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Kunstausstellung im Rosgartenmuseum Konstanz. Darstellung der Geschichte des Bodensees mit Charakterköpfen

Essay 2019 9 Seiten

Kunst - Installationen, Aktionskunst, 'moderne' Kunst

Leseprobe

Inhalt

1. Rosgartenmuseum Konstanz
1.1. Ausstellung ‚Charakterköpfe – Bodenseegeschichte in Porträts, Miniaturen und frühen Fotografien‘
1.2. Otto Dix und der Bodensee
1.3. Bildnis des Dichters Wilhelm von Scholz
1.4. Der Mensch vor und hinter der Kunst

2. Abbildungen

3. Kunstraum Kreuzlingen
3.1. Florian Germann, Die Stral 2
3.2. Sechs Tonnen Sand

4. Abbildungen

5. Literaturverzeichnis

6. Abbildungsverzeichnis

1. Rosgartenmuseum Konstanz

1.1. Ausstellung ‚Charakterköpfe – Bodenseegeschichte in Porträts, Miniaturen und frühen Fotografien‘

Dem Rosgartenmuseum, inmitten der Konstanzer Altstadt, lässt sich, seit seiner Gründung 1870, ein hoher Stellenwert für die Bodenseeregion zuschreiben. In langer Tradition widmet sich das Museum Kunst- und Kulturgeschichte der Stadt Konstanz und der umliegenden Region. Die jährliche Sonderausstellung 2018 lief unter dem Titel ‚Charakterköpfe – Bodenseegeschichte in Porträts, Miniaturen und frühen Fotografien‘. Den Kuratoren ist es hierbei gelungen, einen imposanten Querschnitt an Portraits verschiedener Epochen und verschiedener Gesellschaftsschichten darzubieten.

Zu Beginn der Ausstellung lassen sich Einzelportraits Geistlicher, sowie Adliger und Patrizier betrachten, denen zunächst das Vorrecht solcher Selbstdarstellung ab dem Mittelalter zu Teil war. Die nächste Epoche der Portraits steht unter der Überschrift „Der Glanz der Höfe“ und zeigt größtenteils die neuen politischen Herrscher im Bodenseeraum nach dem Sieg Napoleons über Habsburg und seiner Verbündeten. Die grüne Wand der Ausstellung, man muss anmerken, dass die verschiedenen Epochen farblich voneinander abgegrenzt wurden, zeigt Portraits bürgerlicher Unternehmer, die es mit dem tiefgreifenden Wirtschaftswandel 1720 in die Bodenseestädte zog.

Auch für Künstler war der Bodensee ein attraktiver Schaffensort. Hauptsächlich lagen deren Intensionen, ein Portrait oder sogar Selbstportrait anzufertigen, darin, eine Art Selbstsuche und Selbstvergewisserung in unsicheren Zeiten zu schaffen. Hierzu folgt in den kommenden Abschnitten eine genauere Auseinandersetzung mit dem Künstler Otto Dix. Die Ausstellung schließt neben einem Einblick in die Anfänge der Fotografie, mit Kinderbildern auf gelber Wand, sowie den vergessenen Demokraten auf rot.

1.2. Otto Dix und der Bodensee

Seit Beginn der 20er Jahre zog es verstärkt Künstler und Literaten an den Bodensee. Insbesondere die Halbinsel Höri und abgeschiedene Schweizer Dörfer begeisterten durch ihren ländlichen Charme die Feingeister, wie z.B. Hermann Hesse, Helmut und August Macke, oder Otto Dix. Zu dieser Zeit galten ländliche Regionen „als gesellschaftsrevolutionärer Gegenentwurf zur industrialisierten, entfremdeten Stadt.“1 Im Speziellen jedoch für Otto Dix hatte die Nähe der Halbinsel Höri zur benachbarten Schweiz einen weit höheren Stellenwert als bloß eine idyllische Residenz. 1933 von den vorherrschenden Nationalsozialisten als entarteter Künstler deklariert und im darauffolgenden Jahr mit einem Ausstellungsverbot in ganz Deutschland belegt, entschloss er sich zu einer ‚inneren Emigration‘ in den Süden Deutschlands, mit der Option, sich bei weiteren politischen Veränderungen in das angrenzende Nachbarland retten zu können. In dieser Zeit verlegten sich Dix‘ Werke „auf Landschaften, christliche Allegorien und altmeisterliche Lasurtechniken“2, sowie Auftragsportraits, um Bildinhalte zu schaffen, die den Nationalsozialisten ungefährlich schienen.

1.3. Bildnis des Dichters Wilhelm von Scholz

Das Werk Bildnis des Dichters Wilhelm von Scholz3 von Otto Dix soll zunächst ikonographisch, „als Grundlage für jede weitere Interpretation“4, erfasst werden. Das zu behandelnde Auftragsportrait zeigt einen wohlgenährten Mann in Anzug, der vor der Kulisse eines Sees in einem opulenten roten Stuhl Platz genommen hat. Die Hand des Dargestellten ziert ein Siegelring – das frühere Symbol von Macht und Autorität. Ein weiterer Anhaltspunkt für eine starke Position des Mannes ist der aufwendig gedrechselte und mit Tiermotiven verzierte Stuhl, auf dem er sitzt. Hinter dem Stuhl, rechts des Portraitierten, ist ein Hund dargestellt, der den Betrachter fixiert. Hintergrundinformationen lassen uns das Bild vervollständigen und es geht daraus hervor, dass es sich hierbei um ein Auftragsportrait des Dichters Wilhelm von Scholz handelt. Das Bild wurde 1953 auf der Terrasse des Anwesens Schloss Seeheim gezeichnet, das ab 1890 in Besitz der Familie war und damals Villa Scholz hieß.

1.4. Der Mensch vor und hinter der Kunst

Das Ölbild Bildnis des Dichters Wilhelm von Scholz wirft Fragen auf, die sich auf die politischen Verhältnisse in Deutschland und speziell der kontroversen Lebensumstände des Künstlers und des Portraitierten beziehen. Der 1874 in Berlin geborene Wilhelm von Scholz, den es Mitte der 20er an den Bodensee zog, bekräftigte 1941 seine politische Haltung mit dem Eintritt in die NSDAP. „Wesentliche politische Merkmale waren Nationalismus, Antisemitismus, die Stoßrichtung gegen die demokratischen Parteien und die bis zur massiven Gewaltanwendung bereite Radikalität.“5 Diese Geisteshaltung teilte von Scholz in etlichen seiner Werke mit und wurde „in der Endphase des Zweiten Weltkriegs [von] Adolf Hitler im August 1944 in die Gottbegnadeten-Liste der wichtigsten Schriftsteller auf[genommen].“6 In Hinblick auf diese politische Orientierung lassen sich auch die zwei auf dem Portrait zu sehenden Adler an der Kopfstütze des Stuhls in Anlehnung an das Wappentier Deutschlands interpretieren und als Bekräftigung der Heimatliebe. Wenn wir darauf zurück schauen, was in Kapitel 1.2 zum Maler Otto Dix und dessen problematischen Lebens- und Arbeitsverhältnissen unter den Nationalsozialisten gesagt wurde, so erscheint es höchst bizarr, dass ein als ‚entarteter‘ Künstler diffamierter Mensch einen bekennenden, und in Deutschland für seine ideologischen Werke geehrten, Nationalsozialisten portraitiert.

Im Wesentlichen werden es mehrere Faktoren gewesen sein, die diese unglaubliche Kombination aus Maler und Auftraggeber haben zustande kommen lassen. Zum einen wird der lokale Faktor eine Rolle gespielt haben – Otto Dix war ansässig auf der Halbinsel Höri, Wilhelm von Scholz lebte in seiner Villa in Konstanz. Natürlich wäre eine Auftragsablehnung aus moralischer Sicht verständlich gewesen – aber der zu Portraitierende war durch seine Gesinnung eine wichtige, einflussreiche Persönlichkeit in der damaligen Zeit und es liegt die Vermutung nahe, dass Dix und seine Familie weit größere Probleme hätten bekommen können, wenn das Portrait nicht zustande gekommen wäre. Außerdem war Otto Dix Familienvater, hatte drei Kinder zu ernähren und wie auch Jan Dix, der […] Sohn von Otto Dix, sagt über diese Zeit: „Es ging ihm wirtschaftlich nach 33 sehr schlecht. Er hat kaum etwas verkauft.“7

2. Abbildungen

Abbildung 1

Rosgartenmuseum, Ausstellung ‚ Charakterköpfe – Bodenseegeschichte in Porträts, Miniaturen und frühen Fotografien‘ , Konstanz, 28 Juni bis 30 Dezember 2018 (Abbildung nicht Teil der Veröffentlichung).

Abbildung 2

Dix, Otto : Bildnis des Dichters Wilhelm von Scholz, 1953, Öl auf Leinwand, o.A., Friedrichshafen, Zeppelin-Museum (Abbildung nicht Teil der Veröffentlichung).

Abbildung 3

Dix, Otto : Wilhelm von Scholz, 1953, Rohrfeder in Tusche auf chamoisfarbenem Karton, 51,0x36,7 cm, Vaduz, Otto Dix Stiftung (Abbildung nicht Teil der Veröffentlichung).

3. Kunstraum Kreuzlingen

Geografisch kann der Kunstraum Kreuzlingen, mit seiner Nähe zur deutsch-schweizer Grenze, als besonderer Vermittler zwischen den Ländern gesehen werden. Aufgenommen wird diese kulturelle Vermittlung auch in der meist jährlich stattfindenden Kunstnacht von Konstanz, auf der deutschen Seite, und der Nachbarstadt Kreuzlingen. Dieser Ansatz, durch Kunst Verbindungen zu schaffen und in einen Discours zu treten, wird vom Kunstraum Kreuzlingen auch innerhalb der eigenen Ausstellungen verfolgt.

Mit dem Schwerpunkt ‚zeitgenössische Kunst‘ werden „im Jahresverlauf [...] fünf kuratierte monografische Projekte in Zusammenarbeit mit den Künstlern exclusiv auf die Räumlichkeiten hin entwickelt“8. Neben den Bereichen im Erdgeschoss zählt auch das Tiefparterre zu den Ausstellungsräumen. Dieses ist als „Plattform für elektronische Künste und experimentelle Projekte aus deren Forschungsbereich“9 zu verstehen. Was der Betrachter aus dieser weiteren Verbindung beider Stockwerke für sich und sein Ausstellungsverständnis ziehen kann, stellt für die KunstvermittlerInnen den größten Wert ihrer kuratorischen Arbeit dar.

3.1 Florian Germann, Die Stral 2

Der Schweizer Künstler Florian Germann, dessen Wurzeln in Kreuzlingen liegen, hat einen eigenwilligen und für den Betrachter oft nicht sofort verständlichen Zugang zu den Themen seiner Ausstellungen. Er wählt sich historische Erzählungen, arbeitet physikalische und wissenschaftliche Aspekte heraus und begibt sich auf Materialsuche, die immer einem Optimierungsprozess unterworfen ist. Das, was hinter den Erzählungen und Begebenheiten liegt, möchte er erlebbar, fühlbar machen.

[...]


1 Rosgartenmuseum, Informationstafeln der Ausstellung

2 https://www.mdr.de/kultur/otto-dix-chemnitz-100.html, Aufruf 31.12.18

3 Otto Dix : Bildnis des Dichters Wilhelm von Scholz, 1953, Öl auf Leinwand, o.A., Friedrichshafen, Zeppelin-Museum.

4 Erwin Panofsky : Ikonographie und Ikonologie, in : Ekkehard Kaemmerling (Hg.), Bildenden Kunst als Zeichensystem, Bd. 1 : Ikonographie und Ikonologie : Theorien, Entwicklung, Probleme, Köln, 1979, S.213.

5 https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Nationalsozialistische_ Deutsche_Arbeiterpartei_(NSDAP),_1920-1923/1925-1945

6 Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main, 2007, S. 543.

7 https://www.deutschlandfunk.de/vater-und-sohn.691.de.html?dram:article_id=50495

8 http://www.kunstraum-kreuzlingen.ch/

9 Ebd.

Details

Seiten
9
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346053336
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v505424
Institution / Hochschule
Universität Konstanz
Note
2,0
Schlagworte
kunstausstellung rosgartenmuseum konstanz darstellung geschichte bodensees charakterköpfen

Autor

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