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Kinder und Hörkassetten

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 23 Seiten

Germanistik - Didaktik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Entwicklung des Tonträgermarktes in der BRD bis Mitte der 90er Jahre

3. Entwicklungslinie zum Medienverhalten von Kindern und Über- sicht ihres Umgangs mit Tonträgern im Jahre 1990

4. Bedeutung von Hörkassetten im Alltag von Kindern

5. Der Tonträgermarkt für Kinder
5.1 Der serielle Tonträgermarkt
5.2 Der alternative Tonträgermarkt

6. Hörerziehung im Unterricht
6.1 Umsetzung
6.1.1 Geräuscheraten
6.1.2 Geräuschejagen
6.1.3 Geräuschememory
6.1.4 Geräuschherstellung
6.1.5 Geräuschegeschichten
6.1.6 Geräusche imitieren
6.1.7 Klanggeschichten erzählen
6.1.8 Kettengeschichten erzählen
6.1.9 Stimmungen erzeugen
6.1.10 Geschichten nachspielen
6.1.11 Weitererzählen und weiterspielen
6.1.12 Collagieren
6.1.13 Hörspielproduktion

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

In der heutigen Zeit haben Massenmedien einen unentbehrlichen, aber auch allgegenwärtigen Stellenwert in unserer Gesellschaft erlangt. Gerade in den letzten Jahren konnte man eine rasante und fortlaufende Innovation des Medienmarktes beobachten. In rapider Geschwindigkeit werden Neuerungen präsentiert und auf den Markt gebracht. Wegen der sich ständig fortentwickelnden Technik sind die „alten“ Medien den neuen, durch eine größere Nutzungsmöglichkeit, gewichen.

Innerhalb des Tonträgermarktes, der mit der Schelllackplatte in den 20er Jahren begann, bringen heute CD, MD und Micro-Chip einen weit größeren Absatz als LP und Kassette, die nur noch in kleinen Auflagen in den Geschäften zu finden sind. Die LP und die Kassette sind die Grundtonträger für Kinderhörspiele und Märchen. Da vor allem durch das Medium Kassette Hörspiele erstmals ihren festen Standpunkt im Alltag von Kindern erlangt haben, beschäftige ich mich im Folgenden mit dem Umgang und der Bedeutung von Hörspielkassetten im Alltag von Kindern, vor dem endgültigen Durchbruch der CD als Tonträger in den 90er Jahren des letzen Jahrhunderts.

Dazu gebe ich zunächst einen kurzen Einblick in die Entwicklung des Tonträgermarktes in der BRD bis 1994. Es folgt die Darstellung der Entwicklungslinie vom Medienverhalten von Kindern von 1979 bis 1990 und eine Übersicht über den Umgang von Kindern mit Tonträgern im Jahre 1990. Darauf erläutere ich, welche Bedeutung Hörkassetten im Alltag von Kindern zu dieser Zeit hatten. Anschließend gehe ich auf das Thema Hörerziehung ein und mache Vorschläge zur Umsetzung im Unterricht für Kinder des 3. und 4. Schuljahres. Den Schlussteil bildet ein kurzes Fazit zum Thema.

2. Entwicklung des Tonträgermarktes in der BRD bis Mitte der 90er Jahre

Ab Mitte der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden vereinzelte Kinderschallplatten hergestellt. Darunter auch Märchen, die allerdings auf 2 ½ Minuten gekürzt werden mussten, da die Platten keine ausreichende Kapazität für lange Märchengeschichten besaßen. „1929 produzierte die Grammophon als erste deutsche Schallplattenfirma Aufnahmen für Kinder...“[1]. Ende der 50er Jahre setzten sich Langspielplatten als Massenmedium in der Bundesrepublik Deutschland durch. Deren Erfindung brachte die entscheidende technische Vorraussetzung für die Produktion von Hörspielen mit sich. Zunächst war dieses Medium, wegen vergleichsweise hoher Soft- und Hardwarepreise, anspruchsvoll und elitär. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung und dem damit verbundenen größeren Käuferinteresse etablierte sich die Langspielplatte sehr zügig. „Vollbeschäftigung, zunehmende Frauenarbeit, insbesondere von Müttern mit kleineren Kindern, trugen dazu bei, daß sich zu dieser Zeit auch ein Kinderschallplattenmarkt herausbildete.“[2] Schallplatten galten u.a. als Unterhalter, wenn die Kinder neben den Tätigkeiten der Eltern beschäftigt werden mussten.

Zunächst wurden Kinderspielplatten nur von kleinen Produktionsfirmen angeboten. Als sich ein Markt in diesem Bereich abzeichnete, fingen die Deutsche Grammophon Gesellschaft und die Telefunken-Decca im Jahre 1958 an, ebenfalls Kinderschallplatten zu produzieren. Damit wurde das Repertoire, dass sich zunächst nur auf Märchen beschränkte, um Kinderbuchbest- und Longseller, sowie Abenteuerstoffe bekannter Autoren, erweitert.

In den 60ern verbreiteten sich Kinderspielplatten immer weiter, so dass billigere Plattenspieler produziert und angeboten werden konnten, was wiederum den Schallplattenumsatz steigerte.

1968 begann der Phillipskonzern mit der Produktion von Tonkassetten und dazugehörigen Kassettenrecordern. Im Gegensatz zur Schallplatte war die Kassette in der Handhabung für Kinder einfacher und die Angleichung der Kassettenpreise auf Langspielplattenniveau führte zum endgültigen Sieg der Kassette auf dem Tonträgermarkt. Der erste Billigproduzent war Miller International, der sein Programm unter dem Label „Europa“ bis heute zum Einheitspreis anbietet.

1970 wurden etwa 1 Million Kinderschallplatten und -tonkassetten verkauft und 1973 sogar Achtmillionen Kindertonträger abgesetzt. 1975 stieg der Umsatz auf 10 Millionen, und 1977 wurden ca. 15 Millionen Tonkonserven für Kinder in der BRD verkauft.

1994 führte Kiosk den Kinder-Kassettenmarkt mit einem Anteil von rund 37 Prozent an. Darauf folgten Karussell und Ariola-Miller. Alle drei Firmen vereinigten insgesamt rund 95 Prozent des Marktes auf sich.

Diese Tatsache lässt sich aus der „Top Ten“ -Entwicklung der Kinder-Audioserien von 1992 bis 1994 entnehmen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die “Top Ten” der Kinderserien[3]

* BMG = BMG Ariola-Miller

Die Ansprüche und Funktion des Hörens haben sich mit der Etablierung der Kinder-MC verändert. Ursprünglich vermittelte das Hörmedium künstlerische und ideelle Werte. Diese wurden zunehmend zurückgedrängt und weichen einer oberflächlichen Unterhaltung.

3. Entwicklungslinie zum Medienverhalten von Kindern und Übersicht ihres Umgangs mit Tonträgern im Jahre 1990

Seit den 90er Jahren gehörten Massenmedien zum Alltag jedes Menschen. Dazu zählen bis heute vor allem „Bücher, Zeitschriften, Zeitungen und andere Printmedien, Hörfunk, Fernsehen und die Speichermedien Tonband, Schallplatte, CD, Video. Hinzu kommen Personalcomputer und Computerspiele“[4], sowie Internet, DVD, MP3 und Vergleichbares. Das Einstiegsalter zur Nutzung von Medien ist sehr jung. Schon im frühen Kindesalter spielen z.B. Hörspielkassetten, Fernsehen und Bilderbücher eine wichtige Rolle. Anfang der 90er Jahre stand in fast allen Haushalten mit Kindern mindestens ein Fernseh- und Radiogerät und in 90 Prozent ein Kassettenrecorder oder ein Tonbandgerät zur Unterhaltung bereit[5]. Betrachtet man die Veränderung der Mediennutzung durch Kinder von 1979 bis 1990, so lassen sich folgende Tendenzen feststellen:

Anteile verschiedener Medien an der Nutzungsdauer durch Kinder

6 bis 13 Jahre, alte Bundesländer und West-Berlin, in Prozent

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quellen: Die Studien Kinder, Medien, Werbung (1979) sowie Kinder und Medien (1990)

Der Gebrauch der Bildschirmmedien wächst und es hat sich eine tendenzielle Umverteilung der Zeit für Hörmedien weg vom Radio hin zu den Tonträgern entwickelt.

1990 wurden Kinder zwischen sechs und dreizehn Jahren zu ihren inhaltlichen Vorlieben bei der Tonträgernutzung befragt. Man fand heraus, dass die Tonträger, Schallplatte, Kassette oder CD 29 Prozent der befragten Kinder als reiner Musiktransporteur dienten und 67 Prozent auch andere Inhalte wie z.B. Märchen hörten. Die restlichen 4 Prozent gaben an, nie einen der o.g. Tonträger zu nutzen.

Differenziert man die Ergebnisse entsprechend dem Alter der Kinder, so stellt man fest, dass nur 13 Prozent der sechs- bis siebenjährigen Kinder die Tonträger als Musiktransporteur nutzen, bei den zwölf- bis dreizehnjährigen dagegen sind es 59 Prozent. Gegensätzlich fällt mit zunehmendem Alter der Kinder das Hören von anderen Inhalten von 80 auf 39 Prozent ab. Vergleicht man diese Ergebnisse mit Befragungen von Hörfunknutzern zwischen zwölf und dreizehn Jahren aus dem Jahre 1990, so „läßt sich, über die Altersgruppe hinweg, die Entwicklung des Tonträgermarktes vom „Vielzweckmarkt„ zum „Musikmarkt“ oder zumindest musikorientierten Markt feststellen.“[6]

Zum Bereich der sonst über Tonträger genutzten Angebote ausser Musik, nannten die befragten Kinder Märchen, Kindergeschichten und Abenteuergeschichten, wobei Mädchen lieber Märchen und Kindergeschichten und Jungen lieber Abenteuergeschichten hörten. Wieder kann man bei altersdifferenzierter Betrachtung feststellen, dass nur 8 Prozent der zwölf- bis dreizehnjährigen, dagegen 56 Prozent der sechs- bis siebenjährigen Kinder, Märchen auf Tonträgern hörten. Diese Ergebnisse sind vergleichbar mit Befragungen zu Kindergeschichten. Abenteuergeschichten hingegen wurden von den o.g. Altersgruppen nahezu gleich genutzt (durchschnittlich 32 Prozent) und hatten ihre höchsten Zuwendungsraten bei den acht- bis elfjährigen mit rund 50 Prozent.

[...]


[1] Heidtmann, Horst: Medienadaptionen von Volksmärchen. In: Märchen-Kinder-Medien. S. 86.

[2] Hengst, Heinz: Auditive Medien: Hörspiel. In: Kinder- und Jugendmedien. S. 217.

[3] Otterstein, Wolfgang: Materialien zum Tonträgermarkt für Kinder. In: Kinder und Radio. S. 151.

[4] Klinger, Walter: Die auditiven Medien im Alltag von Kindern. In: Kinder und Radio. S. 19.

[5] Vgl Ebd. S.19.

[6] Klinger, Walter: Die auditiven Medien im Alltag von Kindern. In: Kinder und Radio. S. 26.

Details

Seiten
23
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638466776
ISBN (Buch)
9783640781058
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v50462
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,7
Schlagworte
Kinder Hörkassetten Unterhaltung Massenmedien Popkultur

Autor

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Titel: Kinder und Hörkassetten