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Tiergestützte Therapie bei Menschen mit Demenz

Hausarbeit (Hauptseminar) 2018 15 Seiten

Psychologie - Beratung, Therapie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitu

2. Psychosoziale Interventionen

3. Was bedeutet Wohlbefinden

4. die Beziehung zwischen Mensch und Tier
4.1 die Biophilie-Hypothese
4. 2 das Konzept der Du-Evidenz
4.3 Schichtenlehre der Persönlichkeit
4.4 weitere Erklärungsmodelle

5. Kommunikation zwischen Mensch und Tie
5.1 Digitale/verbale Kommunikation
5.2 Analoge/nonverbale Kommunikation
5.3 Kommunikation zwischen dementiell Erkrankten und Tieren

6. Methodik

7. Studienanalyse

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Hauptwirkungsfeld der psychiatrischen Pflege ist der Beziehungsaufbau und die weitere Gestaltung dieser Beziehung. In der gerontopsychiatrischen Beziehungsarbeit ist nicht nur die Befriedigung der körperlichen Bedürfnisse Aufgabe der Pflege, auch das erfüllen von sozialen und individuellen Anliegen ist unsere Auftrag (Noelle, 2015).

Kontaktaufbau und Beziehungspflege sind durch den Verlust der kognitiven Fähigkeiten erschwert. Nicht selten leben Demenzkranke versunken in ihren eigenen Lebenserinne- rungen, zu denen wir kaum Einlass finden. Aufgrund der im Krankheitsverlauf zuneh- menden Beeinträchtigung der Sprach- und Sprechfähigkeit gestaltet sich der verbale Weg zu dieser persönlichen inneren Welt oft schwierig (Gutzmann & Zank, 2005). Wir müssen, um Demenzkranken eine Beziehung anbieten zu können, andere Wege finden. Unser Ziel muss es sein eine Brücke zu der Wahrnehmungswelt unserer Patienten1 zu- schlagen, denn Beziehungslosigkeit bedeutet auch Vereinsamung und beeinflusst das Wohlbefinden und die Lebensqualität negativ.

Eine dieser möglichen Brücken kann das gezielte Arbeiten mit Tieren sein. Tiere haben die Begabung auf eine Art zu kommunizieren, mit der demenziell erkrankte Menschen zu erreichen sind und so eine Verbindung zu diesen Menschen aufbauen (Hegedusch E. & Hegedusch L., 2007). Doch wie funktioniert diese Verbindung und warum können Tiere dort das Eis brechen, wo professionelle Akteure scheitern?

Diese Hausarbeit setzt sich mit der Fragestellung auseinander, welcher Mehrwert für den an Demenz erkrankten Menschen durch Interventionen mit Tieren erreicht werden kann.

Um sich der Antwort auf diese Frage zu nähern, wird im ersten Teil dieser Hausarbeit das Ziel einer psychosozialen Intervention vorgestellt und der Begriff Wohlbefinden de- finiert. Es folgt ein Überblick über Modelle, die versuchen, die Beziehung und Kommuni- kation zwischen Menschen und Tieren zu erklären. Im Weiteren werden die Ergebnisse von vier Studien zur Fragestellung der Hausarbeit analysiert.

Aufgrund des begrenzten Umfangs dieser Hausarbeit kann über die verschiedenen The- men nur ein Überblick gegeben werden.

2. Psychosoziale Interventionen

Eine psychische Erkrankung bringt Veränderungen und Beeinträchtigungen in vielen, wenn nicht allen „Lebensbereiche“ mit sich. Der eigene Lebensalltag, aber auch der des sozialen Umfeldes und unter Umständen auch des beruflichen Umfeldes sind betroffen.

Anders als die medikamentöse Therapie, die hauptsächlich auf eine Verringerung der Krankheitssymptome gerichtet ist, möchte die psychosoziale Intervention die Betroffe- nen befähigen, sich in ihrem und dem gesellschaftlichen Leben wieder zurecht zu finden. Dies soll unter anderem durch das Vermitteln von sozialen Kompetenzen und Achtsam- keit sich und anderen gegenüber erreicht werden. Das biopsychosoziale Modell steht im Mittelpunkt der psychosozialen Intervention (Smith, 2018).

Lange Zeit bestand auch in Fachkreisen die Vermutung, dass psychosoziale Interven- tionen bei Menschen mit Demenz nicht durchführbar sind. Dies begründete sich mit der grundsätzlichen Annahme, dass der Mensch im Alter seine Entwicklungsfähigkeit ver- liert. Bei Demenzerkrankten kam erschwerend hinzu, dass aufgrund der Erkrankung kognitive Fähigkeiten verloren gehen bzw. nicht mehr vollumfänglich vorhanden sind, über welche Psychotherapiepatienten aber verfügen sollten (Gutzmann & Zank, 2005).

Diese Annahme konnte inzwischen revidiert werden. Psychologische Interventionen sind auch im höheren Alter möglich und gegebenenfalls auch nötig, da das Unterbewusstsein nicht zeitgebunden ist.

Mittlerweile werden für Demenzerkrankte spezifische Interventionen in klinischen Be- handlungsleitlinien empfohlen (Smith, 2018). Psychologische Interventionen sollen hel- fen, kognitive und emotionale Störungen, den damit verbundenen psychosozialen Be- einträchtigungen und Einschränkungen in der Aktivität zu verringern und damit ein Höchstmaß an Wohlbefinden zu erreichen (Fischer-Terworth, Probst, Glanzmann & Knorr, 2009).

Jede psychosoziale Intervention hat das übergeordnete Ziel die Lebensqualität zu erhal- ten und wenn möglich zu erhöhen.

3. Was bedeutet Wohlbefinden

Wenn es auch objektive und vergleichbare Indikatoren für das Wohlbefinden gibt, so ist dieses Konzept im selben Maße individuell, subjektiv und vor alle nicht statisch. So ge- hören zum Wohlbefinden zum Beispiel Glück, Freude, Lebensfreude und Behagen. Was nun aber Glück für den einen ist, muss den anderen nicht ebenso glücklich machen. Ebenfalls kann das, was heute Behagen in einem auslöst, in einer anderen Lebens- spanne neutral oder vielleicht sogar als unangenehm empfunden werden. Einer der wichtigsten Merkmale von Wohlbefinden ist, dass nur der Einzelne selber deutlich ma- chen kann, worüber er sein Wohlbefinden definiert und erreicht.

Wohlbefinden kann in vier Dimensionen (körperlich, psychisch, soziokulturell und spiri- tuell) aufgeteilt werden. Minderung in einer Dimension können durch ein gesteigertes Wohlbefinden in einer anderen Dimension bis zu einem gewissen Grad ausgewogen werden.

Im motivationstheoretischem Ansatz wird davon ausgegangen, dass Wohlbefinden ent- steht, wenn zum Beispiel Bedürfnisse befriedigt werden (Sauter, 2011). Anders benannt, aber mit Überschneidung, kann man die oben genannten Dimensionen auch in der Maslowschen2 Bedürfnishierarchie (physiologische Bedürfnisse, Sicherheitsbedürf- nisse, Soziale Bedürfnisse, Individualbedürfnisse und Selbstverwirklichung) finden.

Da Wohlbefinden ein zuverlässiger Hinweis für Lebensqualität ist, werden diese beiden Begriffe oft als Synonym genutzt.

Wie eng Gesundheitsbeeinträchtigungen und das Vorhandensein von kognitiven „Fähig- keiten“ mit dem subjektiven Erleben von Wohlbefinden zusammenhängt, ist gerade im Alter eine entscheidende Frage. In Studien, wie der Basler Interdisziplinären Altersstudie konnte festgestellt werden, dass das psychische und soziale Wohlbefinden nicht vom Alter abhängig ist. Ein höheres Alter beeinträchtigt eher das physische Wohlbefinden. Objektive Bedingungen wie Krankheit sind nicht entscheidend für die eigene Bewertung der persönlichen Lebensqualität. Entscheidend ist wie der Mensch seine Situation erlebt und wieviel Kontrolle er über sich und seine Situation ausüben kann (Perrig-Chiello, Stä- helin & Perrig, 1999).

Somit ist festzuhalten, dass bei Menschen im hohen Alter, auch wenn sie sich mit Krank- heiten und deren Beeinträchtigungen, egal ob körperlicher oder auch psychischer Art auseinandersetzen müssen, nach wie vor Wohlbefinden und Lebensqualität vorhanden ist. Da es begründete Erkenntnisse gibt, dass Demenzerkrankte zuverlässige Angaben und Rückmeldung zur eigenen wahrgenommenen Lebensqualität geben können, sind die Konzepte des Wohlbefindens und der Lebensqualität individuell förderbar (Leipold & Zank, 2002).

4. die Beziehung zwischen Mensch und Tier

Um die Beziehung zwischen Mensch und Tier nachzuvollziehen und erklärbar zu ma- chen gibt es einige Theorien. Um Tiere in der Arbeit im Gesundheitswesen gezielt ein- zusetzen, sollten verschiedene Erklärungsmodelle bekannt sein.

4.1 die Biophilie-Hypothese

Die Biophilie-Hypothese aus dem Jahre 1984 nach Edward O. Wilson3 hat den Ansatz der vergleichenden Biologie. Es wird davon ausgegangen, dass eine Verbundenheit, bedingt aus der Evolution heraus, zwischen allen ähnlichen Lebensformen besteht. Ver- bundenheit mit der Natur sowie Kontakte und Interaktion mit anderen Lebewesen unter- stützen eine stabile und gesunde Entwicklung (Julius, Beetz, Kotrschal, Turner & Uvnäs- Moberg, 2014).

4.2 das Konzept der Du-Evidenz

Dieses Konzept bezieht sich auf die Fähigkeit zu fühlen und zu erfahren. Diese Fertig- keiten haben schon Kleinkinder und verbleiben dem demenzerkrankten Menschen, wenn zum Beispiel die Fähigkeit, Wahrnehmungen rational zu verarbeiten, schon verlo- rengegangen sind (Germann-Tillmann, Merklin & Stamm Näf, 2014).

Der Gegenüber wird auf einer emotionaler Ebene erkannt und so zum Individuum. Ein Mindestmaß an gleichen Lebensäußerungen, wie zum Beispiel Essen und Schlafen und auch Gefühlsäußerungen, wie zum Beispiel Freude oder Angst schaffen Gemeinsam- keiten, die wiederum eine Beziehung ermöglichen (Hegedusch E. & Hegedusch L., 2007).

4.3 Schichtenlehre der Persönlichkeit

Im Jahr 1938 hat Erich Rothacker4 die Persönlichkeit eines Menschen in drei Haupt- schichten aufgeteilt. Die Schichtenlehre zeigt die Wichtigkeit der bewussten und unbe- wussten Faktoren bezüglich der Verständigung und Verbindung zwischen Mensch und Tier auf. Rothacker ging auch davon aus, dass die oberen Schichten auf die Funktiona- lität der darunter liegenden Schichten angewiesen sind, die untere Schicht aber nicht auf die oberen Schichten (Hegedusch E. & Hegedusch L., 2007). So ist die Interaktion zwi- schen Demenzerkrankten und Tieren erklärbar.

[...]


1 Im Folgenden wird für den besseren Lesefluss auf die Nennung beider Geschlechter verzichtet. Die Aussagen in dieser Hausarbeit sind jeweils geschlechtsneutral zu verstehen und stellen keine Diskriminierung eines Geschlechtes dar.

2 Abraham Maslow, Psychologe (1908-1970)

3 Edward Osborne Wilson, Soziobiologe * 10. Juni 1929 in Birmingham

4 Erich Rothacker, Philosoph und Soziologe * 12. März 1888 in Pforzheim; † 10. August 1965 in Bonn

Details

Seiten
15
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346054593
ISBN (Buch)
9783346054609
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v505178
Institution / Hochschule
Fachhochschule der Diakonie GmbH
Note
1,0
Schlagworte
Tiergestützte Interventionen Psychosoziale Intervention Menschen mit Demenz Demenz Gerontopsychiatrie

Autor

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Titel: Tiergestützte Therapie bei Menschen mit Demenz