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Realismus nach Hans J. Morgenthau und die praktische Anwendung dieser im Kalten Krieg

Hausarbeit 2004 13 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

1.Allgemeines

Hans Joachim Morgenthau wurde 1904 in Coburg/ Deutschland als Sohn jüdischer Eltern geboren. Nach Abschluss der Studien in Rechts- und Staatswissenschaften lehrte er an den Universitäten von Genf und Madrid, bis er 1937 in die USA emigrierte und seine Karriere als Professor für Politikwissenschaft an renommierten amerikanischen Universitäten verfolgte. In den Jahren zwischen 1949 und 1951 war er auch als Berater im amerikanischen Außenministerium tätig. Seit seinem größten Werk „Politics Among Nations“ zählt Hans J. Morgenthau zu den wichtigsten Vertretern der realistischen Schule.

Der Realismus entstand als eine Gegenbewegung des lange vorherrschenden idealistischen Denkens. Nach den weltweiten Erschütterungen über die Grausamkeit der Verbrechen des zweiten Weltkrieges und die Teilung der Welt in zwei Blöcke wurden die alten Weltkonzepte nochmals überdacht. Der Realist sieht die Nationalstaaten in einem ständigen „Sicherheitsdilemma“, das aus der Unwissenheit über die Absichten anderer Staaten resultiert. Aufgrund dieses unsicheren Zustandes versucht der Staat alles, um Macht anzuhäufen und um diese nach außen zu zeigen. Für Morgenthau heißt das soviel wie, dass der Akteur der internationalen Politik, der Nationalstaat, aus einem im Sinne von Macht verstandenem Interesse handelt um seine Ziele möglichst schnell und gut zu verwirklichen. Der Frieden durch Ausgleich, die Diplomatie, ist für Hans J. Morgenthau das einzige und beste Mittel, das dauerhaft für Stabilität in den internationalen Beziehungen sorgt.[1]

2.Einleitung

In einer Darstellung der realistischen Theorie nach Hans J. Morgenthau, von Reinhard Meyer wird behauptet: „Den politischen Entscheidungsträgern der USA bot der Realismus (...) Maßstäbe und Konzepte der Orientierung in der komplexen internationalen Wirklichkeit, erlaubte deren Interpretation und offerierte Möglichkeiten der Legitimierung des eigenen außenpolitischen Handelns ".[2]

Anhand der mir vorliegenden Quellen bin ich im Folgenden bemüht, diese These zu widerlegen. Bei meiner Argumentation werde ich mich hauptsächlich auf Morgenthaus Hauptwerk beziehen, da dieses die Theorie vollständig darstellt. Zunächst werde ich auf die grundlegenden Sichtweisen Morgenthaus gegenüber der Politik der Vereinigten Staaten eingehen und darauf aufbauend das Verhalten der USA auf der internationalen sowie auf der nationalen Ebene beleuchten. Folgend werde ich das Prinzip des Gleichgewicht der Mächte in Bezug auf den Kalten Krieg aus Sicht von Hans J. Morgenthau erläutern, um als Abschluss im Fazit zu diskutieren, inwiefern die oben genannte These in einer Gegenüberstellung zum Originaltext haltbar ist.

3.Grundlegende Sichtweise

In den sechs Grundprämissen des politischen Realismus bezeichnet Morgenthau den Zustand der Außenpolitik zur Zeit des Kalten Krieges als unsicher, wobei das Fehlen von Stabilitätsfaktoren auf die ständig präsente Angst vor einem nuklearen Angriff zurückgeführt wird. Außenpolitik einer Nation, die sich auf universelle, moralische Werte bezieht, wird streng abgelehnt, da eine solche Politik, wie jede Politik, nur auf Durchsetzung eigener Interessen ausgerichtet ist und diese, durch die Gleichsetzung bestimmter Normen für die ganze Welt, legitimieren möchte.[3]

Diese Ansichten, in Bezug auf die politische Wirklichkeit, die sich während des Ost-West Konfliktes herausgebildet hat, stellen eine Kritik an dieser dar. Der Zustand der Unsicherheit und Instabilität, mit Verweisen auf Besserungsvorschläge, die diesen aufheben sollen, zeigt deutlich, dass die gegenwärtige Politik fehlgeschlagen ist und keinen Anhaltspunkt zur Legitimierung dieser gibt. Die Ablehnung der Universalität der sittlichen Grundsätze, die aus den unterschiedlichen Entwicklungen der Nationen der Welt hervorgeht und sich auf die daraus resultierenden unterschiedlichen Erwartungen und Vorstellungen der jeweiligen Völker beruft, „liegt quer zu den in den USA Bestimmenden Paradigmen der Politik (...) und widerspricht dem politischen Credo Amerikas in vielerlei Hinsicht.“[4]

Morgenthau, der in Amerika lebt und bereits vor der Buchveröffentlichung zahlreiche Essays geschrieben hat, in denen er die amerikanische Außen- und Innenpolitik sowie zahlreiche amerikanische Politiker stark kritisiert, ist der Ansicht, dass die zu dieser Zeit gegenwärtige Politik bedrohlich für die ganze Welt sei und dass die Vereinigten Staaten mit einer auf Traditionen beruhender Regierungsführung diesen Zustand noch verstärken.[5]

4.Amerikanische Politik auf internationaler Ebene

Ein weiterer Kritikpunkt an der Politik der Vereinigten Staaten ist der noch teilweise stark vorhandene Hang zum Idealismus und die diesem widersprechende Umsetzung der politischen Vorhaben.

Die „Mission“ Amerikas, die sich viele Politiker als Ziel gesetzt hatten und dieses der Bevölkerung verkündeten, war Festigung der Demokratie, Kampf gegen Expansion und Imperialismus sowie Abschaffung der Machtpolitik auf allen Ebenen. Durch Morgenthaus nähere Betrachtung der Umsetzung dieser Ideale, konnte man starke Abweichungen im Bezug auf die ursprüngliche Zielsetzung erkennen. Die Außenpolitik der Vereinigten Staaten dient der Verfolgung der innenpolitischen Ziele des Landes,[6] was die Aspekte der Macht und des Interesses, wogegen die amerikanische Politik ursprünglich gerichtet werden sollte, nur umso mehr hervorhebt. Aus Morgenthaus Sicht verfolgt Amerika, sehr deutlich vor allem seit dem spanisch-amerikanischem Krieg, eine imperialistische Politik die durch Ideologien verschleiert und gerechtfertigt wird. Als Instrumente der in aller Politik vorhandenen Ideologien dienen die Berufung auf sittliche Grundsätze, auf Gerechtigkeit, auf den Schutz vor Gewaltanwendung durch

[...]


[1] Vgl. Jacobs, Andreas, Realismus, in: Lehmkuhl, Ursula, Theorien internationaler Politik. Einführung und Texte, München u.a. 1996, S. 35-56.

[2] Meyer, Reinhard, Grundbegriffe und theoretische Perspektiven der internationalen Beziehungen, in: Baskotte, Ursula u.a., Grundwissen Politik (=Bundeszentrale für politische Bildung), Bonn 1997, S. 376.

[3] Vgl. Morgenthau, Hans J., Macht und Frieden. Grundlegung einer Theorie der internationalen Politik, Gütersloh 1963, S. 55-57.

[4] Gebhard, Jürgen, Macht und Maß. Morgenthau und Kissinger, in: Greven, Michael Th. (Hrsg.), Macht in der Demokratie. Denkanstöße zur Wiederbelebung einer klassischen Frage in der zeitgenössischen Politischen Theorie, Baden-Baden 1991, S. 89.

[5] Vgl. ebd., S. 89.

[6] Vgl. ebd., S.95.

Details

Seiten
13
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638467124
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v50506
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Politikwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Realismus Hans Morgenthau Anwendung Kalten Krieg Einführung Politikwissenschaft
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