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Kurzer Stundenentwurf zum Thema "Kinder entdecken die Geschichte von Zachäus" (Lk 19,1-10)

Für eine kirchliche Kindergruppe der vierten Schulklasse

Unterrichtsentwurf 2019 10 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

1.Bedingungsanalyse

1.1 Allgemeines über den Ort und der Kirchengemeinde

Die evangelische-lutherische Kirchengemeinde gehört der Propstei im Kirchenkreis Mecklenburg an, welcher Bestandteil der Landeskirche „evangelisch-lutherische Kirche in Norddeutschland“ ist, und bildet mit der benachbarten evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde einen Pfarrsprengel. Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde befindet sich in der kommunalen Gemeinde mit ca. 5747 Einwohnern1. Die Kirchengemeinde verfügt über ein Kirchengebäude, das in gelegen ist. Die Kirche befindet sich nämlich im historischen Dorfkern von Die typischen Elemente eines Kirchengebäudes (Altarraum, Kirchenschiff und Turm) sind in der Kirche vorhanden. Nicht weit davon entfernt ist das Pfarrhaus vorzufinden, worin lediglich das Amtszimmer des Pastors sowie seine Privatwohnung vorzufinden sind. In unmittelbarer Nähe des Pfarrhauses befindet sich das erst vor wenigen Jahren errichtete Gemeindezentrum. Darin befindet sich ein Gemeindesaal für Gottesdienste, Andachten, Konzerte, usw. sowie ein Gruppenraum, der sowohl für die verschiedenen Kinder- als auch Christenlehregruppen vorgesehen ist. Darüber hinaus verfügt das Gemeindezentrum über einen weiteren Gruppenraum, der hauptsächlich von Konfirmandengruppen und der Jugendgruppe genutzt wird. Ansonsten ist im Gemeindezentrum nur noch ein Büro einer Gemeindemitarbeiterin vorzufinden. Das Einzugsgebiet der Kirchengemeinde beschränkt sich nicht nur auf den Ort sondern schließt auch die Ortschaften Barkvieren, Groß Freienholz, Groß Lüsewitz, Horst, Klein Freienholz, Klein Wehnendorf, Neu Wendorf, Niekrenz, Oberhof, Reppelin, Teutendorf, Vietow, Wenfeld und Wendorf mit ein. In dem Ort sind so gut wie alle Schularten2 existent, denn in sind ein Gymnasium, eine Regionalschule und eine Grundschule. Darüber hinaus beteiligt sich die Kirchengemeinde an kommunalen Veranstaltungen wie zum Beispiel die gemeinsame Organisation sowie Ausrichtung des Sankt-Martin-Festumzugs. Weiterhin sind vier Kindertagesstätten3 zu erwähnen, die sich im Ortsgebiet von befinden. Eine intensive Zusammenarbeit der Kirchengemeinde besteht mit der Kindertagesstätte welche religionspädagogisch ausgerichtet ist.

Nach Angaben von Zensusergebnissen4 aus dem Jahr 2011 gehören 987 Einwohner aus der Ortsgemeinde der evangelischen Kirche an. Sehr auffällig ist, dass der Hauptanteil mit 395 evangelischen Kirchenmitgliedern im Seniorenalter zu verorten ist. Weiterhin gehören 171 Einwohner der römisch-katholischen Kirche an. Zwar ist die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde die einzige religiöse Gemeinschaft vor Ort, aber die nächste römisch-katholische Kirchengemeinde befindet sich in der nahe gelegenen Kleinstadt Tessin und die nächste freikirchliche Gemeinschaft ist in der Ortschaft Roggentin vorzufinden, wo es sich um eine Gemeinde der Adventisten handelt. Es ist nicht unerwähnt zu lassen, dass Teil des Regiopolgebietes von Rostock ist. Die Großstadt Rostock weist eine Vielzahl an religiösen Gemeinschaften auf, wie beispielsweise eine jüdische und islamische Gemeinde. Darüber hinaus sind in Rostock eine Vielzahl an Gemeinden verschiedener christlicher Glaubensrichtungen vor Ort. Eine ökumenische Zusammenarbeit lässt sich allerdings nicht feststellen zwischen der Kirchengemeinde und irgendeiner freikirchlichen Gemeinde aus Rostock sowie Umgebung, jedoch besteht eine rege ökumenische Kooperation mit der römisch-katholischen Kirchengemeinde in Tessin.

Die Zusammenkünfte der Gruppe erfolgen in wöchentlichen Abständen für die Dauer von einer Zeitstunde. Die Gruppe trifft sich allerdings nicht während der Schulferien und auch nicht an Feiertagen. In der Woche kommen noch andere Christenlehregruppen zusammen, welche nach Alter und Schulklasse der teilnehmenden Kinder geordnet sind.

2. Zielgruppe

2.1 Informationen zur Gruppe

Bei genauer Betrachtung handelt es sich um eine Christenlehregruppe für Kinder in der vierten Schulklasse, also befinden sich die Teilnehmenden im Grundschulalter. Die Kinder kommen größtenteils aus dem Einzugsgebiet der kommunalen Gemeinde , aber auch aus Ortschaften, die einem kommunalen Einzugsbereich angehören, das den Namen trägt. Es ist nämlich nicht außer Acht zu lassen, dass die Kirchengemeinde mit der Kirchengemeinde einen Pfarrsprengel bildet. Infolgedessen lässt sich erklären, dass Kinder aus dem Gebiet der Kirchengemeinde ebenfalls die Christenlehregruppe besuchen. Insgesamt lässt sich sagen, dass alle Teilnehmenden aus einer ländlichen Umgebung stammen. Die weiblichen Teilnehmenden sind innerhalb der Christenlehregruppe in der Mehrheit, wohingegen es nur zwei männliche Teilnehmer gibt. Die Leitung der Gruppe liegt in der Verantwortung der Gemeindepädagogin der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Darüber hinaus ist es der Fall, dass die Gemeindepädagogin mit ihrem privaten PKW die Christenlehrekinder vor der Gruppenstunde von der Schule abholt und einen Teil nach der Gruppenstunde wieder heimbringt. Die Länge der Gruppenstunde beläuft sich auf genau eine Zeitstunde. Die Gruppe ist mit jedem neuen Schuljahr durch Zu- und Abgänge gekennzeichnet, denn entweder kommen jüngere Gruppenmitglieder hinzu oder Ältere gehen in die für ihre Altersstufe vorgesehene Gruppe. Selten ist es der Fall, dass die Kinder nicht mehr wegen Wegzug der Eltern, vermehrt schulischer oder anderweitiger Verpflichtungen oder Interessenverlust erscheinen. Eine regelmäßige Begleitung durch Ehrenamtliche lässt sich nicht konstatieren. Diese Christenlehregruppe sowie weitere Christenlehregruppen sind ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit mit Kindern innerhalb der Kirchengemeinde

Die Teilnehmenden gehen in die örtlichen Grundschulen, entweder in oder in . Die Atmosphäre der Gruppe lässt sich im Allgemeinen als ruhig und entspannt beschreiben, jedoch kommt es gelegentlich zu Störungen von den beiden männlichen Teilnehmern. Es ist nicht zu verkennen, dass die Kinder ein reges Interesse an den thematisierten Bibelgeschichten haben und sehr gut Verbindungen zu ihrer eigenen Lebenswelt herstellen können. Häufig bringen die Kinder Erlebnisse aus ihrem Schulalltag in das jeweilige Thema ein. Die Kinder haben zwar in der Regel einen guten Umgang miteinander, jedoch kommt es untereinander ab und an zu einem herablassenden Umgangston, zu Hänseleien und Provokationen. Sobald sich die meisten Christenlehrekinder gelangweilt fühlen und über längere Zeit den Christenlehrethemen in sitzender Körperhaltung folgen müssen, entsteht häufig eine störende Unruhe. Herumliegende Materialien bzw. Gebrauchsgegenstände wie Stifte, Blätter und Liederhefte lassen die Kinder zusätzlich ablenken. Eine oft auftretende Konfrontation zwischen den männlichen Teilnehmern und den weiblichen Christenlehrekindern ist nicht zu übersehen. Meistens neigen die Jungen dazu, abfällige Kommentare gegenüber den Antworten der Mädchen zu äußern. Die Gemeindepädagogin reagiert auf das störende Verhalten der Jungen stets mit Ermahnungen und nicht selten mit lautstarker Stimme. Die Familien der Christenlehrekinder lassen sich nicht als regelmäßige Gottesdienstbesucher beschreiben, jedoch ist ein Teil davon bei Familien- und Kindergottesdiensten anzutreffen. Zudem suchen die Familien der Kinder größere Gemeindeveranstaltungen auf, die sich an Familien mit Kindern sowie jüngere Menschen richtet.

2.2 Entwicklungs- und religionspsychologische Aspekte

Allgemeine Informationen zu der Altersentwicklung sind der Internetseite5 mit dem Titel „Alles um die Kinderkirche“ entnommen. Bezüglich des Alters lässt sich sagen, dass die teilnehmenden Kinder sich im „späten Kindesalter mit 9-10 Lebensjahren“ befinden. Folglich stehen die Kinder in der Gruppe kurz „vor der frühen Adoleszenz“. Die Kinder kommen aus verschiedenen Elternhäusern, so dass davon auszugehen ist, dass „ein entsprechender Wertepluralismus“ vorliegt. Die Kinder sind in dem Altersbereich „durch einen starken Bewegungsdrang“ gekennzeichnet, so dass vom zu langen Sitzen abzusehen ist. Sofern es die Witterungsverhältnisse zulassen, neigen die Kinder dazu, im „Außenbereich Bewegungsspielen oder sportlicher Betätigung“ nachzugehen. Für die Planung ist das zu berücksichtigen, wenn optimale Witterungsbedingungen vorliegen. Ebenso sind die Kinder in dem Alter in der Lage, „kausale Zusammenhänge“ zu erkennen, was sich bestens für Fragen zum Textverständnis sowie den lebensweltlichen Bezug nutzen lässt. Außerdem verfügen die Kinder in dem Alter über „einen Gerechtigkeitssinn“, der für das inhaltliche Textverständnis von Bedeutung sein wird. „Die Entwicklung des Selbstwertgefühls“ ist im Alter von 9-10 Jahr sehr ausgeprägt. Daher wurde die Wahl der Bibelgeschichte unter dem Aspekt gewählt, in Gottes Augen sehr wertvoll zu sein. Den Kindern dieses Altersbereiches fällt es sehr leicht, „etwas auswendig zu lernen“. Daher erweist sich eine Einprägung der Aussage, für Gott sehr wertvoll zu sein, nicht nur förderlich für die Schulung des Gedächtnisses, sondern auch für die „Stärkung des Selbstwertgefühls“. Weiterhin ist zu sagen, dass das Gottesbild in diesem Alter durch Gehörtes „neu geformt und überarbeitet“ wird. Daher ist es durch die Bibelgeschichte von Zachäus enorm von Bedeutung, Gott als liebevoll und nachsichtig zu erfahren, der jeden Menschen mit seinen Fehlern sowie Schwächen annimmt. Die Kinder sehen Gott nicht mehr in Verbindung mit ihren Eltern oder Autoritätspersonen, sondern als „eigenes Gegenüber“. Außerdem sind die Kinder in dem Alter bestrebt, die Wahrheit gesagt zu bekommen. Vorstellungen über fiktive Gestalten wie „Märchenfiguren“ oder „den Weihnachtsmann“ werden fragiler. Dennoch ist es für die Kinder von zentraler Bedeutung, „Geschichten kennen zu lernen“. Genauso unter diesem Gesichtspunkt bietet sich die Erzählung von Zachäus sehr gut an.

Kunstmann stellt in seinem Buch6 „Religionspädagogik“ eine Übersicht bereit in Bezug auf die religiöse Entwicklung aller Altersstufen. Ich möchte mich auf die „Stufen des religiösen Urteils“ nach Oser/Gmünder sowie den „Stufen des Glaubens“ nach Fowler beschränken. Gemäß dem Modell von Oser und Gmünder liegt in der Altersstufe von 7-11 Jahren ein ausgeprägter „Deismus“ vor: Die Kinder neigen sowohl zur „Autonomie“ als auch zur „Distanz“, denn sie sind sich ihrer „Verantwortung für das eigene Leben“ bewusst und sehen „Gott eher für die Welt zuständig“ (vgl. S. 75). Als weitere Form ist aus dem Modell von Oser und Gmünder „die Apriorität“ zu entnehmen (ebd.). Demnach ist „Religion die Grundvoraussetzung von Freiheit“. In diesen Lebensjahren leiten die Kinder „Autonomie“ sowie „Freiheit“ aus der Religion ab, was durch sie sowohl „vermittelt“ sowie ihr „zu verdanken“ ist (ebd.). Bei Betrachtung des Modells über die „Stufen des Glaubens“ von Fowler, ist zunächst die Rede von einer „synthetisch-konventionellen“ Haltung, die bei Kindern ab sieben Jahren vorzufinden ist (ebd.). Diese Haltung besteht darin, die „konventionell gebräuchliche religiöse Einzelvorstellung zu übernehmen“, ohne sie in „Frage zu stellen“. Im daran anschließenden Alter spricht Fowler von einem „individuierenden-reflektierenden Glauben“, der durch „eine kritische Autonomie“ gekennzeichnet ist (ebd.). Die Merkmale davon sind „kritische Autonomie, Zweifel und Traditionskritik“ (ebd.). Demnach befindet sich Gott nicht an einem fernen sowie unerreichbaren Ort, sondern wird „am ehesten im Mitmenschen gesehen“ (ebd.).

[...]


1 http://www.gemeinde-sanitz.de/ueberblick/geschichte/ (17.04.2019)

2 http://www.gemeinde-sanitz.de/bildung/ (17.04.2019)

3 http://www.gemeinde-sanitz.de/ueberblick/kinderbetreuung/ (17.04.2019)

4 Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Zensus 2011 – Bevölkerung und Haushalte Gemeinde Sanitz, Schwerin 2014, S.10

5 http://www.allesumdiekinderkirche.de/kinder/index.htm#ab%208 (18.04.2019)

6 Kunstmann, Joachim: Religionspädagogik, Tübingen 2004, S.75

Details

Seiten
10
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346094629
ISBN (Buch)
9783346094636
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v505262
Note
bestanden
Schlagworte
Zachäus Neues Testament Bibelgeschichte Bibel Jesus Christus Sünder Umkehr Didaktik Religionspädagogik Gemeindepädagogik Kirche Christentum Theologie kirchliche Kindergruppe Christenlehre Kinderstunde Soteriologie

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Titel: Kurzer Stundenentwurf zum Thema "Kinder entdecken die Geschichte von Zachäus" (Lk 19,1-10)