamen auf -heim hatten. Unter ihnen wurde dieser Namentyp verstärkt in neu für das fränkische Reich neu erworbenen und zu besiedelnden Gebieten verwendet.131

Eine weitere Theorie geht davon aus, dass Veränderungen in den Namenmoden Umbrüche der sozialen Bedingungen sichtbar machen.132 Der Historiker Dieter Geuenich spricht sich 2004 in „Der historische Zeugniswert der Ortsnamen(-typen)“ für Schuberts These aus. Die sich entwickelnde Grundherrschaft in der fränkischen Epoche führte demnach zu einem Wechsel der Namen auf -ingen, welche wie bereits erwähnt einen Personenverband, unabhängig vom Ort, an welchem dieser siedelt, bezeichnet, hin zu den Namen auf -heim, als Bezeichnung für einen ständigen Wohnsitz, einen >>platzgebundene(n) Siedlungskern<<. „Da sich die Ablösung der gentilizischen Ordnung des Personenverbandes durch das räumliche Gliederungsprinzip in engem Zusammenhang mit der Herausbildung des fränkischen >>Staats<<-Gebildes vollzog, ist der Wandel von -ingen zu -heim zwar zeitgleich mit der Frankonisierung des Südwestens [...], er ist aber nicht, [...] ethnisch bestimmt. Der Gegensatz von -ingen und -heim ist also, mit anderen Worten, kein zeitgleich-ethnischer, sondern allem Anschein nach ein entwicklungsgeschichtlich-sozialer.“133 Wolfgang Haubrichs als Germanist hingegen spricht sich in einem Diskussionsvotum, welches unmittelbar an Dieter Geuenichs Artikel angeschlossen ist, gegen die These der sozialgeschichtlichen Deutung aus. Denn „Der semantische bzw. funktionale Unterschied zwischen -heim- Namen und -ingen-Namen ist [...] nicht so weitreichend, wie oft angenommen. Es kann jedenfalls ein -ingen-Name genauso grundherrlich interpretiert werden wie ein -heim- Name.“ Aber auch die chronologischen Schlüsse, welche aus der vermeintlich funktional-sozialen Differenz der Ortsnamentypen abgeleitet werden, können nicht ohne weiteres bestätigt und auf alle Landschaften übertragen werden. Hier wird wiederum der Aspekt der Interpretation in gewissen Räumen äußerst wichtig. So hat sich 1985 für Lothringen und den Saar-Mosel-Raum herausgestellt, dass die dort vertretenen -heim- Namen zwar recht früh anzusetzen sind, die Namen auf -ingen ebenfalls sowohl recht früh, als auch spät (8./9. Jh.) angesetzt werden können. Wolfgang Haubrichs schließt folgerichtig daraus: „Am meisten scheint mir für eine differenzierte toponymische Typendatierung noch aus regional gebundenen Vergleichen zwischen Ortsnamen und sicher einem Ort zuweisbaren archäologischen Zeugnissen der Merowingerzeit erwartbar zu sein[...].“134

[...]


1 Krahe 1949, S. 9.

2 Haubrichs 2006, S. 3.

3 Greule 2004, S. 401.

4 Petri 1977, S. 173.

5 Greule 2004, S. 402f.

6 Staerk 1976, S. 238.

7 Staerk 1976, S. 288.

8 Staerk 1976, S. 329.

9 Staerk 1976, S. 349.

10 Engels 1961, S. 117; Christmann I, S. 410.

11 NEUBAUER Hornbach Nr 444 S 121.

12 -auwe als das eigentliche GW dieser Siedlung ist uns ab 1335 im Original überliefert. vgl. PÖHLMANN/DOLL Zweibrücken Nr 570.

13 zu Loissheim in: LHA Ko 1A/6861.

14 MgH DD RG exst. k. IV Nr. 13 S. 41.

15 MrhMB I. Nr. 550 S. 610.

16 Für Wahlen Kreis Merzig sowie die Wüstung Wahlen Gemeinde Lebach wurde im Artikel „Namenkontinuität im frühen Mittelalter, Die nichtgermanischen Siedlungs- und Gewässernamen des Landes an der Saar“ von Buchmüller/Haubrichs/Spang dargelgt, dass beide Ortschaften auf ahd. Walaha „die Romanen“ bzw. ahd. bî den Walahôn „bei den Romanen“ zurückzuführen sind. vgl. Buchmüller/Haubrichs/Spang 1986/1987, S. 61.

17 Jochum-Godglück 1995, S. 388; Bach 2,2 1954, S. 324; Kaufmann 1959, S. 61.

18 Greule 2004, S. 405; Debus/Schmitz 2004, S. 3471.

19 Debus/Schmitz 2004, S. 3471.

20 Greule 2004, S. 405.

21 Arnold 1881; Albrecht Greule sieht Arnolds Verdienst darin, dass dieser „[...]einen Paradigmenwechsel der Siedlungsnamenkunde hin zu einer historischen, speziell siedlungsgeschichtlichen und siedlungsgeographischen Hilfswissenschaft vollzogen.“ habe. vgl. Greule 2004, S. 405.

22 Koß 1990, S. 20–22.

23 Debus/Schmitz 2004, S. 3472.

24 Debus/Schmitz 2004, S. 3472.

25 Bach 1952ff.

26 Förstemann 1900.

27 Kaufmann 1968.

28 Müller 1900–1909.

29 Christmann 1952–64.

30 Haubrichs 1981, S. 8f.

31 Dittmaier 1979.

32 Wolfgang Haubrichs hat 1981 eine Rezension zu Dittmaiers „Die linksrheinischen Ortsnamen auf -dorf und -heim“ verfasst. vgl. Haubrichs 1981, S. 251–259.

33 Engels 1961.

34 Haubrichs 1983, S. 222f.

35 Jochum-Godglück 1995.

36 Haubrichs 2006, S. 29.

37 Albrecht Greule weist darauf hin, dass auf internationaler Ebene der Terminus Oikonym immer mehr Verwendung findet und den Begriff Siedlungsname allmählich verdrängt. vgl. Greule 2007, S. 1.

38 Greule 2004, S. 382f.

39 Greule 2004, S. 383; Debus/Schmitz 2004, S. 3468.

40 Bandle 2005, S. 341.

41 Bach 2,2 1954, S. 100; Bandle 2005, S. 341.

42 Greule 2004, S. 384; Kaufmann 1959, S. 15-26, Bach 2,1 1953, S. 120–236.

43 Bandle 2005, S. 339.

44 Schwarz 1950, S. 14; Bach 2,2 1954, S. 174, S. 148; Bandle 2005, S. 341; Heinrich Dittmaier verweist darauf, dass die SN auf -heim eine Kontamination, eine Kompromissform zwischen dem Personalprinzip (Insassennamen) und dem Territorialprinzip (primären Siedlungsnamen) darstellen. Denn wie auch Haubrichs 2006 S. 4 betont, bleibt die Zugehörigkeit zu einer Person durch das BW erhalten. Das GW vertritt in diesen Bildungen Dittmaiers Meinung nach das aufkommende Territorialprinzip. vgl. Dittmaier 1979, S. 136f; kritisch hierzu Haubrichs 2004, S. 73f.

45 Haubrichs 2006, S. 4.

46 Debus/Schmitz 2004, S. 3487.

47 Haubrichs 2006, S. 4.

48 Kluge 2002, S. 402; Orel 2003, S. 152; Köbler 1989, S. 254; Casaretto 2004, S. 388f; AHW IV, Sp. 844f.

49 Tac., Germ. 28; Velleius Paterculus II, 109.

50 Strabo, Geogr. VII. 290.

51 Bach 2,2 1954, S. 102.

52 Nach Bach steht dem ahd. heima und as. hēm „Wohnort“ bzw. „Haus“ (AHW IV, Sp. 845) die Semantik „Dorf, Flecken“ des got. *haims bedeutungsverschieden gegenüber. Bach plädiert in Folge dessen dafür, in den deutschen Ortsnamen auf -heim das ursprünglichere und zugleich gotische „Dorf, Flecken“ anzusetzen. Als Beleg für die Bedeutung „Dorf“ führt er weiter ahd. heimburgo „Vorsteher einer Dorfgemeinde“ (Köbler 1989, S. 254; Casaretto 2004, S. 388f; Feist 1909, S. 123f) an. vgl. Bach 2,2 1954, S. 323.

53 Roelandts 1965, S. 280.

54 Zu den Lehnübersetzungen lat. Termina auch Haubrichs 2006 S. 4 und Bach 2,2 1954, S. 150f.; Ernst Schubert formuliert hierzu: „[...]-heim ist Herrschaftsmittelpunkt, platzgebundener Siedlungskern, Rechtszentrum, von dem die umliegende Flur anhängig ist; insofern gewinnt die Gleichsetzung von domus, villa und heim an Aussagefähigkeit; denn die domus ist ebenso wie villa in den Volksrechten >>Mittelpunkt des Lebens<<, kann z. B. im ribuarischen Recht stellvertretend für Besitz überhaupt stehen.“ Heim ist also „[...]Rechtsmittelpunkt des umliegenden Landes[...]“. vgl. Schubert 1983, S. 80.

55 Haubrichs 2006, S. 29; Die vier Großgruppen der Bestimmungswörter in -heim-Namen werden im Abschnitt 3.2.3. „Bildung der -heim-Namen“ näher erläutert.

56 Bach 2,2 1954, S. 323; Das Alter der -heim-Namen wird in Kapitel 2.3.6. ausführlich besprochen.

57 Bach 2,2 1954, S. 324f; Jochum-Godglück 2003, S. 388ff; Jochum-Godglück 2003, S. 265; Kaufmann 1959, S. 63.

58 Das Tonloswerden häufiger ON-GW tritt Henning Kaufmann nach in Folge einer Sinn-Entleerung des GW auf. Denn „Dort, wo die Namen auf -heim, [...] „in hellen Haufen zusammenliegen“, gleiten sie (-heim und -leben ausnahmslos) vom Sinnträger zur bedeutungslosen Bildungssilbe hinab, deren Funktion allein noch darin besteht, den Namen als Siedlung zu kennzeichnen. Die Folge ist ein Nachlassen des Akzentdruckes auf diesen Grundwörtern und eine Verschiebung des Haupttones auf das der Unterscheidung dienende Bestimmungswort.“ vgl. Kaufmann 1959, S. 61.

59 Jochum-Godglück 2003, S. 265; Debus/Schmitz 2004, S. 3489.

60 Kaufmann 1959, S. 61ff.

61 KENTENICH Stadtrechnungen S 11.

62 Ein weiteres Beispiel hierfür ist Bliesdalheim, welches uns 1434 kopial als Dalem (LA Sp D 35/33) überliefert ist und dessen mdal. Form 'da:ləm ebenfalls durch den Schwund -heim > -em gekennzeichnet ist.

63 LA Sb 22/980; Auch hier bietet Bliesdalheim einen Parallelfall: a. 1370 Dalheim > Dale (JUNGK Saarbrücken Nr 1789 S 484).

64 LA Sb 22/981.

65 PÖHLMANN/DOLL Zweibrücken Nr 380.

66 LAMPRECHT Wirtschaftsleben III Nr 288.

67 AD Mos G 1126-6.

68 AD Mos G 1119-8.

69 So u. a. in 'da:ləm, 'bıȓmısəm, 'ausən oder 'a:ldəm.

70 BURG Wadgassen Nr 485.

71 StA Tr Ta 44/3.

72 LONGNON/CARRIÈRE Pouillés S 264.

73 WEIZSÄCKER/KIEFER Weistümer S 392.

74 WEIZSÄCKER/KIEFER Weistümer S 55.

75 Roth 46.

76 LA Sp F 1/114a (...) 41.

77 Bach 2,2 1954, S. 325.

78 E-NEUBAUER Hornbach Nr 170.

79 LA Sb 22/130.

80 Adolf Bach verweist in seiner Namenkunde auf den für -ingheim-Namen typischen Wandel -heim > -kum. vgl. Bach 2,2 1954; 325.

81 LA Sp C 19/323.

82 Bach 2,2 1954, S. 149, S. 325; Jochum-Godglück 1995, S. 11; Haubrichs 2006, S. 4; Das deutliche Übergewicht der auf -heim endenden SN, welche im BW einen PN tragen, wurde auch von Dittmaier für das linksrheinische Gebiet festgestellt. vgl. Dittmaier 1979, S. 135; ebenso Engels „Ortsnamen an Mosel, Sauer und Saar“ 1961, S. 118.

83 Bach 2,2 1954, S. 148f; Bandle 2005, S. 341.

84 „Daran, dass die heim-Namen vom Typus *Sigimares-haima frühe Beziehungen zwischen Siedlungen und Personen, durchweg wohl den Gründern bzw. Besitzern einer Siedlung, spiegeln, ist nicht zu zweifeln.“ Haubrichs 2006, S. 5.

85 Greule 1997, S. 246; Bach 2,1 1953, S. 130ff; Bandle 2005, S. 339.

86 Debus/Schmitz 2004, S. 3489; Schwarz 1950, S 130; Dittmaier 1979, S. 150.

87 Dittmaier 1979, S. 139ff; Haubrichs 1981, S. 254.

88 Greule 1997, S. 246; Koß 1990, S. 21; Der mit PN gebildeten Typ (PN + GW) wird gelegentlich auch als „eigentlicher“ Siedlungsname bezeichnet und dem mit Appellativa bzw. Adjektiva gebildetenten Typ als den „uneigentlichen“ Siedlungsnamen gegenübergestellt. vgl. Dittmaier 1979, S. 137.

89 Jochum-Godglück 1995, S. 11.

90 Haubrichs 2006, S. 6.

91 Jochum-Godglück 2003, S. 267.

92 Haubrichs 2006, S. 5f.

93 Jochum-Godglück 2003, S. 267.

94 Haubrichs 2006, S. 10ff.

95 Haubrichs 2006, S. 9f.

96 Jochum-Godglück 1995, S. 11.

97 Haubrichs 2006, S. 7.

98 Jochum-Godglück 1995, S. 597f; Jochum-Godglück 2003, S. 267; Debus/Schmitz 2004, S. 3491.

99 Haubrichs verweist darauf unter der Einschränkung einer detaillierten Untersuchung, welche er für notwendig hält. vgl. Haubrichs 2006, S. 29f.

100 Bach 2,2 1954, S. 325.

101 Bach 2,2 1954, S. 109f, S. 325; Debus/Schmitz 2004, S. 3477; Engels zeigt auf, dass sich -ing- und -heim-Namen in einem Gebiet im Großen und Ganzen gegenseitig ausschließen. vgl. 1961, S. 111.

102 Bach 2,2 1954, S. 325.

103 Haubrichs 2006, S. 7.

104 Bach 2,2 1954, S. 326f; Eine wesentlich detailliertere Beschreibung der Verbreitung der deutschen -heim-SN findet sich bei Christa Jochum-Godlück: Orts- und Hofnamen § 7: Dt.-roman. Kontaktgebiete, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Bd. 22, Berlin 2003, S. 264f.

105 Debus/Schmitz 2004, S. 3491.

106 Bach 2,2 1954, S. 326f.

107 Engels 1961, S. 113; Bauer verweist in Hinblick auf die Verbreitung darauf, dass -heim-Namen auch außerhalb des fränkischen Siedlungsbereiches vorhanden und beliebt waren. vgl. Bauer 1998, S. 159; vergleiche hierzu auch Engels 1961, S. 115 und Petri 1977, S. 142f.

108 Bach 2,2 1954, S. 327.

109 Bach 2,2 1954, S. 105; Engels schränkt -heim als allgemeines Ortsnamengrundwort der Germanen ein. Er verweist darauf, dass dieses, unter Betrachtung der Verbreitung des Typus, offenbar nicht von den Goten, den Burgundern und den Langobarden zu Bildung von SN genutzt wurde. vgl. Engels 1961, 115.

110 Debus/Schmitz 2004, S. 3469.

111 Zur allgemeinen Datierung eines Ortsnamentypus: Haubrichs, Wolfgang: Diskussionsvotum von Wolfgang Haubrichs zu Geunich, Dieter: Der historische Zeugniswert der Ortsnamen(-typen), in: Nuber, Hans Ulrich; Steuer, Heiko; Zotz, Thomas (Hrsg.): Der Südwesten im 8. Jahrhundert aus historischer und archäologischer Sicht (Archäologie und Geschichte, Freiburg Forschungen zum ersten Jahrtausend in Südwestdeutschland13), Ostfildern 2004, S. 74; Haubrichs spricht sich hier für eine differenzierte toponymische Typendatierung aus, welche auch die dem Ort zuweisbaren archäologischen Zeugnisse berücksichtigt.

112 Hoeper 2004, S. 91; Bandle 2005, S. 341; Haubrichs 2006, S. 4; Heinrich Dittmaier hat in seinen Untersuchungen 1979 in Bezug auf die Entstehung der linksrheinischen Ortsnamen auf -heim den Zeitraum um 450 angesetzt. Dies lässt sich heute so pauschal in keiner Weise mehr vertreten. vgl. Dittmaier 1979, S. 143.

113 Bauer 1998, S. 160.

114 Bandle 2005, S. 341; Debus/Schmitz 2004, S. 3477.

115 Debus/Schmitz 2004, S. 3477; Bach 2,2 1954, S. 116.

116 Bach 2,2 1954, S. 326.

117 Bach 2,2 1954, S. 149; Bauer 1998, S. 158; Debus/Schmitz 2004, S. 3477; Heinrich Dittmaier gibt für die von ihm untersuchten -heim-Namen einen Überlieferungsbeginn im 7. Jh. an. vgl. Dittmaier 1979, S. 138.

118 Debus/Schmitz 2004, S. 3477.

119 Bach 2,2 1954, S. 122, S. 325, S. 327; Dittmaier 1956; 231; Dittmaier 1979, S. 137; Jochum-Godglück 1995, S. 500; Jochum-Godglück 2003, S. 267; Hoeper 2004, S. 91; Debus/Schmitz 2004, S. 3477, S. 3489.

120 Bach 2,2 1954, S. 122.

121 Debus/Schmitz 2004, S. 3477.

122 Bach 2,2 1954, S. 123f; Debus/Schmitz 2004, S. 3474, S. 3489.

123 Jochum-Godglück 1995, S. 500ff, S. 599; Jochum-Godglück 2003, S. 267.

124 Haubrichs tut dies freilich unter der Einschränkung weiterer, detailierterer Untersuchungen, welche diese These stützen. vgl. Haubrichs 2006, S. 31.

125 Haubrichs 2006, S. 5.

126 Bach 2,2 1954, S. 125.

127 Unter diesem Titel widmet sich Gerhard Koß 1990 in seiner „Namenforschung, Eine Einführung in die Onomastik“ der Thematik, ob sich die -heim bzw. die -ingen-Namen einem bestimmten germanischen Stamm zuordnen lassen. vgl. 1990, S. 20–22; Zustimmend zur These „onomastischer Dauerbrenner“ äußert sich Bauer 1998, S. 159.

128 Arnold 1881.

129 Bach 2,2 1954, S. 126, S. 327ff; Koß 1990, S. 20f; Bauer 1998, S. 158; Jochum-Godglück 2003, S. 266; Geuenich 2004, S. 69f; Haubrichs 2004, S. 72.

130 Schröder 1944, S. 165; Debus/Schmitz 2004, S. 3469; Schwarz betont, dass beide Namentypen, also Namen auf -heim sowie -ingen-Namen, zur Landnahmezeit „Modegruppen“ der Siedlungsnamen waren. vgl. Schwarz 1950, S. 125.

131 Schwarz 1950, S. 122ff; Bauer 1998, S. 159; Bandle bezeichnet neben den Namen auf -heim auch die Namen auf -ing als Leitnamen der fränkischen Kolonisation. vgl. Bandle 2005, S. 341.

132 Gerhard Koß lässt nach der Vorstellung Schuberts Theorie offen, ob neben den Namenmoden auch andere Ursachen wie sozialer Wandel oder ON-Ausgleich eine Ursache für die Verbreitung der -heim und -ingen-Namen gespielt haben. vgl. Koß 1990, S. 21.

133 Neben dem Wechsel von den -ingen- zu den -heim-Benennungen sieht Geuenich auch den Übergang der mit PN gebildeten -heim-Namen zu den mit Geländebezeichnungen (Hartheim, Northeim, usw.) gebildeten sozialgeschichtlich motiviert. Als Erklärung für beide Veränderungen führt er den seit der Landnahmezeit vorhandenen Strukturwandel mit seiner Neuorientierung von der Mobilität zur Sesshaftigkeit an. vgl. Geuenich 2004, S. 70.

134 Haubrichs 2004, S. 73f.

Details

Seiten
94
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783346059772
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v505592
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes – Germanistisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
Siedlungsnamen -heim Saar

Teilen

Zurück

Titel: Die Siedlungsnamen auf -heim im Saar-Raum. Charakteristiken und Besonderheiten